Ausgabe 
25.7.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 17Ä

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Mainz, 23. Juli. In her Stadthalle Mrfwftiqte sich gestern abend ene vom Mainzer Gewerk'chaftskatt-ll einher ufene Volks- Vers am m In n <r mit der Anss verrung im Baugewerbe, Wer die der zweite Vorsitzende d^s Z entroll)''rbandes der Maurer, Uftirtge-Hamburg, einen etwa cmsttlndigen Vortrag hielt. Dann wurde nach demM. Tgbl." folgende Resolution gefaßt: e beute- am 22. Juli, in der Stadthalle tagende, von 56000 Personen besuchte Volksversammlung verurteilt ent- lcnieden das rücksichtslose Vorgehen des Mitteldeutschen Drbeit- aebarverbendes und spricht den ausgesperrtm Bauarbeitern ihre vollste Sympathie aus. Die schwere Schädigung, welche dem gesamten W-rtschastskeben des Aussverwrng^oebietes zugefügt wird, 'n lediglich den Unternehmern zuzirschreiben, die in einseitiger Werse dm Arbeitern Arbeitsbedtnglnrgm d'ktteren wollen. GlcA- ?eifg bcbutrr* die Ver^m-l"ng. bafj die Mainzer St^dtverord-

chen uim bc Parsisal AussiNn v. deS Meisters gen

Montag 25. Juli 1904

Rotationsdruck und Verlag bet Brühl Ich« UnwerfttLiödruckeret. R. Lange, Gieß«.

Redaktton, Expedition ».Druckerei: Schulstr.7, ^«l. Rr. 6L Telegr^-Adr. i Anzeiger Gtetze»,

mit ihrer ältesten und ehedem geliebtesten Tochter be­ginnen soll.

Allgemeine Teilnahme hat der Tod des Präsi» denten Krüger hervorgerufen. Der alte Recke ragte weit über das Maß des Gewöhnlichen hinaus. Er war einer der letzten Vertreter einer untergehenden, fast möchte man sagen biblisch-patriarchalischen Welt: ein Beter und Streiter, wie die moderne Kultur sie so nicht mehr bildet, denkbar nur in der Welt, in der er lebte und für die er lebte: ein Bauern- kömg rmd Prophet, der sich und sein Volk der rastlos fort­schreitenden Entwickelung eines Weltreiches entgegenwarf und eine Zeitlang wohl der stolzen Hoffnung leben durste, daß es ihm gelingen könnte, als Sieger aus diesem Karnpfe hervor- zugehen. Daß die Engländer seinen letzten Wunsch erfüllen und gestattet haben, ihn an der Seite seiner Gemahlin aus dem Boden Transvaals zu bestatten, ist eine Nachricht, dir alle Freunde des alten Mannes mit Genugtuung erfüllt.

Aröetttröewkgnng.

k f e n b a ch, 23. Juli. Die Arbeitgeber machen nt der mengen Preffe bekannt, daß die Maurer- mtb Zimmereraus- sperrnnaen nur die or ganisierten, nicht die übrigen Hand­werker betreffen.

Politische Wochenschau.

Gießen, 24. Juli 1904.

