Ausgabe 
19.9.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. L20

Zweites Blatt.

Montag ID. September 1D04

Lrschetnl tSgllch mit Ausnahme des Sonntags.

Redaktton, Expedition ».Druckerei: Schulstr.t. XeU Nr. 6L Lelegr.-Adr. i Anzeiger Gietzen,

DieGietzener Famillenblatter- werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «.Hsilsich« Canörolrr er|d)etiü monatlich einmal.

154. Jahrgang

a. RotattonSdruck und Verlag der Brsthlstchen Unwerfitälsdruckeret. R. Lange, Dieben.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehrn.

Politische Wochenschau.

Wie schon in Hamburg nach Beendigung her großen Truppenparade hat der Kaiser auch in Brunsbüttelkoog Gelegenheit genommen, aus Anlaß der Flottenrevue auf die Bedeutung der maritimen Wehrmacht des Reiches hin^uweisen. Besonderes Aufsehen erregte der in der Rede enthaltene .Passus, wonach b-er Kaiser bei seinem Regierlmgsantritte ein Seeoffiz-ierckorps vorgefunden hätte, das nicht das volle Gefühl der Zugehörigkeit zu seinem obersten Kriegsherrn gehabt habe. Seinem des Kaisers Bemühungen sei es zu danken, daß das jetzt anders geworden sei, so daß er satten Angehörigen der Marine seine vollste Zufriedenheit aussprechen könne. Bon Bruns- büttelkoog begab sich der Kaiser sodann über Kiel nach, Schwerin, um von hier den Manövcrn des 9. und des Gardekorps beizuwohnen und dann selbst die Führung der beiden Korps abwechselnd zu üb ernennen. Die bei dem offiziellen Diner zur F-eier der Verlobung des Kron­prinzen mit der Herzogin Ceeilte im Schweriner Schlosse ausgebrachten Trinksprüche enthielten außer der Hindeut­ung auf die engen dynastischen Beziehungen zwischen den Häusern Hohenzollern und Mecklenburg wenig Bemerkens­wertes.

Während der Kaiser durch militärische IMhntflen in An­spruch genommen war, erfreuen sich der Reichskanzler und einzelne seiner Mirnster noch der goldenen Ferien­zeit. Graf Bülow ist von Norderney nach Homburg vor der Höhe übergesiedelt und der Kultusminister Studt hat die Hauptstadt Ungarns verlassen, in der er wissenschaftlichie Institute zu seiner Information besucht hatte. Bon einem Wechsel im Ministerium des Innern, der schon als absolut sicher angekündigt war, ist es inzwischen wieder still ge­worden. Im Gegenteil hat Minister v. Hanrmerstem einem Ausfrager gegenüber erklärt, er denke gar nicht daran, seinen Abschied zu nehmen, weil nicht der geringste Grund dazu vorläge. Was die Mirbachtlngelegenheit 'angehe, so habe er von dem Schreiben des mit unbestimmtem Urlaub verreisten, angeblich erkrankten Oberhofmeisters an die Oberpräsidenten keine Kenntnis gehabt. Wenn dem so ist, so versteht man nicht, warum dier Minister seinerzeit die im preuß. Abgeordnetenhause ein gebrachte Inter­pellation nicht sofort beantwortet, sondern sie ad calen- das graecas verschoben hat.

Mit unseren Kolonien haben wir kein rechtes Glück. Nachdem sich der angebliche große Sieg General Trothas bei Waterberg als sehr viel weniger weittragend, als zuerst angenommen, herausgestellt hat, geben jetzt sogar schon halboffiziöse Blätter zu, daß die Erfolge Trothas bis jetzt rein negativer Natur gewesen seien. Unsere Truppen in Südwestafrika stehen jetzt vor der überaus schwierigen Aufgabe, die zerstreuten Trupps der Herero einzeln aufzustöbern und unschädlich zu machen. Und zwar muß dies in völlig wasserarmen Gegenden erfolgen, die noch so gut wie unbekannt, dafür aber desto ausgedehnter siird. Zudem faHeit dort dem Typhus fast täglich ein paar Soldaten zum Opfer. Für einen neuen Tru p pe n- transport nach Südwest-Afrika wird der von Swakop- mund in Hannover eingetroffene WoermanndampferErnst Wo ermann" ausgerüstet. Der Ersatztransport, der aus 16 Offizieren, Aerzten und Zahlmeistern und aus etwa 400 Mann besteht, wird am 30. d. M. die Abreise antreten Der Dampfer wird außerdem noch ein großes Quantum Proviant, lebendes Schlachtvieh und Munition an Bord nehmen. Auch in unseren australischen Kolonien scheinen die Dinge nicht so zu stehen, wie sie sollten Aus Herbertshöhe in Neuguinea kam die Hiobspost, daß dort mehrere Missionare und barmherzige Schwestern von den Eingeborenen erschlagen worden sind. Die Täter sind alsbald ergriffen und hingerichtet worden. Aber sehr be­denklich bleibt es, daß die Ursache des Gemetzels in dem Gebühren der Ermordeten selber gefunden worden ist.

