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10.10.1905 Erstes Blatt
 
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Justizrat W i n d ecker zu Friedberg einstimmig wieder als» Kandidaten auf.

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denkenden Glieder der Gemeinden vom kirch- l ich en Leben zurückziehen. Eie können als selbst­ständige Menschen nicht in einer Kirche mitarbeiten, wo der Pfarrer allein alles bestinimt und die anderen nur gehorsame Werkzeuge sein sollen.

Die führenden Männer deS Pfarrvereins leugnen es zwar ab, das; sie eine derartige Gestaltung der Kirche erstreben. Genau so wird das Zentrum mit Recht den Vorwurf der Herrschsucht von sich abweisen. Es vertritt seiner Ansicht nach nur die berechtigten Interessen der katholischen Kirche, während wir anderen uns^ durch deren Verwirklichung vergewaltigt fühlen wurden. <so glauben Ihre Führer auch nur die be­rechtigten Interessen der evangelischen Kirche gu vertreten,

Meteorologische Beobacht,ingen

_________der Station Metzen.

3.9. Oktober +

8.-2. . +

sj Marburg, 7. Oktober. In der gestrigen Stadt­verordnetensitzung kam es über die in vielen Straßen unserer Stadt aufgestellten Niesenmastbäume, an denen die Drähte des Elektrizitätswerks befestigt sind, zu einer lebhaften Aussprache. Fast sämtliche Redner bezeichneten die Auf­stellung dieser Maste als eine die malerische Schönheit unserer Stadt störende Einrichtung und beklagten sich gleichzeitig darüber, daß Magistrat und Stadtverordnete vorher nicht ge­fragt worden seien, so etwas hätte man unter keinen Um­ständen bewilligt. Es wurde dem gegenüber auSgeführt, daß die Elektrizitätswerkskommission dieser Einrichtung zwar zu­gestimmt, daß aber niemand an die hohen Maste gedacht habe, die nun plötzlich zur Aufstellung gekommen seien. Seitens des Oberbürgermeisters wurde betont, daß die Ober­leitung bedeutend billiger sei und man brauche auch nicht bei jedem neuen Anschluß die Straße aufzubrechen, was für biej Anlieger doch ebenfalls mit großen Unkosten und Störungen verbunden sei.

höchste Temperatur am Niedrigste

Arbeiterbewegung.

Köln, 9. Okt. Ein Streik derDa men schneiderst! nach vierzehntägiger Dauer beendet. Heute vormittag wurde die Arbeit allgemein wieder ausgenommen Die Streikenden haben eme entsprechende Lohnerhöhung, namentlich aber die Festlegung eines Lohntarifes durchgedrückt. Falls Differenzen wegen des Lohntarifs unter den beteiligten Organisationen entstehen, sind die Parteien gehalten, zur Vermeidung von Streiks oder Aus­sperrung das Einigunqsamt des Gewerbegerichts anzurufen.

Hannover, 9. Okt. Nachdem bereits in den letzten Wochen seitens der Lindener M aschinenfabrik bedeutende Arbeiter« entlassungen vvrgenmmnen worden sind, sind herite weitere 600 Arbeiter entlassen worden. Im Ganzen sind bis letzt 2000 Ar­beiter ausgesperrt, sodaß nur noch 150 beschäftigt sind.

Pl a u c n (Vogtland), 9. Okt- Der Verein der Lohnschiff- ch c n st i ck m a s ch i n e n b e s i tz e r, welcher über 2000 Maschinen und 5000 Arbeiter beschäftigt, beschloß gestern, nächsten Samstag sämtlichen Arbeitern zu kündigen und die gesamten Betriebe am 28. Oktober einzu stellen.

Kirche und Schute.

