Ausgabe 
5.7.1905 Erstes Blatt
 
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Mittwoch 5. Juli 1905

155. Jahrgang

Erstes Blatt.

Aie yeutrge Wummer umfaszt 12 Seiten.

Militär

SchotVeatze 7.

Klbresse ffir Depeschen: Anzeiger Gießen.

Ferrilpr?chanlch>nßNr 51

DerPobiedonoszew".

Der im Hafen verbliebeneGeorgi Pobjedonoszew" so fährt dann die offiziöse Darstellung fort, übergab den Behörden eine Lifte der Rädelsführer bei der Ma­trosenrevolte, die mittlerweile in einer Zahl von 67 bereits an Land gesetzt worden sind. Nach der Kapitulation leistete die Be­satzung' von neuem den Treueid. Die von Nikolajew hier ein­getroffene JachtEriklik" brachte 17 Offiziere desPobjedonoszew" mit sich, die, als sich die Mannschaft desBob^'donoszew" mit der desKnjäs Potemkin" vereinigte, nach Dofinowka trans- vortiert worden waren, von wo sie sich Nach Nikolajew begeben hatten Der TorpedobootszerstörerStremitelny" hielt auf hoher See in der Nähe von Odessa den englischen DampferGran- ley" an und brachte ihn nach Odessa; man argwöhnt hier, das; büg Schiff an der Meuterei auf demKrnäs Potemkin beteiligt sei. Man sagt, daß Mitglieder der revolutionären Partei, die sich auf dem Panzerschiff befanden, auf denGran- ley" übergesetzt worden seien.

Auch von diesem Schiffe liegen Meldungen von pri­vater Seite vor, von denen wir folgende hervorheben:

Von der Bejahung desGeorgi Pobjedonoszew" wurden 67 Matrosen, die hauvtsächlich die Meuterei angestiftet hotten, ans Land überführt und im Zollkammergebaude scharf bewaebt. Dann wurden sie unter sckwrfer militärischer Eskorte in das Odessaer Gefängnis geschafft. DerPobjedonoszew" hatte eine Besatzung von 696 Mann. Als er am Freitag sich mit dem meuterischen Potemkin" vereinigte und die Schaluppe des letzteren mehrere der Meuterei sich widersetzende Offiziere in Definowka an Land etzte, erschoß sich der O f f i z i e r G r a g o r k o w mit seinem Revolver Am 3 d. M landeten nach langen Sianal-Nnterhand- lungen zwischen demPobjedoneseew" und den Marinebehörden uver Matrosen und erklärten dem General Kochanow, die Be­satzung sei bereit, sich zu ergeben, wenn ihr Gnade zugesichert würde. Der General antwortete, er habe nicht die Machtbefugnisse hierzu, würde sich aber beim Kaistr bemühen, ihnen ihr Schicks. I zu erleichtern. Dann segelten drei Schaluppen zumPowe donoszew" mit dem General an der Spitze. Drei Mteilungen Infanterie und der General seM wurden an Bord gel Yen, wo die Matrosen nocknnals erklärten, sich ergeben zu wollen, aber Gnade verlangten. Nachdem der General dies abermals ab­gelehnt, wurden die meuternden Matrosen verhaftet und ge­landet.

DieWecha".

Petersburg, 4. Juli. (W. B.) Das Transportschiff W e ch n" hat sich gestern noch innerhalb der russ. Gewässer ergeben.

Die Lage in Odessa.

Der für Odessa geschaffene Posten eines Gencralgou- verneurs ist mit dem General Karnisow besetzt worden. Die Bevölkerung ist nach wie vor beunruhigt. .Der israelitische Teck wandert in Befürchtung judenfeindlicher Unruhen rn

monamch7b otert* jährlich Mk. 8.20; durch Abhole- u. Hroeigfteflen monatlich 65 Pl.; durch die Post Mk. 2.viertel jährt. auSschl. Bestellg. Tnnabmt van Anzei'tt» 'lir die Tr ÄN-oomer

-'S do mittiqS J 1 cfit.

3e'Tenwtfl:

a iswärtt «y y). SBetentrooxH^ litt den pottt. und

Teil. P- Wiltlo: für .Stadl und ßanb' und -GerichtSjaal^: August Goetz; für den An­zeigenteil: HanS Beck

Die Anarchie in Iiußland.

