Nr. 108 Zweites Blatt.
155. Jahrgang
SrsHevrt kßk- mtt vu-na-m» deS vmmtLg».
Die ^Sietzev« goamenblätter* werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «hrlfilche taibwtrt* erscheint monaUtch einmal.
Giehener Anzeige
Dienstag 9. Mai 1905
viotattonSdrucr unb Verlag der Brüh lisch« UniverfttätSdruckerei. R. Lang«, Gießen.
Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.
Tel, Nr, 6L Telegr»-Adr. s Anzeiger Dteß«.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sieben.
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tpie veutlge Kummer umfaßt 10 Setten.
Wom Antlitz unserer Käufer.
Angeregt durch einen früheren Artikel von un§, geht rmS heute folgende Zuschrift zu:
„In Nr. 98 bringt der „Gieß. Anz." unter der obigen Nederschrift einen recht bemerf£,n§toerten Artikel, der offenbar ein weiteres Interesse verdient. Das Bestreben nach dein ästhetisch Schönen und die Anwendung der Aesthetik in der Baukunst hat leider in den letzten Jahren eine außerordentliche Vernachlässigung seitens unserer Architekten gefunden. Der Reg. Präsident. zu Minden verurteilt die angeklebten Zierate in Zement und Gips, und der Verfasser des Artikels teilt mit dem Reg. Präsidenten die Ansicht, daß unsere Häuser verputzt werden müssen. Dies ist m. E. richtig, wenn der Bau von Anfang an ein Putzbau war. Ein solcher muß erfahrungsgemäß von Zeit zu Zeit immer wieder verputzt werden, sonst macht er bald einen unästhetischen Eindruck und sein Aeußeres beeinflußt dann den Charakter der Bewohner und namentlich der Kinder, wie es der Verfasser in dem nahe gelegenen Heuchelheim empfindet. Dieses Erfordernis, das Haus zu verputzen, das sich nach einer Reihe von Jahren immer wieder einstellt, wenn der Ban einen guten Eindruck machen soll, ist aber kostspielig und unterbleibt bann oft, weil es an dem „Nötigen" mangelt oder wird auf eine spätere Zeit verschoben in der Annahme, daß es aus dem angeführten Grunde für jetzt noch „lange gut" sei. Wenn man dieser Tatsache schon häufig genug in den Städten begegnet, so ist es ja kein Wunder, wenn das Unterlassen des Verputzens des unästhetisch wirkenden Hauses auf dem Lande sich noch weit mehr bemerkbar macht, frrnnat hier stets mehr Mangel an Geld empfunden wird und das ästhetische Gefühl auch nicht so weit ausgeprägt ist, als in der Stadt. Ich bin aber überzeugt, in den meisten Fällen ist es weder auf dem Lande noch in der Stadt der Mangel an ästhetischem Gefühl, sondern der Mangel an dem nötigen Kleingeld, der die Erneuerung des Putzes unterläßt. Daher sollte man bei jeher Absicht, einen Bau auszuführen, den Putzbau ausschließen. Der Putzban war zu der Zeit wohl angebracht, als man nichts Besseres ebenso wohlfeil an feine Stelle setzen konnte. In unserer Zeit, wo man echte Materialien hat, die sich für die Msführnng unserer Bauten nicht erheblich teuerer stellen als der Putzbau, sollte man zu diesen greifen und solche ausschließlich zur Herstellung unserer Wohnungen verwenden. Putz sollte man aber möglichst vermeiden, nicht nur weil er unecht ist und aus diesem Grunde bald schmutzig wird, fonbern auch weil die Sucht nach Putz eine verwerfliche Eigenschaft ist, bte weder dem Menschen noch seinem Wohnhaus zur wahren Zierde gereicht.
