Ausgabe 
27.7.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 174

General-Anzeiger, Amts- und Anjeigeblatt für den Kreis Giehen.

Erscheint tügltch mit Ausnahme des Sonntags.

DieGtetzener KamtlienblStter" werden dem r2lnaetgei viermal wöchentlich beigelegt. Der Eheistich« Landwirt erscheint monatlich einmal.

Mittwoch Ä7. Juli 1904

Rotationsdruck und Vertag der Brühl'scheu Untoerfttottoruderet R. Lange. Gießen.

Redaktion. Expedition «.Druckerei: Schulstr.7.

Tet Nr. 5L Telegr^Adr. r Anzeiger Gieß«.

Zweites Blatt. 154. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Nalstilche Tagesschau.

Ter diesjährige sozialdemokratische Parteitag in Bremen erregt schon seht den Ehrgeiz einiger Genossinnen. Wir lesen imVorwärts" eine Aufforderung der Ottilie Bader an ihre Genossinnen, an dem Parteitag eifrig teilzunehmen. Die Mitwirkung an der Kommunalpolitik wird besonders em­pfohlen, auch die an der Parteiorganisation. Aber auch allen übrigen Verhandlnngsgegensiänden komme eine schwerwiegende Bedeutung für den doppelten Befreiungskampf'der Proletarierin zu. Der Ausruf schließt:Mit sozial- demokratischem Gruß Ottilie Bader, Vertrauensperson der sozialdemokratischen Frauen Deutschlands."

Amerika» Stimmung gegenüber Rußland.

Unverhohlen nimmt die öffentliche Meinung in den Ver­einigten Staaten Partei für Japan und gegen Ruß­land. In der Tagespresse, wie in den periodischen Schriften und in den vielen Aeußerungen der Stimmung in einem Volke zeigt sich deutlich die Befriedigung, daß Rußland Nieder­lagen erleidet, und je schwerer die Niederlagen, desto größer die Freude. Offiziell geschieht natürlich nicht das mindeste, was Rußland kränken könnte, aber das Volk hält mit seiner Meimmg nirgends zurück. Der Amerikaner sieht in dem Russen nur den Halbwilden. In einem Artikel derNorth American Review" wird gefragt, ob Rußland überhaupt die Zivilisation der indogermanischen Völker vertrete. Der Artikel kommt zu dem Schlüsse, daß die Russen den Mongolen weit näherständen und am allerwenigsten das Recht hatten, von einergelben Gefahr" zu sprechen. In ähnlicher Weise äußert sich die Tagespresse, in der mit Fingern mtf die Grau­samkeiten der Russen im gegenwärtigen Kriege hingewiesen und die humanere Kriegführung der Japaner lobend hervor­gehoben wird.

Große Zeitungen nehmen die außerordentliche Rücksicht, baß die neuesten Nachrichten vom Kriegsschauplätze nicht nur in englffcher, sondern auch in japanischer Sprache vor den Zeitunqsgebäuden auf weithin sichtbare Weise bekannt gegeben werden. Da§ geschah z. B. in San FranziSco, wo die Japaner sehr zahlreich sind. Von Washington aus ist durch russische Einflüsse mehrfach versucht worden, dieser Strömung entgegenzuwirken, aber ohne jeden Erfolg; im Volke ist keinerlei Sympathie für Rußland zu erwecken.

Aus Stadt mrd Land.

Gießen, den 27. Juli 1904.

Die alte Universitäts-Bibliothek wird, so­bald der Umzug au§ der Bibliothek erfolgt ist, einem Umbau unterzogen werden, wozu der Kostenanschlag sich aus 35 000 Mk. belauft. Die Fassade wird annähernd den üb­rigen Gebäuden deS BrandplatzeS angepaßt. Die Räume werden eingerichtet für das Botanische, daS Geographische und das Landwirtschaftliche Institut der Landesuniversität.

