Maß seiner gemeinnützigen Wirksamkeit, das Gegenteil sei die Eigennützigkeit. Derjenige, der in Aussicht aus die letztere arbeite, sei an fich schon stigmatisiert, man sagt, er steht unter der Herrschaft seiner privaten Interessen. Das Ansehen des Abgeordneten beruht doch darin, daß jedermann denkt, er spricht und handelt im öffentlichen Interesse, nicht im eigenen. Was sollte daraus entstehen, wenn es üblich würde, ans solchen Unternehmen, die doch im Landtag zur Verhandlung kommen, Nutzen zu ziehen? Die Folge würde sein, daß im Lande ein tiefes und wohlbegründetes Mißtrauen gegen die Abgeordneten entstände. Wenn der Glaube der Wähler an uns, daß wir uneigennützig unsere Pflicht erfüllen, verloren geht, so müßte ein ganz unberechenbarer Schaden für das öffentliche Leben entstehen. Abg. Joutz erklärt, er habe 9—10 Jahre für das Unternehmen viel Mühe und Arbeit gehabt. Ja, darin unterscheidet sich ja gerade der Abgeordnete von dem Ge- schüstsniann, daß er freiwillig und uneigennützig seine Kraft zur Verfügung stellt. In demselben Moment, in dem der Abgeordnete die 33 000 Mark bezog, konnte ihm jeder sagen: Du hast also für jeden Tag so und so viel Entschädigung als Abgeordneter bezogen. Der Abgeordnete muß meines Erachtens sein und bleiben der Gläubiger feiner Tätigkeit im Wahlkreis, er muß, wenn er sein Amt niederlegt, sagen können: Ich war derjenige, der einen ,Teil feiner Kraft dem Gemeindedienst widmete. Wenn er aber Geld bezieht, dann hört der Dank aus und das beklage ich Ich beklage, daß Herr Joutz die Position des Abgeordneten herabgedrüclt hat auf die Praxis des Geschäftsmannes. Ich habe in den letzten Tagen viel Urteile über die Angelegenheit vernommen, aber alle stimmten darin überein, das hätte ein Abgeordneter nicht tun dürfen. Es führt zu einer falschen Beurteilung der Abgeordneten und schmälert das Ansehen des Hauses, es geschieht der -Stellung der Abgeordneten ein wesentlicher Eintrag.
Abg. Haas bemerkt, er habe nach der Darlegung des Abg. Reinhart keine Veranlassung mehr, auf die Interpellation selber einzugehen. Er fei aber durch den Abg. Joutz in die Debatte hineingezogen worden und deshalb seiner Ehre schuldig, auf die Angriffe zu antworten. Joutz habe mit seiner Bemerkung, daß er, Redner, auch in amtlicher Stellung an der Landwirtschaft verdiene, wohl nur sagen wollen, daß seine (Joutz) Handlung eine vollständig loyale sei. Aber wenn er auca den Redner mit diesen Worten pickst verdächtigen wollte, so hätten sie doch eine solche Wirkung gehabt und wären in der Presse ausgenutzt tooröen. Er habe sich seine Stellung im Reichsverbande der landwirtschaftlichen Berufsgenviserischaften erworben und das Amt mit Zustimmung der Regierung gegen einen festen Gehalt übernommen, aber er führe feine übrigen Stellungen als Ehrenamt und habe nie persönliche Vorteile daraus gezogen. Er muffe es deshalb weit zurüclweifen, auch nur jemals seine Stellung in der Weise, wie Abg. Joutz, ausgenutzt zu haben. Wenn er in der Kammer für die Interessen der Landwirtschajt eintrete, so habe dies mit seiner Leriifsstellung nichts zu tun. Sein Eintreten für die Landwirtschaft sei rein und fleckenlos, und das hier öffentlich zu erklären, sei er seiner Ehre und seinem Namen schuldig.
