Samstag 7. Januar 15)05
Rotationsdruck und Verlag der BrühlffcheU Universitätsdruckerei. R. Lange, Gieße«.
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Erscheint UtgNch mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener Zamttienblatter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der -Hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Drittes Blatt. 155. Jahrgang <
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
tzpttog zum o^tOiiWDaßo-giummd.
(Nachdruck verboten.)
Schaffe Künstler, rede nicht! Dieses kluge Wort sollte heut mehr Geltung haben denn je. In unserem feuilLetongefegnetew Zeitalter, in der Aera des öffentlichen Meinmlgsaustausches ist es für einen jeden in der Oeffentlichkeit Stehenden und Kämpfenden nur zu bequem, selbst die Feder zur Propaganda, zum An- griff^uno zur Verteidigung zur ibanb zu nehmen. Ter in seinen subjektiven künstlerifchun Gefühlen sich gedrückt fühlende dramatische Lichter, der von der Hängekommission zurückgewiesene Maler, der gekrankte Kapellmeistier urch Komponist, sie alle sind schnell mit der öffentlichen Antwort bei der Hand. Mit dm Worten soll ost lmviefen wenden, was durch die Tat nicht gelang. Ti? Dichter und Musiter begannen mit dieser Praxis. Berlioz und Wagner gehörten mit zu den eifrigsten Vorkämpfern für diese ebenso verlockende wie gefährliche Taktik. Gefährlich für jeden, der nicht auch durch die Propaganda der Tat seine ins große Publikum hiucin- geworswe Meinung wirksam erhärten kann. Es gibt heute zahlreiche Tages- und Wochenblätter, die sich den freien öffentlichen Nustausch der Meinungen und Ansichten als Hauptzweck auf ihr Programm geschrieben haben. Wer iidj, also in seiner Künstlerehre, in seiner Eitelkeit verletzt fühlt, wem die Kritik persönlich, böswillig, chauvinistisch schien, der flüchtet sich mit seinen Kampfund Rachegelüsten in die sensationsbegierige Oeffentlichkeit. Wer nickst selbst tn-e Fwer zu führen gewohnt ist, der vertraut sich einem bewährten „Austzorcher", alias Interviewer an, um durch die Hand eines solchen Gentlemen seine Meinung verkündigen zu lassen. Tas tat auch Leoncavallo, als er in sein teures Italien heil und lorbeerbekränzt aus dem gastfreundlichen Deutschland zurückgekehrt war. Nachdem er am Tage vor seiner Berliirer Abreise in einem am Hofe und ach den. Höfen gelesenen Sensationsblatte seinen überschäumenden Taukcsgefühlen gegen zedermaim jelbstgefällige-n Ausdruck verliehen hatte, erzählte er einige Tage später, in irgend einem römischen Cafähaud dem Interviewer des „Giornale d'Jtalicü", was die Teutschen im allgeureinen und die deutschen Kritiker und Komponisten im besonderen für eine minderbegabte, chauvinistisch verbohrte Herde sei, die nicht einmal für das höhererseits gezeigte Bestreben, der stagllierenden deutschen Musik aus Italien frisches Blut zuzuführen, das leiseste Verständnis zeigten. Ter zartfühlende Maestro fügte dann noch eine ganze Serie von nicht gerade schineicheU-asten Bemerkungen und Urteilen über die moderne deutsche Musik und ihre Meister hinzu, die voll dem geradezu horrenden Mangel an allgemeiner Bildung ihres Urhebers beredtes Zeugnis ablegten.
