Ausgabe 
23.11.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. A76

Erscheint tSglich mit Ausnahme deS Sonntags.

DieGießener Familienblatter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «Hesfilcht Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck unb Verlag der BrÜHI'ichea Unwersttätsdruckerei. 9L Lange. Gießen.

Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulst!.?.

Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr. i Anzeiger Gießen,

Zweites Blatt. 154. Jahrgang Mittwoch 23. November L9V4

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.

Gießener KladMMlcr.

den Eingang:

ihm nur

Am ttnnister röte Tr.

Vor Nachdem

als er die Fünsziger überschritten harte, kam der witzige Causeur und liebenswürdige Versifex auf den wunderlich tollen Einfall, den großen Poeten es gleich tun zu wollen und einen welthistorischen Stoff sich zu erwählen zu dich­terischer Gestaltung. Nie war dem jüngeren Blumenthal der absurde Gedanke gekommen, ein Gleichstrebender Cal- derons und Lopes, Grillparzers und Hebbels werden gn wollen.

Keltischer Landtag.

N. B. D a r m st a d t, 22. Nov.

Ministertisch: Staatsminister Nothe, Finanz- Gnauth, Geh. Rat Milbrand, Ministerial- Eisenhuth, Ewald, Becker, Braun u. a. Der Verlobungs-Glückwunsch der Kammer.

Eintritt in die Tagesordnung hält Präsident Haas, sich das HauS erhoben hat, folgende Ansprache:

, Meine Herren! Unter dem Eindruck eines überaus erfreu» "chen Ereignisses im Großherzoglichen Hause treten wir heute zur Tagung zusammen. Gestern durcheilte die Nachricht die Gauen Helfens, daß Se. Kgl. Hoheit der Groß Herzog ein Ehe- verspreche n mit I. D. der Prinzessin Eleonore von Solms-Lich uüigegangen sind. Wie bei dem ganzen Hessenvolk so findet die frohe Botschaft, diese Ueberzeugung darf ich ausfprechen bei den Mitgliedern dieses Hauses den freudigsten Widerhall. Können wir hoch in dem Entschluß Seiner Königlichen Hoheit, dem Lande, wieder eine Landesfürstin zu geben, nur die Garantie für eine Festigung unseres Herrscherhauses, für eine glückverheißende Zukunft unseres geliebten Fürsten und des Hessenlandes erblicken. _ (Bravo!) In der Zeit herben Leides, das, über unseren Großherzog gekommen, empfanden alle treuen Hessen dieses Leid wie ihr eigenes. So soll es jetzt auch in den Tagen der Freude sein! Möge das bevorstehende Ehebündnis unserem Großherzog und seiner Durchlauchtigsten Braut, welche wir demnächst an Seiner Seite als Herrscherin begrüßen können, nur das reichste ungetrübte Glück bringen. Tas ist der Wunsch des ganzen Landes, das ist unser wärmster Wunsch! Gottes Segen ruhe für alle Zeiten auf dem Bunde des hohen Paares! Meine Herren! Sie haben sich zum Zeichen des Einverständnisses mit meinen Worten von Ihren Plätzen erhoben. Ich stelle dies fest und danke Ihnen. Ich bitte nun noch um die Autorisation des Hauses für den Kammer-Borstand zur Uebermittelung der Glück- wünfchc der zweiten Kammer an das hohe Brautpaar. (Allseitiger lebhafter Beifall.)

Selbstverständlich hinkt und schleift und klappert sein spanischer Trochäus zum Steinerweichen und Nasendmachen. Heine und Platen stand er wohl an, Herr Blumenthal aber dichtet" in Trochäen, daß der gottbegnadete Wilhelm Busch wegen unfreiwilliger Verhöhnung ferner genialen Knüttel­verse, die nicht mehr sein wollen als eben Knüttelverse, die Poeten-Hosen stramm ziehen müßte. Man höre

Taß ich da bin! Daß ich da bin! Daß ich meinem Glück so nah bin! Laß Dich in die Arme schließen. Laß das Herz mir überfließen, Laß mich küssen Dein Gesicht. . . Tadle mich doch wehr' es nicht!"

Mit diesen Wersen hüpft der üon seinem dereinstigen Kompennüler Blumenthal in Unterröcke gesteckte Fürst Her­bert Bismarck ans die vom Vorhang befreite Bühne. J-ern von Madrid hat Blanea Jahre lang gelebt und nun ist sie, wenn auch aus anderer Himmelsgegend, so doch gleich­zeitig mit demVater ruymverklärt, in die Hauptstadt heim gekehrt."

