225 Drittes Blatt. 154. Jahrgang Samstag 24» September 1904
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. O * " "*
-- A. jA aa Rotationsdruck und Verlag der Brühl »sch«
Die „Sietzener Famillendlatter^ werden dem ß D Ä D g fei jf pF1V Unwersitatsdruckerei. R. Lange, Gieß«.
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.
VaiMsche Tagesschau.
Genoffe Dr. Südekum hat es durch die llnterftüijung, die er der Prinzessin Luise von Koburgauf ihrer Flucht gönnte, mit dem radikalen Flügel der sozialdemokratischen Partei völlig ver- d o r b e n, wie sich aus den saftigen Sarkasmen ergibt, die ihm Die „Lechz. Volksztg." widmet:
Bürger Mert Südekum, Volksvertreter und Ritter hoher Prinzessinnen, scheint sich auf Grund seiner neuesten Heldentaten bereits als angchender Oberhofmar- schall des Zukunftsstaates zu stählen. Auf dem Parteitag geberdete er srch als kundiger Zeremonienmeister der Parteisitten und des „guten Tones" und machte eine kleine Anleihe an die bon mots von Tresden. Er meckerte etwas über — äh, äh — „psychologische Rätsel", deren mir — äh, äh — „noch mehr in der Partei haben" Pikant, was? Fabelhaft patent! Beinahe Serenissimus' „Psychologische Rätsel" sind ja nur in plebejischen Regionen zu finden, wo die Wonnen des Lackstiefels und Kravattensports aufhören und man sich nicht immer strebend bemüht, sich von einer Märchenfee erlösen zu lassen, und nachher selbst als moderner Dornröschen Prinz politisch zu debütieren; wo man auch mit kargem Pfunde nicht zu wuchern versteht und wo den Weltmann alles rätselhaft, unheimlich, unpsychologisch berührt. Erst in den höheren und höchsten Sphären der Menschheit fängt das psychologische Verständnis des Bürgers Südekum zu funktionieren an. Ta droben auf den verklärten Höhen der Gesellschaft ist alles durchsichtig helle, „und um sein ganzes Wesen wird's unaussprechllich Hüt". Kein Wunder, daß ihm auch Scbippel immer unheimlicher wird. Ter Mann ist offenbar „gebildet", ein moderner Mensch und kein „Prolet". Aber äußerlich sieht man ihm das gar nicht an. Er sieht aus, wie ein Ausschnitt aus einem Modejournal von vor 40 Jahren, kleidet sich wie ein Landpfarrer in fchwarzem Gehrock und Papierkragen. Ein psychologisches Rätsel! Es wird Zeit, daß die internationale Revolution der Stehkragen, Gigerlwesten und Schnabelschuhe blutigrot am Horizont aufsteigt und Bürger Südekum GeneralgarderobierdesZukunfts- st a a t s wird. Sonst gibt ihm die Partei noch weitere „psychologische Rätsel" auf.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 24. September 1904.
** Prämiierung. Bei der vom 17. bis 19. d. Mts. in Bechtheim stattgehabten Verbands-Junggeflügelausstellung für Rheinhessen in Vereinigung mit der IV. Iunggeflügel- schau des landwirtschaftlichen Provinzialvereins erhielt Herr Friedrich Becker zu Gießen für GoldwyandotteS einen ersten und rebhuhnfarbigen Italienern einen ersten Preis.
. g. Burgbracht, 22. Sept. Im unteren Dörfchen würde heute die Feuerwehr zur Abwehr einer starken Zigeunerbande alarmiert. Die Bande war vor dem Dorfe vom Bürgermeister und vom Polizeidiener aufgefordert worden, sofort abzuziehen. Die Zigeuner ließen dies aber unbeachtet und versuchten, mit Gewalt in das Dorf zu dringen. Bei dem Herannahen der Feuerwehr nahmen sie jedoch schleunigst Reißaus.