Unsere Zeit, die eine hoch entwickelte Industrie der Bau- /offe aller Art aufweist, hat uns einen vorzüglichen Baustoff geschaffen, wie ihn fein Jahrhundert vor uns sah: es ist der deutsche Verblend st ein. Jeder, der unsere Stadt einigermaßen kennt, weiß auch, daß die Herstellung solcher Verblendsteine vor den Toren unserer Stadt in schwunghaftem Maße betrieben wird. Der Verblendstein ist nicht nur ein echter Baustoff, sondern er ist auch von unübertroffener ästhetischer Wirkung. Die Mannigfaltigkeit und Schönheit ferner Farben lassen ihn berufen erscheinen, nicht nur die Herstellung färben» prächtiger Bauten, sondern auch eine reiche Abwechslung in unseren Straßenbildern hervorzurufen, wie es mit keinem anderen Baustoff möglich ist, der uns gegenwärtig zur Verfügung stünde. Daher ist der Verblendstein der berufenste Baustoff unserer Zeit. Dabei ist der Verblender nicht nur unverwüstlich in seiner Masse, sondern auch von unbegrenzter Dauer in seiner Farbe. Wenn auch einmal ein Schmutzfleck sich daran zeigt ober ber Staub seine Spuren auf ihm hinterläßt, so wird er durch den nächsten Regenguß wieder blank gewaschen, als ob er neu wäre. Daher ist der deutsche Verblender ein Baustoff von der denkbar größten ästhetischen Wirkung. Die Verwendung von Verblendsteinen gestattet jedermann die Verwendung von Bäumen, Sträuchern und Hecken zur landschaftlichen Hervorhebung eines Gebäudes ebensogut, wie bei Anwendung eines jeden anderen Baustoffes. Wer aber gern an ein Wasser, Fluß oder Teich, bauen will, der wird nicht gehindert durch die Anwendung von Verblendern sein Haus beim Bauen an den Ufern dieses Wassers landschaftlich zu betonen ober wenn er in der Segle ist, 'in der Nähe eiltet Berges sich anzubauen durch die Anordnung seinem Heim aus Verblendern eine romantische Erscheinung zu geben.
Allerdings stellt sich 'her Verblenderbau in der Anlage etwas teuerer als ein Putzbau, aber diese einmalige Mehrausgabe wird durch die ewigen Ausgaben, die ein Putzbau erfordert, bald ausgewogen. Dabei verlangt der Putzbau immer wieder von neuem Putz. Daher ist es besser, an feiner statt einen echten Ver- blendsteinbau zu errichten; der erfordert in absehbaren. Zeiten keine Reparaturen an seiner Fassade, sondern er zeigt eine unbegrenzte Haltbarkeit. Dann werden aber auch die Klagen des Verfassers des Artikels verstummen, denn er wird in Stadt,und auf dem Lande nur echte Verblenderbauten von unübertroffener ästhetischer Wirkung finden. Dann wird der Verfasser auch feinen Mitmenschen in der Kultur unserer Zeit stehend finden, denn dieser
wohnt nunmehr in einem wohnlichen Heim aus Verblendsteinen errichtet. Dem Architekten i,c aber bei der Verwendung von Verblendern die volle Freiheit in der Wahl des Stiles und in der Ausübung seines Kunstgesühls gewahrt. Darum baue jeder, der in der Sage ist sich ein eigenes Heim zü errichten, mit Verblendern."
Wenn in Vorstehendem dem Verblendstein ein hohes Loblied gesungen wird, so geschieht das u. E. nicht ohne Berechtigung. Für gar so verwerflich freilich wie der Verfasser dieser Zuschrift halten wir den Putz nicht, und da der sich nach dem Eingeständnis des Schreibers dieses Artikels wesentlich billiger stellt als ein Bau mit Verblendsteinen, so wird er gewiß auch nicht so bald ganz aus dem deutschen Häuserbilde verschwinden. Gewiß aber verdient der Verblendstein, nächst allem natürlichem Material, das man zu Quader- und anderen Massivbauten verwendet, vor ihm den Vorzug. Professor Dülfer in München, der hervorragende Theaterarchitekt, hatte übrigens, wie er un§ mitteilte, die Absicht, für den Gießener Theater bau den Verblendstein, der ihm in Maßen von der Gail'schen Fabrik zur Verfügung gestellt werden sollte, sehr wesentlich zu verwenden. Doch hat ihn das Ausschreiben des Wettbewerbes mißgestimmt und er äußerte die. Absicht, sich ganz von der Gießener Theaterbausache zurückzuziehen.
