v. 95 Pf. an
D3/1
— Zollfrei! — Muster an Jedermann! —
Seidenfabrikt. Honnebcrg, Zürich.
worauf die Rechte mit ebenso vernehmlichem Zischen antwortete. Frhr. v. Nheinbaben lächelte befriedigt und machte ich gleich darauf an die Durchsicht von Akten. Beauftragte des Grasen Bülow kamen, erkundigten sich und gingen eilig von dannen. Landwirtschastsminister v. PodbielSki ließ die Sonne seiner wohltuenden Heiterkeit über die ganze Ver- ammlung leuchten. Die weiteren Abstimmungen, durch Erheben von den Sitzen, vollzogen sich in größter Schnelligkeit. Einmal rief Präsident v. Kröchet einen Abgeordneten auf, der ich noch zu einer Bestimmung zum Wort gemeldet hatte. Starker Unwille auf allen Seiten. Wozu jetzt noch Reden cmhörcn? Der Ausbruch des Grolles schlug in ein befreites Lachen um, als Herr v. Kröcher kühlen Tones hinzufügte: „Meine Herren, der Herr Abgeordnete ist gar nicht im Saale anwesend!" Das Haus war überhaupt der Reden satt. Kaum, daß vor der namentlichen Abstimmung auf die Wortführer gehört wurde. Dem Abg. v. Oldenburg gelang es, durch eine kräftige In sch utznci hm e des „Bundes der Landwirte" gegenüber dem Minister Frhrn. v. Rheinbaben die Aufmerksamkeit zu sesscln. Herr v. Oldenburg tadelte den satyrischen Ton, den Herr v. Rhcinbaben angeschlagen hatte. Dafür sei die ganze Bewegung des Bundes zu groß und zu ernsthaft, als daß sie sich mit einigen Scherzen ab- inden ließe. Der Minister konnte erwidern, daß er nicht den Bund als solchen, sondern lediglich die Agitation der agra- rischen „Tageszeitung" gegen die Kanalvorlage angegriffen habe. Er müsse dabei bleiben, daß dadurch nicht, wie Dr. Hahn behauptet, Oel auf die Wogen, sondern Oel ins Feuer gegossen worden sei.
Zum Schluß der Sitzung gab es eine kleine Tragikomödie. Der Zentrumsabg. Dr. von Sa vigny hatte eine Resolution cingebracht aus „Förderung des Verkehrs- und Erwerbslebens". Der Zweck der Resolution sollte, wie der Antragsteller unter großer Unruhe des Hauses aus- führte, sein, den Blick der Regierung auf diejenigen Landesteile zu lenken, die keinen Vorteil von den neuen Wasserstraßen hätten. Die Freisinnigen erklärten, mit dieser Resolution wolle das Zentrum sich bei seinen Wählern empfehlen. Redner der Rechten ironisierten den Antrag, worauf Herr von Savigny, gekränkt über diese Aufnahme, die in der Landwirtschaft sicher nicht geteilt werden würde, die Resolution vorläufig zurückzog.
Gegen 5 Uhr nachmittags sah man auf der Straße die Equipage des Grafen Bülow in schleuniger Fahrt. Vermut- lieh begab sich der Kanzler zum Kaiser, um persönlich den endgültigen glücklichen Ausgang des langjährigen Kampfes um die Kanäle zu melden. Jetzt fehlt nur noch die Annahme der sieben Handelsverträge durch den Reichstag — hierüber braucht sich Graf Bülow keine Sorge zu machen — um die Auszeichnung hcrbeizusühren, von der man in unseren politischen Kreisen spricht: Die Verleihung des Fürsten- titels an den vom Erfolg Gesegneten.
