Ausgabe 
25.2.1904 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

idt, Steile Q(g tert''»*

iniiW'ys" i beliebiger Hohe. Cft. i an bie Erpcd. b. Ät

ovtortst ^»g ol?

U «924 tS Ätifo

$ou4äbL$Ql,ie

«S wm

EktibMsijM unb Herren zu jeder M^udwigstr^ mich in §28 ».Alljchkii Anna Tichy.

bekannt, daß ohne iche Anweisung von wnd berechtigt ist, ir mich aus Rech, ntnchmen. Die An- sind den Rechnungen [1866

Liebe

ff'Elgcrshausen.

Nr. 47

Blatt

Donnerstag 35. Februar L804

154. Jahrgang

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt füt den Kreis Eichen

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.7.

Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

DieGiehener ZamillenblStter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^Hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Ale yeutige Dummer umfaßt 10 Selten

Der KaselmarktkomMission zu

.iie cm yivpi* 'v' r , cw < < *i

sonst Zuhörer saßen, einnehmen und daher i|l Nachbarltaaten.

sühn e, wo

der be-

Butzbach ist die Erlaubnis erteilt worben, zu der öffent­lichen Ausspielung von Ferkeln, Rindern, Geflügel und Ge­räten, die mit Genehmigung der hessischen Regierung bei Gelegenheit beS am 17. März in Butzbach slattfinbenben Jaselmarktes veranstaltet werben soll, auch im Kreise Usingen Lose zu vertreiben.

Aus Stadt und Kaud.

Gießen, den 25. Februar 1904.

Sprech st unden der Redaktion: 12__1 Uhr vormittags, V»7V28 U!)r abends.

eS sehr zu empfehlen, sich rechtzeitig mit Einlaßkarten zu versehen, denn selbst der gewaltige Raum der Stadtkirche dürfte bei einem solchen Konzerte unzureichend werden.

r. Kinzenbach, 22. Febr. Auf der hiesigen Dampf- Ziegelei, die bekanntlich auch während der Wintermonate im steten Betriebe ist, herrscht schon seit Herbst eine außer­ordentliche Tätigkeit, indem Tag und Nacht an der Anlage eines Stollens gearbeitet wird. Dadurch soll eine geeignete Verbindung zwischen dem Hauptwerk und dem im vorigen Jahre in der Heuchelheimer Gemarkung käuflich erworbenen Gelände geschaffen werden. Der Tunnel führt von der Sohle der jetzigen Erdgrube quer unter dem Bahndamm und der dabei hinführenden Straße hindurch und erfordert eine Gesamt- änge von 180 Nieter.

)( Grünberg, 23. Febr. Nach einer kreisamtlichen Verfügung ist eS den hiesigen Wirten und sonstigen Brannt­weinausschank betreibenden Geschäften bei Androhung der Konzessionsentziehung untersagt, bestimmten notorischen Trunkenbolden noch weiter Branntwein zu verabfolgen. Der­artige energische Maßregeln gegenüber solchen unverbesserlichen Lumpen, die sich noch obendrein der staatlichen Armen- fürsorge erfreuen, können nut mit Genugtuung begrüßt werden.

u. Laubach, 22. Febr. Der hiesige hochbetagte Kirchen- diener Braun wurde nach 80 jähriger Bekleidung seines Amtes zur Ruhe gesetzt unb diesem von S. Kgl. Hoheit dem Großherzog die silberne MedailleFür treue Arbeit" verliehen.Von jetzt ab wird der Zug 504, ab Gießen 5.50 Uhr, etwa 10 Minuten früher in Gelnhausen ankommen, damit der Zug 213 mit Anschluß nach Berlin erreicht wird.

A. 91 i b b q , 22. Febr. Tie hiesige Ortsgruppe des beutschen Flotten-Vereins hatte auf verflossenen Sams­tag in Krafts Saalbau die Einwohnerschaft Niddas unb der Umgegend zuKinematographlschen Vorführungen" eingc- laden. Schon lange vor dem angesetzten Beginn war der geräumige Saal bis auf den letzten Platz besetzt. 91ach einer kurzen Begrüßung der Erschienenen durch den Präsidenten der hiesigen Ortsgruppe, wurden wir mit denselben Dar­bietungen überrascht, die auch in Gießen so großen Beifall gefunden haben. Zahlreiche Beitrittserklärungen zur hiesigen Ortsgruppe des deutschen Flotten-Vereins zeigte den Erfolg des Abends. Unter den Kindern unserer Stadt herrscht zur Zeit sehr stark der Keuchhusten; nur einzelne Familien sind bis jetzt verschont geblieben. Glücklickerweise tritt die Krankheit nicht bösartig auf.