Abg. Joutz verteidigt seine Handlungsweise in längeren Ausführungen. Er habe fast zehn Jayre hindurch mit aller Kraft gearbeitet, um den für seinen Wahlkreis so notwendigen Bahnbau enMicb zustande zu bringen. Tiefe Tätigkeit sei aber eine Privatsache gewesen und habe mit seiner Stellung als Abgeordneter nichts zu tun, dürfe daher auch hier nicht zusammengeworfen werden. Tie beregte Provision sei ihm von der Firma Lenz u. Co. angeboten worden und warum hätte er sie da nicht annehmen sollen? Geschädigt worden sei niemand dadurch, die Gemeinden hätten eher einen Vorteil davon, denit sie bekämen 4 Proz. Verzinsung. Andererseits wäre ohne die bou ihm bewirkte Unterbringung der Obligationen der Bahnbau überhaupt nicht zur Ausführung gerommen. Tie Interpellation fei von seinen alten politischen Feinden ausgegangen, die halten ihn in der Oesfentlichteit herabfetzen luollen. Er chabe auch noch verschiedene anöere Bcrhnprojekte zu bearbeiten und zahle für diese Tätigkeit Steuer, er werde von allen Seiten um Rat oder Mitarbeit ersucht; auch ein sozialdemokratischer Abgeordneter habe ihn darum angegangen. Abg. Gutfleijch habe ihm damals auch im Hause gesagt: Was Sie, Herr Jouk, in einer Zett fertig brachten, wo für nichts Geld übrig ist, das maajt Ihnen so leicht feiner nach! Im Jahre 1901 feien viele Eisenbahnunternehmungen verkracht, und er fei wirtlich froh gewesen, baß er die Firma Lenz u. Co. fand, die 751000 Mk. auf sich nahm. Es seien doch weder der Staat, noch die Gemeinden geschädigt worden. Redner verliest ein Schreiben der Firma Lenz u. Co. vom 24. Nov. 1901, woraus ersichtlich sei, daß zwischen ihm und der Firma ein reines Privat- ubkommen getroffen wurde, wovon deii Gemeinoen Kenntnis zu geben er sich nicht für verpflichtet erachtet habe. Er habe zuerst versucht, eine Gesellschaft zu bilden oder die Aktien bei Banken unterzubringen, aber es habe sich nur ein Liebhaber für 1U00 Mk. gefunden. Tann habe er den Gemeinden gesagt, wenn sie die Bahn haben wollten, müßten ie die Obligationen übernehmen. Tie ganze Sache stellte ich also im Geschäftsleben als etlvas ganz natürliches rar. Tie Firma Leitz u. Co. habe ihm Nicht gesagt, daß sie den für ihn bestimmten Betrag in dem oer Regierung vorgelegten Voranschlag mit ausnehmen werde, als er dies aber erfuhr, habe er sofort sein ganzes Abkommen mit der Firma öffentlich betumit gegeben. Sein Verdienst dabei sei von ihm auch sofort bet oer Steuerbehörde angemeldet worden. Tie Firma habe ihn mit der Provision anfpornen wollen. Daß sie mit dem Bahnbau Geld veroiene, jet doch klar, und die Gemeinden hätten auch großen Vorteil von
der Bahn, auch der Staat durch vermehrte Steuerkraft. | Er sei auch heute noch der Ueberzeugung, daß er durcu die Erbauung der Bahn großen Nutzen gestiftet habe, und nehme für sich das Wort Kants in Anspruch: lieber mir der gestirnte Himmel, das sittliche Bewußtsein in mir! Man solle ihm doch nachweisen, daß er irgend jemand geschädigt habe.
Abg. Ulrich bemerkt, Abg. Joutz habe zwei Seelen in der Brust, den Geschäftsmann und den Abgeordneten. Wir hätten keine Veranlassung, uns mit der Sache zu beschäftigen, wenn er nicht auch Abgeordneter wäre. Gegen das Geschäft sei gar nichts zu sagen, nur daß es ein Abgeordneter machte und seine Stellung mit dem Geschäftsmann verquickte, sei zu bemängeln. Ter springende Punkt sei, ob die Gemeinden von den 6 Proz. Provision gewußt hätten, und das sei nicht der Fall; sie müßten sich jetzt als die Geschädigten fühlen. Ein Geschäftsmann konnte das Geschäft machen, ein Abgeordneter durfte es nicht tun.
