Ausgabe 
19.8.1904 Erstes Blatt
 
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Nr. 194

Orlchetui täglich nutzer Sonntag».

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Zamtlien- blätter viermal in der

Woche beigelegt. Jtotalionfibrud u. Ver­lag bet Brühl 'schen Untvers.-Buck-n. Stein- bruderei. 9t Lang«. Redaktion, Qrpebittoei und Druc^ret:

Schulstrohe 7.

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Frrnfpr«-chan1chluß9tt 61. pjaMPaagaiKgJiMBiMRMW

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vezugApreigr utch76 Pt viertel-» h Mk. 2.20; durch A6hole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch die Post Mk. 2.viertel-

Crites Blatt. 154. Jahrgang Freitag 19. August 1904

GleßeiierAnzeiger

General-Anzeiger ** 3ESSK

v V «era NI wörtlich tut

Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WW

-------------------------- zeigenteil: LanS Beck.

Die 6tätige Yiimmer umfaßt 8 Seiten.

Aer Krieg zwischen Japan und Wnßlaud.

Die Kapitulation Port Arthurs abgelehnt.

Die Japaner haben den General Stössel zum ersten Male zur Uebergabe der Festung $ort Arthur auf­gefordert, sind aber a b s ch l ä g l i ch beschieden Inorden. W. T. B verbreitet über diese Verhandlungen folgende tele­graphische Meldung:

Tokio, 18. August. Nach amtlicher Mitteilung meldet der Kommandierende General der Belagerungsarmee vor Port Arthur, daß er am 16. August einen Parlamentär zu den feind­lichen Vorposten gesandt habe, der eine Mitteilung überreichte, die die Wünsche des Kaisers von Japan zum Ausdruck brachte, die N i ch t k o in b a t t a n t e n f r e i»u l a s s e n. Ferner übermittelte der Parlamentär einen Brief, in dem der Besatzung die Uebergabe angeraten wurde. Diese Mitteilungen wurden dem Generalstabs­chef der Garnison aus gehändigt, der am 17. d. M. einen russischen Parlamentär mit ablehnender Antwort bezüglich beider Punk t e an die Belagerungsarmee sandte.

Daß General Stössel' die Aufforderung zu kapitulieren abgelehnt hat in einem Zeitpunkt, Mo die "eigentlichen Fesh- ungswerke noch intaft sind, ist selbstverständlich; nach einer weiteren Meldung hat er seiner Ablehnung noch hinzuge- fügt, daß er die Festung bis zum letzten Mann ver­teidigen wolle. Dagegen hätte er das japanische An­erbieten, die Zivilbevölkerung zu entfernen, wohl annehmen können, ohne der militärischen Ehre etwas zu vergeben. Der General muß also doch die Gefahr, die den Nichp- kämpfern in dem eingeschtossenen Platze droht, noch nicht für allzu groß halten.

Die Port Arthur-Flotte entkommen.

Jo ko Hama, 17. Aug. Hier ist ein Telegramm aus Tschifu eingelaufen, demzufolge die russische Flotte, die erst am Abend vorher nach Port Arthur zurückgekehrt war, gestern morgen aus dem Hafen ausgelaufen ist, um sich vor dem Artillerie feuer der Japaner in Sicher­heit zu bringen. Die Japaner setzten di^ Beschießung bis 2 Uhr fort.

