Ausgabe 
5.7.1905 Erstes Blatt
 
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Dütay ZwangsbeMerBe ihren Verpflichtungen zu entziehen. Diese wirtschaftlichen Schwierigkeiten werden nm so härter empfunden, - ulS die russische Industrie eben erst eine direkt verheerende Krisis durchgemacht hat. Nach der Landwirtschaft iind Jndirstrre , sind jetzt auch Handel iind Hafenverkehr in ernste Verlegenheiten -gekommen; denn die Häfen von Odessa und Libau sind, tote toir wiederholt bemerkten, speziell für den Getreideabsatz nach dem Auslande von größter Bedeutung.

Diese Störungen des Erwerbslebens sind für die Zukunft vielleicht noch bedenklicher, als für den Augenblick. Hunger tut Weh, aber der russische Bauer, der russische Arbeiter sind unglaublich bedürfnislos. Sie nehmen das Elend als unvermeidliche Fügung des Schicksals hin. Der Staatsmann und Wirtschaftspolitiker aber sieht düster in die Zukunft. Woher sollen bei der allgemeinen Krisis die Steuern und, Abgaben be­schafft werden? Wenn keiner arbeitet, keiner verdient, wie soll er die Steuern zahlen? Dazu kommt eine noch viel größere Gefahr: In einem bedeutenden Teile des Reiches droht eme Mißernte. Zwar im Südwesten scheinen die Ernteaussichten günstig zu sein, umso schlechter steht's im Norden und m Zentralrußland. Trotz aller industriellen Bestrebungen ist Ruß­land ja überwiegend ein agrarisches Land. Seine Ausfuhr an landwirtschaftlichen Produkten ist ein wichtiger, ja, der wichtigste Posten in der internationalen Zahlungs­bilanz des Landes. Voraussichtlich wird es für den Export sogar an den nötigen Waggons fehlen, denn die Transporte nach dem fernen Kriegsschauplätze haben den größten Teil des Eisenbahn­materials in Anspruch genommen. Diese Schwächung des wirt­schaftlichen OraanisMus ist noch bedenklicher deshalb, weil der Friede den Russen die VervflichtilNg einer riesigen Kriegs­entschädigungsanleihe auserlegen wird. Zinsen und Tilgung dieser Schuld müssen natürlich auch aufgebracht wer­den. Die russische Wirtschaftspolitik wird sich also vor Aufgaben von überwältigender Schwere gestellt sehen.

In all den inneren und äußeren Nöten haben sich die Kurse der russischen Werte entschieden behauptet. Russische Werte haben sich von jeher großer Beliebtheit beim Kapitalistenpublikum erfreut. Aber das allein hätte die Kürse nicht gehalten, wenn nicht von vornherein starke Hände der Hochfinanz eingegriffen hätten. Diese rechtzeitige Intervention hat die Möglichkeit einer Deroute immer wieder im Keime erstickt. Die Hochfinanz hat dem russischen Kredit und der ganzen Zukunft des Reiches einen Dienst geleistet, der nicht genug geschätzt werden kann. An den russischen Staatsmännern ist es, das Reich durch die noch kommen­den wirtschaftlichen Schwierigkeiten durchzusteuem.

Aus Stadt und Kau-.

Gießen, 5. Juli 1905.

-Das Großherzogspaar von Hessen wird dem­nächst, so lesen wir in einem auswärtigen Blatte, zu einem mehrwöchigen Besuche bei dem Prinzen und der Prinzesin Heinrich von Preußen auf deren bei Eckernförde gelegenen. Landgute Hemmelmark eintreffen.

" Personalien. Durch Entschließung des Großh. Ministeriums der Justiz wurden die Gerichtsakzesststen B ecker aus Darmstadt, Dittmar aus Darmstadt, Holzapfel aus Altenstadt, Kern aus Bensheim, Dr. Meuser auS Mann­heim, Neuroth aus Griesheim und Scriba aus Darm­stadt zu Gcrichtsassessoren ernannt.