O si tacuisses! So werde:: ihm die Freunde nach dem Er- scheillcn jenes verl)äng»Usoolten Artikels im „Giornale d'Jtalia" Lugerilfen haben. Lock) nun lvar's zu spät. Das unmittelbar folgende, sehr gewundene Dementi im neapolitanischen „Pungule" konnte den m Rutschen Landen ob dieser unglaublichen Brüskierung ausgcbrochenen Sturm der Entrüstung nicht im geringsten öfferulkchte Interview Lei die aetreue Wiedergaoa der Aeusu'rulwm
des ehrellwerren Ataestro. Teoneuvauo schweigt, da er vermutlich nicht den Beweis für die böswilligen Entstellungskünste des „Giornale d'Jtalia" zu erbringen vermag. 2llso es bleibt dabei: Leoncavallo, der durch den KTonenorden zrveiter Klasse (welch deutscher ziourponist hat ihn je besessen) und durch alle möglichen kaiserlick)en Ehren Ausgezeichnete, den man in Berlin und in Deutschland mit gastfreundlicher Bereitwilligkeit ausgenommen hatte, derselbe Herr Leoncavallo, der sich rühmen durste, vor allen deutschen Tonsetzcrn durch allerhöchste Huld bevorzugt zu sein, schüttet einen ganzen Kübel schmutzigen Wassers über jenes Deutschland aus, das ihm an erster stelle mit die Hurrderttausende seiner Bajazzi-Tantiömen gezahlt hat. — Basta!
Schon einmal ist es der Fall gewesen, daß sich das deutsche Künstlertum und Publikum dem anmaßenden uni) herausfordernden Benehmen eines italienischen Kon:ponistcn gegenüber in grimmigem Protest auslehnte und zwar spielte sich dieser Kampf, der von beibeit Seiten mit äußerster Leidenschaft geführt wurde, ebenfalls in Berlin ab. Es war in den Jahren von 1820 bis 1840, als es galt, die ebenfalls durch königliche Huld geschaffene allmächtige Position eines Spontini zu erschüttern. Auch dieser glaubte, die deutsche Kunst mit Füßen treten zu können. Wagte er es doch, sogar den König persönlich zu beleidigen. Selbst diese Tat, die ihm seitens der Gerichte neun Monate Festung eiiUrng, vermochte die Verehrung des Königs für seine Person nicht zu erschüttern, und begnadigt, mit königlichen Ehren überhäuft, schied er endlich aus Berlin und Deutschland, für dessen nationale musikalische Entwickelung er zwanzig Jahre hindurch ein Hindernis gewesen tvar.
Das Medieeertum war nie ganz ausgestorben. Besonders in der Musik hatte es sich in fortlaufender Tradllion erhalten. Erst durch die freie Größe Wagners wurde aller Gelegenheits- und Mußkunst zeitweilig der Boden eittzogen. Bei Kaiser Wilhelm hat der Gedanke einer unter bc)Linunter Aegide stehenden Kunst wieder fester Wurzel gefaßt. Mit der bildenden Kunst fing es an. Es schwebte ihm die große Epoche der kunstsinnigen Päpste des Ein- quecento vor. Damals lagen freilich die Verhältnisse wesentlich anders. Tie sich aus dein wesentlichen Drange nach geistiger Freiheit und Größe entwickelnde geistige Bewegung der Renaissance brachte denn doch ganz andere produttive Kräfte hervor, als unsere epigonenhafte, in ihren heften Teilen höchstens um unklare Ideale ringende Zeit, llnb die lnnstsördeimden Fürßenhöfe beschränkten sich darauf, für die meist schrankenlose Bereilßellung der Mittel als Äquivalent nur gelegentlich das künstlerische Objekt im allgemeinen bestimmen zu dürfen, nicht aber die killllllerischeu Jd-eeit und Arbeiten an sich in bestimmte, durch i'ubjdliue Anschauung festgeiegte Bahnen lenken zu wollen.
Nach den bildenden Künsten wurde ana> die dramatllche a. id)t- kunst m beit Kreis der kaiserlichen Interessen mit -ineingezogen und sc! ießlich auch die dramatische Musik. Dem Kaiser liegt die in ische Musik nicht. Tas steht fest, er hat cs oft genug betont, ^o-on. die späteren Werke Wagners jagen im Grunde nicht zu. Ta er nun selbst die Leistungsfähigkeit der deutschen Mujilvramattler^ nicht ihrem richtigen Werte uack- zu crlcnucu
Ungarische WanernmiMonäre.
