Ausgabe 
8.4.1905 Zweites Blatt
 
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Hr. 84 Zweites Blatt.

155. Jahrgang

Grjchetttt lL-lich mit vuSnahm« bef Sonntag-.

Die weitBentt Faintlienblätter- werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich betgelegl. Der ^hrlstlch« Canöotrr erjchetnl monaUtd) einmal.

Gießener Anzeiger

Freitag 8. April 1905

RoiaNonSdruck and Verlag der Srühllche» UniocrfUätSöruderet 9L Laag«. Dietz«.

Redaktton, Expedition a. Druckerei: Schulstr.K.

Lei. Ük. bL Leiegr^Adr.. Anzeiger Dietz«.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.

Bekanntmachung.

Detr.: Den Viebmarkt in Grünberg am 13. April 1905; hier: Ankörung von Bullen.

Gelegentlich des am 13. April l. IS. zu Grünberg statt­findenden ViehmarkteS soll zum Zwecke der Ankörung eine öffentliche Faselschau durch die Körkommission, und zwar um 10 Uhr vormittags beginnend, abgehalten werden. Es werden nur sprungfähige Bullen Vogelsberger und Simmentaler Rasse berücksichtigt. Dieselben muffen bei Meidung der Weqweisung sicher gefesselt sein und dürfen vor 10 Uhr nicht ausgetrieben werden.

Gießen, den 7. April 1905.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Hechler.

Volitische Tagesschau.

Bevorstehender Krieg zwischen England und Deutschland?

In Rußland liebt man bekanntlich das Gruseln, und auch die Presse halt sich davon nicht fern. Bei Besprechung des Kaiserbesuches in Tasnger bemerken die Peters­burgerNowofti", daß die Gefahr eines Krieges« zwischen EnglandundDeutschland so eminent wäre, daß an ein Ausweichen nicht mehr zu denken fei. Die Ursache dieses Zusammenstoßes soll in den über­raschenden Erfolgen Deutschlands bei seiner Annäherung an die mohammedanische Welt bestehen. Deutschland sei es nicht nur gelungen, den russischen Einfluß aus der Türkei, sondern auch den englischen aus Kleinasien zu ver­drängen.

Und jetzt sagen dieNowosti" richte Kaiser Wilhelm seinen Blick auch auf Marokko, und dort werde fern Name nur mit Verehrung und Hoffnung ausge­sprochen. Was kann aber England dieser neuenmo­hammedanischen Gefahr, die durch Kaiser Wilhelms Politik geschaffen wurde, entgegenstellen? Es ist bekannt, daß der deutsche Kaiser sehr viele Mühe, Kraft und Kosten auswendete, um sich an der chinesischen Küste festzusetzen. Um jedoch den Besitz zu erhalten, brauchte Deutschland Rußlands Unterstützung, und deshalb hat es so hartnäckig die russischen Interessen in der Mandschurei verteidigt. Sollte jedoch Rußland seinen Einfluß im fernen Osten einbüßen, so wird Deutschland allein den Ansturm von drei feindlichen Mächten zu gewärtigen haben: Englands, Japans uno der Vereinigten Staaten. Das ist die schwache Seite Deutschlands, und hier könnte ihm England einen Stoß versetzen. In England kennt man gtnu gut die mohamme­danische Gefahr und sammelt Kräfte zur Gegenwehr. Der Krieg mit Deutschland ist prinzipiell, und dieser Be- chluß wird umso eher ausgeführt, je früher Rußland ein Spiel im fernen Osten verloren haben wird. Von fiesem Standpunkte aus erklären sich die letzten Äußer­ungen Graf Bülows im Reichstag, durch welche er nicht Rußlands Prestige, sondern Deutschlands Interessen ver­teidigte.

Tas Gefasel des russischen Bären ist immerhin kenn- ^ichnend dafür, wie sich bei unseren östlichen Nachbarn Die westeuropäische Welt spiegelt, in der man sich nicht langweilt.

parlamentarisches.

