Nr. 184 zweites Matt.
155. Jahrgang
Dienstag 8. August 1905
tttWetot «Ystch mti VnSnahm« M Sonntag».
Dte „eUfitntt $omtltenbl8tter werden dem ^Vnzetger viermal wöchentltck) betgelegt. Der toibetrt* erldjetiü monatUch einmal.
Eichener Anzeiger
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für Len Kreis Gießen.
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reichen iftfl.
Die Abg. Müller und Dr. Buff beantragten:
Die Kammer wolle beschließen, die Großb. Regierung zu
Ans-and.
Stockholm, 7. Aug. Heute wurde folgender Erlaß deS Königs veröffentlicht:
Da ich auf Anraten meines Arztes einige Zeit Ruhe, frische Luft und Bäder aussuchen muß, um mit Gottes Hilfe Gesundheit und Kräfte wiederzugewinnen nach der für Körper und Seele so anstrengenden Zeit, welche ich infolge der Sorgen gehabt habe, die n!ich während der letzten Monate heimgesucht haben, und deshalb ich jetzt die Regierung meinem Sohne, dem Kronprinzen übertrage, will jrf), ehe ich von der Hauptstadt abreise, aufs neue meinen Dank bekräftigen, welchen ich bereits vorher öffentlich meinem schwedischen Volk ausgesprochen habe. Ich kann nicht genug hervorheben, wie teuer mir die vielen sprechenden Beweise der Liebe und Sympathie, die ich von verschiedenen Seiten erhalten habe, als Trost für das gewesen sind, was ich durch den Abfall eines Volkes verloren habe, das ich aus inner st em Herzen in brüderlicher Liebe mit meinem schwedischen Volk zu vereinen ge- w ü n s ch t h a t t e. Oskar
London, 7. Aug. Die heutigen Blätter beschäftigen sich eingehend nut den franko-englischen Beziehungen. Eines ist der Ansicht, daß die franko-en gl. Annäherung einen Charakter erhalten habe, der nicht beabsichtigt war. DaS Blatt „Speacer" erklärt, die deutschfeindliche Kampagne, welche in gewißen englischen Kreisen gepflegt wird, sei dazu angetan, die imperialistische Politik zu begünstigen. Sie werde jedoch von zahlreichen Deutschgesinnten mißbilligt, welche bei den letzten Wahlen 3 Millionen Stimmen auf ihrenKandidaten vereinigten und die die s ch ä r f st e n Gegner der Politik des Größenwahnes jetzt sind.
— Reynold Newpapers versichern, daß zwischen Balfour und Camberlain ein Uebereinkommen erzielt worden ist betreffend Verminderung der Zahl der irischen Ab- geordneten. Falls der König nicht eingreift, wird die beabsichtigte Reform durchgeführt werden.
Haag, 7. Aug. Nach halbamtlicher Meldung setzt sich das neue Kabinet folgendermaßen zusammen: Aeußeres: de Marees van Swinderen, bisheriger Gesandter in Washington; Justiz: Professor van Hamel, von der Universität Amsterdam, gleichzeitig Premierminister; Inneres: der Deputierte Rink; Marine: Kapitänleutuant Cohen Stuart; Finanzen: de Meester, bisher Vizepräsident des Rats von Niederll-Jndien; Krieg: General Staat, bisher Abteilungsches im Generalstab; Oesfentliche Arbeiten, Industrie und Handel: Kraus, Direktor der technischen Hochschule; Ackerbau: der frühere Deputierte Veegens; Kolonien; der Deputierte Fock. — Proseffor van Hamel ist als Autorität auf dein Gebiete des internationalen modernen Strafrechts rühmlichst bekannt, des-
Karlamenlarisches aus Kessen.
Die Bürgermeisterei zu Butzbach hatte die Umwandlung der dortigen Realschule in eine Oberrealschule beantragt. Die Regierung indes glaubt zu einer Vermehrung der „ohnehin schon übergroßen Zahl von neunstufigen Voll- anftalten' nicht die Hand bieten zu wollen. Auch hält sie die für eine Oberrealschule dort erforderlichen Räume nicht für vorhanden. Der 4. Ausschuß der II. Kammer ist der gleichen Ansicht, zumal angesichts „des weiteren UmstandeS, daß von Butzbach aus leicht Gießen und Friedberg zu er-
Der Kaiser äußerte wiederholt seine Anerkennung und verlieh den an der Uebung beteiligten Offizieren des Regiments Ordensauszeichnungen.
