Ausgabe 
10.8.1905 Erstes Blatt
 
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Donnerstag 10. August 1905

Erstes Blatt.

155. Jahrgang

Adresse für Depeschen: Anzeiger Stehe«.

Arrnsprechanschluß Nr 61.

Ausland.

London, 9. Aug. Das Unterhaus nahm die dritte Lesung der Vorlage betreffend die Mariuebauten mit 180 gegen 119 Stimmen an.

Der Besuch eines japanischen Geschwaders wird in England erwartet, sobald es die Lage in Ostasien gestatten wird.

Wie der Kopenhagener Korrespondent derDaily News" aus zuverlässiger Quelle erfahren haben will, soll zwffchen Kaiser Wilhelm und König Eduard schon, seit mehreren Monaten eine ernstliche Entfremdung herrschen, die auf eine Hofintrigue zurückzuführen ist. Dem Kaiser wurden verschiedene Aeußerungen hinterbracht, die König Eduard angeblich über ihn gemacht haben soll, und dies habe Befürchtungen wegen eines deutsch-englischen Konfliktes wachgerufen. König Eduard ist nunmehr der Jntrigue auf die Spur gekommen und bestrebt, bei der be­vorstehenden Zusammenkunft das Mißverständnis aus der Welt zu schaffen. (Es wird in diesem Sommer unheimlich viel phantasiert!)

Portsmouth (England), 9. August. Der König nahm heute die Parade über die vereinigten Flotten ab. Die französischen Matrosen begrüßten den König mit Zurufen und schwenkten die Mützen. Der König, der Prinz von Wales und der Herzog von Connaught nahmen dann das Frühstück mit dem Admiral Caillard an Bord des FlaggschiffsMassen«" ein. Hierauf lief die französische Flotte in den Hafen von Portsmouth ein und ging unter großer Begeisterung der Menge, die sich trotz des strömenden Regens eingefunden hatte, vor Anker.

Athen, 9. August. Hier aus Canea eingetroffene Nachrichten besagen, daß der russische Torpedoboots­zerstörer Bary die Ortschaft Castelli bombar­diert habe, da die Aufständigen sich gegen die Besetzung der dortigen Zollämter aufgelehnt hätten. Diese Nachricht ruft hier große Aufregung hervor.

Nemyork, 9. Aug. Die ZeitschriftJndependance^ berichtet über eine Versa mmlungasiatischerStudenten, die am 2. Juni in Tokio stattgefunden hat. Während der Versammlung hielt ein hindostanischer Student einen Vortrag über das Erwachen Asiens und über die asiatische Einheit.

wurden unter dem gleichen Zeremoniell empfangen, nur daß die japanische Hymne gespielt wurde. Beim Früh­stück verneigten sich die Russen und Japaner gegen- einander, sprachen aber nicht zusammen. Nach dem gemeinschaftlichen Diner bestieg die Gesellschaft Landauer. Die Wagen wurden bis an die Brücke, die Kittery mit Ports­mouth verbindet, von Marine-Infanterie eskortiert, dann weiter von Staatsmiliz, die auch bis zum Gerichtshause Spalier bildete. Hinter dem Spalier standen Zehntausende, Beifall klatschend und hochrufend. Im Gerichtshause be- grüßte der Gouverneur die Mission. Witte wie Komura murmelten einige unverständliche Worte, nahmen dann Ab­schied und bestiegen draußen die Automoblle zur Fahrt nach dem Hotel.

Portsmouth (New-Hampshire), 9. Aug. Die Frie­denskonferenz hat heute vormittag im Marinearsenal begonnen, wohin sich die Delegierten unter Bedeckung von Marinetruppen begaben. Eine Marinewache wird während aller Sitzungen der Konferenz vor dem Gebäude aufgestellt. In der heutigen Sitzung wurden die Beglaubigungsschreiben' ausgewechselt und in Ordnung befunden.

Vom Kriegsschauplätze.

