Ausgabe 
5.8.1905 Zweites Blatt
 
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Vermiete*-

Rheinisches

| Technikum Bingen

frei.

SS 7t

einen Blumenstrauß in

Albert, hing. Andenken bis gehalten hat. Friedrich an

fUr Maschinen- u. Elektro­technik, verbunden mit ChautTeureohule.

der Rechten; darum herum allerlei Szenen aus dem Volks­leben, darunter derHerr Maler", um den sich die neu­gierige Dorfjugend versammelt nebst Gänsen und Hunden und Kinderwägelchen, dann das Hase'sche Wirtshaus in lieblichem

Müde rauschen die Sicheln im Korn: Lang war der Tag seit der Frühe, Spitzig die Stoppet, holprig der Schorn, Tausendfältig die Mühe.

Horch! da tönt aus dem Törslcin heraus Abendglocke den Frieden.

Und den Acker zum Gotteshaus Wethen scheidend die Müden.

Betend beim friedlichen Glockenschlag

Ihre Reihen durchhallt es:

Herr, Tu schtrmlc-sl uns diesen Tag, Schirme uns weiter.... Golt walt' esI"

(Fortsetzung folgt.)

Itbewährte Nahrung für Kinder, Kranke,Genesende., Verhütet u.beseiUot:Di?rrho". ßrechdurch^l1, D^rmKatarrn.

AosM svs ötn )rjsvdkssmlsrktzlLe:ll der Stahl Siktzev. Aufgebote.

Juli. 29. Dr. Karl Vötsing, Grobh. Gerichtsassessor m Fürth j. Odenw., mit Julie Luise Wilhelmine Hellwig dahier. 29. Heinrich Karl Etter, Schaffner dahier, mit Elisabeth Horst hierjelbst. 31. Aalthaser Opper, Bäcker dahier, mit Johanna Neuhaus in Krosdori. August. 2. Johann Markert, Kellner dahier, nut Antonie Henze Hierselbst.

Eheschließungen.

Juli. 28. Julius Dreifuß, Kaufmann in Frankfurt a. M., mit Anna Kaan dahier. August. 1. Oskar Salomon Slipper, Kauf­mann in Brüssel, mit Lilli Katz dahier.

Geborene.

Juli. 23. 2em Kutscher Christian Burk eine Tochter, Anna. 26. Dem Bierbrauer Franz Buchberger ein Sohn. 26. Dem expe­dierenden Weichensteller Eberhard Schmidt ein Sohn, Helmut Wil­helm Eberhard. 26. Dem Kaufmann $nfob Allhaus cm eohn, Karl. 27. Dem Schuhmacher Adam Töbus ein ^ohn, Friedrich Johannes Adam. 27. Dem Mechaniker Heinrich Fitzler ein Sohn. 28. Dem Hilfstelegraphisten Karl Geitz ent Sohn, Erich Konrad Heinrich Karl. 28. Tein Geschäftsreisenden Peter Kasper eine Tochter, Erika. 28. Dem Friseur Karl Hermann Schenk em Sohn, Karl Hermann. 30. Dem Fabrikanten Joseph Kreuter Zwillinge, Franz und Friedrich. 3u. Dem Lackierer Theodor oeipu ein Lohn.

Gestorbene.

Juli. 29. Andreas Krug, 36 Jahre alt, Taglöhncr dahier. August. 1. Arthur ©rollert, 30 Jahre alt, Braumeister dahier. 3. Karl Retter, 32 Jahre alt, Kaufmann dahier.

mich in der Küche um. Sie ist groß und geräumig, blitz- auber, der Herd aus Steinen gemauert und nut Koch- Maschinen aller Art versehen, der Küchenschrank aus

Ein interessanter Brief der Kaiserin Friedrich aus den ersten Tagen jener Zeit, da sie noch Prinzessin Friedrich Wilhelm von Preußen hieß, wurde so­eben in London öffentlich versteigert. Dies erscheint deshalb etwas wunderbar, weil der Brief an den Bruder der Kaiserin, König Eduard VII., gerichtet war und man doch eigentlich annehmen sollte, daß er nicht aus dem Besitze seines Adressaten hätte gelangen können. Der Brief legt ein schönes Zeugnis ab von der rührenden Liebe, mit der die Prinzessin Viktoria an ihrem Vater, dem Prinzgemahl Man weiß, daß sie ihn vergötterte und sein

zu ihrem eigenen Ende stets treu in Ehren In diesem Briefe schreibt die spätere Kaiserin ihren Bruder, den damaligen Prinzen von

