Ausgabe 
9.3.1905 Erstes Blatt
 
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Nr. 58

Erstes Blatt.

155. Jahrgang

Donnerstag S.Mär^lSOL

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Gießener Aineiger

sS " General-Anzeiger « WM

«ä Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Fernsprechanschluß Nr. 51. m। nwm illi.

Fluß^.std in Sturm und Irang.

Zwei Dementis

Wie diePetersb. Tel.-Ag." erklärt, entbehren bit Gerüchte über eine Erkrankung des Thronfol­gers jeglicher Begründung, und derPrawttelstwennyj Weltnik" erklärt, daß die Blättermeldung, wonach der Prä­sident des Ministerkomitees Witte sein Abschiedsgesuch eingereicht haben sollte, durchaus falsch ist.

Russisch-Polen

fteH unentwegt unter der Diktatur des Säbels, die national» polnische Bewegung soll durch brutale Gewalt unterdrückt werden. Gleichartig aber sucht die russische Regierung iw den von ihr abhängigen Preßorganen di-e Polen glauben M machen, daß ihre besonderen nationalen Wünsche auf wohl­wollende Prüfung ?<\i rechnen hätten, wenn Rußland erst aus den äußeren'Verwicklungen heraus sei. UeberflüssigeS Bemühen. Tie Schläge, die man auf die Polen nieder­sausen läßt, werden dadurch nicht weniger empfindlich, daßj man den Mißhandelten Versprechungen vor die Augen hälp, Das polnische Nationalgesühl lehnt sich auf, und da macht es keinen Unterschied, ob der Polonismus in sozialistischer.

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Am rechten Ufer des Hunho griff der Feind unsere Stellungen nörd­lich und südlich von Pa ns in tun an, rourbr aber zurückgeschlagen. Eine Ab» Leitung von uns ging auf dem Weg nach Simminting vor und besetzte nach einem blutigen Kampf das Dorf Tsin- vanche in der Räbe von Taschnikiao,

Mukden, wird gemeldet: Am 6. März morgens rückten oie japa­nischen Streitkräfte in der Richtung auf Lmaijen vor, nabmen zu­erst Pinsbibata, darauf duaiien. Die Lage in der Gegend von Tita ist unverändert. Am Dienstag morgen um 3 Ubr qinp die russische Artillerie aus der Richtung vom Schccho östlich der Eisenbahn gegen eine Anböbe nördlich von Tunchintun vor, wurde aber unter Verlust von 30 Toten z u r ü ck g e s ch l a g e n. Um 2 Uhr morgens am Dienstag konzentrierte sich die r u s H s ch e Artillerie von T a s ch a n und Wanpaosban, während große Infanteriewaffen zum Angriff vorgingen: ihr Feuer richtete sich gegen unsere Stellung; sie wurden aber um V25 Ubr morgens vollständig geschlagen. Um 11 Ubr vormittags nm Dienstag belebten die Japaner Ost-Hanchengpoa im Westen der Eisenbahn und schlugen später einen Angriff der- Ruffen bei dein Versuch, den Ort wiederzuerobern, ab. Am rechten IVer des Hunho machen in der Räbe von Pangsbiftm, sieben Meilen süd­westlich von Mukden sich Anzeichen bemerkbar, daß die Russen allmählich Verstärkungen heranziehen. Die Japaner besetzten zwei Drittel von Likuanpalo, acht Meilen westlich von Mukden und schlugen den Gegenangriff einer russischen Division ab.

Mukden, 8. März. (Petersburger Telegrapben-Agentur.) Nordwestlich von Mukden wird st a r k e r Kanonen­donner gehört. Die Wände der Häuser in Mukden erzittern. Die Schlacht tobt auf den Kaisergräbern.

Petersburg, 8. März. Nach Meldungen aus Muk-

Dschibuti zurückzusegeln.

Die Niederlage der Russen det Mukden läßt sich danach wohl nicht mehr bestreiten. Kuropatkin hat nach anderen Meldungen Mukden verlaßen und, wie aus Tokio versichert wird, sein Hauptquartier in einem Eisen­bahnzuge aufgeschlagen, um sich mit den Seinen schleunigst rückwärts zu konzentrieren. Ob da§ gelingen wird, muß man abwarten; es ist mindestens zweifelhaft.

Man scheint in Petersburg alle Hoffnung aufzugeben. Die Rückkehr des Roschdjeschwenskischen Geschwaders deutet mit aller Klarheit darauf hin.