Aer Kaiser in den Aeichslandcn.
Das Kaiserpaar ist am Montag vormittag von Karlsruhe abgereist. Um 10 Uhr 20 Min. erfolgte die Abfahrt der Kaiserin nach Gera und 10 Minuten später fuhr der Kaiser ab. Er traf um 1 Uhr auf dem Bahnhofe St. Pilt ein und fuhr im Automobil durch das reichgeschmückte Städtchen zur Hohkönigsburg. Auf der Burg wurde er von Geheimrat Dieckmann, Forstmeister Gümbel und dem Architekten Bodo Ebhardt empfangen. Sodann wurde ein Nundgang durch die Burg an getreten. Nach einem Imbiß im Schlosse erfolgte um 4 Uhr die Nückfahrt über Thannen- kirchen und Bergheim zum Bahnhofe Nappoltsweiler, von wo die Reise nach Straßburg angetreten wurde. Dort waren am Bahnhofe Staatssekretär v. Köller, der kommandierende General Hentschel von Gilgenheimb, Gouverneur Moßner, Stadtkommandant Pawlowski und Polizeipräsident Dall. Der Kaiser, welcher Generalsuniform trug, bestieg mit dem Fürsten-Statthalter einen Wagen und fuhr zum Kaiserpalast. Am Abend fand beim Kaiser ein Diner statt, wozu der Statthalter, die Generalität, Staatssekretär v. Köller, die Spitzen der Zivil- und kirchlichen Behörden, der Rektor der Universität rc. geladen waren.
Mlilische Tagesschau.
Eine bemerkenswerte Kaiferrede.
Anfang März erfolgte in Gegenwart des Kaisers die Vereidigung der Rekruten in Wilhelmshaven. Dabei hielt der Kaiser eine Ansprache, die jedoch nur in der Form eines sehr beschnittenen Exzerpts in die Oeffontlichkeit gelangte. Jetzt ist die „Evang. Kirch.-Ztg/ in der Sage, näheres aus dem Inhalt der Rede mitzuteilen. In einem Briefe aus Wilhelmshaven, den das Blatt veröffentlicht, heißt es über die Rede:
„Bei ber Rekrutenvereidigung sprach der Kaiser vorzüglich. Er spielte aus die Heldentaten der Japaner an und führte ans, daß sie geboren seien aus der japanischen Vaterlandsliebe und Kindesliebe, die wieder eine herrliche Manneszucht zur Folge hätten in Heer und Marine. Man dürfe aber aus den japanischen Siegen — den Siegen des heidnischen über ein christliches Volk — nicht den Schluß ziehen,, daß Buddha unserem Herrn Christus über sei. Wenn Rußland geschlagen würde, so liege das zum großen Teile seiner Ansicht nach 'daran, daß es mit dem russischen Christen- tum sehr traurig bestellt sein müsse, die Japaner aber viele ch r i st l i ch e n Tugenden aufzuweisen hätten. Ein guter Christ, ein guter Soldat! Aber auch im deutschen V o l k e sei e? schlimm bestellt mit dem Christentn m, und er — der Kaiser — bezweifle, ob wir Deutsche im Falle eines Krieges überhaupt noch das Recht hätten, Gott um den Sieg zu zu bitten, ihm denselben im Gebete abzuringen wie Jakob im Sieg mit dem Engel. Die Japaner wären eine Gottesgeißel wie einst Attila und Napoleon. An uns sei e5, dafür zu sorgen, daß Gott
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uns nicht einmal auch mit einer solchen Geißel züchtigen müsse usw. Der Kaiser sprach sehr ernst uud vor allem sehr eindringlich und einfach, für alle verständlich."