Umstand, daß in der zweiten Sitzung der Einigungsromnusiton die Hauptwortführer der Unternehmer, die Herren Fritz uno Schmiedehaus, fehlten (für dieselben waren andere Herren ein» getreten). Hinterher wird bekannt, daß die bechen Herren toat)» reitb der Einigungsverhandlungen im Lande herumretsten und in Hessen und Hannover sich nach eventuellem Er 1 atz fur die ausgesperrten Arbeiter umsahen. ^wse Tatsache ist umso befremdender, als in der ersten Sitzung der Emtgungs- kommisfion abgemacht wurde, daß für die Dauer der Verhand- lunaen Waffenstillstand herrschen sollte. Augenblicklich liegt im Aussperrungsbezirk das Verhältnis folgendermaßen: Von den Unternehmern hinzugezogene Bauarbeiter, welche als Ar­beitswillige dienen sollen, werden gleich bei ihrer Anmnst auf den Bahnhöfen von Vertretern der in Frage kommeichen Arbeiter­organisationen in Empfang genommen und mit Jtei|egelD_unö einem Fehrpfennig versehen wieder S u r u ck g e f ch i ck t. ^i.ese Maßnahme hat zurzeit noch Erfolg. Doch dürfte vielleicht eine Aenderung eintreten, wenn die Erntearbeiten erledigt find, weil bei diesen die abgeschobenen Bauhandwerker zurzeit iwch ver­dienstbringende Aushilfsarbeiten tun können. ^er Arbeitgeber- bund scheint anzunehmen, daß nach Beendigung der Erntearbeiten es den xDrganifattonen nicht mehr gelingen wird, den Zuzug in solchem Maße wie bisher fernzuhalten. Nicht unmöglich wird es fein, daß es alsdann zu Auseinandersetzungen zwischen den Arbeitsivilligen und den Streikerchen kommen wird, tfür oie)e Fälle ist eine Regierungsverfügung ergangen, nach _ der die Be­schäftigung ausländischer Polen in der Industrie unzu­lässig ist und andere von den hiesigen Bauunternehmern etwa herangezogene ausländische Bauhandwerker aus gewiesen wer­den sollen, falls durch ihre Heranziehung Ruhestörungen zu er­warten sind. ,

Bochum, 4. Aug. Von den im.Aussperrungsgebiete be­findlichen ausgesperrten 2196 Bauarbeitern gehören 1224 der freien, 972 der christlichen Organisation an. Beide Organisationen gehen, wie im Bergarbeiterstreik, geschlossen vor. Die Leitung ist einer Scchserkommission, bestehend aus freien und christ­lichen Gewerkschakflssührem, übertragen.

Wales, u. a.:

Wie ich Dich darum beneide, daß Du in der Lage bist, mit unserem lieben Papa über alle Dinge zu sprechen, die vor­gehen. Ach, laß mich, als Deinen besten Freund, Dich beschworen, Lieber, Nutzen zu ziehen aus dem, das er Dir sagt. Du weißt nicht, wie man sich nach einem Worte von ihm sehnt, wenn man, wie ich, fern von ihm ist!"

Bei der Auktion dieses Briefes fand sich zufälligerweise niemand ein, der ihn seinem früheren Besitzer, dem Könige, hätte zurückgeben können, und so wurde er denn für den Preis von 7 Pfund Sterling, d. h. 140 Mk., irgend einem unbekannten Liebhaber von Autogrammen zugeschlagen. Habent sua lata epistolae! ....

Berlin, 4.Aug. Graf Pückler-Klein-Tschirne wurde gestern nachmittag in Berlin verhaftet. Die Polizei be­wachte alle Bahnhöfe, da sie nicht wußte, wo der Graf, der gestern der ihm drohenden Verhaftung in Kottbus ent­gangen war, ankommen werde. Graf Pückler kam mit dem Berliner Schnellzuge an und wurde um 8/47 Uhr, als er ein Abteil zweiter Klasse verließ, von einem Polizeiofsizier ver­haftet und nach der Wache gebracht. Die Verhaftung voll­zog sich ohne Aufsehen.