* Werkmeister Johannes Bierau aus Wies eck, der seit 1862 in der Zigarrenfabrik von Arnold Mueller tätig war, ist im hohen Alter von 79 Jahren gestorben. Bierau ist am 2. Dezember 1826 geboren; er erhielt am 2. Dezember'1899 das allgemeine Ehrenzeichen und feierte im vorigen Jahre, wie wir damals berichteten, seine goldene Hochzeit. Bis vor kurzem ging er noch seinen gewohnten Berufsgeschäften nach.

* Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Am heutigen zweiten Ziehungstage der 2. Klasse der 6. Lotterie siel die Prämie von 75 000 Mk. auf Nr. 75963 (nach Mainz), ein Gewinn von 25 000 Mk. auf Nr. 72723 (nach Mainz), ein Gewinn von 5000 Mk. auf Nr. 688, Gewinne von je 400 Mk. auf Nr. 49442 81886. (Ohne Gewähr.)

* * Gießener Volksbad. Im Juni wurden 12777 Bäder verabreicht gegen 11891 im Mai 1905 und 13107 im Juni 1904 oder im Durchschnitt pro Tag 426 Bäder gegen 384 im Mai 1905 und 437 im Juni 1904. Der Besuch im einzelnen hat sich folgendermaßen verteilt:

Schwimmbad 6057 Männer, darunter 787 zu 10 Pfg.,

2018 Frauen, 412 10 ,

Wannenbäder 1. Klasse 308 Männer, 166 Frauen,

2. 812 627 ,

Dampf- und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 122 Männer und 33 Frauen, Brausebäder 2126 Männer und 508 Frauen. Die Personenwage wurde von 280 Per­sonen benutzt und das Bad von 4 Personen besichtigt.

** Besitzwechsel. Das Hotel Viktoria ist für 187 000 Mk. an Hotelier Schmidt in Wiesbaden verkauft worden. Die Uebernahme erfolgt am 1. Oktober d. I.

** Ertrunken. Unteroffizier Milke von der 4. Kompagnie unseres Regiments, ein sehr guter und sicherer Schwimmer, wurde gestern, als er einen Schwimmschüler vom Tode des Ertrinkens retten wollte, von diesem um­faßt und in die Tiefe gezogen. Einem dritten den beiden nachspringenden Soldaten gelang es, den Schwimmschüler zu retten, während Milke, der wahrscheinlich von einem Krampf befallen wurde, ertrank.

Geschäftsjubiläum. Heute sind es 25 Jahre, daß Herr H. F. Nassauer eine Kolonialwarenhandlung hier eröffnet hat. Nach einigen Jahren wurde dann das Geschäft, das allmählich sich vergrößerte, nach Neuenweg 15 verlegt, wo es heute noch von Herrn Nassauer betrieben wird.

** Feuerwehrjubiläum. Die Anmeldungen der Feuerwehrleute von nah und fern zu dem Feste mehren sich, so schreibt man uns, täglich, und es unterliegt keinem Zweifel, daß trotz der derzeitigen vielen Festlichkeiten eine stattliche Anzahl Wehrleute sich zu ihren Kameraden nach Gießen begeben werden. Mit der Eisenbahn-Verwaltung sind Extrazüge vereinbart worden; der Empfangs- und Wohnungs-Ausschuß ist zur Zeit ganz besonders an der Erledigung der ihm zustehenden Vorarbeiten, wozu man ihm den besten Erfolg wünschen muß. Ueberhaupt kommen nun alle Festausschüsse zur intensiveren Arbeitserledigung heran. Die Wirtschaften sind an bewährte Männer ver­geben, die Getränke haben eine Vorprobe gefunden und deren Lieferung ist hiesigen Firmen übertragen worden. Die Installation des elektrischen Lichtes und der Quell- wasstrleitung nach dem Festplatz ist zur Zeit im Gange; die Feuerwehrübungcn erregen größeres Interesse; die ein­zelnen Vereine stehen in der Beratung, auf welche Weise sie den beiden Wehren ihre Sympathie bezeugen sollen.