Der PanzerFürst Potemkin" hat sich noch nicht unter­worfen; er schwimmt noch immer alsfreies Schiff" im Schwarzen Meer unter dem Kommando eines Offiziers-Aspi- ranten, wie es heißt, des Midshipmans der Reserve Alexejew. Versuche, ihn aufzusuchen, sind bisher mißlungen. Dagegen bestätigt sich, daß die Mannschaft desGeorgi Pvbjedonos- zew" sich ergeben und die Anstifter des Aufruhrs ausge­liefert hat. Ueber die

Meuterei desPotemkin" veröffentlicht der russische Negierungsbote eine amtliche Mit­teilung, die mit einer natürlich ganz einseitigen Darstellung der Ooessaer Unruhen beginnt. Dann heißt es weiter:

Die Unruhen nahmen noch zu und arteten in offene Re- bolten aus, als das PanzerschiffKnjäs Potemkin" auf der Reede von Odessa eintraf. Vom Schiffe wurde ein Boot mit der Leiche eines Matrosen an Land geschickt. Nach der Aussage eines Offiziers und eines Matrosen, die in der Nacht schwimmend an Land gekommen waren, hatten sich auf demKnjäs Potemkin" folgende Ereignisse abgespielt: Das Panzerschiff war mit dem Torpedoboot 267 am 26. Juni von Sebastopol nach der Bückst von Tcndrowo in See gegangen, um Schießübungen abzuhalten. Am 27. Juni weigerte sich die Mannschaft, das von Odessa geholte Fleisch zu essen unter dem Vorgehen, daß es ver­dorben sei. Auf Befehl des Kommandanten wurde bte Mannschaft auf Deck gerufen, und der erste Offizier forderte diejenigen Matrosen auf vorzutreten, die sich nicht weigerten, das Essen zu genießen. Als die meisten Matrosen vortraten, begann der erste Offizier die Namen der Nichtvortretenden aufzuschreiben, -He nicht Vorgctretenen bemächtigten sich der am Deck in'Pyra­miden ausgestellten Gewehre und luden sie. Ein der Wache erteilter Befehl zu schießen, wurde nicht ausge­führt. Der erste Offizier entriß darauf einem Manne, der Wache das Gewehr, schoß zwei- oberdreimal auf einen Matrosen und verwundete ihn tödlich. Hierauf gaben die meuternden Matrosen Salven auf die Offiziere ab. Hierbei fiel der Kommandant des Schiffes. Mehrere Offiziere stürzten sich ins Meer, wurden aber im Wasser durch Flintenschüsse und durch Schüsse, die aus 47 Muli­metergeschützen abgegeben wurden, getötet. So wurden aufter dem Kommandanten sechs Offiziere und ungefähr 30 M a - trosen getötet. Die übrigen Matrosen und die Mannschaft des Torpedobootes wurden von den Meuterern gezwungen, sich ihnen anzuschließen. Die am Leben gelassenen Offiziere wurden von den Meuterern festgenommen. An Bord. des-Imäs Potem- kin" wurde ein Komitee von zwanzig Matrosen ge­bildet, dos den Befehl des Schiffes übernahm und anordnete, nach Odessa in See zu gehen. Der Panzer traf am 27 Juni abends in Odessa ein. Am 29. Juni traf d"s Hafenschiff.Wecha" auf der Reede von Odessa ein, und warf, einem Signal des Potemkin" gehorchend, hinter diesem Anker. Der Kommandant desWecha", der von der Meuterei an Bord desPotemkin" nichts wußte, begab sich an Bord desPotemkin", um sich bei dessen Kommandanten zu melden. Er wurde entwaffnet und mit den übrigen Offizieren desWecha" an Land gesetzt. DerPotem­kin" bemächtigte sich zweier Privatleuten gehörenden Boote, mit Koble und nahm die Kohle mit Hilfe von 300 Hafenarbeitern an Bord.

Private Meldungen besagen folgendes:

Das TorpedobootStremitelnij" mit ausschließ­licher Offizierbesaßung wurde auf geheimen Befehl dem P o t e m kin" n a ch/ eschickt, kehrte aber nach ein paar Stunden schon wieder zurück, da es das Panzerschiff nicht aufgefunden. Wie verlautet, sollte es das meuterische Schiff versenken. Wo derPotemkin" sich befindet, kann man

den Polizei truppen stattgefunden haben sollten, durch An­wendung militärischer Gewalt unter Verwendung von Ma- chinengewehren niedergeworfen worden; hierbei wurde eine große Anzahl Personen getötet und verwundet In Kronstadt ist alles ruhig, aber auf allen Platzen sind Infanterie- und Matrvsenabteilungcn in einer Stärke von einem Zuge bis zu einer Kompagnie aufgestellt. Stcwve Abteilungen Gardedragoner durchstreifen die Straßen. Die ausständigen Arbeiter, Weiber und Strolche lagern auf den Plätzen und Straßen. Auf dem LinienschiffImperator Alexander II." hatten am Samstag nachmittag grobe Auflehnungen seitens der Besatzung gegen d i e O f f i z i e r e stattgefnnden. Durch sofortiges energisches Eingreifen gegen die Besatzung wurde bewirkt, daß der Vorfall keine weiteren ernsten Folgen hatte.,

Libauer Nachrichten zufolge gab es bei der dortigen Matrosenrevolte ü 6er 200 Tote.

Unruhen in Petersburg und Umgebung.

Aus Petersburg wird gemeldet: In der letzten Nacht sammelte sich am Prjaschkaufer Hafen ein Haufen E^esindel und begann in mehreren Häusern die Möbel zu zer­brechen und auf die Straße zu werfen. Den zur Unter­drückung der Unruhen h^rbeigerufenen berittenen Polizer- mannschaften gelang es nicht, den durch den Anschluß von Arbeitern auf eine Stärke von 3000 Personen an gewachsenen Haufen zu zerstreuen; erst als Kosaken zur Hilfe herange- 'ogen waren, wurde der Haufe zersprengt.. Zwanzig Per­sonen wurden verhaftet. Durch Steinwürfe wurde em Polj'eioffizier und vier Kosaken verletzt.

Auf den Putilow werken in Petersburg haben beute 12 000 Arbeiter die Arbeit eingestellt. Auf der Baltischen Werf! droht ebenfalls ein Ausstand, fatts die Forderungen der Arbeiter, die unerfüllbar sind, nicht an­genommen werden.

Bei der Ueberführung eines größeren Pulver­transport aus Petersburg nach Krasnoze Sselo erplodierte auf unaufgeklärte Weise in Krasnow Sselo ein Wagen mit Pulver. Die Explosion rief in der Stadt große Panik hervor. Man glaubte, daß em Attentat gegen den kaiserlichen Palast verübt worden sei.' Mehrere Soldaten wurden verwundet.

Sonstige Unruhen.

In Nikolajew hj Schwuren Meev sind 5000 Ar-- beiter in Streik getreten. Drei Tage dauerte das Plün­dern von Hab und Gut. V o m b en a t t en tate sind er­folgt Der Verkehr der Stadt mit der Außenwelt ist unter­

brochen.

In Kielze wurden bei einem Straßenkampfe zwischen Militär und Volk fünf Personen getötet und sechs

Massen aus. .

Generalgouverneur Karnisow berrf alle Z e i tu n g s - Redakteure zu sich und sprach sich scharf tadelnd über ihre bisherigen Berichte aus, die er als erregend bezeichnete

Die Zahl der im Hofm Getöteten resp. Verbrannten wird vom Marineamt auf 400 geschätzt, doch soll sie noch größer sein. 12 Wagen waren mit der Fortschaffung der massenhaften Leichen beschäftigt. Die Arbeiter nehmen all­mählich die Arbeit wieder auf. Die sozialdemokratische und die ihr nahestehende Reformpartei proklamierten den Streikschluß wegen des Krie/zszustandes. Die Haltung ist ruhig, doch bleibt die Lage ernst. Von deutschen Reichsangehörigen ist bei den Zusammenstößen in den letzten Wochen niemand verwundet worden.

Petit Parisien" meldet aus Odessa, nach amtlichen Mit­teilungen dürfte sich die Zahl der Opfer während der letzten Tage auf 6 0 00 belaufen.

DemMorning Leader" wird aus Odessa gemeldet, daß 20 Offiziere dort verhaftet wurden, weil sie öffent­lich erklärten, nicht weiter an dem Kampfe gegen die wehr­lose Volksmenge teilnehmen zu wollen. Die revolutionäre Propaganda mache sichtbare Fortschritte. Am 3. d. M. wurden 30 Personen wegen Beteiligung an dem Auf­stand standrechtlich erschossen. Die Leichen der Hinge­richteten wurden während der Nacht beerdigt.

120 Mitglieder der Odessaer Kaufmannschaft richteten an den Finanzminister die Bitte um ein Moratorium für Wechselzahlungen bis zur vollen Beruhigung Odessas. t z .