Homberg bei Kassel, 7. Okt. Die 3 2. Hanpt- versammlung des Hessischen Volksschullehrer­vereins nahm folgende Leitsätze über die simultane Volksschule an:

z-, Volksschule ist eine Veranstaltung des simultanen

Staates.und muß deshalb auch simultan sein. 2. Die Simultan­schule Nt nach den Bestimmungen des allgemeinen Landrechts und der Verfassung mit der Konfessionsschule mindestens gleich« berechtigt. 3. Sie hat sich 'in den Gebieten des Deutschen Reiches m denen fte seit längerer Zeit besteht, durchaus bewährt. 4. Die simultauschule verdient aus pädagogischen, religiösen, hvgieni- schen und ökonomischen Gründen den Vorzug vor der Kvnfessions- schule. a. Ihre Erhaltung und weitere Ausbreitung ist aus nationalen und deutsch-kulturellen Gründen unbedingt notwendig und wurde mcht nur Vreußen, sondern ganz Deutschland zum Segen äernckten. 6. Aus diesen Erwägungen heraus fordert der Hessische Volksschullehrer-Berein. daß die Simultanschule auch m dem kommenden Volksschulunterbaltungsgesetze als eine K'onfemonsichule gleichberechtigte Schn Einrichtung festgesetzt werde

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dig'er Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redakt. k Publikum gegenüber keinerlei

Verantwortung.)

, Gießen, 9. Oktober 1905.

Die städtische Z u s n h r st r a ß e nach dem Güter- bahnhoi zwischen der Geilfusschen Unterführung mid der W l e s e ck b r ü ck e befindet sich schon länger in einem der- artig schlechten Zustande, daß Mensch und Vieh zu bedauern sind, die täglich diese Straße zu vassieren haben. Es ist umsomehr un­verständlich, daß für diese Straße so wenig geschieht, als sie von sämtlichen Straßen der Stadt wohl am m e isten durch Last­fuhrwerke in Anspruch genommen ist.

, .^enn es wirklich nicht möglich war, die schon länger ge­nehmigte Pflasterung derselben bisher auszuführen und solche, wie wan hort noch biS zum nächsten Frühjahr hinausgeschoben werden soll so fallt doch^wohl hierdurch nicht die Verpflichtung weg, diese io stark benutzte Straße bis dahin in einem fahrbaren 3 u |t an b e z u er ha l t en. Es ist um so dringender zu wünschen, daß bald etwa? dafür geschieht, als wir dem Winter entgegen 9eben und die schlechte Beschaffenheit der Straße namentlich bei naßem Wetter unhaltbar ist.

verwechseln aber diese mit denen des PfarrstandeS und ver- geffen ein Hauptintereffe evangelischer Frömmigkeit, daS bei der Gestaltung der Kirche vor allem mitbeachtet werden muß: Evangelische Freiheit.

Sie stehen infolgedeflen auf dem Standpunkt, daß Ein­fluß des PfarrstandeS und Einfluß der Kirche auf das öffent­liche Leben dasselbe seien, währen ich glaube, daß der Einfluß der evangelischen Kirche um o geringer ist, je mehr der Pfarrstand eS nötig hat, in dasselbe mitwirkend und leitend einzutreten. Ihr Einfluß äußert sich darin, daß viele Menschen mit starkem, festem Gewissen und ernster Sorge für daS Gute im Leben stehen und seine Verhältnisse gestalten. Daß solche Menschen da sind, dafür zu sorgen ist die große Aufgabe unserer Kirche, die nur in der Stille, nicht im demoralisierenden Kampf der Parteien geschehen kann, in den Ihre Führer meiner Ansicht nach unsere Kirche hineinzuziehen drohen, indem sie äußeren Einfluß für sie erstreben. AuS Gewissensbedenken muß ich diese Bestreb­ungen bekämpfen. WaS mich dabei mit tiefem Bedauern erfüllt, ist, daß Sie dafür, daß mich Gewissensbedenken zum Kampfe treiben, gar kein Verständnis zu haben scheinen. Es ist mir dies ein neuer Beweis für die Gefahr, die die jetzige Art des PfarrvereinS mit sich bringt. Sie lassen sich immer mehr in den Gedanken einspinnen, als müsse jede Kritik am Pfarrstand und dessen Art ein Verbrechen sein und aus Gehässigkeit hervorgehen. Daß Kritik auch aus wahrer Liebe zu einer Sache geboren sein kann und deshalb ernste Berücksichtigung verdient, diesen Gedanken lassen Sie allmählich schwinden. Nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich gerade dies alsPfarr- chauvinismus" in meinem Artikel charakterisiert habe. Wenn ich sehe, wie Sie alle von denen ich doch eine ganze Anzahl als Menschen kennen gelernt habe, die die allerhöchste Achtung verdienen sich in dieser Weise in Zorn und Verständnislosigkeit gegen eine aus Liebe zum Pfarrstand und aus Gewissensbedenken ent­standene Kritik hineinhetzen ließen, dann muß ich von neuem sagen: Welch eine Gefahr ist diese Art des Pfarrvereins für unsere Kirche!