Van den politischen Begebenheiten der Wvche inter­essieren die Oeffentlichkeit gegenwärtig am meisten die Raub­züge der sogenannten freiwisligen Flotte Ruß­lands. Bei Iw überaus freundschaftlichen Beziehungen, welche unsere Regierung in den Grenzen ihrer Stellung als neutrale Macht zu Rußland aufrecht erhält, hat die Will- kür peinlich überrascht, mit der der HiffskreinerSmolensk im Roten Meere unseren PostdampferPrinz Hein­rich" angebalten und gezwungen hat, seine für Japan be­stimmten Briefe unh Pakete an szii liefern. Selbstverständ­lich ist ein energischer Protest Deutschlands nach Petersburg gegangen, und wir zweifeln nicht daran, daß die Aufklär­ung und Entschuldigung der russischen Regierung lange ausbleiben wird, obwohl in letzter Stunde ein treuer Über­raschender Nebergriff dieser russischen freiwilligen Kriegs­schiffe Deutschland gegenüber gemeldet worden ist, nämlich, worüber am Samstag ein Telegramm veröffentlicht worden ist, die Beschlagnahme derScandia" von der Hamburg-Amerika-Linie. Der Dampfer traf bereits am 23. d. M. in Suez unter russsscher Flagge ein, besetzt von russischen Offizieren und Mannschaften. Die Hamburg-Amerika-Linie bat sich, wie ein Telegramm auS Hamburg berichtet, sogleich beim Auswärtigen Amt be­schwert. Wie es heißt, hatte fie bei Beginn des Krieges es ihren Vertretern zur besonderen Pflicht gemacht, Kriegs- kontrebanden die Beförderung zu verweigern. An Bord der Scandia" befand sich ein Posten Munition, der zum Teil nach Singapore verladen und für den Bedarf der deutschen Negierung in der Südlee, zum Teil nach Schanghai ver­laden für die chinesische Regierung bestimmt war. Dies hätte der russische Kommandant an Bord des Schiffes fest­stellen können. Sonst sind nur Kaufmannsgüter für Ost- asien auf derSeandia" geladen. Eine Anbringung einer Reklamation an Ort und Stelle ist mm dadurch erschwert, daß Deutschland und Rußland in Port Said denselben Konsul haben.

Man muß das Verhalten sowohl der russischen Regier­ung wie das des Schiffskornmandanten als verwunderlich und unbegreiflich bezeichnen, denn daß sich beide Fnktoren völlig im Unrecht befinden, ist sonnenklar. Das Peters- brrrger Kabinett hätte klug getan, sofort für ausgiebigste Remedrn zu sorgen. Dazu kommt, daß die russische Macht im ostasiatischen Kriege bis fetzt von einem Mißerfolg zum andern geschritten ist, waS ihr Prestige in Europa keines­wegs erhöht hat. Und mm stößt das so schwer gedemüttgte Riesenreich noch zwei europäische Großmächte, darunter das seemächtige England, gefflssentsich vor den Kopf, ohne sich scheinbar die Folgen seiner Handlungsweise klar zu machen

Die Aussichten für tte Russen auf dem o st a siati sch en Kriegsschauplatz werden von Toy zu Tug trüber. Schon ein ffüchttger Blick auf die Karte läßt die prekäre Lage, in der sich die russsschen Truppen befinden, leicht ' erkennen. In verhältnismäßig dünnen Linien stehen letztere 1

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sein können. Insbesondere dürste Frau Wittich in der Wiedergabe der tettlich und muffki lisch so herrlichen Erzählung ,^sch sah das Kind an feiner Mutter Brust", was GesaugS- und Dortragskunst anlangt, schwerlich übertroffen werden. Auch im dritten Auszug erregte diese Künstlerin unsere Bewunderung durch ihr vollendetes Spiel als Büßerin, die ans dem Abgründe des Laders zum Lichte der Reinheit gelangen will.

Gnrnemanz, der greise Hüter des Gralstempels. wurde vons Dr- stelir v. Krauß ans Leipzig gesungen. Der Künstler wunte diese charakteristische, anstrengende, aber sehr dankbare. Rolle mit feinem Derständn'S durch-nffb-en. Sein sympathisches Orgmk. ein umfangreicher edler, sonorer Daß. kam in der großen Erzählung deS ersten AktesTitirral, der fromme Held" in schönster Weise zur Geltung, und eS sei ausdrücklich zum Lobe dieses Künstlers konstatiett. daß uns sein Spiel und Gesang deS öfteren lebhaft an Emil Scerin erinnett hat, den 1886 ver- mubenen erftert unvergeßlichen Interpreten des Garnemanz. Auw im dritten ?lkte standen Dr. v. Krauß'? Leistungen durch­wegs auf der Höhe, sodaß ihm ein hervorragendes Verdienst um das Gelingen der Mutigen Aufführung zugesprochen worden muß.