Eine Maus als Brandstifterin. In emem

Stalle deS Rittergutes Grüningen bei Weißenfee in Thüringen entstand vor einigen Tagen durch Kurzschluß der elektrischen Anlage ein Brand. Als man die Brandstelle näher unter­suchte, wurde hinter der Platte, an der die Isolierungen an­geschraubt sind, eine stark verbrannte Maus gefunden. Sie hatte beim Ueberlaufen der Drähte eine Verbindung derselben hergestellt, infolgedessen waren die Isolierungen durchgebrannt und das Feuer entstanden.

* Kleine Tageschronik. In Bleicherode (Harz) wurde der Bürgermeister Preiß von der Berliner Kriminal- Polizei wegen Vergehens gegen § 15 des Strafgesetzbuches v c r - haftet. Nach dem Genuß g i f t i g e r P i l z e v e r st a r Den in der Familie des Häuers vlezol in Cz erwion ka (Lbericht.) roei Söhne, ivährend die Ehefrau lebensgefährlich enrantt ist. In Rotenburg Ort, einem Stadtteil von Hamburg ist bei der Gasanstalt ein Schacht eingestürzt, wobei fünf Menschen verschüttet wurden. Zwei davon sind tot. Im ganzen P u st e r- t a l c sowie im Ampezzo-Tal hat ein 36 Stunden andauern­des Unwetter großen Schaden angerichtet. Tie tfiiißlaiifc smd über die Ufer getreten, besonders die Trau ist erheblich^ge- ftiegen, sodaß Katastrophen befürchtet werden. Im cngl. ^Lee- Pad Ramsgate entgleiste ein Wagen der elettiischen Stra­ßenbahn und stürzte von einer Klippe etwa haushoch auf den Strand herab. Der Wagenführer wurde zerschmettert. Tie Passa­giere, eine junge Dame und zwei Knaben, erlitten schwere Verletzungen.

Sie wurden rot, sie wurden warm Und ruhten atmend Arni in Arm, Juchhei Juchhe!

Juchheisa! Heisa! He! Und Hüst an Ellenbogen."

Hier ein junger Bauermit bunter Jacke, Band und Kranz", dort eine schöne Dirne, gleichfalls Reproduktion eines bekannten Bantzerschen Bildes in vollem Staat wie zur Hoch­zeitgebrettert" odergeschappelt". Wer versteht als Städter den Unterschied! Eins ist so kunstvoll wie das andere. Wer Lust hat, sich über diese Termini technici genau zu unter- »schien, lese darüber in der vortrefflichen HeßlerschenHessischen Landeskunde" nach, in der der Lehrer und Dorfpoet I. H. Schwalm aus Obergrenzebach sein Heimatland so hübsch und mit so warmer Liebe schildert, daß man dieses Kapitel als das beste des ganzen dickleibigen Buches bezeichnen möchte. Auch das nach meiner Meinung beste Bild Bantzers, das Abendmahl in einer hessischen Dorfkirche" mit seinen pracht­vollen Charakterköpfen, das in seinem einheitlich dunkelblauen Ton und seinem milden Doppellicht von Tag und Altar­kerzen eine so weihevolle Stimmung auSströmt, hängt in kleinem Format an einer der Wände. Ein vielleicht hundert­jähriger geschnitzter Brautstuhl, dessen Lehne sich nach oben hin verbreitert und der mit seinen Rosetten an norwegische Bauernkunst erinnert, bildet, neben allerlei anderen an den Wänden angebrachten geschnitzten Kuriositäten, eine weitere Zier des Zimmers. Am augenfälligsteii aber ist die Tur, die ganz mit kleinen Genrebildchen bemalt ist: in der Mitte, einander gegenüber, ein gravitätisch die lange Pfeife rauchen­der Hase (wohl in Anspielung auf den Rainen deS Wirtes und ein Bauer in der schmucken Volkstracht, dem langen

Arbetterbew.gung.

Gera, 4. Aug. Ter Stablrüt hat die Genehmigung einer öffentlichen Geldsammlung für b i c auSge sperrten Fabrikarbeiter versagt, weil man hierin eine Parteinahme er­blicken müßte. Sofern Unterstützungsbedürftige vorhanden sind, die von keiner Organisation unterstützt toerben, sollen diese von der staatlichen Armenkasse in entgegcnkommenbcr und ausreichen­der Weise Unterstützung erhalten.

