— Das Großherzogtum Oldenburg scheint den Franzosen als ein muftergil tiger Agrarsiaat zügelten. Eine Anzahl französischer Landwirte beabsichtigt im Lause dieses Sommers eine Studienreise durch Deutschland zu machen, und es soll bei dieser Gelegenheit auch den olden- burgischen Marschen ein Bestich abgesiattet werden. Nicht nur die Pferdezucht, sondern auch die Rindviehzucht sieht in den Marschen in höchster Blüte. Ochsen im Gewichte von 28 Zentnern sind keine Seltenheit. Fast jeder Bauernhof ist ein tadelloser Betrieb. Und diese Bauernhöfe präsentieren sich wie Adelssitze. Auch die Deichbauten werden die Franzosen bewundern können, da sie den holländischen Bauten zum Schutze vor Wassersnot um nichts nachsiehen.
KottbuS, 8. Avril. Für die Errichtung eines Zwei- /aiserdenkmalS (Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Friedrich) stehen jetzt etwa 50 000 Mk. zur Verfügung. Der in Aussicht genommene Plan des Denkmals soll nicht den Beifall des Kaisers gefunden haben. Es wird versichert, daß der Kaiser erklärt habe, nur einem Reiterstandbild seine Zustimmung erteilen zu wollen. Für ein solches reichen die verfügbaren Mittel bei weitem nicht aus.
Dresden, 8. April. Die Mitteilung, daß der König jie Verdoppelung der jährlichen Bezüge der Gräfin Montignoso in Aussicht gestellt habe, falls sie sich verpflichte, die Prinzessin herauszugeben, wird als un- richtia bezeichnet.
Der Hinkurz des Wasserreservoirs in Madrid
Die Hauptstadt Spaniens ist von einem schweren Un- glück heimgesucht worden. Am Samstag nachmittag erhielten wir aus Madrid folgendes Telegramm, das wir alsbald durch Aushang bekannt gaben:
Madrid, 8.Avril. Das im Bau befindliche Wafferleitnngs- /eservoir stürzte ein. Man nimmt an, daß 400 Menschen verunglückt seien. 50 Leichen sind bereits geboraeiu
Später eingelaufene Telegramme melden folgendes:
Die Katastrophe erfolgte um 7 V? Uhr vormittags. 300 Arbeiter waren dort beschäftigt, als das gewölbte Dach infolge Nachgebens des Untergrundes einsiürzte, alles unter seinen Trümmern begrabend. Es wurde sofort mit den Rettunqsarbeiten begonnen; die Leichen werden auf Karren fortgeschafft, die Verwundeten nach dem nahen Spital gebracht. Hierbei spielen sich herzzerreißende Szenen ab. Schon vor zwei Jahren ereigneten sich bedenkliche Einstürze im sogenannten dritten Wasserdpot im Norden Madrids. Die Ursachen des neuen Einsturzes waren den Ansissielleu bereits bekannt; die Entrüstung gegen die Behörden und die Bau g esellsch aft ist daher groß. Sobald das Unglück bekannt wurde, legten alle Arbeiter die Arbeit nieder. Eine ungeheuere Menge strömte zu dem Unglücksort, der alsbald durch Gendarmen und Soldaten abgesperrt werden mußte. Die Minister und Behörden sowie der König, der Prinz von Asturien und der Generalstab organisierten die Rettungsarbeiten. Fortwährend wurden gräßlich zermalmte Leichen heraufbefördert. Ganz Madrid steht unter dem farcht- baren Eindruck der Katastrophe. Die Gesamtzahl der Verschütteten wird auf 900 geschätzt.
Der König, welcher Schießübungen in Carabanchel oeigewohnt hatte, kam mittags zurück und begab sich auf den Schauplatz des Unglücks. Er überwachte persönlich das Rettungswerk. Abgerissene Gliedmaßen und verstümmelte Leichname wurden aus dem Schutt herausgefördert. Ein verwundeter Arbeiter erzählt, der Einsturz sei so plötzlich erfolgt, daß er sich kein Bild davon habe machen können. Die Arbeiter hatten eine Katastrophe schon befürchtet, da vor 14 Tagen schon drei Gewölbe eingestürzt und in oier anderen starke Risse aufgetreten waren. Der Ingenieur und der Unternehmer des Baues werden allgemein aufs schärfste verurteilt.