von Niutschwany bis Taoklattett nordöstlich MukbenS und verfügen nur in ihrem Zentrum Liaujang, dem Hauptguar- tter KuropatkinS, über verhältnismäßig starke Truppenan- , sammlungen. Eigentliche Reserven im Rücken aber fehlen. , Dafür haben die Japaner auf ihrer ausgedehnten Front , überall starke, richttg verteilte Streitkräfte mit guten rück- wärttgen Verbindungen. Ihr Bestreben geht nun offenbar dahin, die russische Aufstellung an einer Stelle zu durch- brechen, tupn dann die übrig bleibenden Reste einfach aus- ' §urollen. Diese Absicht kennen natürlich auch die Russen üarrz genau und bemühen sich deswegen mit allen Kräften , diesem Schicksal zu entgehen. Da sie ferner auch wissen, daß der Hieb die beste Verteidigung ist, so haben sie unter Anführung des Grafen Keller verzweifelte Anstrenaungen gemacht, sich wieder in den Besitz des wichtigen Motten­passes zu setzen. Diese Absicht mißglückte aber vollständig, denn dre Japaner erfochten, trotzdem sie sich in der Minder­zahl befanden, rmter General Knroki einen glänzenden Sieg und drückten die retirierenden Russen gegen Mulden zurück. Aus lauter Gefälligkeit für Rußland ist die deutsche Re­gierung mit dem Königsberger Hochverrats­prozeß wieder einmal in die Tinte geraten. Der preu- ltt'sche Iustizminister Schönstedt berief sich sowohl im Reichs­tage, wie im preußischen Abgeordnetenhause wiederholt auf die Erklärung des russischen Generalkonsuls, daß die für Aufnahrne der gerichtllchen Verfolgung notwendige Gegen- seittgkeit verbürgt wäre. Zu einer Prüfung dieser Haupt­frage ist es jedoch erst jetzt gekommen, nachdem der Prozeß seit vielen Monaten vorbereitet nnd feit einer Woche im Gange war. Und dabei stellte es sich heraus, daß durchaus keirre Gegerrseittgleit besteht, sondern daß in Rußland Ver­schwörungen gegen den deuffchen Kaiser und Beleidigungen des deutschen .Kaisers nicht bestraft werden. Das äußerst beftemdende, in der ganzen IuristeTttvelt peinlichstes Auf­sehen erregende Schauspiel, daß die dem Verfahren not­wendig vorangehende Grrmdftage erst mitten in der Prozeß­verhandlung zufällig zu ernster Rachprüfimg kam, wäre der Welt erspart geblieben, toeitn die preußische Justizver­waltung sich bei Zeiten die kleine Mühe gemacht hätte, die amtliche Uebersetzung des russsschen Strafgesetzbuches einzusehen! Jetzt kostet eS der Sozialdemokratie nur eine recht geringe Arbeit, das Material, das der Prozeß gegen 'ie zutage gefördert, auszugleichen unä zu überbieten durch den Triumph, den ihr das so wackllge Fundament des ganzen Prozesses bereitet.

Der Konflikt zwschen Frankreich und dem Vatikan spitzt sich immer mehr zu. Die fottgesetzte aggressive Polittk deS Vatikans gegen die französische Regierung deutet darauf hin, daß her Papst dem Bruche nicht aus dem Wege gehen will, sondern ihn vielmehr herbeizuführen wünscht, weil er einen frffchen fröhlichen Kampf ein ein faulen Frieden vor- gief)t. Da- Kabinett Eombe- hat die Kurie vor ein Ulti­matum gestellt. Vielleicht kann eS sich schon m den nächsten Mafien entscheiden, ob ak-bald da- historisch hebentfame < Schauspiel deS offenen Krieges der römisch-päpstllchen Kirche <

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nven, öte m ernfethger ^edtngimam diktteren wollen. Glcuh- - r - - -- l mg, daß die Mainzer St^dtverord-

netenversarnrnluna durch Abänderut^ einer Bancmsführtmgsb-- fbimmimg sich auf Seite der Unternehmer gestellt hat.

Aus der AestspteMadt.

Dr. Bayreuth, 23. Fnli.