Offenbach, 23. Sept. Ein dreister Einbruch ist gestern nachmittag in einem Hause an der oberen Luisen- straße verübt worden. Die betreffende Familie war den Tag über verreist und hatte an der Tür einen Zettel zurückgelassen mit dem Vermerk für den Milchmann, daß keine Milch gebraucht werde. Ein Gauner, der das gelesen, hat sich die Abwesenheit der Anwohner zunutze gemacht und ist mittelst Nachschlüssels in die Wohnung gedrungen. Er hat außer barem Geld auch Wertpapiere im Betrage von etwa 3 00 Mark erbeutet. (O. Z.)
Sc. Kassel, 23. Sept. Die Königs. Ansiedelungskommiss io für Posen und Westpreußen wird am 1. Oktober hier eine Geschäftsstelle errichten. Der Zweck der Königl. Ansiedelungskommission besteht bekanntlich darin, den Osten unseres Vaterlandes mit deutschen Bauern zu besiedeln und damit einen festen Wall gegen die drohende Uebermacht des Polentums zu schaffen. Bedeutende Mittel hat der Staat für diesen Zweck aufgewandt, der jedoch nur ganz und voll erfüllt werden kann, wenn die geeignetsten Leute als Ansiedler verwandt werden. Unser ehemaliger Oberpräsident Graf von Zedlitz-Trützschler, der, bevor er Minister wurde, Präsident der Königl. Ansiedelungskommission war, bezeichnete einst die mitteldeutschen (d. h. hessischen Bauern) als diejenigen, welche sich am geeignetsten zur Ansiedelung in dec Oftm a r k eignen würden. Die Leitung der Geschäftsstelle für Heffen und Nassau ist Herrn Wilhelm Schaumburg in Wilhelmshöhe übertragen worden. Dieser wird demnächst eine Vortragsreise durch Niederheffen unternehmen und Vorträge über die Tätigkeit der Königl. Ansiedelungskommission halten. Die Geschäftsstelle erteilt jede Auskunft in Ansiedelungs-Angelegenheiten, Erwerb des Landes, Boden- und Witterungsverhältniffe usw. Ansiedelungslustige mögen sich daher an die hiesige Geschäftsstelle wenden. Bemerken wollen wir noch, daß bis jetzt etwa 15 hessische Familien in derOstmark angesiedelt wurden. Dieselben bilden die hart an der russischen Grenze gelegene Gemeinde Ost wehr im Kreise Jnowrazlaw und ühlen sich in ihrer neuen Heimat recht wohl.
76. Versammlung
der deutschen Matursorscher und A^rzte.
Breslau, 21. Sept.
In der Abteilung für Agrikulturchemie mtb landwirtschaftliches Versuchswesen berichteten Professor v. Fcllitzcn-Jönköping, Tr. Otto Proskau und Dr. Bartsch-Breslau Über vergleichende Düngungsversuchc mitSal- peter stick st off, Ammoniakstickstoff und K'alkstick- stoff (Calcium cnannmib1- Die iibcr kurz oder lang bevorstehende Erschöpfung der Lager von Chilisalpeter in der Wüste Atacama hat zu zahlreichen Versuchen geführt, neue Stickstoffquelleu für die Zwecke der Tüugnng zu erschließen. Tas interessanteste Ergebnis dieser Bestrebungen ist die Herstellung von Calcium
cyanamid, welcher Stoff im Boden seinen Stickstoffgehalt in Form von Ammoniak fteigibt. Es handelt sich also um die Frage, ob das Calcium cyanamid für Tüngungszwecke verwendbar ist, und bamit tritt die schon seit Jahren erörterte Frage, ob Am- momakdüngung der Salpeterdüngung gleichwertig ist, wieder in den Vordergrund. In der Form des „Kalkstickstoffes", einer vor- aussichtlich für landwirtschaftliche Zwecke genügenden rohen, un- reinen Qualität des Calcium cyanamids läßt sich das Ammoniak billig genug darstellen, um nach Lösung der grundsätzlichen Frage eine wirtschaftliche Verwendung als Tünger zu gestatten. Nach dem Ergebnisse . der drei vorgenannten