Ausgabe 
27.6.1904 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 148

Urscheirrt tSgltch außer SormtagL.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Lamiiien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brü h l'scheu Univers.-Buch-u. Stern- druckerei. 9t Lang«. Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schulstratze 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Fernsprcchanschluß Nr. bl.

Montag 27. Jmnlv04

154. Jahrgang

Erstes Blatt.

d /Sfr Arf O moat?to75yL.*1lertH.

GletzenerMmgerW

General-Anzeiger w «xsssrx

v den polit. und allgem.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen MVZ

zeigenteil: HanS Beck.

Bekanntmachung.

Es wird zur Kenntnis gebracht, daß Gerichtsdiener- Substitut Waldschmidt von Wieseck heute seine Stelle niedergelegt hat.

Gießen, den 24. Juni 1904.

Großherzogliches Amtsgericht.

j>____________________Gebhardt._____________________

Gießen, den 25. Juni 1904.

Betreffend: Hessischer Zentralverein für Errichtung billiger Wohnungen.

Das Großherzsgliche Kreisamt Gießen au die Großh. Bürgermeistereien der Laudgemeiudeu des Preises.

Am Mittwoch, 29. d. Mts. vorm. 10 x/2 Uhr wird im Saalbau zu Darmstadt die Hauptversammlung des Ernst- Ludwigverems, hessischen Zentralvcreius für Errichtung billiger Wohnungen stattsinden, bei der zwei Vorträge gehalten werden:

a) Erdbaurecht und Kleinwohnungsbau. Referent Pro­fessor Dr. Andre-Marburg.

b) W:e können die Gemeinden und gemeinnützigen Bauvereine beim Verkauf von Häusern an Minder­bemittelte die Sicherstellung des Zweckes der Häuser für möglichst lange Zeit erreichen? Referent: Rechts­anwalt Dr. Stein-Darmstadt.

Wir machen Sie hierauf mit der Empfehlung aufmerk- sanr, an der Versammlung teilzuuehmen.

_________________I. V.: Dr. K r a n z b ü h t e r._________________

Bekanntmachung.

Betr.: Gesuch der Eisenwerte Dollar um Genehmigung zur Anlage einer Radiatoren-Gicßerei.

Die Eisenwerke Lollar beabsichtigen, auf dem Grundstück Flur III Nr. 37V10, 5, 16, 132, 134, 135, 137 der Ge- niarLiuig Lollar eine Radiatoren Gießerei zu errichten.

Pläne und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage lang, vom Erscheinen dieses in der Darmstädter Zeitung, bezw. im Kreisblatt für den Kreis Gießen an gerechnet, auf dein Bureau der Großh. Bürgermeisterei Lollar zur Einsicht der Interessenten offen. Etwaige Einwendungen sind binnen dieser Frist bei Meldung des Ausschlusses bei Großherzoglicher Bürgermeisterei Lollar vorzubringcn.

Gielßen, den 24. Juni 1904.

Grvßherzoglicyes Kreisamt Gießen.

I. V.: Haberkorn.

Are Kieler Woche.

Holtenau, 25. Juni.

Um 2 Uhr nahm auf dem nördlichen Ufer der Holten- auer Schleuisc eine Ehrenkompagnie der 1. Matrosenartillerie- abtcilung, auf dem südlichen Ufer die Leibkompagnie des 1. Garde-Rcgts. z. F. Aufstellung, letztere in ihren historischen Blechmützen mit Fahne und Musik, wobei die direkten Vor­gesetzten bis hinauf zum Generalleutnant von Löwenfeld sich befanden. Der Kaiser traf auf derHulda" an der Schleuse ein und besichtigte zuerst die Matrosenkompagnie, sodann die Kompagnie des 1. Garderegiments z. F. Bei der letzteren waren eingetreten die Prinzen Eitel Friedrich, August Wil­helm, Oskar und Joachim. Der Kaiser trug englische Admi­ralsuniform mit dem Bande des Bathordens. Zum Em­pfang des Königs von England fanden sich ferner ein der Kronprinz, Prinz Heinrich von Preußen, der Kriegs­

