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klein wesentlich verschlechtert und verteuert werde.
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Führungen des Negierungsvertreters an und trag Schönberger habe seine Ursache darin, wirtschaft sich immer unrentabler erweise, nähme des Ausschutzantrages würden aber
daß sie sich zu einer Genossenschaft zusammen- Derkauf und Kontrolle übernehme. Jedenfalls das Haus, den Ausschußantrag auf Zulasiung Sorte Milch abzulehnen und damit zu verein so wichtiges Nahrungsmittel für groß und
Produzenten, schließen, die bittet Redner einer dritten hindern, daß
daß die Milch- Turch die An- nicht die Milch- Vorteile erzielen, gebe er zu, aber
„ 868 Frauen,
Wannenbäder 1. Klasse 261 Männer,
8163 Bäder verabreicht gegen 7515 im Februar 1905 und 7869 im März 1904 oder im Durchschnitt pro Tag 263 Bäder gegen 268 im Februar 1905 und 271 im März 1904. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt: Schwimmbad 3872 Männer, darunter 758 zu 10 Pfg.,
123 „ 10 , 76 Frauen, 403 „
Produzenten, sondern nur die Großhändler Daß die Milchpreise keine glänzenden seien, der beste Weg zur Erzielung angemessener Preise sei die Zu
StnlN und Lcwd.
Gießen, den 5. April 1905.
** Provinzialausschuß. Am Samstag, dem 8. d. M, vormittags ^9 Uhr beginnend, findet eine Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Gesuch des Karl Vogt zu Gießen um Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschaft in bcm Hause Landgraf-Philpv-Vlatz Rr. 13 dabier. 2. Reklamation des Albert Viktor Holl gegen die Gemeinderatswahl zu Rodbeim v. d. H., hier Rekurs des Gg. Philipp Winkler daselbst. 3. Die Heranziehung der Gewerkschaft Luse und Ilsdorf zu den Kreisstraßenunterhaltungskosten.
Gießener Volks bad. Im März
Dampf- und Heißlustbäder, sowie Massage zusammen *184 Männer und 32 Frauen, Brausebäder 1571 Männer
entrahmten Milch genau angegeben werde. In Darmktadt kenne man seit 25 Jahren genau den Unterschied zwischen Vollmilch und Magermilch, also abgerahmter Milch. Bei den Milchgesetzrevisionen in den Jahren 1898 und 1902 sei an den Bestimmungen über den Verkauf dieser beiden Milchsorten nichts geändert worden. Wollte man jetzt den Wünschen des Äbq. Schönberger Rechnung tragen, so würde eine wesentliche Verteuerung der reinen, unverfälschten Milch die Folge sein. Die Regierung könne aber nicht zugeben, daß eins der wichtigsten Volksnahrungsmittel verteuert werde. Die durch den Antrag Schönberger bezweckte einheitliche Herabsetzung des Fettgehaltes „ der Milch sei überhaupt nicht durchführbar. Bis jetzt hätten sich aber sämtliche Sachverständige und die Gesundheitsämter einmütig dagegen erklärt, daß der Mindestsettgehalt noch unter 3 Prozent herabgesetzt werde. In den großen Städten, wo die .Marktuulch" zum Verkauf gelange, sei der Konsum der Vollmilch ganz zurückgegangen, und dadurch werde die Allgemeinheit geschädigt. Eine Hauptschwierigkeit wurde auch die Kontrolle bilden, denn bei entfetteter Milch sei eine polizeiliche Untersuchung nicht durchführbar, da könne nur der Nahrungsmittelchemiker eine Kontrolle üben. In Berlin sei das'sehr einfach, da die Milch dort von einer großen Zentrale bezogen werde und im chemischen Laboratorium die Untersuchung ausmhre. Die Landwirte sollten auch bedenken, daß ihnen doch sofort das Absatzgebiet von Stadt und Kreis Darmstadt verschlossen werden würde, wenn der Antrag Schönberger zur Durchführung käme. Durch denselben würde eine Staatsautorität geschaffen werden für diejenigen Milchverkäufer, die ihre minderwertige Milch teuerer verkaufen wollen. Es werde sich am meisten empfehlen für die Milch-
Abg. Hirsche! schließt sich im wesentlichen den Aus- erklärt, der An-
sammenschließung der Landwirte zu Milchgenossenschaften. Erfreulicherweise schienen ja auch die Milchproduzenten die Notwendigkeit hierzu erkannt zu haben, denn der neu begründeten Genoffenschaft hätten sich bis jetzt bereits ca. 1800 Mitglieder angeschloffen. Auch habe sich eine kürzlich in Nidda stattgehabte Versammlung ganz ähnlich dahin ausgesprochen, daß die Selbsthilfe der Landwirte das beste Mittel zur Abhilfe des jetzt beklagten Zustandes sei. Die Festsetzung der Fettgrenze auf 3 Prozent halte er für ungerecht; es müsse doch dem Landwirt, der durch gute Fütterung und Pflege seines Viehbestandes einen höheren Fettgehalt der Milch erreiche, auch die Möglichkeit gegeben sein, einen befferen Preis zu erzielen.
