Ausgabe 
6.10.1905 Zweites Blatt
 
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Erne Partie alter Asphalt wird zu 2 Mark für 100 Kar. cm Rübsamen abgegeben. Eine Kredituber­sch reitung bei Bezug der Bordsteine für die Brsmarct- stärße int Betrage von 18 Mk. wird nachträglrch genehmigt.

Ebenso findet die Abgabe von 2 7,7 Kbm. Holz an Zimmermann L. Roth in Steinbach (Genehmigung.

Tic Fortbildungsschule hat in den letzten Jahren eine steigende Frequenz aufzuweisen. 1902/03 be- suwten sie 360 Schüler in 13 Klassen, 1903 04 40- Schuler tn 13 Klassen und 1904/05 465 Schüler in 14 Klassen. Für 1905/06 sind wahrscheinlich mehr als 500 Schüler zu er­warten, weshalb die Beibehaltung von nur 14 Klassen ohne Ueberlaslung einzelner Klassen nicht möglich ist. Jedenfalls muß trotz anderer gleichmäßigerer Verteilung der einzelnen Gruppen eine 15. Klasse errichtet werden. Ler Schulvor­stand beantragt, mit 14 Klassen zu beginnen, und wenn die a<chl von 500 Schülern annähernd erreicht wird, eine lo. Klasse einzurichten, lvas etwa 200 Mk. persönliche Kosten erfordern würde. Die Versamnilung stimmt dem Vor- ^^ls^Beitrag zu den Erweite run gs kosten der An­stalt für Epileptische zu Nie d c r-Ra mfta d t wer­den nunmehr 100 Mk. bewilligt, nachdem eine Umfrage bei den anderen hessischen Städten ergeben hat, daß Bingen 20, Offenbach und Lorms je 100 und Darmstadt 1000 Mk. bewilligt haben. ,, .

Karl Textor hat die Liebigshohc gekauft und will unter den üblichen Bedingungen Gasleitung ein­gerichtet haben. Die Leitung soll so stark werden, daß sie auch bei Volksfesten usw. auf dem Trieb benutzt werden kann. Die erforderlichen 100'v Mk. werden bewilligt.

Die Fischversorzung Gießens.

Oberbgm. Mecum macht sodann noch Mitteilungen über die nut den Fischhändlern gepflogenen Unterhandlungen und verliest die (in Nr. 230 abgedruckte) Eingabe derselben an die Stadtverordnetenversammlung, worin diese es ab­lehnen, an der von der Stadt beabsichtigten Einrichtung teuzunehmen. Er bemerkt dazu, daß die Eingabe den Laus der Verhandlungen unrichtig wiedevgebe, er sei niemals kategorisch und diktatorisch den Herren gegenübergetreten, sondern er habe sie lediglich um Vorschläge gebeten. Nach dem negativen Resultat dieser Verhandlungen habe er so­fort die nötigen Schritte zur Durchführung des in der letzten Sitzung gefaßten Beschlusses unternommen. Die Versammlung niirrmt die Eingabe der Fischhändler zur Kenntnis und bleibt bei ihrem ftüheren Beschluß.

Die Flcischpreise

gehen unentwegt in die Höhe. Unlängst haben die Gießener Metzgermeister eine neue Erhöhung eintreten lassen, und zrvar kostet zur Zeit Ochsenfleisch 72, 78 und 82 Pfg., Kalbfleisch 74 und 78 Pfg., Hammelfleisch 50 und 76 Pfg. Ein knochenloses, gutes Stück Ochsenfleisch aber, das vor etwa einem halben Jahre 1 Mark kostete, muß man jetzt mit 1.20 Mark bezahlen.

