Ausgabe 
20.12.1904 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. Ä99

Drittes Blatt

154. Jahrgang

Dienstag 20. Dezember 1904

Eichener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener tfamiltenbiatter" werden dem Anzeiger viermal wöchenrlich beigelegt. Der -Hesfische Landwirt' erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwerütätsdruckerei. R. Lange, Dießen.

Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.V. Tel. Nr. 61. Telegr^-Adr. i Anzeiger Dießen,

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Trikotasfen

und

B^saix - Artikel hält sich für die bevorstehenden Feiertage einem kauflustigen Publikum Jk bestens empfohlen.

W

II

Jilßl

II

M

-

m

HS®;;

Vnlitische Tagesschau.

Erhebungen zur Arbeiterstatistik.

Der Beirat für Arbeiterstatisttk war unlängst zu einer Sitzung vereinigt. Gegenstand der Beratung bildete die Fortsetzung der Erhebung über die Arbeitszeit im strleischer»gewerbe und die Einleitung von drei neuen Erhebungen, die in letzter Zeit vom Reichskanzler lReichs- amt des Innern) angeordnet worden sind. Tie neuen Erhebungen betreffen: 1. die Arbeitszeit der in Plätt­anstalten und in nicht als Fabriken oder Werkstätten mit Motorenbetrieb anzusehenden Waschanstalten beschäf­tigten Personen, 2. die Abänderung der gesetzlichen Be­stimmungen über die Arbeitszeit der Arbei^rinnen in der Fischindustrie und 3. die Lohnbücher in der W ä s ch e - u n d Kleiderkonfektion. Außerdem beschäftigte sich der Beirat mit einer Eingabe des Zentralvereins zur .Hebung der deutschen Fluß- und Kanalschiffabrt, betreffend die für das folgende Fahr in Aussicht genommenen Erhebungen über die Arbeitszeit im Binnenschiffahrtsgewerbe.

Bezüglich der Erhebung im Fleischergewerbe war früher beschlossen worden, von einer Anzahl von Organi­sationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer dieses Ge­werbes sowie von Krankenkassen, zu denen vorwiegend Fleischer gehören, Gutachten auf Grund eines Fragebogens einzuholen, dessen Aufstellung dem Ausschuß übertragen war. Da sich bei der Beratung des Fragebogens im Beirat eine Anzahl neuer Gesichtspunkte ergab, wurde der Ent­wurf nochmals an den Ausschuß mit dem Auftrage zurück­gewiesen, hiernach den Fragebogen einer Umarbeitung zu unterziehen.

Bezüglich der Erhebung in den Plätt -und Wasch- an st alten war bereits in der letzten Sitzung des Bei­rats beschlossen, eine schriftliche Umfrage bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern dieses Gewerbes auf Grund eines Frage­bogens zu veranstalten. Ter Ausschuß legte den Entwurf eines unter Hinzuziehung von Arbeitgeber- und Arbeit­nehmersachverständigen aufgestellten Fragebogens vor, wonach die Feststellung der täglichen Arbeitszeit während einer bestimmten Woche vorgenommen werden soll. Diese Form der Befragung wurde gewählt, weil nach Angabe der Sachverständigen in den in Frage kommenden Betrieben die Arbeitszeit an den einzelnen Wochentagen eine sehr verschiedene ist. Der Beirat schloß sich dem Ausschußbericht an und genehmigte den vorgelegten Entwurf des Frage­bogens mit geringen Abweichungen.

In gleicher Weise wird die Erhebung über die Lohn­bücher in der Wäschei- und Kleiderkonfektion begonnen werden. Gemäß dem Vorschläge des Ausschusses beschloß der Beirat, daß zunächst die Bundesregierungen ersucht werden sollen, witzuteilen, inwieweit seit der letzten Erhebung in der Konfektionsindustrie im Jahre 1896 eine Verschiebung in den Standorten der Konfektion eingetreten sei, welche etwa die Einbeziehung neuer Erhebungsgebiete notwendig macht. Außerdem sollen die Bundesregierungen gebeten werden, Auskunftspersonen aus den Kreisen der Arbeitgeber, Zwischenmeister und Arbeitnehmer nach be­stimmten, vom Beirate näher bezeichneten Gesichtspunkten in Vorschlag zu bringen.

Deutsches Reich.

B erlin, 19. Dez. Ein Aufruf an Deutschlands Weid­männer ladet zu einer Dankadresse an den Kaiser ein. Wofür dem Kaiser gedankt werden soll, ist daraus nicht er- H Zum Abschluß der Verhandlungen über den deutsch­österreichischen Handelsvertrag berichtet derB.-C.", cs handle sich nicht mit die Entsendung von Vertragsdelegierten, da die Verhandlungen über den Vertrag auf diplomatischem Wege geführt werden, sondern nur um btc fachmännische Erörter­ung einzelner noch strittiger Fragen durch die Fachreferenten der beiden Vertrag schließenden Staaten. Oesterreich-Ungarn wird hierzu fünf Fachreferenten hierher senden, deren Ankunft täglich erwartet wird.