minister ufro. Gleich hinter dem KreuzerJuno* ging die KönigsjachtViktoria and Albert" in die Schleuse, während auf beiden Seiten die Reitereskadrons, welche die Jacht den Kanal entlang begleitet hatten, Halt machten. Die Musik spielte die englische Nationalhymne. König Eduard in der Uniform eures deutschen Admirals mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens, mit großem Gefolge, unter welchem sich der englffche Botschafter in Berlin befand, salutierte. Sobald die Brücke gelegt war, ging der Kaiser­aus die Jacht und begrüßte den König. Der König stellte das engllsche Gefolge vor. Der König begrüßte den Kronprinzen und den Prinzen Heinrich ebenfalls auf das herzlichste und nahm die Vorstellung des kaiserlichen Ge­folges entgegen. Nach dem Abschrecken der Ehrenkompagnie des 1. Garderegiments kehrten die Monarchen auf die englische Königsjacht zurück. Die Jacht lief, nachdem sie ausgeschleust war, in den Hafen ein. Der Jacht folgten die sechs englischen Torpedobootzerstörer. Alle im Hafen liegenden Schiffe, Jachten und Vergnügungsdampfer hatten über die Toppen geflaggt. Die Strandbatterien und die Kriegsschiffe feuerten den Königssalut. Während des ganzen Vorgangs ging ein strömender Regen nieder.

Nachdem die KönigsjachtViktoria and Albert" fest- gemacht hatte, begaben sich König Eduard und Kaiser Wil­helm an Bord derHohenzollern", wo König Eduard von der Kaiserin empfangen wurde und die Vorstellungen des weiteren Gefolges und der Umgebungen des Kaiserpaares entgegennahm. Hieran schloß sich eine Desiliercour aller aktiven Offiziere, Kommandanten, Kommandeure der Marine­teile an Land und der direkten Vorgesetzten der Ehrenkompagnie vor dem Kömg.

Die Trinkspruche der Monarchen.

Bei der heutigen Tafel hielt der Kaiser folgenden Trinkspruch:

Es gereicht mir zur hohen Befriedigung, Eurer königlichen und kaiserlichen Majestät zürn erstenmal cm Bord eines deutschen Kriegsschiffes den Willkommengruß zu entbieten. Den Seeweg wählend, sind Eure Majestät zum deutschen Gestade gekommen als der Herrscher eines großen, durch die See weltumspannenden Reiches und wollen auch gütigst cm den Veranstaltungen des deutschen Segelsportes Anteil nehmen. Begrüßt sind Eure Majestät worden durch den Donner der Geschütze der deutschen Flotte, welche erfreut ist, ihren Ehrenadmiral zu sehen. Sie ist die jüngftc Schöpfung unter den Flotten der Welt und ein Ausdruck der ivieder erstarkenden Seegeltung des durch den verewigten großen Kaiser neu geschaffenenD eu t s ch e n R ei ch es. Bestimmt zum Schutz seines Handels und seines Ge­bietes dient sie ebenso wie das deutsche Heer der Aufrecht­erhaltung des Friedens, den das Deutsche Reich seit über dreißig Jahren gehalten und Europa miterhallcn hat. Einem jeden ist bekannt diirch Eurer Majestät Worte und Wirken, daß Eurer Majestät ganzes Streben auf eben dieses Ziel gerichtet ist: die Er­haltung des Friedens. Da auch dieses Ziel zu erreichen ich stets meine gesamte Kraft eingesetzt habe, so möge Gott unseren Bestrebungen Gelingen verleihen. In unaus­löschlicher Erinnerung an die in Osborne gemeinsam verlebten uitvergeßlichen Stunden am Sterbebette der großen Beherrscherin des jetzt von Eurer Majestät regierten Weltreiches leere ich mein Glas auf das Wohl Eurer Majestät. Ich trinke auf das Wohl Sr. Majestät des Königs von Großbritannien und Irland, Kaisers ooit Indien."