Abg. Schönberger führt aus, er nehme den gerade entgegengesetzten Standpunkt ein, als den, den der Regierungsoertreter dargeleqt habe. Redner sucht dann in längerer Rede die Notwendigkeit seines Antrags darzutun. Ec protestiere dagegen, daß man mit dem Worte „Markttnilch" ein Gespenst an die Wand male und seinen Antrag beiseite schaffen wolle. Redner ersucht zum Schluß, das Haus möge dem Ausschußantrag zustimmen, der ja nur das Ersuchen stelle, daß die Regierung die Zulasiung einer dritten Sorte Milch in Erwägung ziehen möge.
Abg. Haas bemerkt, er habe sich in seiner früheren Tätigkeit als Polizeirat sehr eingehend mit der Frage des Milchverkehrs beschäftigt und dabei die Erfahrung gemacht, daß es unter den kleinen Milchhändlern viele gebe, die einfach ohne Verhör gehängt zu werden verdienten. Jetzt sei das wohl schon anders geworden. Er müsse sich entschieden gegen den Eintrag des Ausschusses aussprechen, der nur die Landwirtschaft diskreditieren würde und warne davor, eine dritte Sorte Milch in Hessen einzu- sühren. Er glaube auch kaum, daß sich die Konsumenten einfach damit einverstanden erklären würden, für den jetzigen Preis eine schlechtere Milch zu beziehen. Es sei eigentlich die Schuld der Landwirte selbst, wenn sie jetzt so schlechte Preise für ihre Milch bezögen; sie sollten sich eben besser zusammenschließen. Redner geht dann aus die Ausführungen des Regierungsvertreters näher ein, bleibt aber wegen der allgemeinen Unruhe des Hauses auf der Journalistentribüne 'unverständlich.
Abg. Müller wendet sich gegen den Antrag Schönberger und die Begründung desselben.
Abg. Erk bittet, bei der ganzen Lage der Sache heute Don einem Beschluß abzusehen.
Abg. Ulrich spricht sich gegen die Zulasiung der sog. Marktmilch und gegen den Antrag Schönberger aus. Man könne diese dritte Sorte besser „Mogelmilch" nennen und würde mit der Annahme des Antrags nur das Mogeln mit der Milch staatlich begünstigen.
Nach 1 Uhr beginnt Abg. Bähr noch eine längere Auseinandersetzung über die Milchkontrole, wobei er besonders gegen den Abg. Müller polemisiert; im Halise sind außer dem Redner zeitweise nur 13 Mitglieder und 2 Stenographen anivesend. Nachdem Redner endlich geschlossen, wird ein neuer Aiisschlrßantrag gegen 5 (Stimmen angenommen, die Regierung zu ersuchen, den Antrag Schönberger auf Grund der heutigen Debatte in Erwägung zu ziehen. Damit schließt die Sitzung um V22 Uhr.
Nächste Sitzung morgen früh 9 Nbr. ___________
Deutscher Reichstag.
W. Berlin, 4. April.
Das Haus ehrt zunächst das Andenken des verstorbenen Mg. Wallbrecht Cnl.) durch Erheben von den Sitzen.