Petersburg, 18. Aug. Ein Telegramm des Kontreadrni- rals v. Neitzenstein an den Kaiser aus Shanghai besagt: Am 10. August begann das Geschwader aus Port Arthur um 5 Uhr morgens auf die äußere Reede a u s z u l a u f e n. Um 8.30 Uhr morgens gingen die Schiffe, indem sie sich in Kiellinie formierten, mit Minen fischenden Schiffen an der Spitze, in folgen­der Reihenfolge in See:Zessarewitsch" unter der Flagge des Ge- schwaderchess v. Witthöft,Retwisan"Pobieda",Pereßwiet" unter der Flagge des Chtis der Panzerabteilungen Fürsten Uch- tomslv,Sewastopol",Poltawa" undAskold" unter Führung des Chefs der Kreuzerabteilung v. Reitzenstein,Pallada", Tiana". Der KreuzerNowik" fuhr dem Geschwader voraus. Tie Torpedoboote der ersten Abteilung hielten sich in der Nähe des ersten Panzerschiffes. Zwei Kanonenboote und die zweite Torpedobootsabteilung begleiteten das Geschwader, um die Minen fischenden Schiffe auf dem Rückwege zu schützen. Ter Dampfer Mongolia" unter der Flagge des roten .Kreuzes hielt sich seit­wärts. Tie Reede, auf der sich Minen befanden, wurde ohne Unfall passiert, doch nahm dies zwei Stunden in Anspruch. Um 9 Ubr morgens signalisierte der Geschwaderchef:N a ch W l a di­to o st o k f a h r e n". Von dem Augenblicke an, wo das Ge­schwader auslief, .begannen die feindlichen Schiffe von verschiedmen Seiten^her sich zu vereinigen. Slm 10.15 Uhr kehrten die Minen^fischenden Fahrzeuge um, während das Geschwa­der mit einer Geschwindigkeit von acht, spater zehn Knoten seine Fahrt fortsetzte. Tie Kanoneboote und die Torpedoboote der zweiten Abteilung gingen, indem sie die Minen fischenden schütz­ten, nach Port Arthur zurück. Von 12 Uhr mittags an fuhr das Geschwader mit einer Geschwindigkeit von 13 Knoten. Das feind­liche Geschwader näherte sich von links. Es bestand aus den LinienschiffenAssahi" undMikasa", je einem Schiff vom Typ desFuji" und vom Typ desSchinschirno", sowie aus den PanzerkreuzernNishin" undKassuga". Außer ihnen waren am .Horizont noch drei Kreuzer vom Typ desMatsuschima", ein Panzerkreuzer vom Typ desJwate", drei Kreue^r vom Typ desTakasago" und 44 Torpedoboote zu sehen. Tie Schiffe des feindlichen Geschwaders kamen plötzlich alle au f un s zu. Wir wandten uns daher nach rechts. Gleich daraus begann der Kampf, und nun wendeten sowohl wir wie das japanische Geschwader wiederum, dann schlug das feindliche Gewowader denselben Kurs ein wie unser Geschwader. In dem ^suen Kampfe fuhr derAskold" hinter derPoltawa", ein Geschoß traf den vordersten Schirnftein desAskold" und be- icyadigte seine vorderen Kessel. Tie Kreuzerabteilung verließ

a ??? Tas japanische Geschwader näherte sich nun bis auf - än(TPtT' worauf der zweite Kamps begann. Um ä- *wchw- kehrte derZessarewitsch" um, fuhr längs der mellime und signalisierte:Kommandant überaOt Kommando." -ver älteste Offizier war der Kvntreadrniral Fürst Uchtomski. Da

sah, daß der Feind nufer Geschwader von allen Seiten ein* zuMießen bemüht war, so beschloß er, keine Zeit zu verlieren und den Ning des Feindes an der Stelle, wo der Widerstand am geringsten war, zu durchbrechen. Ich gab meinem Geschwader das Signal:Mir folgcn!" und fuhr mit demAskold" an der Spitze voraus. Gleich hinter mir fuhr derNowlk", in einiger Entfernung diePallada" und dieTiana". Die Kreuzerabteil- ung hatte sich bei diesem Durchbruche gegen vier Kreuzer zweiter 'ilasse und mehrere Torpedoboote zu verteidigen und rechts be- anden pch drei Kreuzer vom Typ desMatsuschima". Me ^^.w steben Schiffe überschütteten die Kreuzer ! 11 f 0 f fe n- Als ich mich bem Ringe näherte, bemerkte iw, daß einer der vier Kreuzer ein Panzerkreuzer vom Typ des ,,-ltama war. Er legte, sich uns quer in den Weg. Das scharfe - euer desAskold" auf die feindlichen Schiffe richtete aus drei reuzern zweiter Klasse sichtlich Beschädigungen an > nd veranlaßte auf dem (japaniscl>en)A s a m a" eine Feuers- r " nft, der sich hierauf seitwärts wandte und demA § k o l d" 'cn Weg Urei gab. Bier feindliche Torpedoboot« -äherten sich nnd griffen denAskold" an. Sie feuerten Vier orpedos ab, die alle fehlgingen. Tnrch eine wohlgezieltc sechs-

