Wt. 15»
155. Jahrgang
Zweites Blatt
Erfchrtra SßNch mü AuSnahm« bei Sonntag».
Die »Eietzener Samflienblätter* roerben dem ^ttnaetget viermal wöchentttch beigelegt. Der «h<!st!ch» CQHöwttr erichettU moruultch etnniaL
Samstag 8. Juli 1905
SUtattonCbrud and II erlag ba Brühllch«
Untoerlttätflt>ruderet ÖL Bangt. Gietz«,
Redaktion, Expedition a. Druckerei 6d)ulftt*f, tet Stu 6L Letegu-Ldr.. tiutetga Sittzs»
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.
166 549 Bäder wurden
Tage noch 5819 anwesend waren.
bis zum 6. Juli abgegeben.
p. Erda, 7. Juli. Schon glaubten wir bestimmt, bc* Typhus bade uns verlassen, da werden schon wieder neue Fälle von Erkrankungen bekannt, und gestern ist ein Mädchen — das zweite aus der Familie — in der Klinik zu Gießen gestorben. Bereits nm Weihnachten wurde die Krankheit von Arbeitern in unser großes Dorf gebracht. Der Kreisarzt, Dr. Braun in Wehl ar, veranlaßte sofort die Schließung der offenen Brunnen, Isolierung der Kranken zuerst in der Gießener Klinik, dann in einem hier errichteten Krankenhaus, sowie zahlreiche Desinfektionen. Das Krankenhaus, welches anfänglich von zwei Kaiserswerther Diakoniffcn und einer Landpflegerin bedient wurde, konnte vor wenigen Wochen nach Lage der Umstände wieder einem anderen Zweck übergeben werden.
Ire Marokko-Konferenz.
Paris, 7. Juli.
Die heutige Unterredung des Ministerpräsidenten Ronvier mit dem deutschen Botschafter Fürsten Radotin erstreckte sich auf die endgiltige Form, die den Mitteilungen gegeben werden soll, die zur Zeit ausgetauscht werden, wo Frankreich seinen Beitritt zur marokkanischen Konferenz vollziehen wird. Radolin und Rouvier haben in allernächster Zeit wieder eine Besprechung. In offiziellen Kreisen wird erklärt, daß wiederum ein Schritt mehr zum Einvernehmen gemacht sei, es bleibe nur übrig, den end- giltigen Wortlaut der Schriftstücke festzustellen, die das
Uebsreinkommen sestsetzen, deffen Grundzüge jetzt schon end- giltig festgelegt sind.
In dem heute abgehaltenen Ministerrat machte Ministerpräsident Nouaier Mitteilungen über den Stand der Ber- wndlungen mit Deutschland. Er äußerte, allcs berechtige zu der Hoffnung, daß ein en dgiltges Uebcreinkommen in kurzer Fr ist zu Stande kommen werde
gebracht.
§ Bad-Nauheim, 7. Juli. Bis zum 6. Juli 1905 sind 14 127 Kurgäste angekommen, wovon am genannten
Kus Stadt und Kmrd.
Gießen, 8. Juli 1905.
•* Personalnachrichten. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Entschließung S. K. H. des Großherzogs dem Mitglied» der freiwilligen Feuerwehr zu Lauterbach Georg Sandmann und den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Erbach W. Nie sing er und Johann Walther IV. Ernannt wurde am 24. Juni d. I. der Schulverwalter an der Präparandenanstalt zu Wöllstein Karl Bentz zum zweiten Lehrer an dieser Anstalt, unter Belassiing in der Kategorie der Volks- schiillehrer, mit Wirkung vom 1. Juli. Bestätigt wurde am 1. Juli der von dem Grafen zu Erbach-Erbach auf die erledigte Lchrerstelle an der Gemeindeschule zu Nieder-KainS- bach, im Kreise Erbach, präsentierte Schullehrer Jakob Scior zu Elinshausen, im Kreise Bensheim, für diese Stelle.
Q Kinzenbach, 7. Juli. Einen erneuten bedeutendem Erfolg hat der hiesige Kaninchenzuchtverein auf der großen W a n d e r a u s st e l l u n g der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft zu München errungen. Dem Werkführer Schmidt sind zwei erste Preise und ein Siegespreis zuerkannt worden für eine belgische Riesenhäsin mit ihren Jungen und ein Silber-N.