Den Vereinsversammlungen großen Stils und Kon­gressen, die jetzt noch en vogue sind, wird durch den be­ginnenden Herbst ein baldiges Ende bereitet werden. Fast zu gleicher Zeit sah das benachsbarte Oesterreich zwei wichtige Veranstaltungen innerhalb seiner Grenzen tagen. Während der Deutsche Juristentag in Innsbruck seinen Beratungen oblag, hatte sich in Wien der Inter­nationale Preßkongreß versammelt, um wichtige Beschlüsse, u. a. dte Einsetzung von Standesgerichten für Angehörige der Preffe, zu fassen. Auch sonst konnte die östreich-ische Metropole in letzter Zeit interessante Gäste beherbergen. Kaum daß Prinz Georg von Griechenland, derRegent" von Kreta, die gastliche Stadt verlassen hatte, um sich nach Petersburg zu begeben, erschien Fürst Fer­dinand, der Herrscher aller Bulgaren, um dem greisen Kaiser Franz Josef seine Aufwartung zu machen. Dieser Empfang des Fürsten durch den Kaiser konnte als offizielle Anerkennung des friedfertigen Verhaltens Ferdinands I. gelten, dem es in gewisser Hinsicht zu danken ist, wenn das Kriegsbeil auf der Balkenhalbinsel vorderhand be­graben geblieben ist.

Der Geburt des russischen Thronfolgers ist die des italienischen gefolgt. Dadurch ist der König von Italien ebenso einer Sorge enthob-en worden wie vor­dem der Zar, und in ganz Italien jubelt man. Am 16. ds. veranstalteten etwa 3000 Personen in Rom einen Umzug mit Fahnen, der sich nach dem Kapitol bewegte, wo eine Ansprache über die grünliche Geburt des Thronfolgers gehalten wurde. Aus allen Städten Italiens' gingen Nachi- richten ein über Freuden-KundgebungeN. Seitens der Vür-» gcrmeister der meisten Städte Italiens sowie anderer her­vorragender Persönlichkeiten gingen dem König Glück- wunsch-Telegramlme zu. Die Bevölkerung von Racconigi veranstaltete einen Fackelzug am Schloß, und der König wurde von der Volksmenge lebhaft begrüßt. In Ber­lin sand eine große Gratulation auf der italienischem Botschift statt, deren Ehef Graf Lanza sich zurzeit auf Urteub befindet. Für den Reichskanzler Masen Bülow erschienen Graf Pourtales, ferner zahlreiche Mitglieder beA diplon atischen .Wrps und viele hohen WUrdenttäger in Staats- und Hosämtern nebst hohen Militärs. Die vaterlandslose" Arbeiterbevölkcrung RomS und

einiger großer Industriestädte Nord-Italiens nimmt von der Geburt eines Kronprinzen nicht die geringste Notiz. Jn Mailand sah sich der Stadtrat veranlaßt, einen Auf- ntf an die Bevölkerung zu erlassen, in dem er sie zur Mäßigung und zur würdigen Halttmg aufforderte. Der Generalstreik ist in Mailand, Genua, Bologna, Turin usw. vollständig. Die 'Auftegung unter der dorttgen Be­völkerung wächst. Die Deputierten der äußersten Linken beschlossen, die sofortige Einberufung des Parlaments zu beanttagen. In Mailand haben Ausständige in einem Restaurant einen Arzt erstochen, in Genua wurden mehrere Beamte verletzt. Die ganze Presse Frank­reichs mit Ausnahme der klerikalen, widmete der Ge­burt des italienischen Kronprinzen Betrachtungen, in denen sich die wärmste Gesinnung für Italien ausdrückte. Un­zählige auch der amtlichen Welt gänzlich fernstehende Per­sonen schrieben sich in die aufgelegten Listen in der Pa­riser italienischen Botschaft ein.