' anale btiAskold" wurde eines von den Torpedulwoten iin den Grp ld gebohrt, die übrigen entfernten sich schnell. Ter .üaupi imr heiß. 20 Minuten lang hagelten die Geschosse : b nAskold" nieder und richteten Viele Deschädigunaen an. e r R i n g der feindlichen Schi sfe aber ourch

horochen.AskoÜ/" undNuwik"' brachen durch, ihnen folgten

Drana und^aTIaba". Die japanischen Kreuzer verfolgten denAskold" und denNowi^. Wir steigerten die Fahrt aber auf 20 Knoten und entkamen rasch Inzwischen war es dunkel geworden. Ich sah diePallada" und dieTiana" nicht mehr. Da ich nicht Mehr verfolgt wurde, so verringerte ich die Fahrgeschwindigkeit, um auf die anderen Schiffe zu warten, und Nxil die Schornsteine und die Kessel beschädigt waren. Der Askold" hatte auch Beschädigungen unter der Wasserlinie er­halten.. Boi Tagesanbruch fuhr ich langsamer und hielt den Kurs in der Mitte von beiden Küsten, um mich nicht bei Schan- tung Torpedvangriffen auszusetzen. Den KreuzerNowik" ließ rch allein weiterfahren, Hamit er, der ein schnellgehendes Schiff ist. Zeit gewinnen konnte, falls er später verfolgt werden würde. Ties, entsprach auch dem vorher festgeftelltcn Durchbruchsplane, der iedem Kommandanten bekannt war.. Bei Tagesanbruch be­schleunigte ich die Fahrt, ohne die Maschirren anzustrengen. Es stellte sich 'jetzt heraus, - derA s k o l d" e r n ft l i ch e Be­schädigungen erlitten hatte. Ta zwei Schornsteine zerstört waren, so war der Kohlenverbrauch sehr groß. Ter Beschädigungen und des Kohlenmangels wegen mußte ich den Plan, sofort durch die Koreaftraße nach Wladiwostok zu gehen, auf- a e be n. Ter Kreuzer mußte ins Dock gebracht werden. Ich be­schloß, hen neutralen Hafen Shanghai anzulaufen. Am 12. August ging ich bei bet Insel Budolu um 3 Uhr früh vor Anker. An demselben Tage lief ich bei Hochwasser in Wusung ein. Am 13. August gelangte ich in den Wanpusluß und traf Anstalten, um ins Dock zu gehen. Die Hauptbeschädigungen des Askold" sind folgende: zwei Schornsteine zertrümmert, drei durchlöchert, ein Kessel beschädigt, zwei Spanten gebrochen. Tas Schiff hctt ferner vier Lecke unterhalb und sechs oberhalb der Wasserlinie. Die Kommandanten, Offiziere, Aerzte, Mechaniker und Mannschaften beider Kre^izer verhielten sich mutig und kalt­blütig und erfüllten ihre Pflicht. Die Aerzte waren unter einem Hagel von Geschaffen tätig.

Weiteres vo« Kriegsschauplätze.

Tokio, 18. Aug. Unter den 60 0 Ueberlebe'nden des Rurik, welche in Sasebo gelandet worden sind, be­finden sich 175 Verwundete, darunter 23 Offiziere. Einer der verletzten Offiziere ist feinen Verletzungen erlegen. Der Kommandant und alle höheren Offiziere des Rurik sind tot.

London, 18. Aug. 2lus Lraujang wird gemeldet, daß infolge der Angriffe der Chungufen aus die chinesische Nordbahn und die Untätigkeit des Generals Mah gegen die Chungufen vorzugehen, die Lage der russischen Trup­pen besorgniserregend geworden ist.