Wenn's schon eine enorme Taktlosigkeit war von einem Blumenthal, das Verhältnis zwischen Kaiser' und Kanzler, zwischen Wilhelm II. und Bismarck aus die Bühne zu bringen, ein Stoff, an den sich einst ein ganz Großer, der Schiller einer späten Zukunft, heranwagen mag, so war's doch geschäftlich gescheit. Lieser Herr Blumenthal betrachtet doch dasDichten" als sein Metier, ebenso wie andere Hunde fangen oder alte Pferde schlachten, um den Lebensunter­halt zu fristen. Und er hatte diesmal besonders schlau kalkuliert. Dieser Stoss, so sagte er ftey bei der Ausstellung seines Etats fürs nächste Rechnungsjahr, gibt unfehlbar ein Zeusurverbot, alsodet Jeschäft is richtig." Natür­lich hat er sich nicht verrechnet, die Goldfüchse klappern nur so in seinen Kasten, schon der Buchnmjatz bringt ihm ein

Regierung an: 1. Ist die Großh. Regierung damit einverstanden, daß, entsprechend der in derHess.. Landwirtsch. Zeitschr." ge­gebenen Anregung, das Landwirtschaftliche Institut der Landes­universität nach den Absichten des Leiters einer gründlichen Reform untertoorfen werde? 2. Ist die Großh. Regierung insbesondere bereit: a) dem Institut die Berechtigung zur Ab­nahme des landwirtschaftlichen Staatsexamens zu ver­leihen? b) einen zweiten Dozenten für Landwirtschaft an die Landesuniversität zu berufen? c) dem Landwirtschaftlichen Institut genügend große Flächen Gelände s zu Versuchs­zwecken kostenlos zur Verfügung zu stellen? d) dem Land­wirtschaftlichen Institut größere und zweckmäßigere Räume zur Verfügung zu stellen als seither?

Staatsminister Dr. Rotye verlief: eine längere Re­gierungserklärung, wonach die Regierung einen wei­teren Ausbau des Instituts für erwünscht hält. Zn 2 a bemerkt die Erklärung, daß sich eine entsprechende anderweitige Prüfungsordnung in Vorbereit­ung befinde; b) will die Regierung von der Errichtung einer zweiten Professur absehen und einen Pri­vatdozenten mit der Aufgabe betrauen. Zu c) spricht sich die Regierung dahin aus, daß die Abgabe des Ge­ländes nicht erfolgen könne, während d) die größeren Räume bereits bewilligt wurden. Auch diese Antwort soll gedruckt und dann besprochen werden.

Eine längere, teilweise sehr erregte Debatte entwickelte sich darauf über die Anfrage des Abg. Köhler:

1. an den Lehrerseminarien des Landes sommerliche landwirtschaftliche Unterri chtskurse für Lehrer an ländlichen Fortbildungsschulen einzurichten? 2. einen Fonds zur Unterstützung der an diesen Kursen Teil­nehmenden zu begründen?

Staatsminifter Dr. Rothe führt gegen diesen Antrag aus, daß die Regierung ein Bedürfnis für diese Forder­ungen nicht anerkennen könne.

Abg. Köhler wendet sich mit scharfen Worten gegen diese Haltung der Regierung und beklagt, daß diese den Handel bevorzuge und den Bäuerin st a^nd zu­rückfetze.

Ministerialrat Dr. Eisenhuth widerlegt in län­geren Ausführungen die Behauptung des Vorredners. Tie Schwierigkeiten des Antrags seien sehr groß, namentlich deshalb, weil in den meisten ländlichen Schulen das Schülermaterial ein so verschiedenartiges sei.

Abg. Herschel unterstützt im wesentlichen die Ausführ- ungen Köhlers und betont, daß der Unterricht praktischer sein und namentlich auch die Schüler mit den Naturelementen mehr vertraut machen müßte.

Ministerialrat r a u n stimmt den Erklärungen des Ministerialrats Dr. Eisenhuth zu.

Nach weiterer Debatte erklärt

Abg. Köhler, daß er im Sinne seiner Anfrage jetzt einen Antrag an die Regierung richten werde.

Aus die dringliche Anfrage der Abgg. Sch lenger, Reinhart u. EKn. in Betreff der Verunreinigung der Flüsse verliest

Staatsminifter Dr. Rothe eine umfangreiche Regier­ungserklärung, die dahin geht, daß die Regierung stets bemüht sei, im Einvernehmen mit dem Reich und den an­grenzenden Bundesstaaten Bestimmungen über die bessere Reinhaltung der Flusse herbeizusühven. Auch bei dieser Anfrage wird die Besprechung nach der Drucklegung der Regierungsantwort erfolgen.

