Ausgabe 
5.7.1905 Drittes Blatt
 
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155» Jahrgang

Nr. 155 Drittes Blatt.

Erscheint Q$fl(6 mtl vu-nahme bei Sonntag».

Die6te&etiet Fmnilienblätter- werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt. Der ^ejfljchs Lallvwttt- erscheint monatlich einmal

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Mittwoch 5. Juli 1905

RotaNonSdruct «mb ® erlag der Brühl Ich«, UntDerßtätSbrudereL UL Lange, Dietza^

Redaktion, Txvedttion u. Druckerei Schulstr. K,

Del ölt. öL Xelegt^ttbt. < Vn-etga Guitz«,

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt fit den Kreis Eichen.

| in hübscher Ausstattung vorliegendeDichterbuch deutscher Stu­denten" gibt und darin offenbart sich sein besonderer Nerz

Prorrßmme frei.

Die Hiberuia-Afsare

geht, fote uns heute das D. B. Herold meldet, ihrer Beilegung entgegen, bekanntlich hatte sich eine eigene Gesellschaft mit be­schränkter Haftung gebildet, um die Aktien der Bergwerksgesell- schast Hibernia festzuhalten, ohne die die Regierung nur über eine Minderheit in der Verwaltung des Bergwerks verfügt. ES regt sich nun in den Kreisen des Syndikats (das hauptsächlich an dem Trotztrust beteiligt war. D. Red.) die Neigung, Frieden mit der Regierung in der Hibernia-Frage zu schließen und ihr die übrigen H ibernia-Aktien zu überlassen. Das Syndikat will dies davon abhängig machen, daß die Re g ieru n g dem Syndikat beitritt. Dagegen hatte sich die Regierung eine Zeit lang gesträubt. Wie nun verlautet, ist der Handelsl- minister Möller bereit, seinen Wider st and gegen den Eintritt in das Syndikat auf zu geben. Darnach darf angenommen werden, daß der Hibernia-Konflikt demnächst beigelegt.wird, wenn auch formelle Verhandlungen darüber bisher noch nicht geftihrt worden sind.

Svort.

R. B. Darmstadt, 2. Juli. Bei dem großen Dauern Rennen auf der Radrennbahn an der Heidelbergerstraße wurde im 1. Dauerelmnen mit Motorführung (Geldpreise -w 600, 400, 200 MarU Philipp Eckhard-Mainz erster, der Neger 93en* dredi aus Kairo zweiter und Kögel-Karlsruhe dritter.l Im 2. Motorfahren für noch nicht preisgekrönte Fahrer starteten nur zwei. Friß A l l g a Yer-Darmstadt wurde erster, K. Lov- ri ck-Darmstadt stürzte. Im 3. Motorfahren, offen für alle Rennen, wurde Fritz Allaaver erster, Haller-Darmstadt 'weiter. Gi l d e m e y e r-Düsseldorf stürzte. Im. 4. Motors fahren, für die Schrsttsahrer, siegte Haller-Darmstadt über Jakob Vogel-Mainz, der zweiter wurde. Amelung-Karls* ruhe stürzte und mußte ausscheiden. Die Unfälle waren nicht schwerer Natur.

Automobil-Rennen in Frankfurt. Wie unS mitgcteilt wird, finden am 27. August auf der Rennbahn in ^rankfnrt a M. am Dberforsthaus Automobil- und Motorzweirad- Renn"n statt verbunden mit einem Vraiss'.cherheitsfahren mit Hin­dernissen ^GvmkbanaX Weiterhin bat der Frankfurter Automobil- Klub ein Verlosunas Rennen für vollkommen neue Tourenwagen im Wer'e von 9000 Mark eingelegt. Zum letzten großen Rennen für schwere Rennwagen, das sogen. Saalburg-Rennen, hat der Arankfur'"'' A"tom''b'.lftub einen Ehrenpreis im Werte von 150Q Mark aeüiftet._________________________ _

AusweHcauf!