rufen und unter Umständen sogar die Einnahmen unterbinden. In längeren Ausführungen bespricht Redner auch die preußisch-hessische Staatseisenbahngemeinschaft, die unserem Staate im neuen Etat so reiche Einnahmen zuführe. Er weist an der Hand eines reichen Zahlenmaterials die günstige Entwickelung der Einnahmen der Eisen- bahngemeinschaft gegenüber den nur gan zminimal gestiegenen Prozentsätzen der übrigen Esienbaynver-waltungen nach und erhebt dann scharfen Protest Aegei^ eine Musterung des Abg. Tr. David im Reichstag, daß die preußisch- hessische Eisenbahngemeinschaft der cqie und zugleich gefährlichste Einbruch Preußens in Süddeutschland gewesen sei. Dagegen müsse mit aller Entschiedenheit Widerspruch erhoben werden. Redner hebt dann den außerordentlich günstigen Einfluß hervor, den die Gemeinschaft seit 1896 auf die hessischen Finanzen aus-geübt habe. Den Bergarbeiterausstand bezeichnet Redner als ein geradezu nationales Unglück. Es sei dringend zu hoffen, daß sich Arbeitgeber und Arbeiter doch noch auf friedlichem Wege verständigen und den unheilvollen Streit so schnell wie mög- £ixh beendigen. Sie müßten das tun, wenn sie noch einen Junten von Vaterlandsliebe und Interesse am Gemeinwohl des deutschen Voltes besäßen. (Lebh. Verfall.)
s2Iba Dr. Schmitt bemerkt im voraus, er werde heute cüic scharfe Rede halten, die ihm in den eigenen Reihen ieiner Partei Feinde schaffen werde, aber er halte seine Ausiübrunaen für seine Pflicht und werde die volle Ver- Ä“a2en. Redner beklagt dann tief, daß zurzeit
Ans Stadl und Zand.
Gießen, 8. Februar 1905.
** Jubiläum. Kanzlei-Inspektor Frank begeht ant 10. Februar sein 25 jähriges Dienstjubiläum. Er wurde am 10. Februar 1880 als Kanzleigehilse verpflichtet, wurde am 1. Juni 1898 Kanzlist und am 28. Januar 1899 Kanzlci- inspektor.
Grünberg, 5. Febr. In der gestern abend stattge* habten Gemeiudcratssitzung bildete der einzige Punkt der Tages - Ordnung die Begutachtung des Voranschlags ür 19 05/0 6. Dieser weist in Einnahme und Ausgabe die Summe von 99645,12 Mk. auf gegen 99362 Mk. im Vor- jahre. Den Schulden der Stadt im Betrage von 204428,49 Mark steht ein Gesamtvermögen von 650308,90 Alk. gegenüber. Für das kommende Jahr sind ein Gemeindesteuern etwa 4000 Mk. mehr aufzubringen infolge der Kanalisierung der Neugasse; vorgesehen war zuvor eine Erhöhung von 10000 Mk., die sich indessen durch die Zurückstellung der Pflasterung der Rabengasse auf erstgenannte Summe verminderte. (Gr. A.)
Hirzenhain (Dillkreis), 7. Febr. Unser Dorf ist eines der höchslgelegensten des Dillkreiseö. Es liegt auf dem Gebirgszuge zwischen dem Dietzhölz- und Gansbachtal, 524 Mir. über dem Meeresspiegel. Durch die örtliche Lage ist die Wasserversorgung für unser Dorf schon von jeher ein Schmerzenskind gewesen. In trockenen Zeiten liefert der einzige Röhrbrunnen in der Mitte des Dorfes nur tropfweise Wasser und auch die tiefsten Schöpfbrunnen versagen den Dienst. Das ist dann für unseren Ort mit über 700 Einwohnern und starker Viehzucht eine wahre Kalamität. Schon seit Jahren ist unsere Gemeindeverwaltung bestrebt, der Rot ein Ende zu machen, aber das „Wie" ließ sich schwer finden. Mit vielen Kosten hat man seit 1898 einen Stollen oberhalb des Torfes graben lassen, aber das Ergebnis blieb gering; über die Gewinnung von elf Liter Wasser in der Minute kam man nicht hinaus. Da hat vorige Woche unsere Gemeindevertretung einen endgültigen Beschluß von Bedeutung gefaßt. Unterhalb des Dorfes auf dem „Gucks" ist eine starke Quelle (eigentlich ist sie der Ausgang eines uralten Bergwerks). Sie liefert in der Minute 77 Liter Wasser und soll nun mit Hilfe eines Windmotors unserem Orte, zugeführt werden. Der geplante Motor von 35 Meter Höhe wird in 24 Stunden 55 Kubikmeter Wasser besorgen, das in zwei Bassins reserviert wird. Eines derselben dient für die Hausleitungen, das andere für die Feuersgefahr. Mit der Ausarbeitung des Projekts, dem ein solches von Merzhausen bei Usingen zu Grunde liegt, ist Kreisbaumeister Röber von Dillenburg betraut, vorausgesetzt, daß die Untersuchung des Wassers durch Medizinalrat Dr. Schauß in Dillenburg keine Beanstandung gibt. Man hofft hier, daß der Plan die Genehmigung der Behörde erlangt und daß es gelingt, der Wassernot in unserem Otte auf immer ein Ende zu machen.
