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22.10.1904 Drittes Blatt
 
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. Drittes Blatts IS4. Jahrgang Samstag SS. Oktober tS0Ä

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Di«Gießener LamMenblStter" werden dem R @ flX MXM Ep MW MH W O f.p Universttätsdruckerei. R. Lange, Gieße«.

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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

etdet und die

den Grund­

geborgt und nicht wieder abgeliesert, und der Schulze benutzte

Möb-ülager, 100 Zimmer - Einrichtungen, 10 Schaufenster^

tänd. Veiten.

Warnung vor Fälschun

auszwängen. Nein, die Ueberzeugung der moralischen Wer- livn/lny Dichtung MN Ausgleich jener Lücke wird unsere Stu- 1" t)UVl

bank wöchentlich tzu Unterrichtskursen drängen. Die Kow- gresse der Arbeiter z-eigen uns, was man neben der an-

1200 qm Ausstellungsräume. Durch Selbstfabrikation Garantie ür nur erstklassige vorzügl. Ausführung in geschmackvoll^ moderner Richtung. Lsrg. srko. jed. Bahnstat. eoent. durcy eig. Fuhrwerk. Telef. 373. Teppiche, Vorhänge, Linoleum, Metall-Betten, Patent-Matratzen, Bettsedern, Daunen, völl­

ig Pillen noch Pulverform noch mit Kakao gemischt, sondern

»entenschuft nicht eher ruhen lassen, bis der soziale Kurs da ist.

Permanente Ausstellung der Gießener Möbelfabrik (mit besteingerichtetem Maschinenbetrieb) Th. Brück, Ecke,

»»|i pin Flaschen mit eingeprägtem Namen ist Df» üomwel's Haemat offen echt.

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gestrengtesüen Berufstätigkeit noch studieren kann. In der , -e - , . r , -iOKO m j

Frühstücks- und Mittagszeit und nach dem Abendessen, in ^Hstoßgasse, Kanzleiberg, Brandplatz, gegr. 1853. Größtes qualmiger Stube, vertiefen sich zahllose Arbeiter regel- 1nn in

mäßig in ihre Parteizeitung. Und unsere Studenten sollten daS nicht können? Gewiß tonnen Sie es, wenn sich nur Männer sinden, die ihnen das soziale Studium erleichtern. In jeder .Universitätsstadt, an jeder Hochschule lnird ein Philister zur Leitung eines Studrenzirkels sich bereit finden. >en Korporationen soll es zum Bewußtsein kommen, daß m ihrem wissenschaftlichen Gebäude etwas fehlt. Sie dürfen nicht meinen, das Philistertum wolle ihnen nun etwas

Dermifd?te#*

Greifswald, 21. Ott. Die Strafkammer verurteilte^ zwei Studenten wegen einer Säbelmensur, bei der ein Paukant verletzt wurde, zu je drei Monaten Festung.

* Ehrung für einen Offiziersburschen. Arr^ Sonntage wurde auf dem Friedhöfe zu Berlinchen in der Neumark am Grabe des Offtziersburschen Kanoniers Sawadzki ein Denkmal enthüllt. Der Kanonier hatte im Wuckensee bei Berlinchen, als er seinen Herrn, den Generalmajor Zoch von der Artillerie-Inspektion zu Berlin, retten wollte, zugleich mit diesem de« Tod gefunden. Das Denkmal ist von den Offizieren dep Artillerie-Inspektion zu Berlin und den Offizieren des Feld­artilleri e-Regiments von Linger gestiftet worden. Die Ein­weihung vollzog der Hauptmann CuoruS von der Artillerie- Inspektion zu Berlin. Er schllderte den toten Soldaten als einen einfachen Mann und doch einen Helden.

Die Gemeinde-Klistierspritze. Der idyllisch am Harz gelegene Ort Breitungen, der vom großen Verkehr unb1 Getriebe der Welt noch nicht angekränkelt ist, hat sich noch manches aus der ,guten allen Zeit" herüber gerettet, daS füt ihn recht praktisch ist. Vor einigen Tagen durchwanderte dey Äemeindediener gravitätischen Schrittes die Ortsstraße, vork Jung-Breitungen gefolgt, in gemessenen Abständen die meindeklingel rührend und dann in mächtigem Baß die Wort^ ausrusend:Derjenige, welcher gegenwärtig die Gemeinde-^ klistierspritze in Besitz hat, wird dringend ersucht, sie sofort dem Ortsschulzen zu überbringen." Es war nämlich von der Gemeindefür vorkommende Fälle" ein solches, anscheinend^ für viele Krankheiten nützliches Instrument angeschafst worden.: Der gegenwärttge Inhaber hatte es sich beim Ortsschulzerr!