§ Aus dem Fel datale, 24. Febr. Außergewöhnlich tief sind zur Zeit die Preise für fette Schweine geworben; sie sind heruntergeangen bis auf 35 und sogar 34 Pfg. pro Pfund Lebendgewicht. Diese niedrigen Preise bewegen nicht selten den Landmann, die Hausschlachtungen zu wieder­holen. Die Landmetzger haben jetzt den Preis für Blut- und Leberwurst von seither 80 Pfg. auf 70 Pfg. gesetzt. Eine empfindliche Schlappe hatten die Handelsleute Kälbern auf dem jüngsten Markte zu Franlsurt a. M. er­litten. Sie erhielten dort infolge des Preisabschlags weniger im Verkauf, als sie im Einkauf ausgegeben hatten. Das Pfund Kalbfleisch im Lebendgewicht stand seither bis 43 Pfg., jetzt ist es bis auf 37 Pfg. herabgegangen.

w. Wetzlar, 23. Febr. In unserer ehemaligen freien Reichsstadt, welche auch lange Zeit hindurch der Sitz des Reichskammergerichts war und an geschichtlich hoch inter­essanten Urkundenschätzen sehr reich ist, hat sich ein Ge- schichtS verein gegründet, der die Absicht verfolgt, in gleicher Weise und Hand in Hand mit dem um die Forschung so sehr verdienten Oberhessischen Geschichtsverem in Gießen zu arbeiten. Zahlreiche Meldungen als Mitglieder für den Verein sind bereits erfolgt und man hofft, daß sich unsere Bürgerschaft in weiten Kreisen den Bestrebungen des Vereins anschließen wird.

Vacha i. d. Rhön, 23. Febr. Im Alter von 85 Jahren starb hier Die Baronin Maria v. Jalkener, Wittwe des Prinzen Franz von Hessen- Philippsthal.

W. Frankfurt, 22. Febr. Die am Sonntag nach­mittag hier abgehaltene Vertreteroersammlung der GabelS- bergerschen Stenographen des Main-Rhein-GaueS unb von Hessen-Nassau wählten für bas nächste Jahr als Vorort den Verein Friedberg mit Professor Kramer als Vorsitzenden. Von den Beschlüffen ist als wichtigster der An­trag Winkler-Darmstadt auf Vereinigung der im Verbands- gebiet wirkenden Verbände hervorzuheben. Zur Zeit bestehen im Großerzogtum Hessen 48 Gabelsbergersche Stenographen- Vcreine mit 1550 Mitgliedern und 1184 im Vorjahr neu Unterrichteten (davon 603 an Lehranstalten); daneben be­stehen 31 Stolze-Schrcysche Vereine mit 615 Mitgliedern und 509 Unterrichteten (davon 184 an Lehranstalten).

Hanau, 22. Febr. Nachdem die maßgebende Behörde es abgelehnt hat, zu der im vorigen Jal)re beantragten Ein­führung desfakultativenLatein-Unterrichtsin den drei oberen Klassen der hiesigen Oberrealschule unb zur Ablegung der Abschlußprüfung in diesem Fach an der Anstalt selbst ihre Zustimmung zu geben, hat das Kura­torium der Oberrealschule beschlossen, diesen Antrag erneut bei der Aufsichtsbehörde einzubringen. Für den Fall, daß der Antrag auch diesmal verworfen werden sollte, soll der Frage der Umwandlung der Schule in ein Realgymnasium näher getreten werden. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß bereits auf Antrag des Stadtverordneten Dr. Wagner, den Magistrat zu ersuchen, Grundlagen und Beur­teilungsmaterial betressend die eventuelle Uniwandlung der Ober-Realschule in ein Realgymnasium zu beschaffen.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den

Kine Krügeifzcve im K-tcl.

Köln, 22. Febr.

