Ausgabe 
29.4.1904 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Auge klar zu machen und

werden nrirb, und daß die heute abspielen, die Geister

Bouquets.

Am Schloßportale wurde daS Kaiserpaar von den Hof- taaten empfangen. Unmittelbar nach der Ankunft im Schlosse würbe der Tee eingenommen. Heute abend 8 Uhr and Familientafel und Marschalltafel statt. An der Fa­milientafel nahmen außer dem Kaiserpaare und dem Groß­herzogspaare das Grbgroßherzogliche Paar, die Prinzessin Milhelm von Baden und der Reichskanzler teil.

schaffen konnten, die sie für ihre Geschäfte brauchten. Denn wir kräftige Kornhäuser hätten, so wären wir in der Revision des Borsengesehes schon viel weiter. Anders liegt die Sache bei den Jndustriepapieren, besonders den Montanpapieren. Wenn man da den Terminhandel verbietet, so geht die Spekulation über in Kassa- geschäfte und daS Kapital wird dann für andere Zwecke nicht dienst- bar sein.

Graf Kanitz hat gesagt, es sei noch niemals dagewesen, öafi Aie Regierung gegenüber der Börse so schwach gewesen sei und einlenke, weil ein Jnteressentenstand sich gegen das Gesetz straubw. Es ist alles schon dagewesen; im Jahre 1874^ hat die preiwische Regierung eine Verordnung erlaßen gegen Differcnqgeschafte ui Eiscnbahnpapieren, aber schon 1876 brachte sie ein Gesetz zur Auf­hebung jener Verordnung ein, die ihren beabsichtigten Zweck, wie es in den Motiven heißt, nicht erreicht habe.

Der preußische Handelsminister hat gestern die Börse als einen politischen und wirtschaftlichen Macbtfaktor bezeichnet und eine starke Börse als notwendig erklärt. Ich ftnde keine besseren Worte, als er gestern gebraucht hat, und will nur wünschen, daß das Gesetz so gestaltet wird, daß wir wirklich eine starke Börse wiedcrbckommcn. (Beifall bei den Freisinnigen.)

Abg. Lucas snctt.-lib.): Ick werde mich bemühen, sine ira et studio zu sprechen, wie es ja auch der Vorredner getan hat, denn wenn an irgend eine Frage sine ira et studio hcrangctretcn werden muß, so ist es die vorliegende. Die,Börse hattest Erlaß des Ge­setzes manches getan, was geeignet ist, ihr die Lvmpatbien zu ver­scherzen. Daß etwa die Boykottierung de? Börscuregisters beson­ders klug gewesen wäre von der Börse, wird niemand behaupten. ES ist hier immer nur von der Berliner Börse die Rede, aber wir machen doch das Gesetz nickst für Berlin, Frankfurt, Köln oder Ham­burg, sondern für das ganze Reich. Hält man sich die Schwierig­keiten einer gesetzlichen Regelung der Materie vor Augen, so ist es klar, daß das Vörsengesetz auf den ersten Wurf nicht gleich das Richtige treffen konnte. Die Notwendigkeit einer Revision ist durch­aus erklärlich, und wir werden bereit sein, in einer Kommission zu prüfen, wie weit das Bedürfnis einer Reform geht und inwie­weit die uns vorliegenden Vorschläge geeignet sind, diesem Bedürfnis entgegenzukommen, wir werden aber auch prüfen, inwieweit die sehr erheblichen Bedenken, die noch in uns aufgetaucht sind, bese, tigt werden können. Das Börsengesetz ist zustande gekommen nach langjährigen Untersuchungen und Erörterungen in der Börsen- Enauete-Kommission, und es ist zustande gekommen, wenn auch nach schweren Kämpfen, so doch schließlich mit einer recht erheb­lichen Majorität. Und wenn man an ein solches Gesetz die bessernde .Hand anlegen will, so ist eine eingehende Prüfung nötig. Wir befanden uns aber und das erschwert die Nachprüfung seit einer Reihe von Jahren in einer Periode der wirtschaftlichen De­pression, die es schwierig macht, festzustellen, inwieweft Erschei­nungen des Wirtschaftslebens auf die Börsengesetzgebung und in­wieweit sie auf andere Faktoren zurückzuführen sind. _ Das Ma­terial, das uns in der Begründung gegeben ist, ist trotz seines stall- lichcn äußeren Umfanges doch nicht gerade sehr reichhaltig. (Sehr richtigIj Die der Begründung beigegebenen Emoaben verschiedener

