R. B. Darmstadt, 2b. Arlg. ttTtfcr H oftheater wird trie4mat die neue Spielsaison voitanssichtlich am 11. September eröffnen. Sie wird besonders d tshalb mit ganz austergewöhnlichen Schwierigkeiten verknüpft se/rn, weil die Vorstellungen wäh- rend der etwa ein Jahr beanspruchenden Umbau arbeiten am Hos- theater, für welche bekanntlich 7(18 000 Mark bewillig! wurden, sämtlich in dem provisorisch hergerichteten alten Jnterimstheatcr stattsinden nrüffen, das vor ca. ^25 Jahren nach Fertigstellung des festigen Hoftheaters in Ruhestand versetzt worden war. In diesem Jnttrimstheater ist nicht nur der Zuschauerraum, sondern vor allem mich der Bühnenraum und der ganze szenische Apparat wesentlich beschränkter, und die Folge davon war, dast auch der Spielplan für die kommende Scfison eine anderweitige (Gestaltung erfahren mustte. An die Avfführung der grvsten strichlosen Wagneropern und die Wiederhcstnng des Wagnerzyklus kann in diesem Provisorien Hause natürlich, nickt gedacht werden, dafür aber werden wir erfreulicherweise eine Anzahl Spielopcrn und namentlich die Werke solcher deutscher, französischer und italienischer Meister zu hören b.'konimett, für welche bei den letztiährigen zahlreichen Muster au fsührrmgen der Wagneropern keine Zeit und Knlft mehr übrig blieb. ,(S5 fdjrt recht viele 91bonnenten geben, die mit dieser notgedrungenen Äbweckselung im Spielplan unserS .Hoftheaters für die kommende- Saison sehr einverstanden sind. Bei der heute abend stattgehaMm erster! Beleucbtungsprobe und technischen Prüfung der Anlagen durch Geh. Rat Prof. Dr. Kittler präsentierte sich die alte Hosbi'Hme reckst bequem und anheimelnd.
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Hamburg, 23. Aug. He« begann die H a nptv e r sa m m- lung des deutschen Apoathekerve re ins ihre Verhandlungen Es wurde ein Antrag amtenommcn, der svlgenden Inhalt hat: Die 33. Hanpfversammlümg erkennt in der Bekanntmach' nng des Reichskanzlers vom 18. Mai 1904 mit Dank das Bestreben der Regierung an. die Leistun^Mi gleit der Apotheker auf wissen- schaftlieln'm Oiebiete zu erhöhen:. Sic erblickt aber in der Forder ung der Primareife nur ein '.Uel>ergangsstadium, Weldin die Forderung des Reisezeiignffses eines Gymnasinnrs oder Rcalgvm- nasiums alsbald folgen müsse.
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Stuttgart, 23. Aug Di? internationale Amerika niste n Ü o n g r e f; wurde heute geschlossen. Die würit ernster gisch' Regierung WO zur Birüfsvartlickung der Sitzungsberichte 2000 Mark zur Verfügung gestellt. Als Ort der nächsten Tagung wurde Quebec ausersehen. An den. König von Württemberg, der die Mitglieder bei ihrer morgigen Fahrt nach Schaffhan,en zu
einem Imbiß in dem Schloßgarten von Friedrichshafen eingeladen hat, richtete der Kongreß zum Schluß ein warmempfundenes Hullügnngstelegrmnm. *
—: Wie uns aus Leipzig geschrieben wird, veranstaltet die Rene Backgesellsckaft vom 1.—3. Oktober d. I. in Leipzig im Gewandhause und der ThomaÄkrrche das zweite seiner Bachseste.
— Lamond und Trief ck. Der ,,Beri. Börsen kn vier" schreibt „Frederie Lamond, der berühmte Pianist, ist nunmehr Berliner geworden. Naclst>em er sich vor kurzem mit Irene Tri esÄ vom „Deutschen", nunmehr vom „Less ing-Th-ea- t er" vermählte, .hat der Künstler seinen stündigen Wohnsitz vvu Frankfurt a. M., .wo eine große Kunstgemeinde und eine ÄnzaP. strebender Schiller ihn! anhing, nach Berlin verlegt. So bat beim eine nttcrefhrnte Darstellerin uns einen interessanten Mu» siker zugeführt, den die hiesige Kunst vrit mit besonderer Genugtuung begrüßen wird."