Wer ein recht «apartes Städtebild genießen will, der suche einmal, schreibt (man der Wiener „Zeit", eine der großen ungarischen Bauernstädte auf. Sie gehören zu den Spezialitäten von Ungarn. Ueberall, in der ganzen Welt, pflegt sich die Bauernbevölkerung in He Men Ortschaften anKusiedeln und dreitausend Seelen machen schon eine ganzi hübsche Bauerngemeinde aus. In Ungarn dagegen gibt es eine Bauernst ad t mit mehrst ls60 000 Ein!woh - nern, und Bauernstädte mit mehr als 10 000 Seelen gehören nicht zu den Seltenheiten. Tie lange Türkenherrschaft hat die Bauern gezwungen, sich zur Verteidigung! ihrer Haut in größerer Anzahl zu vereinigen und Städte zu bilden, und die Gewohnheit wurde beibehalten, als auch die Nötigung da^u aushörte. Tie Orte haben natürlich nichts Stadtgemäßes, sie sind eigentlich nur große Dörfer. Sie bestehen aus lauter Bauernhäusern, die der Straße ihre Schmalseite mit den obligaten zwei Fensteröffnungen zuwenden, und an die sich immer ein Garten anschließt. Von einem Ende des Ortes bis zum anderen sieht man da immer nur zwei Fenster und einen langen Bretterzaun, wieder zwei Fenster und wieder einen Bretterzaun. Es dauert eine gute halbe Stunde, bevor ein Bauer, der in der Mitte der Stadt wohnt, auch nur zum nächstgelegenen Mer gelangt, (und liegt sein Acker weit, jo muß er mitunter wohl zwei Stunden früher aufbrechen, um rechtzeitig an Ort und Stelle zu sein. Bequem ist also^ ein solch städtisches Leben für den Bauern nicht.
Noch sehenswerter aber als so eine Bauernstadt sind oie Leute, die sie bewohnen. Die Bauern tragen wohl auch in anderen Ländern gern ihren Stolz zur Schau, in Ungarn aber gibt es wal)re Prachtexemplare von stolzen Bauern, Leute, die sich eines gewissen Ansehens erfreuen und eine bedeutende Rolle spielen, dabei aber in der ungarischen! Bauerntracht — den weiten Leinwandhosen und dem blauen Tolman — umher geh en und sich in ihrer Lebensweise und ihren Gebräuchen durch nichts von den gewöhnlichen Bauern unterscheiden. Ihre Mehrzahl ist nicht besonders reich, es gibt jedoch^ einzelne unter ihnen, die wohl nach alter patriarchalischer Sitte die Mahlzeiten mit ihrem Gesinde eirmehmen und dem Tisch in Hemdärmeln präsidieren, dabei aber ihren Gästen die Speisen auf silbernen Tellern vorsetzen. Erkundigt man sich nach ihren Verhältnissen, so erfährt man wohl, daß sie Hunderttausende ihr eigen nennen und über Vermögen verfügen, die man selbst in einer Großstadt ansehnlich nennen könnte, ja, mitunter/ soll es unter chnen auch Millionäre geben.