Eichenholz.

Endlich bringt unS eine alte Quätschkathereng, die uns 10 Jahre früher gewiß anmutiger bedient hätte, Kaffee und Kuchen. Die anderen Gäste aber scheinen schon das Beste uns vorweg bekommen zu haben.Bo m'r sich net faat eßt, äckt m'r sich öch net faat." Doch »bester aut wie naut." Bald aber schwingen wir uns wieder auf unsere Räder und radeln gemächlich durchs Dorf mit seinem absichtslos durch- einander gewürfelten Häusergewirr. Reinlich kann man daS von der Antreff durchflostene Dorf gerade nicht nennen, aber die Häuser mit ihrem starten Holzwerk, ihren zum Teil ab- gesetzten Stockwerken, bei denen das obere über das untere ein wenig hinauSragt, sind doch vielfach recht malerisch, und hier und da fällt uns eine gereimte HauSinschrift auf. So der folgende Vers weltschmerzlicher Volksweisheit:

Sieh vor Dich, sieh hinter Dich, Die Welt ist gar so wunderlich: Tie Liebe ist gemein, Die Trauer gar zu klein."

Jetzt haben wir die letzten Häuser hinter unS und hinaus gehts wieder auf eine Höhe. Wir blicken uns um und sind überrascht von dem reizenden Anblick. Da ist ja auch, ganz in Grün geborgen, das hochragende uralte Schloß derer von Schwertzell, dessen als schön gerühmten Park wir zu besuchen vergessen haben. Aus dem Felde sehen wir manchen fleißigen Landmann bei der Ernte. Es ist gegen Abend. Geben wir dem Dichter der Schwalm das Wort:

Die KU nst. Monatshefte für freie und angewandte Künst München (Der'.agsanstalt F. Bruck manu A.-G.). Preis vierteljährlich 6 Mark. Die zweite Ausstellung des Dcutschen Künstlerbundes, die gegenwärtig in Ber l in ftattfinbet, wird in diesem Hefte durch zahlreiche Llbbildungcn hervorragender Werke, begleitet von einer M Handlung Hans Rosenhagens, vorgeführt. Eugen Kalkschmidt spricht mit ticf- bringenbent Verständnis über das ThemaDie Grotzstadt, das Naturgefühl und die Landschaftskunst". Endlich findet berjungft wieder heftig entbrannte Meinungsstreit über den Impressionis­mus, bei dem auf der einen Seite Henry Thode uno Hans Thome, auf der andern Meier-Gräfe und Max LieHer­mann fechten, eine objektiv chronistische Darstellung seines bis­herigen Verlaufs. Ten dekorativen Teil füllt im wesentlichen eine textlich unb illustrativ gleich "interessante Darstellung des dritten Münck-ener KünsUerhcims, das sich denen der Lenbach und Stuck würdig anreibt, desjenigen Benno Beckers. Die streng klassischen Stilarten jener beiden anderen Dillen sind bei dieser neuen einer durchaus modernen Kunstauffassung von edelster Ginfad)bcit gewichen und das Haus dieses Künstlers kann als ein Meisterstück des Münchener Kunstgewerbes gelten. Geschäften ist das Haus von Paul Ludwig Trvost.

Ein russischer Militär-Roman. Dor einiger Feit drang die Nachricht auch m deutsche Blätter, daß bem russischen Schriftsteller A. Kuprin, dem Veriasser deS Militär-Romans Das Duell", ans ben Kreisen des russischen Oifizierkorps eine Fustinnnungs- und TankeSerklärung iür die offene und ergreifende Art, in der sein Werk die Z u st ä n d e im russischen Heer schildert, Angegangen sei. Dieser Roman wird jetzt von der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart in deutscher Uebcrietzung herausgegeben. Er wird bei unferm deutschen Publikum das lebhafteste Interesse ftnden, ist doch Kuprin, waS nicht von allen Dersassem der in den letzten Jahren erschienenen Militär-Romane gesagt werden kann, ein Dichter, der seinen Gegenstand nicht nur mit elndringender Sach­kenntnis und Wahrheitsliebe, nicht nur mit Patriotismus, sondern auch mit feinem Gefühl und mit psychologischer Meisterschaft be­handelt und so em Werk geschaffen hat, dessen innerer Wert auch über die ihm heute betzutegende akiuelle Bedeutung hinaus den Leser anziehen und feffetn roivö.