Die Wiedergabe aus dem Inhalt der Rede klingt so' eigentümlich, daß man sich fast versucht glauben könnte, an eine Mystifikation zu denken. Andererseits aber entspricht der Ton dem, den der Kaiser in Reden bei ähnlicher Gelegenheit schon wiederholt angeschlagen hat, wenn auch hier manche Gedanken mit größerer Schärfe durchgeführt sind, als es der Kaiser bisher je getan hat. Jedenfalls ist die Veröffentlichung des Blattes in mancher Beziehung bemerkenswert, und sie dürfte in der nächsten Zeit noch manchen Kommentar in der Presse finden.
* Konsularreform.
R. Berlin, 8. Mai.
Im Auswärtigen Amt ist kürzlich eine statistische Arbeit über das deutsche Konsulatswesen angefertigt worden, die wohl bald zur Veröffentlichung gelangen und die Frage einer Konsularreform der Lösimg näherbringen dürfte. Wie dringend die Handelskreise solche Reform wünschen, das beweist die in einer Versammlung von Interessenten an der Ausfuhr nach Südafrika und Brasilien soeben wieder beschlossenen Eingabe an die Reichsregierung. Das Bestreben, den Konsulaten durch die Zuweisung von Handelssachverständigen einen verläßlichen Beirat in wirtschaftlichen Angelegenheiten an die Seite zu stellen, ist gewiß anerkennenswert, hat aber doch nur die Bedeutuug einer teilweisen organischen Reform. Die qualitative und quantitative Mangelhaftigkeit der gegenwärtigen berufskonsularischen Vertretung wird dadurch nicht beseitigt. Es muß vor allem dafür gesorgt werden, daß der immer mehr anschwellende Strom des wirtschaftlichen Lebens auch durch die Konsulate geht. Erst wenn deren Aufgabe nicht mehr in der Hauptsache juristischer Natur ist, wird der deutsche Außenhandel an ihnen den Rückhalt finden, dessen er bedarf.
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Zur Stellungnahme der deutschen Korps des K. S. C. V. zur Frage ber akademischen Freiheit ttfirti dem „B. T." von korpsstudentischer Seite geschrieben:
Tie beiden im Mittelpunkte der Streitfrage stehenden höheren preußischen Beamten, der Kultusminister Studt und der Ministerialdirektor 'Althosf, sind beide hervorragende Korpsstudenten gewesen. Minister Studt tvac gleichzeitig mit seinem Ressortchef 'Althosf Bonner Scuhfe und ab§' solcher nach Ausweis der Korpslisten zweiter Chargierter, der das Kassenwesen unter sich hat. Studt war jcuvvL Vrcslrrner Preuße. 'Als' Breslauer Preuße hat er die gleiche Charge zweimal bekleidet und war einmal Senior dieses Korps. Althofs war erster Chargierter, das" heißt Senior seines Korps, und ist wegen seiner großen! Verdienste während seiner langen Mivität um das KorM Ehrenmitglied geworden, eine Würde, die so außerordentlich^ selten vorliegen wird, daß selbst Korps, die auf ein bei*: nahe lOOjähriges Bestehen zurückblicken, oft kaum jefrrt Ehrenmitglieder zählen. Bei meinem Korps ist beispielsweise in den letzten 25 Jahren, trotzdem es sich stets einer^ besonderen Frequenz erfreut, kein einziges Ehrenmitglied'' ernannt worden. Da die Aktiven die Zugehörigkeit ber* beiden Herren zum Korps selbstverständlich kennen, so ist es um so erfreulicher, daß sich etwa der vierte Teil des? K. S. C. V. der studentischen Bewegung angeschlossen hat,- und es ist ein sprechendes Zeichen dafür, daß der K. S.' C. V. auf die individuellen Ansichten der einzelnen Korps^ einen Einfluß nicht hat und nicht beanspruchen darf. Da?"' wird hoffentlich auch in Zukunft so bleiben.
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Acritsch-Südwestafrika.