Von einem dieser Bauernmillionäre hat Acanrus Jokai manches Interessante aufgezeichnet. Johann Bagi — das war jein Name — war ein Bauer in Szentes, der zurzeit des absolutistischen Regimes in den fünfziger und sechziger Jahren zu den reichsten Leuten der Umgebung gehörte. Einst, als er auf seinen Gütern nwherging, wuroe er von zwei Gendarmen >angehalten, die seinen Paß verlangten. Tie Gend-armen wollten ihm nicht Glauben schenken, als er sagte, er brauche keinen Paß, da er sich auf eigenem Grund und Boden befinde. Als gar Bagi auf die Frage, welches eigentlich sein Besitz sei, hinzufügte, daß alles, wie weit man nur sehe, ihm gehöre, waren sie fest überzeugt, daß sie es mit einem Vagabunden zu tun hatten; und filhrten ihn einfach ins Szegedincr Gefängnis. Dort bemerkte ihn ein Gefängniswärter, der einmal als Knecht bei Bagi gedient hatte. Bagi war eben damit beschäftigt, die Fenster fernes Gefängnisses zu waschen. Erstaunt fragte ihn der Diener, was er denn mache, und als ihm Bagi das Vorgefallene erzählte, lief er rasch zum Komi- a
tatschef, um das Mißverständnis auszuklären. Man wollte chm jedoch lange nicht glauben, und erst nachdem der stühere Knecht in formeller Weise Bürgschaft firr den reichen Bagi übernommen hatte, ließ man ihn frei. Ein anderesmal, als nach dem Frecheitskrieg der frühere Gutsherr Vagis, Graf Georg Karolchi, in Geldverlegenheit geriet, erschien Bagi bei dem Güterdirektor des Grafen und teilte ihm demütig mit, daß er dem „hochgeborenen Herrn" gern helfen würde. Der Güterdirektor lächelte nachsichlig, erklärte jedoch, daß es sich um viel Geld, um zweimalhunderttansend Gulden handle. Bagi verlor jedoch seine Ruhe nicht; er zog eine aüe Bantnotentasche hervor und sagte, daß er zweihunderttausend Gulden freilich nicht bei sich habe, wohl aber 160 000 Gulden. Den Rest werde er binnen drei Tagen besorgen. Der Direktor — fügt Qotai, der diese Geschichte erzählt, hinzu — lächelte nicht mehr.
Einen anderen charakteristrschen Fall erzählt von diesem reichen Bagi Koloman Mitszaht. Ein neuer Komitatschef gab einmal den Spitzen feines Komitats ein Festessen. Geladen waren alle, die als die reichen Grundbesitzer der Gegend bezeichnet wurden, darunter selbstverständlich auch Bagä Pünktlich zur angesagten Stunde kam Bagi angerückt, selbstverständlich in seinem Feiertagsgewani) aus blauen Tuch- mit großen silbernen Möpsen daran. Die Diener wollten ihn jedoch nicht einlassen und erklärten, sie hätten die Weisung, nur Gästen im Frack den Eintritt zu gestatten. Bagi machte wütend kehrt, eilte zmn nächsten Schneider und ließ sich einen Frack und alles, was dazu gehörte, geben. So kehrte er zurück. Ter Empfang war bereits zu Ende und setzte sich zu Tisch Als dann die Suppe serviert wurde, erhob sich aus einmal Bagi, packte einen Flügel seines Frackes und tauchte ihn in bie Suppe ein. „Um Himmels willen, was machen Sie?" riefen alle Gäste. „Ich speise meinen Frack", erwiderte Bagi, „denn wie es scheint, ijt er zum Essen geladen und nicht ich."
Ein anderer dieser großen Bauernmillionäre war Andreas Johann Nagi, den die Stadt Hodntezövasarhely noch heute unter ihren Wohltätern nennt. Er ging einmal zum Bürgermeister hinauf, nm SUage darüber zu führen, daß der artesische Brunnen der Stadt nickst genug Wasser gebe. /fl3a freilich", lautete die Antwort, „der Brunnen gibt nur vierundneunzig tausend Liter in vierundzwanzig Stunden, und das ist für unsere Stadt nicht viel." — „Aber man mußte einen zweiten, größeren Brunnen bauen lassen, damit wir täglich mürdestens eine MUlion Liter Wasser haben", meinte Nagy. — „Das wäre sehr gescheit", sagte der Bürgermeifter, aber das kostet Geld, viel Geld." — Der alte Nagy griff einfach in dte Tasche. „Zweimalhunderttausend Gulden gebe ich gern dafür", sagte er und zählte eine Reihe schöner Banknoten aus den Tisch. Und heute hak HoDmezövasarhely das Wasser, das es braucht.