Auf Rußlands Friedensabsichten deutet auch folgende Meldung:

Antwerpen, 8. März. Seit meh­reren Monaten waren hiesige Rheder da- mit beschäftigt, die russischen Geschwader regelmäßig mit Proviant zu versorgen. Zu diesem Zweck war eine große Anzahl Dampser gechartert worden. Es sind nun plötzlich Anweisungen gekommen, diese Sendungen ei n z u st e l l e n. Der Dampser .Juliette", der bereits seesertig war, wurde ebenfalls durch Gegenbefehl an der Ausfahrt gebindert. Der russische Agent, der die Käufe für die russischen Schiffe vermittelte, ist nach Peters­burg zurückgekehrt.

Vom Kriegsschauplätze liegen indes heute von Kuropatkin drei sehr optimistisch ge'ärbte Telegramme vor: In dem ersten vom 6. März heißt es:

demokratischer oder allpolnischer Färbung schillert. Es srnds keineswegs nur radikale Elemente, die Forderungen auf­stellen wie: eigene gesetzgeberische Körperschaft für Polen, Landschaftsverfafsung mit gewählten Deputierten, Besemgi-t ung der russischen Unterrichtssprache in. den polnischen! Schulen. Im Grunde erübrigt es sich, die Frage aufzu­werfen, ob der Appell der russischen Polen an das Solww- ritätsgesühl der preußischen Polen notwendig war, deck in der kecken Behauptung gipfelt, Preußen habe ber.baj Unruhen in Russisch-Polen die Hatnd im Sprel, weck förmlich darauf brenne, dort einzurücken und dem russischen Freunde die Arbeit der Zerschmetterung der Polen aozu- nehmen. . . ,

In der Ortschaft Sawerze im Krei,e Sipnowice feuerte am 4. März eine Patroicktle auf 30 Arbeiter, die ^?r Auf­forderung, auseinanderzugehen, nicht gefolgt waren. DreiÄ Arbeiter wnrden getötet, drei verwundet, denj Kasimiergruben wurde die Drahtseilbahn durch eine Dpnai^ m i t e x p l o s i o n beschädigt.

Aus dem Reiche.

Aus Kiewwird gemeldet, daß ein B auern aufstand in der Umgegend ausgebrochen sei. Die Bauern grisfens das Landgut des Barons Meftendorff im Gouvernement! Kursk an und plünderten die Landwirtschaftsgebäude.' Baron Meyendorsf ist Kornmandant der Leibgarde des!Barette Tie Bauern schleppten die Getreidevorräte fort und ver­teilten sie unter sich. JU Kiew sind sämtliche GeschästSi- läden geschlossen, da die Einwohner befürchten, daß dies revoltierenden Bauern in die Stadt eindringen werden.

Wie aus Eriwan im Gouvernement Kutais tele­graphisch gemeldet wird, wurde auf offener Straße der Gouvernementsarzt Arnujow ermordet. Dyel Untersuchungen nach den Tätern blieben erfolglos.

Gorki.

Riga, 8. März. Ter Gesundheitszustand des hier weilenden Dichters Maxim Gorki bessert sich mit jedem! Tage. Wie er einem Freunde gegenüber geäußsert hat, will er ein Werk über das Blutbad in Homel schreiben,

lichen Teil des Westftügels, besonders bei dem Detachement des Generals Zerpitzki. Auf japanischer Secke waren- dort 50 000 Mann mit 200 Geschützen am Kampfe Beteiligt; doch wurden alle ihre »griffe von ZerPrtzkr »W<en. Ter General feiste sich während des entscheidenden Gefechts tetoft an bie s^e eines Regiments und führte es zum ©eaenonariff vor Sie Russen benutzten habet dte auffaeBäuften japanis chen Lei chen als Schutz­wehr nachdem sie sie nur flüchtig mit Erde bedeckt hatten. Tie"betreffende Stellung wurde öfters erobert und wteder verloren; zuletzt blieb sie endgiltig in den Handien der Russen Die Mannschaften drängten sich m ihrer Freude an General yerpitzki heran und küßten ihm die Milbe Weiter nördlich soll General Gern groß Ta- Ichitschao wieder genommen h-wen

l-ondon 8. März. Der Tokioer Korrespondent des Doilv Telegraph" drahtet aus Mnkau aus chinesischer L?iele^ Die Russen haben nunmehr Mukden völlig geräumt Nachdem sie ihre wichtigsten Stellungen an ben Enden der beiden Flügel eingebüßt machten ne mehrere verzweifelte Nachtangriffe mit su r cht b ar e n V e r In sten. Ein Regiment allein verlor 20 Offiziere und G00 Mann Auf dem Rückzüge verheerten die Russen das ganze' Gelände und brannten alle Dörfer nieder.