Petersburg, 9. Aug. Linewitsch meldet unterm 8. August aus der Gegend östlich von der Mandarinenstraße vom 5. August: Es wurde eine Armeeabteilung gegen das Desilee in der Nähe des Dorfes Ehagoou vorgeschoben. Un­gefähr 35 Werst südlich von Taoula ergriffen die Japaner dieOffensive und umgingen unsere beiden Flügel. Unsere Abteilung wurde hierdurch zum Rückzug nach Norden hin genötigt. In der Nähe des DefileeS von Maddoulin stießen die Japaner gegen Telle dieses Detache­ments vor. Als dieses Halt machte und daS Feuer- gefecht aufnahm, zogen sie sich südlich zurück. In der Gegend von Hailungchen besetzte eines unserer Detache- ments nach kurzem Feuergefecht das Dorf Poulangtse.

Petersburg, 9. Aug. Das 19. Korps ist in Charbin eingetroffen. Die Stärke der Russen beträgt nunmehr 470 000 Mann.

Petersburg, 9. Aug.Nowoje Wremja^ berichtet vom Kriegsschauplatz, daß in der japanischen Armee Pest und Cholera ausgebrochen seien.

London, 9. Aug. .Evening Standard" meldet die vollständige Uebergabe der Russen auf Sachalin.

Wie die Gegner über die Zukunft denke».

Petersburg, 9. Aug. Rußland setzt nach wie vor für alle Eventualitäten die Kriegsrüstung fort. Es be-, (tätigt sich, daß eine neueAnleihe von 2 00 Millionen Rubel sofort nach Veröffentlichung deS UkaseS betreffende Einberufurg einer Volksvertretung ausgenommen werden soll.

Petersburg, 9. Aug. Der Kriegskorrespondent deS Ruß telegraphiert, daß Marschall Oyama den Delegierten der chinesischen Bevölkerung in Tschantafu gesagt habe, sie- mögen ruhig mit den Feldarbeiten beginnen, da der Kriege bald beendet sein würde.

per Krieg.

Die Friedenskonferenz.

Newyork, 9. Aug. Der Empfang der Friedensschiffe in Navygord auf Kittery war ungemein schlicht. Der Feier­lichkeit wohnten kaum ein Dutzend stiller Zuschauer bei. Mayflower" schickte eine Pinaffe nach dem Hotel Wentworth auf Newcastle, um Witte abzuholen. Sobald dieser an Bord war, fuhr Admiral Mead von Kittery ab, um auf dem Mayflower und dem Delphin Besuche zu machen. Er mar gerade zurückgekehrt, als um 11 Uhr Salutschüsse anzeigten, daß Russen und Japaner die Schiffe verließen. Eine halbe Stunde später war die russische Pinasse sichtbar. Aus der­selben stieg zuerst Witte, dann folgten seine Begleiter. Sie wurden nach der Begrüßung durch den Admiral paarweise von einem Offizier in der Richtung auf das Proviantamt geleitet. Die Begrüßung der Japaner vollzog sich so schnell, daß sie sich, voran der Admiral und Komura, ebenfalls paar­weise dem Zuge anschließen konnten, der durch ein Spalier das in das Konferenzhaus umgewandeltc Proviantamt betrat. Im unteren Stockwerk hieß der Admiral die Gäste in ihren, nunmehrigen gemeinsamen Hause willkommen. Dann wurden sic nach den, oberen Stockwerk geführt, während die Wache das Gewehr präsentierte, die russische Nationalhymne gespielt und ein Kanonensalut gegeben wurde. Dle Japaner