Bela Toty, der diese Geschichte ausgezeichnet ha^ weiß über diesen Andreas Johann Nagy auch noch ein anderes Histörchen zu .erzählen. Als die Mföld-Fiumaner Bahn' ausgebaut werden sollte, ging eine große Deputation zum Kaiser nach Wien, um die Konzession zu verlangen. Auch Herr Nagi ioar Mitglied der Deputation, und es soll in Wien allgemeines Aufsehen erregt haben, als er in einem der feinsten Restaurants, in dem die Deputation ihre Mahlzeit einnahnt, das Eßzeug beiseite schob und sich nur eines aus dem Stiefelschaft gezogenen Messers bediente, wie es ein jeder Bauer in Ungarn mit sich zu sichren pflegt. Abends erschtenen die Mitglieder der Deputation un Theater. Da es aber sehr warm war, entledigte sich Herr
ihn auffordern, seinen Rock wieder anzuziehen. Aber Herrn Nagy ging es lange nicht in den Kopf, weshalb man chm das Sitzen in Hemdärmeln nicht gestalte an einem Orte, wo die meisten 'Damen tief dekolletiert erscheinen.
Andreas Johann Nagt) verrnachte sein ganzes Bermöae^ wohltätigen Zwecken. Er hatte keine Kinder, die sich der Anfgabe unterzogen hätten, ein großes Vermögen durchzubringen. Andere Bauerumillionäre waren glücklicher (ooep unglücklicher?), und so schwinden die großen Bauem- vermögen auch in der ungarischen Tiefebene allmählich dahin. Aber auch jetzt gibt es noch Leute, die ihren Stolz darein setzen, Bauern zu bleiben, und die es für eine Entwürdigung halten wurden, wenn ihre Söhne in „Pan- talons" umhergingen. Es steckt noch Mark in diesen Leuten — schade, daß sie immer seltener werden.
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vermischte».
* Ein stud. ehern., der im chemischen Laboratorium einer Universität praktisch arbeitet, erhält vom Professor die Ausgabe gestellt, Kochsalz zu analysieren. Gleichzeitig mit der Probe gibt ihm der Dozent zur Kontrolle ein Zettelchen mit der Aufschrift NaCl, der bekannten Formel für Kochsalz. Ganz entrüstet wendet sich der Student an den Professor: „Verzeihen Sie, Herr Professor, ich heiße nicht Naci, mein Name ist Pick!" (Aus der „Jugend".)
* „Qum 01. 01. 05." Aoenarius schreibt im „Kunst- wart": Bescheiden gerechnet, neunzehn von zwanzig Daten, die ich eben mit den Briefen in der Hand halte, schreiben: 19. 12. 04. Danach wird man, vermut' ich, am nächsten ersten mildesten Falles schreiben: 1. 1. 05, weniger milden: 1. 01. 05 und im Falle ernster Konsequenz: 01. 01. 05. Denn wisse, o Leser, Adam Rieses Theorie, daß die Nullen nur hinter den Einern etwas bedeuteten, ist durch die Errungenschaften der Neuzeit überholt. Insbesondere dadurch: die Poststempel sind nur auf je zwei Ziffern eingerichtet, tei der Jahrhundertwende gerieten sie a(fo;> die Poststempel, in Verlegenheit und sie gewährten sich schließlich für die bisherige 9 in der Zehnerstelle eine Null. Dieses nun sah der Bürger, und obgleich er nicht mit festen Stempeln sondern mit Feder und Tinte schrieb, so kam ihm doch die Erleuchtung von oben, und also bekundete er: 01. Vier lange Jahre tut er das nun schon. Und wer heiteren Auges und respektvollen Herzens auf seine Mitmenschen sieht, der fragt sich: Wird dieser in seiner Kleinheit wahrhaft vollkommene Unsinn wohl das ganze erste Jahrzehnt überleben? Der Menschenkenner vermutet es.