Auf bet 9. internationalen Kunstausstellung zu München erhielt, wie uns mitgeteilt wirb, Prof. Martin S)ülfer in München die Medaille L Klasse.

Grün 2C. 2C.

Längst sitzen wir wieder in unserer Laube. Aber der bestellte Kaffee läßt gar so lange auf sich warten. Mit dracke Brot on Aergernis" wollen wir uns nicht begnügen. Ich wandere also ins Haus zurück, und bald bin ich, da die den Korridor putzenden jungen munteren Mägde keinen vernünftigen Bescheid geben, in der Küche bei der Frau Wirtin. Eine auffallend hübsche junge Frau, groß und schlank, mit pechschwarzen Augen und rabenschwarzem Haar, odaß man gern gewillt ist, zu glauben, daß die Schwälmer, wie behauptet wird, Abkömmlinge der Römer oder doch vorgermanischen Ursprungs seien. Sie verspricht, daß das Bestellte recht bald zur Stelle sein werde. Ich aber sehe Sie ist groß und geräumig, blitz­

end in den Wein fielen, über hingesallene Tropfen des Werns aufsogcn. Dadurch wollten sie diese Gegenstände wirkungslos machen. Es entwickelte sich deshalb in der ersten Christen eit - eine strenge Gesetzgebung. Um ben Wein nicht zu verfchutten ' tauchte man die Hostie in den Wem und genoß so Leib und Blut gleichzeitig, mit großen Wedeln wurden bie Insekten vertrieben. ; Die Priester wurden gewarnt, Brotkrumen auf die Erde fallen zu lassen oder Wein zu verschütten. Der König von Aethwpien ordnete an, daß widrigenfalls der Priester 153 Geiselhiebe er­halte und drei Tage fasten müsse, der König felbft erhalte zur Sühne drei Geiselhiebe. Je mehr in der kachvlftchen Kirche sich der Glaube ausbildete, daß Leib und Blut Christi »mrNich vor­handen seien, um so größer wurde die Sorge. Bischof K'o l nm da der Jüngere verfügte, daß das Brot nicht an bie Zähne tontmen dürfe. Zum Schutze gegen die Profanierung der Abendmahls­elemente forderten selbst die Laien Mittel, so z. B. die Ver­abreichung durch einen Löffel. Tie Hostie wurde Nicht mehr ge­brochen, sie wurde ferner nicht in die Hand gegeben, 1 andern direkt vom Priester in ben Mund geschoben. Gr egor der Grotze schaffte bie Trinkröhrchen an, die sich lange erhielten. Im /. Jahrhundert wurde verordnet, daß ein Priester, der Wem verschüttet, 40 Tage Buße tun müsse. Ein Tuch, auf das em tropfen fiel, mußte vom Priester sofort abgeleckt, bann ausgcwaichen und verbrannt werden, Holz wurde abgehobelt.unb bie »pane ver­brannt. Im 13. Jahrhundert wurden fogar. die ftleiberteile herausgeschnittcn und verbrannt, Insekten herausgenommen, ver­brannt und ihre Asck)e unter ben Altar gelegt Bischof Ea, alis ganz besonders ließ es an Sorgfalt und strenge nicht fehlen. Die Kelchentziehung in der katholischen Kirche ist eme Folge bet Dämonensurcht, da sich viele Laien weigerten, den Kelch an­zunehmen Die Lutheraner haben nach der ReformatiMi viele altkirchliche Bräuche beim Abendmahl beibehalten, bie mit Strenge und Sorgfalt die Entweihung der Elemente Brot unb Wem zu verhüten suchten. Luther hat Männer mit Barten getabelt, weil baburn) leicht Weiutropfen zur Erde fielen. Joh. Vagen­burg berichtet, daß 1542 in Wittenberg m Gegenwart Luthers einWeibsbild" den Kelch umstieß, fodaß der Wem auf ihr Kleid floß. Er wurde abgeleckt, der Teil des Kleide- heraus­geschnitten und verbrannt. Im 16. Jahrhuiidert wurden die Trinkröhrchen wieder in vielen Teilen Deutschlands emgefuhrt, so in Brandenburg, Hamburg und Heften ^B u tzb a ch) 1596 chaffte man sie in Kassel ab. Eine andere eittc war das Vor- balten eines Tüchleins, bannt Wem unb Brot nicht zur Erde fielen Diese Sitte kommt heute noch vereinzelt m Heften unb Sachsen vor. Der Glaube an Dämonen beim Abendmahl war in altkirchlicher Zeit allgemein und veranlaßte eine große Anzahl Sitten und Gebräuche, um sich zu schützen.