Wenn wir dahin kommen sollten, daß wir keinerlei Kr itik mehr ertragen können, wie wollen wir unser schweres Amt noch tun? Kritik und Selbsterkennt- nis bedingen den Fortschritt. Wenn nun gar jeder, der auch nur am Pfarrverein Kritik übt, in Gefahr kommt, vor der Oeffentlicbkeit in dieser Weise moralisch bloß- gestellt zu werden, wie Sie dies mir gegenüber ver­suchten, dann sind wir nahe daran, jede freie Mein­ungsäußerung unmöglich zu machen. Wer ver­sucht, ehrliche Kritik durch solche Resolutionen nieder­zudonnern oder zu diskreditieren, darf sich nicht wundern, wenn ihn der Vorwurf trifft, es käme ihm mehr auf Macht als auf Wahrheit an.

Das einzige, was ich gegenüber der Notlage der Kirche, die ich in Ihren Bestrebungen deutlich sehe, tun kann, ist, meine Stimme zu erheben und immer wieder darauf hin­zuweisen. Ich habe das in Ihrer Mitte öfter getan und hoffe noch öfter Gelegenheit zu haben, in mündlicher Aus­einandersetzung meine Ansichten zu verteidigen. Zunächst muß ich Ihren Angriff auf meine Ehre vor der Oe ff entlief)« feit abwehren. Ich habe nun versucht, in diesem Artikel weitere Kreise gus die Gefahr hinzuweisen. Er war zu­nächst für eine theolog. Zeitschrift bestimmt, weil ich zunächst den Versuch machen wollte, mehr Theologen zu gewinnen. DerGieß. Anz." hat ihn ohne mein Zutun (Wir bestätigen das. Uns war der Artikel anonym aus Marburg zuge- gcmgen. T. Red.) vor das nichttheologische Publikum ge­bracht. Ich bedauere das nicht. Ich bin bereit, meine Ansichten vor jedermann zu vertreten. Ich glaube sogar, daß es sehr gut so ist. In einer evangelischen Kirche gilt der Nichttheologe so viel wie der Theologe, und er sollte so viel Bestimmungsrecht über den Geist seiner Kirche haben als dieser. Tazn gehört, daß er weiß, wohin die Ent­wicklung seiner Kirche treibt. Wenn durch diesen Kamps ein paar Mchttheologen darauf aufmerksam gemacht werden, daß ihrer Kirche eine ernste Gefahr droht, und an- fungen darüber nachzudenken, ob sie dem Geiste evangelischer Freiheit nicht ihre Unterstützung leihen sollen, so will ich dafür gern die Last und Unbehaglichkeit dieser Angriffe tragen.