Wegen Verlegung meines Geschäftes von Neustadt ist nach Marktplatz 11 verkaufe ich sämtliche Waren bestehend in

Urei-, Sold- und Silberwaren

zu bedeutend herabgesetzten Preisen. 2962

I. Amick, Fumlicr nah Uhrülcher.

des Prinzen Albrecht von Preußen: Prinz Friedrich Heinrich feiert am 15. d. M. seinen 31. Geburtstag. Prinz Friedrich Wilhelm drei Tage vorher seinen 25. Ge­burtstag.

DieNorddeutsche" schreibt: Zeitungsnachrichten zufolge hat sich in weiten .Kreisen die Memnng verbreitet, daß 'seitens der Schulbehörden mit Rücksicht auf die in Oberschlesien herrschende Ge n i ckst a rr e e v i d em i e der Besuch der schlesischen Bäder für bedenklich gehalten werde. Demgegenüber kann festgestellt werden, daß weder seitens des Kultusministers, noch seitens des Pro- vinzialschnlkolleginms eine Warnung vor dem Besuch ge­nannter Bäder ergangen ist. Auch ist erfreulicherweise ein merklicher Rückgang der Epidemie zu verzeichnen. Zm Riefengebirge sind übrigens während der ganzen Zeit der Epidemie Fälle von Gmickstarro nicht ftstgestellt worden.

Zu einer Studienreise nach Kamerun und Togo sollen acht Reichstags ab geordnete einge­laden werden. Es wird auf die Teilnahme von Mitgliedern der Budgetkommission gerechnet. Die Reise gilt hauptsäch­lich der Besichtigung des Plantagenbetriebs und der fertig gestellten Eisenbahn sowie der Prüfung des in Aussicht genommenen Bahnproscktes in Kamerun.

I a u r ö s wird wohl auf seine Rcisenach Berlin verzichten müssen. Wie eine diesige Korrespondmz hört, wird ihm ein öffentliches Auftreten und irgendwelche poli­tische Betätigung in Berlin nicht gestattet werden.

München, 4. Juli. Gestern fand im Ministerium des Aeußern eine eingehende Verhandlung zwischen den Ver­tretern der Metallindustrielseu und den Vertretern der Me­tallarbeiter statt. Zum nächsten Mittwoch vormittag ist die Einberufung von Metallarbeiterversammlungen in München, Nürnberg und 2'u-gsbueg in Aussicht genommen, in denen zu den heute getroffenen Vereinbarungen Stellung genommen werden soll.

Kleines Ieuisseton.

Frankfurter Schauspielhaus. Die hiesige Erst­aufführung von Wi11enbauer'sPrivatdozent" hat dem recht altmodischen Tendenzstück trotz all seiner durchsichtiger und schwerfälligen Handlung, trotz seiner antiquierten oberflächlichen Charakterzeichnung einen recht lauten Erfolg gebracht. Das Publikum kann sich eben noch immer für den narven Gegensatz zwischen den edelmuttriefenden Theaterhelden und schablonen­mäßigen Bösewichtern begeistern, dem ja übrigens dies Mal ein paar recht wirksame Bonmots und ganz humorvolle Einzel­heiten zur Seite stehen. Auch die Darstellung hat viel zu der günstigen Ausnahme beigetragen, voran die Herren Bauer und Diegelmann, die typische Gestalten schufen. In kleineren Rollen zeichneten sich die Herren Bolz, Auerbach und M ar- litz aus. Die Damenrollen, von Frl. Lange, Sangora, Jrmen usw. vertreten, sind wenig dankbar. Da sich unsere vortreffliche Sentimentale Fräulein Pollner verheiratet, weck weg nach Schanghai, und unser Heldenvater Herr Pf et l nad) Stuttgart geht, stand im übrigen die vergangene Woche unter dem Einfluß der Ersatzgastspiele. Beide Künstler, die sich vorstellten, würden aber einen vollwertigen Ersatz nicht bieten. Warum also die Namen nennen. Warten wir weitere Gäste <rt>. Uebrigens übernimmt Fräulein Rabitow, die zum Herbst enga­giert ist, einen Teil der Pollnerschen Rollen. Fräulein Rabitow war eine Zierde des Münchener Hofschauspiels; in ihr gewinnt unser Ensemble sicher sehr viel.