Petersburg, 18. Aug. DieRufi. Tel.-Dg." mel­det aus Mukden vom 18. August: Das ür dem gestrigen Mukdener Telegramm erwähnte Fahrzeug, welches die Iapan er mit gekappten Masten in die See gelassen hatten, wurde vom Winde an das Ufer bei Tschifu getrieben; das Fahrzeug war mit Fpauen und Kindern gefüllt.

Paris, 18. Aug. Aus Tschifti wird gemeldet: Der russische Schiffs leutn ant Ro sch tschakows ki, der an Bord desRetschitelny" einen Faustkamps mit dem japanischen Offizier hatte, zeigt den Be­suchern seiner Krankenstube die Bißwunde, die fein Gegner ihm am Finger beigebracht hat. Er wurde gestern am Schenkel, wo er eine Schußwunde erhalten hat, mit einem aus Weihaiwei gebrachten radiographischen Apparat unter­sucht und operiert. Japanische Schiffe kreuzen Tag und Nacht vor Tschifir

Valitische Tagesschau.

Kein Jndustrie-RotstandStarif.

Tie Nordd. .Allg. Ztg." schreibt: Von der .durch den Vcr- kehrsminifter v. Budde empfangenen Abordnung des Bundes der Industriellen wurde beantragt, den infolge der derzeitigen Behinderung der Binnenschiffahrt von ihnen an* gestrebten Notstandstarif auf folgender Grundlage aufzu­bauen: Die preuß. Staatsbahnv'erwalttmg gewährt denjenigen Betrieben und Händlern, die direkt oder indirekt auf die Benutzung von infolge der Dürre uufahrbar gewordenen Wasserftra ßen angewiesen sind und die ihre Kalkulation auf die billigere Wasseffracht ganz oder teilweise basierten, eine Ver­gütung der Differenz zwisck)>en der Eisenbahn- und Wasser- Tad)t für den Zugang und Abgang von Waren, die zum Fa­brikattonsbetriebe erforderlich sind oder daraus hervorgehen. In Anrechnung, komntt immer nur derjenige Teil der Frachtdifferenz, welcher der verhinderten Benutzung einer bestimmten Waffer- iraßenstrecke entspricht. Die Vergütung der Frachtdifferenz zwischen Wasserstraße und Eisenbahn finbet nicht statt für Betriebe, deren Kalkulatton nicht auf den Wafferfracksten basiert. Vom Minister v. Budde wurde zunächst die Auffaffung widerlegt, daß es ich beim Not stau dötarif für Futtermittel nach Schlesien mid Teilen Posens um einseitige Begünstigung der Landwirtschaft handle.. Ter Futtennitteltarif sei ge­währt, nicht weil einzelne Landwirte individneN geschädigt wur­den, sondern um einer allgemeinen LandeSkalamitat, wie sie ficb durch eine wesentliche Verringerung des Vieh- t an des ergeben würde, vorzubeugen. Wenn auch zuzugeben sei, > die Industrie in zahlreichen Landesteilen infolge der großen Trockenheit imb namentlich durch die Behinderung der Binnenschiffahrt gl'ichsalls Nachteile erleide, und mit mehr oder weniger erheblichen Verlusten zu rechnen habe, so könne doch von einem Notstände, der die Herabsetzung der Eisen­bahnfiachten rechtferttge, nicht die Rede sein. Es handle sich im wesentlichen um Mehrausgaben, die den einzelnen Industriellen daraus ertvaMen, daß statt des billigeren Wasserweges vorüber gehend die Etscnbahn benutzt werden müßte. Gewiß sei das chmerzlich, beeinträchtige in zahlreichen Fällen den Geschäfts gewinn oder zwinge auch unter Umstanden, mit Verlust z u arbeiten. Indessen könne hieraus fein Anlaß genommen werden, Ennäßiguugen der Eifeirbalprfiachten zu gewähren, die lediglich einzelnen zugute koimuen würden. UrfxnbieS ergebe sich auch sclwn aus der Formulierung der Vorschläge selbst, daß sie Praktisch undurckisöbrbar seien. Nachdem bei der erngehendeu Erörterung der geäußerten Wünsck>e der Minister auch darauf bingewiesen hatte, daß durch eine Frackitermäßiguna bev Eisen bahn eine Schädigung der Binnenisckrifsahrt. nauientlich der kle'nereu. h'rb.'igeführt werden würde, gab schließlich bei Minister auf Wunsch eines Teiles brr Erschienenen die bestimmte Erklärung ab, daß mit einer E r m ä ö i g n n g der Eisen bah ufracht e n infolge des vorübergehenden VersageirS der Flußsünssahrt nicht gerechnet wcvden könne.