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— Eine Friederike Kempnersiche Di ck t e r i n ne n- schule scknint sich aufgetau zu haben. In einem dünnleistigen Hefte Ixtt Elisabeth L i ck a t s ch e f f „Bunte Phantasüm" mit tels Druclersckivärze dem Papier und der West anvertrauen lassen. Sie behauptet, daß ihre Verse sich . •tric Mecreslterlen reibet an eine Sckmur". Leider ist di-se Schnur reckt ungleichmäßig ansmüallen, die Mehrzahl der „Perlen" eütbcbrt des Glanzes und ist höllisch eckig. Recht unhold klingt z. B. das folgende Produkt der Lichatschefstschen Muse:
Ich habe in Sehnsucht gewartet. Du hast mir nickt geschrieben, ^a^', bist Du so cntnrh't. Daß Du so ftumm giMieben. Na uxirte, Du wirst es büsnm, ^aß Du sistmnv' geschwiegen.
x(1) will Dir die Stunden vcrsützen, Roß auf, Dn wirft erliegen.
i> kann vor Besannt platzen,
>aS sollst Tu nnJ) heute febat
1> werd' Dis» beißen und kratzen.
tun iviril n nli' ' völlig verstehn
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Weiht ’ “«'fle ia3e I ÜSL* t,
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Rotationsdruck und Verlag der Brüh lösche« UntversitätsdruÄerei. R. Lange, Gieß«.
Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.T, TeU Nr. 5L Tel eg r.-Adr. r Anzeiger Gieß«,
Nr« 198 Zweites Blatt. 154. Jahr gang Mittwoch 24. August 1994
Erscheint «glich mit Ausnahme des Sonntags. T A.A
Die „Siebener Zamilienblatter" werden dem WB i i
^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der H M M, W 'iSk, Ä M,
^heifijcht Landwirt" erscheint monatlich einmal. BI W V M
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eietzen.
Volttische Tagesschau.
Zur Taufe des russischen Thronfolgers,
die heute (Mittwoch) stattfindet, schreibt offiziös die „Nordd. Wg. Ztg.":
,Lahlreiche Knudgebrmgen aus Anlaß der Geburt des Groß- fürsten-Thronfolaers haben erneut bewiesen, daß das Bewußtsein mit dem Herrscherhause" gemeinsam durchlebter Tage des Glücks und der Prüsiing im Russenvolke in voller Kraft lebendig ist, und daß das Volk des großen Nachbarreiches den jüngsten Sproß des Kaiserhauses als ein neues Pfand glück- IMeer Weiterentwicklung erblickt. Auch in Deutschland, dessen Fürstengescklechter mit der russischen Dynastie durch enge Blutsbande verbunden sind, nehmen weite Kreise an der Feier warmen Anteil und wüvsck^en dem Hause und dem Reiche des russischen Herrschers Segen und Gedeihen."
Prinz Heinrichvon Preußen und Prinz Ludwig von Battenberg sind mit Gefolge in Peterhof eingetroffen. Auf dem Bahnhof von Peterhof wurden sie vom Zaren, der zur deutschen Marineuniform das Band des Schwarzen Adlerordens trug und sämtl'chen Großfürsten empfangen. Als der Zug hielt, spielte die Musik des Regiments Belomorsk die deutsche Hymne. Nach sehr herzlicher Begrüßung begaben sich der Zar mit dem Prinzen Heinrich und Großfürst Michael Alexandrowitsch mit dem Prinzen von Battenberg nach Alexandria, wo sie der Kaiserin- Witwe Maria Feodorowna einen Besuch abstatteten. Sodann begleitete der Zar den Prirrzen Heirrrich in seine Gemächer im Großen Palaste und machte darauf dem Prinzen von Battenberg seinen Besuch.