ungen man in Wien und in den bayerischen Großstädten ge­macht hat, um der Bevölkerung angemesseneFleisch- greife zu sichern. Bei uns in Hessen haben die Stadt­verwaltungen sich bisher leider keinen Einfluß in dieser Richtung gesichert. Hier haben die Vertreter des flachen Landes die Entscheidung in der Hand. Do ist es gekommen, daß wir heute unter einer Fleischnot und Flei sch - teuerung zu leiden haben, die von keiner Seite bestritten werden kann. Bei uns in Gießen sind neuerdings von den meisten Metzgern die Preise von Hammelfleisch von 74 aus 76, die von Ochsen fleisch von 78 auf 80 Pfg. erhöht worden. Fettes Schweinefleisch aber, das früher 70 Pfg. kostete, muß man jetzt hier mit 8082 Pfg. und gesalzenes sogar mit 34 Pfg. bezahlen, und weiteres ständiges erhebliches und schleuniges Steigen ist, wie uns authentisch versichert wird, leider zu besürchten. In Frankftirt a. M. erhöhte die Metzgerinnung den Preis für Ochsenfleisch sogar um durchweg 5 Pfg. pro Pftind. Tort kostet jetzt Ochsenfleisch 85 Pfg., Dauchfleisch 65 Pfg., Roastbeef und Lenden 90 Pfg., Roastbeef ohne Knochen 1,50 Mk., Lenden ohne Wochen 2,20 Mk. Geblieben sind dort die Preise für Kalb-, Hammel- und Schweinefleisch.

Es ist sogar schon soweit gekommen, daß aus unseren Gegenden Schlachtvieh nach Oberschlesien geschafft werden muß, obwohl bei uns das Vieh ebenso rar ist, wie anderwärts. Schon seit sechs bis sieben Jahren zeigen die Fleischpreise eine unheimlich steigende Tendenz, ohne daß gleichzeitig eine allgemeine Lohnsteigerung erfolgt ist. Richt nur die Arbeiter­bevölkerung, sogar die besser gestellten mittleren Ge­sellschaftskreise sehen sich gezwungen, den Fleisch­konsum aus das mindeste e in zuschr än ken. Und ebenso wie die Fleischpreise, so steigen die Eierpreise derart, daß eine Eiernot uns droht. 8 Pfg. für ein genießbares Ei zur Sommerzett ist ein ganz abnormer Preis.

Die daraus resultierende Unterernährung ist eine Gefahr für die Ration, vor allem, wie schon oben ausgeführt, für die Stadtbewohner, wo eine gute Ernähr­ung eine ganz andere Rolle spielt, als auf dem flachen Lande. Mit unbedingtem Recht haben die Bürgermeister der oberschlesischen Städte Schritte, leider erfolglos, unter­nommen, der Fleischnot zu begegnen. War dieses Vor­gehen nur für Oberschlesten berechnet? Rein! Mit dem- elben, ja noch mit größerem Recht haben auch die mittel- und westdeutschen Stadtverwaltungen gegen die Fleischnot vorzugehen. Die ihnen an- vertrauten Stadtbevölkerungen schreien nach Hilfe. Daher können wir, ohne die Angelegenheit auf das partei­politische Gebiet zu tragen, fordern, daß sämtlichebeut- schen Stadtverwaltungen einmütig ihre Stimmen erheben und ihrem Volke billigeres Fleisch erwirken. Tun sie das nicht, so begehen sie eine Unterlassungssünde, die sich in mehr als einer Beziehung rächen wird, zunächst an den ohnehin schon sehr empfindlichen städtischen Finanzen. Es liegt doch auf der Hand, daß Stadtbevölkerungen, welche längere Zeit zu einer bedeutenden Unterernährung verurteilt sind, in ihrer körperlichen und damit in der wirtschaft­lichen Leistungsfähigkeit zurückgehen müssen. Sagt das nicht genug ? Kann man eine solche physische Entwertung der breiten Massen stumm mit ansehen? Wer das tut, der ist ein Volkswirt ohne Verstand und ein Sozialpolitiker ohne Gewissen. Die breiten Massen wehren sich mit Hilfe ihrer Parteiorganisationen. Sollen sie in ihrem Kampfe um billigeres Fleisch isoliert und hilflos bleiben? Wenn irgend jemals, so tritt heute an . unsere Stadtverwaltungen die Forderung heran, fest für eine brennende soziale Sache einzutreten. Wenn die Ge­samtheit unserer Bürgermeister an die lei­tenden Stellen die dringliche Forderung richtet, Maßnahmen zur sofortigen Abhilfe der 1 Fleischteuerung einzuleiten, dürfte der Erfolg nicht : ausbleiben. Dennoben" in Berlin ist man längst der richtigen Ansicht, daß heute in den durch ihre Massenbevöl­kerung das platte Land um viele Millionen überflügelnden ; Städten die Zukunft der Ration liegt. Die im Dezember bevorstehende Volkszählung wird das wahrscheiu- . lich mit einer Deutlichkeit beweisen, die die weitesten Kreise : überraschen wird.___________

Die heutige Kummer umfaßt 8 Seiten. j

Der Kaiser in der Iravinz Soseu.