schweren Ereignisse, die sich auf eine Linie lenken, ba§ y den Mut zu stählen, uns einheitlich zusammenzu- finben, wenn es notwendig wirb, in bie Welt­politik einzugreifen.

Nach herzlichen Tankeswortcn gmg bie Fuhrt zum Rat­haus weiter. Oberbürgermeister Sckmetzler begrüßte sobann bie Kaiserin und bie Großherzogin unter Ueberreichung von

her ii n r r' n I wiespalt h'iidaß unser Friede

0* l0 ä&b

E*S*

S&Ti! W» e-alpr-i-

Cbrtfit

Nniverflläts-Vachrichten.

Heidelberg, 28. April. Daß selbst deS ExamenS Roh- nicht jeglichem Musensohne die köstliche Blute de^ Humors r ' beweist ein Antrag aus Zulassung zur Doktol Prüfung, welcher kürzlich in D e r S f o r m bei der Zu r ist en Fakultät unserer Universität einliei. Dieser Einsender muß em unverbesierlicher Idealist, vielleicht besserer Poet denn- Furcht s«n, zumal wir wissen, daß der gleiche Doktorand schon emmahnao^ dem negativen Ausgang eines ersten 93er|udA den Fak in wehmütige« Strophen angedichtet hat.

selbst abzuschaffen. Nur die Mißbräuche wollen wir beseitigen. Der bequeme Standpunktwir müssen um des Guten willen das Schlechte mit in den Kauf nehmen" darf für unZ nicht maßgebend sein, die Schwierigkeiten schrecken uns nicht. An der Börse selbst wird es liegen, ob sie die Antipathien, die sie in vielen Kreisen jetzt genießt, verlieren wird!

Hierauf wird die Weiterberatung der Börsennovelle durch die Schlußabstimmung der Novelle zur Seemannsordnung unterbrochen. Diese wird einstimmig a n g e n o m m e n.

Das HauS kehrt sodann zur Börsennovelle zurück.

Abg. Tove (freif. Vergg., bei der großen Unruhe, die infolge der Abstimmung im Saale zurückgeblieben ist, anfangs unverständ­lich) : Ich habe die höchste Achtung vor unserem höchsten Gericht. Ich muß aber doch sagen, daß die Erkenntnisse, die daS Reichsgericht auf Grund des Börsengesetzes erlassen hat, der Absicht des Gesetzgebers nicht entsprechen. Kein Mensch hier im Hause hat so etwas beab­sichtigt. Das Bedürfnis, hier Wandel eintreten zu lassen, ist sicher durch" die Tatsachen festgestcllt. Der Fehler des Börsenregisters liegt darin, daß es zwei sich diametral gegenüberstehende Funktionen erfüllen soll, es soll einmal Rechtssicherheit schaffen, und auf der anderen Seite soll cs abschreckend wirken. Das läßt sich nicht ver­einigen; es ließ sich der großstädtische Bankier eintragen, aber seine Kunden konnten nickt dazu veranlaßt werden. Ich gebe zu, daß die Novelle auch einige Fortschritte bringt. Dazu gehört u. a. die Herabsetzung der Verjährungsfrist. Mir hat einmal jemand gesagt: Es ist heute sehr schwer, abgesehen vom Erben und Heiraten, auf ehrliche Weise viel Geld zu verdienen. Ich möchte sagen, auch da? ehrliche Erben und Heiraten wird erschwert, wenn man dreißig Iabre auf den Tod des Schwiergervater? warten muß. (Heiterkeit.) Jedenfalls entspricht eS dem Bedürfnis des Verkehrs, wenn jetzt die Vorlage die Verjährungsfrist für Börsengeschäfte von dreißig Jahren auf secks Monate herabsetzt. Die Notwendigkeit der Re­form deS Börsengesetzes ist vom Börsenaussckuß einstimmig an­erkannt worden, nur über den Umfang der Reform geben die An­sichten auseinander. Auch die Herren Fcentzel und Mendelssohn haben sick für eine Reform ausgesprochen, man kann sie also keines­falls, wie Graf Kanitz es tut, als Kronzeugen dafür anführen, daß alles beim alten bleiben soll.