Zur Erkundung des Kaukau-Veldts brach, nach neuester amtlicher Meldung Oberleutnant Gr ä f ß ber 10. Kompagnie mit 30 Mann und sechs Kamelen am' 15. März von Otjituo in Richtung Reiner auf. Wassermangel und dichter Busch zwangen ibn, nicht längs des Apatow sondern über Karakuwisa am Omuranba und Amatako zu marschieren. 'Am 13. April traf er bei Kaurama eine Herero- Werst, stürmte sie nach heftigem Widerstand und erbeutete 90 Stück Großvieh. Vom Gegner fielen siebet
Schiller-Ieiern.
Die gesamte deutsche Presse feiert in schwungvollen Artikeln und Gedichten das Gedächtnis Schillers. Sie bringt vielfach besondere Schiller - Festbeilagen und zahlreiche Berichte über lokale Schillerfeiern und solche 'im In- und Anstande.
In Darmstadt fand, wie unser dortiger Redakteur uns heute schreibt, die eigentliche Hauptfeier des SckMcrjubi'läums am Montag abend in den sämtlichen Räumen des städtischen Saalbaus statt, zu welcher auch II. KK. HH. der Großherzog! und die Großherzogin, Prmz Franz Josef von Battenberg und sämtliche dort weilende Fürstlichkeiten teilnahmen. Dem einleitenden Gesang des von Beethoven komponierten Gellert- schen Gedichts „Die Himmel rühmen usw." folgte ein Prolog des hessischen Dichters Gottfried Schwab, dem Genins gewidmet, imb dann die Festrede des rasch bekannt gewordenen Schiller- biograpben Oberlehrer Carl Berger. Dieser entwarf in leinen markanten Zügen ein Bild des gewaltigen GeisteLfursten nnd seines tiefen Einflusses ans das gesamte dent che Kulturleben und Nationalbewußtsein; der 100 Todestag Schülers sn zugleich auch ein Geburtstag, der uns Schiller und seinen Geist wieder näher führe; seine selbslschöpferische und selbstoeredclnde Micht wirke auch heute noch wie eine Offenbarung auf nnier Volk Dem geistvollen Vortrag schloß sich die Deklamation von Schillers- Glocke mit Goethes Epilog an, von L>oftchausp>e!er L ü h r vollendet vorgetragen und von 11 lebenden Bilderm begleitet. Schillers Gedicht „An die Freude" mit der Musik von Zumsteg schloß hie offizielle Feier, der noch eine animierte geseMge Vereimanng folgte; viele Damen hatten Kostüme aus Schillers Zeit ^üeugt.
In Worms hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, an dem Hause Kämmererstraße 27 eine Swiller - Gebe n k t a f e l anbringen zu lassen. Schiller hat mit ewigen Freunden in diesem Hause einer Theatervorstellung beigewohnt und dort übernachtet, als er in kritischer Lage war und nach bitteren Enttäuschungen in Mannheim am 30. Uoüember, einem kalten Wintertage auf ber Fahrt von Bauerbach in Thüringen nach Worms gekommen war.
Die großen nationalen Festlichkeiten zur Schiller-Feier in ber Schiller-Goethestadt Weimar begannen am Montiag mit den erftcu Huldigungsakten an den Sckillerstätten. Der Fremdenzufluß in Weimar war ein seit Jahrzehiiten nie dagewesener. Die Straßen tragen Festschmuck. Viele hundert Kränze aus allen deutschen Gauen sind angelangt. Ter größte Teil der Bundes- Negierungen, ebenso alle beut scheu und viele ausländischen Hochschulen sind durch Delegierte vertreten. Eine Abordnung von Studenten der Laudesuniversität Gießen war bereits am Sonntag mit der Universitätsstandarte in Weimar eingetroffen. Es find die Herren stud. foreft Nicolaus aus Haufen lFranconia), stud. foreft Feeger (StarkenburgicO uud stud. med. oct. Hohman u (Rhenania >. Die offiziellen Feiern in Weimar beginnen unter Teilnahme aller thüringischen Fürstlichkeiten heute (Dienstags mit dem Huldigungsfestzuge durch die Stadt. Der seit fünf Jahren in ganz Deutschland verbreitete Schillerverband deutscher Frauen hat im Namen seiner 35 Ortsgruppen der weimarischen Schiller st i f t u n q 250 000 M a r k zur Förderung der satzungsmäßi- gcn Zwecke überwiesen, darunter 50 000 Mar? aus Amerika.
