Ausgabe 
9.10.1905 Erstes Blatt
 
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Fränkel, arzt Dr. erfreuten wesenden aus und Nationen

von Behring, v. Leube, Professor Pannwitz, Obcrstabs- Niedner und Kommerzienrat Ravens. Die Deutschen sich befonberet Aufmerksamkeit. Loubet sprach den An­seine Glückwünsche zu der von ihnen geleisteten Arbeit trank auf das Wohl der auf dem Kongreß vertretenen

Der Kvngreß stimmte einer Reihe von Forderungen zu, die in den Sektionen aufaestellt wurden. U. a. wird geordert, daß Kuhställe «behördlich inspiziert und in öffent­lichen Anstalten nur solche pasteurisierte oder rohe Milch verwendet werden, die von immunen Kühen stammt. Kinder sollen aus Haushalten, wo Tuber­kulose herrscht, entfernt werden, und zwar sollen Kin­der armer Leute in besonderen Anstalten untergebracht werden. Weitere Forderungen betrafen die Schulhvgiene und Höhen- kuren oderSeekuren für kranke Kinder. Im Namen der Tuberkuloseforscher der Unionstaaten lud Flieger ein, den nächsten Kongreß 1908 in den Union ft aalen abzuhalten. 6ererb schloß den Kongreß.

Beim Präsidenten Loubet fand heute großer Empfang der Mitglieder des Kongresses statt, dem ein Diner für die her­vorragenden Teilnehmer voraufging. Deutscherseits waren zum Diner geladen Generalarzt Schserning, die Geheimräte v. Lethen,

Der Verein für Frauenstimmrecht hielt dieser Tage in Berlin eine öffentliche Versammlung ab, in dec das Thema: ^Männerpolitik und Frauen- <r itiP behandelt wurde.

Die erste Referentin, F r l. D r. S ch i r m a ch e r, sprach über unsere O st m a r k e n - P o l i t i k, die man in jeder Weise fördern und schützen müsse. Das sei für Deutschland eine Existenzfrage. Man solle die Polen in ihrem Glauben und in ihrer Nationalität schützen, dasür aber unweigerlich verlangen, daß sie sich als deutsche Bürger betrachten. Jetzt, da die Polen durch deutsche Kultur aus ihrer Rückständigkeit aus allen Gebieten befreit und zu einer immer wachsenden Bildung und Wohlhabenheit gelangt sind, haben die Geistlichen sie zum Kampfe gegen Preußen bestärkt, und so ist der reiche, gebildete Mittelstand der Träger de§ polnischen Einheils­und Reichsgedankens geworden. Ebenso wie die Tschechen sichern sich die Polen die Mitarbeit der Frau, und sie haben damit glänzende Resultate erzielt, während der 1894 gegründete Ostmarken­verein des Vereinsgesetzes wegen keine Frauen ausuehmeu darf.

Frl. Dr. AugSpurg beklagte die Mängel der Schule, unb daß die Frau, die berufenste Erzieherin der Kinder, bei Einrichtung und Verwaltung derselben nicht mitzureden habe. Dann sprach sie über die späte Familiengründunq in unserem Volke. Erst nach langer Berufsbildung, wenn die Jugend vorbei unb der Mann müde vom Leben imb von der Liebe ist, schließt er eine Ehe. Unb die Produkte solcher Ehe sind schwache, zarte, wenn nicht kränkliche Geschöpfe, die schon in frühester Jugend mit der furcht­baren Errungenschaft der Neuzeit, der Nervosität, behaftet sind. 3?ie einzige Abhilfe dagegen sieht die Rednerin in der u 11 e r - f d) af t5 ren tc. lieber die Verwirklichung dieser Idee aber ging sie ziemlich leicht hinweg. Die Rednerin besprach dann die Politik der einzelnen Patteien in Deutschland und meinte u. a., daß die prctucn der Sozialdemokratie vieles zil bnnfen haben; aber auch sie leistete jüngst bem Zentrum in Bayern unschätzbare Dienste. Der Liberalismus, wie er heute ist, scheine ihr daS kleinste von allen liebeln, deshalb ist c5 für die Frauen geboten, sich ihni

Volilische Tagesschau.

Ein Interwiew zur Tabaksteuerfrage beim Staatssekretär v. Stengel.