zwischen den beiden christlichen Konfessionen eine so gc> maltigc Spannung gehe, wie seit langen Jahren nicht. Seine Partei habe auf konfessionellem Gebiete viele Wünsche, ab erste stelle zurzeit deshalb keine Anträge, weil sie nicht noch zur Verschärfung der Gegensätze beitragen wolle. Mhnliche konfessionelle Verhetzungen und Gereiztheiten seien seit Jahrzehnten nicht dagewesen; man dürfe an einer derartigen Verbitterung der Volksseele nicht gleichgiltig vorübergehen. Ter Redner führt nun verschiedene Beispiele an, um den herrschenden Zwiespalt zu beweisen. So seien auch jüngst in einer Hofkirche unschöne Musterungen gegen die katholische Kirche gefallen. Er betone aber ausdrücklich, daß auch auf der anderen Seite Ungehörigkeiten zu verzeichnen gewesen seien, a',nch katholische Blätter hätten Angriffe auf Männer wie Luther und Phittpp den Großmütigen gebracht, was nur zur Verschärfung der Gegensätze führen könne. Tie Regierung sollte demgegenüber bestrebt sein, jeder weiteren Entfremdung zwischen den beiden Konfessionen nach Möglichkeit entgegenzutreten. Er stehe zwar auf dem Standpunkt, daß sich der Staat int Prinzip nicht in beit Streik um konfessionelle Fragen entmischen soll, aber hier werden 95 Prozent aller Bewohner berührt und er sei der Meinmrg, daß neben den beiden Konfessionen auch selbst der Staat darunter leide. Einen wirklichen Vorteil würden schließlich nur diejenigen haben, deren Anwachsen zu verhüten doch im Interesse beider Konfessionen liege. (Rufe bei. den Sozialdemokraten: Oho! und die Juden!) Redner meint, dann, daß die Parteipresse mit an der Verhetzung Schuld trage. Tie Regierung treffe zwar kein direkter Vorwurf, aber in manchen Kreisblättern würden konfessionelle Angriffe geduldet. Weder das katholische noch das evangelische Volk wollen diesen Streit und die Regierung müsse mit aller Energie dagegen Front machen. Redner beklagt dann die Haltung, welche die Regierung bei der Abstimmung über Art. 2 des Jesuitcngesetzes im Bundesrat angenommen habe und ebenso bedauerlich sei ihre Haltung den barmherzigen Schwestern gegenüber, die mit Polizeiverschriften und Kontrollmaßregeln schikaniert würden. Auch eine Aenderung bezüglich der Bestimmungen über den katholischen Kirchenfonds sei sehr am Platze. Im Interesse des Staates und des Volkes sollten alle berufenen Faktoren zusammenwirken, um den Zwiespalt zwischen den beiden Konfessionen zu beseitigen und den konfessionellen Frieden wieder herzustellen.