— Zur heutigen Frühstückstasel an Bord der „Hohen - zollern" bei dem Kaiser waren Admiral Büchsel, der kommandierende General des 2. Korps v. Langenbeck und mehrere andere Offiziere geladen. Heute abend 10 Uhr reifte der Kaiser von hier mittels Sonderzuges nach Posen ab.
Königsberg i. Pr., 7. Aug. Graf Dohna-Schl o- dien, erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses, Mitglied des deutschen Reichstages, ist gestern abend in Schlodien gestorben.
Lübeck, 7. Aug. Die Wahlrechtsoorschläge zur Bürgerschaft wurden heute abend nach den Vorschlägen des Senats angenommen, wonach die erste Abteilung, die bis 2000 Mk. versteuert, 105 Vertreter, die zweite Abteilung, unter diesem Satze, 15 Vertreter zu wählen hat. Das Wahlberechtigungsalter wurde auf 25 Jahre erhöht. Die Verhältniswahlen nach den Kommissionsvorschlägen wurden abgelehnt.
Kattowitz, 7. Aug. Die oberschlesischen Magistrate haben an den Landwirtschaftsminister nochmals eine Petition gerichtet, in der sie wieder die dringende Bitte aussprechen, die Erhöhung des russischen Schweine- Kontingents auf wöchentlich 2500 Stück zu bewilligen.
/>chen, bei den verbündeten Regierungen eine Gesetzesvorlage zubrinqen oder anzuregen zum Schutze von Arbeitgebern, welche die ihnen aus der sozialpolitischen Gesetzgebung erwachsenden Verpflichtungen erfüllen, gegenüber denen, die ihren aus jener Gesetzgebung erwachsenden Verpflichtungen nicht nachkommen und sich ihnen entziehen/
Die Regierung hat sich hierzu wie folgt geäußert:
Die Regierung erklärt sich grundsätzlich bereit, eine etwaige Anregung im Bundesrate welche auf den reichsgesetzlichen Ausspruch einer erweiterten B e itragshaftung der anpebeuieten Art gerichtet ist, zu unterstützen, nachdem sie sich davon überzeugt hat, daß die Praxis der oberen Gerichte in verschiedenen deutschen Bundesstaaten den Versuch zurückgewiesen hat, eine derartige Haftbarkeit des mittelbarenArbeitgebers schon aus der Faffnng und Tendenz der gegenwärtigen sozialen Gesetzgebung herauszukonstruieren. Die gewünschte Anregung beim Bundesrate, event. unter gleichzeitiger Vorlage eines entsprechenden Gesetzentwurfs, selbst zu geben, glaubt die Großh. Regierung insolange k e i n e n A n - laß zu haben, als nicht eine hessische oberstrichterliche Entscheidung vorliegt, die sich der oben erwähnten Praxis anderer deutscher Gerichte anschließt. Wohl ober hat die Großh. Regierung den hessischen Bevollmächtigten zun! Bundesrat in Berlin beauftragt, Erkundigungen einzuziehen, ob Aussicht und Geneigtheit vorhanden sei, dem sozialpolitischen Gedanken, der in bem Antrag seinen Ausdruck gefunden hat, gesetzgeberisch nahe zu treten. Tie Antwort steht noch aus. Innerhalb des Grobherzogtums ist inzwischen im Sinne des Antrags insofern verfahren worden, als sowohl im Ressort der Staatsbauverwaltung, wie in demjenigen des Äleliorationsbauwesens den Uebernehmern von Arbeiten zur Bedingung gemacht wird, daß sie sich gefallen lassen müssen, bei ihnen etwa rückständige Versicherungsbeiträge zur Krankenkasse und Unfallversicherung usw. von ihrem Guthaben sich abziehen zu lassen.
Infolge dessen beantragt der 4. Ausschuß:
Die zweite Kammer wolle beschließen: Großh. Regierung zu ersuchen, im Bundesrate zu veranlassen, daß § 52 des Krankenversicherungsgesetzes und § 104 des Gewerbe-Unfallversicherungsgesetzes dahin ergänzt werden, daß im Falle der Zahlungsunfahlg- feit der Unternehmer auch der Eigentümer des betreffenden Grundstücks für Zahlung der Beiträge haftbar ist.
Deutsches Reich.