Auf die Anfrage des Abg. Köhler in Betreff der Grube ,^!udwigsho>,nung" bei Wölfersheim verliest

Finanzminister Dr. Gnauth eine Erklärung, nach welcher sich die Dinge auf der Grube bei weitem nicht so schlimm darstellen, als Herr Köhler meine. Dieser erklärt sich von der Regierungsantwort befriedigt.

Auf die dringliche Anfrage des Abg. Weidner in Betreff der Hochbauten an der B a h n st r e ck e S t o ck h e i m- Heldenbergen erklärt sich Abg. Weidner nach der Beant»

Der tote Löwe.

Drama in 4 Auszügen von Oskar Bluimenth al. (Buchausgabe: 5. Ausl, bei F. Fontane & Co. in Berlin.)

Oskar Blumenthal, einst, als er noch (es war wohl ui 6en 70 er Jahren) Theaterkritiker desBerl. Tagebl. war, derblutige Oskar" genannt, wegen der Mitlerdslosigleit und Skrupellosigkeit, mit der er ungeschickte oder ihm un­sympathische dramatische Autoren abschlachtete und mit Kübeln geifernden Spottes übergoß, ob sie begabk waren oder nicht, dieser Oskar Blumenthal, derdichter des Weißen Rößl" und anderer lorbeernmkränzter goldmachen­der Bühnenviecher von gleichemkünstlerischem Kaliber, hatte jüngst einen unglaublichen, unseligen Einfall. Man kannte in deutschen Landen längst sein in der Arena der possierlichen Schwänke ficLy schnellfüßig und nut über­mütiger Festnachtslaune tummelndes Sch tnd luder ch en; man kannte es und mochte es, denn man lacht doch gern einmal auch über nichtige Harmlosigkeiten und komische Situationen, über kurzweilige Karritaturen des Berliner Spießertnms oder blöder Geckenhaftigkeit u. dgl. m. Aber man wußte auch, daß die Tragkraft von Herrn,Blumen­thals Pegasuslein erprobt war nur als eben hinreichend zu solchen kurzweiligen spaßigen Winzigkeiten. Und nun sattelte dieser selbe Blumenthal seinen Berliner Schimmel zum Ritte nach dein Lande Hispaiiien zum Kampf nut einem Löwen. Es war ein Streich nach Art des scharf- siiinlgen Edlen Don Quijote von La Mancha. Auch dte Kühnheit Ton Quijotes forderte einst eineii mächtigen Löwen zum Kampse heraus. (Bgl. die neueste famose deutsche Don Quijote-Ausgabe von Schasstein u. Co. in Köln, & 111 bis 178.) Aber wie der Löwe, größer als ein Berg, mit dem Der: edle Grande von Cervantes Gnaden kämpfen wollte, dem ttutzigen Ritter nur seinehinteren Teile" zeigte, so ae sch ah's auch Blumenthal. Er kehrte von seiner spanifcheii Löwenexpedition zurück aus der klapperbemigften Rosmcutte, die je einen Poeten getragen hat. Sein einst so muntrer unb frischer Pegasus war ein dürrer kläglicher Kl . gewordenvon unzähligen Schäden, von Hau: und Knochen , nie; Don Quijotes übel beleuniundetes Streitroß. Erst

Anfragen aus Oberheffen.

Tie Beschlußfafiung aber den Antrag Reinhart aus Wahl eines Sonderausschusses für den Kommunalsteuer- rejorm-Gesetzentwurf wird bis zur Ochsten Sitzung ver­tagt. Zur Beratung gelangt zunächst die Anfrage der Abgg. Weidner und Schmalbach, welche Schritte die Regierung in betreff des Generalkulturplans für den Vogelsberg einzuleiten gedenke.

Staatsminister Rothe antwortet, die Großh. Re­gierung beabsichtige, n o ch im L an f e d er g e g e n w är- tigen Kammertagung ein Aus führun gs-Ge- s e tz für den Generalkulturplan vorzulegen.

Bezüglich der dringlichen Anfrage des Abg. Damm, die Verunreinigung der Ufa betreffend, erklärt

Staatsminifter Dr. Rothe, es sei zuzugeben, daß dort Mißstände vorhanden seien, die beseitigt werden müßten. Das würde aber nur dann geschehen können, wenn sich die beiden beteiligten Städte Nauheim und Friedberg verständigten, und gememsam die Abführung und Klärung der Abwässer veranlasfen würden. Die Re­gierung sei bemüht, eine Verständigung herbeizusühren, in welckem Falle ein vorhandener Betrag von 2400 Mark dafür Verwendung finden könnte.