König Eduard erwiderte den Trinkspruch mit folgenden Worten:

Indem ich Eurer kaiserlichen und königlichen Majestät meinen aufrichtigen Dank sage auf die überaus freundlichen Worte, in welchen Eure Majestät auf mein Wohl getrunken haben, schätze ich mich glücklich, daß sich schon jetzt die Gelegenheit bietet, meinem Gefühl der höchstenAnerkennung Ausdruck geben zu können für den glänzenden Empfang, den Eure Majestät mir hier bereitet haben. Es freut mich ganz besonders, daß es mir möglich war, Eurer Majestät zu einer Zeck des Jahres einen Besuch machen zu

können, in welcher ich gewöhnlich in der Heimat am meisten in Anspruch genommen war. Jedoch der Anteil, den ich seit langen Jahren am Segelsport genommen habe, übte zu große Anziehungs­kraft auf mich aus, um nicht den Anlaß zu benutzen, mich zu über­zeugen, wie es Eurer Majestät gelungen ist, für diesen Sport auch in Deutschland Anhänger zu finden. Dazu gesellt sich der Wunsch, die innigen verwandtschaftlichen Beziehungen welche unsere Häuser seit so langer Zeit verbunden haben, durch erneuten persönlichen Verkehr womöglich noch enger zu verknüpfen. Eurer Majestät anerkennende Erwähnung meines unablässigen Strebens nach Erhaltung des Friedens hat mich tief gerührt, und ich bin begltickt in der Gewißheit, daß Euere Majestät das gleiche Ziel im Auge haben. Möchten unsere beiden Flaggen bis in die fern st en Zeiten ebenso wie heute neben einander wehen zur Aufrecht- erhaltuilg des Friedens und der Wohlfahrt nicht allein unserer Länder, sondern auch anderer Nationen I Ich bin stolz darauf, Euerer Majestät Flotte als Ehrenadmiral anzugehören, ebenso wie meine Flotte cs als hohe Ehre schätzt, daß Euere Majestät bte britische Seeuniform tragt, welche Eurer Majestät von meiner unvergeßllchen Mutter verliehen wurde, deren Andenken uns beiden heilig ist. Ich erhebe mein Glas, um aus das Wohl Euerer Majestät zu trinken. Se. Majestät der deutsche Kaiser, König von Preußen und Ihre Majestät die Kaiserin und Königin leben Hoch I Hoch 1 Hoch!

Bei dem an der Galcckafel an Bord derHohenzollern" auf den König Eduard ausgebrachten Trinkspruch feuerten die Schiffe im Hafen Salut und die Rtusik spielte die englische Nationalhymne. Bei dem Trinkspruch des Königs spielte die Musik die deutsche Nationalhymne.

Der Hafen war abends prächtig illuminiert. Sänck- liche hier vor Anker liegende Schiffe der deutschen Flotte waren in ihren Konturen elektrisch beleuchtet. Am Ufer beobachteten Tausende trotz des anhaltenden Regens das herr­liche 2Sil\

*

Kiel, 26. Juni.

Heute mittag fand ein Frühstuck an Bord derIduua" statt, die nicht mitsegelte. An dem Frühstück nahmen der Kaiser, die Kaiserin, König Eduard, Prinz und Prinzessin Adolf von Schaumburg-Lippe, Reichskanzler Graf Bülow und Marquis of Ornumde teil. Abends begaben sich beide Majestäten auf die JachtViktoria and Albert", um an dem Diner beim König Eduard teilzunehnien.

Heute morgen hielt der Kaiser an Bord derHohen­zollern" Gottesdienst ab. .Die Frühstückstafel des Kaiser­paares, an d>cr auch König Eduard teilnahm, .fand an Bord der JachtIduna" statt. TerMeteor" fegelte heute allein. Es erhielten zahlreiche Herren des englischen Gefolges und der englifd)en Marine Ordensauszeichnungen, u. a. Bot­schafter Sir Frank Lascelles den Verdienstorden der preußischen Krone, Viscount Churchill den Roten Adlerorden erster Klasse und Marquis of Ormonde den Kronenorden erster Klaffe.