ES freut mick. daß Graf Kanitz denjenigen als Schuft be­zeichnet, der den Differenzeinwand erhebt, ich erinnere ihm daran, daß es aber auch Leute gibt, die c5 sogar unter Strafe stellen wenn jemand den Differenzeinwand nicht erhebt. (Heiterkeit.)

Der Differenzeinwand führt zu ewigen Konflikten und daß einzige Mittel, gegen daS Spiel anzukämpfen, wäre e5. die Differenzgeschäfte klagbar zu machen. Wir treten nicht ein für die Interessen der Spieler, sondern eines gesunden Handels und damit für die nationale Wohlfahrt. (Beifall links.)

Das Haus vertagte sich.

Nächste Sitzung: Freitag 1 Uhr (Fortsetzung Stempel­steuer- und T o t a l i s a t o r g e j e tz).

Schluß gegen 61$ Uhr.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 29. April 1904.

"Personalien. S. K. §>. der Gr o ßherz o g haben bett Direktor bes evangelischen PrcbigerseminarS uno zwei­ten Pfarrer zu Friedberg D. Dr. Wilhelm Weiffen- bach aus erfolgtes Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen und ersprießlichen Dienste mit Wirk­ung vom 1. Mai 1904 in den- Ruhestand versetzt. Der zweite Professor am evangelischen Predigerseminar zu Friedberg Dr. Paul Wurster ttnttbe zum Direk­tor und ersten Professor und der dritte Professor an dem Seminar Lic. theol. Karl Eger zum zweiten Profeffor desselben, beide mit Wirkung vorn 1. Mai 1904, ernannt. Der Schlosser Georg Weidmann aus Roßdorf wurde zum ersten Heizer der Zentrale für Kraft, Licht und Warme an der Technischen Hochschule zu Darmstadt ernannt.

Chirurgische und Augenklinik in Gießen. Bei der Submission am 27. ds. MiS. ergaben sich folgende Angebote auf Zwischendecken: Gottlieb Luckenbach-Hamburg LoS 1 2U841.25, LoS 2 15878.76; Denner u. Funke-Cassel LoS 1 22 068.25, LoS 2 17 552. ; Jöh. Ordorico-Frank- furt a. M. LoS 1 22 750.50, Los 2 17 185.60; Reinhardt u. Roth-Gießen LoS 1 23 826.25, LoS 2 18 308.76; Dücker u. Co.-Düsseldors LoS 1 23 982.76, LoS 2 18212.76; Draeger u. Roelen-Düsseldorf LoS 1 23 983.95, LoS 2 18 327.70; A. Dressel-Gera LoS 1 24 258.60, LoS 2 18 445.60; G. Böhner-Bg.-Gladbach LoS 1 24 362., LoS 2 18 664.50; Hugo Förfter-Lanqen-Wcddingen LoS 1 25 275., LoS 2 19 378 25; Martenstein u. Iosseaux-Frank- furt a. M. LoS 1 31946.75, LoS 2 24 469.26; Knoblauch u. Scheidt-Darmstadt LoS 1 32 272.26, LoS 2 24 739.76: Buchheim u. Heister-Frankfurt a. M. LoS 1 38 462.75, LoS 2 29 139.; Buchheim u. Heister-Frankfurt a. M. LoS 1 47 727.50, LoS 2 35 320.. Angebote auf Maurer- arbeiten: Abermann u. Kling u. Birkenstock u. Schneider- Gießen LoS 1 181722.85, LoS 2 111127.10; Jäger u. Rumpf-Hanau LoS 1 169 394.86, LoS 2 112646.75; Gg. Becker u. Scheppelmann-Gießen LoS 2 118 906.66; Hch. Winn-Gießen LoS 1 194 567.90, LoS 2 126 424.60; Akt.-Ges. für Hoch- und Tiefbau-Frankfurt a. M. LoS 1 189 484.05, LoS 2 128 850.70.

