Ausgabe 
8.11.1905 Zweites Blatt
 
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eietzen

Ale HMch-n Wahlprogramme.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sehe« Unwersilätsdruckerei. 9L Lange, tiefem.

Redaktion, Expedition u. Druckerei Scdnlstr.L, Lei. 91t. 6L Leiegr.-Adr.: Sln^eig« ließen»

lkUttherul empfiehlt sich: Ünieiligtnu.SlusbeiieüiKi >e m und nutzer dem .

I Näheres Selterswe^. J

sollen Kaffee und Tee meiden. Sie sollen auch nicht reinen Kakao trinken, sondern nur den wirklich nährenden

JPerdyaiamin-üKakao

Büchse 2.50 Mk. in den Apotheken.

e§ 25 Jahre, daß Schuhmachermeister Heinrich Schließer bei Wagnermeister Mählich in der Dammstraße wohnt und daß er sein Geschäft betreibt.

[] Annerod, 7. Nov. Heute wurden hier die silbernen Hochzeiten von den Eheleuten C. Hahn und H. Wißner gefeiert. Von einer Spinnstuben-Gesell- schäft wurden jedem der beiden Ehepaare einige schöne Lieder dargebracht. Nach der Gratulation dieser Gesellschaft war noch ein fröhliches Beisammensein bis in die späte Mittemachtstunde.

p. Dorlar, 8. Nov. An Stelle de8 versetzten Herrn Pfarrers Waldmann wird kommenden Sonntag Hilfsprediger! SohniuS aus Staudernheim hier als Pfarrer ein-! geführt.

= Ulrichstein, 6. Nov. Vorgestern fand Sitzung des Ortsvorstandes unseres Städtchens statt. Als Hauptpunkt der Tagesordnung wurde zu den projektierten Eisen­bahnen im Vogelsberg Stellung genommen; drehen sich doch alle Projekte über den hohen Vogelsberg in erster Linie um den Anschluß deS Städtchen? Ulrichstein. Der ge- ianrte OrtSvorstand verwarf einstimmig das Projekt Alsfeld UlrichsteinSchotten und beschloß, wiederholt Eingaben an. Regierung und Landtag wegen Bau der Linie Mücke U lrich st einRixfeld. Die Gründe zu diesem Beschluß sind so schwerwiegend, daß im Gemeinderat niemals an eine^ Verbindung mit Alsfeld gedacht wird und alles aufgeboten werden soll, solche zu verhindern.

p Edingen (Dill), 6. Nov. Im ©inner Walzwerk wurde dieser Tage ein Arbeiter von einem glühenden Draht derart verletzt, daß der Tod bald eintrat.

p Dill heim, 6. Nov. Diphtherie ist in unserem Orte in geringem Umfange aufgetreten. Todesfälle sind bis jetzt nicht vorgekommen.

ss Marburg, 7. Noo. Heute nachmittag wurde in die Klinik ein Mann eingeliefert, der in Gladen­bach in das Getriebe einer Transmission geraten und entsetzlich zugerichtet worden war.

sd. Frankfurt a. M., 7. Nov. Die völlige Sonntagsruhe, die Magistrat und Stadtverordnete kürzlich' mit einigen Ausnahmen beschlossen haben, ist von der Re- gierung noch nicht genehmigt. Die Handelskammer hat in der Angelegenheit jetzt wieder eine Eingabe an den Regie­rungspräsidenten gerichtet, in der gebeten wird, den Zigarren­geschäften die jetzt freigegebene Verkaufszeit an Sonn- und Feiertagen auch in Zukunft zu belasten. Die Einführung der völligen Sonntagsruhe würde für kleinere Zigarrenhändler sozusagen den Ruin bedeuten. Auch in anderen Staaten, z. B. in England und Amerika, wo völlige Sonntagsruhe eingeführt fei, gestatte man das Offenhalten der Zigarren­läden.

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Kolitische Tagesschau.

Abwehrbewegung in der Tabak-Zudustrie.