Berichte und der sich anschließenden Besprechung kann es nun keinem Zweifel unterliegen, daß dieser neue Stickstoffdünger auf den meisten Bodenarten dem schwefelsauren Ammoniak (das aus dem Gaswasser der Gasanstalten gewonnen wird) nicht und dem Chilisalpeter nur wenig nachsteht. Nur sind bei seiner Ansicht mehrere Vorsichtsmaßregeln innezuhalten. Ter Kalkstickstoff muß mindestens vierzehn Tage vor der Aussaat gestreut werden, weil er sonst die Keimfähigkeit und Keimkraft der Saat ungünstig beeinflußt. Er darf nicht in zu großer Menge (nicht über drei Zentner für den Morgen) angewandt werden und als Kopfdünger überhaupt nicht, weil er die zarten jungen Pflanz cu »eicht schädigt, wenn nicht gar tötet. In Moorböden und namentlich Hochmoorboden eignet sich Kalkstickstoff nicht, und überhaupt wird es bei der Neuheit der ganzen Sache gut sein, sich bei Tüngung mit Kalkstickstoff möglichster Vorsicht zu befleißigen.
Tr Klü ger-Halle a. S. wandte sich gegen die Ansicht, als könne der Stickstoff von den Pflanzen nur in Form von Salpetersäure ausgenommen werden. Auf Grund eigener mehrjähriger Versuche behauptet er, daß das schwefelsaure Ammoniak, ohne vorher einen Nitriftkationsprozeß durchgemacht zu haben, von manchen Kulturpflanzen unmittelbar ausgenommen wird. Und zwar nehmen Hafer, Gerste und Senf den Ammoniakstickstoff ebenso direkt auf, wie den Salpeterstickstoff. Rüben dagegen brauchen Salpeterstickstoff; die Rübe ist eine spezifische Salpeterpflanze. Kartoffeln wiederum vertragen Älmmoniakstickstoff nicht nur, sondern verwerten ihn mindestens so gut wie den Salpeter- stickstoff. Aber an den Kulturpflanzen liegen Versuche noch nicht vor. Vortragender berichtete ferner über seine Untersuchungen betr. die Schädlichkeit der Nebensalze in den Kalidüngemitteln und im Chilisalpeter und stellte u. a. die Tatsache fast, daß das salpetersaure Natron, ohne zuvor in seine Bestandteile zersetzt zu sein, die physikalische Beschaffenheit des Bodens nicht schädigt,, nach seiner Zersetzung aber und nach der Aufnahme des Stickstoffs durch die Pflanze nunmehr als kohlensaures Natron die, krümlige Bodenbeschaffenheit in eine krustige umwandelt.
In der Slbteilung für gerichtliche Medizin sprach Tr. Placzek -Berlin über Erkennungsmerkmale der Musiker. Er hat eine große Zahl Berufsmusiker und Dilettanten auf die Spuren untersucht, welche die jeweilige musikalische Betätigung an der Hand, den Knochen, Gelenken, Fingernägeln usw. hinterläßt, nm so die Frage zu beantworten, ob solche Spuren für den forensischen Identitätsnachweis ausschlaggebenden Wert haben können. Er kommt zu dem Ergebnis, daß sie zwar entstehen können, nicht aber entstehen müssen. Ob das geschieht, und wie es geschieht, hängt von der Quantität der musikalischen Betätigung ebenso, wie von der Individualität des Spielers ab. An daktyloskopischen Bildern erläuterte Vortragender den etwaigen Sitz der Tingarschwielen, ihre Ausdehnung, die Veränderung der Finger- und Nagelform, die Deviation (Auswucherung) der Fingerglieder, sowie etwaige^Knochenverdickungen, wie sie bei Musikern entstehen können, die-Streichinstrumente und Klavier spielen. Forensisch ist ihr Wert gering. Ihr Nichtvorbandensern spricht nicht gegen den Mnsikerbernf, ihre Art und Lokalltät ist nickst eindeutig genug, um Rückschlüsse auf das Instrument zu gestatten, und über ihr postmortales Bestehen wissen wir nichts.