Aus St. Goarshausen kommt folgende Nachricht: Ter Wasserftand des Nherns geht immer mehr zurück. Dre Dampfichleppschiffahrt zwischen hier und Köln ist deshalb ber Nacht gänzlich eingestellt und untersagt.

Der Kuchen ist nur für die Landwirte da!" Mit diesen Worten bitteren Spottes äußert sich dieVoss. Ztg." Wenn es sich um die Landwirtschaft handelt, dann steht für die Regierung in Berlin fest, daß ein allgemeiner Nofftand vorliegt. Ter Vor­gänger Herrn v. Buddes, Minister v. Thielen, sagte einmal:Tie Agrarier sind doch nicht allein aus der Welt!" Tiefes Wort muß als veraltet gelten, und mit Recht ruft hüe Voss. Ztg " dem Industriellen, dem Kaufmann zu: ^W e h bir^ daß du kein Landwirt bist!"

Ein Kathedersozialist.

Der Universitätsprofessor Jaspersen hat dem sozialdemokratischen Wahlfonds einen namhaften Beitrag übersandt mit folgenden^ Begleitschreiben:

Hiermit erlaube ich mir, einen Beitrag zum sozialdemo­kratischen Wahlfonds zu senden mit einem tieigefühlten Danke für den Kampf ber sozialbemokratischen Partei für ökonomische Ge­rechtigkeit imb politische Gleichheit. Nicht zmn minbeften auch Dank für den Kampf gegen bie militaristische schleichende Seuche.

Ergebenst

Otto Jaspersen, ProfessorderUniversität/

Natürlich ist Herr Jaspersen kein deutscher Profesior. Er lehrt an der Universität Kopenhagen englische Sprache und Literatur.

ßine neue Kolonialörutalitäl.

In derKol. Zettschrift" erzählt D. Herfirrth von einer an einem Neger in Deutsch-Südwestafpika verübten Bluttat. Der Täter war der stellvertvetende Distriktschef von Bethanien, Sanitätsunteroffizier K o s s a k, und der Distriktschef von Bethanien, Baron von Stempel, sei der Beamte gewesen, welcher der Anzeige des Ansiedlers Groeneveld te tne lyolge gegeben haben soll. Nach derKol. Zeitschr." ist der Tod des Negers mit raffinierter (Stauf am feit herbeigeführt worden: das Blatt schreibt:

Tie schweren Bestrafungen des Ansiedlers Groeneveld und bereit geringfügige Ursachen haben in dem größten Teil der deut­schen Presse eine nicht unbedeutende Beachtung gefunden. Dazu hat aber m. E. mehr die Ermordung des Negers durch den stell- vertretenden Distriktschef von Bethanien, SanitLtsuitterosfizier Kossak beigetragen, als das trübe Geschick GroeneveldS. In ber Begründung zu dem fieisprechenden Urteil in der Meineid^aHe (drei Jahre Zuchthaus und Nebenstrafen gegen Groeneveld) vor dem Windhuker Obergericht am 2. Oktober 1903 zeiA es. ,Zm verbte 1901 entstanden zwischen dem Tirstiktschef von Bethanien, Leutnant Baron v. Stempel und dem Angeklagten mehrfache Diffe­renzen, zum Teil dadurch veranlaßt, daß der Angeklagte einen Samtätsuntervfsizier von der Stattonsbcssatznng wegen schwerer Mißhandlung denunziert^. Tas Wort ^.schwere Mißhandlnng" ist ein etwas euphemistischer 'Ausdruck für die Art der B e h a n d- lung eines kräftigen und gesunden Negers, die innerhalb sechsTagen zumTode führte. Der Mann erhielt auf Befehl des Kossak in der angeführten Zeit nur dreimal Nahrung irret) zwar am elftere Tage seiner Inhaftnahme. Bom Dienstag brS zum Samstag, dem Todestage, bekam er nichts, wohl aber versuckite Koffak den Erschöpften an einem eisigkalten Septembertage im Schatten ftner Maner da­durch zur Arbeit zu ermuntern, daß er den krummgeschlos- seneuMann mit kaltem Wasser solange übergoß, bis er in einem Tümpel lag. Um den Abfluß des Waffers zu verhindern, führte man um den an der Mauer liegenden Neger einen Erdwall auf und fror ihn so zu Tode, da Kossak Sorge trug, daß fein erwärmender Sonnenstrahl den Mann treffen durfte.

