Ausgabe 
7.8.1905 Erstes Blatt
 
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gestellt. Aber die Wehrfähigkeit der letzteren überwiegt die der Städte, wie neuerdings der frühere Chefarzt des bayrischen Sanitätskorps, Dr. v. Vogel, dargelegt hat. Da­für, daß die Bayern hinter dem Durchschnitt des Reiches hinsichtlich der Militärtauglichkeit zurückstehen, macht v. B. vor allem eine falsche Ernährung bczw. Pflege der Kinder und die Tuberkulose verantwortlich. Es ist erschreckend, zu lesen, daß 6070 Prorcnt der von den Mittelschulen ab­gegangenen Jungen später als dienstuntauglich befunden werden, v. V. schreibt dem Klima und der Bodenbcschaffcn- heit mit Recht einen bedeutenden Einfluß auf Volksgesund­heit und damit Wehrfähigkeit zn. Mit ernstem Bedenken sehen aber auch Aerzte und Sozialpolitiker eins der wert­vollsten Mittel zur Erhaltung eines gesunden VolksstaunneS namentlich in Bayern, leider aber auch in allen anderen deutschen Landen, niehr und mehr schwinden: die Fähigkeit der Frauen, ihre Kinder zu stillen. Es ist klar, daß künstlich ernährte Kinder wenig widerstandsfähig heran- wachsen, selbst leicht der Tuberkulose anheimfallen und das um so eher, wenn sie selbst sich wieder dem Alkoholmiß­brauch hingeben. Ist auf der einen Seite die Zahl der Herzkranken Rekruten in Bayern in besorgniserregendem Maße Jahr um Jahr gestiegen, so hat man auf der anderen Seite überall da, wo der Alkoholkonsum der Bevölkerung zurückging, auch eine Zunahme der Militärtauglichkeit er­halten. So ist diese beispielsweise in Schweden, dem früher so trinkfesten und jetzt so nüchternen Lande, von 20,4 auf 36,4 v. H. gestiegen.

Für die bevorstehenden Kaisermanöver, an denen be­kanntlich das 8. und 18., sowie einzelne Truppenteile des 14. und 16. Armeekorps teiluehmcn, wurde soeben durch die Kartographische Abteilung der Königlich preußischen Landes-Aufnahme eine Wegekarte für das Kaiser Manöver 1905, 1: 300 000 in mehr­farbigem Buntdruck Gelände braun, Eisenbahnen rot, Gewässer blau veröffentlicht. Diese Karte bringt das amtliche Material. Sie umfaßt einen großen Teil der Rheinprovinz, von Hessen-Nassau und des Großherzogtums Heffen mit den angrenzenden Landesteilen und kostet 0,50 Mark (R. Eisenschmidt, Berlin NW. 7, Dorotheen- straße 70a).

Airs Htaöt und Land.

Gießen, 7. August 1905.

** Oeffentliche Lesehalle. Im Juli wurden 1595 Bände auSgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Litteratur 831, Zeitschriften 233, Jugendschristen 213, Verdichtungen 40, Litteraturgeschichte 9, Länder- und Völkerkunde 42, Kulturgeschichte 19, Geschichte und Bio­graphien 64, Kunstgeschichte 5, Naturwissenschaft und Technologie 66, Seewesen 13, HauS- und Landwirtschaft 10, Gesundhcitslehre 8, Religion und Philosophie 17, Staats- wisienschaft 12, Sprachwissenschuft 5, Fremdsprachliches 6 Bände. Nach auswärts kamen 18 Bände.