** Feuerwehr. Gestern abend stand die gesamte Feuerwehr unserer Stadt zu einer Hebung im Dienst, näm­lich die Gießener Freiw. Feuerwehr, die Freiw. Gail'sche und die alten und neuen Mannschaften der Pflichtfeuerwehr. Die alte Mannschaft der Pflichtfeuerwehr wurde entlassen und die neue in Rotten eingeteilt. Nach der Uebung folgten die Gießener Freiw. Wehr und die Gaillsche Freiw. Wehr einer Einladung des Brauereibesitzers Dennmghof zu einem Glase Bier. Die Feuerwehrkapelle unter der Leitung ihres Diri­genten Weller hielt die Leute beider Wehren noch längere Zeit kameradschaftlich zusammen. Dem Brandinspektor Wigan dt und dem Obmann Friedrich wurde die Dienst- auSzeichnunq für 30jährige Dienstzeit verliehen.

Konzert. Wir verfehlen nicht, nochmals auf das große Konzert hinzuweffen, welches am Freitag im Neuen Saalbau vom 1. Ober-Elsässischen Feldartillerie-Regiment Nr. 15 ausgeführt wird. Der Kapelle und ihrem Dirigenten, Stabstrompeter Vitz, geht ein sehr guter Ruf voraus.

Alsfeld, 2b. Juli. Gestern fand imDeutschen Haus"

die von etwa 60 Mitgliedern besuchte Versammlung des Bezirks Gießen des Deutschen Buchdrucker-Ver­bandes statt. Gau Vorsteher Earl Dornins auS Frankfurt a. M. legte in etwa 11/3 stündiger Rede den versammelten Buch­druckergehilfen den Zweck und Nutzen der Tarifgemeinschaft im deutschen Buchdruckergewerbe dar. Für seine interessanten und lehrreichen Ausführungen dankte die Versammlung durch Erheben von den Sitzen. Wie auS den Berichten der ein­zelnen Vertrauensmänner hervorging, herrscht im ganzen Be­zirk, mit einigen Ausnahmen, ein friedliches Verhältnis zwischen Prinzipalen und Gehilfen; freilich lassen die Zu­stände bezüglich Löhne und Arbeitszeit an einigen Orten zu wünschen übrig. Mit einem Hoch auf den Verband wurde die Versammlung geschlossen.

R. B. Darmstadt, 26. Juli. Entgegen der in hiesigen Blättern verbreiteten Meldung, daß zur Errichtung einer großen Ausstellungshalle auf der Mathildenhöhe die Bildung eines Garantiefonds beabsichtigt sei, derschon eine Höhe von rund 80 000 Mk. erreicht haben soll", werden wir von zuständiger Stelle ersucht, mitzuteilen, daß diese Nachricht völlig aus der Luft gegriffen ist. Weiter liegt es auch nicht in der Absicht der Leitung unserer Künstlerkolonie, bereits im nächsten Jahre hier eine all­gemeine Kun stau sstellung zu veranstalten. Es wird zunächst nur die schon früher vom Vorstand desVerbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein" beschlossene erste Wander-Kunstausstellung im Dezember d. Js. hier abgehalten werden und zwar voraussichtlich in den Räumen des Kunstvereins. Daß für später die Errichtung einer großen Ausstellungshalle mit mindestens 1200 Quadratmeter Au§- stellungsfläche projektiert wird und Professor Olbrich bereits Skizzen dafür angefertigt hat, bestätigt sich.