Sodann wurde der 3. Nachtragskredit für 1904 ohne Debatte zmaenvmmen und in die Beratung des Antrags Büsing ein- <retreten, der dvn § p5 der Grundbuchordnung dahin abändern will, daß Eintragungen allen durch sie Berührten bekanntgegeben
u c a 3 (nl.) begründet den Antrag, der dann in 1. ,rmd 2. Lesung angenommen wrrd.
Es folgen Wahlprüfungen.
Die Wahlen von Mertens (nl.) und G a m p (Rp.) werden debattelos für giftig erklärt.
Zu der Wahl des Abg. Barbeck (fr. Vp.) beantragt die Kommission Giltigkec'tserklärung. .
Mg. v. Gerlach lwirtick. Der.) spricht sich für die Gilttg- keit der Wahl aus, tadelt jedoch, daß die für den konservativen Kandidttm abgegebenen Stimmzettel ein doppelt so großes Format batten. „ .
Die Llbgeordneten Fischer (Soz.) und Schwarze (Ztr.) beantragen aus letzterem Grunde die Ungiltigkeitserklärmrg der Wahl.
Die Abgeordneten v. Riepenbausen und K'opich (fr. Vp) schließen sich dem Kommissionsbeschluß an, denn eine unberechtigte Wahlkontrolle liege nicht vor.
Abg. Geper (Saz.) verlangt die Kassierung der Wahl, da das Wahlgesetz verletzt worden sei.
Abg Dr W a l l a u (nl.): Das kommt daher, don btc Mitglieder ' der Kommission nach ihrer persönlichen Ueberzeugung bandelten. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ob Sie es glauben oder nicht, ist mir ganz egal. ES ist nun einmal so, und das Resultat zeigt es ja auch. Man kann so etwas garnicht prinzipiell, sondern nur von Fall zu Fall entscheiden. Die großen Zettel waren zusammengefaltet, rmd es machte den Eindruck, als ob im Couvert zwei Zettel lägen. Wie sollte da eine Kontrolle statsirnden? Gar keine Idee. Ganz abgesehen davon, daß die konservative Patrtei schon deshalb nicht kontrolliert hat, well sie gar kein Interesse am Ausgange der Wabl hatte.
Abg. Graf P r a s ch m a l?tr.) äußert sich im gleichen Sinne.
Abg Fischer (Sozd führt aus, es handle sich 'darum, ob die Vorschriften des Wahlrealements Geltung haben oder nicht, denn die Wahlzettel waren größer, als das Mahlreglement sie vorschreibt. .
Nach weiteren Bemerkungen d»r Abgeordneten Geher (^oz.), v. Riepenhausen (k.) und Kopsch (fr. Vp.) wird die Debatte geschlossen.
Abg. Singer beantragt namentliche Abstimmung.
Für den Kommissionsantrag werden 106 Ssimmen abgegeben, dagegen 60, während 5 unbeschrieben waren. Das Haus ist somit beschlußunfähig.
Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr.
Tagesordnung: Kleine Vorlagen, Petitionen.
Die Betriebseröffnung der Marburger Kreisbahn.
() Marburg, 4. April.