Lebhafter Beifall wurde dem Redner von den zahl­reichen Zuhörern für seinen spannenden Vortrag zuteil. Der Vorsitzende, Prof. Dr. Strack, sprach den Dank aus und wünschte der großen, wissenschaftlichen und nationalen Sache der Volkskunde auch weiterhin den besten Erfolg.

Der Bauarbeiterstreik in Rheinland-Westfalen.

Krefeld, 4. Aug. 1905.

Heute begann hier bet allgemeine Streik der Bauarbeiter. Mur zwei Firmen haben ben Handlangern unb Maurern ben ge­forderten Lohn von 42 unb 52 Pfg. bis 1. April 1906 zugestandeu. Die Firmeninhaber wurden aus der Bauinnung auSge,chloften. In einer gestern abgehaltenen Versammlung wurde über bie Lage der Arbeiter berichtet, die als s c h r g ü n st i g bezeichnet wurde. Es wurde mitgeteilt, daß von G00 hier beschäftigten Arbeitern 23o Maurer und 145 Bauhilfsarbeiter streikten, die färntlich orga­nisiert feien. Die noch arbeitenden Kollegen wurden meistens von kleineren Unternehmern beschäftigt.

Essen, 3. Aug. Der Ausgang der Generalversamm­lung des Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe, die am Sion tag in Witten stattfand, hat nicht den Erwartungen entsprochen, welche bie Einigungskommission auf ihn gesetzt hatte. Schon bei Beginn der ersten Versammlung von Vertretern der Arbcitnebmer unb Arbeitgeber in Essen, welche bie Emigungs- Verbanblungcn einleiteten, wurde seitens des Arbeitgeberbundes ine bündige Erklärung der Vertreter der Arbeitnehmer verlangt, ob letztere bindende Abmachungen treffen tönnten, was von leiten der Arbeitervertreter zugestandeu wurde. Dementsprechend hätte man erwarten müssen, daß auch die Vertreter des Arbett- geberbundcs bevollmächtigt gewesen wären, folto bindenden Ab­machungen zu treffen. Es hat sich nun. aber herausgestellt, daß trotzdem in der letzten Sitzung der Einigungsverhandlungen die 'Vertreter des Arbeitgeberbundes sich bereit erhärten, die er­zielten Ergebnisse in der Generalv^sammlung m Witten zu ver­treten, dort einstimmig em schroff ablehnender Beschluß gefaßt wurde Dies ist kaum erklärlich. Merkwürdig ist auch der

|bemalten .Holzsachwerk sel/r schmuck präsentiert. Aus bem, loeiBen Kittel und dem Dreimaster, Heinen Vorgarten tönen uns laute Stimmen entgegen Dort sitzt am Hause unter Linden bei fröhlichem Geplauder städtische Jugend, Männlein und Fräulein, um einen reich ^deckten Kaffeetisch. Auch wir finden noch ein Plätzchen in einer Laube. Zuerst aber lassen mir uns bas Maler- Äimmer zeigen, ein gemütliches Gemach nut zahlreichen Bilbchen an ben Wänben, teils flotten Hanbzeichnungen, nach ber Natur, teils Porträts, unter benen uns bas des finnenben bärtigen Knaus auf fällt, teils hübsche farbige Reprobuttioneu bekannter Schwälmer Gemälbe, darunter ber baechanalisch wilb wirbelnde Ban tz e r sche Dorftanz, ber neulich bei uns in Gießen zu sehen war unb ber uns an Goethes wunbervolles Aauerntauzlieb aus demFaust" erinnert, das Lassen so flott unb so mitreißenb pmckelnb graziös in Musit gesetzt hat:

Doch luftig in dem Kreise gings, Sie lanztcn rechts, sie tanzten links, Und alle Röcke flogen.