Der Herausgeber der ,Vereinigten Tabakzeitungen", Julius Salomon, hat bei dem Rerchsfchatzsekrctär Freih. von Stengel eine Audienz gehabt, um aus dem Munde de§ ,Ministers neuer Steuern" zu vernehmen, was an den im Umlauf befindlichen Gerüchten über Tabakfabrikatsteuer- und Zigarettenzollplänen usw. Wahres ist.

Auf SalomonS Frage, ob beabsichtigt werde, aus dem Tabak eine höhere Einnahme zu erzielen und welcher Art die Vorlage sein würde, antwortete der Minister aus­weichend; eS beständen mancherlei Steuerpläne, indeß ver­biete ihm das Amtsgeheimnis, sich über den einen oder anderen Plan ausführlicher zu äußern. S. fuhr fort in dem Sinne, daß das deutsche Tabakgewerbe nicht auf Rosen gebettet sei; die Zigarren- und Tabakfabriken seien zwar be­schäftigt, allein eS werde doch allgemein über schlechte Geschäfte geklagt. Selbst bei umsichtigster Geschäfts­führung feien große Verluste unvermeidlich. All­gemein übliches langes Zahlungsziel im Verein mit der im Zigarrendetaillistenstand vielfach herrschenden Unsicherheit feiert die Ursachen, die wiederum ihren Grund hatten in der er­schreckend großen Konkurrenz von feiten der Gastwirte usw. Salomons Frage, ob cs auf Wahrheit beruhe, daß der Minister mit drei Zigarren- und einem Zigarrettenfabrikanten eine Unterredung gehabt habe, beantwortete der Minister der­art, daß das Reichsschatzamt allerdings vor einiger Zeit mit den Inhabern erster Firmen in der Tabakbranche in Ver­bindung getreten sei.

Salomon kam nun auf dieLuxu § fa b ri kat steu e r" und die Zollerhöhung für ausländische Zigaretten zu sprechen. Auch in diesem Punkte zeigte eS sich, daß der Reichsschatz­sekretär über die momentanen Verhältnisse gut unterrichtet ist. ES fei nicht zu verkennen, daß die deutsche Zigarettenindustrie in ihrer Entwicklung große Schritte vorwärts getan habe, wenn auch der Import auswärtiger Fabrikate beachtenswert gestiegen sei. Die Steigerung der Einfuhr der letzteren sei also jedenfalls nicht in dem Maße vor sich gegangen, daß die deutsche Zigarettenindustrie dadurch empfindlich benach­teiligt sei. Dies sei seine ganz private Meinung. Es würden übrigens im Reichsschatzamt neuerdings Erhebungen über ben Umfang der Zigarettenindustrie angestellt. Auf die Zwischen- ftage, ob wohl auf eine Vorlage betreffs der Zigaretten­fabrikatsteuer zu rechnen sei, antwortete der Minister nur, daS Amtsgeheimnis verbiete ihm, sich darüber zu äußern.

Salomon schließt seine Mitteilungen über das Interwiew: "Ich hatte am Schluffe der Unterrebung den Eindruck, daß eine Tabaksteuervorlage sicher eingebracht werben wirb unb baß die Regierung, roenn sie nicht auf bie eine ober andere Weife zum Ziel gelangt, minbcftcnS bie deutsche Zigaretten- inbuftric wird daran glauben muffen. Dahingegen habe ich das Gefühl, daß der oon Dresdener Zigarett c n fabrifantcu ausgesprochene Wunsch aus Zollerhöhung für aus­wärtige Fabrikate in der von ihnen angestrebten Weise unberücksichtigt bleibt. Dem ReichSschatzsekretär schienen übrigens meine Ausführungen betreffs einer solchen Zollerhöhung sehr einleuchtend, von der ich behauptete, baß sie eventtiell nur bazü angetan sein würbe, ber deutschen Zigaretteninbustrie eine ernpfinb- liche Konkurrenz zu bereiten. Infolge der in der Presse besprochenen Zollerhöhung tragen sich bereits mehrere auswärtige Fabrikamen mit dem Gedanken, für den Fall eines höheren Zolles in Deutsch­land Filialsavriken zu eröffnen. Dem Beispiel einiger weniger Fabrikanten würben bann andere schnell folgen. Durch solche Maß­nahmen aber würde nicht nur ber beul sch en Zigarettenindustrie eine gefährliche Konkurrenz, sondern auch dem Reich eine Minder­einnahme aus dem Eingangszoll erwachsen.