Lübeck, 19. Dez. Die Bürgerschaft stimmte in einer ge­heimen Sitzung dem Senatsantrage auf eine Lotteriegemein- s ch a f t m i t P r e u ß e n zu. Preußen zahlt Lübeck jährlich 175 000 Mark

Detmold, 19. Dez. Der Graftegent hat heute die neue Kaserne für das Bataillon besichtigt.

Ans Stadt und Laad.

Gießen, den 20. Dezember 1904.

** Personalien. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen dem Mitglied der freiwilligen Feuerwehr zu Grün berg Christovh Bock. S. K. H. der Großherzog haben dem Ortsgerichtsmann D a a b in Reinheim das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: Für langjährige treue Dienste verliehen. Der Regierungs­assessor Michel aus Waldmichelbach wurde zum Steuer­kontrolleur ernannt.

** Zwei Schülerverbindungen sind, wie man uns nntteilt, an einer hiesigen höheren Lehranstalt entdeckt worden. Ungefähr ein Dutzend Schüler wurde aus der Anstalt dimittiert, einige davon, dieHerren Chargierten", wurden von dem Besuche aller höheren Lehranstalten in Hessen aus­geschlossen.

** Die allj äh rliche Ausstellung d er Alicschu le erfreute sich am Samstag und Sonntaa eines großen Be­suches. Es verlohnte sich auch der Mühe, die wirklich reich­haltige Ausstellung zu besehen. Reben recht sauber und ge­diegen angefertigten Handarbeiten in Wäschegegenständen und Holzbrand rc. gefiel besonders die gleichfalls jedes Jabr statt­findende Ausstellung der Kochschule unter der bewährten Leitung von Frl. Nenner. Sehr lecker präsentierten sich die Rehrückenplatte, verschiedene Salate rc. Ebenso erfreute sich das Backwerk eines großen Zuspruchs. Seinen Appetit konnte man gleich befriedigen, da Torten und kleines Gebäck zu kaufen waren, die vorzüglich mundeten, sodaß gestern mittag gegen 4 Uhr alles ausverkauft war. Die Ausstellung hat wieder einmal gezeigt, wie unsere angehenden Hausfrauen in der Aliceschule in reichem Maße ihre Kenntnisse auch in der Kochkunst erweitern können. Das ist auch sehr wünschens­wert, da bekanntlich die Liebe des Mannes gewöhnlich durch den Magen geht.

** Zum Strafantrag gegen Frau Lilly Braun teilt derHessische Kamerad" mit, daß die Ange­legenheit nicht weiter verfolgt werden wird, da so­wohl aus dem Bescheid des Ersten Staatsanwalts am Land­gericht I, Berlin, sowie aus demjenigen des Oberstaats­anwalts am Kammergericht klar hervorgeht, daß durch das in Mainz stattgehabte Verfahren gegen Toller in unzweifel­hafter Weise festgestellt ist, daß die Angaben des verstor­benen Generals v. Kretschman über das Verhalten hessischer Truppen in Sens, wie er es in den Briefen Nr. 97 d. d. Teil 15. November 1870 und Nr. 98 d. d. Sens, den 16. November 1870, geschildert hat, der Wahrheit widersprechen. Es steht den Antragstellern nun, nachdem die öffentliche Anklage abgelebnt ist, noch der Weg der Privatklage offen, die in Darmstadt, wo das Buch Verbreitung gefunden hat, erhoben werden kann, und ohne Zweifel in 1. und event. 2. Instanz zur Bestrasimg der Frau Lilly Braun führen dürfte. Aber da der Hauptzweck weniger die Bestrafung, als die gerichtliche Feststellung der Unwahrheit war, so will man von weiteren Schritten Abstand nehmen.

* Stenographie. Am kommenden Donnerstag werden die Stenographen-Gesellschaft Gabelsbergcr und der Gabelsberger Stenographen-Verein ihre diesjährigen Weih­nachtsfeiern in ihren Vereinslokalen begehen, worauf die Mitglieder auch an dieser Stelle aufnierksam gemacht werden. Mit Befriedigung können beide Vereine bei dieser Gelegenheit auf das abgelaufene Jahr zurückblicken, das derGesellschaft" einen Zuwachs von 25 auf 52 und demVerein" einen solchen von 72 auf 106 Mitglieder gebracht hat, ein Zeichen dafür, daß die Kenntnis der Stenographie immer mehr für alle mit schriftlichen Arbeiten Beschäftigten ein Bedürfnis wird.