Berlin, 7. April. Die Budgetkommissron des Reichstags Mebigte nach der Plenarsitzung das Totalisatorgesetz in 2. Lesung. Das Gesetz wurde in der Fassung der 1. Lesung an­genommen, ebenso die Resolution Graf Oriola, die Negierungen um baldige Vorlegung eines Gesetzentwurfs zu er­suchen, wodurch die §§ 3 imb 6 auch auf Wetten bei Rad - und Automobilrennen ausgedehnt werden. Die Kommission nahm ferner trie Resolution Erzberger betr. das Verbot öffe n t- licher Rennen an den höchren Fe st tagen in Gegenden mit überwiegender katholischer Bevölkerung an.

Keer und Atotte.

Berlin, 7. April, v. Eickstaedt, Kdntreadmiral und Vorstand der Konstruktionsabteilung im Reichsmarineamt, wurde zum Direktor des neu errichteten Konstruktionsdepartements im Reichsmarineamt ernannt.

Stuttgart, 7. April. Der König hat dem gegenwärtig hier weilenden Hauptmann der Schutztruppe Franke, dem S i e- ger von Omaruru, das Ritterkreuz des Kronenordens mit dem Löwen und den Schwertern verliehen.

Kür das schönste Kedicht

von Schiller und auf Schiller haben wir uns ent­schlossen, unter unseren Abonnenten eine Preiskonkurrenz auszuschreiben. Wir fordern den weiten Kreis unserer Abon­nenten auf, an dieser Konkurrenz sich zu beteiligen. Die Kon­kurrenz soll sich folgendermaßen gestalten:

1) Die drei besten, von Abonnenten des Gießener Anzeigers verfaßten Gedichte auf Schiller werden durch wert­volle Preise ausgezeichnet und am 9. Mai, dem Schillertage, in den Familienblättern zum Abdruck gebracht. Der 1. und 2. Preis bestehen in künstlerisch ausgesührten vortrefflichen Schillerbildniffen in geschmackvollem Rahmen.

2) Unsere Abonnenten werden gebeten, der Redaktion derGießener Familienblätter" den Titel des Gedichtes von Schiller mitzuteilen, das ihrem Gefühl nach ihnen das schönste scheint. Unter den Nennern des Gedichtes, das am häufigsten als das schönste bezeichnet wird, kommen ebenfalls mehrere Preise zur Verteilung.

Sämtliche Einsendungen sindan die Gieß. Fam.-Bl. zu eichten" und mit der AufschriftSchiller" zu versehen. Der Schluß beider Konkurrenzen erfolgt am 6. Mai.

Unter den bisherigen Einsendern von Gedichten auf Schiller befindet sich auch ein weit bekannter deutscher Lyriker, dessen schönes Schiller-Poern freilich außer Konkurrenz steht, da er mcht au den Abonnenten des Gieß. Anz. gehört.

Ans HtliM und £iV$L

Gießen, den 7. April 1905.

* Gemälde-Ausstellung am Brand. An Stelle der Kollektion Schad * Roßa sind einige Gemälde von H. H e n d ri ch-Berlin und E. N i k o t o w s ki - Düsseldorf zur Ausstellung gelangt. Die Kollektion von Pros. Hoecker bleibt nur noch acht Tage ausgestellt.

** Promenadenkonzert findet morgen, Sonntag, um halb 12 Uhr auf der Südanlage mit folgendem Pro­gramm statt: 1. Ouvertüre:Die Felsenmühle" von Reißiger. 2. In lauschiger Nacht! Walzer von Ziehrer. 3. Fantasie ausLohengrin" von Wagner. 4. Armeemarsch Nr. 103. Unsere Regimentsmufik konzertiert morgen nachmittag im Philosophenwald und abends im Neuen Saalbau in voller Stärke.

** Die Launen des April. Fast den ganzen gestrigen Nachmittag und Abend über setzte ein heftiges Schneegestöber Stadt und Land unter eine weiße Decke. Nach einem gelinden Nachtfrost heute in aller Frühe zählten wir 1/2 0 E. glitzert die Morgensonne heute in voller Klarheit. Auch aus anderen Orten, so vom Rhein, aus Hamburg, Kiel, Berlin, Westfalen, Sachsen, Schlesien, Oester­reich 2C., werden Schneetreiben gemeldet.