Darmstadt, 26. Juli. Am letzten Sonntag sammelten sich hier die Vertreter der dem Bund Deutscher Militär­anwärter angehörenden Zweigvereine Darmstadt, Gießen, Mainz und Offenbach u. a. O. zur Gründung eines Landes­verbandes Deutscher Militäranwärter für das Großherzogtum Hessen, wie solche bereits in anderen Bundes­staaten seit Jahren bestehen. Stadtv. Schupp wurde ein­stimmig zum 1. Vorsitzenden deS neu gegründeten Landes­verbandes gewählt. Ein Huldigungstelegramm an den Groß­herzog lautete:Der soeben in Stadt Pfungstadt hier neu gegründete Landesverband der Militäranwärter und -In­validen für das Großherzogtum Hessen huldigt Ew. König­lichen Hoheit in unverbrüchlicher Treue und Ergebenheit." Das Antwort-Telegramm des GroßherzoqS lautete:Besten Dank für die Mir bei Gründung des Verbandes entgegen­gebrachte Gesinnung. Ich hoffe, daß sich derselbe in er­wünschter Weise weiter entwickeln werde. Ernst Ludwig." Der Verband zählt schon nahezu 400 Mitglieder.

Mainz, 26. Juli. Der BundAllschlaraffia" hält sein diesjähriges Sommerfest in den Mauern unserer Stadt ab. AuS allen Teilen de§ Deutschen Vaterlandes, aus Oesterreich-Ungarn, Belgien, Holland, England und Amerika sind die Mitglieder hierhergeeilt und nehmen, etwa 800 Personen, Damen und Herren an den einige Tage dauernden Festlichkeiten teil. Für diejenigen, denen der Name Schlaraffia" fremd ins Ohr klingt, sei kurz gesagt, daß die Schlaraffia ein Bund von Männern ist, dieKunst, Humor und Freundschaft" als Wahlspruch aus ihre Fahne geschrieben haben. Wie die Freimaurerloge hat die Schlaraffia m der ganzen Welt festen Fuß gefaßt. Dem BegrüßungSabend am letzten Samstag folgte Sonntag abend die große Fesffitzung in der Stadthalle, bei der Oberbürgermeister Dr. Gaßner die Teilnehmer in Mainz willkommen hieß. Am Sonntag vor­mittag vereinten sich die Gäste zu einem Kellerfest bei der Sektfirma Kupserberg und abends zu einem Bankett in der Stadthalle. Heute führte eine Rheinfahrt, mit der das Fest für Mainz seinen Abschluß findet, die Teilnehmer nach St. Goar fRheinfels). Am Mittwoch folgt dann ein Teil der Gäste einer Einladung der Schlaraffia-WieSbaden, zu einem von der Kurverwaltung veranstalteten Gartenfest im Kurhaus.

25jä6riffes Htiftungsfek des Evangelischen Kirchengesangvereivs Hieße«.

Gießen, 26. Juli.

Die Veranstaltungen zu Ehren des 25'ährigen Stiftungsfestes beschloß gestern ein sehr gelungener Unterhaltungsabend nn R'uen Festsaal. Er wurde eröffnet mit allerlei musikalischen Dar­bietungen. Der Chor sang einige Lieder nach englischen geistlichen Melodien in Erinnerung an seinen Mitgründer und ersten Diri­genten, Pfarrer Dr. Haupt, dessen besondere Lieblinge biefe Lieder waren. Fran Professor Rahn die Unermüdliche, und Frl. Diergart aus Düsseldorf, die Solistin vom Sonntaa, erfreuten die Versammelten mit einigen Proben ihrer Kunst. Studierende Mitglieder und Freunde des Vereins boten sehr wohl­gelungene Klaviervorträge und eine sehr anmutige Sonate von Händel für zwei Geigen und Klavier. Pfarrer Dr. Schlosser führte in kurzen Zügen die Geschichte der Gründung und der Entwicklung des Vereins in den verflossenen 25 Jahren aus ganz kleinen bescheidenen Anfängen heraus zu seinem jetzigen festen Bestand vor. Er>achte der großen Verdienste des seligen Pfarrers Haupt, der dem Verein die feste Richtung auf Er­bauung der Gemeinde durch heilige Tonkunst unverlierbar ein­geprägt habe, sowie der weiteren Dirigenten des Vereins: Kantor Steiner, von 1880 bis 1887, des unvergeßlichen frühvoll­endeten Dr. Karl Walther, 18871888, Dr. Hans Hahm, 18881890, Dr. Stollbrock 18901892, Professor Dr. Baldensperger, 1892, Otto Görlach 18921896, dann wieder 18971899, Geh. Kirchenrat Dr. Köstlin, 1896, um dann besonders dankbar auf die schöne Zeit ruhiger und gesicherter Entwicklung unter ber Leitung seines jetzigen trefflichen Diri­genten, Universitätsmusikdirestors G. Trautmann einzngehen. Dessen Verdienste wurden dann nod> besonders durch einen Lor­beerkranz, den Frl. He in eck mit einem reizenden humoristischen Widmungsgedicht überreichte, anerkannt. Roch einen weiteren Akt der Anerkennung vollzog der Vorsitzende, indem er im Namen des Vorstandes unter Worten des Dankes Frau Dorettr Nassauer, geborenen Kurz, die dem Verein von Anfang an angehort, das Diplom als Ehrenmitglied überreichte.