Abg. Molthan erklärt, daß er sich namens seiner Parteifreunde den Ausführungen des Abg. Tr. Gutfleisch anschließe.
Abg. Kprell mißbilligt ebenfalls das Verfahren des Abg. Joutz.
Abg. Reinhart bemerkt, daß Abg. Joutz trotz feiner (des Redners) Versicherung die Interpellation als einen Ausfluß des politischen Hajses bezeichnet habe. Abg. Joutz habe mit seinen Ausführungen noch keine volle Klarheit über die Sache gegeben, was das Haus doch wohl verlangen könne. Er habe auf die Gemeinden einen gewissen Zwang ausgeübt, indem er ihnen sagte, wenn sie die Bahn habeil wollten, müßten sie die Obligationen übernehmen. Tamil seien die Gemeinden auch direkt geschädigt worden. Sehr erwünscht wäre eine Erklärung über die Stellung der Gemeinden zu der Sache. Redner protestiert schlietzlich noch- nials dagegen, daß Abg. Joutz zwischen seiner Handlungs- iveife und der Privattatigtert des Redners einen Vergleich ziehe.
Abg. Weidner spricht sich ebenfalls abfällig über den Abg. Joutz aus und bedauert, daß derselbe nicht den Abgeordneten vom Geschäftsmann zu trennen verstanden habe. Er nahm zuerst an, daß Abg. Joutz im Laufe der Juhre lehr erhebliche Auslagen hatte, aber näheres sei darüber llicht vorgebracht worden. Wenn die Obligationen nicht unterzubrtilgen waren, so hatte er die Gemeinden und den klnternehmer davon benachrichtigen sollen. Tie Firma hätte, wie sie erklärt haben soll, den Gemeinden auch vielleicht das Geld'zu 3y2 Proz. gegeben.
Finanzmtnister Tr. Gnauth bemerkt, daß das bescheidene Verdienst, die Angelegenheit herausgefunden und aufgeklärt zu Haden, dem Finanzministerium gebühre. Er werde auch in Zukunft in allen Eisenbaynangelegenheiten mit jedem Mitglied des Hauses zufammenarbeiten und ihm mit der Achtung begegnen, die seiner Ehrenstellung ent- fpricht, mit Ausnahme jedoch des Abg. Joutz.
Nachdem sich Abg. Joutz noch kurz verteidigt, ist die Besprechung über die Interpellation erledigt.
Tie Kammer setzt daraus die Etatsberatung beim 7. Hauptabschnitt: Landeskultur und Landwirt- fchast fort. Kap. 70, Landeskreditkasse, wird in Einnahme und Ausgabe mit 9,2 574 Mk. angenommen, ebenso der Landwirtschaftliche Tispositionssonds von 3000 Mk. Beim Kapitel Landwirtschaftliche Versuchsstation, Eiluiahme 42 660 Mark, Ausgabe 80 630 Mk., Wein- und Obstbauschule zu Oppenheim, Einnahme 27 300 Mk., Ausgabe 53150 Mk., Obstbau- und landwirtschaftliche Winter,chule zu Friedberg, iRnnahme 6760 Mk., Ausgabe 25 400 Mk., Landwirtschaft- >christliche Winterschulen, Ausgabe 61300 Mk., landwirtschaftliche Haushaktungsfchulen 3500 Mk., Molkereischulen uO*OO Mk. Hier wird ein Antrag S t ö p l e r angenommen, den Betrag, der für die Schute zu Lauterbach bestimmt ist, um 2o00 Wit. zu erhöhen.
Bei Kap. «3, Lanowirtschaftliches Vereins- und Ge- nvssenschaftswesen, weroen ats Beitrag zu den Kosten des Landwirischastsrats 15000 Mk. verlangt. Abg. Tr. Hei- d e n r e i ch fragt, wie es mit den Vorarbeiten für eine berufsmäßige Vertretung der Landwirtfchajt stehe und wann Die Vorlage über die Errichtung einer Landwirt- jchaststammer zu erwarten fei.