Aus Antrag der Abgg. Tamm unb Windecker soll die Drucklegung der Regierungsantwort unb darauf eine Besprechung im Plenum erfolgen.

Tie zweite Professur für Landwirtschaft in Gießen.

Eine Anfrage der Aogg. Kohler und 28 Genossen führt ans:

Von der gewiß höchst berechtigten Ansicht^ausgehend, daß inbezug der Einrichtungen f.ü r das Studium der Landwirts ch ast an der La n d e s u n i v e r s i t ä t der ge­schilderte unwürdige und unzweckmäßige Zu stand nicht länger geduldet und aufrecht erhalten werden dürfe, daß es vielmehr hoch an der Zeit lei, das Landwirtschaft!icl-e In­stitut der Grotzh. Landesuniversität m i t a l l e n den iDc i 11 e l n auszu st alten, die es mindestens gleichftellen mit den höchsten Anstalten dieser Art im Reiche, fragen wir hierdurch bei Grotzh.

Wortung durch Finanzminister Dr. Gnauth befriedigt.

Abg. Bähr erklärt, da die Angelegenheit seinen Wahl­kreis berührt, er habe schon früher über die Sache Erkundig­ungen anaestellt unb dabei vollständig genügende Aufklär­ungen erhalten.

Daraus wird die Sitzung um halb 2 Uhr abgebrochen. Nächste Sitzung MitUvoch früh 9 Uhr.

Ser Aufstand in Aculsch-SüdrvetialriLa.

Die Strandung des DampfersGertrud Wörmauu"

lenkt die Aufmerksamkeit wieder auf die Verhältnisse an der Küste Südwestafrikas, deren Unzulänglichkeit für Landungszwecke bei der Ankunft der Truppentransporte ohnehin fattsam berücht.^t ist. Tie vergleichsweise besten Hafenverhältnisse an der ganzen Küste weist die Walfischbai auf, doch leider ist sie englischer Besitz, und die englische Regierung hat sich nidji bervogen gefühlt, Deutschland für die Truppenlandungen die Walfischbai zur Ver­fügung zu stellen, obwohl selbst die englische Presse einräumt, daß Teutschland in seinem Feldzug gegen die Eingeborenen die Sache aller Weißen Südafrikas verficht. Es wird also Teutschland nichts übrig bleiben, als in dem Programm zum Wiederaufbau Süd­westafrikas auch eine Abstellung der Mißstände an der Küste vorzusehen. Für solche Zwecke, besonders zu gunsten der Reede von Swakopmund, sind zwar schon nicht unbeträchtliche Summen aufgewendet worden, aber es ist nicht gelungen, einen annehm­baren Zustand herbeizuführen. Wie er anzustreben und vielleicht für die ganze 300 Kilometer lange Küstenstrecke zu erreichen sei, das ist aus einem interessanten Vortrag ersichtlich, der dieser Tage in der Nachtigall-Gesellschaft für vaterländische Afrikaforschung von Rechtsanwalt Tr. Rhode gehalten wurde, auf Grund der Ersahrungen und Beobachtungen während eines siebenjährigen Aufenthaltes in der Kolonie. Dr. Rhode meint, die ganze Küste Lüdwejoasrikas könne dem Fischfang erschlossen werden; auch sei sehr wahrscheinlich, daß sich dort große Guanolager be­finden. Trifft das zu, dann ist auch die Folgerung berechtigt, daß an der Küste Südwestafrikas die Bedingungen für die Ent­wickelung einer Ausfuhr gegeben sind. Wenn diese auch nur langsam sich heranbildete, so eröffnet das doch die Möglichkeit, daß den Ausgaben des Reiches für Zwecke der Küstenmelioration mit der Zeit Einnahmen durch Besteuerung usw. sich gegen* überstellen. Auf eine harte Geduldsprobe freilich wird es an­kommen, aber es sei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, daß auch die als Kolonisatoren vielgerühmten Staaten England und Frankreich keineswegs bereits nach einer kurzen Spanne Zeit auf Ueberschüsse oder auch nur beträchtliche Einnahmen aus ihren Kolonien rechneten. England hat Jahre hindurch beispielsweise für Neusüdwales Zuschüße, insgesamt 200 Millionen Mark, ge­leistet, und Franlreiü) zahlte für Algier gar fünfzig Jahre lang im ganzen sieben Äiilliarden Francs, ehe die Kolonce dem Mutter­land Erirage bracyte. Also gar so verzweifelt ist es um Deutsch­lands koloniale Eriahrungcn, besonders hinsichtlich SüdwesdafrikaS, nicht bestellt. Ebenfon-enig sind den anderen Staaten kostspielige Kricgszüge gegen Eingeborene erspart geblieben. Es sei nur an Re Kampfe in Somaliland und Rhodesia, in Dahome und auf Madagaskar erinnert. Rechtsanwalt Dr. Rhode bezeichnete ferner als im Jntereffc der ttuftcnentnndelung Südwestafrikas liegend die Ecurichtung einer F l o t t e n st a t i o n mit Reparaturwerkstatt und einer Kohlen st ation, etwa an der Lüderitzbucht, damit die deutschen Schisse inbezug aus Ausbesserung und Versorgung mit Fcuerungsmaterial nicht mehr auf englische Häsen angewiesen seien. Auch das ist wünschenswert, braucht aber erst als letzter Punkt aus dem südlvestasrikanischen Resormprogvamm vermerkt zu werden.