Die Gesangvereine Ken unausgesetzt ihre Gesamtchöre mit vollbesetzter Stimmenzahl, und die Turner der Gießener Turnerschaft stehen nicht minder mit ihren Leistungen zur Verherrlichung des Festes in wackerer Arbeit. Mit Lust und Liebe geht man allerwärts heran, um den Freunden in der Not auch einen Gegendienst zu erweisen.

Zu dem gestern gemeldeten Radunfall und unsere daran geknüpfte Bemerkung teilt im§ das Großh. Polizeiamt mit, daß § 16 Absatz 2 der Radfahrerordnung vom 10. Oktober 1899 folgendermaßen lautet:Ferner ist e8 verboten, ein einsitziges Zweirad durch mehrere Personen zu gleicher Zeit zu benutzen und beim Fahren innerhalb der Ortschaften die Lenkstange vollständig loszu- laffen oder beide Füße vom Pedal aufzuheben." Die Schutz­mannschaft ist schon lange angewiesen, derartige Ueber- tretungen der Radfahrerordnung, durch welche in der leicht­sinnigsten Weise Unglücksfälle hervorgerufen werden, zur Anzeige zu bringen. Es ist bedauerlich, daß die einfachsten Bestimmungen der genannten Verordnung bei dem Publikum immer noch so wenig Beachtung finden.

Uebertriebene Meldungen von Hitzschlag - Fällen bei den Mannschaften des hiesigen Regiments werden vielfach verbreitet. Es ist indessen bisher noch kein einziger Fall von Hitzschlag konstatiert worden, sondern einige Seide, die von Unwohlsein befallen worden sind, sind bereits wieder gesund und können die militärischen Uebungen wieder mitmachen.

** Eine merkwürdige Kinderreise. Von einem Eisenbahnbeamten wurden in Frankfurt, wie wir in einem dortigen Blatt lesen, drei Kinder, zwei Mädchen und ein Junge, im Alter von acht bis zwölf Jahren auf der Mainzer Landstraße, gänzlich erschöpft, ohne alle Mittel, angetroffen. Die Kinder erzählten, sie seien von ihren Eltern in Koblenz mit Fahrkarten nach Frankfurt versehen worden, von da sollten sie zu Fuß nach Oberursel zu ihrer Tante auf Besuch gehen. Sie sollten sagen, daß die Eltern während dieser Zeit umziehen wollten. Die Kinder suchten dann auch die Tante in Oberursel auf, die höchst erstaunt war über den unerwarteten Besuch. Sie sagte ihnen gleich, daß sie keinen Raum für sie habe, und gab jedem ein Frühstück mit den Worten:Macht Euch nur gleich wieder­auf den Heimweg". Die Kinder traten auch sofort wieder die Heimreise an, sie kamen aber nur bis Frankfurt, da sie weder den Weg kannten, noch irgend welche Mittel hatten. Die Polizei benachrichtigte die Behörde in Koblenz und er­suchte um Abholung der Kleinen. Es wird sich zeigen, was die Eltern veranlaßte, die Kinder auf's gcradewohl in die weite Welt zu schicken.

** Auch ein Bescheid. An dem Platze, wo die Alzeyer Irrenanstalt errichtet wird, hat, so berichtet man uns von dort, eine dortige Brauerei eine Kantine auf- aeführt, in der reichlich 200 Personen Platz haben. Ein des Weges kommender Pfälzer fragte, ob dieses Gebäude die Alzeyer Irrenanstalt sei, worauf ihm der Bescheid wurde:Na, Vetter, all, die wo do eneingehe, wissen ganz genaa (genau), was se wollen."

