Ausgabe 
10.6.1905 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Mittag ritt der Kaiser in daS Barackenlager ein, neben ihm der französische General de Lacroix. Zahlreiches Publikum begrüßte den Kaiser mit lauten Hurrarufen. In dem Kasino des Lagers fd^b ein Frühstück statt. Bei dem­selben brachte der Kaiser einen Trinkspruch aus die anwesenden Gäste a.u§ fremden Armeen auS. General de Lacroix dankte mit kurzen Worten und trank auf das Wohl des Kaisers, der Kaiserin, der kaiserlichen Familie und auf die Truppen, welche durch die anwesenden Offiziere vertreten seien.

B erlin, 9. Juni. Pas Kronprinzen paar wird 14 Tage auf Jagdschloß H:i bertussto ck verweilen.

Der neue Oberpresident von Brandenburg, der seitherige Regierungspräsident von Kassel, von Trott zu Solz, ist Kurhesse. Er wurde 1866 Landrat des Kreises Höchst. Sein erster Nachfolg e, Herr v. Meister, ein Sohn des Höchster Großindustriellen und MitgründerS der Farb­werke, soll demnächst Regierungspräsident in Wies­baden werden. Von Jugend auf pflegte v. Trott freund­schaftliche Beziehungen mit der Familie des Land­grafen von Hessen-Rumpenheim, wodurch er 1891 Königl. Kammerherr wurde und als Reisebegleiter des Land­grafen eine Reise um die Welt zu machen Gelegenheit hatte. Nach ganz kurzer Wirksamkeit als Land rat in Marburg wurde er als Hilfsarbeiter in das Ministerium des Innern nach Berlin berufen, wo er bald vortragender Rat wurde, und die im Mai 1895 vom Reichstage abgelehnte Umsturz­vorlage bearbeitete und im Reichstage vertrat. 1899 kam er als Regierungspräsident in seine engere Heimat Kassel, von wo er nun als Oberpräsident nach Potsdam geht. Er ist ein sehr gewandter Mann von hoch aristokratischen Formen und tüchtiger Beamter, den der Kaiser als persönlichen Be­kannten gern in seiner Nähe haben wird.

Kaufbeuren, 9. Juni. Bei der gestrigen Reichs­tagsersatzwahl wurde Gutsbesitzer Josef Geiger (Zen­trum) mit überwiegender Mehrheit gewählt. Soweit bisher gezählt wurde, ist das Stimmverhältnis folgendes: Geiger erhielt 7471, Seiler (Hb.) 2182, Kergel (Bauernbund) 323 und Angerhofen (Soz.) 490. Es fehlen noch einige Orte.

Ausland.

Paris, 9. Juni. DerGanlois" will heute wissen, daß Fürst Henckel v. Donnersmarck Anfang dieser Woche mit einer Mission des deutschen Kaisers in Paris eingetroffen ist. Derselbe soll beauftragt sein, seinen Freunden, welche mit der französischen Regierung Verbindung haben, mit­zuteilen, welchen Gefahren durch die Beibehaltung der Politik DelcassoS der europäische Friede ausgesetzt sei. Die Mission des Fürsten ist gewissermaßen geheim gewssen, aber er batte genügende Instruktionen erhalten, damit kein Zweifel über die Art der Mission auskommen konnte. Der Gaulois" glaubt infolgedessen, daß die Demission Delcassäs tat­sächlich den vom Fürsten unternommenen Schritten zuzu­schreiben ist.

Libertä" erklärt sich in der Lage, das Gerücht zu de­mentieren, wonach das Kabinett Ron vier bereit sei, Deutschland eine Interessensphäre in Marokko abzutreten. UebrigenS wird hervorgehoben, daß Deutschland keine diesbezüglichen Forderungen erhebe.

Wien, 9. Juni. DasFremdenblatt" stellt fest, daß das vom hannoverschen Hof in Gmunden (Herzog von Cumber­land) anläßlich der Vermählung des Kronprinzen ab­gesandte Telegramm nicht an den Berliner Hof, sondern an die mecklenburgiische Familie gerichtet ge­wesen sei.