Alle Bemühungen, die Geflügelzucht zu heben, um darauf hinzuwirken, daß Deutschland unabhängig wird vom Auslande m Bezug auf seinen riesigen Bedarf an Eiern, sind bisher er­folglos gewesen und werden erfolglos sein, d. h. so lange bis wir nicht viel, viel niedrigere Preise für Getreide bekommen und dazu ist keine Aussicht. Die Einfuhr von Eiern und sonstigen Produkten der Geflügelzuckst, wie lebendes und geschlach­tetes Geflügel, Federn usw. beträgt bereits weit über 100 Mill. Mark pro Jahr und steigt noch immer mehr! Ein weiterer Grmid für das langsame Vorwärtskommen unserer Geflügel­zucht ist aber auch der hohe Preis von Grund und Boden bei uns. Geflügelzucht kann nur treiben, wer ge-

mMumb Raum hat Hübner zu halten: ohne Hof, ohne ZUlÄaift ist keine rentable Hühnerzucht möglich! aber hat heute noch der Handwerker, der Fabrikarbeiter, der kleme Beamte, der -tag töhncr selbst auf dem Lande viel Raum zur Dnftigung.

Mancher Bewohner eines Landortes oder ^adt^hens nroMe sich wohl ein Schwein halten, doch auch der Ankauf der! klemen Ferkel erfordert schon eine größere Sunune und wie oft kommt s ddt, daß man in die B^suchung oder in die Notwendigkeft kommt, das herangemästete Schwein zu verkaufen, weil bei beu ichlechten Zeiten nötigere Ausgaben gedeckt weAcu umsien. Auch !»s früher verachtet» Pferdefleisch ist im Pren e gestiegeninwlge der großen Nachfrage, abgesehen davon, daß nicht jeder manns Geschmack ist, das Fleisch eines abgetriebenen Gauls zu L"OTÜnt dem allgemeinen Fleischbedürfnis abzuhelfen, machen nun die KaninchenKÜchtervereine auf die chm a ckyaftigtei r,

den Nährwert und die Wohlfeilheit der Kaninchen f^Di^Kaninchen sind bekanntlich in Bezug auf Stallung, Futter, Pflege usw., ziemlich anspruchslos; einige geräumige Kisten, entsprechend hergerichtet, genügen, um mit der Zucht beginnen zu können. Das Zuchtmaterial tst Nicht teuer und in einigen Monaten schon kann man schlachtreife -viere haben.

Das Kaninchenfleisch ist tatsächlich, davon haben.wir uns selber wiederholt überzeugt, dem b e ften Och senf le i sch f ast gleichwertig und ebenso nahrhaft als Hühner­fleisch. Man beobachte, ein wie reinliches, appetit­liches Tier so ein Kaninchen ist Man lasse sich mal ein gut gebratenes Stück Kaninchenfleisch vorfetzen, und man wird bald überzeugt sein, daß es lohnt, Kaninchen zu züchten!

Am umfänglichsten hat sieb die Kaninchenzucht un industrie- reichen Sachsen, in Thüringen, Westfalen und der Rhemprovmz entwickelt, und die Vorurteile schwinden immer mehr. Das Ka­ninchenfleisch als Volksnahiungsmittel bürgert sich doch wohl allmählich ein. Kaninchenzucht gibt tatsächlich den minder bemittelten Haushaltungen die Möglichkeit über die d)» tcucrung leichter h i u w e a z u k o m m e n.

Vermißtes.

' B e r l i n, 5. Oktober. Polizeilich a u f g e l 5 st wurde gestern Abend wieder eine P ü ck l e r. V e r s a m m l u n g. Das Thema des Grasen warMeine letzte Gerichtsverhaiidlung m Glogau". Wie er bekannt machte, will Graf Pückler jetztden letzten ent­scheide ndenKampfgegen das Berliner Judentum" anfnebmen. Nachdem er die Vorgänge seiner Verhaftung nnd des Prozesses in (Slogan geschildert, erklärte er, daß alle seine Opfer für das deutsche Volk beinahe nutzlos erscheinen, denn noch immer sei kein Jude in Berlin verhauen worden. Zur Lösung der Judensrage machte er dann Vorschläge, die so drastisch waren, daß der überwachende Polizeilentnant zur Auflösung der Versammlung schritt. Ter Graf geriet hierüber in große Wut. Erregt schlug er mit der Jaust auf den Tisch und rief dem Polizisten zu, erv er - bittesichdiesefortwährendenAuflösungen!" Durch die Auflösung feien wieder 6000 Sozialdemokraten mehr geschaffen worden. Er werdeBerlin eventuell ganz seinem Schicksal überlassen".