In derselben Abteilung sprach Tr. L. Bri eg er-Berlin über hydrotherapeutische Erfahrungen bei einigen Nervenkrankheiten mittels des exakten Wasserheil- versahrens. Er wendet sich gegen von Strümpells Ansicht, daß ber Nervenschwäche (Neurasthenie^ der psychische Faktor das bei weitem wichtigste und einflußreichste Moment der ganzen Behandlung sei. An der Hand von hydrotherapeutischen Erfahrungen ber der Behandlung der so quälenden neurasthenischen Einzelsymptome (Kopfdruck, Schlaflosigkeit usw.) sucht Vortragender zu bewerfen, daß. eben nur dre hydriatifche Behandlung, unter jtrenger Berücksichtigung der physiologischen Gesetze und der Reak- ttonssahrgkeit des Organismus, heilsam wirken kann. Tie Er- ftlge der Hydrotherapie bei 'Nervenschwäche und anderen sog. Neurosen ^Hysterie, Migräne, nervösen Störungen des Herzens und der L>exualfphäre usw.) ließen auch eine Einstige Einwirkung der Hydrotherapie bei den eigentlichen psychischen Erkrank- ungen erwarten, die sich auch bei schweren Melacholikern, Mania- kalischen und beginnender progressiver Paralyse vielfach erfüllten, jörieger sucht in einem kurzen Rückblick auf die hydriatisck>e Behandlung organischer Erkrankungen des Zentralnervensystems, sowie bet peripheren Nervenerkrankungen (Ischias mrd andere Neuralgien) nachtzuweisen, daß die Hydrotherapie mehr als bisher von den Aerzten praktisch verwertet werden sollte, ohne daß man deshalb in dem Wasserheilverfahren so eine Art llniversalmittel erblicken dürfte, wogegen der Vortragende misdrücklich Verwahrung einlegt .
In dem geustssermaßen ebenfalls' als Mteilung der Versammlung tagenden Teutscken Verein ftir Bolkshygiene sprach Tr. Rudolf L ennho ft -Berlin über Staat, Gemeinden u n d soziale Körperscha ft en als Förderer der individuellen Gesundheitspflege. Wie sehr auch Anfall-, Kranken- und Invalidenversicherung, Gewerbeaufficht usw. dem Individuum die persönliche Fürsorge für sein körperliches Wohl abnehmen, wie weit auch der soziale Gedanke sich ver- wirflichen mag, es gibt eine Grenze, bis zu welck>er die Fürsorge für das Individuum reichen kann. Innerhalb dieser spielt sich gerade die individuelle Gesundheitspflege ab. Tie Tatsache aber, daß man innerhalb dieser Grenze dem Individuum seine Freiheit läßt entbindet es nicht von der Verantwortung gegenüber sich sell»st, seiner Familie und der Oeffentlichkeit. Vielmehr muß mit der Ausbreitung des Derantworttmgsgefühles der Gesamtheit gegenüber dem einzelnen, auch das Gefühl der Veranttuort- ung .deS einzelnen gegenüber der Gesamtheit Schritt halten. Dem kann der einzelne aber nur nachkommen, wenn die von ihm unabhängigen allgemeinen Zustände ihm die Möglichkeit gewähren. Mso hat die Oeffentlichkeit, vertreten durch Staat, Gemeinden und soziale Körperschaften, die Pflicht, entsprechende Einrftlst- ungen und Zustände zu schaffen. Es ist daher zu ermitteln, wo die Oeffentlichkeit fördeimd eintritt und wo noch eine Förderung notwerrdig und ausführbar ist. Redner geht nunmehr die einzelnen Zweme der individuellen Gesnudheitspflege eingehend durch im Sinne der vorstehenden Neberlegungeu. Um sich und die Familie gesund zu erhalten, bedarf der Mensch eines Minimums von Nahrung, Wohnung und Kleidung; um diese zu ermöglichen, bedarf es gesetzlicher Bestnunmngeu, daß kein Arbeitgeber niedrigere Löhne zahlen darf, als entsprechend i den örtlichen Verhältnissen zu einem Existenzminimum notwendig sind. Um dieses auch bei Arbeitslosigkeit sicher zu stellen, bedarf es der Arbeitslosen-Versichernng: die schon jetzt durch Die staatlichen Dersichernngszw'eige gewährleisteten Unterstützungen bei Krankheit und Invalidität fiub unzureichend. Damit Zubereit'
UN«. Ou-rlttät brr sesundheitsschädlich smd. be.