Man schreibt uns aus Berlin:

Vier große Berliner Vereine der Tabak-Industrie »oben angesichts der dem Gewerbe durch die Steuerreform Drohenden Gefahr einen Ausschuß eingesetzt, der eingehende Beratungen gepflogen hat. Dabei wurde allgemein bedauert, Laß die Regierung bet der Ausarbeitung des Tabakssteuer- «ntwurfs keinen Vertreter des Detail Handels angehört Lat Nach Ansicht des AuSschusteS hätte gerade der Detail- Handel, in dem zahlreiche Angehörige des Mittelstandes schon Iheute nur unter den schwierigsten Verhaltnisten ihre selbst-

ständige Existenz behaupten können, eine besondere Berück­sichtigung erheischt, da für ihn jede auch noch so geringe Mehrbelastung eine geradezu ruinöse Wirkung vor- auSsehen ließe. Außer den Detailhändlern würden aber auch alle sonstigen in dem Gewerbe Tätigen, Agenten, Angestellte, Arbeiter u. s. w., die Vertreter zahlreicher Nebengewerbe und daS rauchende Publikum, namentlich die minderbemittelten Schichten, von der geplanten Steuer- erhöhunq betroffen. Daher richtet der Ausschuß an die Oeffentlichkeit den Appell, daß jeder in seinem Kreise nach bester Möglichkeit über die drohende Schädigung aufklärend wirken solle, damit nicht haltlose aber gefährliche Schlag-

Zurückhaltender und vorsichtiger kann man sich nicht (TuSbrüdcn, als es hier von Setten des Landcsansschnfses der natiouallibcralen Partei geschieht. Ter nominell auch rationalliberale Frhr. v. Hehl bringt in der ersten Kammer dieselbe 0'.nteiudcstcuerreform zu Fall, welcher die natto- ralliberale Fraktion der zweiten Kammer entmutig zuge- jltimmt hatte. .

Richt minder zurückhaltend ist im n a 11 o n all 11 be * Talen Wahlaufruf der Satz über das andere wichtige Re- fvrmgesetz, die gescheiterte Wahlrech tsvorla ge: ,,Etne hochwichtige Aufgabe bleibt uns nachte vor die Reform unseres Wahlgesetzes im e>inne des direkten Wahlrechts Auch diese Fassung hat offenbar die Billigung von Worms gefunden, und Hehls Moniteur in der konnte seiner besonderen Genugtuung darüber Ausdruck ceben, das von seinen und seines Schutzherrn Machinationen des Landesausschusses Höflichkeit schwelgt. Es handelt sich aber bei uns in Hessen nicht um eme Reform unseres Wahl- gesetzes lediglichim Sinne des direkten Wahlrechts , son dem um die Forderung de^> allgemeinen und glet- dien (direkten) Wahlrechts. Auch der Bauernbund achtet es für unnötig, in dieser hochwichtigen Frage sich kurz auszudrücken. Nur in einem ist er offen, in seiner Feindschaft gegen die Städte, denen er das gleiche Wahlrecht nicht zugestehen will. Nach seinem Wahl- cmfruf sollen nämlich die Abgeordneten dahin Nnrken,daß das Verhältnis der Zahl der Abgeordneten der Städte und des Landes der ländlichen Bevölkerung gegenüber nicht geändert werde^. seicht ben Wahlaufrufen (mit Ms- nabme natürlich des sozialdemokratischen) keine besondere Kampfesstimmuug, wie sich denn auch iw großen und aan-ten die Wahlbewegung trage dahinschleppt Und das W der cwoßen AusgLen, die der nächste Landtag, zu er­füllen hat, trotz der wachsenden Machtgelüste reaktionärer Elemente. _______________ -

- Die Steinkohlenbezugs-Gesellschaft Gießen hatte im Geschäftsjahre 1904/05 817 Mitgleder gegen 774 im Vorjahre auszuweisen. Der Umsatz an Kohlen betrug tm ganzen 60 051.86 Ztr. Tie Verkaufspreise betragen pro Zentner für Nußkohlen Winter 1.14 Mk., Sommer 1.11 Mk., Anthraeitkohlen 1.59 Mk., Briketts 0.71 Mk. und Stückkohlen 1.22 Mk. In den Einzelpreisen der Kohlen sind alle Spesen, als Fuhr-, ^Einbringerlohn, Lyiegegeld, Oktroi rc. enthalten. Die im Laufe des Jahres eingehenden Beiträge der Mit- glieder werden verzinslich angelegt, soweit sie nicht zur als­baldigen Zahlung von Kohlen verwendet werden muffen Am Jahresschluß sind sämtliche Beiträge aufgebraucht, lieber» Zahlungen werden an die einzelnen Mitglieder zurückoergutet.

