Ausgabe 
9.10.1905 Erstes Blatt
 
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ästige. Klima TW» Hl. Prospekte grat» Dr, Hettinter.

Yie Seuttge Kummer umfaßt 10 SeiLeu,

en Lindenplatz 1

MänM

Ausdruck:

I feierte Samstag abend im Residenz-Theater in Uebersetzmg von I Otto R^n^lf mit Antonie Tetzlaff m der Hauptrolle ihre Auf-

Es war um Ostern, in die Welt Zog ich mit achtzehn Jahren, Ich bin gen Leipzig als Student Durchs Thüringer Land gefahren.

Ich fuhr vorbei am Hörselberg Und hört' die Flöten tönen, Durch den Berqfpalt sah ich Frau Venus auch Und die lachenden, tanzenden Schönen.

Es klang ans Ohr mir ernst und mild. Es klang so wild und lüstern;

Dazwischen keuchte und ächzte und schnob Das Dampfroß mit eisernen Nüstern.-'

ir LungenMi gerichtete PriiaUnitaJt mit

3 Heilerfolgeo. In rillig mittelbar an Tannenwald-

erste.

Es wäre wünschenswert, daß sich das Jntereße der Leser wieder dem Dichter desNeuen Tannhau er" zuwendete, der den Ton blühender Lebensfreude m die deutsche Lyrik gebracht hat. Eine kleine Gemeinde von Kennern und litterarischen Feinschmeckern hat er schon seit langem um sich gesammelt. Nennt man m diesem Kreise die besten Namen, so wird auch der seine genannt.

Frankfurt a M-, 7. Okt.D emimonde" von Alexan­der Dumas die bereits im Jahre 1855 mehr als hundert Mal über die Bretter des Ghmnasc-Theaters in Paris gegangen mar.

Nr. »37

t»«Nch außer GonntagL.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem vesfischen Landwirt die Siehener Familien' blätter viermal in der

Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch-u. Stein- dnickerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei:

Lchulstraße 7.

Redaktion e-qK 112 LeAag u.Exped.e-iKbl Adtesie für Depeschen:

Anzeiger Gieße«.

Mm beachifl iia Fabrikmarke, Mchm ischipen Act Ges,

nahm mit Enthusiasmus an dem Kriege teil. Nach der Rückkehr oom Feldzuge widmete Grisebach sich der diplomatischen Lausbahn, ohne in seinem poetischen Schaffen nachzulassen. Wo er auch weilen mochte seine Leier verstummte weder in Rom und Mailand, Bukarest und Jassy, noch in Smyrna und Konstantinopel, Peters­burg und Bort au Prince auf Haiti, der letzten Stätte seiner diplo­matischen Tätigkeit, der der Königs, preuß. Generalkonsul Anfang der 90er Jahre entsagte, um sich in der Reichshauptstadt ganz seinen dichterischen und wissenschaftlichen Neigimgen zu widmen. Denn auch auf wissenschaftlichem Gebiete hat Grisebach Heroor- raaendes geleistet. Ein Jünger Schopenhauers, hat er dem Meister mit einer Ausgabe seiner Werke em Denkmal gesetzt. Von weiteren wissenschaftlichen Leistungen erwähnen wir folgende: Gedichte und Maximen des Humoristen Lichtenberg; Dre Wanderung der chine­sischen Novellevon der treulosen Witwe" durch die Weltlitteratur: <rQ§ Goethe'sche Zeitalter der deutschen Dichtung; Die deutsche Litleratur seit 1770. Schon als 18jähriger Student beschäftigte ihn das ,Tannhäuser"-Problem. Dieser Lieblingsidee gab er in Versen

n u"d Bichl,r.

5211 Andres.

Ix-rbe. Golt tröste Sie in Ihrem Schmerze."

DerDichter des9t e u e n T a n ii h äu s e r , Eduard Grisebach, feiert heute (9. Oktober) seinen 60. Geburtstag, kckon im Alter von kaum 24 Jahren veröffentlichte er das Werk, we Iches mit seinem Namen unauflöslich verknüpft ist. Es war oie j ,T er iieue Tannhäuser", welcher 1869 zum ersten und zum heutigen rage zum 22. Male erschien (Cotta in Stuttgart, mit dem Portrait des Dichters nach Max Liebermann). Wer die Gedichte,-selbst nur wenige, las, fühlte, daß man es hier mit einem Lyriker von scharf ausgeprägter Individualität zu tun hatte. Doch der Weissen lärm jener Zeit drängte das Interesse für die feurige, von leidenscha't- licher Glut erfüllte Liebespoesie des jungen Dichters zuruck, vieler selbst, damals preußischer Kammergerlchtsreferendar und vr. jur., ein Sohn des Botanikers Prof. August Grisebach m Göttingen,

crstehung und erzielte großen Beifall. Spiel und Inszenierung waren durchgehends gut.