** lieber bie Spinn st üben erhielten wir aus einem Orte des Kreises ein in seiner Tonart recht derbes und ori­ginelles Schreiben, das auf das heftigste gegen die Spinn­stuben zu Felde zieht. Der Einsender meint u. a.:

In allen Dörfern, wo Spinnstuben gehalten werden, macht sich gar manches Mädchen unglücklich. Wenn diese Spinnstuben aber nicht bald verboten werden, so gebt nach und nach die Welt zu Grund, denn es wird alljährlich schlimmer. Es ist schade, daß sie nicht schon längst verboten sind, denn es wird einem ordent­lichen Menschen schlecht, wenn man von den Vorgängen hört. Und nun koll man es auch noch sehen! Vstti über Euch, Ihr un­barmherzigen Mädchen! 91 Cie Mädchen find bei uns ja nicht so, aber größtenteils. Die Bösen und Schlimmsten find gerade die 17 jährigen, denn dieselben zählen mehr bei das Vieh."

Weiter schildert uns der Einsender höchst drastisch daS Benehmen einzelner Mädchen und fügt hinzu,daß die zu­gehörenden Burschen den Mädchen an ihren Eigenschaften nichts herausgeben." Er schließt seine Jeremiade mit den ergreifenden Worten:Traurig, traurig ist so was, aber wahr!"

Homburg, 7. April. Die Stadtverordneten - Ver­sammlung bewilligte für die großen Lawn-Tennis- Tourniere, deren Kosten bisher zum Teil auS freiwilligen Leistungen der Kurintereffenten bestritten wurden, entgegen dem Magistratsantrag, der mir 1000 Mk. vorgesehen hatte, 3500 Mk. Die KurhauS-Wochenkarten beabsichtigt man von 12 Mk. auf einen Preis von 6 Mk. herab- zusetzen. In dem Kurhaus sollen Reparaturen größeren Umfanges ausgeführt werden, zunächst wird die Kurhaus- gaöerie renoviert. Zur Deckung der Restschuld für den Landgrafen-Brunnen soll eine schwebende Schuld von 11 236.62 Mk. aus dem Baureservefonds entnommen und ihm von einer später aufzunehmenden größeren Anleihe wieder zugeführt werden. Die Wegebesprengungskosten, die bisher zur Hälfte von der Kurkasse getragen wurden, sollen fortan nur zu einem Drittel gefordert werden, die anderen beiden Drittel trägt die Stadtkaffe. Nach der Fremdenliste vom 1. April waren bis 31. März hier anwesend 260 Fremde.

Braunfels, 7. April. Der Verschönerungsverein hat sämtliche von der Stadt in die umliegenden Waldungen führenden Landstraßen mit Alleebäumen bepflanzen lassen, gegen 100 Wegweiser angebracht und am Ferbomweiher eine neue Anlage geschaffen. Der Taunus-Stammklub Frankfurt hat für die Errichtung eines AuSsichtsturmes, wozu der hie- fige Verein ebenfalls 700 Mk. schon aufgebracht, 600 Mk. gewährt. Der als mittelalterliche Wartturm gedachte Aus- sichtstiirm soll auf dem Remieschen aufgeführt werden und den NamenKaiser Wilhelms-Warte" erhalten. Aber nicht allein des ersten Hohenzollernkaisers will man hier gedenken, sondern auch dem ersten Reichskanzler, dem Ehrenbürger von Braunfels, dem Fürsten Bismarck, wird ein mächtiger Felsblock im Hesbergwalde gewidmet werden.

Vom Westerwald, 6. April. Da bei einem Hunde in Herschbach, der einen Knaben gebissen hatte, Toll- wutverdacht festgestellt worden ist, wurde für die Orte Herschbach, Martenhausen, Maroth, Freirachdorf, Schenkelberg, Steinen, Hartenfels, Stahlhofen, Maxsein, Rückeroth, Goddert, Selters, Krümmel und Marienrachdorf die Hundesperre auf drei Monate angeordnet.

** Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstaaten. Ein eigenartiger Verein hat sich indem etwa 400 Einwohner zählenden O ber - Lande n b a ch im Oden­wald fonftituiert. Durch die Ortsschelle wurde bekannt gemacht, daß ein Verein der Biertrinker" gegründet worden sei. Qroecf des Vereins ist, die Wirte zu veranlassen, die Flasche Bier in Zukunft ju 20 anstatt feittjer zu L3M. ab,n<ieben. Sollten sich die Wirte weiqern, "'N der Verem selbst Bier beheben unb an seine Mitglieder noch billiger als 20 Psg. die Flasche abgeben.