3 5$,er berliner Korrespondent desEcho de Pans" tele- aravbiert seinem Blatte, in Berliner japanischen Kreisen L ein Telegramm des Inhalts eingetroffen bab bie Ku ff e n nodibem sie geschlagen seien Mnkbech bereits auf gegeben hätten unb in g u t e r D r b n u n g auf Tieling ytriidgegangen wären. Die Berliner ja­panische Gesanbtschaft teilt hierzu mit, baß em derartiges Telegramm bei ihr nicht em gegangen ist und daß die 5zerren ^er Gesandtschaft von einer solchen Nachricht nichts erfahren haben. #

Wie verlautet, aeeeptierle die englische Re­gierung die rnsiischerseits augebotene Enffchädignng von ß Millionen Francs für bie Hüller Fischer.

dem linken Flügel ist es r u h i g.

Im dritten Telegramm vom 7. März heißt es: Der Hemd griff das Dors Pouffuantun energisch an und besetzte einen Teil desselben, wurde später aber daraus vertrieben. Die Angrisse im Zentruin wurden abgeschlagen. Auf der linken Flanke griff der Feind Oubenepnza an, wich aber unter unserem säst aus nächster Nähe abgegebenen Feuer zuruck.

Weitere Meldungen lauten:

Mukden, 8. März. (Petersb. Tel.-Agent.) In der Rächt vom 6. März griffen die Japaner mit großen Ltrettkraften oi vorgeschobene russische Stellung in Tschantschenpu aus der Liayn- linie an. Nach mehreren vergeblichen Angriffen stellt e n Japaner ihren Vormarsch ein. » c ibe r f e t ts fli »B * Verluste. Ebenso schlug die AbteilungR ° g"keine die Angrisie der Japaner ab. Augenblicklich M reine Kanonade hörbar. Augenscheinlich ist auch der Uies

IReuterh Die Japaner nahmen ^eute vormittag 8 U6r SJl « Bu| bcm j ?is ch en

Hau'ptqua'rti'er in^'derGeaeud von Singlschmg, südöstlich von

Zeichenerklärung!

Se aber dannwL;urMchlägen, da der Feindff den entbrannte gestern wieder ein Mßer ber Liukniakuan östlich von Tasheikiao energisch verteidigte, V er-' hrben TmT des Westckuaels, beionders ch

stärkungen aus dem Südwesten und Nordosten erhielt. Seine Verluste sind beträchtlich. In der Gegend des Pu ti- lowhügels nahmen wir gestern drei Revolver­kanonen und machten 50 Gesang ene. Die Angriffe aus Kandilosan wurden abgeschlagen, ebenso diejenigen aus Obena- pusa. Beim Kutulinpaß herrscht Ruhe.

Das zweite Telegramm vom 7. März lautet: Am rechten User des Hunho griff der Feind mehreremale unsere Stellungen vor den Döckern Pansytun und Puanhuatan an. wurde aber zurückgeschlagen. Alle Angriffe aus den Putilow- und Novgorodhügel, die sehr blutig waren, wurden abgeschlagen, ebenso die nächtlichen Angriffe auf Kandolisan. Dtanchmal machten die japanischen Soldaten Kehrt und feuerten auf ihre eigenen Leute, gleichsam als wenn sie Russen wären, indem sie so die Japaner bis zu den Drahtverhauen lockten. Oubenepuza ivurde gestem abend um 8 Uhr und gegen Mitternacht angegriffen. Dabei erbeuteten die Unsrigen, als sie den Angriff ab- ^lugen, zwei Revolverkanonen. Um 6 Uhr morgens erneuerten die Japaner ihren Angriff. Wir machten eine Kontre- Attacke und nahmen dabei eine Revolverkanone. Auf

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5>te üeutige Kummer umfaßt 10 Seiten.

Der Krieg.

Wir erhielten gestern abenb folgenbe Telegrgmme, bie wir alsbald durch Aushang bekannt gaben:

London, 8. Marz. Der Korrespondent des Reutersch en BvreauS km Hauptquartier des Generals Kuroki meldet in einer Depesche vom heutigen Tage um 4 Uhr ans Fusan: Heute früh haben die Russen unter dem Schutz der Dunkel- heil die ganze Linie längs des Schaho geräumt. Sie sind jetzt in vollem Rückzug nordwärts begriffen, von der japanischen Infanterie hart bedrängt. Vor dem Rückzug legten die Russen Feuer an große Mengen von Vorräten, die dann die Nacht hindurch verbrannten. Ter Fall vonMukden scheint unmittelbar bevorzuftehen. Die Japaner bedrängen die Ruffen hart ans dem Oststügel.

Paris, 8. März. Eine Privatdepesche desTemps" aus Tananarivo von heute besagt: Die ganze russische Flotte hat die Gewässer von Madagaskar verlassen, um nach