**DasKorpsHassia feiert, so wird uns geschrieben, <un 8. und 9. August wie alle fünf Jahre seinen großen Erinnerrmgskommers in Dingen. Die diesjährige Feier, zu der eine besonders zahlreiche Schar von Teil­nehmern angcmeldet ist, soll als dreifacher Gedenk­tag begangen werden. Vor 90 Jahren, am 3. August 1815, ist die alte Hassia mit den Farben schwarz-grün-rot ge­stiftet worden. Vor 65 Jahren, am 9. August 1840, hat sie sich nach Jahren der Verfolgung und Zersprengung als grün­weiß-rote Hassia konstituiert, und vor 50 Jahren, am 23. Juli 1855, haben schwarz-grün-rote, grün-weiß°-rote und schwarz-weiß-rote Hessen sich zum ersten Male an den Ufern des Rheins zum Erinncrungs- und Verbrüderungsfeste ver­eint. IM Programm vorgesehen sind am 8. August ein Festzug mit Musik auf das schöngclcgene Rochushotel gegenüber der denkwürdigsten Stelle unseres Rheinstroms, darauf Festkommers daselbst. Am 9. August morgens 10 Uhr findet eine Rheinfahrt mit Damen statt, die talabwärts bis Koblenz geht. Unterwegs Frühschoppen an Land; Diner an Bord. Nach der Rückkehr in Bingen abends zwanglose Zusammenkunft in den oberen Räumen des Bahnhoss- restaurants.

21 u 3 dem Frankfurter Palmen garten. Beim Eintritt in den Garten freut sich der Besucher über die auf den seitlichen Rasen siebenden Cnnna, die in auserlesenem (Sortiment vertreten sind, als deren schönste darf wohl die VarietätGroß - b erzog Ernst Ludwig" gelten. Vor den Gewächshäusern im Anzuchtgarten blüht an dem Vorbau der Mittelhalle Tecoma radi- cans coccinea. Sie hat auf Goetbe, als er sie in Padua zuerst blühend angctroffen, einen solchen Eindruck gemacht, daß er sie in den weimarischen öiörtcit und auch im eigenen, nut Vor­liebe gepflegt und beobachtet hat: besondere Aufmerksamkeit schenkte er den Büscheln der Hastwurzcln, mit deren Hilke die

fragt, wohin er so spät den Klee fahre, dann antworte ich schnell:Rach der Stadt. Ich hab' ihn gekauft! Er gefällt mir so gut/'

Und tvahrlich, er gefällt mir ganz ausgezeichnet. Er duftet so schön, und es ruht sich so weich auf ihm, wie in einer guten Mutter sanftem Schoß. Hin und wieder krabbelt mir neugierig eine grüne Spinne übers wehe Bein. Das Tierchen läuft so flink, daß ich's beneide.

Es ist eigentlich feine gar so unbehagliche Situation. Die müden Gäule wollen zwar nicht mehr recht voran, doch das schadet nichts; so genieße ich förmlich die ganze Romantik der eigenartigen Fahrt. . . .

Endlich hält der Wagen in Alsfeld vorderKrone". Unterstützt vom freundlichen Fuhrmann und vom selber herbeieilenden Herrn Gundrum klettere ich vom Wagen. Es geht aber so gut, daß ich ohne Hilfe in§ Hans trete und auch die Treppe hinauf nach dem mir sofort zur Verfügung gestellten Zimmer hinke. Herr Dr. Weber erscheint alsbald und stellt nach eingehender Besichtigung die Harmlosigkeit der Geschwulst und der ganzen Verletzung fest. Morgen früh will er noch einmal vorsprechen; wenn dann die Schmerzen nicht mehr so groß sind, kann ich weiterradeln! Das wäre unter Umständen sogar eine ganz heilsame Massage.

Was Wunder, daß das nahezu verglommene Feuer per Radellust wieder aufflackert! Wir werden obendrein so gut abgefüttert, daß selbst unsere Radlermagen staunen. Da? gute Abendeffen nebst süffigem Erbacher läßt den Sturz halb vergeßen, pumpt die Seele wieder straff von Hoffntmg; cs ist ein gutes Schmieröl der Ausdauer und eine Rück­trittbremse für schwächlichen Kleinmut. DaS Vertrauen auf die beste aller Welten kehrt schluckweise zurück. Spät nach Mitternacht erst krieche ich in§ Bett. Und ich flüstere vor

Pflanze an den Mauern emporklettert. In den Häusern selbst sinden ivir Pelargonien in reichhaltigem Sortiment (Haus 1 und 2), reichblühende Fuchsien in Haus 3, in Haus 4 stark entwickelte Blattbegouien; auffallend ist dort eine rankende Begonie mit groben hängenden Blütendolden von leuchtend karminroter Farbe und die eigenartige Gloriosa snperba, eine tropische Schlingpflanze. Haus 5 endlich beherbergt eine Menge reizender buntblättriger Warmhauspflanzen.