* Während der letzten Kaisermanöver wurde von den Osftzieren des Generalstabs das Mikrophotosk op, eine Vorrichtung erprobt, die es gestattet, Karten in der dunkel­sten Nacht uiid an jedem Orte zu st u d i c r e n , was ja für Kriegszwecke von der größten Bedeutung ist. Die Vorrichtung, deren Erfinder em Berliner Photograph ist, besteht kurz in folgendem: Auf eine matte Glasscheibe ist die darzustellende Gegeiid pholho- graphisch übertragen worden. Tie Platte kann von imtcit mit einer Heinen elektrischen Lampe, wie man sie an den bekannten Taschenlaternen hat, eileuchte: roerben. Ucber der Platte ist an einem kleinen, beweglichen Kniehebel eine Lupe befestigt, mit bereu Hilfe die Karte beutlid) unb bequem abgelesen werben kamt. Ter ganze Apparat hat bie Größe eines Zigarren-Etuis. Die damit erzielten Resultate sollen besriedigend sein. UebrigenS ist man auch schon iii Frankreich unb England aus diese Heine, aber sehr nützliche Erfindung ausmerksam geworben.

ZlniversiläLs-Nacs,richten.

An der technischen Hochschule zu Eharlottenburg ist die durch den Tod des Prosessors Tr. Alfred Gotthold Meyer erledigte Tozeiitenstelle für Geschichte des Kunstgewerbes und der dekorativen Künste, sowie für den Unterricht in der wtillehre Dr. Paul Sch ub - ring übertragen worden. Der Geh. Regierungsrat, Direktor des kaiserlichen Gesundheitsamtes in B e r I i n, Professor Dr. P a u l ist zum ordentlichen Professor der aitgewandten Pharmazie und Chemie und zuin Vorstände des pharinazeutischen Institutes bet Universität M ü n ch e n ernannt.

Kirchliche Aachrichlen.

Evangelische Gemeinde.

Am 16. Sonntag nach Trinitatis, den 8. Oktober: Kottesdieust.

I« der Stadtkirche.

Vormittags 91/» Uhr: Pfarrer D. Schlosser.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde.

Pfarrer D. Schlosser.

Die Vorbereitung dazu findet Samstag um 3 Uhr im MatthäuS- saal statt.

Abends 8 Uhr: Versammlung der konfirmierten mäitnlichen Jugend der Matthäusgemeinde.

Tie konfirmierte männliche Jugetld der M a r k u s g e m e i n d e wird behufs Gründung einer Vereinigung auf abends 6 Uhr in den Konfirinandensaal der Gemeinde eingeladen.

Dienstag, den 10. Oktober, nachmittags 4 Uhr, nimmt der M i s s i o ii s n ä h v e r e i n im Gemeindehaus, Kirchstraße 9, wieder feinen Anfang. Zur Teilnahme werden die seitherigen Mitglieder, und wer noch Lust und Liebe zur Missionsarbett hat, emgelaben.

Donnerstag, den 12. Oktober, abends 8 Uhr, im Matthäus- saal: Bibel st unde. (Offenbarung Johannis).

Pfarrer D. Schlosser.

In der IohauucSkirche.

Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrassistent Schulz.

Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes« gemeinde. Pfarrassistent Schulz.

Am nächstfolgenden Sonntag, den 15. Oktober, kirchliche Feier des E r n t e - D a n k f e st e s.

An diesem Tage wird nach allen Gottesdiensten eine besondere Kollekte für die Armen erhoben.

An demselben Tage beginnen die Abendgottesdienste, um 5 Uhr.

Israelitische Religionsgemeiude.

Hottesdien» tn der Synagoge (Südaukage).

Samstag, den 7. Oktober 1905:

Vorabend 5.30 Uhr.

Morgens 8.30 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr.

SabbathauSgang 6.35 Uhr.

Aionlag, den 9. Oktober 1905: BcrsöhuuugSsest.

Vorabend: 6 Uhr.

Predigt.

Morgens 7.30 Uhr.

Predigt mit Seelenseier: ll1/, Uhr.

Schlußpredigt 4.50 Uhr pünktlich.

Festesausgaug: 6.25 Uhr.

Während der Predigt ist der Eintritt nicht gestattet.

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