Im Laufe des Nachmittags wurden 80 Leichen aus dem Schutt des einqestürzten Wasserreservoirs hervorgezogen. Alle Verwundeten haben schwere Verletzungen davongetragen. Frauen zogen mit schwarzen Fahnen in der Stadt umher und erzwangen die Schließung der Läden zum Zeichen der Trauer.
Die Zahl der Opfer beträgt insgesamt 400 Pers onen.
Die Behörden haben sofort einen Untersuchungsausschuß eingesetzt behufs Feststellung der Ursachen und Schuldigen an dem Unglück. Die Kommission wird zur Hälfte aus Zivilpersonen und zur anderen Hälfte aus Militär bestehen. Vorsitzender der Kommission ist General Serero. Die Regierung wird die Beisetzung der Opfer aus ihre Kosten auf sich nehmen.
Da es ganz unmöglich erscheint, zu den Verschütteten zu gelangen, befürchtet man, daß alle 400 zerschmettert oder ersti ckt sind. Die eingestürzten Gebäude bildeten ein mächtiges Viereck von 300 Meter Länge und 150 Meter Tiefe; alle Gebäude stürzten auf einmal zusammen, wie man annimmt, wegen zu geringer Stärke der tragenden Pftiler. Wassermassen bedecken den größten Teil des Trümmerfeldes. Mit Zustimmung der Regierung wird eine Subskription für die Familien der Verunglückten eröffnet.
Mehrere der Verwundeten im Hospital, welche der König besuchte, sind gestorben. Die Blätter betonen, daß seinerzeit in der Kammer gegen die Anlage des Reservoirs wegen schlechten Untergrundes Widerspruch erhoben worden sei.
Am Sonntag vormittag begaben sich die Vertreter der Arbeiterverbände zum Generalgouverneur, um die Erlaubnis zur Veranstaltung von Trauertundgebungen in den Straßen Madrids zu erbitten. Der Gouverneur erteilte die Genehmigung. An der Unglücksstätte sind 700 Arbeiter mit den Ausräumungsarbeiten beschäftigt. Gruppen von Studenten und Arbeitern durchzogen am Sonntag mit schwarzen Fahnen die Straßen der Stadt und sammeln für die Opfer der Katastrophe und ihre Familien Geldspenden, die sehr reichlich gegeben werden. Der König besuchte die Verwundeten in verschiedenen Krankenhäusern.
Der Domprobst Malzi vor Gericht.
ADriginal-Artikel bei „Gießener Anzeigers".)
h, F. Mainz, 8. T-eL
(Dritter der Verhandlung.)
Hegen 2*4 Uhr eröffnet irr Vorsitzende, Landgerichtsrat Zim - m er manu, die Sitzung.
(£3 to;rb unter großer Lycrnnuiig zunächst bie vierzehn «brn: Hedwig Schmidt als Zeugin aufgerufcn. Sie ist ein sehr Kitsches, elegant gekleidetes, vornehm aussehendes Mädchen. Sie
bekundet auf Befragen des Vorsitzenden: Sie sei mit beni jetzigen .^andlnngslebrling Franz Werner bekannt. Dieser habe sie einige Male begleitet und auch mehrfach in der Wohnung ihrer Eltern verkehrt. Aus Anlaß ihres vielen Zusammentreffens mit Werner sei dieser von Mitschülern und Missckülerinmn scherzhaft „Hedwig genannt morden. Ein unanständiger Verkehr zwischen ihr nnd Werner habe aber niemals stattgefnnden. Die Zeugin bekundet weiter auf Befragen: Sie sei am 17. Januar zum Propst bestellt worden. Der Vrovst habe sie anfg-fardert, zu gestehen, daß sie mit Franz Werner unanständigen Verkehr a-'bgbt habe. Vlerner habe bernts alles eing"ltmiden und auch mstersckriccken. Dabei habe der Propst ein Sckrifssllick v^rgewiesm, in dem Werner eine solche Erklärung imterschriebeir halle. In dem Schrifflftlck sei der unanständige Verkehr in allen Einzelheiten mit größter Genmiigkeit aescbildert worden. Inzwischen set der Propst in ein anderes Zimmer gegangen