(X) Krofdorf, 7. Juli. Gestern nachmittag, kurz vor Beendigung der Arbeit, glitt auf einer Baustelle von Maurermeister Drescher der 19 jährige Maurergeselle 9(b. Kraft beim Backsteinfangen aus und stürzte in die Tiefe. Schwerverletzt wurde er in die Klinik nach Gießen
nähme der Regierungsvorlage.
dlbg. Dr. Frenay legt ausführlich die wirtschaftliche Notwendigkeit der Balyrlinie Bensheim-Lindenfels dar, der direkte Anschluß an die Odenwaldorte werde allen zum Vorteil gereichen. Er danke der Regierung für die prompte Bewilligung des Zuschusses und bittet um möglichst einstimmige Annahme der Regierungsvorlage.
Abg. Korell ersucht gleichfalls um Genehmigung der Vorlage, auch die Ueberweistmg des Ueberschusses an die Gemeinde Beerfelden; derselbe sei gerechtfertigt und werde namentlich der ärmeren Bevölkerung zugute kommen.
Abg. Ulrich spricht sich in ähnlichem Sinne aus.
Abg. Wolf verteidigt seine Stellung bezüglich Beerfeldens den verschiedenen Vorrednern gegenüber.
Nach einigen weiteren Bemerkungen der Abgg. Horn, Molthan und Breimer schließt die Debatte und das Haus genehmigt die Regierungsvorlage nach den Ausschufz- anträgen. Darnach werden also zu den Kosten einer vollspurigen Nebenbahn Höchst—Neustadt—Landesgrenze (mit Fortsetzung nach Aschaffenburg) an die bayerische Regierung für die hessische Strecke 30 Proz. der Baukosten, im Hochst- betrag 270 000 Mk., und für Förderung einer Nebenbahn Bensheim—Lindenfels und Hetzbach—Beerfelden 30 Proz. der wirklichen Baukosten, sowie an die Gemeinde Beerfelden der Mehrbetrag von ca. 60 000 Mk. bewilligt. Die zu derselben Materie vorliegenden Vorstellungen und Einträge werden für erledigt erklärt. „ ,.L
Nach der Frühstückspau,e erstattete zunächst Abg. Dr. Schmitt den Antrag Pennrich und. Gen., bett, den
VeraiitnngZmodus für die Eisenbahnfahrten der Abgeordneten und beantragt Dringlichkeit, die das Haus auch anerkennt. Dann wird beschlossen, baä Ersuchen au die Regierung zu richten, mit der preußisch-hessischen Eiscnbahngemeinschaft eine jährliche Pauschalsumme für die Eisenbahnfahrten der Abgeordneten in Hessen tn Ausübung ihrer landständischen Tätigkeit zu vereinbaren
Es folgt nun die Besprechung der Anfrage des Abg. Leun über die Errichtung einer
Guterverladestelle am Schiffenberg
Aba Leun begründet seine Anfrage und führt aus, daß der ermittelte Verkehr von 330 Waggonladungen m Schiffeuberg doch nur zu Anfang vorhanden fern sich aber allmählich steigern würde. In Großen-Linden habe der Verkehr nur 305 Waggonladungen betragen und die Ersen-
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bahiidirektion sei sofort darauf eingegangen, die gewünschte Güterverladestelle zu errichten; inzwischen sei aber der Verkehr daselbst bereits auf das vierfache gestiegen. Es würde also zweifellos auch auf Station Schiffeuberg allmählich eine bedeutende Verkehrssteigerung zu erwarten sein. Der vom Minister angegebene Kostenbetrag von 140000 Mark sei auch außerordentlich hoch: es würde sich die Güterstelle auch mit viel geringeren Mitteln einrichten lassem,
Finanzminister Gnautb weist an der Hand statistischen Materials den Mangel des Bedürfnisses nach.
Abg. Bähr unterstützt die Wänsche des ülbg. Leun. Nach weiteren Bemerkungen des Abg. Leun ist die Besprechung erledigt.
