Nr. 49
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Die „Gletzener LamlllenblStter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^«lfische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schön Universitätsdruckerei. R. Lange, Dießen.
Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.7.
Del. Nr. bl. Telegr.-Adr. r Anzeiger Gießen.
Viertes Blatt. 154. Jahrgang Samstag 27. Februar 1904
Gießener Anzeiger
Eeneral-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblait für den Kreis Gießen.
Z>er Kampf der deutschcn Acrzte gegen die Sozialdemokratie.
Von einem praktischen Arzt. Original-Artikel des „Gießener Anzeigers" (Nachdruck verboten.)
ES gehen jetzt vielfach Notizen über Aerztestreiks, Leipziger Verband usw. durch die Presse, welche von den Lesern wohl nicht immer richtig gewürdigt werden. Befindet sich doch anscheinend sogar die preußische StaatS- regierung in dem Irrtum, außer in Köln seien auch noch in einigen anderen Orten Streitigkeiten zwischen Aerzten und Krankenkassen vorgekommen. Wenigstens sprach so der Hanbelsminister Möller in einer der letzten Sitzungen des Abgeordnetenhauses. Tabei wollen wir ihm aber das Lob nicht vorenthalten, daß er ein wärmeres Wort für den Aerzsesland übrig gehabt hat, als sein Reichs-Kollege, der Staatssekretär Gras Posadowsky.
Tatsache ist, daß zurzeit in ca. 60 Orten, darunter Städten wie Leipzig, Magdeburg, Düsseldorf, Elberfeld, Bonn, Stettin u. a. mit ebensoviel Krankenkassen Diffe- renzen bestehen, welche zur Weigerung der Aerzte geführt haben, für die Krankenlassen weiterhin zu reuten.
Wenn ein Stand, der, wie der ärztliche, sich vom öffentlichen Leben möglichst zurückgehalten hat, der öffentliche Anzapfungen ruhig über sich ergehen ließ und sich wunderte, wenn er ab und zu Artikel über kalte Füße und rote Nasen von schriftstellernden Kollegen in Unterhaltungs-Zeitschriften fand, der seine Hauvtbefriedigung in seiner Berufs- und stiller wissenschaftlicher Tätigkeit auch unter mancherlei Entbehrungen und Widerwärtigkeiten suchte, wenn ein solcher Stand aus seiner Zurückhaltung heraus und mit einem Sprung mitten in den Strudel; -es öffentlichen Lebens tritt, so muß das seine guten Gründe haben.
Es ist als erwiesen anzuschen, daß die Mehrzahl /er Krankenkassen stark sozialdemokratisch -urchsctzt sind. Auch der Leipziger K'rankenkassentag war ja fast ausschließlich von Sozialdemokraten besucht. Diese leugnen die Tatsache nur noch schwach. Aber ein einfacher Schluß sagt doch, daß die Sozialdemokratie, eingedenk des alten Satzes von dem im Stich gelassenen Bundesgenossen, der dem Feind nolens volens in die Arme getrieben wird, beziehungsweise die von der Staatsregierung verleugneten Kinder an ihren Busen nehmen und mit aller ziehmutterlichen Sorgfalt umgeben mußte. Tie ärztefeindliche Taktik der Sozialdemokratie, der Beschützerin aller mit der Negierung in Konflikt Befindlichen aus Prinzip, ist aber durch die enge Liierung mit der ganzen Organisation der Krankenkassen, deren Stellen sie vielfach besetzt, in deren Vorständen sie sitzt, hinreichend erklärt. So kann man in übertragenem Sinne bet dem Kampf gegen die Kranken lassen von einem solchen gegen die Sozialdeino- kratie sprechen.
Tie flieg ierung hat ja anläßlich der Novelle zum Kran- ienversicherungs^NLsetz es abgelehnt, die Stellung der Aerzte gesetzlich zu regeln. So waren die Aerzte darauf angewiesen, sich selbst für die erheblichen Mehrleistungen, welche ihnen das Gesetz in der Erhöhung der Unterstützungsdauer von 13 auf 26 Woä>en und Einbeziehung der Geschlechtskranken, bie bisher keinen Anspruch auf kassenärztliche Leistungen hatten, ausbürdet, in geeigneter Werse schablos zu halten.