Vom herrlichsten Fanihlingswunenschein begünstigt, konnte heute die feierliche Betriebseröfsnung der vom Kreise Marburg in den südöstlichen Teil desselben, den sog. Ebsdorfer Grund erbauten Kleinbahn, wenigstens vorläufig bis zum Dorfe Ebsdorf, vor sich gehen. Das Projekt, diese durch ihre Fruchtbarkeit und reichen Bodenschätze bekannte Gegend zwischen dem Obmtal, den Labnbergen und dem sog. Oberwald durch eine Bahn zu er- chließen. ist schon sehr alt und langer Jahre hat, es bedurft, bis man sich endlich dazu entschloß, die Bahn vorläufig als Sackbahn bis nach D r e i h a u i e n zu bauen. Welcher . Weg nun von hier ans gesucht wird, nm einen Anschluß an eine an der Bahnstrecke jenseits der preußischen Grenze im Darmstädter Land zu finden, ist noch unklar. Vorläufig ist man stob,, daß man endlich bis ins Herz des Ebsdorfer Grundes,, dem gleichnamigen Dorfe Ebsdorf gelangen kann Die Bahn berührt von Marburg- Süd ans eine landschaftlich herrliche Gegend. Unmittelbar hinter dem gei'.annten Bahnhof zweigt sie sich links von der Main- Weser-Bahn ab und steuert auf das Dorf Cappel zu,, wo .sich die erste Haltestelle befindet: von hier aus läuft sie direkt zwffchen dem Dergrande, der sog. „hohen Ritsch" und der Lahn bis nach Ronhausen und Bortshansen, wo sie sich durch ein enges Waldtal unterhalb der Ruine Frauenberg schlängelt und dann erst den Ebsdorfer Grund berührt. Die nächste Station ist Ebsdorf, der größte Ort des Grundes, in dessen unmittelbarer Nähe dann die ebenfalls dichtbevölkerten wohlhabenden Orte Hachborn, Leidenhofen, Heskem, Wittelsberg Dreihausen usw. liegen. Bis zu letzterem Orte ist es nicht mehr weit, und es steht zu hoffen, daß bis zum 1. Juli die ganze Strecke fahrbar ist. Für die Bewohner der sämtlichen genannten Orte bildet natürlich der heutige Tag ein Fest- und Freudentag. Die Feierlichkeiten nahmen kurz nach 12 Uhr mittags ihren Anfang, als. ein Extrazug die Ehrengäste aus Kassel, darunter den Oberpräsidenten von Windheim, Regierungspräsidenten v. Tratt zu Salz, Landeshauptmann Riedesel zu Essenbach, sowie zahlreiche andere höhere Regierungs- und Eisenbahnbeamte auf den Südbahnhof brachte, wo sie von Landrat v. Negelein und sämtlichen Spitzen der Marburger und Kreisbehörden empfangen wurden. Es folgte nun ein Rundgang durch den prächtig geschmückten Klesnbahnhof, und darauf bestiegen sämtliche Festgäste den bereitstehenden mit Fahnen und Guirlanden dekorierten Eisenbahnzug. Unter den Klängen der gleichfalls mit. im Zuge befindlichen Jägerkapelle und den braissenden Hurrarufen der Menge wurde dann die Festfahrt angetreten. In Cappel, Ronhausen und Bortshausen fanden dann überall in Gegenwart der versammelten Gemeindemitglieder und der Schulkinder Festakte statt, bis der Zug in Ebsdorf anlangte. Aus der dort anwesenden Menschenmenge konnte man ersehen, daß im Ebsdorfer Grund nur wenige zu Hause geblieben waren, die Schulkinder von etwa sechs Ortschaften, die Mitglieder der Vereine, alle hatten sie sich eingefunden, um ihre Huldigung darzubringen. Wie schon vorher in Bortshausen, so überreichte auch hier ein in seiner prächtigen Hessentracht sich präsentierendes Mädchen dem Oberpräsidenten einen Blumenstrauß. Bürgermeister Grau aus Ebsdorf und Bürgermeister Rauch-Wittelsberg hielten Ansprachen. Nach etwa 2/^ stündiger Raft fuhr dau» der Zug wieder zurück nach Marburg, wo man sich unter VoraM tritt der Jägermusik in dem großen Museumssaal zu dem anschließenden Festmahl begab. Zum Schlüsse sei noch erwähnt, daß die Dahn nicht nur den Geschäftsverkehr, sondern auch den Touristenverkehr, sowohl von Marburg wie auch von der Nachbarstadt Gießen aus, haben wird. Die ganze Strecke von einer Stadt zur -anderen oder bis zur Station Londorf, tum hier aus be^w. von letzterem Orte aus nach hier, war für die Besucher des Ebsdorfer Grundes und der Rabenau usw. etwas zu weit, jetzt ist dem abgeholfen und so werden auch die Abzweigungen der Bahn Gießen-Fulda nach dieser Richtung von der Ebsdorfer Bahn Vorteil baben. Die Gesamtkosten der Bahn werden nach ihrer Vollendung etwa 1 700 000 Mark betragen, je ein Drittel hiervon bezahlen Kreis, Bezirksverband und Staat.
und 230 Frauen. Die Personenwage wurde von 220 Personen benutzt, das Bad von 9 Personen besichtigt.