D i e Sudermann-Premiere brachte am Samstag im Lessing-Theater zu Berlin eine Enttäuschnng. DaÄ Haus stand unter dem Zeichen des großen Ereignisses und er­wartete mit nervöser Spannung, wie weit der . einst MMg- reiche Dramatiker nach den letzten Schlappen ferne Kräfte m Meijährigem Schweigen gesammelt habe. Leider stellte es sich heraus, daß Sudermann in dem DramaStein uifter Steinen" das aktuelle Problem, das er behandeln wollte, das Leiden des Verbrechers nach Verbüßung der Strafe, in sozialer Hinsicht überhaupt nicht berührt und ohne Aufwand von echter, dichterischer Kraft mir durch theatralische Routine zu lösen rem sucht habe, was noch in weiteren Ausführungen xu beweisen fein wird. Bassermann, der den entlassenen Sträfling zu ftueten hatte, schuf eine eigene und viel tiefer angelegte Gestalt die Sudermannsche. Er war es, der nach dem dritten Akte gerufen wurde. Allerdings schien man den Namen falsch zu verstehen, weshalb sich statt feiner Sudermann bedankte, dem ein Teiler Zuschauer durch energisches Zischenbegegnete AMScMnffe, nach einem schwachen vierten Akte, hielten sich Verfall und Miße- billigimg die Wage, die sich jÄwch bei kühlerer Betrachtung und schwächerer Darstellung stark zuungunsten des Autors gesmtt hatte.

München,?. Okt- Bierbaum'S zwei einaktige Komödien Das Cenacle der Maulesel" undDie Schlaugen- baute", deren gemeinsamer Held Stilpe deS,Auwrs gleich­namigem Roman entstammt, fanden bei ihrer Erstaufftchrung nn Schauspielhaus eine freundliche Aufnahme, der rnw von wenigen widersprochen wurde. Das erste Stück ist an WortWle nur allzu reich und ohne alle dramatische Aktion. Es verrat deutlich seine epische .Herkunft. Das zweite hat wenigstens ennges Ge­schehen imd eine witzige Situation.

Meister der Farbe (Verlag von E. A. SeeMamr in Leipzig). Mit dem Erscheinen jedes Heftes erwirbt sich tuest eigenartigste und prächtigste unter den modernen KunltHertschristen neue Freunde. Künstler sowohl wie Kunstfreunde erkennen den Wert dieser wundervollen Publikationen, ine den Zweck ver­folgen, allmählich die Bekanntschaft mit ^r gesamten modernen internationalen Kunst zu vermitteln. Mit charakteristischen Werken ht vollendeter farbiger Wiedergabe bie erst btc unausgesetzte Pstcge des Dreifarbendrucks ermöglicht I>at, ziehen alle bedeuteirden Maler des modernen Europa vor uns auf. Der Preis eines einzelnen Heftes beträgt 3 Mark, der des ganzen aus 12 Monats­heften bestehenden Jahrganges 24 Mark.

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MW Mauna uchenanstalt Oberhes en" Ä Donnerstag tat «vr einzureichen sind.

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von Marokko mit dem Einrücken französ. Truppen bedroht; wenii Frankreich weitergehe, werde Deutschland darm einen Kriegsfall erblicken. Die italienische Regierung war beunruhigt, und da sie durch ihren Botschafter m Berlin keine bestimmten Auskünfte erlangen konnte, ließ sie den französischen Botschafter ter ständigen. Frankreich habe aber dem Sultan überhaupt kein Ultimatum zugestellt ge­habt, sondern im Gegenteil seinen Gesandten in Fez an- qetviesen, alles zu unterlassen, was den Anschein haben könnte, als ob er die deutschen Verhandlungen durchkreuzen

Kleines IeuilleLon.