Abg. Molthan erstattet darauf mündlich Bericht über die V e r n u ß e r u n g des A m t s h a u s e s H ü g e l st r a ß e 31/3 3 an die Stadt Darmstadt zum Preis von 140000 Mark, sowie Erwerb eines städtischen Grundstücks an der Annastraße zu Zwecken der Steuerverwaltung. Die Kvsten des Neubaus für letzteren sollen 149900 Mk. betragen, der Preis des Bauplatzes stellt sich auf 78 000 Mk., die Gesamt- kosten auf 245100 Mk., sooaß bezüglich der 140 000 Mk. für das Haus in der Hügelstraße noch aus unmittelbaren Staatsmitteln 105100 Mk. zu bewilligen wären. _
Nachdem die Dringlichkeit der Vorlage vom Hause anerkannt ist, widerspricht Abg. Cramer im Interesse der Steuerzahler einer Verlegung des Steuergebäudes nach einer so entlegenen Gegend. Abg. Bähr empfiehlt die Wahl einer besser gelegenen Baustelle, während Finanzminister Gnauth die Regierungsvorlage motiviert und verteidigt.
Das Hans stimmt nach weiterer Erläuterung des Projektes durch den Aba. Dr. Buff dem Antrag Cramer auf Zurückverweisung der Vorlage an den Ausschuß zu.
Neber die Regicrungsvorlagc, betr. das Gymnasium und d i e O b e r r e a l s'ch u l e z u W o r m s, referiert Abg. Molthan und beantragt, den Mehrbedarf bon 5659 Mr. zu bewilligen. Nachdem das Hans die Dringlichkeit anerkannt hat. wird die Regierungsvorlage genehmigt.
Neber die Regierungsvorlage, betr. die Beschaffung von Gendarmen-Dien st wohn ungen in Alzey, referiert Abg. Dr. B u ff. Zur Einrichtung solcher Wohnungen werden "im ganzen 21500 Mk. verlangt. Der Ausschuß beantragt, zunächst nur 20 000 Mk. für den Erwerb des Anwesens der Witwe Elisabeth Eller, geb. Conradi daselbst zu bewilligen, da es sich hier auch um den Miterwerb eines alten Turms, um die Erhaltung eines alten Baudenkmals handle. Mit der Herrichtung oes Gebäudes, für welche 1500 Mk. in Ansatz gebracht waren, soll bis später gewartet werden. — Das Haus bewilligt die Dringlichkeit für die Vorlage, worauf Äbg. Bähr die Beschlußfähigkeit bezweifelt. Da durch das Bureau die Anwesenheit von nur 21—22 Mitgliedern konstatiert wird, muß die Verhandlung abgebrochen werden.
Präsident Haas teilt nun mit, daß die Beratungsgegenstände für das Menum der Kammer erledigt seien. Es seien aber noch verschiedene Rückäußerungen der ersten Kammer zu erwarten und ein Schluß der 32. Landtagsperiode noch nicht anberaumt. Er vertage daher die weiteren. Sitzungen auf unbestimmte Zeit.
Schluß der Sitzung 1 Uhr.
Aütow und Iaures.
In der Presse wird die Diskussion über den bcrcitütcn Vor- c trag des Herrn Jaurös fortgesetzt. Ein ziemlich heftiger Angriff gegen Fürst Bülow findet sich 'm der „National-Ztg." Doch meßt \ etwa, weil Jaurös nicht in Berlin als Redner auftreten darf. । Damit ist die „Natiounlztg." einverstanden. Umsomehr wird . die Form der Ablehnung getadelt. Tas Schreiben des , Reichskanzlers kennzeichne sich selbst als eine Entschuldig- J ung mit vielen Umschweifen, es bewerte die Vereinigung des internationalen sozialrevolutiouärcn Proletariats als einen internationalen M a ch t f a k t o r imb lasse ihr im Wege des diplomatischen Verkehrs amtliche Eröffnungen zugehcn usw. „ „ .
Unseres Erachtens läßt sich darüber streiten. Man kann dagegen cinwend^n, daß die Ausführlichkeit, mit der Fürst Bülow das Redeverbot begründet, von der Höflichkeit diktiert ist, die wir überall im amtlichen Verkehr als schätzenswert gern an- gewendct sehen möchten. Eine Ablehnung in kiirzcr oder brüsker Form würde allenthalben in Frankreich, wo man für dergleichen Gefühl hat, als Verletzung aufgefaßt worden sein. Indessen ist allerdings die Anerkennung der Sozialdemokratie als eines internationalen Machtfaktors ein Zeichen beklagenswerter Schwäche. Das hat auch Herr Jaurös sofort erfaßt.