Dichterbuch deutsch erStudenten. Im Schiller­jahr 1905 herausgegeben von der Akademischen Freien Literari­schen Vereinigung in Göttingen. Quartformat. 184 Seiten^ Eleg. karwn. mit dreifarbiger Umschlagseichnung von Wilhelm Schulz. 2 Mk. Verlag von Sbvecker und Schröder in Stuttgart. = Das

Voliülche Tagesschau

Die badische Zigarren-Jndustrie

pie ihre eigentliche Begründung in Mannheim fand, tft ebenso wie die Lahrer Schnupftabakindustrie schon von hohem Alter. Welchen kolossalen Aufschwung sie in den letzten sieben Jahrzehnten genommen hat, zeigen uns folgende Zahlen: Im Jahre 1834 gab es in Baden erst 24 Zigarrenfabriken mit 510 Arbeitern, 1842: 28 Fabriken mit 614 Arbeitern; 1861 aber hatten sich diese Zahlen bereits versechsfacht. 1874 zählte man 232 Fabriken mit 11749 Arbeitern, und 1903: 7 40 Fabriken mit 34 626 Arbeitern. 1904 war die Zahl der Betriebe merkwürdigerweise wieder um 11, die der Arbeiter um 900 zurückgegangen. Die Industrie verteilte sich in dem letzten Jahre auf 36 (1889 erst noch 22'' Amtsbezirke, unter denen Bruchsal und Wiesloch die Haupizablen stellten; ersteres zählte nämlich 127 Betriebe und 5957 Arbeiter, letzteres 5058 Arbeiter. Die Industrie drängt sich hier in einem Komplex zusammen mit teilweise überaus hohem Prozentsatz der Bevölkerung, in Wiesloch z. B. betrug die Zahl der Zigarrenarbeiter mehr als ein Fünftel der ganzen Bevölkerung. Ein anderer Komplex schließt die Amts­bezirke Ettenheim (mit fast 13 Proz.), Lahr, Emmen­dingen und Offenburg ein. Zurückgegangen, jedoch in un­erheblichem Maße, ist die Arbeiterzahl nur in den Bezirken Konstanz, Rastatt und Eberbach. Die Zusammen­setzung der Arbeiterschaft hat sich seit 1889 insofern ganz beträchtlich verschoben, als die Zahl der jugendlichen Arbeiter und der Arbeiterinnen his heute die gleiche geblieben ist. Da die Zigarrenarbciter in erschrecken­der Weise der Lungentuberkulose unterworfen sind, ja nach den gemachten Wahrnehmungen die Sterblich­keit an Lungentuberkulose mit der Ausbreitung der Zi- garrenindustr'ie steigt, wozu namentlich die anhaltend sitzende Tätigkeit, die schlechte Körperhaltung und das Ein­atmen von Tabakstaub mitwirken kann diese Entwicklung, die der bestehenden Gesetzgebung und der Art ihrer Durch­führung zu danken ist, nur mit Genugtuung erfüllen. Während die badischen Betriebe nur 3,7 Proz. der im Reiche insgesamt vorhandenen Tabakindustrie dar­stellten, belief sich die Zahl der badischen Tabakarbeiter auf 18,7 Proz. der im Reiche beschäftigten. Die badischen Großbetriebe repräsentieren 26,6 Proz., die in diesen Betrieben beschäftigten Personen 25,7 Proz. der Reichs­zahlen. Ein Durchschnittsbetrieb beschäftigt im Reich 7,9 Personen, in Baden 40. Von der Gesamtzahl der Betriebe waren im Reich 3,8 Proz., in Baden 27,2 Proz. Großbetriebe. Und ebenso wie die Tabakindustrie nimmt auch der Tabakbau Badens einen hervorragenden Platz im Reiche ein; im Jähre 1901 kamen von dem Gcsamt-Tabak- erntewerte. des Reiches 45,8 Proz. allein auf Baden.