. . samt ihren Souveränen. Der Präsident schloß mit dem Ausdruck ber Hoffnung, daß der nächste Kongreß in den Vereinigten Staaten einen neuen Beitrag zum Wohle der Mensch-j heit liefern werde.

fähiges Agens ist, die Fähigkeit zur Erzeugung von Tuberkel« besii-.t. DieT. E."°Tuberkeln verkäsen und erweichen aber niemals, sie sind selbst heilbar, und sie heilen in der Weist aus, daß ihr Gowcde in eben demselben Gewebe ohne Rest aufgeht, aus welchem sie hervorgegangen sind.

Wie lange Zeit noch vergehen wird, ehe mein Tuberkulose- mittel zur wirksamen Waffe im Kampfe gegen die menschliche Tuberkulose geworden sein wird? Ich weiß eS nicht. Tas hängt von vielen Umständen ab.

Man kann die im Vergleiche zur Verarbeitung der Tuber- kelbazillen meines Bovovaeein zumT. £>-" im Rinder körper schon viel weniger langwierige und anstrengende Umarbeitung desT. E." inT. ö." für die animalischen Körperzellen durch gewisse Präparataionen in Vitro noch 'sehr vermindern, so daß schließlich ähnliche Unterschiede in ber Schnelligkeit und in der Unschädlichkeit der Tuberkulose-Immunisierung sich demon­strieren lassen, wie sie durch die Ehrlich'schen Ausdrückeak­tive" undpassive" Immunisierung gekennzeichnet werden.

Ter therapeutische Teil meines Buckes soll nicht früher publi­ziert werden, als bis über die Unschädlichkeit und Nützlichkeit meines Tuberkulosemittels für die Menschen bestätigende Mit­teilungen solcher Praktiker vorliegen, die mehr Erfahrungen be­sitzen wie ich in bezug auf den Verlauf und die Prognose von einzelnen Tuberkulosefällen. Anb'wer^its erscheint es mir zweck­mäßig und notwendig, daß inzwischen auch durch erperimen- tell arbeitende Tuberkulosesorscher die Richtigkeit und die sichere. Wiederkehr meiner eigenen Heilresultate an Tieren außerhalb meines eigenen Laboratoriums kontrolliert werden.

Ich hoffe, daß diejenigen Experimentatoren, welchen ,ich nach meiner Rückkehr zur Arbeit in Marburg mein Mittel an­vertrauen werde, nicht bloß ebenso gute, sondern noch bessere therapeutische Resultate bekommen werden als ich denn i ch halte mein Mittel noch für vervollkommnungs­fähig. Auch die 91rf und Weise seiner 9lnwendung kann viel­leicht noch mit Vorteil modifiziert werden. Tie gegenwärtige Situation hat, wie ich betonen möchte, große Aehnlichkeit mit derjenigen, in welcher ich mich vor 15 Jahren befand, als ich das neue Tiphtheriemittel entdeckt hatte. Gleich im Beginn der Entdeckung im Jahre 1889 war ick über . ihre praktische Wichtigkeit nicht im geringsten im Zweifel. Vier Jahre aber mußten noch nach meiner Mitteilung vergehen, ehe meine wissen­schaftlichen Forschungsergebnisse allgemeinere Anerkennung fanden."

Tie Versattrmlung spendet lebhaften Beifall, welcher sich besonders nach der Verlesung der französischen Heber* setzung wiederholte.

Der Kongreß erkannte in seiner Schlußsitzung die neu­gestiftete Tuberkulose-Medaille bert Prostssoreir Robert Koch und Paul Bronardel ht Gold, sowie Banz-Kopen­hagen, B i g a s - Newhork, Broadbent-London unb Schro et ter-Wien in Silber zu. I

Ans Stadl und Land.

Gießen, 9. Oktober 1905.

** Personalien. Sc. Kgl. Hol), der Groß Herzog haben den Stationsvorsteher 2. Klaffe in der Heff.-Preuß. Eiscnbahngcmeinschaft Konrad Wilhelm Hammel zu Grün­berg, auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1. Oktober, in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß das Sil­berne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Am 21. Juli wurde der Bahnwärter in der Heff.- Preuß. Eisenbahngcmeinschaft Georg Ludwig Schönberger zu Heppenheim auf fein Rachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste, mit Wirkung vom 1. Oktober in den Ruhestand versetzt. Am 29. September wurde der Militaranwärter Heinrich Langsdorf auS Pohl- Göns mit Wirkung vom 1. Oktober zum HauptsteueramtS- diener bei dem Hauptsteueramt WormS ernannt.