Lio. Emil Fuchs, Pfarrer zu Rüsselsheim a. M.

bahn DietzenbachOffenthalLangen im An- schlösse an die Nebenbahn OffenbachHeusenstammDietzen­bach baldigst in die Wege zu leiten. Der Mühlenbesitzer Joh. Ad. Nipper zu Nieder-Kainsbach bittet in einer Vor» stellung um Abänderung deS Gesetzes, die Bäche und die nicht ständig fließenden Gemässer betr. Ter Landesverband der Bürgermeister im Großherzogtum bittet die Kammer Großh. Negierung zu ersuchen: 1. die Dienstan w eisung und den G e b ü h r e n t a r i f der Großh. OrtSgerichte entsprechend abzuändern, 2. die Fest­setzung der höheren Gebühren unter Ziffer 15 und 16 deS Gebührentarifs unter allen Umständen in die Hände der Ge­richte zu legen, sowie ferner in Abänderung des ohne Mit­wirkung des Landtags zustande gekommenen Gebührentarifs für die Großh. OrtSgerichte und unter Abänderung des § 197 Pos. 4 der Dienstanweisung für dieselben für Sterbe- sallsberichte an die Großherzoglichen Amtsgerichte, soweit dieselben seither umsonst eingeliefert werden mußten, eine ent­sprechende staatliche Gebühr anzusetzen. Eine Negierungs­vorlage betrifft den Tausch von 615 Quadratmeter Gelände zwischen dem Großherzogl. Landeseigentum und Karl Grün II. Eheleuten in Bensheim.

** Für die bevorstehende Landtagswahl im Bezirk Hungen-Lich wurde in einer am Sonntag in Hungen abgehaltenen Vertrau en Smänner-Versamm- lung, wie uns geschrieben wird, der seitherige Abg. Köhler-LangSdorf wieder einstimmig als Kandidat ausge­stellt. In der von 20 Orten vertretenen Versammlung wurde betont, daßmit Köhler die agrarischen Be­strebungen im Landtage zutage getreten seien und daß sich eine kräftige Fraktion gebildet habe, die offen und uner­müdlich für das Wohl des Bauernstandes eintrete." Köhler versprach nach wie vor für das direkte und geheime Wahlrecht eintreten zu wollen. Zur Nominierung der Kandidatur Leun im Landtagswahlbezirk Gießen-Land, die wir bereits gestern meldeten, wird uns noch geschrieben,, I baß Herr Leun in der Sonntagsversammlung dahier erklärte, im Falle seiner Wahl die Interessen aller bürger­lichen Kreise nach besten Kräften wahrnehmen zu wollen. Im Wahlbezirk Bad-Nauheim Friedberg-Land stellte die nationalliberale Partei am Sonntag in einer stark besuchten Vertrauensmänneroersammlung den bisherigen Abg.

Aus Stadt und Sund.

Gießen, 10. Oktober 1905.

** Parlamentarisches. Der Bericht des 4. Aus- icf)uüe§ der 2. Kammer über den Antrag der Abgg Diehl und Gen., betr. den Verkehr mit Wein, weinhaltigen ttnö wein ähnlichen Getränken, kommt zu dem Re- sultat, daß der Antrag im Interesse des hessischen Wein- baues und Weinhandels liegt. Der Ausschuß beantragt, die Großh Regierung zu ersuchen, im Bundesrate dahin wirken zu wollen und alle Schritte zu tun, die die baldmöglichste Erlaßung reichsgesetzlicher Vorschriften, betreffend die lieber- rSV ^Crf? mit Wem, herbeiführen, dieselben nach einheitlichen Grundsätzen regeln, und den Antrag hiermit für tretuna ber Vorstellung der Gemeindever-

tretung der Stadt Zangen gipfelt in der Bitte, die zweite ri^hen^ Qn Staatsregierung das Er uchen

echten, den Bau der Nebenbahn von Dreieichen- harn nach Langen und Langen-Bahnhos im An­schlüße an die Nebenbahn Ober-NodenDreieichenhaiii__