Ministerialrat Brann macht über den Stand dieser Frage nähere Angaben unb bemerkt, daß nach dem gegen- luärtigen Landtag eine Vorlage über dte Landwirts UM ts- tiunmer gemacht werden würde.
Bei uap. <6, Booenmetiorations- und Wasserversorg- ungswesen, entipinnt stcy nua; eme lungere Debatte. Abg. Lensfetder vertangr, daß die Melioration des Rieds endlich enr.g.,u.) m Angriff genoninnn werde,
worauf
Ministerialrat Braun erwidert, es würde das schon längfl gefchehen sein, werde aoer noch immer durch den Wider stuno der Gemeinoen verymoert. 2)ie Ptäne für eine rationelle Entwas,erring oeS bneo lugen jajion dato 20 Jahre im Ministerium fix und fertig da, und das ganze Ried könnte schnell in einen btutjuiuen uutiurzuftano gebracht werden, wenn nicht die Gemeinden fortgrsttzt oagegen wären; jetzt befinde sich die Kultur oort eher im Rückgang.
Yi.bg. Köhler ersucht, für eine schnellere Vornahme der Feldbereiiiigung Sorge zu tragen. Wenn sich in einzelnen Gemeinoen ein Wider,lano dagegen zeige, müßte eo. Zwang augewendet werden. Besitze man int Lanoe teine paffenden Kuliuringenieure uno Arbeiter, so mus,e man sie von auswärts holen. Es ,äßen in manchen Ge- nieinbeuertrelungen Bveryesstns v.ere Tunimtop,e, nut denen die Bürgermeister ihre tii.be Rot hatten; für eine oeldbereinigung hatten Dieselben natürlich ke.n Ver- ftandnis.
Adg. Haas spricht: sich gegen die Anwendung von
und doch reich an fein beobachteten und naturgetreu wiedergegebenen Einzetzugen. Im Gegensätze bereinigen sich wiederum Tochter Zion und der Gyor der gläubigen Seelen: Zwiegesang von Sopran- und Altsolo in heftig sagenden Melodieen um) weinenden Gesängen, während der Chor in kurzen entrüsteten, empörten Ru,en den Scher- gen fein „Halt! Bindet nicht!" zuruft, bis in-dem Stuck: „Sind Blitze, sind Tonner usw." in den dröhnenden und rollenden Baßfiguren und in den zischenden und bebenden Violinen alle Wetter losdrecken. ^cr Ehorsatz wird acht- stimnng und treibt zur hoch.ien Wut, b.S er bann in seinem Charakter in den Ton der Kiage euununbet. Ganz in den kirchlichen Eyaraiter der Pasfion lehrt Bach bann mit dem Schlußchor des erfreu Tecks zurück, eine seiner umfangreichsten Ehoralphanlajien über den ackGa,fischen Pa,,ions- chvral: „O 'Menfch bewein Tein Sünde groß". Der -sopran hat die führende Melodie, die nötigen Stimmen um* schreiben mit selbständigen Themen, oas Orchefier ver- vollfrandigt das grogaruge iLtimmungsbild durch alle Stufen der Klage bis zum puthersteyen Ausbruch des bitiern Schmerzes.
Schluß folgt
Zwangsmaßregeln aus.
Ministerialrat Braun hält eine Ueberstürzung nicht empsehienswert. Im übrigen beschickst der Redner die uoin '21bg. -Lensfelocr ang.engte MeiWrution de» Ried, die bisher nur an der abityneiioen yattung dec Gemeinden gescheitert sind; nut einer radoneticn i-riuwusserung ließe । tu/ dort leiust ein brühendes, sruckstvareS Kulturland fchafsen.
Abg. Weidner spricht noch die Hoffnung ans, daß das große Wert der Bodenrierbef^rung ocy oberen Bogels- bergeS, oie in so dantenswerter Wei,e in dem „General- tulturplan" des Willi,leriairats Braun vorgesastagen werde, reckst bald zur Durchführung kommen mochte.