Eine ganze Reihe von Beglückwünschungen, die von hier und auswärts eingelaufen waren, verlas der Vorsitzende bei Tisch Oberkonsistorialpräsident Dr. Buchner hatte telegraphiert:Zum 25jährigen Jubelfest sendet Dank, Segensgruß und Glückwunsch dem Verein, der durch unermüdeten Eifer und vorbildliche Leist­ungen der Gemeinde zum Segen, dem Gottesdienst zur Zier, und vielen zum Führer geworden, das Großherzogliche Ober- konsistorium." Der lsiefige evangelische Gesamtkirchenvorstand hatte eine Ehrengabe von 300 Mk. verwilligt, die der Vorsitzende, Pfarrer Dr. Raumann in dessen Namen mit folgendem Glück­wunschschreiben übersandte:Zum Fest des 25jährigen Bestehens und Wirkens Ihres Kirchengesangvereins sprechen wir Ihnen hierdurch unseren herzlichsten Glückwunsch aus. Wir danken Ihnen für alle Förderung und Weihe, die Sie in der langen Reihe von Jahren durch Ihre tüchtige Gesangestätig^it dem gottes­dienstlichen und gesamten kirchlichen Leben unserer Gemeinde ge­boten haben. Wir wünschen Ihrem Verein auch fernerhin fröh­liches,. tüchtiges Gedeihen: und wir hoffen, daß allezeit unsere Gemeinde den Segen Ihres Wirkens reichlich erfahren darf. Es ist uns eine Herzenssache, Ihnen durch beifolgende Festgabe noch eine besondere Anerkennung imb Förderung Ihrer Vereinsaufgaben zu bieten." Sehr svmpathssche Glückwünsche waren von Geh. Kirchenrat Dr. Köstlin rm Namen des evang. Kirchengesang- Vereins für Dentschland, und von Ministerialrat Ewald nt Darmstadt im Namen des Hessischen Landesvereins gekommen. In beiden war namentlich auch auf die Bedeutung, die der Gießener Verein für die Ausbreitung der Kirchengesangvereinssache durch seine Beziehungen zu der studierenden Jugend gewonnen habe, hingewiesen. Auch der Friedberger Kirchengesangverein hatte es sich nicht nehmen lassen, seine Glückwünsche auszusprechen. Von den sonstigen brieflichen und telegraphischen Grüßen erwähnen wir noch den von Superintendent Petersen, Pfarrer Dingel- dep, Oberkonsistorialsekretär Sonne (dem Zeitungsschreiber"^ und denStief"kindern. Ein gemütliches Nachtessen, das nach all den Zeit und Kraft in Anspruch nehmenden geistigen Genüssen sehr ersehnt wurde und trefflich mundete, und noch zu manchem ernsten imb heiteren Trinkspruch Anlaß gab imb einige sehr gelungene dramotffcbe Aufführungen, bei denen sich die weibliche und männliche Jugend des Vereins sehr verdient machten und reichen Beifall ernteten, beschlossen gegen MitternacA den offi­ziellen Teil des Programms für die lvürdigen älteren Mit­glieder. Die Jugend fieilich schien es mit dem Tänzchen, das sich daran schloß, sehr wichtig zu nehmen. Sie hatte offenbar noch lange nicht genug, als zu geziemender Zeit Schluß gemacht wurde. Nach der schtveren Arbeit der vergangenen Wackren durfte man es ihr auch gönnen, sich so in harmloser jugendlicher Fröhlichkeit zu ergehen, und mir wollen nur hoffen, bu ft die Mitglieder nun umso williger und hingebender sein werden, meint der Meister wieder zur ernsten Arbeit ruft.