Sprendlingen zu beschleunigen, auch den Bau der Neb en-

llns, beiten in Südafrika oft brr Vorwurf gemacht wurde, ihr frontalen Angriffen zu verbluten und Ignoranten bet Flanken- torrfung zu sein, war es fast eine Genugtumig, dem an den drei Gefechtstagen eigentlich keine einzige ^lan- kterung gelungen ist, sondern dank zeitiger Bertänger- mty ober durch offensives Vorgehen der angegriffenen. tnue stets auf ein fron ta les Anfossen des Gegners mnaus- lief. Der Tag von Katzenelnbogen bewies, wie groß werdet die (Äsahr für die zunächst nngreifenbe, den Feind ^^al beschäfti­gende Truppe ist, geschlagen zu werden, während der große Flankenmarsch vor sich geht. Der letzte Tag wiederum zeigte, daß eine mit unzureichenden Kräften unternommene Umfassung einem Vorstoß des Verteidigers oft im ungünsftgsten Moment ausgesetzt ist und auf diese Weise mißglückt. Die durchweg sehr rtarttgen Maßnahmen der roten, angegriffenen, Partei waren daher auch eine nachträgliche Warnung, nm wieviel schlimmer es uns in Afrika hätte ergehen können, hätten ^te Buren eme ähnliche taftnefr Initiative wie die Truppen bes Generals von Eichhorn besessen. Besonbers lehrreich mr in dieser Be­ziehung der zweite Tag von Dörsdon-Ka^enembogen, der vielfach Parallelen- auch in Bezug auf das Gelände mit der Schlacht von Wörth im Kriege 18,0/71 brachte^ Selbst die Attacke, sehr zur rechten Zeit geritten, wenn auch zum Todesritt gev-orben fehlte nicht. Wohl unteritutzt durch die Zugabe von Feld-Televhon-Abteilungen, bie den Blauen fehlte, war die Befeblsfülirung ber roten Partei musterhaft. Wie Ovama bei Mukden stand tzseneral v. Eichhorn wett hinter der Mitte seiner Stellung uitb leitete die Bewegungen seiner Di­visionen vom Hörer des Feldfernsprechers aus. Weniger be­stechend wirkten verschiebentliff Maßnahmen ferner Unterführer: am ersten unb zweiten Tage blieben einzelne Bataillone z. B. der Badener beim Heranmarsch im Tritt an die FeuerliNie ui der Tiefenformation. Rur wenige Kompagniechefs ließen aus cis me Verantwortung und ohne Befehl zur Linie aufmanchieren. Gab bnntnt bie Infanterie während des Gefechts Raum zu Aus- ftelhingeit, so können ihre Leistungen vor allem die Disziplin auf dem Marsche gar nicht hoch genug gepriesen werben. Ganze Di­visionen marschierten scharf auf Vorb'rarm, alle, auch bie be­rittenen Offiziere in der Kolonne; die Mstände wurden genau rwnegeholten! Rur die Erziehung burch den vielgeschmähtengoose step" ^Parademarsch^ unb strammster Drill kann die Truppe soweit bringen, daß, wie ich es oft gesehen habe, Kraftwagen auf verhältnismäßig schmalen Straßen die Kolonnen mit Ge­schwindigkeiten von über 60 Kilometer passierten, ohne daß auch nur der Ellenbogen eines Mannes gestreift worden wäre. Der­artiges macht ber beutschim Infanterie fein europäisches Heer und auch nicht die Japaner nach. Die Marschdisziplin der Kavallerie hingegen war weniger glänzend, in der Aufklärung wiederum waren ihre Leistungen sehr hoch. Die hessischen Dragonerregimenter fielen dabei befand er sgut auf.

Mit verständlichem Interesse habe ich dasDeutsche Frei­willige Automobil korps^ v-erfolgt. Trotz durchaus aner­kennenswerter Einzelleistungen scheint mir diese Neuschaffung an dem Grundübel derFreiwilligkeit" zu kranken, die gerade auch unseren volunteers den Stempel ber nicht absoluten Zuverlässig­keit gibt. Ich verstehe wobl, baß die deutsche Heeresverwaltung gern den Gedanken von uns nbemommen hat, denn kein Budget vermag die sprungweise Entwicklung ber Automabilindustrie mit- zumacheu wie der reiche Privatmann: die unumgänglich not­wendige ernste Dienstauffassung schien aber dock manchem in einer schmücken Offiziersuniform stolz sich bewegenbenFrei­willigen" abzugeheu. (Anm. ber Reb.: Diese Auffassung ent­spricht nicht ben Tatsachen.)