Professor Dr. Ferdinand von Richthofen f. hervorragende Geograph, der Berliner Unrv -Professor, Geh- Iiegierungsrat Dr. Phil, et meb. Ferdinand Frhr. v. Rrchtyofen fr in der Nacht von Freitag auf Samstag im 73. LebenSiahre v-rstorbeii. Geboren 1833 zu Karlsruh in Schlesien, wandte er sich zunächst der Geologie zu. An die geologische Aufnahme bis südöstlichen Tirol schlossen sich seine Weltreisen nach Ehma, sapan, Siam. Manila, Java, nach den Philippinen, ^wifri^bien fnlrde nach Kalifornien. Unter seinen literarischen Leistungen ftht das große Werk über China obenan. 1872 kehrte der forscher von seinen großen Reisen zurück.^ Drei Jahre 1 Pater crhielt er in Bonn eine geologische Professur. Dann folgte tr 1883 einem Ruf als Ordinarius der Geographie nach Leipzig, inb seit 17 Jahren war er an der Berliner Universität als Ver­treter der physischen Geographie tätig. Als erfolgreicher Lehrer, cns dessen Schule fast -alte jüngeren Forscher, so auch Prof. t>. DrpgalSki, der Leiter der deutschen Südpolar-Expedition, ver- torgegangen sind, als Organisator wissenschaftlicher Aiternehm- inqen und Anstalten hat Freiherr von Richthofen Großes ge­lüftet; auch Präsident der Berliner Gesellschaft für Erdkunde ist tt gewesen, Mitglied der Akademie der Wissenschaften unö r.ttor des Instituts für Meereskunde. Der Kaiser richtete cu die Witwe des Prof. v. Richthofen das nachstehende Tele- rrcnrru:Erfahre soeben durch Staatssekretär v. Richthofen das siiärscheiden Ihres Gatten, des großen Gelehrten, .^hmen,.Sie rnd Ihre ganze Familie den Ausdruck meines herzlichen Beilmos (ittgegen und seien Sie versichert, daß ich mit dem ganzen deutschen sioike dem Dahingegangenen ein ehrendes Andenken bewahren

Der beste Schutz

gegen W

Einbach j--°M-Sich°chisW°d Fox ue«

Beste bewahN!

ylt haben bci-^ Schmidt, ^^Ansel, Kröst Sohnes V

.frnöt-3. ÖäU1eC

Ter große Lohnkampf in der eTertrtfa)cn 1 Branchein Berlin ist nach dem Scheitern der Vermttt- ; lungsversuche zum Ausbruch gekommen. Die dem Verband der Maschinenindustriellen an geschlossenen Berliner Firmen beabsichtigen, wenn die Arbeiter nicht nachgeb en, sich mtt den Elektrizitätsfirmen solidarisch zu erklären und wollen am 14. Oktober ihre sämtlichen Arbeiter aussperren. Bon dieser Maßnahme würden insgesamt 120 000 Arbeiter be­troffen werden. Das Gewerkschastskartell van Berlin hat zu diesem Kampfe Stellung genommen. Der Re­ferent Gebhard sprach sein Bedauern darüber aus daß die geflissentliche Hervorkehrung des Klaffenkampfstand- punktes durch den Metallarbeiterverband dem gegenvmr- tiaen Llrbeiterkampf den Charakter einer Machtprobe,gegeben und den Arbeitgebern die furchtbare Waffe der Aussperrung in die Hand gedrückt habe. Born Metallarbeiterverband ei die ganze Lohnbewegun g ziemlich leichtfertig und ohne genügende Vorbereitung inszeniert worden. Das werde sich jetzt bitter rächen. Andrerseits müsse maii den Arbeitern das Recht zugestehen, entsprechend den ftnanziellen Erfolgen der Unternehmer auch nne besscrunq ihrer Lage zu verlangen. Besonders bedauerlich sei die brüske Ablehnung der Einigungsversuche, zu denen sich Oberbürgermeister Kirschner bereit erklärt hatte MC. Mumm machte dem Deutschen Metallarbeiterverband den Vorwurf, daß er durch seine Taktik fortwährend Lohn- kärnpre auszufechten, sich wlbst sehr geschwächt habe wah­rend z B. die Buchdrucker durch Besonnenheit viel mehr erreicht hätten. Es wurde einstimmig folgende Erklärung zum Ausstand beschlossen:

Die Versammlung verurteilt auf bas entschie­denste, daß wegen einiger geringer Lohnforderun^n, die ein kleiner Teil von Arbeitnehmern in der elektrischen Industrie stellte, zehntausende von Arbeitern durch die Metallindustriellen ausgesperrt und brotlos ge­macht wurden. Sie spricht den aus gesperrten Arbeitern ihre volle Sympathie aus tmd verspricht, sre in ihren Kämpfen nach besten Kräften zu unterstützen.'