IN den Vereinigten Staaten von Nord­amerika spitzt sich der Kampf zwischen der republikani­schen und der demokratischen Partei aus Anlaß der bevor­stehenden Präsidentenwahl immer mehr zu. Der Kandidat der ersteren, der gegenwärtige Präsident Roose­velt, der vorläufig noch immer bedeutende Chancen hat, wiedergewählt zu werden, hat sein Programm ver­öffentlicht, in dem er die Grundzüge seiner imperialisti­schen Polittk darlegt. Das Hauptaugenmerk des Staates will Roosevelt auf den Ausbau und die Pflege einer starken Flotte gerichtet wissen, ebenso verlangt er, daß die Monroe- doktrin neue Kräftigung erfahre, er versteht es aber zu gleicher Zeit auch,, sich um schwierige Fragen, wie z. B. die komplizierte Trustsrage, geschickt herumzudrücken.

Auf dem ost asiatischen Kriegsschauplätze herrscht gegenwärtig verhältnismäßige Sttlle nach den blutigen Tagen von Liaujang. Erst in der vergangenen Woche sind die offiziellen Berichte sowohl von russischer wie japanischer Sette über die gewalttgen Kämpfe bei der bisher fast unbekannten Stadt, deren Name jetzt der Welt­geschichte angehört, eingetroffen, die wiederum klar er­kennen lassen, mit welcher glänzenden und todesverachten- den Tapferkeit auf beiden Seiten gestritten worden ist. Nach der Schlacht bei Jentai, die den ^Abschluß des siebentägigen Ringens um Liaujang bildete, haben Kämpfe von nennenswerter Bedeutung nicht mehr stattgefunden. Nur die russische Abtettung Mischtschenko ist am 15. Sept, nördlich von Jentai angegriffen Worden und verlor 26 Mann. Dies war kein zufälliger Zusammenstoß, sondern der Vormarsch der Japaner hat wieder be­gonnen. Es wird gemeldet, daß die Japaner auf beiden Flanken von Osten, Südosten und Südwesten' vorrücken. Die ruffischen Vorposten haben enge Fühlung mit den Japanern, dte zwanzig Meilen südöstlich von Mukden stehen. ES finden fast beständig Scharmützen statt. zeichen deuten darauf hin, daß es zu einer neuen großen Schlacht in der Nähe Mukdens kommen werde. Die russi­schen Truppen halten alle umliegenden Dörfer besetzt. Tau- jende von Flüchtlinge strömen in die Stadt hinein. Der chinesische Gouverneur ersuchte im Aufttage der chinesls- schen Regierung die Heerführer beider 'Armeen aus Rücksicht auf die chinesischen Kaiser gröber bei Mukden, dort nicht zu kämpfen. Das Gesuch blieb aber unbeantwortet. Nach zuverlässigen Nachrichten aus Tokio hat Japan die Pläne für Organisation einer Nationalarmee ersten Aufgebots aufgestellt. Alle Männer vom 32. bis zum 40. Lebensjahre werden dadurch dienstpflichtig. Die meisten von ihnen haben bereits gedient. Das Aufgebot soll acht Divisionen von zusammen 120 000 Mann ergeben.

Nolitische Tagesschau.

Vom Zuchthaus zum Stubenarrest.

Den Segen der Berufungsinstanz hat der aus der BAfe-Affäre bekannte Oberleutnant Witte in hohem Maße erfahren, dessen Prozeß, wie wir berichtet haben, vor dem Oberkriegsgericht in F r a n k f u r t a. M. verhandelt wurde. In der ersten Instanz Nxrr Witte vom Krtegsgerickt in Frankfurt a. M. wegen Mein­eides in einem Falle und wegen Mißhandlung von Unter­gebenen in 14 Fällen zu 1 Jahr 3 Tagen Zuchthaus, Entfernung aus dem Heere und 2 Jahren Ehrverlust ver­urteilt worden.

Auf seine Berufung fällte, wie wir am Samstag berichteten, das Oberkriegsgericht in Frankfurt a. M. folgendes Urteil: Der Berufung des Drgeklagten wird teilweise stattgegeden; er wird von der Anklage beS Meineids freigesprochen und nur wegm MißhaMung in 4 Fällen zu 14 Tagen Stuben­arrest vernirteilt, der durw die Untersuchungshaft verbüßt ist.