Bekannt ist die Vorliebe der Studenten für Politik, aber meistens kennen sie nur die auswärtige. Die wirt­schaftlichen Zustände im Reichs in den einzelnen Ländern oder gar in ihren Musenstädten ignorieren sie. Kommen diealten Herren" zu her Artivitas auf die Kneipe, so eilt der Abend gewöhnlich in studentischem Frohsinn dahin. Vielleicht feiern die Philister bei Stiftungsfesten begeistert die hehren Prinzipien der Korporationen, sie überwachest deren treue Pflege, halten ürt günstigsten Falle diesen oder jenen Vortrag über Fachwissenschaft aber nur sehr wenige geben zum Studium der sozialen Frage Anleitung. Zieht dann der Studentmit gesenktem Blick in das Phi­listerland zurück"^ so geht er alsbald ganz in seinem Be­rufe auf. Nur Ausnahmen drängen ihn zur Mitarbeit an sozialen Problemen. Aus die sozialen Zellschristen, die der Student nie kennen gelernt hat, abonniert er als Philister nicht. Mit neuen sozialpolitischen Erscheinungen belästigt ihn der Buchhändler nicht leicht. Mag den viel­leicht sozialpolitisch, nicht geschulten Buchhändler in der Auswahl dieser Zusendungen keine Schuld treffen, so müßten doch wohl die Verleger den sozialpolitischen Appetit der gebildeten Kreise mehr zu reizen verstehen. Novitäten werden gewölMich nur in den grüßten Zeitungen eüunal angezeigt. Die Provinzblätter erhalten zu wenig Anzeiger; sozialer Schriften. Man vergleiche damit die immer fich wiederholenden Anzeigen und Rezensionen sozialpolitischer Llleratur irr den kleinsten Mattern der Sozialdemokratie!

Tie Arbeiter beschweren sich ost, daß sie sich die Vor­teile z. B. der Jnvaliditäts- und .Unfallversicherung er- streiten müssen. Bei den Entscheiden der Berufsgenosjen- schasten finden sie oft unnöttge Härten. Tie Bescheide der Berussgenosjenschaften sind manchmal derartig verklausu­liert, daß einem Arbeiter die Entzifferung schjwer fällt. In der Verwaltung der großen Betriebskrankenkassen läßt der Prinzipal in zahlreichen Fällen der Einfachheit halber alles vom Meister ober Aufseher regeln. Wahlen der Ar- beitervertreter werden nicht rechtzeitig bekannt gemacht. Gelegenheit zu geheimer Abstimmung und offener Mein­ungsäußerung gibt es nicht. Rügt ein Arbeiter diese oder

Wehr Verständnis für Sozialpolitik!

Besonders für Studenten nützlich zu lesem

Ter praktische Sozi al Politiker macht im Verkehr mit akademisch gebildeten Kreisen oft die Erfahrung, daß diese der sozialen Frage nicht das für unsere Zeit nötige In- teresse entgegenbringen. Beim Besprechen sozialer The- mata äußern manche Gebildeten bald ein gewisses Unbe­hagen Die erste Gelegenheit benützen sie zum Abschwenken ix eln Gebiet, Zwingt man sie aber zu weiterer Interhaltung über die einzelnen Zweige der Sozialpolitik, o verraten f re ost Unwissenheit. Besonders sind die Einzel­ragen unserer modernen Arbeiterbewegung manchen Ge­bildeten fast unbekannt.

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jene Mißstände in der Generalversammlung, so fichlt sich der Fabrikmeister manchmal berufen, ihn als unbequemen Gast oder verkappten Sozialdemokraten anzusehen. Der Fabrikant weiß von derartiger Behandlung nichts. Aber die Arbeiterschaft vermutet gar zu leicht fein Einverständ­nis mit solchen Maßnahmen. Hätte mancher Fabrikant gelernt, mll welchen Schwierigkeiten diese kleinen Rechte für das arbeitende Molk einem liberalen Regimente abge- rungen wurden, dann hätte er soziales Empfinden und würde peinlich über die Rechte feiner Arbeiter wachen. Hätte er in Arbeitervereinen, Unterrichtsrursen usw. die Schilderungen der Arbeiter über oben angedeutete Miß­griffe gehört und in sozialdemokratischen Blättern ge­lesen, wie diese Mißgriffe als Ausfluß einer ungerechten Weltordnung dargestellt werden, dann könnte er sich viel­leicht willige Arbeiter und dem Waterlande treue Bürger bewahren.