Sminemünde, 7. Aug. Die heutige Schießübung tn Gegenwart des Kaisers hatte unter dem schweren Nord- westwind und hohen Seegange zu leiden. Es wurde von der Mörserbatterie des 2. Fußartillerie-Regunents und den beiden Batterien der Festung aus geschossen. Von den beiden Zielen M das eine, während das andere stark beschädigt wurde.
gleichen Prof. Krans-Delft durch vorzügliche Hafenbauten. Rink hat sein soziales Interesse durch Gründung des „Sozialen Wochenblattes" bekundet. Alle Kabinettsmitglieder gehören der gemäßigt.liberalen Richtung an, oder sie sind, wie Staat und Cohen Stuart, neutral.
Cherbourg, 7. Aug. Das französische Nord- geschwader hat den hiesigen Hafen verlassen und ist nach der englischen Küste abgegangen.
Wien, 7. Aug. Der Londoner Korrespondent des „N. W. Abendbl." telegraphiert, daß ihm der Privatsekretär des Königs Eduard, Lord Karolly, mitgeteilt habe, daß ihm von einer bevorstehenden Begegnung des englischen Königs mit Kaiser Wilhelm nichts bekannt sei.
Salonik, 7. Aug. Eine griechische Bande tötete im Dorfe Pojarsko, Kreis Vodena, aus Rache zwölf Bulgaren, darunter sechs Frauen, und verwundete zwei Personen.
Konstantinopel, 7. Aug. Die Yildiz-Kommissiou beschuloigt 11 Ausländer und 32 Inländer der Täterschaft und Mithilfe bei dem Bombenattentat. Die Türkei stellte ferner an den schweizerischen Bundesrat das Ersuchen, die an dem Vombenattentat nachfolgend beteiligten Personen, die sich in Luzern aufhalten, zu verhaften und auszuliefern: Lipa und Sofie Rips, Silvio Rieci, Samuel und Regina Fayn, welch letztere drei Kautschukwagen in Wien kaufte, und Madame JoreS. Bis auf letztere sind Namen und Pässe der Vorgenannten falsch. Ihre Träger sind Slaven und Armenia. Die Türkei hat ihre wirklichen Namen sowie das Signalement ebenfalls dem Biindesrat übermittelt. Der im Jildiz Kiosk in Haft befindliche Ehemann der Jo res hat cm umfassendes Geständnis abgelegt.
MUtis-ffe Tagesschau.
Die Zionisten.
Wir haben bisher keinen eingehenderen Bericht über den Basler Zionistenkongreß gebracht. Jetzt mag kurz ^ie Bedeutung der dort unter heftigsten Lärmszenen gefaßten Beschlüsse erörtert werden. Die Gruppe der sogenannten Terrrtorralüten, denen die Erwerbung eines Territoriums w ü 9 'Jti oa oder sonstwo dringend am Herzen lag, ist, von der großen .Icehr- heit ausgeschaltet worden: die ,, Zion-Zionisten", die Pa la st: na wollen, haben das Heft in Händen behalten, unter parlamentarischer Vergewaltigung der Gegner, wie diese wenigstens behaupten. Fest steht indes, daß die „Territorialisten die auem berechtigte Tendenz in der zionistischen Bewegung verfechten, die darin besteht, den unsäglich gedrückten Juden Rußlands, Polens, Rumäniens eine gesicherte Heimstätte und die Möglichkeit zu verschaffen, zu menschenwürdigen Daseinsbedingungen zu gelangen. Den Wortführern dieser Gruppe, die sich nach dem Mißerfolg auf dem Kongreß zu einer besonderen Organisation zusammengeschlossen hat, ist der Gedanke an das tausend;ahrcge Reich in Palästina vor dem gegenwärtigen Elend ihrer Volksgenossen längst in den Hintergrund getreten: sie wvllen iede Kolonisation in größerem Maßstabe außerhalb Palästinas sobald sie Erfolg verspricht, zu fördern suchen, und,ihr neuer p-n^r, der englische Schriftsteller Israel Zangwill, imrd im Rainen dieser Gruppe die Verhandlungen nut der englischen Regierung wegen eines Gebietes in Uganda wieder aufnehmeui. £ne Haltung dieser „Territorialisten" ist durch allerhand fatalistische und Utopistische Ideen mitbestimmt: aber das erklärt fwi ebenfalls aus der Lage der Juden des Ostens, die daesen Leuten, unter welchen der Idealismus nie ganz ausgestorben ist, des Reich nicht von dieser Welt ist, den Blick für das tatsächliche einigermaßen trübt. ,,