Zahlreiche Fremde wellen seit einigen Tagen in unserer Stadt, deren Straßen wieder daS gewohnte mmtbewegte Bild internatio­nalen Lebens bieten. Dank dem opferfreudigen Entgegenkommen der Stadtverttetuna ssibtt letzt neben der Bugerrentherstraße durch den Ausbau der Nivelungenstraße ein zweiter, breiter Fahrweg bis zum Fuße deS Festspielhügels, wodurch der früher ost nicht ungefölnliche Verkehr von Wagen nnd Fußgängern M zufriedenstellender Wesse geregelt worden ist. Auch die Zahl her hübschen Pillen nnd Wohnhäuser, welche daS Theater um­säumen, ist in letzter Zeit dirrch schmucke Neubauten bedeutend vermebtt uitb die Umgebung deS Theaters verfchänett worden.

Das Innere deS ZnschauerrairmS wurde Heuer mit einigen ot au en" versehen. Wenn auch einerseits diese und ihre gelben Geländer die gewohnte Synnnettie etwas stören, so wird dech andererseits durch diese Vorsichtsmaßregeln auch im F^stspi.eGcmse doS Gefühl erhöhter Sicherheit erzeugt.

? Und nun noch einiges über die äußerst anstrengenden Vor- pro.beN. sowie über den Rielenapporat. der aufgeboten werden mußte, nm die Schöpffmgen WognerS seinen Jntenttonen gemäß aufznführen. Abgesehen von vielen Solisten und Chorproben waren in diesen Jahre en. 5 0 Orchester- und Gesam tdroben notwendig utr Bewältigimg der ungeheuren Arbeit. Diese wochen­lange. nngestötte Hingabe des Emzesn"n au das Kmstwerk, diese Konzenttotian aller Kräfte auf einen Punkt ist aber nur in Bayreuth möglich, weil hier im Gegeusatz zu den meisten anderen Theatern keine Unterbrechung der Proben stattffndet durch die Vorbereitung anderer in bea Spielplcm eingeschobenen Opern

Die Seele des künstlerrschen Unternehmen? ist auch Heuer wieder Frau Cosima Wagner, die mit erstairnsscher Frische und Geisteskraft imernrüdsich tätig ist, um die Aufführungen im Sinne des Meisters künstlerisch vollendet zu gestalten. Ihr m Seite stehen die treu bewähtten Dittgenten Dr. HanS Richter und Dr. Muck, sowie des Meisters hochbegabter Sohn Siegfried WagNer, gleich ffitfrtia als Dirigent. Zn ihnen gesellen sich noch Hofkapellmerster B a l l i n g - Karlsruhe und Hof- kapellmekster Frarrz Beidler, der Schwiegersohn hon Frau ff-ffsma, ein feinfühliger Dirigent, der sich durch die rnuster- giltigen Aufführnngen de? , Ring" in Moskau ganz besondere Verdienste um die Wagnersche Kunst erworben hat. Er wird l/euer die ersteRing"- und einePorstfal"-Aufführung diri- nierrrt. Bühnen- rmd Cborleitimg ist wieder in die bewähtten oände des Altmeisters K n i e s e gelegt. Eine Reibe tüchtiger Kräfte wurde zur musikalischen^ Assistenz auf der Bühne ge­wonnen. während die Regie wieder Ernst Braunschweig- Berlin übernommen hat.

Dos Orchester besteht MeSrnaT au? 69 Streichern'. 64 Bläsern. 7 Harfenisten und 4 Paukisten, der Chnr ait? 30 Damen nnb 65 Herren. Ein stattllck)«Z Personal von 34 Damen und 2$ H-rren wird zur Ausführung choreographischen Szenen bf? ..Tannhäuser" erfordert, in deren Mittelpunkt her Tanz her drei Graz eit steht dessen wichtige Abschn'tte van Isadora Duncan der genialen Tänzerin und Verfasserin deS bc- fannten Buche?Der Tanz der ßiifunft", genau nach den Angaben desMeisters und ht Ueberein^immnug mit seiner Mu^'k fr fn t werden. Gin zahlreiches technische? P^rs"N"l unter ^'e ung b ' ffbernrasckcknendir ktor? Kranich-Darmstadt Tnli i"nt ist Regisseur Toller-Rostock vervollständigt den komtzlizkerten Apparat.