-ng- Langgöns, 5. August. Der Gesangverein Frohsinn hat bei seinem Gesangswettstreit rechnerisch gut so abgeschnitten, daß beschlossen wurde, einen Vereinsausflug nach dem Niederwald mit Rheinfahrt zu unternehmen.

r Eberstadt, 5. August. Nachdem vor einigen Wochen unser Gemeinderechner Bender gestorben ist, wurde nun Will). Löbrich IIL für diese Stelle verpflichtet. Auch wurde ihln die Kirchenkasse, sowie die Untererheberstelle für Eberstadt und Oberhörgern übertragen.

js Gambach, 5. August. Heute nachmittag gegen 2 Uhr ertönten hier die Sturmglocken. Es brannten die Scheuer und Stallungen des Schuhmachermeisters Konrad Bäcker nieder. Man vermutet, daß das Feuer durch Kinder angezündet worden ist.

p Aßlar a. d. L., 7. Aug. Unser Gastwirt Heinrich Zipp hat in seinem Hausgarten vollständig reife Weintrauben, eine Seltenheit in unserer Gegend, die doch gegen den Rhein ea. 14 Tage zurück ist.

[j Marburg, 6. Aug. Nachdem vorgestern anläßlich des 80. Stiftungsfestes und der Korpshaus-Ein- w e i h u n g der T e u t o n i a die Berge jenseits der Ketzerbach bengalisch beleuchtet worden waren, fand gestern im weiteren Verlauf der Festlichkeiten ein prunkboller Umzug durch die Stadt statt. In dem Zug waren mehrere Hundert alte Herren vertreten, die ältesten Semester fuhren in Vier­spännern. Für heute ist Faßpartie und für morgen Sonder­zugfahrt nach Biedenkopf vorgesehen.

[] Kirchhain, 6. Aug. Vorgestern abend wurde hier ein junger Bursche durch einen Schuß in den Unterleib verletzt. Nach dem Täter wird gefahndet.

Graf Pückler hat an den AmtSri cht er in Luckau, der seine Verhaftung veranlaßte, einen Brief gesandt, worin er zum Zweikampf auffordert. Die Forderung wurde natürlich nicht angenommen. Nachdem der Graf in daS Glogauer Gerichtsgefängnis cingehefert worden war, wurde der Termin in seiner Sache wegen Nötigung und Beleidigung des Wirtschaftsbeamten Pauli aus Schönau auf nächsten Donnerstag anberaumt. Bis dahin bleibt Graf Pückler in Haft.

* Unwetter. In der Nacht von Freitag auf Samstag zog über Lübeck und Umgebung ein schweres Gewitter, welches zahlreiche Blitzschäden verursachte. Unter anderem wurde daS 800 Jahre alte Herrenfährhaus, sowie auf dem städtischen Gute Erumesse ein ViehhauS mit 20 Ochsen ein­geäschert. Am SamStag abend ging über München ein wolkenbruchartiger Regen mit schwerem Hagelschlag nieder, welcher an Bäumen, Gärten, Fenstern und Dächern erheb­lichen Schaden anrichtete. Die Schloßen erreichten Wallnuß. grüße.