und habe Katharina Zimmernwnn vernommen. Sehr bald habe sie heftiges Schreien und Schläge gehört. Bald darauf habe der Propst sie in das Zimmer gerufen. Dort sei die Zimmermann gewesen und habe heftig gewemt. — Vors.: Hast Da auch geweint? — Zengin: Ja. — — Bors.: Weshalb weintest Du? — Zengin: Wlll ich unterschreiben sollte, was nicht wahr war. — Vors.: Bist Du hom VropN ges-Magen worden? — Zeugin: Rein. — Vors.: Was sagte der Vrovst? — Zeugin' Er sagte, die Zimmermann hat be- r-'lls e'n^'anS’n n''d un^rs-ri"ben, i* sollt" auch un'erschreibm Vors.: .Hat der Propst Euch nicht aufgefordert, ibn nm Verzeihung zu bllten? — Zeugin: Jawohl. — Vors.: Hast Du das getan? — Zeugin: Ja. — Vors.: Hat er Euch nicht auch m'^gefordert. ibm einm Kick zu gebm? — Zeugin: Jawohl. — Vors.: Hast Du dem Herrn Vropst einen Kuß gegeben?— Zeugin' Jawohl. — Vors : Hat dw Zimmermann auch dem Herrn Prnpst einen Kuß gegeben? — Zenain: Jawohl. — Vors.: Hat Euch auch der Herr Provst einen Kuß gegebm? — Zenain: Ja mehrere. Die Zengin erzählt danach: Nachdem auch sie das Schriftstück untenchrieben hatte, habe die Zimmermann aesagt: Ich habe unterschrieben, es ist aber doch nicht wahr. Daraus habe der Vrovst dst Zimmermonn heftig geschlagen Der Propst habe sie und die Zimmermann Heuchlerinnen und Säue genannt. Alsdann habe der Provst sie nnd die Zimmermann auf die Erde gelegt und gesagt: ,.Nun tut mit mir, was Ihr mit Werner getan habt." Dir haben abgewehrt und gesagt: Nein, das tun wir nickst, wir haben auch mit Werner nichts aetan. Die Aussagen d"r Zeugin laisten im übrigen wie die d"r Zimmermann Vors.: Wurdest Du nickt nachher auf der Straße nnd in der Kircke behelligt? — Zengin: Ein Herr Brgnd b^t mick in der Kircke besckimpft. — Vors.: Du sollst in der Kircke geplaudert haben? — Zeugin: Das ist unwahr. — Vors: Bist Du auch auf der Straße behelligt worden? — Zeuam: Ick wurde auf b"r Straße von KNohen und Modcken angaswickt und aescklagen. — Vors.: Hat Dir nickt auch die Handarbeitslehrerin Zimmer Vorhaltungen aemackt. — Zeugin: Ja, Fräulein Zimmer bat ge- sgat: es ist alle^ Gesckwätz, was gegen dm Herrn Provst vorgebrackst wird. Katharina Zimmermann verdiente angesvuckt und auf den M u nd g e s ch l a g e n zu w e r- den. (!)
Der Vorsi^ende ruft danack Katharina Zimmermann vor. — Vors.: ^ast Du gehört, was Deine Freundin gesogt hat? — Zeugin: Jawohl. — Vors.: Ist das alles ricktig? — Zeugin. Jawohl. — Ein weiterer Zeuge ist R"cktsanwall Rötst ^Dorms^: Er sei auf Ersuchen des Provstes am ?lbmd des 17; Januor bei der Vernebunma des Franz Werner zngeaen gewesen. Dem Kugh-'n wurde sein schriftliches Geständnis, hast ^r mit den beiden Mädcken, Katarina Zimmermann und Hedwio Sckmidt, unanständigen Verkehr aehabt habe, daß sie Vaterckens und Mutterckens und „Ho^'zeit" gesvielt habm, vorg-ckalstn. Der Knabe saate aber: ,,Jch habe unterschrieben, es ist aber nickt Wal"-" Der Herr Vrovst w"r d^"'ster sehr aufa"regt und sagte zu Werner: Hast Du das Schriftstück nickt fteiwillig unterschrieben? Da verletzte Dern"r: Ja, nackdem Sie mich geschlagen hatten. Ich habe Dich doch aber bloß am Anfang aescklaoen, beruhte der Herr Propst. Es ist aber nicht wahr, sagte Werner. Werner fiel im Laufe der weiteren Vernehmung in Ostnmackt, er lZeuae) habe d-"s aber für eine Komödie gehalten, denn Knabe habe sick sofort wieder erholt.