gewaltigen Walhall-Schlnßakkorden desRheingold" stand die musikalische Darstellung auf einer wirklich klassischen Höhe der Vollendung.

Es würde sich heute, nachdem derRing" Gerneingut der musikalischen Welt geworden ist, sonderbar ausnehmen, wollten wir den Inhalt im einzelnen auseinanderlegen. R. Wagner hat uns das Rheingold als etwa Vierzigjährigen, also auf dem Höhepunkt menschlicher Schaffenskraft .waeben, und die quellende Frische der Erfindung, die reizvolle Instrumentation wirken zu­sammen, um seine Schöpfung auch für den weniger in seine Ideen Eingedrungenen mit stärkster Anzielnmgskrast zu umgeben. Insbesondere ctfyäft die 1. Szene durch die lieblichen, launigen Rheintöchter einen außerordentlichen Reiz; sie hatten in den Damen v. Artner, Knüpfer n. v. Kraus-Osborn e, die sowohl durch absolute Reinheit der Tongebung mte durch neckisches Spiel und Anmut der Erscheinungen und Bewegungen entzückten, eine sehr glückliche Vertretung gcfiinbcit. Den lüsternen Zwerg Alberich, den mißgestalteten Beherrscher Ribel- heims, sang Herr Eduard Rewiaskh. Ist es auch sckttver, der Nachfolger eines Friedrichs in der Verkörperung des dämo­nischen Zugs in diesem Schwarzalben zu sein, so ntuß doch ge­sagt werden, daß Herr R. bedeutende stimmliche Vorzüge für seine Rolle mitbringt und dieselben lebensvoll, ja sogar über­zeugend anszustatteil wußte. Das beuiegende Prinzip imRhein- golb" ist der Ränkeschmied Loge, der witzige Welwenichter, der Weift des Feuers und der Lüge, der Diplomat unter den Göllern. In seiner im ganzen und einzelnen solmchl gesairglich wie dar­stellerisch wirflicb ineisterhasten Verkörpernng dürfte nicht nur jetzt, sondenr auch auf lange hinaus Dr. Briese meister wirk­lich einzig baftebeu. Mit größter Anerkennung ist auch Breuers Mime zu nennen, der diesen unglücklichen Schelm mit außerordentlich charakteristischen Zügen versah. Die anmutige Freia von Frau F e n g e - G l e i ß , der krafwolle Donner des Herrn von Scheidt, sowie der Froh des Herrn Hedwig er,

t'etation des Waanericpen cvevar Position der Tetralogie entsprach i gespannlln Ellvartungen. Der Me gput^nstabes, Hans Richt"" 1

Aus der Iestspielstadt.

Der Ring be8 Nibelungen.

1. Tag: Rheingold.

Bayreuth, den 26. Juli 1904.