Run zu den Staatsbettieben. Der schwierige, atten- mäßige Instanzenweg für Wünsche und Beschwerden ruft unter den Angestellten der Post und Eisenbahn manche Un- mftiedenheit hervor. Der nächste Vorgesetzte faßt manche Wünsche um Abstellung von Mißständen, um Neuregelung der Dienstzeit usw. unberechtigterweise als .Vorwürfe gegen seine Person auf. Hat ein Arbeiter sich durch den Hauswirt oder den Worsitzenden des Kriegervereins, dem er ange­hört, oder sonst einen besser situierten Wrger indirekt, ohne Namensnennung, an, die Behörden gewandt und da­durch eine Untersuchung oder zufällige Nachfrage bei den betteffenden unteren Vorgesetzten veranlaßt, so wird nicht selten eine förmliche Inquisition nach dem vermeintlichen Quertreiber, Drückeberger oder Sozialdemokraten" in Szene gesetzt. Von alledem weiß der Ingenieur, der Sekre­tär, der Bauleiter, der Dezernent, der Direttor, der Mi­nister nichts. Aber die Arbeiterschaft glaubt, der Unter­beamte handele im Einverständnisse, wenn nicht gar im Auftrage des Vorgesetzten. Sie häll das Benehmen des Unterbeamten, sein allzu schneidiges, exerzierplatzmäßiges Austteten für den ^Ausfluß eines ganzen unfteundlicken, ungerechten, tyrannischen Systems, sie glaubt, die Gesepe seien nur zum Schein gegeben, in der Praxis würden die Rechte nur mit Widerwillen gewährt, und verzweifell gar zu leicht an der ganzen gegenwärtigen Gesellschaftsord­nung. Wie sind solche teilweise ti.es eingewurzelten Vor­urteile auszurotten? Wenn die gebildeten Kreise aus eigenem Antriebe die Lage der Untergebenen zu studieren und zu bessern suchen. Wenn sie außerdienstlich den Unter­gebenen näher treten, wenn sie in Handwerk, Fabrik, Staats­betrieb die Organisationen der orbettenben Klassen fördern. So etwas will aber gelernt sein. Deshalb muß der zu­künftige Fabrikant, Direktor, Ingenieur, Kassenarzt, Richter, höhere Werwaltungsbeamte als Student aus Schriften und ozialen Studienzirkeln, im Verkehr mit den Arbettern elbft deren Jdeengaug und wirtschaftliche Lage, ihre chweren Pflichten, ihre berechtigten Wunsche und Bestteb- ungen in seinen Geist und sein Empfinden aufnehmen.

Es wird weiter nichts übrig bleiben, als daß alle tuden tisch en Korporationen s^ich in jedem Semester konsequent und praktisch dem Stu­dium der Sozialpolitik widmen. Zeit ist vor­handen. Oder sollte nicht ein Abend dem Studium der

Sozialpolitik geopfert" werden können? Mer ist das

von Arbeitern, welche sich vom Bau, 'Amboß oder Hobel- znm Gememdeeigenttlm zu kommen.

Der Arbeiter kennt die Studentenschaft meistens mtr} vom öffentlichen Auftreten, von Auffahrten, von Fackel- wgen, von Festkneipen usw. und bildet sich Über die Stu­denten ein Urteil, in welchem die Arbeitsfreudigkeit und die ernste Lebensauffassung der Studenten schlecht weg­kommen. Wer in der Arbeiterschaft lebt, der wird überf unser studentisches Treiben schon manche bittere Bemerkung gehört haben. Wie aber schlagen die Herzen der Arbeiter? Denjenigen Studenten entgegen, welche öfters in Arbeiter­vereinen erscheinen, debattieren und Referate übernehmen t Wenn dann ein Arbeiter in der Hitze des Dankes den Studenten Doktor tituliert, dann bekundet dies unendlich mehr Achtung als die bezahlten Komplimente desßbeir undPiecolo" auf der Exkneipe. In der Tat, eine herr­liche Aufgabe für unsere Studenten, denen Vermögen unft guter Wille der Eltern eine höhere Bildung verschaffen tonnte, den Arbeitern ihr Los zu erleichtern, ihnen ihre. Teilnahme am öffenttichen Leben und die Erwerbung ihrex- Rechte voll Begeisterung llar zu machen.