* Kleine Tageschronik. Auf einer Reise von Frankfurt a. M. nach H a mbu r q wurde einer Dame eine Handtasche mit Scbmucksaeben im Werte von 50000 Mark ge­lob len. Eine inn^ Fran ans Olbersdorf (Kgr. Sachsens warf sich vor den Görlitzer Zug und wurde völlig zermalmt. Der Grund zu der Tat sind unglückliche Familienverhältnisse. Fn Ström st adt (Schweden'» wurden zwei heftige Erd« erschültemngen verspürt. Im S^lzsckiacht 7 zu PoIni sch- O st r a u erstickten mehrere Arbeiter durch Ausströmen giftiger Gase. Bis Nachmüt'g w^ren n e u n T o t e und ein Betäubter ge- borgen. Einige Tote dürften sich noch in der Grube befinden.] Vom Nntersberg bei Salzburg ist der Vabnbeamte Alfred Vetren abgestür't. Die Leiche wurde von Touristen auf- aeü'uden.

^Landwirtschaft.

Die Geflügel-Abteilung auf der landwirt« schaftlichen Landes- und Jubiläums-Ausstell­ung zu Mainz vom 14. bis 18. September 1905 zerfällt, so schreibt uns der hcss. Landwirtschaftsrat, in zwei Teile: 1. Land­wirtschaftliches Nu'geMgel und 2. And.'res Geflügel. Die Aus- ^'ellimg des landwirtschaftlichen Nutzgeflügels wird von dem Hess. Landwirtschaftsrat als der AuSstellungsleftung veranstaltet. (Sbenfo werden die zu vergebenden Preise durch das Ausstellungsunter­nehmen aufgebracht. Es sind filr diesen Teil der Geflügel-Aus­stellung die Ausstellung von Nutz-Hübnem, Gänsen und Enten, vorgesehen, die wiederum in 17, 4 bezw. 5 Klassen zerfallen. Die Ausstellung des anderen Teils der Geflügelabteilung (an­deres Geflügel) wird von den Fachorganisationen (Provinzial­verbänden der Geflügelzuchtvereine'' veranstaltet. Die zu ver­gebenden Preise werden von den beteiligten Körperschaften auf­gebracht, sowie aus den eingehenden Standgeldern entnommen. Es kann in diesem Teil Nasse- und Ziergeflügel, Hühner, Enten, Gänse und Tauben ausgestellt werden und zwar in 58 Klassen. Der Anmeldeschlußtermin ist auf den 15. August festgesetzt. Die zur Anmeldung erforderlichen Anmeldebogen sind durch den Hesft Landwirtschaitsr^t. Darmstadt. B'smarckstraste 78, zu beziehen. i

* Eine Bestie von Mutter. Der Selbstmord eines kleinen Mädchens, der 11 jährigen Hilma Otto, erregt in Erfurt großes Aufsehen. Der Vater, ein verwitweter Handelsmann, der sich viel auf Reisen befand, hatte für seinen Haushalt eine Wirtschafterin angenommen, die an dem Kinde Mutterstelle vertreten sollte. Das unmenschliche Weib mißhandelte aber das ihrer Obhut anvertraute Mädchen in der entsetzlichsten Weise und drohte sogar, sie werde ihm den Hals abschneiden. Das Kind war infolge der fort­gesetzten Drangsalierungen verbittert und lebensüberdrüssig geworden. Schließlich ging die Aermste in ihrer Verzweif­lung, nachdem sie Nachbarn gegenüber geäußert hatte, sie könne es nicht mehr aushalten, ins Wasser und konnte nur als Leiche geborgen werden.

*Ein böses Weib. Wegen Körperverletzung mit tötlichem Ausgange ist die Witwe des Reisenden Wenzel in Berlin verhaftet worden. Frau Wenzel begoß vor acht Tagen ihren Mann, der betrunken nach Hause gekommen und sich nach einem Eifersuchtsstreit mit ihr ins Bett gelegt hatte, unter der Decke mit Karbol und ver­letzte ihn so schwer, daß er im Krankenhause starb. Nach­dem der Zusammenhang zwischen den Verletzungen und dem Tode festgestellt ist, wurde die Frau in Haft genommen. Sie ist jetzt sehr zerknirscht und beteuert immer wieder, daß sie ihrem Manne nur einen Denkzettel habe geben wollen Daß ihr Beginnen so schwere Folgen haben könnte, habe sie nie gedacht.