Posen, 9. Aug. Rach der Kavallerieübung begab sich . der Kaiser in das Lager zurück und fuhr nach dem Früh­stück im Automobil zu dem Bahnhofe Gerberdamm, wo er den Sonderzug bestteg und über Mesen sich nach der Sta­tion Grünfeld begab, um dort zu Pferde zu steigen und einer Hebung der achten Infanterie-Brigade beizuwohnen.

Gnesen, 9. Aug. Die Stadt Gnescn, welche seit dem Besuche des Kaisers Otto III., int Jahre 1000, keinen Kaiser in ihren Mauern gesehen hat, hat sich für den heutigen Besuch des Kaisers durch einen überaus reichen Festschmuck vorbereitet. Den Weg von der Dragonerkaserne bis zur Parkstraße hat der Kreis Gnesen dekoriert und dort ist eine Ehrenpforte errichtet in der Form des alten Stadttores. Von der Dragonerkaserne bis zum Stadttor am Eingänge der Stadt bilden die deutschen Ansiedler, dann die Kriegervereine und Gewerffchafteu sowie andere Vereine, endlich die Kinder von sämtlichen Schulen von Stadt und Umgegend Spalier. Rach einer Gefechtsübung auf. dem Truppenübungsplätze, begab sich der Kaiser in die Stadt. Der erste Bürgermeister Schoppen hielt eine Ansprache und bot dem Kaiser den Ehrentrunk der Stadt.

Eine hochbedeutsame Polenrede des Kaisers.

Der Kaiser antwortete folgendes:

Indem ich Ihnen für die namens der Stadt Gnesen soeben ausgesprochenen Worte meinen Dank sage, drängt es mich) auch der Stadt hier auf offenem Markte meine tiefe Dankbarkeit aus- Ausprcchen für den schönen Empfang, den Sie mir bereitet hat, fiir den Schmuck der Häuser und vor allen Dingen für die frohen Gesichter. Richt zum Geringsten hat es michgefreut, daß auch die Ansiedler in hellen Scharen zusammengekommen find, um mir ihren Gruß zu entbieten, und (sich zum Oberpräsidenten der Provinz Posen wendend) ich hoffe, daß Eure Exzellenz Ge­legenheit finden werden, den Ansiedlern meinen herzlichen Dank auszusprechen, daß sie sich in so großer Menge hierher betrügt haben. Ich freue mich zu sehen, daß die Arbeit deutscher Kultur so brav und mutig, wenn auch schwer und langsam sich Bahn bricht. Ich freue mich zu sehen, daß die polnische Stadt Gnesen dem König von.Preußen in dieser schönen Art zu huldigen weiß. Die vor wenigen Jahren gesprochenen Mahnungen und Ermahmingen werden hoffentlich noch überall in Ihren Herzen bewahrt fein. Es hat aber den Anschein, als ob manche meiner polnischen 11 n t e r t a n e n immer noch nicht im Klaren darüber sind, ob sie Schuh und Recht. unter dem Hvhenzollernbanner finden, und eine reich angelegte Phantasie im Verein mit der Pflege geschichtlicher Er­innerungen manches begeisterte Gemüt zu falschen Schlüssen führen möchte. Wie damals so auch heute möchte ich toteoer= Men, daß ein jeder kathol. Pole wisse, Paß seine Reli­gion geehrt wird von mir, und daß er bei der Ausübung dieser in keiner Weise gestört werden wird, daß er aber Ehrfurcht und Achtung vor den anderen Konfes­sionen zu bewahren hat, ebenso wie wir vor der seinen. Es ist auch auf deutscher Seite nicht nachzulassen im Werke der Kultur. Wer als Deutscher ohne Grund seinen Besitz im Osten veräußert, der versündigt sich an seinem Vaterlande; welch Standes und welch Alters er auch sei, er muß hier aushalten. Mich dünkt, es hat hier deutsches Gemüt einen kleinen Zweikampf zwischen D e r s und Verst an d ausgefochten. Wenn man in der Lage ist, sich einen guten Erwerb zu verschaffen, dann spricht das Herz: Nun setz' dich zur Ruh', zieh' dich zurück und geh' m den fernen Westen, wo es schön ist. Da muß der Verstand dazu kommen und sagen: Hier gilt erst die Pflicht, dann das Vergnügen. Hier im Osten zu wirken, ist eine Verpflichtung gegen das Vaterland, gegen das Deutschtum und, wie der Polten nicht von seiner Wache weichen darf, so dürfen die Deut­schen nicht aus dem Osten weichen: für jeben, fei er polnisch oder deutsch, der aber katholisch ist, möchte ich noch eins erwähnen: Als bei meinem letzten Besuch int Vatikan der greife Leo XIII. von mir Abschied nahm, da faßte er mich mit beiden Händen und, trotzdem ich Protestant bin, gab er mir feinen Segen mit folgendem Versprechen: Ich gelobe und verspreche Eurer Majestät im Namen all er Ka t ho- l i t en, die Ihre Untertanen find, sämtlicher stamme und jedes Standes, daß sie stets treue Untertanen b e § beu t- s ch en Kaisers und Königs von Preußen sein ^^en. Jn Ihnen, meine Herren vom Kapitel, wird es fein, das hohe Wort des großen priesterlichen Greises zur Wirklichkeit zu machen, auf daß derselbe nicht dereinst nach seinem Tode wort­brüchig wird dem deutschen Kaiser gegenüber. Meiner Mithilfe sollen Sie stets gewärtig bleiben. Deutsch­tum heißt Kultur, Freiheit für jeden in der Religion sowohl, wie inGesinnungundBetatig- ung. Auf die glückliche Zukunft von Gnesen setze ich den Pokal an. , .r ~

Um 7 Uhr 30 Min. erfolgte die Abreise des Kaisers nach Wilhelmshöhe.____________

Nr. 186

<rf<etet tseti» außer Sonntag».

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem veffische« Landwirt die Eietzrner Homilien. Wltttet viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck n. ®er- Sag der Brühl'schen Unwery-Buch-u. Stein- druckest. Ä. Lang«.

Kemeinde und Kleischteuerung.

In städtefeindlichen Kreisen, von denen uns *xv Oberhessen ja fast jeder Tag mehr Künde gibt, als die gesunde Vernunft für möglich halten sollte, liebt man es. Die Städte, alle Städte, ob groß oder klein, als die ,^Gräber des Menschengeschlechts" hinzustellen und die Stadtbevölkerungen als eine unerbittlich der Degeneration verfallene Masse anzusehen. Zugegeben, das sei währ, so folgerte sich als Erstes daraus die ungeheure Be­deutung, welche alle Maßnahmen haben, die Ge­sundheit der Stadtbevölkerungen auf einen möglichst hohen Stand zu bringen. Zu den wich­tigsten Maßiiahmen dieser Art gehören natürlich jene Veranstaltungen, die mit den Ern ährun gsVerhält­nissen zu tun haben. Hierher gehört die ständige Vervoll­kommnung der Schlachthäuser, der Nahrungsmittelpolizei, der Mi l ch ko n trolle, der Fleischbeschau usw. Richt zu übersehen ist aber vor allem ein weiterer Umstand, der fundamentale Bedeutung hat: die reichliche Versorgung der Stadtbevölkerung mit Nahrungsmitteln, deren Preise -innerhalb der Kaufkraft der breiten Masse liegen. Wir haben wiederholt mitgeteilt, welche Anstrena-

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