-1. Bermuthshain, 4. April. Bei der letzten Nutz- und Brennholzversteigerung wurden folgende hohe Durchschnittspreise erzielt: Fichtenstanunholz 23 Mk., Fichten- derbsianaen 15 Mk. pro Festmeter, Buchenscheitholz 1. Klasse 6.60 Mk., Buchenknüppel 4.70 Mk., Buchenreisig 2 Mk., Stockholz 2.70 Mk. pro Raummeter.
Offenbach, 4. April. Einen wertvollen Fund machte gestern ein hier in der Bernardsiraße wohnender junger Elektrotechniker. Als er in Frankfurt a. M. durch die Eschersheimer Landstraße ging, sah er ein großes Kuvert am Boden liegen; es enthielt ein Sparkassenbuch über die Summe von 57 000 Mk. und gehörte einem reichen Frankfurter Rentier, dessen Frau es auf dem Wege zur Sparkasse verloren hatte. Der Finder überbrachte das Buch sofort dem Besitzer, der ihm — 2 Mark Finderlohn gab. Unter diesen Umständen wird jener natürlich darauf belieben, daß er zu dem gesetzlich ihm gebührenden Finderlohn kommt.
Mainz, 4. April? Ein Fa miliendrama spielte sich in vergangener Nacht im Hause Grabenstraße 10 ab. Im Dachstock wohnt der 68jährige Invalide Andreas Mayer, der früher als Maschinist auf dem Dischschen Trajektboot fuhr, aber infolge eines kleinen Unfalles seine Tätigkeit aufgeben mußte. Mayer, der eine kleine Unfallrente bezog, begab sich gestern abend mit seiner 67jährigen Ehefrau in eine Wirtschaft, ans der das (kinderlose) Ehepaar erst spät nach Hause zurückkehrte. Da der Alte trotz aller Bemühungen keine Arbeit betommen konnte, beschlossen die Unglücklichen, gemeinsam zu sterben. Der Ofen wurde überheizt und sein oberer Teil abgenommen, sodaß der Rauch ungehindert ins Zimmer strömte. Dann gab Mayer einen Schuß auf die Brust seiner Frau ab und hierauf einen aus sich selbst. M. war sofort tot, während seine Frau zwar noch lebt, aber schwerlich mit dem Leben davon kommen dürfte.
Hirzenhain (Dillkreis), 4. April. Das Wasser eines uralten Bergwerkes, des sog. „Guckes", unterhalb unseres Ortes will man mittelst Windmotor in unseren hochgelegenen Ort bringen. Herr Wiesenbruch aus Essen, Besitzer von einigen Grubenfeldern in unserer Gemarkung, hat dagegen Widerspruch erhoben. Da man nun keine Akten und Urkunden über den Bergbau in „Gucks" sinden kann, war der Markscheider Fox aus Dillenburg hier, um den Eigentümer des Grubenfeldes festzustellen. Sollte die Benutzung dieses Wassers versagt werden, so ist es wohl ausgeschlossen, daß unser wasserarmer Ort für alle Zeiten ausreichend mit dem unentbehrlichen Naß versehen sein wirb und wir müssen trotz unseres vielen, zu diesem Zwecke ausgegebenen Geldes weiter mit der hier herrschenden Wasserkalamität auszukommen suchen.