Die Taufe findet unter nicht gerade günstigen Auspizien statt. Die Nackrichten aus Ostasien sind für die Russen wenig cnissicktsvoll. Der Kampfesmut und die Siegeszuversicht des russischen Heeres haben infolge der vielen verlustreichen Gefechte stark gelitten, und mit banger Sorge mag man im russischen Hauptguartier der für die allernächste Zeit zu erwartenden Entscheidungsschlacht entgegensehen, in, die die sieggewohnten Japaner mit erdrückender Nebermacht eintreten. Das heute durch das heilige Rußland klingende Festgeläut kann gar bald zum Traue^-geläut sich wandeln. Es liegt eine gedämpfte Wärme in der ob.n wiedergcgebenen Kundgebung des deutschen Regierungsorgans, und das ist 'der Situation angemessen.
Der Aus gang des Kampfe! am Waterberg
gleicht, wie der „Schief. Ztg." von kolonialer Seite geschrieben wird sehr dxm Angriffe der .Schutztruppe im Juli 1893 auf die Feste .Hoornkrans, wobei es dem Kapitän Hendrik Witboi gelang, her Einschließung zu entsiiehen. Danach sei ein Kleinkrieg entstanden, der ein volles Jahr über dauerte. Die Lage der Herero sei aber ungünstiger, weil sie eine viel größere Masse bildeten, als die Witbois. Ihre Verpflegung werde deshalb äußerst schwierig fein. Dor allem aber sei die Schutz- truppe so stark, daß man dem Gegner Überall mit Kraft entgegentreten könne.
Das konservative schlesische Blatt gibt errreit Hirtenbrief wieder, d-m die Misiionare an die Herero gerichtet haben. Darin werden ihnen bittere Vorwürfe gemacht, weil sie sich gegen die ihnen von Gott gefetzte Obrigkeit empört haben, und eS wird ihnen der Rat erteilt, möglichst bald die Waffen niederzulegen. Es heißt in dem Schreiben:
, „Was soll aus euch, was aus urrseren Gemeinden werden? Seit 60 Ialyren haben wir euch Lehrer gesandt, die euch unterwiesen haben in den Wegen des Herrn, und 'wir haben die ganze Zeit hindurch für euer zeitliches und ewiges Heil Sorge getragen. Auch heute treibt uns nur die Liebe dazu, euch diesen Brief zu schreiben und euch dringend zu bitten, die Waffen niedwzulegen und Frieden zu machen. Was dann werden wird, wffsen wir nickt. Jedenfalls wird die Regierung die Schuldigen streng strafen und ihr werdet alle an den Folgen dieses traurigen Aufstandes euer Leben lang zu tragen haben. Aber es ist doch unsere Pflicht, euch ernst zu mahnen und dringend zu bitten, *ben Weg des Unrechtes zu verlassen und das begangene Unrecht so viel als möglich wieder gutzumachen."
Mit einer Warnung . vor Verstockung schließt das Schreiben. Das schlesische Blatt sagt, der Hirtenbrief sei zweifellos gut gemeint, aber etwas mehr „heiliger Zorn" hätte nichts geschadet. ,,Wie anders erscholl das Donnerwort Martin Luthers wider die räuberischen imd mörderischen Bauern!" Die National-Ztg. glaübt nickt, daß die Herero auf Grund des salbrmgsvollen
Hirtenbriefes Wrückkehren werden. .Wir auch nicht! Daß sie sterben müssen, wissen die Leute. Also wt-wden sie ihr Leben so teuer wie möglich zu verkaufen suchen. DiZ ß dabei noch mancher deutschen Mutter Sohn dahinsinken wird, ist traurig.
Südwestafrika und der Reiihsflckel.