Tas Wintersemester beginnt Möge jede Studenten-^ korporation die Einrichtung eines sozialen Studienzirkels beschließen, mögen die Alten Herren bei der ersten Kneipp von diesem Plane Rechenschaft fordern oder noch bessepi unter Gleichgesinnten so einen Kurs für die Studentejn vorbereiten.

T-ann müßten Sie sich schleunigst entfernen und mir nicht wieder unter die Augen kommen", entgegnete Ferdinand ruhig.'

Neugebaur lachte ein wenig gezwungen auf.

Höflicher sind Sie nicht geworden, Herr Groller. Aber ich. hoffe, wir werden uns solange wir hier beisammen sind, doch, ganz gut vertragen. Sie werden hier wenig Verkehr finden und mit meiner Person zuftieden sein müssen."

,/Jch suche keinen Verkehr."

Verzeihen Sie, Herr Groller, Sie scheinen noch immer in; weltschmerzlicher Stimmung sich zu befinden. Ich begreife baä nicht recht Sie sind, wie ich erfahren habe, ein reicher Mann durch die EiLschaft Ihres Bruders geworden, Sie sind ein freier, unabhängiger Mann, Haben keine Frau, keine Kinder, sind ge­sund und kräftig \e>ie könnten das Leben mit vollen Zügen gmießen."

Ferdinand lächelte melancholisch Oh, er hatte das> Lebe» genossen, wenn man genießen nennt daS tolle Hinausstürmen m die Welt, das Sichhineinstürzen in den Strudel großstädtischer Zerstreuungen, das Turchhasten der alten und der neuen Welt, das ruhelose Jagen von einer Stadt zur andern, von einer Zer­streuung zur andern. Er nannte dioses Leben kein Genießen H ihn ekelte es an und er batte sich jetzt in die Einsamkeit dec Berge geflüchtet, um wenigstens in s)iuhc und Stille leben -u können.

Und hier in der Einsmnkeit der Berge ttat ihm die Erinner­ung an jene furchtbare Zeit seines LÄens gar in lebendiger Gestalt entgegen!

Er erhob sich

Ich werde nicht lange hier bleiben", sagte er.Höchstens biS morgen."

Sie sollten doch hier einige Tage der Ruhe pflegen, Herr Groller. Sie sehen eriiuiix't und angegriffen aus. T>ie frische Bergluft hier wird ie sänken. Tie Ruhe = die Emsauckejt wird Ihnen ivohltuu.'

(Fortsetzung folgt)

Ser Hsing.

Kriminal-Roman von O. Elster.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Wenn er dagegen dem Amtsgerichtsrat die Pistole aus bic setzte, bann könnte er außer dem Honorar, bad er auf alle ftälle erhielt, noch ein schönes Stück Geld herausschlagen. Ew- mal das Geheimnis den Verwandten preisgegeben, blleb ihm diesen gegenüber kein Pressionsmittel mehr. £>cine Beobachtung

Ve^d^m 1 Anusge ruhtsrat lag die Sache anders. Tas Ge- beinmis bildete hier 'eine stets fließende Geldquelle, und Herr Neugcbaur verstand es, eine solche Quelle ergiebig zu ge-

nicht mit sich einig schritt er dem Gasthause zu, vor dem Heb mehrere Leute um einen Wagen versammelt hatten, dessen Achse gebrochen war. Ter Kutscher verhandelte mit dem Schmied des Dorfes, während der Herr, welcher mit dem Wagen gekommen war, in nachlässiger Haltung dabeiftand und den langen ttrbrtcrungai des Schmieds zuhörte.

Reparieren ene den Wagen nur", schnitt der Herr schließlut) diese'Erörterungen ab.Ich bezahle Sie. Ich werde solange hier im Wirtshaus bleiben." .

ytber heute wird die Arbeit nicht fertig, gnädiger Herr.

»So bleibe ich bis morgen. . ."

Mit diesen Worten ging der Herr auf das Gasthaus zu, von dem Wirt höjlich begrüßt. .

Neugcbaur blieb erstaunt stehen, er hatte in dem Fremden ßerrn dcn Besitzer von Wendessen Ferdinano Groller erkannt.