Oberstaatsanwalt: Wunderten Sie sich nickt, daß der Herr Vrovst die Sacke bezüglich des unanständigen Verkehrs zwischen den Kindern so sehr tragisch nahm, ftdaß er Sie sogar als Rechts- besiissenen hmzuzog? — Zange: Der Herr Propst sagte: er müsse die Sache sebr ernsthaft behandeln, da er von Frau Zimmermann verdächtigt worden sei.
Der folgende Zeuge Kirchendiener Wiegand ist auch bei der Vernehmung des Franz Werner zugegen gewes-en, er schließt sich vollständig den Vekundunaen des Vorzeuaon an. — Auf Befragen des Anaellaat^n bekunden die beiden Mädchen übereinstimmend: Der Propst habe am 17. Januar eine goldene 11 hr- kette getragen. — Angckl.: Ich bemerke, m. H., ich habe niemals eine goldene Uhrkefte, sondern stets eine. Nickelkette getragen, das wird mir allaemein bestätigt werden. Wie man da behaupten kann: ick habe eine gold*ne Nhrkette getragen, ist mir unbegreiflich. Begreiflich sind mir aber alsdann die anderen Aussagen. Der Ana-'llaate stampft bei d-i-sen Worten mit dem Fuß heftig auf den Erdboden. — Vors.: Ihr hört, nms der Herr Propst sagt, er habe überhaupt niemals eine goldene Nhrkette getragen. Wenn Ihr also bezüglich der Nhrkette die Unwahrheit gesagt habt, dann seien auch "Eure anderen Aussagen bezüglich W Voi-aanges auf dem Fußboden und anft dem Sovha unwahr. — Beide Mädchen bemerken übereinstimmend: Sie glauben', der Herr Vropst habe eine, goldene Nhrkette a-t'-agen. Die Vorkommnisse auf d-m Sopha usw. seien wahr.,— Nach einer kurzen Pause ruft der Vorsitzende nochmals Katharina Zimmermann und Hedwig Schmidt vor den Ricktertisck. H-rr Prop^ll ich will Jlmen mm Geleg''nheit geben, an die beiden Mädchen Fragen zu stellen. Angeklagter (mit großer Heftiaftit): Ick habe bereits bei meiner ersten Vernehmung aesagt: Es ist nickt wahr, daß ick die Mädchen unzüchtig berührt oder irgendwelche Nnanständiqkeit''n begannen habe. Die ganze Gesckichte nnlß auf einer Verwechslung oder einem Mißverständnis beruhl-n. r*bnr die Kinder haben sich 'so hineingeredet, daß sic es schließlich selbst glauben. Ich war an diesem Tage über das Verhalten der Mädchen so sebr aufgeregt, daß die beschriebene Szene auf dem Sopha vollständig unmöglich ist. Ick kann mir nur erklären, daß die Mädcken entweder lügen oder daß ihnen etwas eingeredet worden ist, denn das, was die Mädcken hier cm Sa-'tagt haben, ist unwahr.
Vors.: Ihr hört, waS der Herr Propst sagt. ES muß ein Mißverständnis vorliegen, er hat mit Euch nicht Nusittlickkeiten begangen? — Katharina Zimmermann: Doch ist es wahr. — Vors.: Hedwig Schmidt, was sagst Du dazu? — Hedwig Sckmidt: Es ist doch,wahr. — Angeklagter: Haben die Mädcken sich über die Sacke mit ande-ren Mädcklen unterhalten? — Die Mädchen verneinen das. — Oberstaatsanwalt: Das ist doch aber sehr natür- llch. Habt Jbr wirklich mit den anderen Mädcken nicht über die Sacke gesprochen? — Die Mädchen gebm schließlich zu, einige Male mit anderen Mädcken üb"r die Vorgänge gesprochen zu haben. Auf nochmaliges eingehendes Befraaen bleiben beide Mädchen dabei, die volle Wahrheit gesagt zu haben.
