Samstag 4. November 1905
General-Anzeiger, Amts- und AnzetzMatL str den Kreis Giehen
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In Erwiderung auf die erl. Warnung von A. F
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Redaktion, Expedition u. Druckereii SchulNr.T. Tel. Nr. 51. Te1egr.-Sldr.: Anzeiger (Bicfsau
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„iperbftabeub" etwas enttäuscht. Tie darin wiedergcgcbene Stimmung erscheint mir zu gezwungen. Trei Bilder, an deren schlichter natürlicher Malweise man seine Freude haben kann, hat R. Kaiser-München zur Ausstellung geschickt; zwei davon stellen Landschaften am Ammersee vor und das dritte eine Baumgruppe. Es sind naturwahre farbenfrohe Bilder, geschaut mit echten Künstleraugen und gemalt von echter Künstlerhand. Adolf S ch l a b i tz-Berlin gibt in mehreren größeren Bildern Alpenlandschaften, die ein liebevolles Eindringen des Künstlers in die hehre Hochgebirgswelt erkennen lassen, so vor allem „Karersee und Laternsertal" und „Reiterjoch im Eggertal". Auch die übrigen Talbilder aus Tirol erscheinen recht gelungen. Schladitz hat auch eine Anzahl recht hübscher Genrebilder ausgestellt, die die gute, flotte Malweise des Künstlers erkennen lassen, sich aber fast durchweg in alten ausgetretenen Bahnen bewegen. Einige davon erinnern direkt an alte Bekannte aus den Turchschnitts- familienblättern der „guten" alten Zeit. Am besten gefiel mir nod) „Lustige Gesellschaft" und das humorvolle „Maßvoll". Hübsche sarbenfrische Stimmungsbilder stellt P. P. Meller-Werlau aus Godesberg aus, in denen er die eigentümlichen Farbenreize der Eifellandschaft und ihrer benachbarten Flußtäler recht geschickt wiederzugeben weiß. Eduard Taelens (Düsseldorf) Stärke ift gleichfalls die Landschaft und auch die nackten Göttergestalten, die er in einigen seiner Bilder sehen Läßt, scheinen hauptsächlich dazu bestimmt, den ziemlich alltäglichen Landschaflsmotiven er-
Gcmälde-Ausstcllung im Turmhaus am Brand.
Gießen, 4. Nov.
Tie Ausstellung ist nunmehr nach den Sommerfcrien seit einigen Tagen wieder regelmäßig geöffnet. Die erste zur Ausstellung gelangte Serie ist recht reichhaltig und beachtenswert, wenn auch von recht ungleichmäßigem Wert. Landschaftsbilder sind vorwiegend vorhanden und unter ihnen recht Sehenswertes. Bor allem fällt die umfangreiche Kollektion von Heirnüch Rath in Berlin auf, die 9 Oelgemälde, sowie eine größere Anzahl von Lithographien und Zeichnungen umfaßt. Rath holt seine Motive fast ausschließlich aus dem Norden und von der See und seine Malweise erinnert unwillkürlich in etwas an Böcklin. Tas fällt am meisten auf bei den drei größeren Gemälden „Eindrücke aus Island", die mit meisterhafter Technik gemalt, die ernste, einsame und schweigende Natur des nordischen Eilands plastisch vor die Seele treten lassen. Ihnen am ähnlichsten, namentlich auch in der vollen düsteren Farbenstimmung ist „Sommernacht bet der Insel Bornholm", und auch die übrigen recht beachtenswerten Gemälde „Uhlenhorst, „Abend im Hamburger Hafen", „Eine .Hasenstraße", „Ein stiller Winkel im Hafen" und „Rosen und Birken" tragen bei aller Realistik etwas von Böcklins erhabener Kunst in sich. Ein anderer vielgenannter Künstler der Böcklinschen Art ist Michael R ü d i s s ü h l i von Basel, doch haben mich seine beiden ausgestellten Bilder „Herbststimmung" und
«englischen Bündnisses bartun, als die bessere Methode bewährt. Wer freundliche Worte mit Mißtrauen ausnimmt, mit dem muß man deutlich sprechen. Doch es tritt noch ein anderes Moment hinzu. Und das ist, daß zwar die französische Bevölkerung die Aufrechterhaltung des Friedens wünscht, daß aber innerhalb deS französische Kabinetts die Friedenspolitik eine, soweit erkennbar, zuverlässige Stütze nur in Nouvier hat. Nur in Nouvier, das will wohl beachtet sein. Es braucht nur ein anderer, minder besonnener Mann die Leitung der Geschäfte zu übernehmen, so kann die Richtung Del' eassö mit einem Schlage wieder die Herrschaft gewinnen. Um das zu verhüten, ein Ereignis, besten nächste Folge allerdings die
Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'sch« Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.