Taß bei dieser Gelegenheit die berechtigten Forderungen der Aerzteschaft, nämlich Erhöhung der Honorare, deren Kümmerlichkeit ja aus den Verhandlungen des Reichs- tags genügend bekannt ist, Einsetzung von Schiebsgerichlen für Streitigkeiten, die bisher natürlich ganz willkürlich
seitens der Kassenvorstände „geschlichtet" wurden und, wo dies erforderlich fdyicn, Einführung der freien Arztwahl, generell erhoben wurden, war klar.
Ein neben dem Te ritschen Aerztevereinsbund existierender Verband der Aerzte TeulschlandS zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen hat In jenen Tagen einen fabelhaften Aufschwung genommen. Und obwohl der Beitritt vollkommen fveiwillig ist, sind jetzt bereits die Hälfte aller deutschen Aerzte Mitglieder des VerbandeS. UnD dieser Verband bat eS sich eben zur Pflicht gemacht, mit seinem Kapital den Aerzten gegen die Kassen beizustehen. Tenn lvie überall, gehört anck> hier zum Kriegführen Geld, Geld — und nochmals Geld. Dem einzelnen würde es natürlich meist nicht möglich sein, diese Macht des Kapitals inS Feld zu führen.
Ten Krankenkassen wird das schon leichter. Sie haben fast durchweg nicht die Höchstleistungen an Beiträgen gefordert, sondern sind erheblich hinter denselben zurückgeblieben. Sie haben ferner Die Leistungen lveit über das gesetzlich, vorgeschriebene Maß erhöht. Und das alles aus Grund der Ersparnisse, die sie gemacht haben. Und diese Ersparnisse sind an d e n ä r z t l i ch e n H o n o- raren gemacht worden. Früher, ohne Organisation, war jeder Arzt der Sklave seiner Krankenkasse. Muckte er auf oder wollte er oescheidenllich anläßlich der Mehrarbeit auch mehr Honorar, so konnte er seine Kasse schleunigst an einen anderen weniger anspruchsvollen ad- treten. Ta schwieg er lieber.
Tie Kassenrendaliten dagegen wurden nachweislich stets brillant bezahlt. Hat es doch im preuß. Abgeordnetenhaus kein geringerer als Minister Möller als ungesunden Zustand bezeichnet, daß fliendanten Einkommen von 10- und 17000 Mark hatten.
Alles dies wäre aber noch annehmbar, wenn nicht jetzt diese anvcrtrauten und zum Besten der Kassenmilglieder bestimmten Gelder in einer unverantwortlichen Weise im Interesse des Machtkitzels der Kussenvorstände verschleudert und so ihrem edlen Zweck entzogen würden.
Anstatt nämlich den Aerzten eine geringe Honorarerhöhung zu gewähren, geben die Krankenkassen Unsummen aus, um durch Seiidboten, Verrnittlungsbuceaus rc. fremde Kassenärzte herbci^uziehen. Darüber sterben so und soviel Leute infolge uiigenügender ärztlicher Versorgung, wie in Köln tatsächlich vorgekommen, alle aber leiden darunter. Und das Ende ist, daß außer den sestangestellten neuen Kassenärzten doch die alten zu den geforderten Bedingungen angestellt werden müssen, weil man nicht den notwendigen Ersatz gefunden hat.
Es ist aber auch vorgekommen, oaß Die Kassen ihren Aerzten die geforderte geringe Honorarerhöhung üerrecv- gect und nun Stellen mit viel höherem Holiorar ausgeschrieben haben, nur u mdie alten Aerzte ihre Macht fühlen zu lassen.
Tre Kassenmitglieder sind mit diesen Vorgängen meist nicht einverstanden, werden aber nicht gefragt, und wenn sie reden unb sich beschweren wollen, durch ihre Arbeli- geber mit Verlust ihrer Stellen bedroht, wie dies in Gera lMuß) wiederholt vorgekommen ist.
Dies alles sind Dinge, welche die Langmut der deutschen Aerzte erschöpft haben. Der Aeskulapstab hat sich zuerst in einen Thhrsus- und bann in einen Marschallstab verwandelt und in seinem Zeick>en werden wir nicht eher ruhen, bis der letzte Mann unserem Leipziger VerbauD beigetreten und bis der Sieg auf der ganzen Linie unser ist.
Dann wird vielleicht Die flleichsregierung die Sache der deutschen Aerzte für „spruchreif" halten.