An die Regierung und den Reichstag wurde ferner eine Eingabe beschlossen, in der um schleunige Realisierung der Forderungen des Frankfurter Arbeiterkongresses ersucht wird, um für die Zukunft so verheerende Lohn kämpfe zu verhüten. Sehr bedauerlich ist, daß sich Streikende zu schweren Vergehen haben hmreißen lassen. Die Kabelleitungen imBerliner Thea- . ter" sind vorsätzlich durchschnitten worden. Ebenso wurde ein Flugapparat beschädigt, sodaß ein Schauspieler bei der Generalprobe ab stürzte, ohne sich jedoch zu ver­letzen Die Täter sind noch nickst ermittelt Die Berliner . Droschkenkutscher haben beschlossen, ihren Tarif zu ' kündigen Sie verlangen Abschaffung des Wagenwaschens durch den Kutscher oder eine Erhöhung des festen Lohnes. Endlich haben die Wäschereiarbeiterinnen ihren Arbeitgebern Tarife vorgelegt, welche die Lohn- und Ar- . beitsbedingungcn der Wäschernäherinnen, Plätterinnen, Wäscherinnen und Zuschneider für die gesamte Wäschemdu-

KMische Wochenschau.

Noch einmal hat in der vergangenen Woche Marokko das Interesse der politischen Welt auf sich konzentriert. War es im Anfang dieses Jahres der Anlaß zu dem be­drohlichen Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich, so bildet es jetzt den Ausgangspunkt zur Beseitigung der deutsch-französischen Spannung. Die deutsch-französischen Marokkoverhandlungen kamen zum Abschluß. Am 29. Sep­tember erschien eine angeblich offiziöse Note imTemps', die eine, wie sich herausstellte, ziemlich gefärbte Darleg­ung der deutsch-französischen Vereinbarungen enthielt Erst einige Tage spater wurde das Marokkoabkomnren offiziell veröffentlicht. Danach war die Auffassung von den Zuge­ständnissen, von denen die Mitteilungen desTemps" zu melden gewußt hatten, nicht aufrecht zu erhalten. Das Abkommen behielt die Erledigung aller Fragen mit Aus­schluß der Grenzpolizei und der vertraglich begründeten französischen Finanzrechte der Kvnferenz in Algeciras vor. Mit der Anerkennung dieser Finanzvorrechte ist aber, wie das Programm zeigt, die eigentliche Frage der finanziellen Reorganisation in keiner Weise bereits zu gunsten Frank­reichs entschieden. Vielmehr ergab sich, daß die Anerkenn­ung der begründeten französischen Sonderrechte nicht so­weit ging, die deutsche Position prinzipiell oder materiell zu beeinträchtigen. Die französisch-deutsche Spannung ist beseitigt, ohne daß Deutschland seine Haltung in der Ma- roklopolitik wesentlich verändert hat. Recht interessant immerhin sind die zweifellos höchst phantasiereichen Mit­teilungen des Pariser BlattesMotin" über den Ursprung der Marokkoasfäre. Er erzählt, wie sich die Demission Del- eassvs vollzogen habe. Deleafsö ging zur Sitzung des Mi- nistcrrates am 5. Juni, obwohl er wußte, daß sein Sturz beschlossen sei. Er behauptete daß die Haltung Deutsch­lands ihn berechtigt habe, es als einen Faktor zu behan­deln, welches kein Interesse im MitteÜneer besitzt (!); denn als Rußland, Italien und Frankreich in Kreta intervenierten, labe Deutschland es ab gelehnt, sich anzuschließen mtt dem Bemerken, weil es keine Interessen im Mittelmeer habe. (Es wird aber damals wohl geheißen haben:Kerne Inter­essen dort im Mittelmeer" d. h. in der südöstlichen Ecke des Meeres.) Deleasse führte aus, Frankreichs Politik habe in diesem Augenblick nur das Bestreben, Rußland zum Friedensschlüsse zu bestimmen. Aber wenn Fran kreich auch schnell angegriffen würde, so würde es von England unterstützt werden. England, so behaup­tet mit unglaublicher Mnvität der Gewährsmann desMo­tin", habe nämlich in Aussicht gestellt, eine Flotte mobil zu uiachen, den Nordostsee-Kanal zu besetzen und 100 000 Mann in Schleswig-Holstein zu lan­den!" Delcasss warnte vor einem Bruch mit der bisherigen Politik Frankreichs. Wenn Frankreich sich einmal vor Teutschland gebeugt habe, so werde es sich immer wieder beugen müssen, aber es werde nicht immer die ganze Welt auf seiner Seite haben. Als der Minister- >räsident Rouvier die Gefahr betonte, welche in dem Be­lieben bestehe, Deutschland zu isolieren, antwortete < ieleasss:Entschuldigen Die, ich hatte die auswärtige Politik Frankreichs und nicht die auswärtigen Bezieh­ungen Teutschlands zu führen!" Außer demMatirft geht auch dasEcho de Paris" auf die Umstande em, UElche die Demission begleiteten. Delcasss erhielt am 4. Juni ein Telegramm des Botschafters Barrsre aus Rom, woraus hervor ging, daß Deutschland die italienische Regier­ung davon verständigt habe. Frankreich habe den 'Lnltan

strie Berlins regeln sollten. Von 68 Firmen haben aber nur drei bewilligt. Tie Wäschearbeiterinnen haben darauf in einer stark besuchten Versammlung beschloßen, überall da die Arbeit niederzulegen, wo die Forderungen "?ch bewilligt werden. Die Bersin er Wäschemdustric beschäftigt 4500 bis 5000 Arbeiterinnen und Arbeiter.