Bor der zweiten Strafkammer des hiesigen Landgerichts gelangte heute das gerichtlic» e Nachspiel zu der Prügelszene zur Verhandlung, die sich im März vorigen Jahres im (Safe Monopol abgespielt hat. Am 22. März v. I. befand sich der EiniährigsrerWillige Kretzer in Begleitung seines Bruders und mehrerer Belannteu in dem Cafe. Beim Ver­lassen des Lokals erblickte Kretzer einen anderen Einjährigen seines Regiments und setzte sich no<t einen Auaenbück an dessen Tisch Hierbei behielt er seine Mütze auf dem Kopfe. Leutnant Bruns, der in Zivil war, rief Kretzer heran und bezeichnete es als ungehörig, in einem anständiaen Lokal mit dem Hute auf dem Kopfe dazusitzen. Bruns soll laut hinzugefügt haben:Unverschämter Lümmel, Flegel" usw. Tas Publikum nahm sehr erregt Partei für den Einjährigen, dem man zuries, daß er sich das nicht gefallen lassen solle. Der Bruder des Einjährigen, Kauf- mann Kretzer, ersuchte den Leutnant, mit ihm hinauszu­kommen; Bruns leistete der Aufforderung sogleich Folge; ehe es draußen aber zu einer Aussprache gekommen war, wurde Bruns von einer Anzahl Herren gest0 ßen und geschlagen. Gegen die Hauptbetelligten an dieser Schläge-ei: die Kaufleute Th. Steiner und Dahlhausen und den R. .^reibesitzer Drescher wurde Anklage wegen gemin-, samer Körperverletzung erhoben.

Aus der Verhandlung heben wir folgendes hervor:

Drescher: Ter Leutnant ging auf den Einjährigen zu, riß ihn an der Schulter in die Höhe. Ter Einjährige sprang sofort auf uno schlug die Hacken zusammen. Dabei siel der Stuhl um und einer Dame am Nebentisch auf den Fuß. Ter Leutnant schnauzte den Einjährigen in einer Weise an, wie man es sonst nur auf dem Kasernenhofe gewöhnt ist. Tas Publilum zeigte sich sehr erregt, und ich rief, daß das eine Unverschämtheit ohne­gleichen sei. Tie Schlägerei dauerte etwa eine halbe Stunde. Dabei gebärdete sich der Leutnant wie ein wildes Tier, schlug und stieß um sicb und lärmte. Auch bei der Rückkehr in den Saal rempelte er noch ver­schiedene Leute an und sagte näselnd: ,Lhren Namen will ich wissen!" Ter Angeklagte bestreitet, selbst geschlagen zu Haven. Er habe sogar dem Leutnant, der nur noch mit Hose und Hemd bekleioet war, den Rock übergeftreift, da­mit er niajr in diesem Aufzug auf die Straße kam, wo Damen fianben.

Stuoiojus Freiherr v. Trergardt (Bonn): Bruns sei angeheitert gewesen. Ein Herr habe zu ihm (Zeugen) gesagt:Wenn Sie nicht sofort das Lokal verlassen, geht es Ihnen ebenso wie den anderen!" Er (Zeuge) habe nämlich geäußert:Einen solchen Mensck-en sollte man fordern I"

Der nächste Zeuge ist der frühere Leutnant Bruns, jetzt Studiosus in Tübingen. Er sei von einem Kameraden auf das Verhalten eines Ein­jährigen, der mit der Mütze auf dem Kopf dasitze, auf- merijam gemacht worden. Aufsehend, habe er bemerkt, daß es ein Einjähriger seiner Batterie war. Ta er aus­treten wollte, habe er die Gelegenheit benutzt, an Kretzer oorbeizugehen unb ihm zu sagen, er solle die Mütze ab» nehmen. Ter Einjährige sprang sofort auf und sagte: Zu Befehl, Herr Leutnante" Als ich von draußen zurück- lam, sah ich mich nochmals nach Dem Einjährigen um, ob er meinen Befehl auch befolgt habe.

Präs.: Sie sollen Ausbrüae wieLümmel",Unver­schämtheit" oderFlegel" gebraucht haben.

Zeuge: Ich pflegte solche Worte zu Einjährigen nie zu gebrauchen. Ich habe die Zurechtweisung für ganz be­langlos gehalten. Ais der Bruder mich nachher hinaus- forderte, wußte ich garnicht, was er wollte. Ta wurde ich von hinten gepackt und gestoßen, daß ich an die gegen­überliegende Wano flog. Icü Wurde geschlagen und ge­stoßen, sodaß ich garnicht zur Besinnung kam. Sehen konnte ich nicht, wer schlug, denn ich Wurde auf Stirn und Augen geschlagen. Auf Befragen gibt Bruns über die gegen ihn eingeleitete Ehrengerichtsoerhandlung an, daß gegen ihn auf Verwarnung und auf Abschied wegen nicht Erhaltens der Satisfaktion er­kannt worden fei. Bruns bezeichnet Kaufmann Schüller als einen derjenigen, der ihn geschlagen. Dieser Zeuge habe nachher auch gesagt:Für luO Mark verhaue ich jeden Offizier!" Der Zeuge Sa/ulier bestreitet dies.

