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des Gymnasiallehrers Dr. V e cf. Verteilung von emfmerrtrty^ gescheuten wie oben). Gleichzeitig: Feier in der Grosch. Realschule (Deklamation und Gesang. Rede des ReatlehrerZ Dr. Stein. Verteilung von Grinnerungsgefchenken wie oben).
Abends 6 Uhr: Konzert des Konzert-und Akademischen Gesangvereiiis im Saale des Gesellschastsvereins (Schiller's .Lied von der Glocke", komponiert von Romberg).
7 Uhr: Konzert des Turnvereins int Saale des „Prinzen Karl" mit Darstellung lebender Bilder. Rede des Reallehrers Dr. Buchner. Hierauf Fe st b a l l.
'/, 9 Uhr: Festmahl für Herren tnt Saale des Gasthauses „zum Einhorn-. . r . .
9 Uhr: Festmahl für Herren und Damen tnt Saale des Busch'schen Garten, veranstaltet von dem Konzert- und dem Akademischen Gesaiig- und dem Gesellschaftsvereme.
Freitag, den 11. November.
Abends 7 Uhr: Fe sl v orste l l uiig im Th eat er.
Man sieht, die Gießener Feier vor 46 Jahren zu Ehren des im frühen Alter von 46 Jahren dahingeschiedenen beut* chen Geisteshelden war durchaus volkstümlich. Gehört ja doch auch Schiller allen Ständen, allen Klassen, den Jungen, wie den Alten. Deshalb ward er auch von der Gesamtheit, also dem Volke, gefeiert. Alles Engherzige und Kalte blieb fort. Der 10. November, der Hauptfesttag, war ein Feiertag, den, wie man aus den einzelnen Programm* tunden ersieht, die Behörden und wohlwollende Chefs ihren Angestellten wohl zum Teil freigegeben hatten, den also des Werktages Last nur wenig bedrückte.
Vielleicht veranlaßt das Programm von 1859 den einen oder den anderen Gießener Verein noch zu einer Feier an der Schillereiche, die, wie wir aus dem Programm ersehen, 1859 gepflanzt worden ist.
Oder soll Ludwig Fulda recht behalten? Er sagt in seiner Schrift „Schiller und die neue Generation":
„Im praktischen Leben fürchtet man sofort jeden Kredit zu verlieren, wenn man sich nicht mit demonstrativer Breübeinigkeit auf den Boden der Tatsachen stellt. ... Die Sehnsucht verläßt diese mangelhafte Erde nicht; sie wechselt nur ab und zu das Quartier.‘ Und sie sucht in der Kunst, m der Dichtung nicht des Lebens Schmuck, sondern des Lebens Trost. Die Anhänger, die Schiller in den mittleren und oberen Klassen verloren Hal, ersetzen sich ihm doppelt und dreifach aus den unteren Schichten des deutschen Volles. Tort, wo das Bildungsbedürfnis eine elementare Macht bedeutet, die nur von der Kurzsichtigkeit und Engherzigkeit unterschätzt werden kann, dort hat Schillers Slawe noch nichts von seinem Glanze und von seiner Zauberkraft eingebüßt; dort ist er der eine deutsche Dichter geblieben, den man kennt, den man liebt, und an den man glaubt, als an den Verkünder eines weltlichen Evangeliums."
Dem im ersten der zitirten Fuldaschen Sätze ausgesproch* enen Pessimismus sollte der 9. Mai nicht Recht geben. Wir meinen, bei uns in Gießen begrüßen ebenso die mittleren und oberen Klassen, wie die unteren Stände, freudig Schiller als einen der größten Geister und Volkserzieher, als den Liebling der vaterländischen Jugend, der die Zukunft gehört. Also ein Volkstag sollte der 9. Mai sein mit einer oder mehreren würdigen Volkssciern vor der Schillereiche.
Und die Stadtverwaltung sollte, um wahre Schillerfreude im Volke und namentlich in der Heranwachsenden Generation zu erwecken, mit ihren Mitteln den Stadttheaterdirektor veranlassen, daß allwinterlich eine Reche von unentgeltlichen Aufführungen Schillcrscher Dramen veranstaltet werde, und jeder Besucher müßte unentgeltlich ein Exemplar einer der billigen Ausgaben des betr. Dramas erhalten (Preis 10 oder 20 Psg.!). Diese wirklichen Volksvorstellungen würden eine überaus wertvolle Bereicherung unseres öffentlichen Lebens bilden. Nur so könnte man in Gießen den Geist Schillers, wahrhaft erwecken und wach halten! P- W.