* W o in Deutschland i st es am wärmsten? DerGlobus" veröffentlicht folgende Ausführungen von Wilhelm Krebs:Die Klimatologie des wärmsten Teiles von Deutschland kann in den klimatisch recht interessanten Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts mit wünschenswerter Genauigkeit studiert werden. Vom Deutschen meteorologi­schen Jahrbuch liegen die Jahrgänge 1901, 1902 und 1903 der Beobachtungen im Grotzherzogtum Hessen vor, be­arbeitet von G. Grimm und herausgegeben vom Großh. Hydrographischen Bureau. Der südwestliche Teil des Groß­herzogtums, Rh ein Hessen, gehört zu dem mittleren Rheintal oberhalb Mainz, nach Hann, demSitz der größten Mittelwärme, milder Winter- und hoher Sommertemperattrr. Das Zentrum dieser bevorzugten Gegend darf wohl bei Worms gesucht werden. Diese Station wies jedenfalls im Jahre 1903 das höchste der be­richteten Temperaturmaxima in Deutschland auf. Am 29. Juni 1903 verzeichnete Worms 33V2 Grad Celsius, während als nächstfolgende Orte Frankfurt a. M. am gleichen Tage, Magdeburg und Berlin am 3. Juli nur 33 Grad erreichten. Rom, das für Juni ebenfalls am 29. die Höchsttemperatur, aber nur mit 30 Grad, verzeichnete, erreichte int ganzen JUhre 1903 nur 36 Grad (am 4. September), Nizza (am 3. September), Clermont (am 1. September) sogar auch nur 34 Grad. Jene Junihitze im Rheinhessischen ist umso be­merkenswerter, als sie nur sechs oder sieben Tage nach einem Kälterückschlag einsetzte, der int Großherzogtum Reif­bildung, in tieferen Lagen sogar Frostschäden veranlaßt hatte.

ch Leihgestern, 4. Juli. In schönster Weise feierte am 2. und 3. Juli der KriegervereinHasia" sein 31jährigeS Stiftungsfest. Die von S. Maj. dem Kaiser ver­liehene Fahnenschleife überreichte als Vertreter der Regierung Kreisamtmann Hechler. Weiter wurden dem Verein von den Jungfrauen und den beiden Gesangvereinen Ehren­schleifen überreicht. Bei dieser Gelegenheit wurde auch dem verdienstvollen Schriftführer des Bezirks Gießen, Kanzleirat Keller, welcher demnächst nach Darmstadt zieht, das Ehrendiplom der Hassia überreicht. Die Schüler der hiesigen Schulen mit ihren Lehrern, 50 Festjungfrauen, die Ortsbehörden und 17 Vereine mit ihren Fahnen bildeten den Festzug. Dekan Strack hielt die Festrede.

Friedberg, 3. Juli. Die unter dem Vorsitz des städtischen Prüfungskommissares, Geh. Oberbaurat W., an der hiesigen Gewerbe-Akademie abgehaltene Jngenieur- hauptprüfung in den Abteilungen für Maschinenbau, Elektro­technik, Architektur und Bau-Jngenieurwesen hat wiederum ein günstiges Resultat ergeben, indem nämlich von 34 Ab­solventen die Reifeprüfung 2 mitAuszeichnung", 1 mit sehr gut", 8 mitgut" und 21 mit dem Prädikatbe­standen" ablegten, während 2 Kandidaten von der Prüfung zurücktraten. Ende August d. I. wird ein größeren Teil der Studierenden der Anstalt unter der Leitung ihrer Dozenten die Weltausstellung in Lüttich besuchen.

Urberach, 3. Juli. Eine grauenhafte Tat, der ein Menschenleben zum Opfer fiel, hält die hiesige Einwohner­schaft in höchster Aufregung. Die Landwirte Michel Groh und Georg Seib von hier bewohnen seit Jahren eine Doppelwohnung mit gemeinsamem Hose. Zwischen Groh Und Seib bestand seit langer Zeit tiefgehende Feindschaft. Am gestrigen Abend gerieten die beiden feindseligen Nachbarn aus geringfügiger Ursache wiederum in Streit, der bald in

Tätlichkeiten ausartete. In deren Verlauf ergriff der ca. 38 Jahre alte Groh eine Hacke und führte mit derselben einen solch furchtbaren Schlag nach dem Kopfe seines 57 Jahre alten Gegners, daß dieser sofort mit eingeschlagenem Schädel bewußtlos zusammenbrach. Seib ist seiner furcht­baren Verletzung erlegen.