Staatsminister Rothe hält es für seine Pflicht, auf diese Rede sofort zu antworten. Er sei der Meinung, Regierung und Volksvertretung trügen am besten mit zur Erhaltung des konfessionellen Friedens bei, wenn sie sich möglichst wenig über konfessionelle Angelegenheiten unterhielten. Es f'et eine hoch erfreuliche Tatsache, daß in unserem Lande die Bevölkerung der verschiedenen Konfessionen friedlich bei einander lebe und die Großh. Regierung fei aufs ernsteste bemüht, durch strengste Unparteilichkeit beiden Konfessionen gegenüber den Frieden zu erhalten und zu fördern. Sie habe dabei andererseits auch auf die Unterstützung der Bevölkerung zu rechnen, und sie habe auch keine Ursache, über diese Unterstützung zu klagen. Man solle aber auch bei den Angriffen nicht zu empfindlich sein. Einzelne Verstöße gegen den Frieden seien vorgekom- meni; das sei zu bedauern, aber nicht zu ändern. Daß in einer so bewegten Zeit auch einzelne Strömungen ihre Wirkung ausüben und das politische Gebiet beeinflussen, jei nur natürlich. Seine Hoffnung gehe aber dahin, daß sich nach Verlaus der erregten Zeit auch die Angehörigen der beiden Konfessionen wieder einander näl)ern und achten und wertschätzen lernen würden. Unverständlich sei ihm, wie der Vorredner so schwere Anklage gegen die Regierung richten konnte wegen der Ordensschwestern. Die Regierung zolle den barmherzigen Schwestern die größte Hochachtung. Die Kontrolle geschehe nur nach den bestehenden Vorschriften. Abg. Tr. Schmitt Hütte seine Vorwürfe statt an die Presse an die Parteileitungen richten sollen, die dock in erster Linie die Verantwortung trügen. Tie Frage der Kreisblätter werde ja bei anderer Gelegenheit m einem der Ausschüsse mit zur Sprache kommen, man möge das Ergebnis abwarten. Ihre Haltung zu Art. 2 des Jesuitengesetzes habe die Regierung nicht plötzlich angenommen, sondern dieselbe sei lediglich eine Konsequenz ihrer früheren Stellungnahme. Jedenfalls werde die Regierung alles tun, was zur Wahrung und Förderung des religiösen Friedens dienen könne, der in Hessen unter dem Schutze seiner humanen Fürsten gesichert sei. (Lebhafter Beifall.) t m
Abg. Molthan fragt an, wie es mit der Beratung der Wahlrechtsvorlage in der ersten Kammer stehe; es sollte unter allen Umständen dahin gearbeitet werden, daß die Vorlage in diesem Jahre Gesetz werde. Redner schließt si/ch bezüglich der finanzpolitischen Beurteilung dem Abg. Reinhart an und hofft, daß die Steuerreform nicht abermals starke Erhöhungen bringen werde.
Staatsminister Rothe entgegnet kurz und bemerkt, daß der Gesetzgebungsausschuß der ersten Kammer demnächst -ur Beratung der Watzlrechtsvorlage zufammentreten werde.
Da Abg. Ulrich erklärt, längere Ausführungen machen zu müssen, wird die Debatte nach 1 Uhr abgebrochen und au Mittwoch früh 9 Uhr vertagt.
Kessischer Landtag.
R. B. Darmstadt, 7. Febr.
Leute vor mittag 10V3 Uhr hat die zweite Kammer der Landstände ihre Etatsberatungen ausgenommen. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt Präsident Haas, während sich die Mitglieder des Hauses erheben, mit folgender .ÜSKlsprache der
Vermahlung unseres Grotzherzogs:
„Meine Herren, bei unserem ersten Zusammentreten im treuen Jahre nehmen die Mitglieder dieses Hauses gewiß gern 'Anlaß, der Freudeutagc zu gedenken, die in der vergangenen Wocke unserem geliebten Großherzog, dem Großhcrzoglichen Hause und mit ihnen dein ganzen Land zu begehen beschützen waren.