Durch dieses Urteil de§ Oberkriogsgerichts ist der Ober­leutnant Witte rehabili ttert worden. Seine Existenz ist gerettet. Wünschenswerter wäre es gewesen, die Verhandlung hätte nicht, geheim, sondenr öffentlich stattgefunden, dann wäre dem vielgeschmähten eine noch vollkommenere Genugtuung zuteil geworden. Wie oder wäre es gewesen, wenn Witte wegen deS ihm zur Last gelegten Bekbreckuens des Meineids vor einem bürgerlichen Gerächt abgeurteilt worden wiire? Eine Be­rufung in Strafsachen gibt es im bürgerlichen Verfahren nit. ^Dte Zuchthmisstrafe, zu der der Angeklagte in erster Instanz verutteilt worden ist, hätte unweigerlich Rechtskraft erlangt, wenn nicht zufällig der Vetteidiger einen formalen Rcvisionsgrund ausfindig gemacht hätte, der brc Revi'sionsinstanz hätte veranlassen müssen, das Utteil aufzuhcben und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an ein anderes Gericht zu verweisen.

An den gesetzlichen Bestimmnnyen über daS MilitärgerichtS- versahren mag dieses oder jenes auSza^setzen sein. Man kann sogar über die Frage streiten, ob Sondergerichtc für mili­tärische Vergehen durchaus notwendig sind. Aber darin ist 'ba5 Militärgerichtsverfahren dem Strafverfahren der bürgerlichen Ge- rrcfyte voraus, daß daß militäris<l?c Verfahren eine Bernftmg zuläßt. Wie lange noch sollen diejenigen deutschen Staatsbürger, deren Sache vor ein bürgerliches Sttafgcricht zur Aburteilung gelangt, des Segens der Bcnlsungsinstanz entbehren, während den Mili- tärpersonen das RE der Bernftmg in Strafsachen zngebillligt ist?

Ke,r und Alotte.

Die Einführung der hechtgrauen Bluse für die Offiziere in Bayern nach preußischem Muster ist von Twrilfcbcit Blättern angckündigt »vordem Nach demFränk. Kur." aber hat das bayerisae Krü'gsministerium erst bon. der

neuerlichen beabsichtigten Verprmßung" der bayerischen Offiziere durch die Zeitung K.nntnis bekommen. Nach demFränk. Kur." hat die bo.t)erische Kriegsverivaltung bis jetzt nicht die min­deste Veranlassung gehM, der Einführung dieser hecht- und hellgrauen Ofsiziersblule irgendwie näherzutreten, um so »oeniger, als diese in der preußisclien Armee selbst sich keines­wegs als immer p r a kt i s erwiesen hat. Die bayerische Heeres­verwaltung Hobe mit der Einführung der hellgrauenMantel so wie so sclwn die allerschlechtesteu Erfahrungen.' gemacht, und man wird mit der Zeit nwhl zu einem dunkel grauen: Muster greisen, trenn nickst gar zu dem schwarzen zurück- kehren". DerFränk. Kur." hebt ferner hervor:Von Wün-- f(fielt und Winken, die angeblich von Berlin nach München: betreffsendlich einheitlicher Uniformierung gelangt sein sollen,, ist ganz und gar keine Rede."

Ansbach, 17. Sept. Bei den in der hiesigen Gegend statt-, findenden Manövern geriet ein Unter off izier des 2. Fete-, artillerteregiments unter die Räder eines Geschützes. .Er wurde schwer verletzt und starb bald darauf.

Straßburg i. E., 17. Sept. DerStraßb. Bürgerztgch zufolge fuhr vor einigen Tagen einem Hauptmann der 111 Kompagnie deS'Infanterieregiments Nr. 138 auf dem Manöver­felde bei Urweiler eine Kugel dickt am Ohr vorbei. So­fort wurde das Manöver abgebrochen, bei der Unter­suchung der Gewehre wurde jedoch der SHarffchütze nicht aus­findig gemacht. Eine bei der Ankunft der Kvmvagnie in Sachsen­hofen gemachte zweite Untersuchung erwies sich ebenfalls als erfolglos. In Niodervdern ist ein Einjähriger vom Ar-' tillerieregiment 51, welcher cin »m Kameraden einesHarfe. Batrone zeigte, verhaftet und nach Sttaßburg abge--» führt worden.

Kolonialpost.

London, 17. Sept. DerMorning Seaber" berichtet aus Sidney unterm 15. September: Aus Deutsch-Neuguinea liegen Meldungen über ein Komvlott der Eingeborenen zur Niedermetzelung der Weißen vor. Auf der Regier-^ ungsstation Friedrich Wilhelmshasen wurde eine Verschwörung, ähn­lich d?r'enigen gegen die Missionare auf Neubritannien nur mit ge­nauer Not durch die Verräterei eines der Verschwörer vereitelt.< Ein Missionar in Berlin Hafen wurde mit einem Speer, erstochen. Eine Anzahl weiterer Aussckweitungen gegen Weiße iverden von den Neuen Hebriden und aus anderen Otten Poly­nesiens gemeldet. Die Ansiedler fürchten eine organisiette Er­hebung der Eingeborenen aller Inseln. Gegeir die Weifen herrsche allgemeine Mißstimmung. (Vorläufig kann man dieser sensatto- nellen englischen Meldung ohne allzu große Bederrken gegenüber- stehen.)