Im Verlauf der weiteren Verhandlung bewerft der Oberstaatsanwalt, er habe auch mehrere anonvme Briefe erhalten. — Vert.: Ich auch. — Oberstaatsanwalt: Ein Anonvmus schrieb: Der katbolische Oberstaatsanwalt Schmidt müßte durch den evangelischen Stichel (Untersuchungsrichter) ersetzt werden. — Die folgende Zeugin ist die Handarbeitslehrerin Zimmer: Sie habe Katharina Zimmermann zur Rede gestellt, weil sie sich unmanierlich benommen habe. Daß sie Schülerinnen aufgefordert habe, der ZiPimermann in? Gesickt zu spucken, und zu schlagen, sei vollständik' aus der Luft gegriffen. — Gegen 81/? Uhr ab ndS wirb die Verhandlung auf Montag vormittags 9 Ubr vertagt. ES werden alsdann b;e Vla'doverS beginnen.
Ans Htnöt und Land.
Gießen, den 10. Aprrt 1905.
' - eichnu n g. Ministerialrat i. P. Dr. W. Soldan
hat, :ine tni5 ein Drahtbericht auS Darmstadt meldet, an»
läßlich der Enthebung von seiner Stelle als Denkmolpfleger die goldene Verdienstmedaille für Kunst und Wissenschaft erhalten.
** Hessisch-Thüringische Staatsl otterie. Ber der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse fielen Gewinne 10 000Mk. aus Nr. 66862 66964, Gewinne von 5000 Mk. auf Nr. 8158 17776 24245. (Ohne Gewähr.)
** Der städtische Voranschlag für das Rech-* nunasiabr 1905, der voraussichtlich in der nächsten. Stadtverordnetensitznng beraten w^rd<".t wird, ist im Druck erschienen nnd am Samstag an die Stadtverordneten verteilt worden. Der Voranievlag schließt in der Bell'i"bsrech- nung in Einnahme und Ausgabe mit 1 964 543,65 Mk. ab, gegen 1803 489,30 Mk. im Voriabr. Die Vermögensremnung schließt in Einnahme und Ausgabe mit 4 368166,59 Mk. ab, gegen 3 914 771.61 Mk. im Vorjahr.
** Männer-Turnverein Gießen. Am Samstag hielt der Männer-Turnverein Osießen s^ine Frühjahrsmit- aliederversammlung ab. Ans dem Berichte, den der erste Sprecher, Rechtsanwalt Kaufmann, erstattete, ging hervor, daß das Vereinsleben im Geschäftsjahr 1904/05 sowohl tn turnerischer als guck in geselliger Beziehung ein sehr reges war. Die Mitaliederzalll stieg auf 242 gegen 229 im Vom"obre. Die Rechnunasablgge ergab ein-n Ueberschuß von 214 Mk., ein Z-ichan dafür, daß der Vorstand und Turnrat aut gewirtschaftet Hatton. Der Turnrat, dessen Amtstätigkeit mit dem 31. März, 1905 abaelanfen war, wurde fast einstimm'g wiedergeMH'lt. Eine kleine A-enderung trat insofern ein, als der seitherige erste Tu^nwart mit Rücksicht auf seine berufliche Tätigkeit eine Wiederwahl ablehnte und an seine Stelle Fritz Wenzel als erster und Karl Fir als zweiter Turnwart gewählt wurden An Sommeriestlichkeits'n wurden beschlossen für den 21. April ein Familienausflug nach Lich, für den 14. Mai ein Zöglingswetturnen mit daran anschließendem Familienabend im neuen Saalbau, für den 1. Juni Himmelfgbrtsansflugi über Nieder-Weimar nach dem Riwbw:g und zurück über Ealdorn nach Marburg, für den 25. Juni ein Familien- ausflug über den Stopvelberg nach Garbenheim, für den 5. Auaust ein Waldfest im Ha^dtwäldchen nnd für den 10. September ein Familienausslng über Watzenborn— Pfahlgrab en nach Butzbach. Die Einladungen zu den einzelnen Fellftchkeiten sollen im Gießener Anzeiger erfolgen. Da der Verein am 19. November 1905 schon 20 Jahre besteht, soll an diesem Tage ein ar ö ß ere s Stiftun g s-> fest gefeiert werden. Die Beschlußfassung über den Festplan selbst wurde einer besonderen außerordentlichen Mitgliederversammlung vorbebalten. Die gut besuchte Versammlung wurde aegen 2 Uhr geschlossen.