Unter dem Jubel der ganzen Bevölkerung führte Seine Königliche Hoheit seine Hobe Brant, ein Kind unseres Landes, in seine Landeshauptstadt ein; unter der Teilnahme und den Segenswünschen des ganzen Volkes schlossen, die hohen Verlobten den Ehebund für das ganze Leben. Ter Hochzeitstag unseres Groß- Herzogs und seiner Braut war bei den innigen Beziehungen zwischen Fürst und Volk zugleich ein Landesfest und Feiertag, dessen Bedeutung und Weil>e sich kein treuer Hesse entziehen tonnte und wollte. Bon überall her, _ aus Palast, Bürgerhaus und Hütte und weit über die Grenzen Hessens hinaus von außer- Ixxlb wurden die wärmsten Wünsche dem hohen Neuvermählten Paar entacgengebraäst: und so, meine Herren, vereinigen auch wir uns gewiß gern zu dem Ausdruck der herzlichsten Gratulation, die ich bereits Ihren Königlichen Hoheiten darzubringen die Ehre hatte, mti> die ich mit Ihrer Ermächtigung gern demnächst wiederholen werde. Möge nur ungetrübtes Gluck und heiterer Sonnenscl-cin unseren Großherzog und unsere Großherzogin, die wir als unsere Landesfürstin willkommen heißen, aus einem langen Lebensweg begleiten, möge der geschloßene Ehebund dem Herrscherpaar, daS getragen ist von der Liebe, der Treue und der Anhänglichkeit seines Volkes, sowie unserem ganzen Lande zum Glück und zum Segen gereichen. Tas ist gewiß der aufrichtige Wunsch der anwesenden Mitglieder dieses hohen Hauses.
Meine Herren, in Bekräftigung dieses Wunsches vereinigen wir uns zu dem Rufe: Seine Königliche Hoheit der Großhcrzog und Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin leben hoch! Nochmals hoch! Und nochmals hoch!"
Die Kammer beschließt darauf einstimmig — die Sozialdemokraten, auch der Schriftführer, Herr Ulrich, glänzten sämtlich durch ihre Abwesenheit! — dem Großh. Paar eine besondere 'Adresse zu überreichen, deren Wortlaut morgen festgestellt werden soll.
Nach kurzer Pause widmet der Präsident dann dem dahingeschiedenen Mitglied des Hauses, Seb. Weidner einen warmen Nachruf. Mit hohen Geistes gab en ausgestattet, habe derselbe lange Jahre hindurch mit größtem Eifer die Aufgaben seines Amtes ausgeübt und sein An denken werde stets in Ehren gehalten werden. Das Haus hat sich zum ehrenden Gedächtnis des Verstorbenen von den Plätzen erhoben.
Nachdem alsdann die Vereidigung des neu eingetrete- Aen Abgeordneten, Oberförster Dr. Weber- Eonradsdors in der üblichen Weise erfolgt ist, tritt das Haus in die Tagesordnung ein und verweist die zur vorläufigen Beratung gestellten Gegenstände an die zuständigen Aus- ich s^ine Anfrage des Abg. Reh über die Unfallsür- (orge für die Beamtet: beantwortete
Staatsminister Tr. Rothe mit einer ausführlichen Regierungserklärung, in der es heißt, daß bei den jetzt geltenden Grundsätzen den Beamten ein genügender Schutz gewährt werde.
Auf Antrag des Abg. Reh beschließt das Haus, die Antwort drucken zu lassen und dann in eine Besprechung Über die Angelegenheit einzutreten.
Es folgt nun die
Etatsberatung.
