Ausgabe 
29.10.1904 Drittes Blatt
 
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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Untversitätsdruckeret. 9L Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.?.

Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr. i Anzeiger Gießen.

Wr* Drittes Blatt. 154. Jahrgang Samstag ZU. Oktober 1Ö04

Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags. /SR V gT

DieGletzener KamilienblLtter" werden dem ll| IKt Jr p|

»Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der W I ® U. W W U W W S H W M Z 9 U H

-heffifche Landwirt*' erscheint monatlich einmal. v A D B W' W*' m M W

Ser Aing.

Kriminal-Roman von O. Elfte r.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 11. Kapitel.

Still und einsam lag das kleine Haus am Walde, als der Rat bei eiubrechender Nacht heimkehrte. Tas war ihm schwer und die unheimliche Ahnung eines bevorstehenden Unglücks lastete aus seiner Seele. Er spähte nach einem Lebenszeichen; er hätte aufgeatmet, wenn ihm der kleine Hund dellend entgegenge- sprungen wäre, aber kein Laut regte sich; nichts sah er, als das eine kleine matterhellte Fenfterchen, dessen Schein trüb wie ein müdes Auge in die dunkle stacht hinausleuchtete. Es war das Fenster des Schlafzimmers Mariens und ihres Sohnes! Lag sie dort in ruhigem Schlummer oder saß sie wachend, mit verwehrten Augen anr Bette ihres Kllrdes, seiner Rückkehr harrend, wartend auf ein Wort des Trostes und der Liebe?

Als er näher kam, lüste sich eine männliche Gestalt aus dem Schalten der Baume und blieb, scheinbar ihn erwartend, stehen. Ter Rat erkannte den Fremden vorn heutigen Morgen.

Sie hier, mein Herr?" fragte er mit leicht bebender Stimme.

Ja", entgegnete der Fremde.Ich habe Sie erwartet, da man mir sagte, Sie würden am Abend heimkehrcn."

Hat B^arie es Ihnen gesagt?"

Nein, ich habe Marie Brandt nicht «gesprochen. T»eshalb habe ich Sie gerade erwartet, um mit Ihnen Rücksprache zu nehmen."

Ich weiß nicht, mein Herr, was ich mit Ihnen zu schaffen habe", sagte der Rat unwillig.Weshalb Sie sich in mein m unser friedliches Leben drängen. Was habe ich was hat Marie Ihnen getan?"

Sie haben mir freilich nichts getan", entgegnete der Fremde in traurigem Tone,aber jene Frau hat mein Leben ver­nichtet."

Ter Amtsgerichtsrat erbebte. So stand dieser Mann do(ch mit dem früheren Schicksal Mariens in Verbindung? Aber Marie sollte sein Leben vernichtet haben? Sollte es nicht umgekehrt sein? Hatte er nicht das Leben Mariens auf unheilvolle Bahnen gelenkt?

Ich verstehe Sie nickt", sagte er, angstvoll vor der Auf­lösung dieses Rätsels zurückschreckend.

Ich glaube Ihnen, denn jene Frau wird Ihnen das Ge­heimnis ihres Lebens nicht anvertraut haben, sie hätte Ihnen sonst ein Verbrechen gestehen müssen."

Ein Verbrechen?"

Ja, einen Mord."

Ter Rat fuhr zusammen, als habe ein Schlag ihn ge- troffem

Sie sind wahnsinnig!"

Leider nicht", entgegnete der Fremde mit traurigem Lächeln.

Wollen Sie mir eine Stunde Gehör schenken, so sollen Sie alles erfahren und dann selbst urteilen. Sie sind Jurist, Sie sind Untersuchungsrichter gewesen, öie werden aus meiner Erzählung leicht das Verbrechen heraus finden."

Herr, wer sind Sie?"

Mein Name ist Ferdinand Groller. . . einst war ich ein harmloser, glücklicher Mensch, der das Stück Land bebaute, das ihm jein Vater hinterlassen. Jetzt bin ich ein freud- und fried­loser Mann, auf dem der Verdacht einem Brudermordes lastet ich nehme au, daß Sie meinen Namen nicht gekannt haben."

Jcb höre ihn zum ersten Mal in meinem Leben."

Ich dachte mir, die Mörderin hat ihn nicht auszusprechen gewagt."

Tie Mörderin?!"

Ja jene Frau, der Sie Schutz gegeben haben!"

Marie Brandt?!!"

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Z>ie Zleöeruayme der Wolksschullasten auf den Staat.