Die Hauptversammlung des landwirt­schaftlichen Vereins für die Provinz Oberhesten findet Donnerstag, 9. November d. I., nachm. 2 Uhr, tn dem neuen Saalbau in Gießen statt. Eine Ausschußsttzung geht der Hauptversammlung voraus. Diese letztere wird das Jn- tereste der Mitglieder vor allem in Anspruch nehmen. Prof. Hansen-Bonn spricht über die vorteilhafteste Fütter- ung der Milchkühe, Cefonomterat Schade-Altenburg und KreiSveterinärarzt Schmidt- Gießen sprechen über die seit einigen Monaten bestehende Fletschteuerung. Dann folgt die Neuwahl des ersten und zweiten Pra'i- denten Die Tagesordnung wird voraussichtlich eme große Anzahl der Mitglieder herbeiziehen, von denen viele allerdings eine weitere, in vielen Fällen recht umständliche zeitraubende und kostspielige Reise zu machen haben. Als

erteilt lllUerrichi u 's Mathematik j. lioitc ** Umanj-feaiiLUta; iül Meld, mit Hreirau^- 527 an dm Gietz Äuz. u:> itaiMW lathematit imb Physil «> Ltudiereiider nn 7, Stiutir.l hriftliche Anfragen u. OiKtl n Gießener Anzeiger trz Mk Verdient! igen, der emexfc\vcetez lsnuLizvM. i'vZ.. .- i Hetzen 10iad)e ,\tt Zinsen vehchlls--.^ m vterteljährl. - - - ,u. 07602

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worte, wie:Der Tabak kann bluten* verwirrenden Einfluß gewinnen. Die Veröffentlichung einer umfangreichen, die Verhältnisse des Tabakgewerbes sachlich beleuchtenden Denk- schrift sollen, sobald die Einzelheiten der Tabaksteuervorlage bekannt sind, erfolgen.

Gegen die geplante Tabaksteuer haben auch die sozialdem. Berliner Tabakarbeiter in einer außerordentlich zahl- reich besuchten Versammlung Stellung genommen. Der Refe­rent Schmidt bezeichnete al8 notwendige Folge der Mehr­belastung" des Tabaks eine enorme Schädigung der Tabakindustrie, woraus sich wiederum die Brotlos- machung von zehrstausenden unter den ca. 200 000 Tabakarbeitern und -Arbeiterinnen Deutschlands ergeben müsse. Es gelangte folgende Resolution zur einstimmigen Annahme:

Die Versammlung erklärt fich mit den Ausführungen des Referenten vollinhaltlich einoerftantTen. Angesichts der Notlage der gesamten Tabakarbeiter und angesichts der enormen Verteuerung der Fleilchnahrting, sowie im Hinblick auf die im nächsten Jahre beim Jnkrasttreten des neuen Zolltarifs zu erwartende weitere Ver­teuerung der notwendigsten Lebensmittel protestiert die Versamm­lung aus das entschiedenste gegen jede Mehrbesleuernng des Tabaks, gleichviel, in welcher Form unb aus welche Sorten sie auch geplant sein ^9*-^ Station Qegnt die Tabaksteuer möglichst in­tensiv zu gestalten, wurde ferner folgender Beschluß gefaßt:

»Die Versammlung beauftragt die Zentralkommission der Tabak- arbeiter Deutschlands, auch für Berlin mit der Agitation so ein­zusetzen, wie sie es für nötig hält, um in jeder Weise gegen die geplante Tabaksteuer Protest zu erheben. Die Kommission hat das Recht der Kooptation.*

Nachberühmten" Mustern.

Berliner Blätter melden au5 BreSlau:

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Kandel und Verkehr. U-kswirtschast.

Albany, 6. Nov. Das Versicherungsdepartement des Staa­tes Newyork hat heute seinen Schlußbericht in der Angelegen­heit der Equitable Lebensversicherungs-Gesell­schaft hervusgegeben. Der Bericht geht von der Lage der Ge­sellschaft am 30. Juni aus und schätzt die Aktiva auf 406 073 000 Dollars, denen Verbindlichkeiten in Höhe von 344 064 000 Doll, gegenüberstehen. Tie Reserve betragt 62 009 000 Dollars. Letztere Summe zeigt eine Verminderung um 18 786 000 Toll, im Ver­gleich mit dem von der Gesellschaft selbst der 31. Dezember 1904 aufgestellten Berichte. Der Bericht, setzt die als Eigentum der Gesellsc^ist ausgeführten Grundbesitzwerte 5 000 000 Dollars niedriger ein und rechnet ferner die an Agenten gezahlten zBoi> schi'nic- von 5 81.3 000 Toll ri*t Aktiven.