stehm zum Teil od.r smd auAudehueu SEHaltuugsschuIerr und Nahrungsmettel-Koutrollc. Behr zu verurteilen ist datz durch die neuesten Seftimmuitgen deK Fleischbeschau-Gesetzes die Gesundheit der NahrungLnnttet Mieder in Frage gestellt wird Bezüglich gemndh-itsgcmatzer Meldung ist von der Einwirkung der «chulärzte, besonders auf die Mädchen (Korsetts usw) man. ch-s ru «"warten, erweiterter Bestimmung^ über
einen Wechsel Don Arbetts- und Ausgehlleidung in gewerblichen Betrieben. Auch müssen, wie z. B. in manchen Bergwerken, Vorrichtungen getroffen werden zum Trocknen durchnäßter Kleidung überall, namentlich da, wo gezwungenermaßen auf längere Zeit viele Menschen sich aufhalten müssen, wie z. B. in den Schulen. Eingehend bespricht Redner die für gesundheitsgemäßes Wohnen notwendigen Bestimmungen, sowie die durch die Kommunen zum Teil geschaffenen, teils neueinzurichtenden Gelegenheiten zur speziellen Körperpflege und Erholung, wie Volksbäder, ParV und bergt Ferner die Schaffung von Gelegenheiten, außerhalb der Wohnungen Nahrrmg und Erfrischungen zu erhalten, ohne zum Alkoholgenuß gezwungen zu sein. Nur wenn die öffentlichen Instanzen alle diejenigen Einrichtungen getroffen haben, die erst eine individuelle Körperpflege ermöglichen, kann die Belehrung wirksamen Nutzen stiften, die setzt von Staats wegen (z. B. Merl> blätter des Reichsgesundhritsamts) oder durch volkstümliche Bw- schüren und Vorträge von selten der Krankenkassen, insbesondere aber von feiten des Vereins für Volkshygiene vermittelt wird.
Breslau, 23. Sept. In der heutigen letzten Sitzung des Naturforscher- und Aerzte-Kongresses verlas der den Vorsitz führende Profeffor Tr. Ladenburg das Danktelegramm des Kaisers. Nach Erledigung der auf der Tagesordnung stehenden Vorträge dankte Prof. Chiari-Prag allen an dem Kongreffe beteiligten, der Regierung, der Universität und der Stadt. Tann schloß Professor Ladenburg den Kongreß.
Kaudcl und Mcrkeyr. Molkswrrlschäft.