Konstantinopel, 9. Juni. Seit Svnntag wütet an der türkisch-montenegrinischen Grenze im Distrikt Donji ein Kampf zwischen den Montenegrinern, verstärkt durch türkische Rajahs aus den Grenzgebieten und den Mohamedanern. Die Gesamtzahl der Kämpfenden wird mit 3000 angegeben. Die von Akova hingeschickten zwei Kompagnien wurden von den Montenegrinern zerniert. Die Mohamedaner von Berane ver­suchten das dortige Waffendepot zu plündern um den Montene­grinern erfolgreicher entgegentreten zu können, wurden jedoch zu- rückgeworfen. Auf den Befehl des dritten Korpskommandanten (Saloniki) würde der energische Divisionsgeneral Sohemi-Pascha mit seinem Generalftabe hinbeordert. Nach Angabe der Pforte wurden die Kämpfe von den Montenegrinern provoziert, welche am 23. Mai die Grenze überschritten und eine Rinderherde rauben wollten. Der gegenwärtige Kampf scheint eine setzung dieser Grenz kämpfe zu sein.

Aus Stadl und Zaud.

Gießen, 10. Juni 1905.

Von der Landesuniversität. Wie wir aus sicherer Quelle erfahren, hat der außerordentliche Professor der Physiologie an der Universität München, Dr. Otto Frank, den an ihn ergangenen Ruf als Nachfolger des verstorbenen Geh. Medizinalrats Prof. Dr. Eckhard angenommen und wird dem Rufe alsbald Folge leisten.

* * Prof. Reichelt-Friedberg f. Am gestrigen Freitag ist in Friedberg, seinem langjährigen Wirkungs­kreise, der Oberlehrer an der Großh. Obstbauschule und landwirtsch. Winterschule, Prof. Reichelt nach längerem Leiden entschlafen. PUt ihm erleiden nicht nur beide Anstalten, sondern die ganze Provinz Oberhessen einen herben Verlust. Seine nis-iermüdende Arbeitskraft beschränkte seine Tätigkeit nicht nur auf sein Lehramt, er suchte auch mit Erfolg seine reichen Erfahrungen und Kenntnisse auf dem Gebiete der Landwirtschaft und ganz besonders int Obst­bau da zu verwerten, wo es galt, der Allgemeinheit zu dienen. Wer heute unsere Provinz durchwandert und sich an den schönen Obstbaumanlagen in Gemeinden und an den Kreisstraßen erfreut, und dabei einen Vergleich zwischen dem Stand des Obstbaues vor 20 und mehr Jabren und heute zieht, wird unschwer finden, daß hier außerordentliches geschaffen wurde. Zu den Männern, deren segensreiche Tätigkeit hier in die Augen tritt, gehört Reichelt. In zahl­reichen Vorträgen wußte er das Interesse besonders der Landbewohner für den Obstbau zu. wecken und selbst da , Erfolge zu erzielen, wo Klima und Bodenbeschaffenheit dem Obstbau bisher einen Ertrag fraglich erscheinen ließen. Im Verein mit seinen Kollegen pflegte Reichelt das Ausstell­ungswesen und verschaffte dadurch dem heimischen Obst­bau nicht nur im Hessenlande, sondern im ganzen Reiche Anerkennung und klingenden Erfolg. Seine Vortragsweise war volkstümlich, dem Verständnisse des ländlichen Klein- besitzertums angepaßt und geeignet, von vornherein jedes Vorurteil zu beseitigen, das sich besonders' auf dem Lande jeder Neuerung entgegenstellt. Der Name Reichelt wird unvergessen bleiben bei allen, denen er mit seinen wert­vollen Anregungen näher trat

* Hudde hat, wie wir erfahren, bald nach der Gerichts­verhandlung seinen Verteidiger, Dr. Jung, gebeten, Re­vision gegen das Urteil einzulegen, was denn auch ge­schehen ist. Dr. Jung hat den Verurteilten zu diesem Ent­

schluß nicht bestimmt. Im übrigen verhielt Hudde sich genau so wie während der Verhandlung. Sein Genosse Walter bat, entgegen anderslautenden Meldungen, keine Revision einlegen lassen. Die 7 Jahre Zuchthaus sind ihm im Gegen­teil nicht überraschend gekommen. Er hat nämlich kurz vor der Verkündigung des Urteils zu seinen Wärtern die Er­wartung ausgesprochen, daß erwohl seine 15 Jahre Zucht­haus bekommen roerbe*.

