Ausgabe 
19.11.1904 Erstes Blatt
 
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Neueste Melsungen.

Heldenbergen, 19.Nov. In einem Orte Bayerns wurde das Ehepaar Fischer verhaftet, das sich am Morgen der Ermordung des Pfarrers Thöbes heimlich aus seiner bisherigen Wohnung in Windecken bei Heldenbergen entfernt und mit der Eisenbahn ins Bayrische gefahren war. Das Ehepaar hat noch anderer Straftaten sich schuldig gmacht, ist aber auch höchst verdächtigt, in der Raubmordaffäre an dem Pfarrer Thöbes. Fischer arbeitete an dem Vilbeler Bahnbau.

Breslau, 19. Nov. Anfangs Dezember findet in Frankfurt a. M. eine Konferenz der bedeutend- ft en jüdischen Korporationen der Welt statt. Der Zweck der Konferenz ist die Gründung einer inter­nationalen Zentralkommission für die jüdische Auswander­ung aus dem östlichen Europa.

London, 18. Nov. Der Herzog von Devenshire hat die Präsidentenschaft der Freihandelsliga über­nommen.

Petersburg, 19. Nov. Ueber den Stand der Cholecra wird folgendes gemeldet: Vom 8. bis 16. Nov. sind die meisten Erkrankungen in den Gouvernements Eriwan, Baku und Samara, in letzterem.67 Fälle in 12 Ortschaften, vorgekommen. In den Städten Astrachan und Saratow sind keine Erkrankungen, hingegen 17 im Gou­vernement Saratow und zwar in letzterem in der Stadt Zarizyn, wo 14 Menschen an Cholera starben. Jvr Trans- kasPi-Gebiet waren drei Krankheitsfälle zu verzeichnen.

Kapstadt, 18. Nov. (Reuter-Bureau). Nach einem Telegramm aus Upington seien dort zwei Frauen cin- getrosfen, welche die brutale Ermordung ihrer Männer, sowie anderer holländischer Farmer auf deutschem Ge- s biete durch die Hottentotten berichten. 23 Frauen, denen

es gelang, mit ihren Kindern den aufständigen Eingeborenen zu entkommen, haben Ringfontein erreicht. Sie sind voll­ständig mittellos. Der DampferHyades" mit 150 Buren, die als Führer für Transportkolonnen dienen werden, sowie mit Vorräten und Rindvieh, ist nach Swakopmuud abge­gangen. 5 weitere Dampfer werden demnächst folgen.

W ash in g t on, 18. Nov. (Reuter-Bureau.) Die nieder­ländische .Regierung teilte dem Staatssekretär Hay mit^ daß sie mit Freuden den Vorschlag des Präsidenten Roose­velt annahm, daß die zweite von ihm vorgeschlagerw Friedens konferenlz im Haag tagen solle. Bis jetzt liegt noch keine formelle Annahme irgend einer Einladung in vollem Umfange vor. Aber fast alle europäischen Mächte haben ihre Bereitwilligkeit angezetgt, die Einladung int1 Prinzip anzunehmen. Weitere Vorverhandlungen sollen zur Feststellung des Programms und zur Abgrenzung der Ar­beiten der Konferenz führen.

Bekanntmachung.

Das 4. Ziel Gemeindesteuer für 1904 ist innerhalb 8 Tagen bei Vermeidung des Beitreibungsverfahrens zur Stadtkasse, zu bezahlen.

Zahlstunden täglich vormittags von 812 Uhr.

Gießen, den 19. November 1904. b19/11

Stadtkasse Gießen: Doepfer.

Bekanntmachung.

Die erledigte Stelle eines Kreisstraßenwarts mit dem Sitz tn Annerod soll demnächst wieder besetzt werden.

Bewerber haben ihre Meldungen bei Kreisstraßenmeister Rohrer in Gießen bis längstens zum 15. Dezember l. I. ein­zureichen, wobei Alter und seitherige Beschäftigung unter Bei­fügung etwaiger Zeugnisse anzugeben sind.

Gießen, den 12. November 1904. B19/n

Der Kreis-Ausschuß des Kreises Gießen. I. V.: Dr. Wagner.

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AudttPliNtklllgesllche des Friedrich Frey in Wieseck, Privatklägers, gegen den Eberhardt Balser in Wieseck,

Angeklagten, wegen Beleidigung, hat das Gr. Schöffengericht zu Gießen am 8. November 1904 für Recht erkannt:

Der Angeklagte Eberhardt Balser, geb. am 26. März 1853 zu Wieseck, wohnhaft daselbst, Landwirt, verheiratet, evan­gelisch, vorbestraft, wird wegen Beleidigung im Sinne der §§ 185, 186, 200 Str. G. B. in eine Geldstrafe von vierzig Mark, eventuell acht Tage Ge­fängnis, und in die Kosten des Verfahrens einschließlich der dem Privatkläger erwachsenen notwendigen Auslagen ver­urteilt. Gleichzeitig wird dem Privatkläger die Befugnis zu­gesprochen, die Verurteilung des Angeklagten auf dessen Kosten durch einmalige Ein­rückung in den Gießener An­zeiger innerhalb acht Tagen von Zustellung eines Urteils­auszuges an gerechnet, öffent­lich bekannt zu machen.

Die Richtigkeit der Abschrift der Urtcilsformel wird be­glaubigt und die Vollstreck­barkeit des Urteils bescheinigt.

Gießen, den 16. Nov. 1904. gez. Bühner,

Gerichts'chreiber des Großherzoglichen Amtsgerichts.

Für die Abschrift!

der Vertreter des Privatklägers für die Rechtsanwälte

H. Katz und C. Kaufmann Katz, 8451 Rechtsanwalt.

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Die Versteigerung zu 1 und 2 findet bestimmt statt, zu 3 teil­weise.

8460s Born, Gerichtsvollzieher.

Versteigerung.

Montag, den 21. ds. MtS., nachmittags 2 /, Uhr, sollen da­hier Marktplatz 20 imAdler":

1. 2 Pferde,

2. 1 Nähmaschine,

3. 1 Ladeneinrichtung,

4. 1 Fahrrad u. 2 Nähmaschinen,

5. 1 größere Partie Zigarren,

6. Haus- und Küchengeräte aller Art, sowie v. a.

gegen bar versteigert werden.

Die Versteigerllilg findet vor­aussichtlich teilweise statt.

Gießen, deil 19.November 1904. 84571 Seipel, Gerichtsvollzieher.

Man achte auf den Namen Maggi.

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