Sieger sind vorderhand die Zion-ZionisteN geblieben, die, über ganz Europa, zumal aber den Westen, verstreut, nut der Idee des Judenstaates zweifellos nur spielen, aber sich wohlweislich hüten, ihr Gestalt zu geben, wo sich die Möglichkeit dazu bote. Die „Bewegung" ist ihnen alles, das „Endziel unbequem. Zu den Führern dieser Richtung gehört der bekannte Dr N o r d a u, der, aus Ungarn gebürtig, in Paris Franzose ist und für die deutschen Blätter, die er mit seinen Korrespondenzen bedient, den deutschen Nationalgedanken vertritt, dafür aver in Basel emphatisch von seinem — dem jüdischen — Volke spricht! Der Zionismus dieser Herren ist das Gefühl der Vaterlandslosigkeit, die es sich zwar an den wohlbesetzten faseln der Wirtsvölker wohl sein läßt, aber sozusagen als „ideale U'vr- derung" die Idee des „nationalen" Staates nährt, ohne doch gewillt zu sein, mit ihr Ernst zu machen. Es ist nicht «ong zu sagen, daß, was speziell unser Vaterland cmgeht, der SeR mingen der deutschen Kultur unwert ist, wer sich mit L-toiz als den Angehörigen einer fremden Nation fühlt und betennt, und daß auch die jüdischen Kreise, die sich ehrlich einbllden, deutsches Nationalgefühl mit der Pflege eines anderen Volkstums vereinen zu können, in einem verhängnisvollen Vrrtum sind. Hier gibt es, nach dem allein entscheidenden Empfinden des deutschen Volkes, nur ein Entweder-Oder. Die Sporte Zionismus, die in Basel die Oberhand behalten hat, mag vielleicht das Produkt des Rassenantisemitismus sein, aber sie gibt diesem zugleich die wirksamsten Waffen in die Hand. Und un Interesse des Ausgleichs tief bedauerlicher Gegensätze ist es dringend zu wünschen, daß diese Irrlehre wieder verschwinde, wie sie gekommen.
Per Krieg.
Vom Kriegsschauplätze.
Petersburg, 7. Aug. (Peter sb. Telegr.-Ag.) General - Liu e witsch telegraphiert unter dem 4. d. M.: Iw bet' Gegend von Hcülungchen näherte sich am 2. d. M. eine rufjV Abteilung dem Dorfe Nanschanschense und dem fünf Wersts nördlich davon gelegenen Dorfe Suisuluschuan. Als die Abteilung in die Nähe der beiden Dörfer gelangte, wurde:' sie von dem Feuer der japanischen Vorposten empfangen. Gegen 1 Uhr nachmittags jedoch zogen sich die Feinde auf die Anhöhen zurück. Die Russen zwangen sie, ihre ganze Frontstellung zu räumen und sich auf rückwärtige, stark befestigte Positionen zurückzuziehen. Am 3. d. M. setzten die russischen Truppen die Offensive fort. Die Versuche der Japaner, den linken russischen Flügel zu umgehen, tourben durch die russische Artitterie vereitelt. Nachdem die russische Abteilung das verfolgte Ziel erreicht hatte, zog sie sich ohne Verluste zurück. Der Feind ergriff hierauf seinerseits die O f f e n - sive, ging jedoch wegen des heftigen Feuers schnell wieder zurück. Am 2. o. M. näherte sich eine russische Abteilung dem Dorfe Langunscheuse, 18 Werst südlich von Taugus, und vertrieb die Japaner aus ihren dortigen Stellungen.
London, 7. Aug. „Dailsh Telegraph" läßt sich aus Tokio vom 6. d. M. telegraphieren: Trotz der prahlerischen: Depeschen Linewitsch's ist die Lage der r u s s i s ch e n Armes in der Mandschurei nicht beneidenswert. Diese Tatsache werde sich bald offenbaren. Die jetzige japanische Umklammerungsbewegung ist drei- oder viermalgrößer alsdiebei Mu Eben. Die Nachhut Linewitsch's, sowie seine Flanke gegen Wlabiwostok sind bedroht.