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Kandidaten für die Vizepräsidcntenwahl werden Oekonomierat Hoffmann-Hof-Güll, Oekonomierat Schade-Altenburg und Landtagsabgeordneter Korell-Leusel genannt. Es wäre erwünscht, wenn sich eine größero Anzahl auch von Nicht­mitgliedern einfände, um eine gründliche Aussprache über die Fleischteuerungsfrage zu ermöglichen.

**DerZirkusOttoMark begann gestern auf Oswalds Garten seine hiesigen Vorstellungen vor einem zahlreichen Publikum, das für die gebotenen Künste sich recht dankbar erwies/ Dos Programm ist recht abwechslungsreich, wenn auch Reitkunst und Pferdedressur entschieden überwiegen. Dor allem ist hier Herr Stallmeister Kaiser zu nennen, der verschiedene FreiheitK- dressuren vorführte und mit den Resultaten seiner Mühe vollauf zufrieden sein kann. Aucheinen afrikanischen Möhn en büffel führte er in Freiheit vor und das gelehrige Tier erregte mit seinen Künsten lebhafte Bewunderung. Sehr nett waren die von tVräulein Siegfr i ed vorgeführten Hunde, die mit Erfolg sich bemühten, es den dressierten Pferden gleich zu tun. Eine fesche Schulreiterin ist Frl. Anetta Blume und auch die Gesck»vister R v v a l, Frl. Mark und Frl. Kaiser erwiesen sich als tüchtige und gewandte Reitllinstleriunen. Als Jockeyreiter zeigte Herr S t r a k e y zwar nichts neues, aber das alte gut. Ganz hervorragend waren die Handslandkünste des Hm. Julius Fürst, die vielleicht das Beste sind, was der Zirkus bietet. Weitere hübsche Abwechslung bot ein von acht Damen getanzter nea- plo 1 i t a n i s ch e r Tanz, Herr Barinino erwies sich als ein geschickter Musikumorist und als Drahtseilkünstlerin produ­zierte sich Frl. Rögal mit Erfolg. Zwischendurch erregten die allbekannten Zirkussvaste des dummen August, des Clown Pau- lini usw. immer wieder die Heiterkeit der Zuschauer. Eine Vor­führung lebender Photographien bildete den Schluß der Vov-

Ein Doppel-Jubiläum. Am 9. November sind

reisverein Giessen verband deutscher van« gehülien Leipzig.

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Die Wahlprogramme jollten eigentlich der große Spiegel fein, in welchem die verschiedenen politischen und sozialen Strömungen eines Landes lvahrheits- und naturgetreu in ihren periodischen Phasen erscheinen. Das trifft aber schon langst nicht mehr zu. Die Wahlaufrufe der Parteien entsprin­gen nur mehr noch oder fast ganz einer Erwägung der Zweck­mäßigkeit. Sie sind das Übliche Zubehör zur Eröffnung des Wahlkampfes geworden. Während sie früher das Strch- losungswort, gleichsam das Feldgeschrei für die politischen Streiter enthielt, muß der objektive Beurteiler heute gerade das betonen, tvas diese Auffuse nicht enthalten, um seinen Widersacher treffen zu können. Wenn mau die jetzt vollzählig erschienenen Wahlaufrufe zu den bevorstehenden hessischen Landtagswahlen betrachtet, so könnte man saft den Bis- marckschcn Satz bestätigt finden:Die Parteien scheiden sich lücmiger durch Programme und Prinzipien als durch die Personen." Es mag ja sein, daß die derzeitige politisch Situation in Hessen eine gewisse Einförmigkeit und wenn man will auch Uebereinftimmun g der Wahlaufrufe in den aftuenften Fragen mit sich bringen mußte. Waren doch sämtlich Parteien der zweiten Kammer einig in den großen J Reform gesehen über das Wahlrecht und die G e m e i n d e- .mrypmni r. steuern. Wer gerade in L n Auslassungen der LSahlanf-

ml SSÄld^l 5u diesen beiden Fragen zeigt sich nicht nur mehr oder --tvcniflcr feste Programmlosigleit, sondern man muß hier, SCk^rhtiili um die wahren Ziele erkennen zu können, das ausschlaa- VIDI 11( otbenb sein lassen, was in den Aufrufen nicht gesagt wird.

"ch erlernt. Kursus 5 , , Reuen Baue 2. > mittagso.r/,-2*/^ : I abends

Der dortige sozialdenr akratische Verein beschloß, die Parteileitung aufuiforbem, unverzüglich zu erwägen, ob nicht am Tage nach dem Wiederzusammentritt des preußischen Land­tages, dem B u ß - u n d -B e 11 a g e, in der ganzen Monarchie, hysouders aber in den Industriezentren, Straße ndemon- strationen zur Beseitigung des schlechten Land­tagswahlrechts zu veranstalten seren.