Frankfurt, 4. Juli. Tas Tiefbauamt der Stadl Frankfurt schreibt: Der gestrige heiße Tag hat eine weitere Steigerung des Wasserverbrauchs in den Stadt­teilen Frankfurt, Sachsenhausen und Bornheim mit sich ge­bracht. Während der Trinkwafferverbrauch am letzten Sams­tag nicht ganz 60 000 Kubikmeter betrug, ist er am Montag bis auf 63 000 Kubikmeter angestiegen, sodaß der Gesamt­verbrauch an Trink- und Flußwasser mit reichlich 77 000 Kubikmeter weit über den bisher jemals erreichten Höchst­verbrauch hinausging. Dieser Gesamtverbrauch, der einem Durchschnittsverbrauch von 284 Liter pro Kopf entspricht, würde noch ganz bedeutend höher geworden sein schätzungs­weise 90 000 bis 100 000 Kubikmeter mehr, wenn nicht schon im Laufe des gestrigen Tages Druckv^rminderungen und in der Nacht Abstellungen in erheblichem Umfange vor­genommen worden wären. Das Tiefbauamt empsiehlt schließ­lich die größte Sparsamkeit im Wasserverbrauch.

* Kleine Mittest unaen ins Hessen und den Nachbarstaaten. Im Forellenteich bei Dornholzhausen badeten nach durchschwärmter Nacht vier junge Leute. Einer von ihnen, der 26 jährige Otto Rath aus Kirdorl, bekam einen Herz­schlag und ertrank. An einem Neubau in Wiesbaden erlitt der Maurer Diehl aus Dotzheim einen Hitzschlag und stürzte vom Gerüst in die Tiefe. Er ist seinen Verletzungen erlegen. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich dieser Tage in Alten­stadt. Der Unsitte, Petroleum ins Feuer zu gießen, fiel ein blühendes Menschenleben zum Opfer, drei weitere, die zu Hilfe eilten, erlitten Brandwunden. Die Täterin, ein sechsjähriges Mädchen, erlag nach einigen Stunden den schrecklichen Brand« wunden. Auch ein Bett, in dem eine Wöchnerin lag, geriet ins Brennen, zum Glück konnte das Feuer rasch erstickt werden.

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Chemnitz, 4. Juli. Heute nachmittag entstand ver­mutlich infolge der großen Hitze in einer Drogerie eine heftige Explosion von Explosivkörpern. Mit ungeheuerer Detonation flogen dieselben über, die Straße und setzten beide gegenüberliegende Häuser in Brand. Mehrere Per­sonen wurden durch umherfliegende Glassplitter und Explo­sivkörper verletzt. Gleichzeitig entstand infolge der Hitze im benachbarten Ermanndorfer Wald ein großer Wald­brand, durch den lx/2 Hektar alten Fichtenbestandes ver­nichtet wurde.

* Kleine Tageschronik. In W i e n hat sich der unga­rische Schriftsteller Alexander Brodh, Vizepräsident des ungari­schen Journalistm-V-rems, durch einen Revolver schuß zu entleiben versucht und dabei lebensgefährlich verletzt. Das Motiv der Tat ist unbekannt. In der Dubliner Bay wurde ein Boot mit sechs Insassen von einem schweren Gewittersturm überrascht. Das Boot kenterte, alle Insassen ertranken.