* * Besitzwechsel. Zum Preise von 32000 Mk. ging das Anwesen des Lokomotivführers i. P. Ludwig Werner, Nordantage 19, in den Besitz des Prokuristen Karl Ho sch über. Die Vermittlung erfolgte durch die Agentur für Im­mobilien und Hypotheken Adolf Schmidt.

* Unsere Negimentsmusik konzertiert am ersten Pfingstfeiertage im Schützengarten in Wetzlar, am sogenannten dritten Feiertage nachmittags hier im Philosophenwald.

R.-B. Darmstadt, 9. Juni. In der Redaktion der Darmstädter Zeitung", des hessischen amtlichen Blattes, wird zum 1. Juli ein bemerkenswerter Wechsel sich vollziehen. An Stelle des jetzigen Redakteurs, Dr. Busch, übernimmt Redakteur Dinklage vom Oldenburger Regierungsblatte den Posten als 1. Redakteur, während Dr. Busch dem Blatte auch in Zukunft erhalten bleiben und als 2. Redakteur weiterfunktionieren wird. Der jetzige 2. Redakteur, Heß, wird aus diesem Grunde seine Stellung am 1. Juli verlassen und sich nach auswärts begeben. Der neue Leiter des Blattes ist bereits in Darmstadt eingetroffen. Die hiesige Handels­kammer schließt ihr Rechnungsjahr für 1904 mit einer Ein­nahme von 25 924 Mk. und einer Ausgabe von 23 854 Mk. ab, so daß ein Kassenvorrat von über 2000 Mk. verbleibt. Die Handelskammer hat sich, wie jüngst auch der Provinzial- landtag für Starkenburg, einstimmig gegen eine etwaige Ein­gemeindung von Ginsheim-Gustavsburg in die Stadt Mainz ausgesprochen. Die Handelskammer erklärt, daß die Los- trennung dieses Gebietes ein sehr bedauerlicher Präzedenzfall für die Zukunft sei und der Verlust eines so steuerkräftigen Ortes, wie Gustavsburg, den Kreis Groß-Gerau auch materiell recht fühlbar schädigen würde; Gustavsburg sei die kapital­kräftigste Landgemeinde des ganzen Handelskammerbezirkes. Es sprächen auch keinerlei wirtschaftliche Gründe für die Ver­einigung der Orte mit Mainz. Bezüglich einer gemein­samen Anregung einer Anzahl Handelskammern, gesetzliche Maßregeln gegen den überhand nehmenden Mißstand der Bestechung von Ange stellten kaufmännischer und industrieller Betriebe durch Lieferanten, um die Angestellten hierdurch zu einer Bevorzugung der Waren des Geschenkgebers zu veranlassen, können wir mitteilen, daß diese Anregung auch zu Verhandlungen zwischen dem Ministerium des Innern und dem der Justiz geführt haben. Diese Ver­handlungen führten zu der Ueberzeugung, daß der in Rede stehende Mißstand in Hessen noch nicht den Umfang an­genommen habe, daß hessischerseits eine Anregung zu einem reichsgesetzlichen Vorgehen in dieser Richtung gegeben werden konnte. Es soll jedoch eine eingehende Untersuchung über den Umfang dieser Mißstände und über die Rätlichkeit eines gesetzgeberischen Vorgehens angestellt werden. Die hiesige Handelskammer wird deshalb bei einer Anzahl hessischer Firmen eine vertrauliche Umfrage über diesen Punkt veran­stalten und das Material der Regierung zur Verfügung stellen.

* * Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstaaten. In Erda scheint der Typhus endlich weichen zu wollen, denn weitere Erkrankungen sind in letzter Zeit nicht vorgekommen. Am 7. d. M. haben nochmals infektivnen stattgefunden.

* KllHne"Tageschronik. In Po f en wurde der M äd- ch en Händler Ludek Boas aus Konin in Rußland verhaftet. Er wird beschuldigt, die Emilie Gottfried aus' Schadow in Ruß­land nach Glasgow verschleppt zu haben. In der Gegend vonLissai.P. gingen schwere Ge wi t te r nieder. Im Kreise Tworschwitz fuhr der Blitz in einen Strohschober, unter dem Feldarbeiter Zuflucht vor dem Regen gesucht hatten. Der Stroh­schober wurde entzündet, drei Feldarbeiter vorn Blitz getötet, die übrigen verletzt. InRixdorf bei Berlin ermordete die 25 jährige Frau des Gürtlers Zibulka ihren zweijährigen Sohn, indem sie ihn an einem Nagel an der Wand in, der Küche aufknüpfte. Dann erhängte sie sich selbst. Ehezwistig- keiteN zwischen den Eheleuten lagen nicht vor. Das' Motiv zu der Tat dürste darin zu suchen sein, daß der Ehemann ein strenger Katholik ist, während FrauundKindevalr- g e l i s ch waren, was einen starken Mißton iit der Familie hervorgerufen habe. In Zweibrücken erschoß sich der Se­kretär des Rechtsanwalts Baschab namens Schwarz, 26 Jahre alt, der verhaftet werden sollte. Schwarz soll sich Unterschlag­ungen haben zu schulden kommen lassen im Bettage von über 2000 Mark. In Amiens (Frankreichs wurde in einem Kosser, der von einem abgereisten Gaste in einem Hotel zurückgelassen worden war, die Leiche einer in Stücke ge­schnittenen Frau ausgefunden. Die Untersuchung ist. ein geleitet. Bei einer Bajonett Übung des 144. Regiments in Mörchingen wurde ein Mann durch einen unglücklichen Zu­fall getötet. In Oestrich in Westfalen wurden zwei Ar­beiter vom Blitz erschlagen und ein dritter schwer verletzt. In Wengern bei Witten wurde der Berginvalide Hüning- haus mit durchschnittener Keble und "mehreren Stichwunden in der Brust tot aufgesunden. Unter dem Verdacht, den Mord begangen zu haben, wurden zwei italienische Steinarbeiter ver- hastet.

Kunst und Wissenschaft.

Professor Tizzoni von der Universität Bologna teilte mit, es sei ihm gelungen, die Tollwut durch Radium- strahlen zu heilen. Die bisherigen Ergebnisse der Experi­mente mit Kaninchen seien sämtlich erfolgreich gewesen, was weder bei der Pasteurschen Kür. noch bei der SerumbeHandlung der Fall sei. Versuche mit Menschen will der Erfinder noch vor­nehmen

Kirchliche Yachrichten.

Evangelische Gemeinde.

In der Johauueskirche.

Am 1. Pfingstfeiertag, den 11. Juni 1905.

Vormittags 11 */. Uhr : Kindergottesdienst für die Johannes- gemeinde. Pfarrassistent Sattler.

Am 2. Pfingstfeiertag wird nach allen Gottesdiensten eine be- sondere Kollekte für die Armen erhoben.

Kandel und KerKeUr. Volkswirtschaft.

D a r m st a d t, 9. Juni. Der Aufsichtsrat der Bank für Han­del und Industrie (D a r m st ä d t e r B a n k) ernannte den Geh. Obersinanzrat von Klitzing, Mitglied des Reichsbankdirektoriums in Berlin, zum Direktor mit dem Wohnsitz in Berlin.

Paris, 9. Juni. Die Börse eröffnete fest, da derGlaube, es werde zum Frieden zwischen Rußland und Japan kommen, f o r t b e st e h t.