Aerhejs. AsellM für Mur-u. Munde (Naturwissenschaftliche Abteilung)
Si&s&mgi
Dienstag, den 9. Mai 1905, abends 8 Uhr
Hn Hörsaal des Physikalisch-chemischen Instituts (Goethestraße 55) Tagesordnung:
Herr Prof. Elbs, lieber synthetische Arzneimittel (mit Versuchen). Gäste willkommen. v6/5
Hierauf
Ausserordentliche Hauptversammlung
1. Rechnungsablage.
2. Beschlußfassung über die neuen Statuten.
Der Vorstand.
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auf den heutigen Tag, mti> zwar.steht die Schuld ungetilgt eingetragen in ein altes Hauptbuch einer hteftgen Weinhandlung. Der Würzlmrger Wcin, der Schiller noch kurz vor feinem Tode erguickt hat, ward bezogen vom Weingeschaft Zapf m ,Sule; dessen Urenkel ist Inhaber der Weinhandlung von Zapf m der Viktoriastraße in Itzehoe und Herr Zapf befindet sich int Besitz feer Bücher, die diese Schuld Schülers nachwetfen.
Was teött die Kießener Schillerfeier vom Iayre 1859?
G ießerr. 6. Mai.
Die Säkularfeier von Schillers Geburtstag, welche im November 1859 in ganz Deutschland glanzvoll begangen morden ist, interessiert uns heute in besonderem Grade. Der allgemeine Eindruck, den man von dieser Feier gewinnt, ist der, daß sie in seltenem Maße eine nationale Feier war und allenthalben Begeisterung für die deutsche Art und Einheit weckte. Eine Zeitschrift aus diesem Jahre sagt beispielsweise:
Tie Flamme einer nationalen Begeisterung ist hoch empor- qelobert. Es gibt doch ein Deutschland, und wenn es eimnal tm Gerste und in der Wahrheit da ist, wird es in der Wirklichkeit auch nicht mehr lange auf sich warten lassen/ Daß diese Stimmung damals wirklich herrschte, beweisen uns die Festprogramme und Festberichte aus jenen Tagen.
So kam es m Frankfurt a. M. zu einer spontanen Kundgebung; als nämlich bet dem Fackelzuge nach dem Römerberge ein Redner die Worte zitterte: wollen sein ein
einzig Volk von Brüdern, in keiner Not rrns trennen und Gefahr", mußte er eine Pause machen, weil diese Worte ein- slimmig und feierlich von den Tausenden der Festversammlung iviederholt wurden. Ein Scherz sei hier eingefügt: Das dortige Schiller-Komitee hatte, den hohen Senat gebeten, am Festtage die Börsen geschlossen zu halten. Diesem Ansinnen wurde aber nicht entsprochen. Sofort bemächtigte sich dieses Verbots der Witz unb sagte, die Finanzmänner hätten cs von jeher geliebt, Dichtern gegenüber dte Börse geschlossen zu halten.
Ein Exemplar des Programms zur Gießener Schillerfeier im November 1859 befindet sich im Besitze der Universitäts-Bibliothek. Es ist in der Brühlschen Universitäts- Druckerei hergeslellt und lautet solgenderntaßen:
Mittwoch, den 9. November.
Abends 6 Uhr: F a ck e l z u g vom Oswald'schen Garten auS (Versammlung um 72 6 Uhr) durch die Neustadt, über den Markt, das Kreuz und den Neuenweg nach der Luthershöhe, daselbst Pflaiizting der S ch i l l e r e i ch e. Rede des Dr. Baur. Anzütidung eines öreubenf euer s. Hierauf Bankett der bei dem ^ackelzng Mitwirkenben int Leib'schen Saale.
6 Uhr: Konzert des Liederkranzes im Saale des Busch scheu Gartens (Vortrag Schiller'scher Poesien nach Kompositionen von Reichardt und A. Weber. Reden des Dr. Schwabe und des 2)111- predigers Lips). Festball.
Donnerstag, den 10. November.
Morgens V.. 8 Uhr: Glockcngeläute und Musik vom Turm der Stadtkirche.'
8 Uhr: Feier in bett verschiedenen Stadt- unb Privätsch n l e n. Austeilung eines von einem Ungenannten gestifteten Erinnerungsgeschenkes an einzelne Schüler.
10 Uhr: Allgemeiner Festzug unter dem Geläute ber Glocken. Versammlung unb Aufstellung der Teilnehmer um 9 Uhr am Oswald'schen Garten, um die Schur nach dem Selterser Tor über das Kreuz und den Markt durch die Ärandgasse nach dem Brande t _
7,11 Uhr: Feier vor der Schiller°Büste auf dem Brande. (Gesang.) Festrede des Dr. K r u m nt. (Gesang.)
’/212 Uhr: Akademische Feier in der großen Aula der Unioerfität (Rede des Prof. Dr. Baur).