In dem bereits gestern Für- erwähnten Artikel der „Hu- inanitö", worin er die gegen i, ergriffene Maßregel bespricht, wird ausgeführt:
„Die diploinatische Note des deutschen Reichskanzlers sei ein schlagender Beweis für das Anwachsen des Sozialismus und dessen immer g r ö ß e r w e r d e n d e nationale rund internationale Bedeutung. Je mehr der Reichskanzler sich bemüht habe, den Takt von Jaurö? in höflichen Formen anzuerkenneu, desto mehr lasse er durchblicken, von welcher Beunruhigung gegenüber dem Sozialismus gerade diejenigen Regierungen ergriffen sind, die sich am all er stärkst en glauben. Jaurös führt weiterhin aus, wie man in Berlin hin - und berge f ch w a n k t habe, bis man schließlich dem reaktionären Anarchismus n a ch g a b. Er weist dabei auf die Tatsaege hin, daß sich gleichzeitig in Frankreich wie in Deutschland der Instinkt der reaktionären Parteien gegen die internationale Aktion des Sozialismus ausdchne, der infolge dieser Erscheinung Millionen neuer Anhänger gewinnen werde. Jaurös versichert, daß er auch in Zukunft seiner Politik, eine Ann ähre ung zwischen Deutschland und Frankreich zu befürworten, treu bleiben werde. „Der deutsche Reichskanzler, heißt es am Schlüsse, „verschließt mir die deutschen Volksversammlungen, nicht weil ich ein Bürger Frankreichs, sondern weil ich ein Kampfgenosse der deutschen Sozialdemokraten bin, und deshalb kann dieser Zwischenfall das Werk des F-riedens nicht stören, das sich zwischen beiden Ländern vollzieht, und an dem die Sozialisten mitarbeiten, trotz aller rückschrittlichen Plackereien."
Diese Antwort unterscheidet sich durch ihre Ruhe und Gelassenheit sehr vorteilhaft von dem Zornesausbruch im Vorwärts". Er forderte die Genossen und Genossinnen Berlms auf, in der für Sonntag anberaumten Versammlung zu erscheinen, um , t .
„energischen Widerspruch gegen den Streich der Reaktion zu erheben und gegen die Maßregelung eines Mannes, der für Völkerfrieden und Volksfreiheit mehr leiste als die zünftigen Diplomaten beider Länder zusammen. „W e l t- blamagc" nennt dann der „Vorwärts" das Einschreiten des Fürsten Bülow, der damit das Letzte verloren habe, was er etwa noch zu verlieren hatte. Die Reaffionsgewalttat werde durch die s ch a l l e n d e L ä ch e r l i ch- keit gemildert, der die Einzelheiten seines Erlasses au den deutschen Botschafter gewiß seien. Die größte Partei Deutschlands werde vom Kanzler beleidigt und geschmäht. Sein Schreiben sei völlig sinnlos, weil cs auf Behauptungen und Annahmen beruhe,, deren Wahrheilswidrigkeit nur die totale Unwissenheit nicht erkenne. Fürst Bülow sei der S t ö r e n f r i e d d e r d e u tsch- franz. A n n ä h r u n g und leiste den S ch ü r e r n d e r N a - tionalitätenverhetzung Vorschub."
Nach der „Petite Republigue" erhielt Jaurös am Freitag früh den Besuch d?s deutschen Botschafters
In L o n d o n hat der Bülowsche Erlaß vielfaches Mißfallen erregt. Die „Times" beschäftigt sich damit in einem Leitartikel, der mit der Bemerkung schließt: .
„Durch solche Maßregeln reizt man nur die Sozialdemokratie auf und macht nur Reklame für sie. Von allen Herausforderungen, welche d,e Sozialdemokratie durch das deutsche Beamtentum erfahren W, fei die neueste durch den Fürsten Bülow bei weitem die größt e"
Volltische Tagesschau.
Der Zehnmillionenfonds.