Ein witziger Kopf hat einmal den Vorschlag gemacht, man /olle die Fri eben s konf er en z stall rm Haag m Bayreuth abhalten, weil Richard Wagner--allumfassendedeut­schem Boden wurzelnd, ihre Zweige gleicb der Weltesche über die gan'.e g bildete Welt ansbrellet, vMöhnend, erhebend und^ver­einigend. In ber Tat hat des aroßettMefftersGemus Wein gelegt in den Chanvinismns mancher Völker, und BaYrenth das nun wieder znm internationalen Wallfaln^ort seiner Junger und Verehrer geworden ist, wird werter wirken ^m groß nnd Sammelwerke. Richard Wagner hat aber ein im Vertranen auf den deutschen Geck entlvorsenund dieses Vertrauen hat ibn nicht getäuscht. Denn so vrele auch^aus aller Herren Länder sich hier mieber znsammengesnnden l. brr olätwnbcn «uffafert »um Feslffpielhaiise beteiligt tn

dem nur: nicht ein Platz unbesetzt toar das deutl cy (fernem ist's, das mehr nnd mehr in unserem ^st'prelpumrrum hnriuaüet. Nun, es war Zeuge einer überaus würdigen ^znrer- - elation des Wagnersehen Gedankens; denn die getvalnge

' ch in ihrer Ansfi'ihrung den höchst- _ Meister in her Führung des Dttr- ge'ntenstabes, Hans Richter, drückte dem tanzen das Gepräge se'n. r wi^derschaffenden nnd wiederbelebenden großen Persvntia)- ; r niif und erhob die Aufführung ioeit über das, waS man s. iist bei Ringanssührnngen gewohnt ist. Das Orchester war, l 1 s. h n von einer kleinen Unebenheit ber Hörner IN dem gropen l.'.h.nfiincii Orgelpunkte, ber Orchesterleitnng geradezu ideal und cm lebendiger Mund der Gedanken seines Führers. Bon dem k.iun' hörbaren OS deS RatnrmotivS ber Introduktion bis zu den

dessen schönem, lyrischen Tenor wir nur etwas mehr Kraft ge- wünscbt hallen, fügten sich aufs beste in den Rahmen des G.rnzen ein. Unter den lierkulischen, ungefügen Rieien ragte stimmlich mehr Herr Keller und darstellerisch mehr Herr Elmblad hervor. Zu den glänzrndstc'n Erscheinungen bev ^lbends nach ber künstlerischen Seite hin gc'hörte unstreitig die Fricka von Frau R e utz-B elee, die neben ihren ausgezeichwten darstellerischen Qualitäten auch stimmlich den weitestgehenden Anfoi'derungen ie länger je mehr entsprach. Herr- Bertram knackte zu ber Rolle beS Wotan seine überall gesMtzten glänzenden Stimmittel und eme imposante Erscheinung mit und stattete ibn mit den Eigen sckmften des Gottes aus: so^bedeutend aber die materielle Leistung w«r nach der idealen Sc'ite bin, insbesondere lnusickstlich ber Repräsentation der Göttlichkeit in seiner Aufgabe, wäre eine Steigerung umhl noch möglich: auch dürfte die rdnthmische Prä zssiorr bei ihm hier und da etwas schärfer sein. Bei der Erda der Fran Geller-Wolter kwtnteu wir uns schwer von ber Erinnerung an Fran Schuhmann-Heink lostvinden, so lobenswert dieielbe auch int ganzen war (iifajefcbcit von einer leichten Neigiing znm Detonieren am Anfangs Bekanntlich bietet Rheingold" hinsichtlich der Inszenierung und Dekc'ration, ins besondere mit Beztlg auf die Beleuchtung und Licktstiutmung der Bilder, die ober noch mehr als in Walküre und Sie.ffried eme Hartnonie zwischen den Vorgängen in ber £erlc und an dem Orte berbei$nfflbren bestimmt sind, die grössten Scklmerigb'iten

Probleme. Was man aber hier geschaut hat, das waren lauter Wunder ber Ausstattung und über alles Lob und reden Begleich erhaben. .Sxrr Obermaschinenmesster Kranich hat uns in eine Zaubenvelt geführt, die ihres Gleichen sucht.

Blicken mir mif das ll^ann' zurück, so trug es dcn Elxirakter des Außeiwrd<mtlicl>en und Vorbildlichen, nnd sein glänzender Verlauf eiivccfie die höchsten Hoffnungen aus bv VoM nnin nhei ber ganzen Ringauffüb, nvy.