Man schreibt uns: Die Gesamtkosten> des Feldzuges in Südwestafrika wurden gestern von Ihnen c/nf wenigstens 50 Millionen Mark veranschlagt. Zu hoch ist d«?.ese Ziffer sicherlich nicht gegriffen. Rechnet man die jahraus, jahrein gezahlten Reichszuschüsse für Südwestafrika hinzu, so erstibt sich datz letzteres die teuerste unserer afrikanischen Besitzungen ist. Leider besteht keine Aussicht, Hatz die Kolonie in absehbarer Zeit einen entsprechenden, Ertral <7 liefern rverde. Man wird im Gegenteil nach Wiederher»stellung geordne- terZustände auf neueZuwendu^ngen seitens des Reichs zum Zweck des wirtschastlicken Aufbaues., der Einrichtung weiterer Militarstationen, Bahnverbindungen ühv. sick gefaßt machen müffen. Diese Gestaltung der Dinge wirit nattirlich auf die allgemeine ReichSrecknung ein. Es wird ritt kräftigeS Streichen bei den Ausgaben anheben^ zumal auch Heer und Flotte mit erhöhten Forder/ungen binnen kurzem hervortreten. Das' erste „Opferi^ dieser Verhällnffse dürfte das neue MiNtärpensionsgesetz we-rben, insofern, als die rückwirkende Kraft 'be£ Gesetzes Vvraussitckülich auf das Aeußerste eingeschränkt werden wird.
Kirche und Schule.
Budapest, 23. Aug. Wie die Blätter melden, erfolgte die Verhängung des Seanesters Lcker das Rosenauer Bistum wegen sehr bedeuten/s)er Schulden, welche sich auf V/2 Millionen Kronen belaufc/n. Der Religionsfonds hat Schulden von mehreren 100 000 Krona« für den Bischof bezahlt. Nachdem diese Sanierung jedock eine; materielle Ordnung nicht herzustellen vermocht hatte, wurde Bischof Jvankovics aufgefordert, feine Entlassung zu rühmen. Jvankovics reichte seine Abdankung darauf bei dem Könige ein, zog diese jedoch nach wenigen Tagen zurück, angeblich weil eine Einigung bezüglich des GnadengehaltS nicht zustande gekommen sei. Auf zuständiger Seite war man mithin genötigt, das Seguester zu verhängen. Jvankovics dürfte sich tn ein Kloster zurückziehen.
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Kus Stadt und Land.
Gießen, den 24. August 1904.
Sprechstunden der Red aktion:
mittags von 12—1 Uhr, abendjZ von i/,7—*/28 Uhr.
” Professor Hansen, Direktor de§ Botanischen GartenS, verläßt heute Eherbottrg, um eine längere Forschungsreise nach Nordamerika auSzufuhren. DaS Ziel der Reise ist Califorttien, die Sierra Nevada, hauptfächlich aber Mexiko. Mitte November wird Profesior Hansen seine Vorlesungen wieder aufnehmen.
♦* DaS neue Bahnhofsgebäude, das int März begonnen wurde, ist jetzt bis auf Sine Höhe von etwa 7 Meter gediehen. Die mächtigen Fundarwmte zu dem Turm, der das Emvfcmgsgebäude frönen soll, ffab fertiggestellt. Der Turnt wirv 30 Meter hoch und dient zur Aufnahme eines Waffer- reservoirs und einer Uhr. Der' gegentoartig im Batt befindliche südliche Flügel enthält Ne Restauration, den Warte- saal 3. und 4. Masse, Damenwlartevaum, Stationsbureau und Diensträume. Dieser Flügkll soll bis Weihnachten zum Beziehen fertiggestellt sein. Jntl Winter wird der mittlere Hauptbau des feiterigen Balmhofs bis auf den Grund abgerissen. Hier wird eine ca. 15 Meder breite und 36 Meter lange Halle erbaut Im nächsten Jahre wird der nordöstliche Flügel umgebaut und fftt Post, Stattonsfasse und Fürflenzimmer eingerichtet Dar Haupteingang, die Gepack- räume, Fahrkartenausgabe ic. werden ebenfalls nächstes Jahr erbaut. Das Bahnhofsgebäude soll bis Herbst 1905 vollendet sein.