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d. Mainz, 4. Juli. Der 44 Jahre alte Landwirt und seitherige Gemeinoeeinnehmer Johann Specht aus Abenheim ist vor der Strafkammer der Unter­schlagung und Urkundenfälschung angeklagt. Spacht wurde 1898 Gameindeeinuehmer und führte die Ge­schäftsbücher ganz vorzüglich. ?lls im November v. I. der Revisor des Kreisamtes nach Abenheim kam, um den Ent­wurf zum Voranschlag festzustellen, verweigerte der Specht unter nichtiaen Ausreden die Herausgabe der Bücher und Belege. Das fiel dem Kreisamt auf und es wurde nun eine Revision der ganzen Geschäfte des Angeklagten vorgenom­men. Die Revision ergab ein Defizit von 12 500 Mk., außer­dem soll der Angeklagte bei der Invalidenversicherung Manipulationen gemacht haben. Das Defizit wurde von dem Angeklagten gedeckt; es soll in den letzten anderthalb Jähren entstanden sein. Der Angeklagte besitzt nach den Mitteil- nngen des Bürgermeisters ein Vermögen von 60 000 Mk., er genießt den besten Leumund. Das Gericht verurteilte ihn wegen Unterschlagung von 12000 Mk. zu 1 Jahr Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust, von der Anklage der Urkunden­fälschung wurde er freigesprochen.

Kassel, 3. Juli. Sert drei Tagen wird vor dem hie­sigen Schwurgericht ein Gattenmord-Prozeß ver­handelt. Angeklagt ist der 33jährige Bahnhofswirt Jvhs. Weisel von Bettenhausen, der in der Nacht vom 21. Ja- nur d. I. seiner Frau mit dem Rasiermesser den Hals durchschnitt, während sie im Bett lag. Er selbst wurde am Morgen ebenfalls in seinem Blute gefunden, er hatte scheinbar den Versuch gemacht, sich die Pulsadern zu öffnen. Weisel, der die Restauration auf dem Bahnhof in Bettenhausen, einem Kasseler Vorort, innehatte, war mit einer Lehrerstochter verheiratet, Elisabeth Falk aus Rölls- hausen. Die Ehe, welcher drei Kinder im gegenwärtigen Alter von 6, 4 und 3 Jähren, entsprossen sino, war von vornherein eine wenig glückliche. Es gab sehr viel Streit zwischen den Eheleuten, der sogar wiederholt in Tätlich­keiten ausartete. Wiederholt war die Frau im Begriff, in ihr Elternhaus zurückzukehren. Das Schwurgericht ver­urteilte Weisel wegen Totschlags zu sieben Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust.

Kunst und Wissenschaft.

Der bekannte Bakteriologe, Geh. Medizinalrat Professor Dr. Loeffler (Greifswald) hat ein neues Verfahren zur Im­munisierung der Rinder gegen die Maul- und Klauenseuche entdeckt. gelingt mit Hilfe dieses Verfahrens jüngere wie ältere Rinder gleichmäßig gut zu immunisieren. , Das Verfahren ist sehr billig. Professor Loeffler wird die Einzeb- heiten des neuen Verfahrens auf dem internationalen tierärzt­lichen Kongreß mitteilen, der im Herbst hier tügt.

N e w y o r k, 4. Juli. Das Trinich-College wird demnächst ein Schiff ausrüsten, das mit großen Laboratoriumsräumen versehen wird und für die Erforschung der Flora und Fauna der Tiefsee bestimmt ist.

Nniversttäts-Nachrichten.

Wie uns aus Hannover gemeldet wird, hat der Ver­treter der Physik an der" dortigen Technischen Hochschule, Prof. Dr. Konrad Dietrrici, auf eine Anfrage, ob er bereit sei, als Nachfolger des nach Gießen berufenen Prof. Dr. W. König das Ordinariat der Physik in Greifswald zu übernehmen, den Wunsch ausgesprochen, in seinem derzeitigen Wirkungskreise in Hannover zu verbleiben.

Dttrmstadt, 4. Juli. Die hiesige Studentest-schafr der Technischen Hochschule hat eine Eingabe an das Rektorat der Hochschule beschlossen, worin zwar nicht die Auflösung der konfessionellen Sttldentenvcrbindungen gefordert, aber zum Aus­druck gebracht wird, daß die hier bestehenden beiden katholi­sch e n V e r b i n du n g e n als Korporationen nicht für die hiesige Studentenschaft eristieven, und daß diele somit auch ablekmt-