Tirettor Roth macht verschiedene Angaben über bie Vorgänge. Ich glaube, daß der Portier, em baumstarker Mann, den Leutnant umfaßte und hinaustrug.

Rechtsanwalt v. Coellen: Einige Zeit vor diesem Vorfall soll sich Leutnant Bruns auch schon in der Probier­stube von Faling der Frau Kramer gegenüber sehr un­passend benommen haben, indem er die Tarne aniprach unb ihr zumutete, ihn zu besuchen. Tie Frau war em­pört Darüber, und mackste sofort ihrem Manne davon Mitteilung.

Bruns et Härt, daß er seine Aussage verweigern wolle.

Nach Schluß der Beweisaufnahme erhielt Staatsanwalt Rose das Wort: Aus Der Beweisaufnahme hat man den Eindruck gewonnen, daß eine ganze Anzahl Personen ge­schlagen hat. Tas Verhalten deS Druns War durchaus unpassend unb unrichtig. Tas versehen bei Einjährigen war kein großes. Für ÄrunS lag lein Anlaß vor, ihn im Lokal zureostzuweisen, umsoweniger, als er selbst in Zivil war. Tie Form der Zureastweisung War ungehörig. Aber bai berechtigte nicht, Bruni in so niedertrachtiaer Weise zu Mißharideln. Bet der Straf abmessunA bitte ich beiden lüngetiugten mildernde Umstände ju^umefien und daher nur au| Getoprafe zu erkennen, Werl sie einmal angetrunken waren, unb well eine berechtigte Erregung ihre durch

Aayrrijche MuyUesotm.

M ü n ch e n, 24. Febr.

Kammer der Abgeordneten. In der fortge­setzten Beratung meint Frhr. v. P 0 d e w i ls, die Schaf jung Demeter Wahlkreise ent.preche dem Wunsche aller Parteien. Banner (lib.) ruft: Das ist nicht wahr! Präsident von Orter er bezeichnet diesen Zwiichenrus als unKulassig. Beckü (fr 23a.) lehnt den Entwurf ab, damit die historische Stellung des Bauernstandes nicht zu Gunsten der Städte und der Sozialdemokratie beeinträchtigt werde. Schließlich wirb ein Antrag Daller auf Schluß der General- bidtuhion durch bie Stimmen des Zentrums angenommen. Tie Spezialdistussion beginnt morgen.

* Joh Seb. Bachs Matthäus-Passian (in Sfabtfiidje am 4. März). Es ist anzunchmcn, daß die vorstehende Ausführung sich von den vvrvngrgnngcnen wesent. nch unterscheiden wird. Noch niemals ift füc ein Oratorium ein, so zahlreich- Mitglieder zählender. Chor von gleicher Leist,,ngbsähigkeit zu,auun°ng-tr-t-n. Die veremigten Chäre aeS Akademischen Gesangvereins und des Euan- gelisch en Kirchen-Gesang Vereins übersteigen die Zahl 200 an Sängern und Sängerinnen ganz wesentlich, dazu lommt ein, säst in allen Stimmen doppeltes Orchester so daß dies eine musikalische Körperschaft von nahezu 800 Mitwirkenden ergibt. Mit solchen Masien erzielt man «räsicre Resultate, als mit den bisher zur Verfügung ge­standenen Kräften, das ist unbestreitbar und dann durste rooljl Niemand einen Zweifel ftb-n. «'ne solche Vereinigung kann selbstredend aus der Orgel bühne allem Nicht unter, -ebracht werden, ein grober Teil derselben muß die Empor.

VoUlische Tagesschau.

Gegen die Automobile.