Verstaatlichung des Bergwerks Hibernia. Der Aufsichtsrat der Hiberniagesellfchaft wird nun dem Antrag der Tresdener Bank resp. des Geheimrats Müller und Konsorten, eine neue Generalversammlung einzuberufen, statt geben, aber mit einer anderen Tagesordnung, als sie von den genannten Herren vorgeschlagen wurde. Sie will nochmals über das Verstaatlichung^-' angebot der Regierung abstimmen laffen, ganz einfach weil sie weiß, daß die. Verstaattichungsgruppe die hierfür erforderliche Trer- Viertelmehrheit nicht airfbringen kann, also die Ablehnung des Aittrages auch nicht dem geringsten Zweifel unterliegt Sodann hat sie auch nicht gegen die beantragte Erhöhung der Höchstzahl. der Auffichtstatsmitglieder, die demgemäß nach dem Willen btt Dresdener Bankgruppe mit einfacher Majorität beschloffen werden wird. Schon die praktische Benutzung dieses Antrages, der die Wahl von Regierungsvertretem in den Aufsichtsrat bezweckt, soll verhindert werden dadurch, da^ die weiter beantragte, daran anschließende Wahl von Auffichtsratsmitgliedem abgelehnt wird, bis eine durch die Eintragung in das Handelsregister rechtswirksam gewordene Abänderung des Statuts vorliegt. Vor allen Tingen handelt es sich für die Hiberniaverwaltung darum, Zeit zu gewinnen, wie die „Fr. Ztg." bemerkt, vielleicht bis die schwierigste und unbestrfttenste Frage, die der Kapitalserhöhung, um die beEnnnten 6Vs Mill. Mk. gelöst ist. Würde über diesen Antrag wie von den VerstaatlichungsfteuTiden beantragt, in der neuen Versammlung nochmals beraten werden, so würde sie mit einfacher, Majorität natürlich die Aufhebung des letzten Generalversamm- lungsbeMufses und die Wlehnung der Erhöhimg durchsetzen. Tie Verwaltung begründet ihre Weigerung, diesen Antrag ans die Tagesordnung zu setzen, mit dem Hinweis darauf, daß die Tresdmer Bankgruppe ja bereits den Rechtsweg zur Anfechtung beschritten habe, der Erfolg nunmehr abzuwarten sei. — Bei der ganzen Angelegenheit scheint es überhaupt nur noch auf den „Erfolg" anzukommen, und auf wessen Seite dieser schlleßlich liegt, wird man vielleicht erst in Wochen, wenn nickt erst in Monaten erfahren.
Herne, 23. Sept. (W. B.) T er Vruttoüberschüß der Berg- Öibernia betrug im August 1904 816 540 Mk., gegen 815188 im Vormonat 900 476 Mk. im August 1903.
Kenchtssaal.
Eine für Radfahrer interessante Entscheidung hat kürzlich das Oberlandesgericht gefällt. Eine Frau I. war mit ihrem Fahrrad auf einer öffentlichen Straße gefahren, ohne daß das Rad vorschriftsmäßig angemeldet und mit einer Nummerplatte versehen war. Tie Angellagte wurde durch Strafbefehl des Amtsgerichts W. wegen des Fahrens ohne Nummerplatte zu einer Geldstrafe von 2 Mk. verurteilt. Tiefe Strafe wurde auch angenommen. Dagegen hatte die Angeklagte gegen einen von der ^^ltungsbehörde erlaffenen Strafbescheid wegen Nichtanmeldung
Rades und Nichtenrrichtung der Stempelabgabe rickterlick)e Entscyeidung angeruicn. Tav Schöffengeiücht erklärte bann auch bie letztere Strafverfolgung für unzulässig. Tie Venrfung des Staatsanwalts hiergegen wurde vom Landgerickst als unbegründet verworfen. Tie beiden Gerichte nahmen an, daß eS sich bei beiden Magen um eine einzige strafbare .Handlung, nämlich dc^ Fahren auf einer öffentlichen Straße ohne Wahrung ber gesetzlichen Erfordernche handle. Tas Oberlandesgerickt hob wdock das Urteil auf und verurteilte die Angellagte in eine Ordnungsstrafe von 1 Mk. Tas Oberlandesgericht nahm eine selbständige Handlung gegen dein § 8 der Verordnung, die Fahrräder und Automobile betr., die durch den obenerwähnten Sttasbefehl cwgeurterlt ist und eine selbständige Zuwiderhandlung gegen daö Ur kündengefetz an.
Warnning vor Fälsch uns;
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