Brände. Die Fabrik von Friedrich Winkelmann in Schönebeck bei Barmen wurde vollständig eingeäschert. Die Feuerwehr mußte sich darauf beschränken, die benachbarten Gebäude zu schützen. Eine Feuerwehrleiter stürzte um, wo­durch zwei Feuerwehrleute verletzt wurden. Der Schaden ist beträchtlich. Ucber die Entstehungsursache des Brandes ist bisher nichts bekannt. Die Ortschaft Parajd (Sieben­bürgen) ist niedergebrannt. Mehrere Personen und Kinder kamen in den Flammen um. In Roveredo ist die Leder­fabrik Peter Cofler samt dem angrenzenden Wohnhaus ab­gebrannt. Der Schaden ist bedeutend. Auf dem Termini» bahnhofc zu Rom wütete ein verheerender Brand. Fast sänitliche Magazine und eine große Anzahl Waggons wurden vernichtet.

Selbstm örder. In Berlin hat sich ber Dr. med. Borch ert vom physiologischen Institut der Universität das Leben genommen, angeblich weil er nicht Privatdozent werden konnte. (?) In einem Anfalle von geistiger Um­nachtung erschoß sich mit einem Revolver in Deutsch- Neu dorf im Erzgebirge der Leutnant Süß vom 133. In­fanterie-Regiment. Seinen Vater, der ihn an dem Vor­haben verhindern wollte, verletzte er durch einen Schuß derart, daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte.

* Auch ein Zweikampf. In der spanischen Stad^ Malaga haben vier Stadträte, die nach einem heftigen Streit infolge von Meinungsverschiedenheiten sich ohne Erfolg ihre Zeugen geschickt hatten, in den Räumen des Kaus- mich hin:Gebt mir, o Götter, zu meiner gesunden Seele schleunigst einen gesunden Körper, und dann gebt mir nichts mehr. Ich habe genug! Vergeßt meiner, auf daß ich euer Geschenk in Ruhe genießen kann!"

Am anderen Morgen höre ich schon bald nach J/2 7 Uhr meinen Nadelgenoffen im Zimmer nebenan sich Morpheus' Armen entwinden. Ich selber habe nur wenig geschlafen. Nach einer Weile rapple ich mich auch heraus, und siehe da, ich ging ganz gut. Wir warten also den Besuch des ArzteS gar nicht ab, sondern nach schmackhaftem Frühstück wandern wir zu ihm. Staunend empfängt er mich, sieht nach, findet alles in bester Ordnung und entläßt mich mit der Erlaubnis, mäßig weiterzuradeln. Nachdem wir noch dem herrlichen großen Garten des Herrn Gundrum einen Besuch abgestattet haben, hebt mich der Hausknecht aiifs Rad und hinein gehts durch eine holperige Straße dem Marktplatz zu.

Die Fittiche alter deutscher Kultur umwehen unS. Wie ist es doch eng in den inneren Straßen unserer einst befestigten alten Städtchen! Die Herberge deö Mittelalters, zu Zeiten Philipps des Großmütigen, in der sich der Reisende nachts auf seinem Bund Stroh wohl nur mit seinem Mantel bedeckte, steht einem Hotel wie der AlsfelderKrone" ebenso fern wie etwa der D-Zug dem Gießener Omnibus ober der schweren Karaffe, in der die Damen des HoflagerS Kaiser OttoS I. gefahren sein mögen, um dem Reichstage zuzuschauen, der damals in Alsfeld abgehalten worden sein soll. Wir stellen unS ein farbenprächtiges, glänzendes Bild, etwa mit allem Makartschen oder Pilotyschen Klimbim, vor, wenn Otto auf seinem Kaiser­stuhl in aller seiner Majestät und Zierde saß, von den Großen seines Reiches umgeben, um den Reichstag abzuhalten ober

mannischen VeremS mit Revolvern auseinander ge­schossen. Einer wurde getötet, zwei sind schwer uev- rounbet.

Newyork, 6. Aug. Der tragikomische Gelbe Fieber- Konflikt zwischen Louisiana und Mississippi wird dadurch beendet werden, daß die Bundesregierung die Kontrolle über die Fieberregion übernimmt. Abermals wurden mehrere KorruptionSskandale in etlichen Großstädten aufgedeckt. In Milwaukee wurden allein 38 hervorragende Bürger unter Anklage gestellt, darunter ein deutsch-amerikanischer Millionär. Der Bürgermeister von Paterson ist wegen zahlloser Betrügereien flüchtig und wird steckbrieflich verfolgt.