Die „Nordd. Allg. Ztg." lnicht endlich das lange Schweigen, das sie über den Zehnmillionenfonds für Zulagen an deutsche Offiziere trotz aller Aufforderungen der Presse bewahrt hat. Aber das offiziöse Blatt begnügt sich mit der kühlen Bemerkung, die Idee des Fürsten Henckel von Donner sm arck habe „in der Presse Anlaß zur Erörterungen gegeben." Alsdann folgt der Wortlaut der „Erllärung" des fürstlichen Anregers, die in der „Kreuzztg." zu lesen war. Durch die lange Auseinandersetzung dieses großen Herrn ist die Sache nicht klarer getoorb-en. Es ist zwar die Aufforderung an die Hochfinanz zu Beiträgen für jene Stiftung nicht übel durch den Sah; begründet: „Die Ansammlung nationalen Kapitals in Banken und ^ndustrie- gesellschast erfolgt ohne Rücksicht auf Konfession". Aber der Verlauf der merkwürdigen Versammlung hat doch dargetan, daß hervorragende Leiter von Großbanken für diesen Gedanken nicht das erwartete Verständnis haben, vielmehr Zweifel darüber bekundeten, ob für die Offizierslaufbahn lebe R ü ck- sicht auf Konfession ausgeschlossen sei. Wenig entzückt ist man in militärischen Kreisen von emem auf solcher Grundlage zusammengebracht-n Fonds. Unter diesen Umstanden erscheint noch jetzt ein entschlossener Verzicht auf das Projekt angezeigt, nm die Wohltat nickt zur Plage zu machen.
Keuscher Landtag.
Zweite Kammer.
R 8. Darmstadt, 7. Juli.
Am Regierungstische: Justizminister Dr. Dittmar, Finanzmmister Gnantb und mehrere Ministerialräte.
Nach Eröffnung der Sitzung um 91 \ Uhr setzt da? Haus zimächsi die Beratung über den Gesetzentwurf, betreffend die
Herstellung mehrerer Nebenbahnen fort.
Abg. Hauck ersucht noch einmal um Berücksichtigung seines Antrages.
Abg. Müller bringt verschiedene Wünsche bezüglich der geplanten Bahnlinie Höchst—Aschaffenburg vor, worauf
Finanzminister Gnauth kurz erwidert.
Abg. Wolf erklärt sich mit dem Bau der Strecke Höchst- Neustadt—Aschaffenburg einverstanden, auch damit, daß hier von dem üblichen Satz von 20 000 9)?f. pro Kilometer Staats- zuschuß abgewichen und 30 Prozent der Baukosten vergütet werden sollen. Nicht einverstanden aber sei er bannt, daß der beim Bau der Linie Hetzdach—Beerfelden sich ergebende Mehrbetrag an die letztere Gemeinde zurückgezahlt werde. Das wäre eine bedenkliche Neuerung im hessischen Nebenbahn- Bauwesen, und er bedauere, daß sich die Negierung zu diesem Schritt entschlossen habe. Es gebe in Rheinhessen und ander- wärts viel ärmere Gemeinden, denen man eine ähnliche Vergünstigung nicht gewahrt habe. Redner bittet um Ablehnung dieser Bestimmung.
Abg. Dr. Buff bemerkt, er teile mit seinen Freunden nicht die Ansicht, daß durch die hessisch preußische Eisenbahn- polilik der Verkehr von Darmstadt abgelenkt werde, hoffe vielmehr, daß man durch die neuen Bahnlinien zu weiteren Geschäftsverbindungen mit dem Bewohnern des Msimmling- tales führen werde'. Der Vertrag, nack welchem Hessen an Bayern für die hessische Strecke 30 Prozent der Baukosten zahlen wolle, sei sehr günstig. Redner führt dann Klage über die schlechte Verbindung von Darmstadt nach dem Odenwald. Der Regierungsvorlage werde er zustimmen.
Finanzminister Gnauth führt dem Abg. Wolf gegenüber ans, die Rückzahlung des Ueberschusses von ca. 60000 Mark an die Gemeinde Beerfelden sei kein Geschenk, son dern die Abtragung einer Schitld, auf welche die Gemeinde unter den gegebenen Umständen Anspruch habe.
Abg. Euler dankt dem Minister für die Bewilligung des Zuschusses zu den Kosten der Nebenbahn Bensheim Lindenfels. Diese Bahn habe sich als eine dringende Notwendigkeit erwiesen und er hoffe, daß sie so bald wie möglich zur Ausführung gelange.
Abg. Molthan wendet sich gegen die Ausführungen des Abg. Wolf und legt bar, daß die finanziellen Verhältnisse von Beerfelden durchaus nicht so rosig seien, daß sie auf die Summe verzichten könnte.
Abg Breimer bekämpft ebenfalls die Ausführungen des Aba. Wolf und weist die berechtigten Ansprüche der Gemeinde Beerfelden nach. Er bittet um rurveränderte An-