Gießen, 10.Juni. Marktbericht. Auf heutigem Wocbenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 0.904^5 Mk., Hühnereier 1 St. 56 Pfg.

2 Sick. 0000 Pfg., Gänseeier 1500 Pfg., Enteneier 67 Pfg., Käs« vr. Stck. 68 Pf./ Kasematte 2 Stck. 56 Pfg. Erbsen pr.Liter 21 Pfg.,' Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr. Paar0,80- 0,90 Mk., Hühner pr.St.! 1,001,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80-2,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 55-65 Pfg., Ochsenfleisch vr. Pfunb 7080 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6268 Pfg., Schweine-, fleisch pr. Pfund 6076 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 7074 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5076 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,507,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr 8,0010,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepfel per Zentner 0 bis 0 Mk., in Körben 0000 Pfg. Nüsse 100 St. 00-00 Pfg. Zwetschen per Zentner 0.000.00 Mk. Birnen per Zentner 6 big 0.00 Mk. Weißkraut 0.10-0,15. Marktzeit 71 Uhr.

KerichtssaaL.

M o g i l n o , 9. Juni. Der Hauptmann z. D. S ch l o 11 hatte sim gestern vor dem Kriegsgericht der 4. Division wegen Vor­nahme unzüchtiger Handlungen an Mädchen unter 14. Jahren zu verantworten. Die Verhandlungen, zu denen 27 Zeugen ge­laden worden waren, sind unter Ausschluß der Oesfentlichkeit geführt wordm.^ Das Urteil, lautete auf 1'1/2 Jahre Gefäng­nis und Verlustes des Rechtes Auf Tragen der Uniform. Schlott ist verheiratet und Vater mehrerer Kinder.

Gießener lUrdwirtschaftlicher Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Sonntag den 11. Juni 1905: Trockenes, aufheiterndes und wärmeres Wetter für Sonntag und Montag.

Näheres durch die Gießener Wetterkarte.

Kriginal-I)raMmkfdttngen.

Berlin, 10. Juni. Die MorgenAätter melden zu deut plötzlichen Abschluß des Plötzenseer Prozesses: Wäh­rend der Verhandlung am Mittwoch begab sich Rechtsanwalt Löwenstein in das Justizministerium und suchte um eine Audienz nach; er hatte eine halbstündige Besprechung mit dem Minister, der erklärte, daß er jede Einmischung in den Prozeß, jede unmittelbare Einwirkung auf die Behörden, welche Straf­antrag gestellt haben, ablehnen müsse. Darauf ersuchte Rechts­anwalt Löwenstein Landgerichtsdirektor Oppermann, die Verhand­lung bis zum Mschluß der einzuleitenden Vergleichsverhand­lungen zu unterbrechen: diesem Ersuchen wurde entsprochen. Nach zweitägigen Verhandlungen zwecks Einverständnisses zwischen allen Angeklagten, Verteidigern, der maßgebenden Behörde, und den Nebenklägern und nach letzter mehrstündiger Unterhandttmg des- Rechtsanwalts Löwenstein mit dem Vertteter der Oberstaatsan­waltschaft erfolgte dann die Erllärung der Angeklagten und die Zurücknahme der Sttafanttäge.

Breslau, 10. Juni. In der ersten Woche des Juni wurden in Schlesien 106 Ortschaften durch Wetterschaden betroffen, 10 Menschen vom Blitz erschlagen, 48 Gebäude und 2 Kirchen durch Brandschaden ver­nichtet. Aus 51 Ortschaften wurde Hagelschlag und Ueber- flutung gemeldet.