Nachmittags 2 Uhr: Feier im Grotzh. Gymnasium ; (deklamatorische und musikalische Produktionen . Schiller'scher , Poesien durch die Schüler. Reden des Primaners D i t t m a r unb
mtv tnt Zuschauerraum so Helle Freude. Bei solchen Hst- tagcn des gebildeten Deutschlands ist just! bet uns in Gießen ein herrlicher gemus loci an der Arbeit; die ganze Bevölkerung nimmt Äntml an derlei. Gedenkfeiern. Gestern war Zunächst die ganze Elite der Stadt im Theater, alle Kapazitäten und Autoritäten auf geistigem wie auf praktr- schein Gebiete; Wissen und Würde und Tüchtigkeit sprach aus fc>en Mienen manches interessanten Charakterkopfes.
Der Gesamteinoruck des gestrigen Abends wird lange nachwirken, im Gemüt der Jugend und den Vetteren eine Quelle weihevoller Erinnerung bleiben!
Pauk Wittko.
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Schiller und Goethe.
Lin Jrrtunr ist's zu glauben, der Verstand Vermög' allein das Wahre zu entdecken. Trotz Urteilskraft unb Logik ist es Kant Gelungen nicht zum Schäme uns zu erwecken. Des Forschers Blicke hemmt oft eine Binde, Und all sein Klügeln, Wägen ist vergebens; Was dunkel bleibt ber Arbeit ernsten Strebens, Gelang zu klaren manchmal einem Kinbe. Ein tiefer Bronnen sprubelt im Gemüte, Der der Erkenntnis matte Kräfte tränkt Unb unvermutet ihre Schritte lenkt Zu ihrem Ziel, der Wahrheit lautrer Güte. Oft ist's ein Traum, ein plötzliches Gesicht, Das uns erkennen läßt der Wahrheit Licht. So herrscht bis beute noch ein Meinungszwist, Ob Schiller ober Goethe größer ist.
Als jüngst ich ruht' in einem Rebenzelt Am Rhein, trug mich ein Traum zur Unterwelt. Ein buntes Heer sah dort ich der Gestalten Von großen Bannern; ich erkannte jeden, Hört' sie behaglich mit einander reden. Da fühlt' ich plötzlich meinen Schritt gehalten Durch einen Anblick hehr unb wunderbar: Ich schaut' auf unser großes Dichterpaar! Zch sah sie plaudernd auf- unb niebergehen. Sie blieben plötzlich schweigend vor mir stehen. Da zog vor Goethe tief ich meinen Hut. Als ich zu Schiller bann die Blicke wandte, Traf mich so mächtig seiner Augen Glut, Daß mir das Herz von inn’ger Lieb' entbrannte. Ich könnt nicht anders; hin zog's mich mit Macht. In seine Arme war ich hingesunken Und ruht' an seiner Brust, vor Wonne trunken. Mein Herz hatt' jedem Huldigung gebracht, Wie es gefühlt in seinem dunklen Triebe, Dem der Bewunb'rung Scheu, dem anderen Liebe. Da lächelt' Goethe: .Junges Menschenkind", Sprach er, „ich seh', es macht euch noch auf Erden Der Streit um uns vergebliche Beschwerden. Ihr wißt nicht, daß wir nicht zu trennen sind. Mir ziemt' nicht eure Ehrfurcht, wenn nicht Liebe Zur Menschheit weckte meines Geistes Triebe, Und meinen Freund dürft ihr nicht minder ehren: Er mußt' der Dichtkunst Höchstes euch zu lehren. Drum streitet nicht! Merkt, was ich offenbare: Sprecht immer nur von eurem Tichterpaare!
August A m m a n n.
*
= Schiller und Itzehoe. Das in Schleswig-Holstein Gelegene Städtchen Itzehoe hält sich zwiefach verpflichtet, Schiller feiern. In „Wallensteins Sager“ wird bekanntlich der „Herr Mosjö, der lange Peter von Jtzeho" erwähnt. Der Name der Stadt wird zwar Jtzeho ausgesprochen, hat sich aber des Reimes wegen die llmtaufung in Jtzehö gefallen lassen müssen Die „Jtzehoer Nachr." haben noch eine andere Beziehung Schillers iu Itzehoe aufgefunden. Sie schreiben: „Wir sind in ber Lage, ein Spur aus Schillers Privatleben aufzildecken, die ebenfalls »ach Itzehoe hinführt. Im Todesjahre 1805 notierte Schiller (tn Kalender: am 19. März: „ein Eimer Würzburger Wein von Zapf wofür noch 20 Rthlr. restiere." Die 20 Reichster ist Schiller bezw. sind dessen Erben schuldig geblieben bis
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