Vermifd>te9«

Berlin, 7. April. Wegen der Gefahr der Genick­starre wurden heute vormittag 40 Sachsengänger auf dem Schlesischen Bahnhof zu Beilin angehalten unb unter ärzt­liche Beobachtung gestellt. Es sind Leute, die durch Ver­mittler aus der Ratiborer Gegend für ländliche Arbeiten nach der Mark, Pommem und Mecklenburg angeworben wurden. Während'der Bahnfahrt nach Berlin erkrankten einige unter Erscheinungen, die den Verdacht der Genickstarre nahe legten. Die ärztliche Untersuchung bestätigte diesen Verdacht nicht. Die Sachsengänger wurden jedoch vorsichtshalber im städti­schen Asyl noch zurückgehalten.

Testamentarisch vermachte Gehirne. Als jüngst bekannt wurde, daß Otto Erich Hartleben für die

Behandlung seines Schädels nach seinem Tode besondere Verfügungen getroffen hatte, erregte dies nicht geringes Be­fremden. Die Amerikaner würden über eine solche Dichter­laune weniger überrascht fein; denn dort sind solche Ver­fügungen über das, was nach dem Tode mit dem Gehirn geschehen soll, so gewöhnlich, daß man kaum noch darauf achtet. Dr. Wilder von der Cornell-Universität fordert seit 25 Jahren die Menschheit auf, Gehirne zur Förderung der Wissenschaft dem Institut zu vermachen. Er sagt: .Wir können alle Gehirne, die wir bekommen, wohl gebrauchen, und besonders ist uns an solchen gebildeter Menschen ge­legen. Aus diesem Grunde verteile ich jedes Jahr unauS* gefüllte Vermächtnisformulare unter die Studenten der Uni­versität und an Leute im ganzen Lande". Die Folge davon ist, daß dem Cornell-Museum reichlich Gehirne ziikommen, Gehirne aller Arten und aus allen Schichten der Gesellschaft. Die ganze Längswand eines großen Raumes in McGraw Hall ist mit Glasgefäßen angefüllt, die Gehirne enthalten, und auf jedem Gefäß ist ein Zettel aufgeklebt, der alle Einzel­heiten enthält, die man über den früheren Besitzer des Ge­hirns erfahren hat, so daß dadurch sehr wertvolles Material für das wissenschaftliche Studium des Gehirns geliefert wird. Außerdem besitzt Dr. Wilder eine geschätzte Privatsammlung von Gehirnen hervorragender Persönlichkeiten, und über 50 Exemplare find ihm noch versprochen worden von Personen, die alle .Personen von guter Erziehung find imb moralisch sowie geistig auf hoher Stufe stehen". Aus wie mannig­fachen Teilen ein Gehirn zusammengesetzt ist, erhellt aus der Tatsache, daß dem bloßen Auge 540 Teile sichtbar sind, für die es wenigstens 10 500 verschiedene Bezeichnungen gibt .Das Studium des Gehirns", meint Dr. Wilder, .ist zweifel­los das Studium der Zukunft, und die Neurologie wird alle anderen Zweige der Naturwissenschaft beherrschen." Chicago besitzt unter den vielen Klubs, die hier ihren Sitz haben, auch einen Autopfieklub; alle Mitglieder dieser merk­würdigen Vereinigung müssen sich verpflichten, dem Klub zu wissenschaftlichen Zwecken ihr Gehirn zu vermachen. Eine Gesellschaft, die denselben Zweck verfolgt, ist auch von dem amerikanischen Arzt Dr. William Pepper begründet worben. Ihr Vorsitzender war Dr. Leity, und die Gehirne gehen an bas Wistar-Museum unb das Anatomie-Institut. Dr. Leity starb aber schon nach wenigen Wochen, und sein Gehirn wurde so die erste Dotation, die dem Museum von dem Klub gestiftet wurde. Der Prediger Bischof Philipps Brooks gehörte auch zu den Mitgliedern des Klubs, aber durch eine Reihe merkwürdiger Zufälligkeiten wurde die Gesellschaft dieses Legats beraubt. Der Bischof starb in Boston, und sofort schickte die Gesellschaft einen Kurator aus, der die Autopsie vornehmen sollte. Unterwegs fand ein Eisenbahn­unglück statt, der Zug, in dem der Abgesandte saß, fuhr mit einem anderen zusammen, und der Delegierte, der Arzt war und unverletzt blieb, leistete den Verwundeten Beistand und brachte sie ins Krankenhaus. Als er nach dieser Ver­zögerung seine Reise fortsetzte, kam er zu spät in Boston an, die Leiche war schon hermetisch versiegelt, und die Reise folglich fruchtlos. Der Begründer der Gesellschaft, Dr. Pepper,, starb in Kalifornien, und sein Gehirn befindet sich im Museum zu Philadelphia.