Selbstverständlich hatten sich Zn den Generalproben auch die

von Bartz' au5 Dresden dor- gestellt. Wo? seine künstlerischen Leistungen anbelonqt, so sei bemerkt, daß er die Rolle de? reinen Toren als Sänger und Darsteller richtig erfaßt und ben Intentionen WagnerS gemäß durchgefübtt hat. Mit vorzüglichen Sttmrnitteln begabt, meister­haft tu' Intonation und Aussprache, ein Heldentenor von schier unerschöpflicher Tonftille und Ausdauer, wrrßte er bei seinem Auftritte ureisterhaft die jugendliche Unbefangenheit nnd den reinen, unbefangenen Toren zur Geltung zu bringen. Die tieftnnerliche Auffasftmg dieser eigenartigen Rolle feiten? des genannten Künstler? spricht sich nuch in dem Seelenschmerz aus, den ihm der von Kundrtz mitgeteilte Tod seiner MutterHerzeleids ver­ursacht, sowie in der bitteren Rene über seine Gewalttätigkeit gegen .Knndry. Besonders ergreifend wirkte die Stelle: ,^Ich hab eine Mutter, Herzeleide sie luüsttt^. Bewundernswett hi ar Herr hort Bary in der großen Verftlbrimgsszene de? zweiten Aktes hort dem Augenblick an, wo ihn Kimdry? Knßwissend" macht, wo ihm allmählich zur Klarheit wird, daß Kundrtzs Verführung einst die Ursache der Schuld Amsottos und damit der Entführung des Gral war, wo erdas ftirchtbare (sündige) Sehnen, das alle Sinne mir faßt", empfindet, wo er sich der Enthüllung des GralS im ersten Akt wieder deutlich erinnert, wo er den Helland um Hisse anrnft. Siegreich widersteht er den Lockungen des verführerischen Weibes (KundrvV da? ihn, den Widerstand leisten­den Helden, nun wirklich liebt, ttric ed Amfottas verachtet, well letzterer sich verführen ließ. Auch im dritten Akt brachte der Träger der Titelrolle die Wandlung seines Jrtnern vom irrenden Ritter im düsteren Waffenschmuck bis zu dem mm makellos dastehenden Gralskönig in Mott, Ton und Darstellung in voll­endeter Weife znr Darstellung.

Eine der schwierigsten Rollen ist nnParstfall' der Grals' bofirt Kundrtz zugewiefen. Frau Matte Wittich aus Druden lmt e? meisterhaft verstanden, unterstützt durch ausgezeichnete Stimmittel und eine vorzügliche Schule, da? dämonische W.'ib darzusti'llert. das einiTfeif? nach Erlösnng schmachtet, andererseits durch Klingsors Zanberknnst von Buhlfficht nnd sündigen Lastern beherrscht wird. Wie fir int ersten Akt die raube GralSbotin, die ,,rastlos sch'ue Maad", und das dem °oiiber Klingtzori wider W'U"N verfallende Meid in dramatisch und gesmgff'1» toirffamflcr Weise darzustellen wußte, so schus sic im zweiten Akt eine Figitr brr herführettsck>en Knndry, wir sie Iteffcr und lebrnswaitrer nid>t

Irttimru deS Hause? Vahnfrikb zahlreich eingefunden. Unter ihnen bemerkten wir Humperdink, Glasenapp, Wol- zogen, den Maler Thoma, den in der letzten Zeit vielfach gertanuten Schttftsteller Dr. K o n r a b, der unerschrockene Kämpfer für Wagner? letzten Wunsch, bat ^Parsifal" ausschließlich in Bayreuth aufzuführert, n. a.