Die Schillerfeier in der Geburtsstadt des Dichters, in Mar - b a ch am Neckar, hat bereits ftattgefundeu. Es fand ein Huldigungsakt am Schillerdenkmal statt. Die Festrede hielt Frhr. Alex, v. 'Gleichen-Rußwurm, ein Urenkel des Dichters. Hierauf wurde die im Scbillcrmuseum veranstaltete Ausstellung eröffnet. König Wilhelm von Württemberg wohnte der Feier bei.
In Stuttgart ist dec heutige 9. Mai zum allgemeinen Feiertag erklärt worden. Zum Schillerdenkmal finden Huldigungszüge der Handwerker, Studenten, Arbeiter, Sänger usw. statt. Am Llbend wird ein Festspiel auf dem alten Theaterplatz veranstaltet, daun sollen unter dem Geläute sämtlicher Glocken die Lichter an den Häusern und die Bergfeucr auf- slammcn. Ausschüsse für die Berliner Schillcr -
feier war am Montag abend in der Hochschule für Musik, der Philharmonie, den Koukordiasälen und ber Brauerei Friedrichshain 1 eine Reihe von Festlichkeiten veranstaltet worden. Musikalische
Darbietungen, meist vertonte Schillersche Dichtungen, ausgeführt von den Orchestern und Chören der Kgl. Hochschule und der Philharmonie, der Berliner Liedertafel und des Berliner Lehrec- gesangvereius, Festreden und Deklamationen Schillerscher Gedichte wetteiferten mit einander, Schillers Bedeutung zu würdigen. Besonders geiuuuit seien als Chordirigenten die Professoren Georg Schumann, Felix Schmidt und Max Bruch, als Rezitatoren Oberregisseur Max Grube und Friedrich Holthaus, als Gesangssolistcn Emilie Herzog, Aiiton Siftermans, Ludwig Heh uud Hialmar Arlberg. Die Darbietiingen wurdeu von den? zahlreichen Publikum mit großem Beifall aufgeiiommen.
Schaffhausen, wo die Glocke hängt, von der Schiller das Motiv seines Liedes nahm, feiert den Todestag Schillers durch eine Wiedergabe des „Wilhelm Tell" unter freiem Himmel.i Die große und praktische Freiluftbühne lehnt sich an die FLsen- staubpromenade an, sodaß prächtige alte Bäume den Hintergrund umrahmen.
Die von der Stadt Wien zum Andenken an die 100. Wiederkehr von Schillers Todestag peranstalteten Festlichkeiten nahmenl am Montag mit einer Feier im Rathause ihren Fortgang.! Die Feier, an welcher n. a. Kultusminister Dr. Ritter v. Härtel, Handclsminister Frhr. v. Call, viele Schriftsteller und Künstler! sowie die Spitzen ber Gesellschaft tcilnahmen, wurde vom Wiener! Konzertverein mit dem Vorspiel zu den „Meistersingern" eilige^ leitet, woraus Bürgermeister Dr. Lueger die Begrüßungsansprache! hielt. Nach dem Vortrage des Männerchors „Hoffnung" von! Schubart durch beit Wiener Männergesangverein hielt Prof. Dr.I Frhr. v. Berger die Festrede. Mit einem vom Wiener Männergesangverein und dem Orchester des Sänger- und Konzertvereins' vorgetragenen Männerchor schloß die stimmungsvolle Feier. \
In einer am 8. Mai abgehaltcuen Festsitzung bewilligten die Karlsbader Stadtverordneten 5000 Kronen als Grundkapital für ein Schillerdenkmal. Weitere 5000 Kronen wurden, hierfür vou der karlsbader Sparkasse gestiftet.
G eieh a r b H a u pt m an n hat den ihm zugesprocheucn Teih des Volks-Schi l i er Preises dem Preisfonds wieder Verfügung gestellt.