R. B. Darmstadt, 28. Okt.

Ter Finanzausschuß unserer zweiten Kammer hat sich dieser Tage wieder sehr eingehend mit einem Thema be- lchaftigt, das schon seit bald zwei Jahrzehnten regelmäßig wiedertehrt und jedesmal neues Kopfzerbrechen und neue Kombinationen verursacht: die Frage der Uebernahme der Volksschullasten auf den Staat. Erst in der vorigen Legis- HEni die Sozialdemokraten einen Antrag Ulrich eingebracht, die Regierung Zu ersuchen, daß sie als­bald emen Gesetzentwurf vorlegen möge, welcher die Ueber­nahme der gesamten Wolksschullasten, die Einrichtung der obligatorischen Volksschule (Einheitsschule) re. re. vorsieht. Ter Drucksehlerkobold hatte bei diesem Antrag mitgewirkt und hier einmal den Nagel auf den Kopf getroffen, indem' er aus dem Worte VolksschullastenVolksschul le h r e r" machte; erst als der Regierungsvertreter in ocr Kammer dieUebernahme der gesamten VolksschEehrer" mit ironi- fchen Bemerkungen kritisierte, veranlaßten die Antragsteller durch Zwischenrufe eine Richtigstellung. M-cur- war in der Kammer offenbar recht peinlich von- Vieser Wortvertausch­ung berührt, denn die Volksschullehrer, das war in der Tat der Kernpunkt in der ganzen Frage. Es dreht sich für die Herren weniger darum, die Gemeinden zu ent­lasten und dem Staat die ganze Fürsorge für die Lehrer­schaft aufzubürden, sie wollen vielmehr mit ihrem Antrag die absolute Verstaatlichung der Schule, die vollkommene Abhängigkeit der Lehrerschaft vom Staate er­reichen, da sie dann mit Hilfe des Geldbewilligungsrechts auch dem jederzeitigen Einfluß und der Kritik der Kammer besser unterstellt ist. Eine Verstaatlichung der Volksschule im eigentlichen Sinne besitzen wir bekanntlich schon seit dem Volksschulgesetz vom Jahre 1876. Tas Hauptmotiv des sozialdemokratischen Antrags aber lag wohl in der Er­wartung, daß man, wenn man es erst einmal mit dem Staat allein in der Schulsrage zu tun habe, auch den Lieblings­traum der völligen Trennung von Schule und Kirche leichter der Erfüllung werde näher bringen können.

Ter jetzt vorliegende Antrag Schönberger hat nun die frühere Hauptforderung der Sozialdemokraten nasch ider einen Seite herab gemindert, indem er nur die persönlichen Lasten auf den Staat übertragen wissen will; andererseits aber verstärkt der Antrag und kompliziert er sehr die ganze Frage dadurch, daß er kurz und bündig verlangt: Tie enormen neuen Lasten werdendurch progressiv abgestuste Zuschläge" zur staatlichen Einkommensteuer ausgebracht. Ueber die Beweggründe dieses Vorschlags gewinnt man einige Klarheit, wenn man sich die Namen der Unterzeichner jenes Antrags näher ansieht. Es sind 9 ob er hessische Bauernbündler und 'Agrarnationalliberale, 12 Starkenburger derselben Parteirichtungen inff. einiger Sozialdemokraten und zwei Rheinhessen, der Abg. Diehl und der inzwischen verstorbene Mainzer Sozialdemokrat Haas. Von den rheinhessifchen und den städtischen National­liberalen hat sorusb niemand unterschrieben, ebensowenig finden wir einen Freisinnigen oder ein Zentrumsmitglied darunter. Es zeigt sich also hier wieder dasselbe Spiel, wllte Lei der Wahlrechtsvorlage: der Gegensatz zwi­schen Stadtund Land. Tie ländlichen Vertreter haben herausgerechnet, daß es doch eine recht schöne Sache wäre, wenn die Steuerzahler der größeren Städte des Lan­des, die jetzt bereits über die Hälfte sämtliche.y direkten Staats steuern beizuschaffen haben und für ihr Schulwesen ganz enorme Opfer bringen, auch noch die Schul last enderLandgemeindenmitzu- tragen verpflichtet würden. Tie Einwohner­schaft der Städte beträgt nur ein Fünftel, die des Landes vier Fünftel der Gesamtzahl. Wenn also künftighin sämtliche Schullasten vom Staate über­nommen würden, so würden die etwa 8 Millionen Schul­ausgabengleichmäßig für das ganze Land" aufgebracht werden, d. h. also, der fünfte Teil der städtischen Bevölker­ung, der jetzt schon über die Hälfte der direkten Staats­steuern aufbringt, würde dann auch noch die volle Hülste alter Volssschullasten mitzutragen haben. Gewiß ein ganz nettes Geschäft! Man vergißt hierbei indessen zunächst das Eine, daß das Land alsdann auch wieder um die großen Mehrausgaben, die bisher von den Städten allein oder mit Hilfe zahlreicher Stiftungen die Stadt Mainz