9. Kapitel.

Al-> yiciigcbaur in die Gagstube ttat, saß Ferdinand Groller am Feiiit-i and las bic Zeitung. Er achtete nicht aus den Ein- ttch-nben, der somit Gelegenheit hatte, ihn aufmettsam zu be- vLachteu-

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Woher kommt diese sozialpolitische Apathie weiter Kreise in den gebildeten Ständen? Schon in der Wo l ks- schu'le und auf dem Gymnasium beschäftigt uns die Kroße Lehrmeisterin des Lebens, die Weltgeschichte, viel zu sehr mit Erscheinungen der äußeren Politik, mit dem Wechsel der Dynastien, mit Kriegen und Machtfragen der Natiotlen ku«sw.; den innervolitischen, kulturgescyichtlichen, besonders wirtschaftlichen Zuständen der einzelnen Zuhr- hunderte widmet Man weniger Aufmerksamkeit. Der Studrengang unserer Hochschulen füllt die in der allge­meinen Bildung entstandene Lücke nicht immer aus. Wer studiert die WerL unserer Nationalökonomen? Meistens doch nur die angehenden Wolkswirtschaftler. Der größte Teil unserer Philologen, Zuristen, Theologen, Mediziner, Techniker beschäftigt sich mit diesen Fragen nicht. Selbswer- ständlich brauchen die Studenten nicht die Einzelhellen der sozialen Gesetzgebung zu beherrschen. Neber die Zahl der NnjallberujsgenosjenschafteN und der Arbeitervertreter in den Krankenkassen, über die Rentenhöhe in den Gruppen der Invalidenversicherung brauchen sie nicht unterrichtet zu sein. Aber von einem Gebildeten darf man erwarten, daß er nicht die Begriffe asozial" undsozialdemokral-isch" identisrzierL, daß er Arbellerschutz unb Arbellerversicher- rmg, Gewerkschaft und Genossenschaft unterschei" 1 sozialistische und liberale Wlltschaftsordnuna in

Lügen väl-errscht. Wenigstens ein grundlegendes Werk über die soziale Frage sollte er gewissenhaft durchgeurbeitet haben.

Aus dem einfachen biedern Gutsbesitzer, der such am Wohlsten in der Jagdjoppe und den hohen Rellstiefeln gefühll hatte, war ein eleganter Weltmann geworden mit nachlässigen, etwas matten Manieren und einem blassen müden Gesichte und gleichgütig blickenden Augen. Statt des ländlichen Arbeitsanzuges trag er einen eleganten Touristenstock, Kniehosen und Wadensttüntpfe, sowie einen tyroler Jagdhut mit Gemöbart. Ein grünlicher Wettermamel hing über der Lehne eines Stuhles, an dem ein Bergstock und Rucksack lehnte.

Ferdinand machte den Eindruck eineS Mannes der großen Welt, der sich in der Verkleidung eines Bergfexes gefällt.

Ter richtige Salontyroler", meinte Neugebaur heimlich mit spöttischem Lächeln.

Ta Gwller keine Notiz von ihm nahm, räusperte er sich vernehmlich. Groller sah auf, blickte ihn eine Welle an und toanbte sich wieder seiner Zeitung zu.

Die scheinen mich nicht mehr zu kennen, Herr Grolleti^, sagte Neugebaur, an Ferdinand 6erantretenb.

Tiefer sah ihn gleichgiltig an.

Wenn ich nicht irre", sagte er dann ruhig,Herr Neu­gebaur." . . .

Ja, das ist mein Name. Also entsinnen Sie sich meiner rwch?"

Wie sollte ich nicht? Erinnern Sie mich doch an die un­angenehmste Episode meines Lebens."

Sehr schmeichelhaft", lachte Neugebaur spöttisch.Ich hoffe jedoch, Sie werden mir diese unangenehme Episode, an der ich völlig unschuldig bin, nicht nachtragen."

Weshalb sollte ich Ihnen nachtragen? Ich habe mich jedoch bemüht, diese häßliche Episode zu vergessen also auch Sie." Tas scheint Ihnen jedoch nicht gelungen!"

Ferdinand errötete leicht.Ich denke, ich bin Ihnen darüber keine Rechenschaft schuldig."

In der Tat nein. Und ich bitte um Entschuldigung, daß ich Sie daran erinnert habe. Ich gebe Ihnen mein Wort, daß es nicht wieder Vorkommen toll."