Die „(SkfoentT Lamllienblätter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegL Der Landwirt" erscheint monatlich einmal.
französisch-englische Alliance sein würde, bedarf eS notwendig eines gewisten Druckes. Nur die Kriegsfurcht in Frankreich hat Delcasts hinweagefegt, und nur Furcht vor einer konsequenten, vorerst noch sehr vermißten Entschlossenheit Deutschlands kann daS Wtedcrerflaikcn seiner Be- ftrebungen verhindern.
wie erstens der Sturz Delcasss's, zweitens Vereitelung eines förmlichen französisch-
be§ etwa? kräftigeren Auftretens hat
Mit welchem Erfolg, zur Genüge bekannt.
Mama: .Aber
sonder Zahl gegeben worden.
ich bekannt, daß ich überhaupt auf seinen Namen noch nicht geborgt habe und nicht borgen werde, da ich diejenige bin, die niv ihn schon genug Schulden bezahlt hat. Frau S. F. . . . geb. 2...." Diese beiden Inserate standbn kürzlich in einer Dresdener Zeitung unter einander. Sie erregten große Heiterkeit. Allein die Cache hat auch ihre ernste Seite. Der Mann setzt nach allgemeiner Aiiffastung die Frau öffentlich inS Unrecht; aber rechtlich ist diese Ansicht nicht haltbar. Das Reichsgericht hat entgegen einer Entscheidung des O.-L.-G. Colmar ausgesprochen, daß die Frau keinen rechtlichen Anspruch auf Widerruf einer solchen Bekanntmachung gegen den Mann bat. Tie Klägerin hatte behauptet, daß sie durch das ZeitungS-Jnserat in den Ruf einer Verschwenderin gebracht worden sei, daß es eine Beleidigung enthalte, daß es ihren Kredit schädige und deshalb öffentlichen Widerruf verlange. Allein der Mann hatte nur bekannt gemacht, daß er „für Schulden seiner Frau in keiner Weise auffommc", im wesentlichen also nur gesagt, daß seiner Frau die Befugnis entzogen sein solle, nach § 1357 I. B. G. B. das Hauswesen zu führen und die dafür erforderlichen Ausgaben
Tie Behandlung Frankreichs.
Don mehreren Seiten wird unserer Diplomatie zum Vorwurf gemacht, daß die Behandlung Frankreichs nnziveck- iviäßig sei. Gibt man auch zu, daß, wie jetzt die Situation iwont Frühjahr klar erkannt ist, dem zum Kriege treibenden Teleasss gegenüber ein scharfes Verfahren angezeigt war, so versteht man nicht, warum auch dann, als der französische l'iinii'ler des Auswärtigen vom Kabinett preisgegeben mar, !ner Ton der Energie beibehalten wurde. Dadurch habe sich :n Frankreich in weiten Kreisen die Meinung sestsetzen können, die deiitsche Politik steuere unter allen Umüänbcn auf (inen Konflikt hin, der nur durch die Waffen zu lösen ist. Durch diese »Gewaltkur* werde Frankreich, toaS doch durch die Opferung TclcasiHs einen so starken Beweis seiner Friedensliebe gegeben habe, ohne Rot verstimmt, l,a, an die Seite Engla nds gedrängt.
Diese Austastiing hat auf den ersten Blick manches für sich. Die gleiche Meinung war schon oft in Pariser Zeitungen l,u lesen. Warum nur, heißt eS, ist Deutschland in der Marolkosrage so hartnäckig und halsstarrig geblieben? Warum nur bestand eS in der Hauptsache auf seinen Forderungen? Deutschland will Frankreichs Herz gewinnen. Dazu sei nimmer* «mehr daS geeignete Mittel eine barsche Behandlung usw. In lder Politik hat die sentenziöse Weisheit wenig Raum, in der internationalen Politik vollends kümmert sich niemand um Megungen des Gemüts. Es kommt auf die Nützlichkeit der Politik an, nicht auf die Größe ihres sittlichen Wertes. Be- nveise friedfertigster Gesinnung und liebenswürdigster Höflichkeit sind der französischen Republik von Deutschland
Mißerfolg, ist
PcrmiicbteSe
Warnun gl
„Warne hiermit jedermann, meiner Frau S. F. . . . geb. 3.....auf meinen Namen etwas zu borgen, da ich in keiner
Weise auffomme. Alfred F . . . /
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Ter Kampf um die Schule in Preussen.