Aks Stadt und Land.

Gießen, den 19. September 1904.

Der Gesamt-Vorstand deS Lahnkanal­vereins hielt am 17. d. M. in Niederlahnstein eine Sitzung ab, in welcher die Mitglieder aus allen Gebieten der Lahn­gegend oettreten waren. Zur Kenntnis kam die amtliche Be­gutachtung des Lahnkanal-ProjekteS be§ VauinfpektorS Luh- ming, das dieser im Auftrage der preuß. Regierung abgefaßt hcrt.^ Nun, da dieses Gutachten der preußischen Staatsregierung' vorliegt, soll die Meinung erforscht werden, welche Stellung die Negiening dem Projekt gegenüber einnehmen wird und ob der Entwurf eines besonderen technischen Projektes, da§^ schon ftüher vorlag, ausgearbeitet und zur Ausführung kommen! soll. Luhming äußett sich dahin, daß das vorliegende Projeft in technischer und wittschaftlicher Beziehung bei einem Auf­wand von zwölf Millionen auSreiche, um den Kanal! in den angcstrebten Abmcffungen von der Lahnmündung bis na ch Gie ßen auszubauen. Weiter wurde der Versammlung^ das Gutachten deS Bergingenieurs Krahmann vorgelcgt, um die Einrede, der Bergbau an der Lahn sei nicht nachhaltig genug, zu widerlegen. Krahmann schloß sich der Begutachtungj deS Geh. BergrateS Riemann-Wetzlar an und erklatte, daß> er denBergbau an derLahn für durchaus zukunfts­reich halte. Die Versammlung schloß sich der kürzlich in Koblenz gefaßten Resolution an. Weiter erklärte man sich! mit der Eingabe au das preuß. Abgeordnetenhaus vom 2. Mai 1904 einverstanden, in der gefordert wird, das Lahn­kanalprojekt in die wasserwirtschaftliche Vor­lage aufzunehmen, für den Kanal von der Lahn­mündung bis zur preußisch-hessischen Grenze; bei Gießen einen Betrag von höchstens fünfzehn Millionen Mark aufzumenden und die SchiffahrtSantagen nach einem von dem Minister der öffentlichen Arbeiten zu genehmigenden Plane für Schiffe von 1,6 bis 2 Meter Tief-! gang binnen fünf Jahren nach Verabschiedung des Gesetzes. auSzubauen.

** Von den Landgemeinderatswahlen. In einer großen Reihe von Landottcn deS Großherzogtums haben in den letzten Wochen die Ergänzungswahlen zu den Gemeinde­vertretungen stattgefunden. Dabei zeigte sich, daß die! Sozialdemokratie auf dem Lande Fortschritte macht. In teilweise rein ländlichen Otten ist eS der Sozial­demokratie gelungen, Kandidaten durchzubringen. So in Vilbel 4, in Klein-Steinheim bei Hanau 3, in Dreieichen-! Hain 3, in Harheim 2, in Egelsbach 3, in Pfungstadt 2, in.' Bürgel bei Offenbach 3, in Ebcrstadt im Odenwald 4, in Mühlheim a. M. 4. In Vilbel haben die ,Genoffen^ jetzt sogar die Mehrheit im Gemeinderat; sie sind nun sieben Mann stark darin; in Erzhausen erobetten die ,Ge­noffen" zwei Sitze und verfügen nun tm ganzen über fünf.. In Bürgel, Pfungstadt und Eberstadt i. O. ziehen die Ge­noffen zum erstenmal in den Gemeinderat ein. Besonders heftig war der Wahlkampf in Bürgel a. M.

X Hansen, 18. Sept. Bei der vor einigen Tagen hier stattgehabtcn Gemeinderatswahl wurde Heinrich Engelhard mit 40 Stimmen wiedergewählt. Neugewähtt wurden Heinr. Schlundt mit 28 und Ludw. Hörr mit 26 Stimmen.

w. Wi8mar, 18. Sept. Landivirt Joh. Bittend orf hier feierte heute mit feiner Frau goldene Hochzeit. Er- ist 72, sie 76 Jahre alt. S. Niaj. der Kaiser verlrch beiden