Spielplmc der vereinigten Frankfurter Stadttheater.

LpcruhauS.

DienStag den 8. Auaust *):Fra Tiavolo." Mittwoch den 9. Auaust:DaS Schwalbennest. Donnerstag den 10. August: Aida." Freitag den 11. Auqust:Mignon." Samstag den 12. August:Othello." Sonntag den 13. August:Die Zauber­flöte." Montag den 14. August:Undine."

Schauspielhaus.

Dienstag den 8. Auaust:Der Prioatdozent." Mittwoch den 9. August:Telephon-Geheimnisse." Donnerstag den 10. August, abends halb 8 Uhr:Medea." Freitag den 11. August:Kyritz- Pyriy." Samstag den 12. August: Zum ersten Male:Die Brüder von St. Bernhard." Sonntag ben 13. Auaust, nachm. bald 4 Uhr: Alt-Frankfurt." Abends 7 Uhr:Tie Brüder von St. Bernhard."

) Anlang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

/Irv nterüewcqunq.

Dortmund, 5. Aug. Der Ausstand int Baugewerbe zieht die Kalk- u n d Z e m e n t i n d u st r i e sehr in Mitleiden - schal t. Tas Zcmentiyndikat soll im letzten Monat nur lüns v. H. seiner Produktion adgcsetzt haben. Der Verband der Kalkiverke ist im letzten Quartal gegen das vorjährige um säst 5000 Wagen zurück­gegangen. Ebenso schädigend wirkt der AuSstand auf die Z i g e l e i i n d u str i e ein.

B o ch u m, 6. Aug. Tie Sechserkommijsion der Bau­arbeiter wurde bei den Bauunternehmern des Bochumer Bezirks zwecks Anerkennung der neuen Forderungen vorstellig. Bis jetzt haben im Bochumer Bezirk 6 große Baufirmen den Tarif der Arbeitnehmer anerkannt. Wei'ere werden sich anschließen. Ter Arbeitaeberbund büßt im Bochumer Bezirk dadurch an Ein­fluß ein. (Vgl. auch die heutigePolit. Wochenschau".)

Essen a. d. Ruhr, 6. Slug. Tie hiesige Bauarbeiter- organisation richtete ein Schreiben an die Unternehmer, daß diese bis Montag mittag darüber entscheiden sollen, ob sie den erhöhten Stundenlohn zahlen wollen. Erfolgt eine ablehnende Antwort, so soll der G e n e r a l st r e i k proklamiert werden. (ixrf. Zig.)

Aachen, 5. Aug. Hier streike n heute ungefähr 450 In­stallateur- und Klempner gesellen wegen Lohndifscrenzen mit der Innung.

2 o n d o n , 5. Aug. Bei einer Versammlung selbstständiger D a u m w o l l f a b r i k a n t e n in M a n ch e st e r rviirbc der Be­schluß gelaßt, an sämtliche Mitglieder des Fabrikanten-Vcrbandes ein Zirkular auszusenden, in dem diesen dringend geraten wird, der Forderung der Baumwollarbeiter nach einer s ü n f v r o z e n t - i g c n Loh n - Erhöhung energischen W i d e r st a n d enlgegen- zusetzen. Tas Ein stellen der Arbeit würde, wie es in dem Zirkular heißt, in Anbetracht der Forderung der Angestellten einen immensen Nutzen bedeuten und möglicherweise dazu beitragen, die früheren normalen Verhältnisse wieder herzustellen. Bei einer andereii Versammliing von Baiimwollfabrikanten, tue dem Verbände nicht angehöreii niid bereu Lohnskala eine höhere ist, kam man zu dem Beschluß, die Löhne nm 5°/0 zu re­duzieren, wobei den Angestellten ein Monat Frist zur llcbcr- legimg gegeben werden soll. Ties dürste zur sicheren Folge haben, daß sämtliche B a u m w o l l a r b e i t e r in L a n e a s h i r e die Arbeit nieder legen. Ein schwere Krisis schciiit unvermeidlich.