Tokio, 7. Aug. (Reuter.) Der „Bayan" soll ungefähr, am 15. August nach Japan geschleppt werden, die „Poltawa" und der „Peresvjet" sollen eine Woche später unter eigenem! Dampf folgen. — Es heißt, die Russen legten starke Befestigungen an der Mündung des Amur an. Eine gemischte Division würde von Chabarowsk und Nikolajewsk geschickt, um die Besatzung der dort gelegenen Orte zu verstärken. Es verlautet, daß in den Mündungslaufen des Amur Minen lägen.
Kombattanten der letzten Seeschlacht.
Berlin, 7. Aug. Am Samstag abend trafen in Berlin aus Bremen 18 russische Marineoffiziere ein, die in der Seeschlacht bei Tsuschima von den Japanern gefangen genommen worden waren und dem Geschwader Roschdjest- wenskis angehörten. In der Gefangenschaft wurden sie von den Japanern sehr human behandelt und schließlich auf ihr Ehrenwort, sich nicht mehr am Kriege zu beteiligen, freigelassen. Ueber die Details der Seeschlacht und über ihr Leben in der Gefangenschaft verweigerten btei Offiziere jegliche Auskunft. Gestern abend reisten sie naM Petersburg.
Gerüchte vor der Friedenskonferenz.
L o n d o n, 7. 'August. Wie der Korrespondent der „Mor- ning Post' aus Portsmouth meldet, sollen die Zwecke, die Japan durch die Friedenskonferenz erstrebt, folgende sein: Japan suche ein größeres japanisches Reich zu gründen, dessen Mittelpunkt das japanische Meer sein soll. Ferner suche Japan auf dem Festlands den Besitz des Küstenstriches su erlangen, der an das japanische Meer grenzt, sodaß oas japanische Meer in der Tat eine von Japan kontrollierte Durchgangsstraße wäre. Durch das Protektorat über Korea würde Japan auch die Koreastraße beherrschen. Ferner erstrebe Japan den Besitz der Insel Sachalin in der Hoffnung, nicht nur die Herrschaft über einen Teil der m and schu- ris chen Küste zu erlangen, sondern auch Rußland end- giltig aus der Mandschurei zu verdrängen uno an Rußlands Stelle als Sachwalter der chinesischen Regierung aufzutreten. Japan würde sich jedoch wieder zurückziehen, sobald China sich wieder fähig zeige, selbst geordnete Zustände aufrecht zu erhalten. Rußland soll schließlich noch, gezwungen werden, an Japan einen an die See grenzenden Teil von Sibirien ab zu treten. Die amerikanische Negierung, die bezüglich dieser neuen japanischen Monroe- Doktrin sondiert worden sei, habe stillschweigend ihre Zustimmung gegeben.
Russische Neuigkeiten.
Die Sitzungen in Peterhof zur Beratung beS Dusi)ginschen Projektes einer Volksvertretung sind beendet. Der Entwurf ist in seiner veränderten Fassung angenommen. Alle Vorbereitungen sind in der Reichsdruckerei getroffen, ihn am 12. August, dem Geburtstage des Thronfolgers, der Oeffeutlichkeit zu übergeben. Aus dem Projekt ausgeschlossen sind die Preß- und Versammlung - freiheit, die Unantastbarkeit der Person und An-, deres, kurz die Punkte, worauf, man die meiste Hoffnung gesetzt hatte. Die Einberufung der Volksvertretung soll im Herbst erfolgen.
Der Minister des Innern ordnete eine Untersuchung betreffend die unrechtmäßige Einberufung des Semstwo- kongresses an. Die Polizei entdeckte ein Versteck mit zahlreichen revolutionären Proklamationen und eine Geheimdruckerei. Doch verlautet, daß der nächste Kongreß aller Wahrscheinlichkeit nach gestattet werden wird, zumal der Zar selbst den Zusammentritt deS Kongresses gegen daS Verbot der Regierung durchaus nicht als einen regierungsfeindlichen Akt aufgefaßt hat.
Ter Genbarmerieleutnant Mlchailowski in Seblez in Russisch-Polen wurde von einem unbekannten, als Arbeiter gekleideten Manne zu Boden geworfen und durch einen Revolverschuß getötet Der 'Attentäter entfloh. Es wird angenommen, daß an Michailowski ein Urteil Der polnischen revolutionären Partei vollzogen wurde. Des Täters konnte man bisher nickt habhaft worden.
Einem Telegramm aus Opatow im ©ouoernement
- Radom zufolge drangen 40 bewaffnete Männer in das Post- l amt ein, töteten drei Wächter und raubten 20000 Rubel.