In der Generaldebatte uimini zuerst Abg. Reinhart bas Wort. Er weist einleitend auf den günstigen Stand des neuen Etats hin, der wieder eine erhebliche Besserung gegen das Vorjahr bedeute. Zu beklagen sei, daß der Staat früher oft eine falsche Sparsamkeit zur Anwendung gebracht habe bei der Errichtung von staatlichen Gebäuden, die man messt zu klein und ohne Rücksicht auf das schnelle Wachstum der Städte erbaute. Wem: man z. B. seinerzeit für das Amtsgericht in Worms 15 000 Mk. mehr verwendet hatte, so hätte man jetzt eine Ausgabe von 100 000 Mk. ersparen können. Redner bespricht dann den Etatsbericht des Abg. Möllinger näher und bemerkt, seine Freunde seien derselben Ansicht, wie dieser, daß sie einer grundsätzlichen Aenderung unseres Steuerwejens unter keinen Umständen zustimmen würden. Wenn int Lande die Anschauung verdrecket werde, die zwecke Kammer beabsichtige, unter Nahrung sozialdemokratischer Abgeordneter das Stempelsteuergesetz zu beseitigen und dafür eine allgemeine Progress iv- lieuer auf das kapital einzuführen, so sei das eine Unterstellung, die er hier mit aller Entschiedenheit zurückweise. (Zustimmung.) Einer solchen falschen Ausstreuung müsse aufs energischste entgegengetreten werden. Redner bespricht dann, aus der Tribüne schwer vernehmbar, eingehend die allgememe politische Lage. Bezüglich der neuen Handelsverträge meint Redner, dieselben würden der Landwirtschaft den Schutz gewähren, mit dem sie zufrieden sein könne. Im übrigen müsse man dieselben so zu gestatten suchen, daß sie in den nächsten zwölf Jahren der Industrie feinen zu großen Nachteil brächten. (Abg. Ulrich; Hört, hört!) Die größte Vorsicht sei geboten bei der Beratung der Kommunaisteuerreform: es dürfe keinesfalls eine zu große Belastung bei den Gemeindeumlagen eintreten, denn Lad würde die größte Schädigung hervor-
/sstzstz toftet |ie mcl)t, jonöevn um|on|t betommt jeber
riOÜ eine gutgehende Herren- oder Tamen-Rcmon-
___________________ toir-lUjv, welcher 400 Gutscheine von Gioth's gemahlener Kernsene an den Fabrikanten I. Gwth, Hanau, franko emsendet.
Ale Künalvorlage gesichert!
K. Berlin, 7. Februar.
Graf Bülow hat wieder einmal Glück gehabt! Die Kanalvorlage ist „durch", und sogar ohne daß der Ministerpräsident rednerische Bemühungen dafür auszuwenden brauchte. Allerdings steh: noch die dritte Lesung der Vorlage aus. Diese wird indessen an dem Ergebnis nichts mehr ändern, nachdem heute bei der namentlichen Abstimmung über den grundlegenden § 1 (sämtliche 51 an al baut en) die unerwartet große Zahl von 2 5 6 Ja gegen 13 2 91 ein, herausgekommen ist. Der Verlauf der Abstimmung wurde überall mit größter Spannung verfolgt. Jeder einzelne Aufgerufene, ob bekannten oder wenig bekannten Namens, chatte Interesse. Am Regierungstisch notierte Finanzminister Frhr. o. Nhembaben die Ja-Stimmen, auch die Parlamentarier beteiligten sich vielfach an der Vorausberechnung des Resultats. Wachsamen Blickes stand der Agrarierführer Dr. Hahn in den Reihen der Konservativen. Jedes nut Kraft und Entschiedenheit abgegebene Nein eines Konservativen oder Frei- konservativen schien ihn mit hoher Befriedigung zu erfüllen, jedes Ja ihn schmerzlich zu berühren. War aber gar ein bekehrtes Mitglied der Rechten der Zustimmende, dann versendete Dr. Hahns dräuendes Auge Blitze, und seine Miene brückte aus: Den Mann muß ich mir merken. Auf den kann die Landwirtschaft fürder nicht bauen.
Die Verkündung des Abstimmungsergebnisses wurde von der Linken und dem Zentrum mit hallendem Bravo begrüßt,