Die Mächte werden, sobald die von den Konsuln m Odessa veranstalteten Erhebungen über die Höhe des ent­standenen Schadens beendet sind, in gemeinsamem Vorgehen ffir ihre geschädigten Untertanen in Petersburg Schaden­ersatzansprüche geltend machen.

Weitere Meutereien bei der Schwarzenmeerflotte.

Der Marineminister Avellane erhielt folgende Depesche von dem ältesten Flaggmann der Schwarzen Meerflotte Admiral Krieger:Auf dem Tr a n s p o r t s ch i s f P r u t h rebellierte beim Auslaufen aus Tentri die Besatzung Sie nahmen den Kommandeur und die Offi­ziere fest und töteten einen Fähnrich und einen Bootsmann. Der Pruth kam in Odessa an. Die Besatzung gestand ihr Vergehen ein und der Kommandeur und die Offiziere wurden wieder freigegeben. Ich befahl dem Pruth, nach der Kampschewbucht abzugehen, wo unverzüglich die Untersuchung eingeleitet wird." Wie ftrner aus Sewasto­pol gemeldet wird, liegt das dorthin zuruckgekehrte Ge­schwader auf der Rhede unter Dampf.

DieTimes" läßt sich aus Petersburg depeschieren: Auf dem im Hafen von Sew asto pol liegenden PanzerschiffKatharina II." ist eine Meuterei ausaebrochcn. In Petersburg heißt es, es sollten Matrosen von der in Petersburg stehenden Gardeabteilung zur Be- manmmg d-r Schifft U Schwarz cerflottc entsandt werden. c

Tie Meutereien in Kronstadt und Libau.

Neueren Nachrichten zufolge ist die infolge be8 Aus­standes von etwa 3000 Arbeitern m Kr ° n st a d t am Fre - tag ausgcbrochcnc Revoits, bei der imch frühe.en Nach­richten keinerlei Zusammenstöße zwischen den Arbeitern und

nirgends erfahren.

Der WienerNeuen Freien Presse" meldet man aus Eon st an za: Die Abfahrt desPotemkin" erfolgte nach längerer Beratung. Die Seele der ganzen Bewegung auf dem Schiff ist ein gewisser Mastuschenko, von dem be­hauptet wird, er sei ein Japaner und erst seit kurzem auf dem Schiff. Nach der Beratung wurde/er Beschluß der Bemannung zur Kenntnis gebracht, daß beschlossen wäre, nach Odessa zurückzufahren. Gleichzeitig Übergaben die Delegierten 15 Briefe für die ausländischen Vertreter, in Rumänien und für die Behörden, worin u. a. gesagt wird, die Mannschaft desPotemkin" erkläre feierlich allen russ. Schiffen den Stieg, welche sich nicht mit ihr vereinigen. Authentisch wird gemeldet, daß das Torpedoboot, wel­ches denPotemkin" begleitet, gestern früh den russischen Stationär, der sich mit den Meuterern nicht vereinigen wollte, zu v e r s e n k e n versuchte. Das Vorhaben wurde durch die Wachsamkeit des rumänischen KreuzersElisa­beth" verhindert. Allseitig wird angenommen, der Poteniiin" ginge nicht nach Odessa, sondern an die bul­garische oder türkische Küste. Hier herrscht große Be­sorgnis über die Pläne der Mannschaft desPotemkin". Man befürchtet, daß sie Handelsschiffe an greifen werde. Die Matrosen desPotemkin" t) er füg en über eine halbe Million Rubel und 200 Projektile.

Bukarest, 4. Juli. Gestern abend ist das russische Torpedoboot Nr. 253 in Gal ah ein getroffen.

Der rumänische Minister des Acußeren hält die russische Regierung über die Vorgänge auf demPotemkin" auf dem Laufenden. Ein meuternder "Matrose vomPotemkin", der ent­flohen war. ersuchte die Behörden, ihn nicht wieder auf das Schiff zurückzuschicken. Er bestätigt, daß aus dem. Sch iss keine Lebensmittel-Vorräte mehr vorhanden seien. Auch seien nur noch 10 Tonnen Kohle vorhanden.

Im Petersburg sind fünf Offiziere desKnjäs Potemkin eingetroffen; sie werden von dem Marineminister Avelan em­pfangen. , _ r

Daily Mail" berichtet aus Odessa von einem Tele­gramm von deutschen Kolonisten aus dem Innern Südrußlands mit Ersuchen um Hi l fe wegen Bedrohung seitens der Bauern.