Vermiicbte»«
* Was für Zeitungen der Zar liest. Gegenüber allerlei unrichtigen Mitteilungen über die Zeitungen, aus denen der Zar sein Bild der politischen Lage entnehme, will eine englische Zeitschrift über diesen Punkt absolut authentische Informationen erhalten haben. Sie teilt folgendes mit: „Das Auswärtige Amt hat eine besondere Abteilung, bereit Mitglieder alle ausländischen, in Petersburg ankommenden Zeitungen prüfen, damit der Zar nichts zu lesen bekommt, was ihn beunruhigen könnte ober für ihn nicht paßt. Aus auslänbischen Zeitungen werden Ausschnitte oder Uebersetzungen gemacht, und daraus wird dann eine direkt für den Zaren gedruckte Zeitung hergestellt. Außerdem hatte immer jeder Zar seine Lieblingszeitung. So las zum Beispiel Zar Alexander III. täglich den „Graschdanin" (Bürger', dessen Herausgeber, der Fürst Meschtschersky, ein Studienkollege von ihm war. Nikolaus 1. hatte eine Vorliebe für den „Kolokol", die „Glocke", die in London von Alexander Herzen herausgegeben wurde. Freilich ersetzte manchmal dieHofpartei den „Kolokol" durch ein s e l b st g e d r u ck t e s Exemplar, wenn Herzen in seinen Ausfällen gegen die Hofbeamten besonders beißend und ausfällig geworden war. Drucktypen und Papier waren so genau nachgeahmt, daß der Zar den Betrug nicht ahnte, bis Herzen, der davon erfahren hatte, eines Atorgens dem Zaren seine Zeitung beim Frühstück znstellen ließ. Bald danach wurde ihm die „revidierte Fassung" der Zeitung vorgelegt, und nun erfolgte einer jener Zornesausbrüche, wegen deren Nikolaus I. gefürchtet war. Der jetzige Zar liest seit feinem Regierungsantritt einige englische Zeitungen, die nicht durch Druckerschwärze unleserlich gemacht werden. Der Censor der Presie stimmt in seinen Ansichten von der Gefährlichkeit einer Zeitung mit dem Zaren nicht immer überein. So las der Zar die „Rossija", die oft der Censur verfiel. Endlich verbot der Censor den Straßen- verkanf in einzelnen Nummern, und an demselben Tage ließ der Zar durch seinen Adjutanten das Abonne ment erneuern. Tas interessanteste Buch un Archiv des Censors der ausländischen Presse ist ein großes Buch, das alle die Ausschnitte enthält, die in den Zeitungen durch Druckerschwärze unleserlich gemacht werden. Wenn eine Notitz in einer Zeitung auf diese Art vernichtet wird, so wird ein Ausschnitt der betreffenden Notitz aufbewahrt. Dieses Buch wird natürlich geheim gehalten, und nur gelegentlich dürfen intime Freunde des Censors einen Blick hineintun.
*Der pfiffige Schneidermeister. Aus Alfeld a. L. wird geschrieben: Auf eigenartige Weise sein Geld hat ein pfiffiger Schneidermeister aus einem Dorfe am Hilfe erhalten. Vor etwa 15 Jahren bestellte sich ein dortiger Einwohner, der sich in den Stand der Ehe begeben wollte, bei ihm einen schwarzen Anzug für 50 Mark. Der Anzug wurde abgeliefert, die Hochzeit gefeiert, aber das Bezahlen hatte der junge Ehemann offenbar vergessen. Jahre vergingen, die Frau des Schuldners starb. Kürzlich entschloß sich der Witwer, von neuem zu heiraten, und er besaß die Unverfrorenheit, wieder einen Hochzeitsanzug bei dem schon einmal geprellten Lieferanten zu bestellen. Dieser läßt sich nichts merken und verspricht pünktliche Lieferung. Drei Tage vor der ^Hochzeit erhält der Bräutigam, der jetzt in einem benachbarten Städtchen wohnt, einen Brief von dem Meister, in welchem dieser bittet, ihm doch den alten Anzug zwn Vergleich zu schicken, damit der neue desto besser sitzt. Der Hochzeitsmorgen erscheint und mit ihm ein Nachnahmevalet über 50 Mark. Erfreut über die Pünktlichkeit seines Schneiders zahlt der Kunde das Geld. Nun schnell geöffnet und den neuen Bratenrock angezogen, denn bald will der Bräutigam 'ein holdes Bräntchen heimholen. Aber, o Schrecken, statt des erhofften neuen findet er lenen alten, abgetragenen Anzug vor, für den auf diele Weise der Ateister endlich lein Geld erhielt. Das Gesicht des glücklichen Bräutigams soll nach dieler traurigen Einsicht nichts weniger als freundlich ausgelchaut haben.
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