Kesstlcher «Landtag.
R. B. Darmstadt, 26. Febr.
Am Ministertisch: Staatsminister Rothe, Finanz- miniestr Dr. Gnauth, Ministerialräte Brann, Ewald und Rohde.
Erster Gegenstand der heutigen Beratung ist die Besprechung der Interpellation Reinhart und Gen. in Betreff des Bahnbaus Vntzbach-Lich.
Abg. Reinhart spricht zunächst der Regierung seinen Dank aus für die schnelle Beantwortung der Anfrage. Die Jutervellation sei gestellt worden zur Wahrung der Würde Dieses Hauses und nicht etwa aus Dar- telpolitischen Beweggründen. Es mußte sich darum handeln, hier eine Klarstellung über die im Lande umher laufenden Gerüchte herbeizuführen, die geeignet sein könnten, das Ansehen der Kammer unb des einzelnen Abgeordneten herabzusetzen. Tie Negierungsantwort habe nun bestätigt und Abg. Boutz habe auch selber zugestanden, 33 000 Mark Provision von Der Firma Lenz u. Co. erhalten zu haben. Er habe bie Obligation zum Preise von 94 Prozent übernommen und an bie Gemeinden weiter verkauft. Das habe er selber zugegeben, aber habet im Unklaren gelassen, ob er bie Gemeinden von dem Kursunterschied 94:100 unterrichtete. Der Abgeordnete habe sich auch erlaubt, die Tätigkeit des Präsidenten Haas und des Redners mit seiner eigenen Asfaire auf eine Linie zu stellen. Er müsse dem Abg. Haas überlassen, daraus zu erwidern. Wenn aber Der Abg. Joutz auch des Redners Stellung als Aussichtsrat für Handel uno Industrie hier herangezogen habe, so weise er diese Unterstellung auf das Entschiedenste zurück und protestiere dagegen, daß hier bie Privatangelegenheiten eines Abgeordneten mit seiner Stellung als Abgeordneter vermischt werden. Ein Abgeordneter müsse sich doch voll bewußt sein des Verhältnisses zwischen seiner Stellung als Geschäftsmann und als Volksvertreter und Da eine sehr scharfe Grenze ziehen. Wenn er das nicht tue, so verliere er seinen Wert als Mitarbeiter am Gemeindewohl. Es sei seit den 25 Jahren seiner parlamentarischen Tätigkeit das erstemal, daß man einen solchen Versuch, wie der Adg. Joutz, gegen ihn mache und er weise diesen Angriff nochmals aufs Entschiedenste zurück.
Abg. Dr. Gut f lei sch führt aus: Abg. Reinhart habe mit Recht erwähnt, daß es sich hier nicht um eine Angelegenheit einer Partei handle, wenn auch die Interpellation von den Mitgliedern einer solchen unterzeichnet sei, sondern um die Ehre unb das Ansehen dieses Hauses. Als er zum erstenmal davon hörte, daß Abg. Joutz mit der Erbauung der Linie Butzback^Lich einen Erwerb verknüpft habe, und zwar einen sehr bedeutenden Erwerb, habe er großen Zweifel Daran gehegt und sich eingehend darnach erkundigt, leider aber bald die Bestätigung deS Gerüchts. erfahren. Es sei aufgefallen, daß Joutz bei seiner Verhandlung mit den einzelnen Gemeinden nirgends etwas davon erwähnte, daß er persönlich an der Sache mit einer solch hohen Einnahme beteiligt sei. Ein Gründer- gereinn für eine Beteiligung an der Finanzierung sei ja nichts Besonderes, aber die Höhe der Summe, der Betrag von 6 Prozent setze ihn in Erstaunen. Es handle sich doch nur um ein kleineres Unternehmen im eigenen Lande, woran bie kleineren Unternehmer interessiert sind, und nicht um irgend eine exotische Gründung. Käme Herr Joutz nur als Geschäftsmann hier in Betracht, so würde kein Wort weiter darüber zu verlieren sein, auch wenn er 6 Prozent nahm. Aber Herr Joutz sei auch Abgeordneter und der Vertrauensmann seines Wahlkreises; er stehe somit im Dienste der öffentlichen Interessen und der gemeinnützigen Tätigkeit. Dian messe den Wert eines Mannes nach dem