Ter Königvon England begibt sich am 28. Juni morgens 9 Uhr 25 Min. mit Sonderzug nach H amburg und kehrt nach­mittags 5 Uhr 25 Min. hierher zurück.

Bei der heutigen Wettfahrt des No rddeutschen Regattavereins auf ber Kieler Föhrde, die bei stürmischem westtichen Winde auf der 17 Seemeilen langen Bahn vor sich ging, starteten die Jachten von 11,2 Uhr vormittags an. Folgende erhielten Preise: Schunerkreuzer Klasse ASngemar" den ersten Preis, Herausforderungspreis und Jubiläumsprejs,Meteor" 2. Preis. .Rennjachten Klasse BBrunhild" 1. Preis,Na- vahve" 2. Preis. Kreuzerjachten Klasse 1Valdor" 1. Preis, Commodore" 2. Preis. Rennjachten Klasse 3Alice" 1., /,Sallh" 2. Preis. Kreuzerjachten Klaffe 2Nebula" 1. Preis üno Groß­herzogspreis,Iris" 2.,Olga" 3. Preis. Kreuzerjachten Kl. 3 ^,VanckY" 1.,Ariadne" 2.,Freiheck" 3. Preis. Rennjachten Klasse 4Swan" 1. Preis und Herausoftderungspreis,Glück­auf: 2. Preis. .Kreuzerjachten Klasse 4 AJnula" 1. Preis,Isa" 2. Preis. Kreuzerjachten Klaffe 4 BAlba" 1.,Flick" 2. Preis.

Heute abend sand an Bord der Königsiacht ein F e st m a h l zu 42 Gedecken statt. König Eduard saß zwischen dem Kaiser und der Kaiserin. Abends waren sämtliche Schiffe illuminiert; ein großes Feuerwerk wurde abgebrannt.

Wilhelm Jordan.

Ein 9Llchruf von Paul Wittko.

Die deutsche Dichtung steht am Sarge Wilhelm Jordans. Bei dem Gedanken, daß dieser Mann dem Tode unterlegen ist, steigt mir das Bild einer urkräftigen, knorrigen, reichen Schatten spendenden Eiche empor, die unter der Axt gefallen» ist. Seit einem Lustrum von der Last des Alters schwer gebeugt, hat Jordan nicht aufgehört, in der deutschen Littera- tur unserer Zeit eine Größe zu sein, für die ein Vergleich fehlt. Zwar das öffemtliche Interesse hatte der seit Jahren Schweigsame verloren, wie Peter Schlemihl seinen Schatten. Erst dem Dahingeschiedenen pflegt die Welt den Tribut zu zollen, der ihm im Leben gebührte.

Was räucherst Du nun Deinem Toten?

Hättest Du's im Leben ihm geboten!* ruft Goethe aus. Wie vielen tüchtigen, begabten Männern ist schon dieses Los gefallen! Wenige unserer Tage, die es traf, waren Jordan ebenbürtig an philosophisch-dichterischer Begabung, und doch hatte auch ihm das Schicksal es ver­wehrt, noch vor dem Verfall feiner Kräfte die Verehrung und Beachtung zu finden, die chm gebührte.

Still und einsam lag am Taunusplatze zu Frank­furt das Haus des Poeten, fern vom Trubel der Großstadt und ihm doch so nahe. Selten nur zog em in Frankfurt auf der Reise einkehrender Litterat oder Poesiefteund be- scheidentlich an der Hausglocke, um dem greifen Dichter der Nibelunge einen Huldigungsbesuch zu machen. Und doch, : welch em Genuß war es, den Alten zu hören, der, wie er mir 1 noch ein paar Monate vor seinemLode sagte, sich selber nachgerade

fast mythisch vorkam mit feinen persönlichen Erinnerungen aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Er war ein eifriger Kritiker der Zeitgeschichte noch als hoher Sieb­ziger, ein aufmerksamer Zuschauer der europäischen Haupt- und Staatsaktionen, als einer der hauptsächlichsten Baumeister der ersten deuffchen Flotte anno 1849 allezeit Freund einer großdeutschen Weltmachtpolitik.