Darmstadt, 19. Dez. DieD. Ztg." schreibt: Die Nachricht von der Verlobung S. Kgl. Hob. des Großherzogs hat, wie bekannt, nicht nur im Hessenlande große Freude hervorgerufen, sondern auck außerhalb des Landes lebhafteste freudige Anteilnahme erregt. Ursprünglich war beabsich­

tigt, die Vermählung des hohen Fürstenpaares im engeren Kreise zu Lich zu feiern, weitergehende Erwägungen führten indeß dahin, diese Feier in weiterem Rahmen in dev Landeshauptstadt zu begehen. Demgemäß wird die feierliche Trauung am 2. Februar n. Js. in der Schloßkirche zu Darmstadt vollzogen werden.

Mainz, 17. Dez, Theaterdirektor Wolf Steinert bat an die Stadt das Ersuchen gerichtet, daß ihm im Gegensatz zum Barographen 15 des Theatervertrages gestattet würde, neben der Direktion des hiesigen! Theaters eine auswärtige zu übernehmen. Direktor Steinert verlangte für gestern abend eine bündige Antwort, die ihm auch zu teil wurde. Die Theaterdeputation faßte den einstimmigen Beschluß, das Gesuch des Direktors strikte abzulehnen w d von ihm bis spätestens Mittwoch abend der nächsten Woche eine unzweideutige Erklärung zu ver­langen, ob er am Schluß des Jahres demissionieren oder die Direktion für die Vertragsdauer bis 1905 weiterführen wall". Damit wird endlich rinc Entscheidung berbeigesührt, die im Interesse unseres Theaters sehr zu begrüßen ist. Wenn der Direktor, der gestern abend nach Berlin gereist, ist, sich bis zum Mittwoch nicht entschieden haben sollte, wird ihm die Stadt kündigen und der Frage der S e l b st - regte näher treten. Ein Intendant steht ihr in beirq städtischen Kapellmeister Hofrat Steinbach, der sich bereits als Direktor bewährt hat, zur Verfügung.

vor^nk-chtes.

* Ueber den Strafvollzug gegen denResidenz­boten"- Redakte urSchwepnert wird demNordd. Volks­blatt" aus Vechta mitgeteilt, daß Schweynert in der Vechtaer Strafanstalt noch immer weder Selbstbeköstigung noch Selbstbeschäftigung eingeraumt sei; auch dürfe er Feine Zeitung halten. Schweynert erhalte jetzt Krankenkost, lieber die Behandlung könne er zwar nicht klagen, wohl aber über die Beschäftigung. Augenblicklich befasse er sich mit der Herstellung von Schreibheften, es sei ihm aber bereits an­gekündigt, daß er das Schneidern erlernen solle.

9 London, 18. Dez. Die Frage des Baues eines zweiten Suezkanals kommt hier tatsächlich ins Rollen. Der neue Kanal soll doppelt so breit wie der alte, und acht Meilen kürzer werden, dabei sollen die Kosten nur 100 bis 1 50 Millionen Mk. gegen 400 Millionen Mk. des vorhandenen Kanals betragen.

* Tokio, 19. Dez. Die Trauung des hiesigen Attaches der deutschen Gesandtschaft, Grafen Alexander v. Hatz­feld-Trachenberg mit der Tochter Hanna des früheren japanischen Gesandten in Berlin, Vicomte Aoki, fand heute^ in der katholischen Kirche unter großer Beteiligung statt, nach­dem der deutsche Gesandte zuvor die Ziviltrauung vollzogen hatte.

gpidplöK der verrinigten Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Mittwoch den 21. Dezember gejchlossen. Donnerstag den 22. Dezember*^:Louise." Freitag den 23. Dezember geschlossen. Samstag den 24. Dezember geschlossen. Sonntag den 25. Dezember, nachmittags halb 4 Uhr: Zum ersten Male:Blond: e l s ch e n". Abends 7 Uhr:Mignon." Montag den 26. Dezember, nachmittags halb 4 Uhr:Blondelfchen." Abends 7 Uhr:Lohen- grin." Dienstag den 27. Dezember, . nachmittags halb 4 Uhr: Blondelfchen." ' Abends Uhr:Carmen."

Schauspielhaus.

Mittwoch den 21. Dezember*):Die Biederleute." Donners* tag den 22. Dezember, abends halb 8 Uhr:Zapfenstreich." Freitag den 23. Dezember:Die Räuber." Samstag den, 24. Dezember geschlossen. Sonntag den 25. Dezember, nachmittags halb 4'Uhr:Zapfenstreich." Abends 7 Uhr: Zum er ft en' Male:Familienta g." Von Kadelburg. Montag den 26. Dezember, nachmittags halb 4 Uhr:Alt-Heidelberg." Abends Die Biederleute." Dienstag den 27. Dezember, nachmittags halb 4 Uhr:Im bunten Rock." Abends 7 Uhr:Familientag."

*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

16 Marktplatz 16

16 Marktplatz 16

Frledr.Telpel

16 Marktplatz 16

16 Marktplatz 16

a

B Frledr.Telpel

MMR NM-öMMM.