In Sachen der Fleischteuerung steht noch immer alles auf dem alten Fleck. Ter bayerische Minister <^af Feilitzsch erklärte auf eine InterpellationbatMstchcn Landtage, der sich mehrere Tage lang mit dieser Ange­legenheit beschäftigt hat, ohne daß positive Resultate erzielt wurden, daß eine Fleischnot wht existiere, und begnügte sich mit der Hinzufügung, daß die baycr. Regierung alles getan habe, um Viehzucht und Viehhaltung qualitativ und quai> titatiö zu heben. Ter deutsche Städtetag ist imimr noch nicht einberufen; vorbereitend^ Schritte dazu imd aller­dings geschehen. Große Eile wird also von den berufenen Organen nicht entwickelt. Daß dabei die Klagen im Mittel­und Arbeiterstand über das Steigen sämtlicher Rahr^ ungsmittelpreise, als da noch sind Milch, Butter, Eier, Ge­müse, Obst usw. usw., stark zunehmen, kann täglich jeder, der die Ohren auftut, hören.

Tie großen Frauentage in Halle und Berlin be­schäftigen sick mit einer Reihe aktueller Fragen Zu hxtt geht die fortschrittliche Richtung, die, wie es Frl. Lrschnewska tut, als Typus der neuen Frau die Fabrikarbeiterin hm- stellt. Tie Berufsarbeit als Lebensaufgabe der Frauen hin- zustellen, führt zu Konsequenzen, die sich mit der Natur in Widerspruch setzen. Ter beste Mutterschutz und Kinder- schutz ist die Ehe. Daß sie reformbedürftig ist, darin wird man den Frauen recht geben. Ihre Abschaffung aber würde zu einer Entwertung der Frau führen müssen. Soziale Refornttätigkeit hat dafür zu sorgen, daß ein gesundes! Familienleben auch in den proletarischen Schichten mehr und mehr ermöglicht wird.

Bezüglich Ungarns ttt die 'Entscheidung Kaiser Franz Josefs noch immer nicht getroffen. Inzwischen be-mühen sich die Ungarn, mit den lange verachteten Kroaten fE zu versöhnen. Aber diese Versuche stoßen nicht nur auf den Widerstand der kroatischen Majorität der Nationalpartei, sondern auch der o^ositionellen reinen Koffuthpartei und! , der Bauernpartei. Die Verbrüderungsverhandlungen werden dessenungeachtet fortgesetzt. Die Stellungnahme des Grafen Tisza gegen das allgemeine Wahlrecht hat in allen! : Lagern, besonders in der liberalen Partei, große Kontra- . Versen erzeugt. Man spricht von zahlreichen Austritten aus der liberalen Partei.

Aus Südwest afrika wurden sensationelle Nachrich­ten verbreitet. Andries Dewet soll angeblich ein großes Burenkomplott in Szene gesetzt haben, um Winphuk, Barmen und andere deutsche Stützpunkte zu erobern. Dazu drahtete das Gouvernement, daß diese Darstellung stark übertrieben ist. Ein junger Dur habe der Polizei mit- geteilt, daß einige beim Militärftrh-rwesen an gestellte Au sländer ans der Kapkolonie sich verabredet hätten, Frachtwagen und Proviantkolonnen zu überfallen, Vieh zu stehlen und sodann mit dpvt Ertrag der Räubereien in der Nähe von Gobabis über die englische Grenze zu gehen. Vier Rädelsführer seien in gerichtliche Untersuchungshaft genommen worden. Für die Annahme, daß eine Aufwiegelun <i der Eingeborenen oder gar ein Handstreich auf Windhuk galant war, seien dem Gouverneur bisher Anhaltspunkte nicht bekannt geworden. Ter in Stade wohnhafte Oberstleu tuant a. D. Hagedorn aber veröffentlicht folgende Erklärung: Durch die Zeitungen geht eine Nachricht aus Deutsch- Südwestafrika, daß im kaufe von Andries Dewet u. Eo.

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