* Die Purzelbäume des Königs Alfonso. Aus London wird berichtet: Der jüngst hier anwesende jugendliche König von Spanien ließ es sich, wie man nach­träglich erfährt, nicht nehmen, sich vor der Königin Alexandra als Akrobat zu produzieren. Als nämlich die Königin von England nach dem Hofballe zu Ehren des Königs Alfonso sich in Begleitung ihrer Obersthofmeisterin in ihr Schlaf­gemach begeben wollte, begegnete sie vor diesem auf dem Korridor dem 19jährigen, in der heitersten Stimmung be- sindlichen König Alfonso, zu dessen Schlafsaal der gleiche Gang sührte. Der junge Monarch wünschte der Königin zuerst gute Nacht, dann aber fragte er sie unerwartet, ob sie sehen wolle, ein wie gewandter Akrobat er sei. Lächelnd stimmte die Königin zu und im Nu hatte König Alfonso den ganzen langen Korridor entlang nach vorwärts und rückwärts eine Reihe von Purzelbäumen geschlagen, die jedem berufsmäßigen Zirkusartisten zur Ehre gereicht hätten. (?)

ein Gesamtbild des studentischen Geistes -und Ge­fühlslebens. Deshalb wird man aber die Möglichkeit ab­weisen müssen, die dichterischen Fähigkeiten der einzelnen Bet- träger in eine festes und klares Urteil zu fassen. Es spricht für den fortschrittlichen Geist der Herausgeber, daß die studieren­den Damen nicht ausgeschlossen wurden und daß ein streng persönlicher Geschmack sich nirgendwo verrät, um das gewonnene Gesamtbild anschaulich vorzuführen, haben die Her­ausgeber nicht nach Dichtern, sondern nach dem Inhalt geordnet. Die Folge der Ideen ist folgende: Lenz und Liebe, Jugend und Studentisches, Lieder im VoW- und Balladcntone, Skizzen und Olenrebilder, Stimmungen und Träume, Sommer und Sehnsucht, Herbst und Melancholie. Den Grundton des Ganzen bildet em unbestimmtes Sehnen und Ringen, das die persönliche Eigenart nut den Problemen unserer Zeit in Einklang zu bringen und neue Ideale zu erobern sucht, ein Ziel, das für cm geübtes Auge nicht schwer erkennbar ist. Besonders gut geraten und charakteristische Stücke im Gesamtbilde sind vielleicht: Schrong- hammer, Im Felde; Käegi, zog em Bursch. . .; Pfeffer, Mn Traum; Sarsen, Sehnsucht. Auch Neurath,, der Her­ausgeber des Gießener Musenalmanachs, ist als einziger Hesse mit ein paar ansprechenden lyrischen Kleinigkeiten verttcten. Wir wünschen dieser eigenartigen, dem Andenken F-rtedrich Schillers gewidmeten Neuerscheinung weiteste Verbreitung. ~ .

_Hermann Sudermanns neues Stück ,/S t e t n unter Steine n", ein Schauspiel in vier Akten, wird im Oktober im Lessing-Tbeater in Berlin in Szene gehen.

Paris 4 Juli. Die Akademie der Wissenschaften ernannte den bekannten Radiumfvrscher Currte zum Mitglied.

Deutsches Resch.