Nach einigen weiteren Bemerkungen bex, eibgg. H äu- s e l uno Bahr sckstteßt die Debatte und das Haus nimmt oie 5eapirei: KulturiNfperiion, Einnahme 4j 7uu wuiri, Aus gäbe 14z luO Marr u.io 33OO Matt, o-elbbereinigungsive,en 000 L'iark UNO Auiiorstung von Gi-ineindewu,iUngiN und Rieliorationen von Huuoeiden im oberen Voge^Sbe^g, 6uüu Marl, an.
Die Sitzung wird darauf um V22 Uhr vertagt Nächste Sitzung: Dienstag vormittag 10 Uhr.
AntialkokoliLer-Fersammrnnfl.
-0- Gießen, 27. Februar.
Die am Donnerstag abend in dem Turnsaale der Stabt* knabenschule einberufene Versammlung des Bezirksvereins Gießen gegen Mißbrauch geistiger Getränke war recht gut besucht. Vor allem merkte man den Anwesenden an, daß sie von der Ueberzeugung durchdrungen waren, es müsse nun endlich einmal zur Tat geschritten werden. Rach einer Ansprache des einstweiligen Vorsitzenden, Pfarrer ). Schlosser, wurden die Satzungen im wesentlichen nach dessen Entwurf angenommen.
Wir heben daraus hervor, daß die regelmäßigen Mitglieder einen Jahresbeitrag von mindestens 2 Alk. zu zahlen haben. Dafür erhalten sie die Vereinszeitschrift, die bekannten grünen Hefte. Weiter ist Sorge getragen, daß auch Mitglieder, die nur 50 Pfg. zahlen, oder auch nur bestimmte Arbeitsleistungen übernehmen, an dem Vereinsleben vollen Anteil haben. Solche empfangen die in Berlin erscheinenden „Blätter zum Weitergeben". An der Spitze des Vereins steht ein von der Hauptversammlung gewählter Ausschuß von 15 Mitgliedern, der sich jedoch durch Zuwahl auf die Zahl von 21 Mitgliedern bringen darf.
Die praktisch wichtigste Bestimmung ist die, daß für die einzelnen Vereinsaufgaben besondere Ausschüsse gebildet werden, öie ihre Arbeit ziemlich selbständig treiben und durch ihre Vorsitzenden im Ausschuß vertreten fein sollen.
Bei der dann vorgenommenen Wahl wurden folgend, Mitglieder in den Ausschuß gewählt: 1. Prof. Dr. Som mer, 2. Medizinalrat Dr. Haberkorn, 3. Dr. Ploch, 4. Land- gerlchtsrat Prätorius, 5. Dekan Bayer, 6. Buchdruckerei- besitzer Lange, 7. Kaufmann E. Krumm, 8. Frau Medizinalrat Folie nius, 9. Pfarrer Schwabe, 10. Rektor Hahn, 11. Geh. Rat Prof. Dr. Gaffky, 12. Pfarrer ). Schlosser, 13. Medizinalrat Dr. Rouge zu Hungen, 14. Oberamtsrichter Mickel zu Grünberg, 15. Dekan Strack zu Leihgestern.
Sodann wurden die Aufgaben des Vereins besprochen und das Arbeitsprogramm entworfen, wobei namentlich Prof. Dr. Sommer die Rotwendigkeit, in ganz anderer Weise als bisher alkoholfreie Ersatzgetränke zu schaffen, betonte, und dabei an die Mitwirkung der Damen appellierte.
Man einigte sich, vier Ausschüsse zu bilden: L für Beeinflussung der öffentlichen Meinung, auch durch die Presse, sowie die Gesetzgebung und Verwaltung, II. für Gasthausreform, Schaffung von Ersatzgetränken, III. zur Fürsorge für einzelne Trinker, IV. für Mitwirkung der Schule und Beeinflussung der schulentlassenen Jugend.