lieber die Strandung liegen heute folgende Meldungen vor: Jamburg, 22. Viov. (W. B.) Nach einem gestern bei der Reederei eingigungencn Telegramm aus Swakopmund wurde die gesamte M a n n s ch a f t derGertrud Woermann" gerettet; ferner wurden die an Bord befindlichen Pferde gestern nach- miitag alle an der Strandungsstelle mit Flötzen gelandet. Es werden Versuche gemacht, um die Ladung und das Inventar des Schiffes zu bergen.

Hauptmann v. Hahnke meldet von Swakopmund: Alle Mannschaften und Pferde aus dem DampferGertrud Woermann" sind geborgen. Alles wohl.

General v. Trotha

meldet vorn 21. November von Windhuk: Mühlenfels hat von der bisherigen Abteilung Estorfs die 5. und 7. Kompagnie

erkleckliches Sümmchen ein, mit dem er einen Park seinem Palais im Salzkammergut wird anfügen können., Herr Blumenthal gibt in seinem,Morwort" zum Buche ungeniert zu,daß der Konflikt des Königs Marco von Kaftilien mit seinem ergreisten Ratgeber, dem Herzog von Oliveto, an unverjährbare Ereignisse mahnt." Aber er verwahrt sich in demselben Ateinzuge dagegen, daß man in diesem Werk etwa ein Schlüsseldrama erblicke, in welchem die Personen nicht sich selbst bedeuten (sehr schön gesagt!), sondern nur die pseudonymen iVertreker von zeit­geschichtlichen Gestalten sind". Ach nein, so dumm wird wahrhastig niemand sein, bas anzunehmen. Die Figuren, die Herr Blumenthal in seinem Stücke mit maßloser Genia­lität nach Kastilien ins 14. Jahrhunbert versetzt, sind wahr­haftig so ungeheuer nun sagen wir höflich: anbers als die großen gewaltigen Persönlichkeiten, die er im Auge hat, baß ein so blöbsinniger Gedanke keinem Quartaner kommen kann, hier seiendie großen Fragen unb Fragen ber Ge­genwart" behandelt, hier seien historischeIdentitäten geboten. Nicht Identitäten, sondern Idiotismen, mehr oder weniger unfreüvillig allerdings, bietet Herr Blumenthal, Denn es scheint, als meint er im Ernst, so ähnlich wie er's hier sich schlecht zusammen gereimt hat, so habe sich die welt­historische Begebenheit vom 20. März 1890 abgespielt. Schrecklich ist's zu glauben!

Der Uebermensa) unter den Staatsmännern, den wir als eine geborene Herrscherpersönlichkeit anschauen sollen, tritt uns hier entgegen als ein polternder Hohlkopf und prahlerischer Einfaltspinsel, dessen aufdringliche Unarten, spaßhaft wirken könnten, nähme man diesen Riesenpopanz ohne Geist und Witz, diese Papiermachdfignr zum Anti- tyrannia-Jocus für politikspielende Buben als bewußte« Travestie der Bismarck- ober Freiherr vom Stein-Tragödie, an die Herr Blumenthal imBerk. Tagebl." erinnert hat. Um biefen großsprecherischen Räsonneur schachmatt zu setzen, bebürste es wahrlich keiner bohrenden Hofkamarilla. Herrscherpersönlichleiten pflegen sonst große Pfvcholvgen! zu sein, weil sie fchvn kraft ihrer Fähigkeit, die Menschen! zu durchschauen, ihre Herrschaft auszuüben vermögen; der Herzog vvu Oliveto dagegen ist die Ahnungslosigkeit selbst, ein geschivätziger i reis, der nicht einmal seinen treuesten Schüler, ja nicht einmal sein eigenes Ktnd kennt. Am schlimmsten ist die demagogische Ansprache an die Arbeiter