R. Berlin, 1. Nov.
Die „Kreuzztg." konnte schon vor einiger Zeit mitteilen daß der SchulunterhaltungSgesetzentwurf für Preußen trotz der Reichssinanzreform und der Flottenvorlage nicht vertagt werden soll. Heute erfährt das konservative Blatt, der Entwurf werde dem voraussichtlich am 21. ds. zusammentretenden Landtage wahrscheinlich sofort zugehen. Auch erfährt die „K'reuzztg.", daß die Regierungsvorlage sich in der Hauptsache innerhalb der Grenzen des Schulkompromisses Hilten werde. Nun, das war ja zu erwarten, denn bequemer konnte es der Negierung nicht gemacht werden, als ihr durch Aufslellung eines Pro- gr-nims, mit der konfessionellen Schule als Mittelpunkt, eine Mehrheit für das Gesetz genüfsermaßen zu garantieren. Daß die Nationalliberalen sich diesem 'Kompromiß anschlossen, ist und bleibt des Bedauerliche. Hätten sie gleich entschieden widersprochen, so würde die Negierung doch wohl Bedenken getragen haben, über den Protest der gesamten Linken sich hinwegzusetzen. Jetzt aber können die Nationalliberalen kaum zurück, auch toeim einen großen Teil von ihnen die Vereinbarung reut. Tie Tragweite der Zustimmung zu den konservativen und sreikonservetiven Volksschul-Grundsätzen mußte eben vorher ermessen werden.
auf feine Rechnung zu machen. Dazu war er nach § 1356, II, c. 1. berechtigt; die Frau halte allein das Recht, beim Vormundschaftsgericht sich dagegen zu beschweren. Widerruf im Zwilprozeste zu erzwingen, ist unzulässig. Ueb* rigens würde durch solchen Widerruf der Mann in dieselbe Situation geraten. Ihm würde daS Bekenntnis der Lüge zugemiitet werden, das um so beschämenden wirken müßte, als es öffentlich erfolgen würde. Gegen solches Inserat kann sich die Fran nur durch Privatklage schützen. Aber auch bann erzielt sie eine Wirkung nur, wenn das Inserat in der Form eine Beleidigung enthält; denn an sich hat der Mann das Recht, eine solche Bekanntmachung zu erlassen und die Schlüstelgewalt nach § 1357 II B.-G.-B. der Frau zu entziehen. Wenn allo, wie vorliegenden Falls, auch in der Form keine Beleidigung zu finden ist, kann die Frau gar nichts anderes machen, als ebenfalls inserieren. Natürlich muß sie sich in Acht nehmen, Unwahres zu behaupten oder ein in der Form beleidigendes Inserat zu erlösten, sonst kann sie der Mann seinerseits wegen Beleidigung verklagen unb bas wirb er wohl tun, wenn, wie in bem obigen Inserat, die Frau behauptet, daß sie für ihn habe Schulden bezahlen müssen und wenn daS nicht wahr ist.
* Gin hoffnungsvoller Engel. Hulda: »Heute habe ich mich über Rudolf so geägert, daß ich Handgreif-
ynlitifriie Tagesschau.
Reporterphantasten vom Zaren.
Eine Berliner ZeitungSkorrespondenz versendet folgenden „Hochinterestanten, sensationellen, welterschütternben" Bericht: Der Zar soll in dem HoszugdesPrinzen Friedrich Leopold nach Teutschlanb geflohen fein. Tieies Ge- nicht tauchte halb nach ber Ankunft bes Prinzen Friedrich Leopold In Schloß Glienicke bei Potsdam auf und nahm eine immer bell miniere Gestalt an, als bekannt wurde, welche Vorsichtsmaßregeln tiirch Verhängung der Fenster des ZugeS, Ablöschen dir Lichter u. s. w. getroffen waren, roährenb der Hofzug von Warschau aus der preußischen Grenze zufuhr. Es hieß, daß der Zar als Diener verkleidet unb mit abrasiertem r a r t sich in ber Gesellschaft des Prinzen Friedrich Leopold aus Petersburg entfernt und mit ihm nach Warschau begeben babe, um Dom hort miS zu flüchten. Genährt wurden diese Gerüchte durch di« Tatsache, daß vier russische Offiziere in bem Hofzug bis Berlin mitfiibrrn. Wir haben infolge dieser Gerüchte in Klem-Glienicke Erkundigungen eiuqezoqen unb können zunächst konstatieren, baß dtr Zar sich nicht in Schloß Glienicke befinbet. Tie Fremden- zimmer sind bort unbewohnt. Was aber die Flucht in bem Hof- -n q anbelangt, fo erhalt man barüber von Personen, die es wissen müßten, keine Auskunft, sondern uur ein Achselzucken, trotzdem doch ein kategorisches Nein hier lehr angebracht wäre. Alan hat ad- pt mein durch die Heimlichtuerei des priuzlichen Personals den ßinbruef, al? ob geflissentlich etwas verschwiegen wird.