Ein Berliner Mitarbeiter schreibt uns unterm 24. d. M.:

Tie Automobile haben sich mißliebig gemacht. Im Reichstag, im preußischen Herrenhaus unb heute auch im preußischen Abgeordnetenhaus ist oie Regierung kräftig an­geregt worben, gegen die gemeingefährlichen Ausschreit­ungen des Automobilsports vorzugehen. Es ist aber auch gar zu arg getrieben Worben von gewissen Automobil- Rasern. Ter leidenschaftliche Ehrgeiz, in der Schnelligkeit Rekords zu erzielen, scheint vielfach jegliche Rücksicht aus­zutilgen und zu einer Bewertung von AMenschenleben zu führen, als ob es sich um einen fast selbstverständlichen Tribut von Opfern des Sports handele. Beispiele von Roheit sind heute im Abgeordnetenhaus von dem Abg. Seh del (ntl.), der eine besondere Sammlung solcher Be­richte angelegt hat, zitiert worden, baß allgemeine Ent­rüstung das Haus beherrschte. Ada. Gamp (freitonf.) hob hervor, daß seine Frau nur mit Mühe unb Not bem Tobe durch das Automobil entgangen fei, unb knüpfte baran die erregte und berechtigte Frage:Und ba soll ich noch ruhig sein?" Herr Gamp konnte diese Frage aufwerfen zugleich im Hinblick auf die Erklärung der Regierung. Jupizminister Schönstedt faßte die Sache doch etwas zu sehr Dom Beschwichtigungsstandpunkt auf. Er meinte, vor allen Dingen fei eine größere Vorsicht des Publikums erforderlich. Tie Regierung habe ernstlich die Frage er­wogen und sie werbe, wenn es sich als notwendig erweisen sollte, gesetzlich Maßregeln in Vorschlag bringen. Einen im Breslauer Bezirk passierten, tödlich verlaufenen Fall, den Prinz Schön aich-Carolath im Herrenhaus er­wähnt hatte, stellte der Minister als den Umständen nach sehr milbe bar (der Automobilfahrer war nur zu acht Tagen Gefängnis verurteilt worben). Tas Automobil sei mit LO Kilometer Hochstgeschwindtgleit gefahren, vorschrifts­mäßig beleuchtet gewesen, der tödlich Verletzte und dessen Begleiter hätten sich in nicht nüchternem Zustande befunden. 60 Kilometer Geschwindigkeit ist ungefähr die Durch sch nitts-- geschiouibigleit der meiftcn deutschen Schnellzüge. Nun mache man sich eine Vorstellung davon, ob es selbst einem vollständig Nüchternen möglich Wäre, sich vor einem so rasch dahinsausenden Fahrzeug in Sicherhell zu bringen. Auch bie Lokomotiven sindvorschriftsmäßig beleuchtet"; trotzdem Wirb niemand, der sich nicht töten lassen will, ben Weg über die Bahnschienen wagen. Tiefe Geschwindig­keit aus Landstraßen ist eben eine bei weitem zu große. Von einer besonderen Ausbildung der Automobilführer, von einer Prüfung im Fahren, beides Mittel zur Abhilfe, die der Minister als erwägenswert anführte, versprechen wir uns sehr wenig. Tas sind unzulängliche Maßregeln. Zunächst ist zu verlangen, daß die erlaubte Fahrgeschwindig­keit, soweit es sich nicht um Wettrennen auf geschützten Plätzen handelt, durch die Behörden ganz erheblich, einge- schränkt wirb. Sodann muß bie Anbringung von Appa­raten an ben Automobilen vor geschrieben werben, bie eine uuzwei,elha,te Fejistellung der Fahrgeschwindigkeit bei Nach- prusungen ermöglichen. Der Justizmiuister sprach von dieser Automobilkontrolle; sie sollte unseres Erachtens unverzüg­lich ins Werk' gesetzt werden durch Erprobung der hierfür erfundenen Vorrichtungen. Einer Verschärfung bedürfen endlich die zivilrechtlichen unb strafrechtlichen Bestimm­ungen. Tem Automobilsport in berechtigten Grenzen Wirb Mit solchen Forberungen tem Abbruch getan werben. Aber selbst wenn es geschähe, so Wiegt ein Menschenleben un- endlich mehr, als aller Sport. Der Antrag Seybel au bie Regierung, gegen die Automobilsport-Ausschreitungen vor­zugehen, sand einstimmige Annahme.

«Upttl »"

Uaise, 150006 M bev. (lliar., baust eg., hin. edeld.pemi.w.a. Äerm.,D verh. Lss.u. Berlind.0.26. 'Jiiidp.

11602)

tauscht'9

Müsimi Ml SiVbw riMtz.lüLmnlMn'. erb. ReuenBaue 17.

nblügclaufcu.

HaangerRailenpmM auch jufleiauieu. M er (rbelfnaBe 32, II.

chöoe

ui äitiiüi*1 lft Tenlsche Eiche, Bem- »SZ:

ÄHHte

nttiiiia

illl.iMtttttin).

>g dcu 27. d. Mts., 8-, l^r begmM

61*11.,.

zBx-