Berlin, 4. Juli. Kein Monat bringt dem deutschen Kaiserhause soviel Geburtstage wie der Juli. Drei Söhne des Kaisers feiern ihreit Geburtstag, Prinz Eitel Fritz, der am 7. Juli 1883, Prinz Adalbert, der am 14. Juli 1884 und Prinz O s k a r, der am 27. Juli 1888 geboren wurde. Ferner eine Schwester und eine Schwä­gerin des Kaisers, Erbprinzessin Char 1 o tt e von Sachsen- Meiningen legt am 24. JUli tfyt 45. Lebensjahr zurück, Frau Prinzeß Heinrich von Preußen, die Schwester des hessischen Großherzogs, am 11. Jckli ihr 39. Die Konsine des Kaisers, die durch ihre Vermählung mit beut Herzog von Connaught zugleich seine Tante wurde, die einzig noch lebende Schwester des Prinzen Friedrich Leopold, wird am 25. Juli 45 Jahre alt. Dazu kommen noch zwei Söhne

Hcrichlsjaal.

(n.) Gießen, 4. Juli. Die Strafkammer verurteilte heute den Dieustknecht Kaspar K. aus Queckborn wegen Dieb- st a h l s int Rückfall zu 7 Jahren Zuchthaus und 600 Mk. Geldstrafe und erklärte ihn der bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre für verlustig. K. der seit dem Jahre 1890 etwa zwölf Jahre Zuchthaus verbüßt hat, erschien am 5. Febr. d. I. bei dem Gastwirt Dörr zu Appenrod ohne jegliche Barmittel und machte eine Zeche von 4 Mk. Als er zum Zahlen aufgefordert wurde, vertröstete er Dörr auf den demnächst einzunehmendeN Ackerpachtzins, worauf ihm gestundet wurde. In Wirklichkeit hatte er aber weder Zinsen zu hoffen, noch 'hatte er die Llbsicht, ie einmal seine Zeche zu begleichen. Am 10. Febr. bestimmte er die Frau Dörr zur Hingabe eines Darlehns von 3 Mark, indem! er sie ebenfalls auf den Pachtzins vertröstete. Er bestimmte die Frau insbesondere dadurch, baß er eine Postkarte an seine in! Ettingshausen wohnende Schwester schrieb, in welcher er sie er­suchte, neben den Zinsen noch etwa 50 bis 60 Mark zu schicken. Bei dem Schuhwareuhändler Lamm zu Ober-Gleen erschwindelte er sich unter den gleichen Umstanden Sckmhe und Gamaschen. Am 21. Febr. kam er zu dem Landwirt Liehr in Kirtorf und be­stimmte ihn zur Hingabe eines Darlebns von 20 Mark. Er gab an, seinen Koffer, in dem sich 120 Mk. befänden, liege an dev Eisenbahn, er müsse etwa 12 Mk. haben, um ihn auszulösen. Hierbei spielte er sich als wohlhabender Mann auf, der auf der Bnübackier Sparkasse 400 'Mark und bei seiner Schwester irt Ettingshausen 1100 Mk. stehen habe. In allen Fällen wußte sich als sehr chaubwürdig hinzustellen. Anstandslos gab ihm! Liehr. da er fein Kleingeld hatt, ein 20 Markstück, das er dankend annahm und sofort in einem Nachbarorte verjubelte. Selbsb-, verständlich war die Sache mit dem Koffer cm der Bahn ein Märchen. Das Gericht sah sich veranlaßt, den unverbesserlichen Schwindler auf längere Zeit unschädlich zu machen. Der Färber Benno P. aus Pollnow hat gegen ein Urteil des Amtsgerichts, Butzbach Berufung erhoben. Er wurde in Pohl-Göns bet­telnd getroffen und, da er sehr häufig, auch insbesondere wegen Landstreicherei, bestraft ist, zu 10 Tagen Hast, nach deren Verbüßung er dem Arbeitshaus Überwiesen werden soll, verurteilt. Wie in den meisten Berufungen der Bettler, fa hat auch hier der Angeklagte das Urteil nur wegen der Ueber- lüeifung in das Arbeitshaus angefochten. Er bat, ihn diesmal noch mit dem Arbeitshaus zu verschonen, da er schon einmal sehr schlechte Erfahrungen darin gemacht hat. Das Gericht hielt aber das Arbeitshaus als das beste Mittel gegen die Landstreichern und bestätigte das erstinstanzliche UrteiL _______

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