Er stammte aus Ostpreußen. Nur wer die Heimat des Dichters kennt, lernt ihn recht verstehen. Die preußische Provinz Ostpreußen hat sich den wahlberechtigten Ruhm er­worben, daß von ihr aus durch Copernieus, Kant, Herder, Befiel, Dinter u. A. zur Erhebung der Geister und in gleicher Weise durch Port, Dohna, Schön, Schenkendorf u. A. zur Befreiung des Vaterlandes von fremdländischem Joche und von den Fefieln der Erbuntertänigkeit, durch den ostpreußi­schen Prooinziallandtag zur freiheitlicheren Gestaltung des Staates der Anstoß ausgegangen ist. Jordan fragt in seinem 1842 veröffentlichten ersten größeren GedichtOft- deutschlcmd":

Hat nicht bei uns sich eine Stirn

Das Licht zum Sitz erkoren?

Wo war der Denker, deffcn Hirn Die neue Zeit geboren ?

Wo ward das erste Wort gewagt, Das ihr im Herzen tragt verzagt, Wo ward vornehmlich laut gefragt Nach unsres Volkes Rechten?

Er ist keinen Augenblick über die Antwort im Zweifel. Es ist ein Eigentümliches, was der Ostpreuße mit dem be­nachbarten Russen gemein hat. Bei Gehirnen von außer­ordentlicher Stärke und Gesundheit entwickeln sich in Ost-

I preußen, wie im benachbarten Rußland, große, weltum­spannende Gedanken und eine mächtige Empfindungskraft, bei besonders fein gearteten Individuen eine ins Ungeheuer­liche gesteigerte Phantastik. Der innigste Glaube, wie der finsterste Aberglaube erwachsen jenem schweren Boden. Zu- roeilen findet man die beiden Extreme, nüchternen, berech­nenden, kühlen Verstand und mysteriöse Phantastik in einer Person vereinigt (Hamann, E. T. A. Hoffmann, Zacharias Werner), die dann die Dinge in doppeltem Lichte wahr- nimmt, der aber die Leichtflüssigkeit in der Ausdrucksweise, die Unmittelbarfeit der Empfindungen selten eigen ist. Die Töne, die dem Munde eines ostpreußischen Dichters ent­quellen, sind meist gehemmt und gedänrpft durch die Schwere des Gedanklichen, das ihnen anhastet. So ist aus Ostpreußen ein rein lyrisches Talent im Sinne der Goetheschen oder der Heineschen Lyrik nicht hervorgegangen.

Jordans Persönlichkeit liefert ein vollkommenes Bild des ostpreußischen Stammescharakters, wie Herder, mit dem er viel Verwandtes hat. Beide umfassen das Fremdartigste in ihrem Geiste, beide sind früh im Besitz großer Kenntnisse. (So sagte mir Jordan einst selbst, daß sein inWigands Vierteljahrsschrist" 1845, Bd. II. erschienener AufsatzZur Naturgeschichte der Menschenrassen* Alexander v. Humboldt zur raschen Herausgabe seinesKosmos" veranlaßt habe, um seinem Schüler Jordan zuvorzukommen.) Der Dichter und der Denker sind in beiden verschmolzen. Was Jean Paul von Herder sagte, läßt sich, ein wenig variiert, auch von Jordan sagen: daß er hellenische Jdcenfrischc mit germani­scher Lebenswürde vereinigt. Als Dichter sind beide häufig nicht ganz originell, Herder weit weniger als Jordan, aber