Vielleicht am wenigsten einverstanden kann ich mich mit der Art und Weise erklären, mit der man in Deutschland der Lösung ber Nniformfrage nähergetteten ist. Das eine Bataillon bes König-Infanterie-Regiments mit feiner grauen Tracht stellt meines Erachtens durchaus keinen Fort­schritt über die blaue Felduniform dar; wenig sicht­bar im Gelände fand ich dagegen bie grau-grünen fRöcfe und das braune Lederzeug der Maschinengewehrabteil­ungen. Auch die schilfgrüne Farbe der Helmüberzüge ist gewiß praktisch.

Ich zweifle, ob die hervorragenden Marschleistungen, die nach meiner Ansicht neben der hohen taktischen Intelligenz der Führer die beachtenswerteste Erscheinung des Manövers sind, möglich gewesen wären, hätte nicht ihr Train feine Aufgabe so vorzüglich gelöst. Die Truppen hatten vor allem in jebem Biwak frisches Brot, unb trotz der durch bie wechselnde Kriegslage bedingten Marschübungen kamen die Bagagen stets zur rechten Zeit an die fagemben Einheiten heran. Daß gerade auch brim Fuhrwesen die Dispositionen so gut klappten, läßt mich die beutschen Kameraden, wenn auch mit einem gewissen Wehmutsgefühl, so doch von ganzem solbatifthen Herzen zu ihrer herrlichen Armee beglückwünschen."

Die hessische ^Landeskirche im 1. Kalöjahr 1905

Ein offener Brief

an die Verfasser der Resolution der Pfarrvereins- zusammeukunft vom 2. Oktober 1905.

Liebe Kollegen!

Offenbare Unrichtigkeiten und Verdächtigungen werfen Sie mir vor. Sie alle aber wiffen, daß ich schon seit langem die Ansichten, die ich in diesem Artikel ausgesprochen habe, innerhalb des Pfarrvereins in öffentlichen und ver­traulichen Aussprachen vertreten habe. Sie konnten freilich nicht wissen, daß ich diesen Artikel geschrieben habe, aber Sie konnten und mußten wiffen, daß die Ansichten, die Sie in der von Ihnen gefaßten Resolution als offenbare Unrichtigkeiten und Verdächtigungen charakterisierten vor der Oefsentlichkeit so charakterisierten Ansichten sind, die von verschiedenen, ernsten, gewiffenhasten und für das Wohl der evangelischen Kirche besorgten Männern geteilt werden. Ich frage Sie, wie verträgt es sich mit der Ehre des evangelischen Vfarr- standes, die Sie zu verteidigen behauvien, wenn Sie sich in einer Versammlung dazu fortreißen laffen, die Ehre eines Mitgliedes dieses Standes so leicht und rasch an zu tast en? Leider höre ich erst heute, am 8. Oktober, von Ihrem Vorgehen.

Ich brauche e§ Ihnen nicht erst zu sagen, daß ich trotz Ihrer Resolution diese Ansichten im vollen Umfange aufrecht erhalte, und daß ich nach wie vor der Ansicht bin, daß der Pfarrverein, so wie er eben ist, die hessische Geistlichkeit von der Würdigung stiller er­zieherischer Wirksamkeit abzieht und dazu treibt durch Mittel äußerer Macht Einfluß zu suchen, wie ihn eine evangelische Kirche nicht suchen sollte. Unsere Gemeinden spüren den von mir gerügten Fehler sehr deutlich, und er ist eine der Ursachen, warum sich die selbstständig-

Oktober 1905.

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