Der Portier in Schloß Glienicke ist offenbar ein höflicher Mann, daß er nur mit einem Achselzucken auf fo tolle Fragen antwortet. Wir haben schon manches erheiternde Neporter- slückchen erlebt, das wir feiner abnormen Dummheit wegen unseren Lesern oorzuenthalten für gut befanden. Aber dieses i't zu schön, als daß wir sie um feinen Genuß bringen dürften.
Tas Verschwinden Englands.
Durch Absturz gewaltiger Felsmassen an der Küste von Dover und intreh die wütende Hce het England int Laufe ber Jahre große Strecken Land verloren. Aber dem englischen Reiche droht noch auf andere Weise Gefahr: burd) die stetig zunehmende Entvölkerung. Während England noch vor 60 Jahren, was die Zunahme der Bevölkerung anbetraf, die erste Stelle unter den europäischen Staaten einnahm, kommt es heute erst an sechster Stelle. Nach einer vom Londoner Standard entuwrsenen Statistik, beträgt nämlich die jährliche Zunahme der Bevölkerung auf je eine Million Einwohner in Deutschland 15 000, in Rußland 13 600, in Holland 12 300, in der Schweiz 10 400, in Belgien 10100, in England 9400, in Oesterreich-Ungarn 9300 und in Spanien 8800. Von Jahr zu Jahr kann man in England die Zahl der Einwohner kleiner werden sehen. Es herrscht in Englands Gelehrtenwelt die Ansicht, daß die Industrie die Schuld an dem Rückgänge trägt: man glaubt, daß die M e n s ch e n durch das immer größere Neberhandnehrnen der Industrie immer schwächer und immer entnervter werden. Auf der anderen Seite meint man, daß die Zahl der EheschliLß- nngen, die sich in den letzten zehn Jahren um 2 v. tz. vermehrt hat, insofern die Schuld an der Entvölkerung trägt, als sehr viele Paare viel zu jung die Ehe schließen. Ter Bischof von London hat sich daher veranlaßt gesehen, an die schreiben ergehen zu lassen, in welchem er sie auffordert, nach Kräften Eheschließungen zu junger Paare zu verhindern. Es ihm unterstellten Geistlichen, namentlich m der Provinz, ein Ruud- scheint also nach alledem, daß England auf demselben Wege sich befindet, auf dem Frankreich sclwn lange geht.
r-- Kranke. Warme, geschätzte Lage
p? Ve I sl teriKLc i TUT am Llldahhang des Taunus. Behug- fc’, ■ > «T'Sa CT/fTS ITzDi l*ch eingerichtete, kleine Anstalt mm Ä jÖ "?Q (bis 80 Patienten). Centrale Heizung
S uud Beleuchtung, geheizte Liege- E$ »1*1 ffl W Ejfi Li tl halle nnd Corridore Sorgsame
«ß ö w Ei " Beliandlnnt; und Verpflegung. Diätkuren. (Dependance für Minderbemittelte) Prospekte franko. Dr. M. ScLiuixe-££ah!eyes. Nervenarzt.
Sanatorium Hofheim im Tetwus. !
Eingesandt.
(Für dm Inhalt b?r ■ . . 11 'er : ubrik stehenden Artikel übernimmt die Redakt- - b- - Q'ublifum gegenüber keinerlei
Verantwortung.^
Gießen, 5. November. Straßenwcsen.
Zwischen Haus unb Straße teilt sieh der Aufenthalt deS Stadtbewohners ; beide fo ausmbauen, daß sie den Einsprüchen unterer Zeit aenüaen, ist eine wichtige Aufgabe. Wahrend man den Wert gut eingerichteter Häuter schon im Mittelalter zu schätzen wußte, war das bei den Straßen nicht ber Fall. Tiefe hatten früher bei weitem nicht den Veikehrswert tute beute. Abgesehen bavon, daß unfere Vorfahren mehr Zeit wie wir hätten, gab eS auch keinen Straßenverkehr im heutigen Sinne. Selbst die größten der damaligen „Großstädte", wie Nürnberg, Augsburg, Straßburg, hatten kaum 20 0C0 Einwohner; der Straßenverkehr bewegte sich nur an Markt- tmb Festtagen in bemerkbarem Umfange; gewöhnlich waren die Straßen still und die Nebengäßchen noch stiller. Die alten Stadtkerne mit ihrem regellosen, engen Gaffenaewirr sind svrechende Zengen jener Zeit. Sie fuib das böse Kreuz der niodenien Städte, unb wo nur möglich, werben sie den heutigen Forberungen ent- spreebenb umgewanbelt.