In den I. Ausschuß wurden vorläufig gewählt: Ober» slaatsanwalt Theobald, Professor Dr. Lütt er mager. Alfred Bock, Jnstitutsvorsteher Dr. Kübel, Pfarrer a. D. Hofmann, Repetent Lic. Fuchs, Beigeordneter Cursch- mann, Druckereibesitzer Lange, Dr. Gg. Koch;
in den II.: Herr und Frau Prof. Sommer, Prof. Dr. Haupt, Fr. Profeffor Collin, Faktor Elle, Schlosser August Rinn, Pfarrer Schwabe, Medizinalrat Dr. Haberkorn, Pfarrer 1). Schlosser;
in den III.: Dekan Bayer, Pfarrer Schwabe, Herr und Frau Pröschel, Gärtner Rudolf Schneider, Techniker O. sJl e u ni a n n, Gärtner W. Schneider;
in den IV.: Rektor Hahn, Lehrer L>. Schmidt, Lehrer Schwöbei, Professor Dr. Collin.
Selbstoersländlich ist die Absicht, noch weitere Mit« arbeiter zu werben und ailch den Ausschuß zu ergänzen, daß alle Kreise der 'Bevölkerung darin vertreten sind.
9iun sind, wie der Vorsitzende im 'Anfang wünschte, die Waffen geschmiedet, und willige Hände, sie zu sühren, haben sich ausgefireckt. Wird auch niemand ermatten, daß alsbald eingreifende Dinge geschehen, so darf man doch hoffen, daß eine Zeit wirklicher Arbeit zum Heil unseres Volkes auch bei uns beginnen wird.
Aer AuMnv der Keretüs.
L. Kapstadt, 26. Febr. In Deutschsüdwest. afrika sind die Dinge gegenwärtig zum Still ft and gekommen. Die ailfftändischen Hereros sind von den Eisenbahnlinien zurückgetneben, jedoch sind die Deutschen aus 'Mangel an Pferden vorläufig zur Untätigkeit oerur- teilt. 50 Kilometer Eisenbahn und eine große Brücke sind zerstört. Rian glaubt, daß die Hereros sich begnügen werden, weitere Vorwärtsbewegungen der deutschen Triippen aufzuhalten, bis sie ihr Vieh weggebracht haben, womit sie nach Ansicht der Deutschen auf britisches Gebiet zu treffen beabsichtigen. Von deutscher Seite wird behauptet, die britische Regierung habe Agenten entsandt, um die Hereros aufjuroiegeIn. Viele Engländer wurden deshalb f e ft g e n 0 m in en. Den Hereros sind aber auch von deutscher Seite 1500 Gewehre geliefert worden. Soweit bis jetzt ermittelt ist, sind 120 Deutsche getötet worden, während die englischen und die burischen Ansiedler unbehelligt blieben.
Berlin, 26. Febr. Der großh. badische Forstpraktikant Dr. Gerber m Südwestasrika ist nach einem feinen Verwandten aus Kanbib zugegangenen Telegramm am Leben und gesund. Dr. Gerber hatte zusammen mit dem Berichterstatter der Köln. Ztg. Riüllendors eine Reise nach dem 'Rorden des Schiitzgebietes unternommen. Man berichtete, daß sie von aufiiandischen Hereros überfallen worden seien. Beide sind indessen gereitet worden. — Gouverneur Leulwein meldet von Windhuk, daß in dem Gefecht der Abteilung des KapliänleutnantS Gygas bei Gro ßbarmen am 19. Febr. außer den gemeldeten Verlusten noch der Weiter Max Müller vom Eiienbahndetachement ver m ißt wird. — Die „Nord. Allg. Ztg." weist den Borwurf mangelnden Ent- gegenfommenö der Kalonialverwaltimg bei Anfragen über das Schicksal deutscher? Ansiedler tm Ausstandsgeblete zurück und betont, die Kolonialverwaltung gab schon sehr erhebliche Betrage au5, um Privatpersonen die erbetenen Auskünfte zu erteilen. Man müsse die Schwierigkeiten berücksichtigen, welche die außerordentlichen Entfernungen und der 'Mangel rascher Verkehrsmittel einer peinlich genauen Berichterstattung bereiten.
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