I. S. Machs Matthäuspasstorr.
Mas wir hier über Inhalt und Gestaltung des Wertes zu sagen vermögen, das kann natürlich die Eingabe des andächtigen Hörers selbst nicht ersetzen. Es Dürfte ober gerade in unserer Zeit geboten sein, diese Hingabe an das Werk auch inhaltlich vorzubereiten. Auch ist uns modernen Menschen bie Fähigkeit zu der hier erforderlichen naiügläubigen Hingabe mehr oder weniger abhanden gekommen unb wir müssen uns in den Geist Der Zeiten wiederum zu versetzen suchen, da man wahrhaft gläubig unb ohne bes Zweifels Stackiel sich in den Geist bes Evangelisten versenkte und feinen Bericht einer Offenbarung gleich annal)m. Welche Stellung Demgegenüber aber auch bas moberne Empfinden einnehmen möge, es wird diesen reinen unmittelbaren Glauben als eine Quelle reinster, menschlichster Gesinnung, edelster Güte stets zu achten haben. Wo gäbe es den Meister, der unserm Johann Sebastian Bach eben in der Behandlung geistlichen Stosses gleich käme, geschweige denn, überlegen wäre!'? Wenn irgend einer, bann hat es Bach vermocht, sich mit Der reinsten, wahrhaftigsten Gläubigkeit in Diesen Stoss zu versenken und dieser Gläubigkeit einen AusDruck zu verleihen, wie er anschaulicher nicht gedacht werden kann.
Ten Kern des Werkes nehmen Das 26. unD 27. Kap. Des Evangeliums Matthäi ein. Dieser Teil des Evangeliums wird vollständig in Musik gesetzt: die redenden Einzelpersonen, der Evangelist, Christus, Judas, Petrus, Pilatus und Der Hohepriester, zween falsche Zeugen, Die Jünger, das Volk, Die Schriftgelehrten, sie alle finden Den ivahrhafteslen Ausdruck in Form von Rezitativen, an den bedeutsamsten Stellen erweitert und hervorgehoben durch eine breitere Begleitung nach Art eines Arioso, in kurzen, höchst charakteristischen Chorsätzen usw. Hinzugedich- tut ist als oratorischer Teil die Figur einer Tochter Zion mit dem zu ihr gehörigen Chor der gläubigen Seelen. Ter Dichter des Textes war ein Leipziger Postbeamter, BicanDer Henrici, Dem Bach dazu manchen Mnk gab. End- Üch sinD eine Reche Der schönsten in diesen Zusammenhang zehoriger Choräle in vierstimmigem Satz eingefügt und (ragen zur Veniefung, zur Verdeutlichung wesentlich bei. Eie zwei dem Evangelienbencht eilige fügten Teile geben bem ganzen Werke jein Gefüge. Bach hat aber Die Figur
der Tochter Zion musikalisch nicht als Einzelstimme persönlichen Charakters beibehalten: „Er löst ihren persönlichen Charakter vollständig auf, indem er ihr musikalisch eine eigene Stimme verweigert. Tie Tochter Zion singt chre Soli als Alt, Sopran, Tenor und Baß; sie singt sie in Form von Duetten und als Chor". Als Chor leitet sie das Werk ein; sein erster Teil zerfällt in Drei Hauptbilder: a) Jesus mit feinen Jüngern und Die Einsetzung des Abendmahls, b) Jesus auf Gethsemane unb c) Tie Gefangem.ehmung. Im zweiten Teil fobann ist bie rasch uno reich bewegte Handlung in vier Abschnitte gegliedert: a) Vernehmung Christi vor Dem hohen Priester; als Anhang zwei Episoden: Die Verleugnung des Petrus und der Tod des Judas, b) Christi Verhör durch Pilatus, c) Tie Kreuzigung auf Golgatha mit dem Nachspiel in Der Erzählung von dem Erdbeben und d) Abschluß Des Ganzen durch wesentlich oratorische Ergänzung.