Mainz, 26. April. Ein groß« Einbruch Sbieo- stahl in einem Uhrengeschäft ist heute nacht verübt worden. ES wird darüber folgendes berichtet: Heute spät in der Nacht beobachteten zwei Schutzleute in der Seibnt*- straße d rei Männer, bie aus der Wirtschaft von Simon in der Leibnizstraße Nr. 22 zu kommen schienen. Da aber um diese Zeit die genannte Wirtschaft meistens schon geschlossen ist, so suchten die Schutzleute an dem HauS nach und fanden, daß die Türe des ebenfalls dort befird'ichen Uhren­geschäfts von Ludwig Wihel aufgebrochen war und in WflJ Laden selbst das größte Durcheinander herrschte. Der sofort geweckte Geschäftsinhaber stellte fest, daß über lov Uhren, ferner viele Uhrketten, Ringe~ und sonstige Schmucksachen gestohlen waren. Von den Tätern, die zwei­fellos die drei von den Schutzleuten bemerkten Kerle gewesen sind, hat man keine Spur.

Mainz, 28. April. AuS Anlaß der Fertigstellung der neuen Eisenbahnbrücke verlieh der Großherzog dem Oberbürgermeister Dr. Gaßner die Krone zum Komtur­kreuz 2. Klasse deS PhilippordenS und dem Baumelster Willens daS Ritterkreuz 1. Klasse desselben Orten*

per Frästdent von Arankreich in Italien.

Rom, 28. April. Die Abreise Loubet's litt unter 'trömendem Regen. Die Königin, die einem freudi- genEreignisse entgegensieht, blieb in Rom, gegen den ursprünglichen Plan, der ihre Teilnahme an der morgigen Flottenschau in Neapel vorsah. DerMessagero" begleitet >ie Abreise des Präsidenten mit einem heftigen Angriffe auf die Regierung, die aus Furcht Loubet dem Volke un- ichtbar gemacht und sogar die Stunde seiner Ausfahrten geheimgehalten habe. Die klerikaleVoce della Verita" wurde wegen ihres Abschiedsartikels konfisziert. Gestern abend versuchten einige radikale Gruppen eine Volksdemonstration zu erregen, um Loubet vor der fran­zösischen Botschaft eine Huldigung darzubringen. Es wur­den Ruse laut: Hoch CombeS! Nieder m it dem Vati­kan! Aber die Polizei erstickte den Versuch im Keime. Etwa 30 junge Leute wurden verhaftet, wahrend der Nacht aber wieder freigelassen.

Neapel, 28. April. Der König traf mit dem Prä­sidenten Loubet nachmittags unter lebhaften Begrüßungen deS Publikums hier ein. ES regnet in Strömen. Auf dem Wege vom Bahnhof nach dem Palast, den der königliche Zug mit Loubet nahm, hatte sich eine Überaus zahlreiche Menge angesammelt, die die Gäste mit lebhaften Kundgebungen be­grüßte. Gleiche Ovationen wurden den Herrschaften nach der Ankunft im PalaiS von dem vor demselben angesammelten Publikum dargebracht. Heute abend war Galadiner und Gala­vorstellung im Theater San Earlo. Bei dem Galadiner hielt Präsident Loubet folgenden Trinkspruch:

Sire, an diesem Gestade des Mittelländischen Meeres, der Wiege der lateinischen Rasse, wo die friedliche Entwickelung der Interessen Italiens und Frankreichs sich gesichert findet unter dem Schutze Ihrer Flotten, die heute in dem herrlichen Golf von Neapel fraternisieren, ist eS mir ganz besonders angenehm, mein GlaS zu erheben zu Ehren der tapferen italienischen Marine und auf den vollen Erfolg ihrer edlen Mission zu trinken. Bevor ich den Boden Italiens verlasse, wo alle Herzen dem Repräsentanten Frankreichs eine Aufnahme bereiteten, deren Ernmernng die Zeit nicht austilgen wird, bitte ich Ew. Majestät, bitte ich die Röntgt Familie, die Regierung und da? italienische Volk, genehmigen Sie den Ausdruck meiner tiefen, sehr lebhaften Erkenntlichkeit.

Nach dem Trinkspruche spielte die Musik den KönigS- marsch. Der König erwiderte in italienischer Sprache:

Herr Präsident! In dem Augenblicke, wo Sie im Begriff sind, Italien zu verlassen, freue ich mich, Ihnen noch einmal zu sagen, wie sehr Ihr Besuch, während dem die Wünsche Frankreichs Sie begleiteten, mein Volk und mich erfreut hat. Italien und Frankreich haben durch die Regelung ihrer Interessen im mittelländischenMeere dem europäischen Frieden einen neuen D i e n st g e l e i st e t. Der Gruß der französischen Flotte, deren Ruhm mit ehernem Griffel in die Tafeln der Ge­schichte eingeschrieben ist, wird aufrichtigen tiefen Widerhall in den Herzen der italienischen Seeleute finden. Im Namen des italieni­schen Heeres erhebe ich mein Glas zu Ehren der tapferen französi­schen Armee.

Die Musik spielte die Marseillaise.

Jnteressentenverbände enthalten Ja eine Reihe statistischer Daten, aber gegen die Methode statistischer Ermittelungen sind doch mit Recht soviel Einwendungen in wetten Kressen gemacht worden, daß man sich zuverlässig daraus überhaupt nicht informieren kann. Ich kann nicht sagen, wie meine politischen Freunde im einzelnen über die vielen hier aufgeworfenen Fragen denken, nur soviel kann ick sagen: An dem Verbote deS Terminhandels tn_ Getreide und Mühlensabrikaten werden wir unter keinen Umständen rütteln lassen.

Gewiß, der Term' ibmidel an sich kann sowohl a la Hausse als a la Baisse vor sich gehen, aber c5 ist eine Tatsache, die durch alle Theorien nicht Hinwegzuleugnen ist, daß seit Erlaß des Börsen­gesetzes und seit Einführung des Verbote? des Terminhandels unsere Landwirte, wenn auch nicht höhere, so doch jedenfalls steti­gere Presse erzielt haben (Sehr richtig! rechts.); es ist vermieden worden, daß der Preisdnick nach der Ernte durch die Baisse- Spekulatton noch wesentlich vermehrt wurde. (Sehr richttg! rechts.) An dem Grundgedanken, auf dem das Börsengesetz beruht, zu rütteln, dazu bieten uns die bisherigen Erfahrungen noch keine Veranlassung, um so weniger, als sich in weiten Kreisen die Wir­kungen des Börsengesetze? als durchaus gute und segensreiche her- ausgestellt haben. Trotzdem wollen wir die bessernde Hand an­legen, wo Mißstände oder Verhältnisse zu Tage getreten sind, die die Gesetzgebung nickt vormissehen konnte. Ein solcher Mißstand ist die Recktsunsickerbett. Inwieweit die Judikatur des Reichs­gerichts daran schuld ist, darauf will ick hier nickt einaehen, denn es bandelt sich nicht darum, an der Rechtsvreckiing des Reichs­gerichts Kritik zu üben, sondern aus der Judikatur de? Reichs­gerichts die gesetzgeberischen Konseguenzen zu ziehen. ES ist heute schwer, den ^Kreis der unter das Gesetz fallenden Geschäfte^ genau obzugrenzen. Tas Bärfenspiel ist fteilick an besttmmte Formen nickl gebunden. Aber der Terminhandel ist vermöge seiner tech­nischen Vollkommenheiten besonder? geeignet, diese? Börsenspiel zu begünstigen Es ist unmöglich, die legitimen Termingeschäfte von dem reinen Börsenspiel nach objektiven Merkmalen zu unter scheiden. Wir müssen daher diese Unterscheidung ins Subjektive verlegen, und wir müssen daher ernst prüfen, ob die Novelle hier das Rich­tige getroffen hat. Wir glauben, daß das Börsenregister die Unterscheidung zwischen berechttgten und unberechtigten Termin­geschäften an die richtige Stelle gelegt hat. Alle Vorteile, die die schrankenlose Freiheit des Terminhandel? mit sich führen könnte, würden reichlich ausgewogen werden durch den Schaden, den Tausende und Abertausende von Eistenzen durch unberufene Teilnahme am Terminhandel erleiden würden. Verwerflich ist nicht unter allen Umständen die Erhebung des Differenzeinwandes, fordern viel häufiger die Tassache, daß man sich überhaupt auf das Börsenspiel eingelassen hat.