Einsegnung und Verlo bung zugleich feierte'. Sonntag in Swinemünde ein 16jähriges Mädchen, die Tochter eines Brauereibefitzers.

* AuS einer pfälzischen Volksschule. Fragt da in einer der untersten Klassen der Schulinspektor, ob jemand ein Verschen oder Gedichtchen hersagen könne. Es meldet sich so ein kleiner Knirps und zitiert zum nicht geringen Schrecken der Lehrerin, die ihren Pappenheimer schon kannte, mit großem Pathos folgende Verse: Zwei Knaben gaben sich einen Kuß, der eine hieß Antonius; der andere hieß Kätchen, ich glaub', eS war ein Mädchen!

* Tageschronik. In Chemnitz verschwand- der Deko­rationsmaler Knrich mit seiner Fran und seinen Kindern. Jetzt hat man die Leiche der Frau aus dem Chemnitzflusse gezogen. Außerdem fand man am Ufer Kleidungsstücke der übrigen Familien- mitglieder. Der Verlust seiner Stellung scheint Aurich zu der Tat veranlaßt zu haben. Aus Gumbinnen meldet man der Preuß.-Lith. Ztg.": Als heute früh ein größerer Teil der vierter Kompagnie des 33. Regiments k.uf dem Rückweg zur Kaserne die auf Pontons erbaute sogenannte Militärbrücke, üb er den P issaf lu ß passierte, durchbrach dieselbe plötzlich in der Mitte. Eine Anzahl Soldaten und ein Offizier stürzten ins Wasser. Der Füsilier Vielhauer aus Gelsenkirchen ist ertrunken. Die übrigen, wurden gerettet. Ans dem Bahnhof Rauxel bei Dortmund ift der Güterzug 3247 auf den Güterzug 8248 gefahren. Entgleist find sechs Wagen und beschädigt acht. Ein Bremserist tot; niemand wurde verletzt. Das Hauptgleise ist xreigeblteben, foi daß der Verkehr aufrechterbalten ist.

^literarisches.

In der neuen Wochenschrift für Kultur und Politik Europa 11. Heft, (Charlottenburg Niebuhrstr. 1) finden wir u. a. die von dem Gießener Professor Dr. Sommer jüngst in Offenbach gehaltene VolksvorlesungIrrenanstalten und persönliche Freiheit" abgedruckt. Der Reichstags- und Landtagsabg. Dr. Ed. David veröffentlicht einen AufsatzDer aufgeklärte Mensch und die Weltpolitik", lieber dieLagi des Liberalismus" äußert sich der Jen-mser Rechtsanwalt und frühere Reichstagsabg. Dr. Harmening. Ed. Bernstein spricht vomMa­rokko-Rummel". Der Herausgeber der Zeitschrift H. Michalski bespricht die letzte Kaiserrede. Dr. Fr. Lindheimer plaudert flfcer Kunst und Sozialismus". L. Briger-Wasservogel überWohn- ungs-Aesthetik. Gorki ist mit einer NovelleDie Uhr" ver­treten. Dr. M. Jacobs behandelt die Berliner Premieren usw. Der Preis jedes Heftes ist 25 Pfg.

jtunft nttb M len schatt.

Paris, 7. April. In der heutigen Jahresversammlung der französischen geographischen Gesellschaft wurde dem Professor v. D r v g a l s ki aus Berlin für seine grön­ländischen und antarktischen Forschungsreisen die goldene Mgqj daille des Alexander de la Noqucttepreiseö verliehen.