Kossak hat noch seiner Entfernung von Bethanien in Windhuk weiter Dienste in seiner Charge geleistet. Von einer ausreichenden Bestrafung für seine Tat ist nichts- bekannt geworden. Tie Empörung über letztere hat Groeneveld veranlaßt, sich an die Presse zu wenden, die aber auf das Zeugnis des einzelnen Mannes hin sich nicht fiir berechtigt hielt, bie Angelegenheit anszunehmen. Auch derKolonialeii Zeitschrift" l«t ber 23rief Groenevelds längere Zeit zur Verfügimg gestanden. Tie Bestättgung durch den vorher angeführten Paffus a\i& ber UrtciTdbegrünbun^ bat aber erst bie enbgilttge Veranlaffung gegeben, in der Siche vorzugehen.

Tie Kolonial-Abteilung ist von Anbeginn an be­müht aewestn, dem Groeneveld zu sein em' R eckte zu verhelfen. Im ganzen sind von ihr u. a. fünf Slufforbcr- ungen ertaffcit worden, den von dem 2t. v. Stempel über Groene­veld verhängten Boykott anfirheben. Die ausübenden Cr* g a ii c i m lio ch u tzgebiet, darunter auch der Gouverneur Lent- wem, lwben aber den klaren Anordnungen ihrer vor- gef e tzt en B e hor dc keine Beachtung geschenkt. Nack dem eudlich aus Befehl der Kolonialalneilnng bie Militärvcrloalt- uug von Betlmnien aus Anlaß ihrer Verfehlungen in eine Zivil- umgeto.rrobelt worden war. erhielt v. Stempel in Wiitdhuk das Ehrenamt ein $ pcrsönlicken Adiutanteu des Gouverneurs.

Der R i ck t e r, ber bie fdfuveren Strafen gegen Groenevclb ausgesprochen hat war der Referimdar Dr. MerenSky. Nace- dem das Windlmker Obergericktt Gronevelds Strafen fast aus ein Nictns bmibgeminbcrt hüte ttn Verhältnis zu den von dem KeettiimMwotier Getickt anS^wsprockvneu Urteilen, ver su ckt e man vom Selm Gebiet aikS, den Manu auf eine andere W eise unmöglich zu machen. IN einem Artikel des Nicunio Rotterdamer Courant, i>er in mehrere beutfeiv Zeitungen überging, beschuldigte man ibn, bni B o n b e l z w ans Wagen geliefert und so z n m A u ssta n de dieser bei- getraaen zu halvu Tie Belwuplnng nnntw' von dem Ham bürget Kaufmann I. W. Meycr, s>'m Geschiiftssreund Grocncvelbe als unwahr envicfni.

Aus den angefilimrit Taffndfrcii vermag man u. a. auch E n Scküuß zu ziehen, daß, n^nn Missionare ihre Söhne, den Gonvci- neue 2-eutttxtiu an > n R - s nmba» ?r Meirnsky nid4 l^cficr zu etzielir n im < *'l'i Ü bcnb> in ergibt, sie auch

3ur Erziehung ixi ^arbn.nn nia>l seht geeignet erscheinen.