Das sind die Gesichtspunkte, unter denen wir die Novelle prüfen. Wir müssen untersuchen, ob die Novelle den Personen­kreis in richtiger Weise begrenzt hat. Wir werden diese Prüfung ohne jede Animosität vornehmen. Die Börse können wir nickt cm= bohren, solange wir das Kapital und den internationalen Weri- umlauf haben. So unverständig es wäre, ba-3 Kapital und das Geld selbst abschaffen zu wollen, so unverständig wäre eS, die Börse

wegen s Vf-'r da?," r, vergessen nf< r7 dadurcss niemals gestört

Kaiser Wilhelms Meise und Ziedc

St. Pilt, 28. April.

Der Kaiser traf um 11 Uhr unter dem Geläute der Glocken ber umliegenden Ortschaften auf der Hohkönigs- Vurg ein .Er besichtigte eingehend die Fortschritte der Arbeiten an der Burg unter Führung des Architekten Eb- Hard und sprach wiederholt seine große Beftiedigung aus. Die Abfahrt erfolgte um 1 Uhr.

Karlsruhe, 28. April.

Zu Ehren des Eintreffens des Kais er paar es zeigen die Stadt und besonders das Rathaus und der Marktplatz reichen Festschmuck. Kurz nach 5 Uhr traf der Hofzug hier auf dem Bahnhof ein. Zum Empfange waren erschienen der Großherzog und die Gr o ß h e r zo g in, bas Erb- großherzogspaar, die Prinzessin Wilhelm von Baden, der preußische Gesandte v. Eisenbecher, ber Reichskanzler von Bülow, General v. Plessen unb der Flügeladjutant Graf v. Sponek. Die Begrüßung war äußerst herzlich. Unter dem Donner der Kanonen und unter dem Geläute ber Glocken erfolgte die Einfahrt ber Fürstlichkeiten in bie Stabt durch bie dicht besetzten Straßen, auf denen bis zum Schlosse die hiesigen Vereine, die Studentenschaft und die Schulen Spalier bildeten. Am Rathause hatten zur Begrüßung der Gaste der Stadtrat mit dem Oberbürgermeister und dem Dürgernreister an der Spitze Aufstellung genommen.

Die Begrüßungsansprache des Oberbürgermeisters.