Paris, 9. Juni. Die dem Ministerpräsidenten Rouvier während des diplomatischen Empfanges durch den deutschen Geschäftsträger, Botschaftsrat v. Flotow überreichte Note ist eine Zirkularnote, die von der deutschen Regierung an alle Mächte gerichtet ist. Die Note umsaßt nur etwa zwanzig Zeilen. Die deutsche Regierung erklärt, sie stimme dem Vor- chlage der marokkanischen Negierung, die Neformfrage einer internationalen Konferenz zu unterbreiten, zu. Deutschland stützt sich dabei auf den Artikel 17 der Madrider Konvention, welcher in Marokko allen vertrag­schließenden Mächten das Meistbegünstigungsrecht zusichert. Rouvier beschränkte sich daraus, die Note zur Kenntnis zu nehmen. Man glaubt, daß die Mächte, denen die Note zu­gestellt ist, bis jetzt ihre Antwort noch nicht erteilten.

Paris, 10. Juni. Echo de Paris meldet aus Peters­burg, hinsichtlich der Friedensfrage werde erklärt, Ruß­land sei fest entschlossen, den Krieg fortzusetzen, jedoch sei man bereit, die japanischen Vorschläge zu prüfen und Frankreich und die Vereinigten Staaten von Amerika zu ersuchen, die japanischen Bedingungen mit­zuteilen. Aus den Mitteilungen mehrerer hervorragender Personen gehe hervor, daß Rußland entgegen den bis­herigen Meldungen bereit sei, eine Kriegsent­schädigung und zwar in Höhe von 25 Milliarden Rubel zu zahlen, außerdem die Eisenbahn zwischen Charbin und Port Arthur abzutreten, jedoch weigere es sich entschieden, irgend ein Gebiet abzutreten.

Wien, 10. Juni. Der Universitätsprofessor Dr. Theodor Beer, der vor Jahresfrist aus Wien geflüchtet war, um der gerichtlichen Verfolgung wegen mehrerer ihm zur Last ge­legten Sittlichkeitsverbrechen zu entgehen, ist, nachdem ihm freies Geleit zugesichert worden, aus San Franeiseo hier ein* getroffen. Er hat sich dem Gericht gestellt.

HMMeHchmq der AaMießeii

Montag den 19. und Dienstag den 20. Juni 1905, jedesmal vormittags 9 Uhr beginnend, soll das Heugras von den städtischen Wiesen meistbietend versteigert werden und zwar:

Montag den 19. Juni:

a. An Ort und Stelle von den Wiesen im Neustädterfeld und bei der Margaretenhütte;

b. ^vormittags 11 Uhr in der Restauration von Melchior Schäfer 'Ww., Grünberger Straße 6, von den Wiesen im Heegstrauch und im Rußland;

c. nachmittags 2 Uhr im Philosophenwald pon den Wiesen am Fürstenbrünnen, im Wiesecktal, von den Hospitalwiesen in der Geinarkung Wieseck und pon etwa 25 Morgen Wiesen in der Schwarzlach;

Dienstag den 20. Juni:

d. pon den Ochsenwiesen, einer Hospital- und Pfarrwiese, von den Wiesen im Stolzenmorgen, Utersbrunnen und Altentisch;

e. nachmittags 2 Uhr von den Wiesen in der Gemarkung Rödgen;

f. nachmittags 273 Uhr von den Wiesen in der Gemarkung Alten-Buseck;

g. nachmittags 3 Uhr von den Wiesen in der Gemarkung Großen-Buseck.

Die Zusammerckunft ist am 19. Juni am Neustädtertor, am 20. Juni in den Ochsenwiesen.

Die Großherzoglichen Bürgermeistereien der umliegenden Gemeinden werden ersucht, vorstehendes in ihrer Gemeinde bekannt machen zu lassen.

Gießen, den 9. Juni 1905. , . ® /«

Großherzoalick'e Bürgermeisterei Gießen.

__________________I. V.: Eurschmann.___

Bekanntmachung.

Mittwoch, 14. Juni 1905, nachmittags 6 Uhr, werden m der Stephansmark

einige Stücke meistbietend versteigert. .. m.,r. »

Die Zusammenkunft ist hinter der neuen Unwerptats-Blblwther an der Bismarckstraße. .nl0/

Gießen, den 10. Ium 190o. B /

GroßherzogUä" Bürgermeisterei Gießern v

I. V.: Eurschmann.