** Kohlen für den hinter. Von der König!. Eisendahn-Direftion in FratikfWtt a. M. wird daraus hin
gewiesen, daß im Herbst voraussichtlich wieder sehr hohL Anforderungen an den Staatsbahnwagenpark gestellt werden und es sich, im Interesse eines raschen Verkehrs emPfiehÜ> den Hausbedarf an Kohlen usw. für den Winter schpn fcfcfc zu beziehen und nicht bis Anfang Oktober oder November damit zu warten. Auch ist tunlichst auf die volle ^LnS* nutzutig des Ladegewichts, sowie auf die schleunige Be- und Entladung der Wagen Beoacht zu nehmen.
** Entschadigung für unschuldig erlittene Untersuchungshaft. Das hessische Justizministerium hat folgende AuSführungsbesinnmungen für daS Gesetz wegen Entschädigung unschuldig erlittener Untersuchungshaft erlasien:
„Anträge auf Grund dieses Gesetzes find von dem zuständigen Oberstaatsanwalt dem Ministerium 'mittelst eines Berichtes vorzulegen, der sich insbesondere darüber auszusprechen hat: a) ob der Anspruch rechtzeitig angebracht ist; b) ob und in welcher Höhe ehr nach dem Gesetz zu ersetzender V e r'm ögensschaden entstanden ist; c) welche Unterhaltungsberechtigte ermittelt und welchen von ihnen der die Entschadigungsverpflichtung der Staatskasse auS- sprechende Beschluß mitgeteilt worden ist; ä) ob durch Leistung der Entschädigtmg der Staatskaffe Rechte gegen Dritte erwachsen, und ob und in welchem Betrage deren Verfolgung voraussichtlich zu einem Ersätze führen wird, lieber die tatsächlichen Behauptungen de§ Antragstellers sind, soweit erforderlich, von der Berichterstattung Erhebungen anzustellen. Ter Anttagsteller ist^über das Ergebnis dieser Erhebungen, wenn es von seinen Artträgen in erheblicher Weise abweicht, in der Regel zu hören. Tas Verfahren ist nach, Möglichkeit zu beschleunigen. Ist jemanden zu rmrecht eine Entschädigung geleistet worden, so ist dem Ministerium darüber z» berichten, ob und aus welchem Wege die Rückgewahr deS bereits Bezahlten herbeigefuhrt werden kann. Personen, die in einem Verfahren Urrtersuchungshaft erlitten haben, das durch Verfügung der Staatsanwaltschaft eingestellt worden ist, kann von dem Ministerium aus ihren Antrag Entschädigung gewährt werden, sofern im übrigen die Voraussetzungen des Gesetzes gegeben find und keine Tatsachen vorliegen, die die Entschädigung auszuschließen geeignet sind."
R. B. Ein grelles Pendant zn. dem SorfaEl in Eberstadt, bei welchem nach bekannten, falschen Behauptungen ein angeblich unschuldiges Mädchen des MordeS ihres eigenen Kindes bezichtigt worden sein sollte, wird demnächst vor dem Schwurgericht hier zur Verhandlung gelangen. Der Sachverhalt ist folgender: Ein 16—17jLH- riges Mädchen aus Angenrod bei"Msfeld, dessen Vater als ein braver, solider Arbeiter in einer Seifenfabrik bekannt ist, diente seit längerer Z-eit bei dem Bauernguts- besitzer P. in Leusel, einem Witwer und für feine Verhältnisse wohlhabenden Manne. Eines Tages kommt das Mädchen zu seinem Vater und erfrört, bei P. nicht langer dienen zu wollen, da dieser sie schlecht beharttielt und ihL unanständige Zumutttngen gestellt habe. Der Vater wandte sich an P., wurde aber kurz ab gewiesen, auch die Lohnzahlung verweigert Nun fragte der Vater vor dem Amtsgericht Alsfeld auf Lohnzahlung. Bei der Verhandlung brachte der Verteidiger des P. auch den angebllch lliderllchen Lebenswandel des Mädcherts zur Sprache; es flehe mit den Zlnechten in nähere Beziehungen rc. Das Mädchen rief entrüstet: ^,Das ist gelogen" und versicherte, daß sie noch nie mit einem Manne in näheren Verkehr getreten fei Diese Aussage beschwor das Mädchen auch. Kaum aber war daS geschehen, da ließ der Befragte btet Zeugen auftreten, einen seiner bisherigen Knechte und zwei frühere, die sämtlich unter ihrem Eid bekundeten, daß sie mit dem Mädchssn intimere Beziehungen unterhalten hätten. Die Folge war, daß das Mädchen unter dem Verdacht des MeineideA vei> haftet wurde. Nun nahm aber auch der hart bedrängte Vater des Mädchens einen Rechtsbeistand an und veranlaßte hier in Gießen eine körperliche Untersuchung. Ein Univerffitätsprofessor und der Kreisarzt stellten genaue Untersuchungen bei dem Mädchen an und daS Refultctt daß die so sschmahllch Beschuldigte sofort aus der Hast^ entlassen und die Weisung nach Alsfeld gegeben wurde, sowohl die drei Knechte, wie den Gutsbesitzer P. aufs schleunigste nach Nummer0 Sicher zu bringen. Die drei Knechte
r«st Krause.