* Perfonalnachrichten von der Ober-Post« direktion Darmstadt. Verliehen ist von S. K. H. dem Großherzog dem Postsekretär Hölzel in Hungen bei seinem Scheiden auS dem Dienst das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps deS Großmutigen. Versetzt sind: Postsekretär Petri von Friedberg nach Frankfurt (Main), Postvcrwalter Molt er von Lollar nach Griesheim, die Ober- Postassistcntcn Appel von Gießen nach Lollar, Schäfer von Bensheim nach Hungen, unter Ernennung zu Postver­waltern ; Postverwalter Da hmer von Griesheim nach Gießen, unter Ernennung zum Ober-Postafsistenten; die Postassistenten Lippmann von Leipzig nach Friedberg, Emil Zimmer- mann von Friedberg nach Köln; Telegraphengehilfin KauS von Gießen nach Darmstadt. Bestanden haben die Post­assistentenprüfung die Postgehilfen La wall und Wunsch in Gießen, Lehr in Friedberg. Angenommen sind als Postgehilfe Realschüler Greb in Großfelda, als Telegraphen- gehilfin Elise Dominick in Gießen.

Von der Volkszählung. Um die am 1. Dezbr. b. I. stattfindcnde Volkszählung vorzuberciten, übersenden soeben die Großh. Kreisämter gedruckteBestimmungen" der Regierung an die einzelnen Bürgermeistereien. Danach ge­schieht bie Zählung wie früher unter Leitung unb Verant- roonltdjfed der Bürgermeistereien unter Verwenbung von oohiern. Das gute Gelingen der Zählung hängt haupt- 'n7/f?non,Q^ bclß tüchtige Zähler, bie ihr Amt moglichit freiwillig verrichten sollen, gewonnen werben, ^enn diese haben nicht bloß bie Zählkarten auSzuteilen und wieder emzusammeln, sie sollen sie vielmehr auch prüfen bezw. berichtigen und ihre Ergebnisic in einfachen Zusammenstcll« ungSformularen verewigen. Es wird in den kleineren Ge­meinden insbesondere auf die Mitwirkung der Lehrer qercchnet, denen es gestaltet ist, für di- nötige Zeit in ihre» schicken den Unterricht auSzusetzen.

tn Windhuk Anschläge gegen Die deutsche Herrschaft geplant unb büß mein Schwiegersohn An bries Dewet daran beteiligt sein soll. Dewet ist aber von Anfang Mai bis Ende August nicht in Windhuk gewesen. Daß irgend ein Anschlag gegen bie deutsche Herrschaft in Deutsch-Düb- westaftika geplant ist, ist unbenkbar. Jedenfalls ist Anbries Dewet nicht bar an beteiligt, er würbe solche Umtriebe, aber auch minber gcfähruche Ungehörigkeiten in seinem Hause nicht gebulbct haben. Er ist auf meinen Wunsch, aber auch aus Ucberzeugung, beutscher Untertan geworben. Am 30. September telegraphierte Dewet auf eine Anfrage, daß alles in Winbhuk zur Auf­nahme von Frau unb Srinb in Orbnung sei. Das würbe er nicht telegraphiert haben, wenn er Schwierigkeiten mit ber Regierung hätte."

Zu enter zweiten Haager Konferenz hat Rußlanb Einlabungen ergehen lassen. Bor 1907 wirb sic inbes wohl nicht zusammentretcn. Im norwegischen Storthing schlug Pastor (!) Eriksen, ein Sozialist (!), vor, bie Frage der Berechtigung ber schwcbischcn Bedingungen ber Haager Friebenskonferenz vorzulegen. Der Mmister des Aenßern, Loevlanb, sprach sich gegen btesen Vorschlag aus Ein Beschluß ist noch nickt gefaßt worden.

anzufchließen. Tie Frauen müssen, ohne die realen Fragen je an? dem Auge zu verlieren, die Fahne des Idealismus Hochhalten, denn der Sieg des Gedankens wird die Welt erobern.