Das PanzerschiffPotemkin" hat am 2. d. M. ein benach­bartes deutsches Kolonistendors bedroht und von dort Vieh an Bord genommen.

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außer Sonntags.

/em (ßtefeener Anzeiger werben im Wechsel mit dem ßefftldxn Landwirt die ®teb<*er ZamMen- Mittet viermal in bet

Woche beigelegt

Kotationsbruck u. Ver­lag der Brüh l'jchen Untvers.-Buch-u. Sletn- bnirfeteL Ä. Öang«.

GietzenerAnzeiger

** General-Anzeiger 67

Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

verwundet.

Neue Schwierigkeiteu.

Wie von vertrauenswürdiger Quelle gemeldet wird, hat der Zar große Schwierigkeiten bei der Besetzung der sonst überaus gesuchten G o u v e r n e u r p o st e n. Viele Gouverneurposten werden jetzt nur provisorisch Verwalter. Nach den vielen Attentaten der letzten Zeit haben sich die Gouverneure verschiedener Provinzen krank gemeldet.

Verweser des Kriegsministeriums.

Die Ernennung des Generals Rediger zum Verweser des Kriegsministerium^ vollzogen.

Banernumuhen.

In etwa 30 Dörsern Klein-Rußlands und zwar int Dnjepr-Gebiet, sind Bauernunruhen cMSgebrochen. Die Leute weigern sich, vor Ersilllung ihrer Forderungen an die Arbeit zu gehen. Die Lage ist sehr ernst In vielen Dörfern kam es zwischen den Aufständische^ und dem Mili­tär zu blutigen Zusammenstößen.

Die Cholera

ist in Wilna ausgebrochen.

Neue Audienzen beim Zaren.

Petersburg, 3. Juli. Petersb. Telegr^-Ag. Der Kaiser empfing eine Abordnung des Kursker Adels unter Führung des Adelsmarsck)alls dieser Provinz (Wen. Dorer. Diese Abordnung überreichte eine Wresse, m der sie die Bitte aussprach, daß die beiden grundlegenden Stände des Semstwos, der Adel und die Bauern, nach Standew in der künftigen gesetzgebenden und beraten^ den Körperschaft zur Vertretung gelangen. Morgen empfängt der Kaiser eine Abordnung derVereinigung russischer Männer" unter der Führung des Grasen Bo­brinsky, der unter anderen vier Bauern angeyören. Aus das von fiinf Adelsmarschällen an den Kaiser gerichtete Gesuch um eine Audienz empfing der Kaiser nur zwei der­selben, den Adelsmarschall von Moskau Fürsten ^ubezkoh und den Adelsmarschall von Petersburg Grafen Gudowttsch Die im Privatkabinett des Kaisers stattsindende Kmtserenz war von sehr langer Dauer'.

Die wirtschaftliche Lage Rußlands.

Auch in wirtschaftlicher Hinsicht sieht es schlimni m Rutz» land aus. S ch o u v o r d e m K r i e g e e r g i n g e s d e m B au er zum Erbarmen. Tas hNte auch die Vureau^atie begriffen. Es war eine große Ermittelung veranstaltet Worten über die Mage^ wie den Bauern geholfen werden könne. Das Ergebnis . ies^ Umfrage ist während des Krieges herausaekommen: 58 dicke Bände Material und 18 Bände sustematische Zusammenstellung! Da hat die Regimiug doch wenigstens etwa? andere Lektüre­wenn ihr die Berichte aus dem ostasiatilchen Kriege nicht beigem Derweil man solchermaßen M -tenal Lauste, begann bereits der Krieg seine furctzMr-u Wirkungen zu äußern : Geld wurde teurer, wenn nicht die Sparkassen überhaupt die Gewährung von Dar- lel'eu einstcllleu Der Matz stockte. Die Steuern ihcgen. EM paar Jahrzehnte erst ift's her, seit. Rußlai^ J^striepolitik iN größerem Stile treibt, aber schon sind bte Industriezentren von den neuzeitlichen sozialen Ideen erfüllt. Wohm man b^ckt. Streiks und Beunruhigungen. In dem großen polnischen Jndustriebezirk kommt die Arbeiterschaft nicht mehr aus dem Streik, die Bevölkerung nicht mehr aus Angst und Sorge heraus. Die schlechten Elemente der Geschäftswelt suchen sich