^luch bei dem heutigen Begitm der Hauptsestssüele, der Par- sifal-Aufführnrta war der Kunsttempel wieder bis zum letzten Platz besetzt. Eine weihevolle Stimmung liegt über dem Hanse, sobald die erste GralSmelodie, mit der das VorsPiel beginnt, leile und langsam emporschwebt und die sich anrtth-nden feierlichen Akkordfolgrn erkffngen. So kam bernt unter der Leitttng deS Hossapellmeister? Dr. Muck an? Berlin d"S ft^idrte. einfache übersichtlich gegliederte und deshalb so wirssame Vorspiel mit feinen langgezogenen Kcmtllenen, feinen bald heroisch entschlossenen, bald milde bingebenden, bald die Seele von Grund auS erschüttern­den Motiven in ausgezeichneter W"ise zum Vortrag, und als sich der Vorharrg öffnete, war die andächttg lauschende Gemeinde un­willkürlich bereit, mit empfänglichem Herzen sich in die Wunder deS GralS und in die Mvstettm deS religrSfen Musikdramas Parsifal" liebevoll zu versenken.

P a r s i f a l wurde vmt Dr. 1

.. Di.- schwiettgste. eigenartigste Rolle aber ist zweifelsohne hem siechen Gralsköm g A m f o r t a ? zu gewiesen. Herr Kurt Perron aus Dresden, längst eine hochgeschätzte Kraft der Bavreittber Festspiele, eignet sich znr Darstellung de? Amfottas bu'onderS gut. Wie weiß er durch ferne weiche, einschmeichelnde, schmerz- diirchbebte Bantonfttrnme vom Sieckbette aus unser Herz zu rühren! Der Küußler zwingt uns aber durch die Gewalt seiner Darstellung, da? Lttd-n des Königs mitzufüblen: wir entvffnden nn ersten Akt Ine deftige Gewiffeusvein doZ Anifottas bei der Enthullimg des Gral, wir begreifen des Königs Weigerung, des beiligen Amtes zu walten. Und wenn Amsottas, ungeachtet des drängens brr mtaebulbtflra SRittrrfifeft, int brittnt «Ft. bnt v erstehend, sich hartnäckig lyttgeick. den Gral zu enthüllen, wenn er ferne Stimmung zum höchsten dramatffchen Ausdnick oen Schwertern der Gralstttter die offene B-ust darvietet, oann^sind wir auf? tiefste erschüttert, dann fühlen cm M^o^er Künstler, em würdiger Intervre.t der Wagnerschcn .Kunst begegnet ist.

o nnhttmlichen Zauberei* Kling Sor gab Herr Karl ^eidström an? Stockholm mit dämonischer nnd brffmiitffcbrr idiirch eine prächtige Stimme, ungemein deut­liche Aussprache und einer zu dieser Rolle trefflich Mffenbm <tigirr Seine ausgiebigen Stimmittel kamen bei der Beschwör- urt^ Kunorvs zu besonders schöner G<'ltnng nnb Wirkung, wie auch Herr Paul Knuvfer die steine Pattie des Titural in ergreifender Wesse zu Gehör brachte.

Rttzend rtwren wieder daS Spiel nnb brr Lustgesang her crl»mertmädcheu, kräftig Mib toirkung-^voll ertönten die src ber Gralsri tter, in ergretfeuben Hannonien er stangen mlld und rein die Chöre bet Jünglinge nnb Knaben, nnd and) die Darsteller bes ersten unb zweiten Gralstttter sowie der Knappen verdienen mrei,igesd>ränste? Lob

Ridck zuletzt fei he? Orchester- gedacht, das geßern bnrb bestttelende .sssangsdwnheit nnb staunenswerte Ausdnickssäbigkeit es fei n. a. an den Vortrag brr drei Vorspiele unb de? Cdarfreiwgsianders erinnert das Vudlikiim zur Bewundernna und rücklialtlosen Aneickennnng dinriß.

Faß alle hier aiiw'sei'den Kritikei- Berlin Wien Müu ausgesprochen bab Mc bcufige i*r besten fni dein Alüebe,

Zweites Blatt. 154. Jahrgang

Erfcheim ttgllch mit Au-nahm« de- Sonntags. d

Die ^«tehener ^amilieitb lütter* werden dem | 014 All j/F 11

,Anzetger viermal wöchentlich beigelegt. Der MM I K W I I H £ U III Bf B

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