Herr v. Gerlack: Wenn Irl. Dr. Schirnwcher verlangt, wir sollen die Ostmarken-Politik unterstützen, so muß ich oem widersprechen. Unter Caprivi waren die Polen ruhige duldsame Staatsbürger, erst die Ausnahmegesetze macken sie zu landlosen Proletariern. Ist es da zu verwundern, daß sie die Hand, die sie züchtigt, hassen? Was die Frauen empfinden inbezug aus Gleich­berechtigung, das empfindet ein solcher Proletarier, deshalb sollte die Politik der Frau Gleichberechtigung für alle fein, -oon einer Beteiligung der Frau an der Politik verspreche ich mir einen g (eich der Interessen. Sie müssen als ihre Devise aufstellen: Mit der Linken gegen die Rechte.

Frau Dr. Wegfcheider-Zieglcr sprach gegen die Ausführungen von Fräulein Tr. Augcpurg. Sie verlangte, daß die Frauen neue Wege beschreiten und nichts sagen, ivas die Manner schon vorher erörtert hoben. Auch sollten sie nicht vorweg feftlegen, welcher Partei sich die Frau ansckließen solle. Wenn wir erst das Wahlrecht errungen hoben, muß es sich zeigen, in welcher Portei die Fronen dos Tüchtigste leisten. Die Frau nu'iffc in der Politik mehr wie bisher dos persönliche Moment hineintrogen und mit ihrer Person unbedingt für dosselbe einstehen. Eie müßten vor allen Dingen demokratische Volkspolitik treiben.

Die Stndentenbewegung in Moskau.

Von welch revolutionärem Geist die in der kürzlich ge­schloffenen Universität Moskau jüngst abgehaltenen Studenten- ocrsammlungen getragen waren, zeigt die Hauptrcsolution, die das einleitende Meeting gefaßt hat. Die Resolution, die natürlich sofort in Rußland unterdrückt worden i|t und nur im Geheimen zirkuliert, lautet:

In 9lnbetracht dessen: 1. daß die zarifcke Alleinherrschaft in Rußland die feste Entschlossenheit zeigt, ihre Macht um jeden Preis zu wahren; 2. daß die zarifche Alleinherrschaft zur Erreichung dieses Zieles u. a. eine Reihe von Massa er es von Juden, 9lrmenicm, Intellektuellen organisiert, den verstärkten Schutz weiter ausgedehnt, den Kriegszustand eingeführt, eine Menge von heldenhaften Kämpfern für die,Volksfreiheit (i i n g e r t d) t e t hat und fortgesetzt jedes offene Verlangen nach Freiheit mit militärisch polizeilicher Gewalt zu unterdrücken strebt; 3. daß alle versammelten Regierungskommissionen nur Versuche der Regierung sind, das Wachsttim der Befreiungsbewegung aus- zuhalten; 4. daß die Einführung der R e i ch s d u m a und die Fest­setzung von zeitweiligen Regeln für die Universitäten einerseits eine freche Verhöhnung Rußlands und speziell der proletarischen Schickten bilden und anderseits nur einen Schritt der zarischen Politik des divide et impera einer in das russische Leben tiefe Demoralisation Hineintrogende Politik be­deuten; 5. daß das Land durch die Alleinherrsd)aft des Zaren und durch die Bureaukratie in einen Zustand völliger wirt­schaftlicher E r s ck) ö p f u n g und geistigen Still st ands gebracht worden ist; 6. daß nur die Einrid;tung einer demokratischen Republik das Land vom politisckien, roirt- schastlichen und nationalen Dnick zu befreien und auf die Bahn freier Entwicklung seiner produktiven Kräfte zu leiten vermag; 7. daß die Einführung einer demokratisd;en Republik möglich sei nur durck) Einführung einer konstituierenden Versamm­lung auf Grund des allgemeinen und gleichen SBal)!- rechtes bei direkter und geheimer Stimmabgabe seitens aller Erwachsenen von 21 Jahren an ohne Unterschied des Geschled)ts, der Nationalität und der Kon­fession unb unter Garantie völliger Freiheit für die Agitation vor den Wahlen; 8. daß der einzige Weg zur Erreichung einer Einberufung der konstituierenden Versammlung auf oben bezeich­neter Grundlage die Revolution ist, ein Weg, den das russische Proletariat und die arbeitende Bauern mässe bereits be­schritten hat, in Anbetracht aller dieser Umstände haben wir, die Studierenden der Moskauer Universität, am 22. September 1905 beschlossen:

1) zu ignorieren das bestehende politische Re­gime und die politifd)en und bürgerlichen Rechte gegen dos Gesetz und abgesehen vom Gesetz zu verwirklid;en; 2. als Verrat an dem Volke jegliche Anteilnahme an den Regierungskommissionen und jede Aussöhnung mit dem Jnstiwt der Reichsduma oder einem anderen Vertretungsinstitut außer der allgemeinen konstituierenden Versammlung zu betrachten; 3) die Universität zu öffnen und ohne diejenigen, die sich mit Wissenschaften besoffen wollen, daran zu hindern, die Hochs ch ule in eine revolutionäre Tri- 6 ü « e umzuwandeln, d. h. unter den Studenten und den in die Universität heremgezogenen weiteren Bevölkerungsmassen Pro­paganda und Agitation durdizusühren und sie zu gemeinsamem Vorgehen auf den Wcg aktiver revolutionärer Handlungen zu führen zwecks:

a) Niederwerfung der zarifchen Alleinherr- I d)af t; b) Einberufung der konstituierenden Versammlung auf den oben bezeichneten Grundlagen durch die revolutionäre provisorische Regierung, um in Rußland eine demokratische Republik einzu­richten.

Da Moskau maßgebend zu sein pflegt für die Haltung der anderen russischen Universitäten, so erscheint eine ruhige Wiederaufnahme der Studien im Zarenreich auSgcfck)loffen.

H^roftssor v. Aeyrings Tuoerkulosevortrag.^

Paris, 7. Oktober.

Professor v. Behring hat seinen angckünbigtcn Vortrag heute nachmittag auf dem Tubcrkulosekongreß gehalten. Ter Vortrag lautete im wesentlichen folgendermaßen:

Ich habe dankbar das Anerbieten der Kongreßleitung an­genommen, Ihnen heute eine Mitteilung zu machen über ein neue» Tuberkulosemittel und über das diesem Mittel zugrunde liegende Heilprinzip. Dieses neue Heilprinzip beruht auf der Durchdringung lebender Kürverzellcn mit einem gut charakterisierten Bestandteil des unschädlich zu machenden lebenden Krankheitserregers, dem von mir sog.T. C.". DasT. C." repräsentiert in den Tuberkelbazillen nach meiner Beobachtung die formgcbende absorbierende unb assimilierende Kraft. Auch noch in den mit ihm infizierten animalischen Zellen hat es bis zu einmn gennsscn Grade selbstäirdige Existenz, unb man kann mit Recht von einer Symbiose desT. C." mit einem analogen Bestandteil der Ticrzelle reben.

intrazellulareT. H." ist einerseits die Ursache der Duberrulm-Ueberempfindlichkeit tuberkulös infizierter Individuen, unb cs ist andererseits die Ursache heilsamer zellularer Reaftionen gegenüber _bem Tuberkulose-Virus.

' dem Zeitpunkt ab begann ich ernstlich mit

einem zur Bekämpfung der menschlichen Tuberkulose geeigneten Mittel zu rechnen, als ich in demT. C." eine Substanz ge- Timben hatte die nicht vermehrungsfähig ist unb trotzdem an cerrub und Heilwirkung den lebenden Bazillen weit überlegen gemacht werden kamr durch ihre successive Umwandlung in das L.. H. .

<r r^-"-Gewinnung beginnt mit der Befreiung des ..T. E.' der Tuberkelbazillen von drei Subftanzgruppcn. (Ästens von ber m reinem Wasser, zweitens von ber in zehnprozentiger Häckselzlosung löslick)en mit Tubcrkclcinwirkung behafteten Pro- tcinfibinnz. Außerbcrn müssen aber noch brütens Mc in Alkohol unb Jctbcr löslichen Substanzen aus bem Tuberkelbazillus ent- icxnt tp^cn, ehe man zumT. C." gelangen kann.

. . bleibt von bem Tuberkelbazillus nackt Entfernung dieser drei ^'.-.bitmrzgrrippen ein R e st h a z i l l u s, der schließlich durch derneutcrurg in eine amorphe Masse verwandelt wird, welche nach der Einführung in daS Unterhautzellgewebe von Zellen aUt?£n0IWTtrn n>'r^.-.. die aus lymphatischen Keimzentren hcrvor- /rn//e^ SclPx,'cn. Umständen kann man beobachten, wie die nut E. sich imprägnierenden Zellen zu sogenannten oxyphilen beztehungsw-etie eosinophilen Zellen werden.

Von fundamentaler Bedeutung für das Verständnis der thera­peutischenD. C. -Wirkung ist für mich die Feststellung der Tat­sache geworden, daß ba5T. C.", obwohl cs kein vermeckrungs-

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