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Nagy ohne weiteres seines blauen Tuchrockcs und saß in Hemdärmeln dort, so wie man in Ungarn in geschlossenen Räumen zu sitzen pflegt. Einer der Theaterdtener mußte
vermochte, tat er den verhängnisvollen spontanen Schritt zur italienischen Kunst hinüber. Später mag sich der Kaiser wohl doch von dcr Gefährlichkeit folcber Aufgaben überzeugt haben, denn er machte neuerdings dem Führer der neudeutschen.Tvn--> setzer den Vorschlag, einen bestimmten vaterländischen Stoff für eine Oper zu verwenden. Dieser Vorschlag wurde indessen von dem s3etreffenden, mit dem Hinweis auf seine anders geartete kompo-fitoryche Veranlagung dankend abgelehnt. Hatte Leoncavallo seiner Zeit den offenen Mut besessen, dieselbe Erklärung zu geben, so würde er sich den ganzen leidigen Roland mit all seinen fataien Koch eg neu zen und außerdem viel Zeit für anderweitiges Schaffen erspare haben. Leoncavallo wußte es damals genau so, Ivie jüngst der betreffende deutsche Komponist, daß ihm die gestellte Aufgabe nicht liegen konnte. Tarin, daß er sie trotz besseren Erlenucns akzeptierte, liegt feine größte schulte Wad) Dem standawsen Abschluß der leidigen Leoucavallo-Affäre steht itrni wohl das eine fest, nämlich, daß der Kaiser nid# sunt zweiten Mal einen Ausländer mit der Dramatisierung und Komposition cincS vaterländischen Stoffes beauftragen wird. Diü ostentative Beleidigung der deutschen Kunst und des deutschen Publikums seitens LeoncavalloS dürfte fchließlich auch an aUes* höchster Stelle nicht gerade angenehm berührt haben.
Berlin, 6. Jan. Für eine Schillerfcier bildete sich hier ein Komitee, welches einen Aufruf zur Veranstaltung einer alle Kreise zusamm-enscharenden Kundgebimg erläßt, „damit den sehnsuchtsvollen Jubiläumsklangen des Jahres 1859 nun in der Reichshauptstadt ein gleich starkes Bekenntnis nattmmler Tmrk- varkeit antworte". Ten Aufruf unterzeichneten der R c i ch s k a n z l e r, die Minister von Rheinbaben und Studt, der Polizeipräsident und die beiden Bürgermeister von Berlln, Generalintendartt von Hülfen und der ivürttembergische wrntbte non Barnbüler. Eine andere Versammlung zur Bildung größerer Ausschüfsc findet am 15. Januar statt.
— Ein Gedenktag. Am 7. Januar 1834 würbe Gelnhausen der Erfinder des Telephotrs, Philipp,Reis, geboren. In ein Farve ngeschnn ein tretend, machte er sett lovo fortgesekt nebenbei mathematische und tMturwiNensw-aftlla« Studien. 1858 als Lehrer and Garuiersetze Institut nach orte- driwSdorf bei Homburg berufen, konstruierte er 1dt>0 das erste Telephon. T'en.SiegeSzug dcsseiven über die ganze Erde cxicutc er Iciber nicht, denn er starb schon 1874. . , .
— Eenta Bro die durch den letzten Theaiervereinoave auch in Gießen bekannte Tartzellcrin des Hamburg.. Theaters, wurde von Paul Liillxru auf mehre re Javrefür vü& Teuts ch e T 1) c a t c r in Ber 1 i n verpflichtet -nc SVunlUciut tritt zu Beginn der nächsten Winterspiel-eit in den. Verband dieser Bühne. , , ___t ~
R e w v ork, 6. Jan Ans Der Ltd Sternwarte wurde nvn einem Astronont der s echfte Mond des Jupiter mir des ll.roßley'jchen Rejlcllors aufgesunden.