Heute, am 24. August jährt sich der Todestag Ernst Krauses >— bekannt unter dem Pseudonym Carus Sterne — zum ersten Mal. Als populär-naturwiffenswastlicker Schriftsteller hat Krause zu seinen Lebzeiten bebeirtenben Einfluß ansgeübt, und sein Hauptwerk „W erden und Vergehen" wird ihn sicher noch viele Jahre überdauern. .Gerade dieser O^edenktag bietet wohl Anlaß, auf das merkwürdige Gescksick des Buches Innzuweifen. Im Jahre 1876 zum ersten Mal veröffentlichit und jetzt wieder in einer neuen von Wilhelm Bölsche bearbeiteten Auslage bei Bornträger in Berlin erscheinend, ist das Buch insofern intereffant, als es im Jahre 1879 Gegenstand einer dreitägigen Verhandlung im Preußischen Mgeordnetenhaus war. Mft Hilfe des Buches sollte der damalige Kultusminister Falk gestürzt werden. Der nachmals so „berühmt" gewordene Freiherr von Hammerstein von der Kreuzztg. brachte nämlich am 15. Januar 1879 als einen Beweis, wie tief unter Falls Leitung die religiöse imd sittliche Haltung der Schulen gesunken sei, im Abgeortmetenhaus die graue Mär vor, daß der Oberlehrer Hermann Müller von Lippstadt — der Erforscher der Wechselbeziehungen zwischen Blumen und Insekten — das Buch lobend in einer Unterrichtsstunde^ im Realgymnasium in Lippstadt erwähnt habe und daraus „Lästerungen der Treiehiiflfeit,. Bezeichnung des Christentums als Fetischismus^, ja sogar die Parodie eines Bibeftvortes hätte vor^- lesen lassen. Die Unwahrheit der Hammerstein'schen Anllage wäre leickt zu erweisen gewesen, da das Buch sich von allen solchen Angriffen sernhält. Gleichwohl wurde in der zweiten Sil'.ung rnn 17. Januar mit der größten Erbitterung weiter gegen diese Windmühlen gekämpft, bis endlich am dritten Tage das Buck zur Stelle geschafft wurde und die inkriminierte, damals zur Vorlesung gelangte Stelle mitaeteilt werden konnte. <£'(c ergab sich hierbei als eine jeder Verletnrng des religiös fen Gefühls fernliegende, pornehm wffsenscki«ftlicke Beleuchtung be« bekannten Passus im Eingang von Goethe's Faust; und fin berühmter Parlamentarier wies daraus hin, hast dem Buche c'nc ganz ähnliche Haltung nackzirrühmen sei. wie sie der Ober« ions'ltorialrat Herder schon in seinen „Ideen zur Geschichte ler Menschheit" gegeben halu So endigte der dreitägige Kancps rmrn b'n damaligen Kulturminister mit einer großen Niederlage -für Wchckhorst und frine Genossen. — DaS Buck selbst aber steht (. l .ile noch in den neuen Auflagen auf gleicher Basis und -r irr» hf-it Rul-m feine# Urhebers fodjrr n-ock viele Jahre aufrecht . Dr. T h 0 st.