Die Breslauer Sozialdemokraten machen sich mit ihrem Vorschlag um den Parteivorstand verdient. DaS ist doch noch eine Anregung, die ebenso aktuell ist wie geeignet, die Aufmerksamkeit der Genoffen von dem für den Vorstand sehr unerquicklich werdenden Streit mit den »edlen Sechs* der früherenVorwärtS*-Redaktion abzulenken. Die »National­zeitung* ist gewiß im Recht, wenn sie meint, eS handle sich bei dem Vorschlag der Breslauer um mehr als die Er­zwingung einer Äenderung des preußischen Wahlsystems. Die »Magdeb. Volksst.* spricht ganz offen von den »revolutionären Notwendigkeiten des Zeitalters*, deren sich die bestorganisierte Arbeiterklasse, die deutsche, am klarsten bewußt sei. Es liegt aber wohl kein Anlaß vor, auf die »sich zum Ende neigende Geduld deS deutschen Bürgertums* hinzuweisen, wie eS die »Nationalztg.* tut. Wir leben weder in Rußland noch in Oesterreich, und selbst wenn Bebel solche Wahlrechtskundgebung für Preußen »ver­fügt*, so würde deren praktischer Wert gleich Null sein, ja sie würde eher das Gegenteil des Gewollten zur Folge haben, eine bedauerliche Stärkung der Stellung der preußischen Reaktionäre. Von unseren hessischen Arbeitern haben wir erfreulicherweise derartige Obstruktionsideen nicht zu be- rürebten.

Aus SIM und La»d.

Gießen, 8. November 1905.

So' enthält das Landtagswublprogramrn des Bundes der Landwirte (das nebenbei bemerkt als erstes erschien, weshalb es hier auch den Vortritt verdient) zum Steuer­wesen lediglich die Forderung nach Einfübrung einer Um- sa tzsteuer der Warenhäuser ullv. Im Wahlaufruf der So­zialdemokratie finden wir zu dieser Frage nur den Catz:Auch dieses (nämlich da Gemeindesteuergesetz), trotz mancher Mängel im einzelnen, doch im großen ganzen fort» chrittliche Gesetz ist durch den Widerstand der Privilegierten vereitelt worden." Der Wahlaufruf der tzentrums- pcirtei schweigt sich vollständig auS in diesem Punkte, obwohl gerabc der Zentrumsaufruf an Umfang dem aller anderen Wahlaufrufe zusammengenommen gteichkommen dürfte und beispielsweise so ins Einzelne geht, u. a. em Schutzgesetz gegen den Automobilunfug zu fordern. Der LLahIausruf der fr eis. Partei sagt:

Neben dem Wahlgesetz wird ernste Arbeit erfmtxem die Gesetzgebung über die Gemeindesteuern. Bessere Regelung der lweisumlagen, gerechte Verteilung der Gememdeabgaben nach b>r Steuerkraft, nach Einkommen und Vermögen, nut Beachtung b?r besonderen Vorteile, die der Steuerpstichllgevon bet GUt* tridlung der Gemeinde hat, sollen nach Mogllchkeit die ^pvachcn entlasten und dan durch das unaufhaltsame Anwachsen der ; Cv mcinbeaufgaben immer schwerer werdenden kommunalen «aeuer- diuck erträglicher gestalten." ~ . ... . iiti

Während hier also die prinzipielle Ueberemfnmmimg mit den Grun.dsätzen der gescheiterten Gemeindesteuerreform

1 zum Ausdruck kommt, behandelt dagegen der Wahlaufruf der Nationalliberalen de Frage mit aNgememen Rede- vrendungen. Der Aufruf der nationalliberalen Partei sagt:

Die Revision der Gemeindesteuergesetzgebung bleibt nach wre r,nt 'eine dringende Notwendigkeit. Wir werden daher rm Sinne einer gerechteren Verteilung der Steuerlast mnerhalb der Ge­meinden, einer angemessenen Heranziehung der lefftungchahrgeren . Steuerzahler und Entlastung der wirtschaftllch schwachen mit»

263 Zweites Blatt. 155. Jahrgang Mittwoch 8. November 1905

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^Anzeiger viermal wöchenllich beigelegt. Der S Q CI MX 4ar & V w 'ö''

Ehejoche Laadwttt" «scheint monatlich einmal. V V