Oberbürgermeister Schnctzler hielt an den Kaiser ehre Ansprache, in der er betonte, daß es die Stadt mit nicht geringer Freude erfüllt habe, den Kaiser in Karls­ruhe begrüßen zu können. Wochen voller ernster Ereignisse seien seit der Ausfahrt über die Erde gezogen. Aus fernem Oft en käme das schaurige Getöse eines gewaltigen Völker- kampfes zu uns herüber. Aus unseren kolonialen Ge­bieten im Süden komme traurige Kunde von blutigem Aufstand, schmerzvollen Verlusten. Bor dem allem habe aber ber leidenschaftliche Streit ber Parteien im Lande nicht verstummen wollen. Man verstehe, was es heißen wolle, wie schwer bie Aufgabe und wie ungeheuer die Verantwortung sei, in solcher Zeit der Oberstlenker .einer großen, von vielfachen geistigen Gegensätzen so leb­haft bewegten Nation zu sein. Aber wir hegen bas feste Vertrauen, daß bie Weisheit und Kraft, bie uns bisher durch .alle Fährlichkeiten sicher geführt hat, sich auch in Zukunft für das Wohl des Vaterlandes erfolgreich betätigen werde. Rach einem herzlichen Willkommen für die Kaiserin schließt Äedner mit einem begeistert auf genommenen Hoch auf den Kaiser und die Kaiserin.

Die Antwort des Kaisers.

Der Kaiser hielt darauf vom Wagen auS an den Oberbürgermeister folgende Ansprache:

Zunächst ist es mir eine liebe Pflicht, für den fteund- -ichen Empfang zu danken. Ich hätte geglaubt, meiner Pflicht mcht zu genügen, wenn ich nicht auf meiner Rück­reise hier Einkehr gehalten hätte bei meinen teuren Ver­wandten, um zugleich den Beweis meiner vollstän­digen Heilung zu erbringen. Der fteundliche Emvfang der hiesigen Bevölkerung reiht sich an die v i e l e n s ch ö n e n Empfänge, die ich tn Italien gefunden, würdig an. Ich habe mich gefreut, zu sehen, daß der deutsche Gaffer gebaute in Italien in einer Weise hochgehalten unb gepflegt wird wie kaum tn einem Laube. Bei allen Anreden, Depeschen unb Aus­sprachen, bie ich zu hören bekommen habe, ist immer bie bankbare Erinnerung für ben großen Kaiser Friebrich II. ben Hoheustauffeu zum Ausdruck gebracht worden, trotzdem Jahrhunderte darüber hiugegangen sind. Sie haben ganz richtig erwähnt, daß die Aufgabe des deutschen Volkes schwer ist, sie wird aber im Hinblick auf die große Zeit, bie das deutsche Volk zusammengebracht hat, im Hinblick auf bie Kämpfe von Wörth, Weißenburg unb Sedan und im Hinblick au ben Jubelruf, mit welchem der Großherzog von Baden den ersten deutschen Kaiser begrüßt hat, die Ueberzeugung befestigen, daß der liebe Gott uns helfen werde, über den inneren Partei hader hinweg- Kukommen. Die Ereignisse, die die Welt be-

Unta: ben 3 ihrem bunten u bildlichen, Mei nute die chond bräuche, an i de Kult und ortili Wappen gemüh lichkeit verblaßt norm gehört bi 1. Mai in W Wtenschnee unt Kräser - schmn, Lieger über den lizmus freilich n mit roter Fahne die in früheren, zumeist der Kam Lenz gegen den Sinter war (in l 5. Heßler, Lerlc mancherlei interk Hessen), nicht meh rum Opfer gefall dieses Kampssynr werden. Statt d die beimTodaue Mai" in der & königs" oder au lümmels" vockrc den die Herren als ein Bosselst des monarchisch«

Das wäre s tvemger harmlc in Äieseck vc gewehren, auch n kratischen Gießei Mesecker Gemeii dieser ftttfrn U. Mbalb bet geworden ist, st W die alljährl Kundgebung des lang ene ßestst den, i n dem eii stration begoi Maifeier gerade der Hingabe an der neu erleuchte behaglichen A ye, fern vom ^tages und von Mm und maßvo ® unserer (W boruialS tvahrbafi m ein klassenl WgtenoE bie AM hat, ihr &3ntc4

1892 « 18 Ä!00 Sw

UM w$lb»um -Se

KyK MtA Menü)

jbft 3®, S",u<j