Im Einzelnen dürfen wir den Berietet des Evangelisten Matthäus als bekannt voraussetzen. Eingeleitet wird er durch einen Dialog in Chorform, in dem Die Klage um Das Leiden und den Tod des Herrn in beweglichen Me- lodieen angestimmt und Durchgeführt wird. Tochter Zion ruft zur Klage auf; Die Gläubigen fragen in Ueberraschung unb Entsetzen bis sie sich mit Der Klage vereinigen. Es ist eine rührende unb Dramatische Szene, zu der m feierlichem Kontrast, wie eine lichte Erscheinung aus der andern Welt ein Knabenchor im unisono Den alten Passionschoral: „O Lamm Gottes unschuldig" anstimmt. Es folgen nun die Reden Jesu und der Jünger, wie auch Die Beratungen Der Schrifkgelehrten und Hohenpriester. Nach der ersten Verkündigung Fksu, „daß er gekreuzigt werde" setzt Der Choral: ,Herzliebster Jesu, was hast Tu verbrochen" ein. Nach v. 13 Ev. folgt ein stimmungsvolles Altsolo: „Tu lieber Heiland du" mit Der Arie: „Buß unb Reu", in dem entgegen dem törichten Benehmen der Jünger daS redjite Mitempfinden zum Ausdruck kommt, fllach dem Verraisanerbieten des Judas erhebet Tochter Zion in einer Sopranar.e: „Blute nur, du liebes Herz" Klage um diesen schwarzen Undank und Verrat. Auf bie Frage Der Jünger, als ihnen Jesus ben Verrat vorher- |agt; „Herr Dm ichs", ein nur 5 Satte langen Chorsatz ui der reich,.en Modulation des Ausorucks folgt der «Choral: „tz,ch bin y iu) jultte vutzeu". Tie nun lolge.we Einsetzung
des Abendmahls ist auch musikalisch der hervorragendste Abschnitt in den Reden Christi. Hier erhebt sich fein Sprechen zum Gesang, der singend von Den Instrumenten begleitet iuirb; diese Art der Hervorhebung Der wichtigsten Stellen ist charakteristisch auch für Die Nebenpersonen : „Es ist eine lebhafte, Den Einzelheiten Des Tertbildes nackMhende Deklamation, bie an wichtigen Stellen in musikalische Figuren Übergeht, um zu malen (Kretschmar). Eine Sopranarie: „Wiewohl mein Herz in Tränen schwimmt" feiert Die Einsetzung Des Abendmahls als das Testament Christi in einer eigentümlichen Mischung von Entzücken und Abschiedstrauer.
Tie zweite Szene beginnt mit einem musikalisch atpt* lich hervorgehobenen TeU der Reden Christi: „ich werde den Hirten schlagen usw." Hieran schließt sich der Choral: „Erkenne mich mein Hüter". Ten größten SLeil Der Geth- semaneszene füllt Bach mit betrachtenden Stücken unb sie sind hier mehr.als sonst am Platz; Denn Der Herr in höchster Not, von Verzweiflung ersaßt, bittet feine Jünger reieber unD wieber, ihn nicht zu verlassen, mit ihm zu wachen — unb sie schlafen. Tenorsolo mit Dem Chor Der Gläubigen zweimal hintereinander ergeht sich in schwerer Klage und darauf in ernster Freude: „O Schmerz, hier zittert das gequälte Herz", „Was ist Ursach solcher Plagen" singt Der Chor dazu. In der Haupt-Arie gelobt der Stimmführer Dem Heiland Treue und per Chor malt wie aus der Ferne den Erfolg dieses Gelöbnisses: „Ich will bei meinem Jesu wachen" und „So schlafen unsere Sünden ein". ES sind zwei Bilder, die in Der Form streng gesondert und im Inhalt das eine Der Reflex Des andern sind. Ter Sologesang — noch beredter als er fast die Solooboe mit eigentümlichen schiveren und trüben Akzenten gemischt — eine Melodie ernster hingebungsvoller Freudigkeit und der Chor dazu eine sanfte und zarte Sck)luminermusik, roie nach vollbrachtem Werk. — 'Nun folgen wir Dem Evangelium bis zur Gesangennehm- ung — die eingeschaltete Baßarie wird meist ausgelassen und nur der Choral: „Was mein Gott will, das g scheh allzeit" auf Die Worte Jesu: „Ich trinke ihn denn; so geschehe Dein Wille" gesungen. Ten Akt Der Gefangennehm- ung hat Bach zu einem der gewaltigsten Dramatischen Bilder gestaltet, das die Musik kennt. Es ist ein Meisterstück des genialen Realisten voll elementaren Schwunges