London, 5. Aug. Tie B a il m w o l l a r b e i t e r in Lancnflnre sprachen sich einstimmig dafür aus, am 15. August in den Ausstand zu treten, falls nicht die Löhne nm 5 pEt. erhöht werden. Ter Aiisichuß des Verbandes der Baumwollsnimiercibesitzer beschloß den gauzeii Bauniivollhandel alifzuforden, sich znsammen- zuschließeit, um die Forderungen abzuweisen.

Eine Hungerkur bei Brechdurchfall, wie sie die Kinder er­leben müssen, wenn sie mir Tee oder Eiweißwasser befonunen, kann nicht günstig auf die Krankheit einwirken und macht das Kind nur noch schwächer. Rationeller ist eine Abkochung von Kilfeke's Kindermehl in Wasser, ivelche dem Kinde nid)t nur die nötige Flüssigkeitsmenge, sondern in derselben auch eine leicht ver­dauliche Nahrung znführt, die den Krankheitsstoffen einen schlechten Nährboden darbielet, dadurch die Gärimgsvorgänge im Tarmkanal unterdrückt und so direkt heilend iuirft. Dagegen bieten die Eiiveiß- flocken des Eiweißwassers den Bakterieii gerade einen guten Nähr­boden dar und können so die KrankheilSerfcheinnng eher steigern; außerdem werden sie von dem erkrankten Darmkanal schlecht mit­genommen und unverändert im Stuhlgang ausgeschieden. ss*/

Sommersprossen und Finnen °£esei£

Obermcycrs Herba-Seife Ist ein vortreffliches Waschmittel Regen Sommer­sprossen u. rinnen, sic hat eine jp-ossartlge Wirkung bei mir gezeigt.

Hochachtungsvoll J. Arpe in Quickborn.

Z. b. i. a. Apoth., Drog. u. Part. p. St 50 Pfg. u. 1 Mk. Obcrtneycr & Co., Hannu.

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auch mal etwa einen Ritter zu schlagen. Ein alter Ehrvnist aber berichtet von einem solchen Ritterschläge trocken, im Gegensatz zu solcher idealistischen Auffaffung:Den ritter heißt man den höllritter von der höllisch Hitz wegen, die hier ist, mitfammt dem Gestank."

Alsfelds uralte Architektur beschwört unabwendbar, un­abweisbar Rückblicke in die Vergangenheit heralif. Man muß der Geschichte, den Tragödien von Stadt und Land einen Tribut zollen, man mag wollen ober nicht. Gespenstisch steigen die Gestalten der Historie auf. Mancherlei Wirrnisse und Geschehnisse, vom großen Brande im Jahre 1318, von der glor­reichen Zeit der Reformation, die in Alsfeld 1522 am frühesten von allen hessischen Städten ihren Einzug hielt, von den Stürmen deS dreißig- und siebenjährigen Krieges bis zu der durch den guten alten Bürgermeister Ramspeck berühmt gewordenenunterirdisch sich selbst gebahnten Entschlüpfung deS 2 i e d e r b a ch S", werden angesichts der traulichen Häuschen lebendig.

Und vollends angesichts deS entzückenden Marktplatzes. Ein reizende? mittelalterliches Stadtbild. Freilich etwas düster, im Verhältnis etwa zu dem weit größeren und darum lichteren und durch sein palastartiges Rathaus doch imposan­teren Marktplatz von Rotenburg o. T. Mit seinen zwei schlanken Erkertürmchen, seiner stattlichen offenen Halle seinem massigen Gestein unten und dem schmucken Fachwerk oben möchte man daS Alsfelder RathauS am liebsten in eine Schachtel packen und mitnehmen, um sich täglich an seinem Anblick aufs neue erfreuen zu können.

(Schluß folgt.)