•* Nene Haltestelle der Biebertal bahn. Mit dem Inkrafttreten des Sommersabrpsans halten, sofern Reisende ab- oder zngeben, einzelne Züge der Biebertalbahn an der Abzweigung der Straße nach der Hardt.
•• Studienreise. Der Konservator des Mnftums deL Oberbess. Ge^chichtsvereins, Hauptmann a. D. Kramer, ist heute nach Paris gereist, nm wegen der Uebersiedelung des Museums ins alte Schloß dortige Sammlungen zu studieren.
** Besitzwechsel. Der früher Buschssche Garten im Seltersweg ist zum vierten Teil für 50 000 Mk. (Herr W i n n kaufte den ganzen Platz s. Zt. für 110 000 Mk.), an Drogist Kilbinger von hier verkauft worden. — Das Haus Seltersweg 87, Herrn H e i d t acis Butzbach gehörig, ist für 101 000 Mk. an Schneidermeister Leib in Gießen übergegangen.
Mainz, 9. April. Das Verfahren gegen den Zeug« Hauptmann Künemund, der sich seit einem Jahre wegen Urkundenfälschung und bedeutender Unterschlagung in Untersuchuogshaft befindet, wird in einigen Tagen eingestellt, da sich durch die ärztlichen Untersuchungen in der Irrenanstalt Eichberg ergeben hat, daß bei Künemund Geistesstörung eingetreten ist. (M. Tgbt.)
Frankfurt, 9. April. Arn 1. Mai findet bei den Münze'-pert''n Sallh Rosenberg und S. Schott-Wallerstein hier die Versteigerung der 2. Abteilung des berühmten Dr. Bc'llischen Münzkabinetts statt. In über 2300 Nummern sind die Münzen und Medaillen der alt- und neufürstlichen Häuser ausfübrlich beschrieben. Außerdem enthält der Katalog nochl 15Lichtdrucktafeln, auf welchen die auserlesensten und selteneren Gepräge abgebildet sind. Besonders reiche Serien finden sich von Brandenburg- Preußen, Hessen, Nassau, Sachsen. Hanau, Isenburg, selb, Solms und Wallenstein vor.
tkrmlfcbte».
* Zu dem Erdbeben in Indien wird noch berichtet, daß bis jetzt nachweislich über zweitausend Menschen nmgekommen sind. Das Unglück bat namentlich dadurch solche Dimensionen angenommen, weil die Einwohner dcrrch das plötzliche Eintreten der Katastrophe derartig betäubt waren, daß sie stundenlang an ein Rettungswerk nickt denken konnten, zudem fehlten infolge Indolenz gegen Erdbeben alle Werkzeuge. Palampore, das Zentrc,m des Teedistriktes, ist bis aus den Grund rasiert; die Heber* lebenden sind ohne Nahrung. In Palampore wohnen viele europäische Pflanzer. Von allen Nachrichten über die verheerenden Wirkungen des Erdbebens ist die furchtbarste, big in einem Telegramm aus Lahore enthaltende Meldung, wonach in Dharmialeh 400 englische Soldaten ohne jede Aussicht auf Rettung lebendig begraben warben. Man glai,bt, daß von der gesamten Bevölkerung der Stadt Kangra, die ungefähr 5000 Personen zählt, nur 500 am Leben geblieben sind, von denen viele aus der Stadt geflohen sind.
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101.60 . 100.20
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IVresdenor Bank Ber iner Handele^es Oestorr. Staafebfchu Lombarden
Tendenz: fest.
Ootthar-ibahn Lenrahntte Bochmn
. 67.90
. 89.00
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52.10 45.65
Harpenor .
Staatschatzscheine
mittags.
. 35 78
. 96 45
. 140 50
. 122.50
. 209 80
J9J.00
. 14480
. 158 50
. 170 70
. 141 10
. 16 50
* 376*00
251.90
. 212 50
, 10065