Gute F a b r b ä m m e unb bequeme Bürgerstei g'ei — das sind die Grundbedingungen des heutigen Straßenverkehrs. In unterer Stabt sind bie Fabrbämme, ebenso wie Sie Bürger» steige zu Ichmal angelegt worden. Trotzdem laßt die Reinigung viel aii wünschen übrig.
Ein schweres Problem bilden eben untere belebten engen A lt st a d tst r a ß e n. Selbstverständlich läßt sich der ganze Wirv» warr dieser Straßenzüqe nickt von Grund aus neu kon- ft r ui er en, alles nieSerlegen, neue Fluchtlinien schaffen und daS kostbare Gelände neu überbauen, dabei eine ausgezeichnete Diente garantierend. Wo findet sich eine Privatgesellschaft, die ein solche? Kapitalrifiko übernimmt? Uns fehlt die glückliche Waghalsigkeit des Engländers unb Amerikaners. Dort faniert man erbärmliche Stagniertet mit bestem pekuniärem Erfolge unb schafft fo menschenwürdige Straßen; in Deutschland ift' mau über bescheidene Verniche nicht hinatisgekommen. Und doch wird einmal die Stitnde kommen, wo sie dem Altstadtkern zuleibe- gehen m u ß. Bei der ungeheuren Bodenwertsteigerung wird eS dereinst mit unerträglichen Opfern verbunden sein; je früher eS
höhte Anziehungskraft zu sichern. Hübsch sind „Mühle int Schwarzwald" und „Tüsseltal". Gertrude Tottlebens Hannover läßt ebenfalls einige nette Landschaften sehen,, die recht stimmungsvoll wirken, ohne sich jedoch über bie-, Alltäglichkeit zu erheben. Tn noch höherem Maße gilt' letzteres von den Bildern Wilhelm Ham buch er s (Düffels dorf) und Fritz Daealings (Königsberg).
Im P o r t r ä t f a ch ist vor allem die Münchnerin Grett Ehrte zu nennen. Namentlich das lebensvolle Bildnis ihrer Mutter zeigt, daß die talentvolle Künstlerin viel von ihrem Meister von Leubach profitiert hat und. das große Porträt des Generalleutnants von Euler-Ehelpin läßt die glückliche Hand der Künstlerin in der Behandlung der Unv* formflächen erkennen. Auch die von zwei Gießener; Damen ausgestellten Porträts sind als tüchtige Leistungen anzuertenneu, vor allem Frau Onckens Porträt eines bekannten hiesigen Bürgers, das sich durch große Aehnlichkeit auszeichnet. M a r i e F e l ch n e r hat ein sel/r gut gelungenes Bild ihres Vaters, ferner ein allerliebstes Kinderporträt und außerdem ein hübsches Blumenstück ausgestellt. Bon sonstigen Porträts sei noch dre prächtigx Moltkestudie von Eduard TaelenS erwähnt.
Von den für die J.chrhundertausftellung zu Berlin zur Verfügung gestellten Viloern sind zwei ausgestellt, ein hübsches Genrebild von Roth-Tüfseldors und ein 1812 gemaltes Porträt von Lotz. £ H.
Hulda — du roirt doch nicht?" — Hulba: ,Ach nein, beruhige dich, Mama, ich habe mich rechtzeitig erinnert, daß wir noch nicht verheiratet sind."
* Kleine T c e 4 r i ’ Man meldet ferner auS Hamburg es sei noch gar nicht festgestellt, ob es sich bet ber an .erb des in Antwerpen augekommenen Hamburger TampserL „Undine" vorgekonunenen Erkranlung um Pest banbblt. — In H amburg wurde ber Kassierer der Volksbank, Jnfelmann, oev- baftet, welcher 32 000 Alark imterschlagen bat. Zwei in dieser Angelegenheit verwickelte Kunden der Bank, ein Brothändler und ein Tischlermeister, sind gleichfalls verhaftet worden.
Nr. 260 Fünftes Blatt. 155. Jahrgang r
“ ■ “ Eichener Anzeiger