hat z. Bl ein Schulvermögen, das jährlich 45 000 Mk. an Zinsen abwirst, aufaewendet wurden, mit übernehmen müßte. Mainz zahlt für seine ccl 8000 Volksschulkinder jährlich über eine halbe Million Mark, also über 60 Mark pro Kind, während sich die Schullasten auf dem Lande nur auf 20 Mark pro Kind berechnen. Man wird doch nun von feiten der ländlichen Vertreter unmöglich verlangen wollen, daß diese von den Städten im Interesse ihrer Einwohner aufgewendeten Summen bei der Uebernahme auf den Staat den Verhältnissen auf dem Lande entsprechend reduziert werden? ,

Ter Antrag Schönberger will ja nun dem Begehr der Sozialdemokraten nicht ganz folgen und nicht sämtliche, sondern nur die persönlichen Schullasten der Gemeinden auf den Staat übertragen. Tie Gemeinden haben nach der Zusammenstellung der Regierung für das Etatsjahr 1901/02 an persönlichen Kosten genau 4 397 799 Mark au^ubringen gehabt, eine Summe, die sstch, zurzeit wohl auf rund 4j/2 Millionen belaufen dürfte. Und diesen Betrag wünscht matt mir nichts dir nichts durchprogressiv abgestufte Zu­schläge" zur Einkommensteuer zu erheben? Da der Gesamt­ertrag dieser Steuer für das laufende Jahr auf 9 089 000 Mark festgesetzt ist (wozu noch 3142 000 Mark Vermögens­steuer-Erträgnis kommen), so würden zur Aufbringung der Schullasten genau 50 Proz. des jetzigen Einkorn^ mensteuer-Erträgnisses mehr durchprogressiv abgestufte" Zuschläge beigetrieben werden müssen. Glauben die Antragsteller wirklich, daß eine solche in Deutschland einzig dastehende Besteuerung lieber.« der ^etzigenDermögens- steuer, die ja doch- nur ein vorübergehender Notbehelf sein sollte, so einfach durchzuführen; sein würde? Hören wir nicht jetzt schon von allen Seiten Klagen darüber, daß so viele besser situierte Familien ihre hessische Heimat verlassen und der billigeren Steuern wegen in einem der benachbarten Bundes^- staaten ihren Wohnsitz nehmen!

Die Uebernahme der Nolksschulausgaben auf den Staat ist an sich ein Gedanke, dessen Durchführung gewiß in allen liberalen Kreisen mit Freuden begrüßt werden würde. Sie ist aber auch ein Experiment, zu dem man sich erst nach reifster Ueberlegung und gründlichster Prüfung aller einschlä­gigen Verhältnisse entschließen darf und das unseres Wissens bisher nur im Herzogtum Anhalt gelungen ist. Und wenn sich die hessische Negierung und auch der Finanzausschuß trotz des Begehrs der 23 Antragsteller sträube, den Schritt ins Blaue mitzumachen, noch dazu auf Kosten einer verhältniß- mäßig geringen Zahl von Steuerzahlern, so geschieht das nur im wohlverstandenen Interesse des Landes. Man lasse jetzt erst einmal das schwierige Riesenwerk der angekündigten Ge­meindesteuerreform mit seinen tief einschneidenden Steuerver- chiebungcn zur Durchführung kommen. Dann wird sich zeigen, wessen Schultern noch zur event. Aufbürdung neuer Steuern die nötige Tragkraft besitzen.

Kcrichtssaal.

Be rlin, 27. Okt. In dem seit dem 10. Oktober vor dem Schwurgerichte des Landgerichts I. verhandelten Falschmün- zerprozeß Gelhaus und Genossen wurde heute abend das Urteil gefällt. Es erhielten Lache und Gelhaus je 6 Jahre Zucht­baus, Hellmer 2. Jahre, Mikulla 1/2 Jahre Zuchthaus, Steger 3 Jahre Gefängnis, Taschowski 2 Jahre, Kauer 15 Monate und Blattner 6 Monate Gefängnis. Bade und Feistel wurden frei­gesprochen. Ten meisten Angeklagten wurde die Untersuchungshaft angerechnet. Nur Blattner und Taschowski wurden mildernde Umstände zugebilligt. Alle auf*er Lache erklärten, auf die Revi­sion zu verzichten.

Oldenburg, 27. Okt. Ter in Haft befindliche Redak­teur Schweynert desOldenburgischen Residenzboten" hat gegen den Minifter Nuhstrat Strafantrag wegen Beleidigung gestellt, weil dieser ihn im Landtage einen24 jäh­rigen Bengel" genannt hatte.

München, 26. Okt. Die Ehe der Schriftstellerin Helene B ö h l a u mit einem deutschen Privatgelehrten, welcher behufs Er­möglichung dieser Ehe türkischer Untertan wurde und den türki- chen Namen Ared al Raschid annahm, wurde von der ersten Frau nach nunmehr 13jähriger Dauer angefochten. Die ^Münch. Allgem. Zeitung" teilt mit, daß heule in dieser Klagesache das Urteil publiziert wurde, nach welchem der Klage der ersten Frau auf Anerkennung der Rechtsgiltigkeit der ersten Ehe vom Gerichte stattgegeben wurde.

Nnivcrsttäts-Wachrichten.

Ter bisherige ärztliche Direktor der Charitee in Berlin, Generalarzt Schaper und der Kurator der Universität Greifs­wald, v. Hausen, erhielten den Roten Adlerorden 2. Kl. mit Eichenlaub.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller uncer dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Aus Friseur-Kreisen geht uns folgende Klage zu:

Während vor 15 Jahren hier noch ganz gut ein Friseur­geschäft in einer kleinen Seitenstraße existieren konnte, muß ein solches Geschäft heute an reger Verkehrsstraße liegen, was dem Geschäftsinhaber bedeutende Kosten verursacht. Während man sich ftühec beim Barbier auf einen gewöhnlichen Stuhl zum Rasieren oder Haarsckmeiden setzte, kann man sich heute in einen bequemen Sessel mit Kopfhalter, welcher noch obendrein mit antiseptischem Papier bedeckt ist, niederlassen und sitzt dann vor einer eleganten Toilette und einem schönen hohen Spiegel, trotzdem der Preis für Bedienung noch fast derselbe wie vor vielen Jahren ist. Welche Unkosten einem Friseur von heute erwachsen, berechnet sich aber der größte Teil des Publikums, welches den Friseur immer braucht, nicht. Tie Ladenmiete bewegt sich hier in Gießen (innere Stadt) zwischen 6900 Mark. Tann kostet uns ein Gehilfe, den wir meistens nur beschäftigen, damit die Herren nickt zu warten brauchen, an Lohn 360 Mark durchschnittlich; dazu kommt Kost und Logis für ihn, sowie Anteil an Kranken- und Jnvalidenkasse im Betrage von ungefähr 380 Mark. Zur Benutzung des Publikums muß der Friseur einige Zeitschriften halten, für Heizung und Beleucktung muß er sorgen, dazu die Steuern, Geschäftsbedürfnisse, Ersatz und Reinigung der Wäsche und dergl. mehr, was wieder den Betrag von ungefähr 300 Mark ausmacht, so daß er also an Geschäftsunkosten bei 1 Gehilfen pro Jahr 1940 Mark hat. Ter Friseur hat nun auch Familie, wodurch. eine Wohnung, sagen wir von 300 Mark, notwendig ist, und .diese Familie verbraucht mit ihm pro Tag 3 Mark, wobei auch noch Kleidung mitgerechnet ist, sind also 1395 Mark für den Haushalt. So muß er also um zu bestehen, 3335 Mark jährlich oder 9 Mark täglich verdienen. Wie viele Herren man dafür be­dienen muß, ist leicht auszurechnen; wenn das Rasieren 10 oder 15 Pfennig kostet. Wie unbehaglich sich da mancher Friseur fühlt und wie schlecht es manchem geht, ahnt der größte ieü! unserer Kunden nicht, denn der Friseur begegnet seinen Kunden immer mit freundlicher Miene, trotzdem er manchem Kunden, der Rasieren verlangt und mit 1015 Pfennig bezahlt, auf dessen Verlangen auch rwch das Haar frisiert, wofür er ni chts bekommt und den Mund hält, aus Angst, der Herr könnte ihm wegbleiben. Ein gewöhnlicher Handwerker ober Ar­beiter verlangt das Frisieren nicht umsonst, und bekommt er einmal ein bischen übers Haar gebürstet ober ben Schnurrbart gedreht, bezahlt er von selbst 510, Pfennig mehr. Viele Herren glauben aber, der Friseur könnte von der Ehre, sie be­dienen zu dürfen, schon leben.

Mit der Bedienung außer dem Hause wird der Friseur auch sehr viel unnütz chikaniert, denn manche Herren glauben dem Friseur Gott weiß welchen Gefallen zu erweisen, wenn sie ihn ein bis zweimal wegschicken, weil sie entweder gerade beim Kaffee sitzen oder zum Fenster hinaussehen und augenblick­lich nicht gestört sein sollen. Welche Zeit der Friseur aber dadurch versäumt und welchen Schaden er oft dadurch erleidet, da ihm schließlich während der vergeudeten Zeit im Geschäft einige Herren weggehn, darüber maM man sich keine Gedanken. Eftr Nein biscken mehr Rücksicht wäre da wohl am Platze. Im übrigen ist der Preis für Bedienung außer dem Hause auch erbärmliche In jeder größeren Stadt wird Bedienung außer dem Hause mit dem doppelten Geschäftspreis bezahlt.

Man wird vielleicht sagen: warum schließt Ihr euch nicht zusammen und macht die Sache einheitlich, Ihr habt doch eine Innung? Die Innung mit ihren 12 Mitgliedern kann da nichts machen, und Vorschriften über die Preise darf sie überhaupt nicht erlassen, denn das ist ihr gesetzlich verboten. So lange ein Teil derbesseren" Kundschaft so wie oben berichtet, handelt, sind die Friseure zur Abänderung der mißlichen Zustände völlig machtlos.

I. A. mehrerer Kollegen:

____________ Ein Frifeur.

Ueberzeugen Sie sich, daß in meinem kunstgewerbll Institute Ihnen mindestens das Gleiche in Möbeln, Betten, Innendekorationen re. rc. geboten wird, als in auswärtigen, von Nichtfachleuten und mit Riesenspesen betriebenen sogen. Möbel-Fabriken. Ohne Kaufverbindlichkeit ist Besichtigung meiner Fabrikations- u. Lagerräume gern gestattet. Geschäfts­

gründung 1858. Th. Brück, Möbelfabrikant, Gießen, Ecke Schloßgasse-Kanzleiberg-Brandplatz. 10 Schaufenster. Telephon 373. C17/e

Oder richtiger Bertha Wullbrandt denn das ist ihr rechter Name."

Mein Gott mein Gott", jammerte der alte Herr. T'antt raffte er sich auf.Es ist eine infame Lüge ein Irrtum eine Verwechselung der Person."

Hören Sie nach ruhig an."

Nicht hier! Angesicksts jener Frau sollen Sie Ihre furcht­bare Anllage wiederholen! Kommen Sie!"

Er Witt rasch dem Hause zu, mit einem traurigen Lächeln auf den Lippen folgte ihm Ferdiirand.

Ter Rat stieß die Tür auf. Winselnd kam ihm der Heine Hund entgegen. Vom Herde fdyretfte die alte Frau Knoche auf. welche dort schlafend gesessen.

O, Herr Rat, wie gut, daß Sie wieder da sind!"

Wo ist Marie?" schrie er die Alle an.

Diese schluchzte laut auf.Ach, Herr Rat ich w-eiß nicht, ' was geschehen ist als Frau Marie heim fant und ich ihr Ihren Brief gab, glaubte ich, der Blitz habe sie niedergeschmet- tert so sank sie zu Boden. so schrie sie auf daß selbst es mir in meinen tauben Ohren gellte. Tann rannte sie wie wahnsinnig hinaus und rang die Hande und jammerte. Und dann wurde sie still ganz still ich muß eine Reise an* treten, sagte sie mir. Achte auf Richard, und wenn der Herr wieder kommt jag' ihm nein, sag ihm nichts. Ich will an ihn schreiben. Dann schrieb sie dieses hier, das ich Ihnen geben sollte, und dann küßte sie den kleinen Richrrd und dann rannte sie wie toll davon."

Ter Rat sah auf den kleinen Zettel, wie erstarrt. Kaum konnte er die wenigen Zeilen lesen, welche lauteten:

Leben Sie roohl, mein Vater, mein Wohltäter uv darf nicht bleiben, mein Geschick erfüllt sich. Haben Sie Tank, lachend T>auk. Leben Sie wohl nehmen Sie sich meine# Lohnes an. Ihre Marie Braud doch nein, ick will mit keiner Lüge von Ihnen geben n w unterzeichne ich mit meinem wahren 'Jiamcn Bertha Wullbrandt." . , .

(Fortsetzung folgt)