Ausgabe 
19.1.1904 Zweites Blatt
 
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Dienstag IS.Januar 1904

154. Jahrgang

Zweites Matt.

Nr. 15

Ate heutige Mmwer umfaßt 10 Seite»

Hloch einmal die Professur

gegriffen hat.

imterm 18. Januar;

Die Schatten des Deutsch-Südwestafrika be­drohenden Unheils dunkeln auch in den Reichstag hinein. Tre Situarron ist so ernst, daß Graf Bülow sich veranlaßt fühlte, der Volksvertretung davon Mitteilung zu machen. Des Kanzlers sonst so beruhigend wirkende Stimme klang heute sorgenvoll. Eindringlich bat er den Reichs­tag, möglichst einstimmig der Vorlage Liber die Verstärkung der deutschen Streitkräfte in Südwestasrika, die er dem sAmsidenten Graf Ballesttem überreichte, die Zustimmung! zu erteilen. Wäs darin gefordert werde, sei das Mindest­maß dessen, worauf die bedrängten deutschen Kolonisten Anspruch hätten. Es gelte die Rettung dieser braven ^Pioniere, die Ehre der deutschen Flagge. Kraft­volle Bravorufe durchbrachen bei diesen Worten den auf I der Versammlung lagernden Ernst. Die Beratung des

Kum Kerero-Arrfttande.

I. R. Berlin, 18. Jan.

politische Tagesschau.

Aus dem Reichstag.

Unser Berliner parlalnentari,a.)er Mitarbeiter schreibt

(Es muß hier bernerkt werden, daß in dem Artikel der Frkf. Ztg.", den wir gestern wiedergegeben haben, nur von einem Standesherrn" die Rede war. Hier wird zum ersten male der Name des Fürsten von Lich in dieser An­gelegenheit öffentlich genannt. D. Red. des Gieß. Anz.)

Wilhelmshaven, 18. Jan. Beim Appell zur Mo­bilmachung der zweiten Matros e nd ivision meldete sich auf das Kommando:Freiwillige vor!" die ganze Tivision in Stärke von 7000 Mann.

Kiel, 1L Jan. Tie Marine entsandte zur Unterstütz­ung des Expeditionskorps nach Südwestaftika den großen KreuzerPrinz Heinrich" und den Kreuzer M e d u s a".

Gegen den von uns gestern wiedergegebenen Artikel derFrkf. Ztg." richtet sich eine Zuschrift an dieN. Hess. Volksbl", die wie folgt lautet:

In einem aus Darmstadt datierten Artikel derFrkf. Ztg." wird dem Fürsten zu Solms-Hohensolms- Lich daraus ein Vorwurf gemacht, daß er sich direkt an die höchste Stelle gewandt habe, um im Interesse der kirch­lichen Rechten die Ernennung des von der Fakultät vor- geschlagenen Licentiaten Eck zum Nachfolger des Geh. Kirchenrates Professor Tr. Kattenbusch zu verhindern. Der persönliche Angriff ist eine Abwehr nicht wert. Tagegen ist es vielleicht ganz nützlich, der Oeffentlichikeit die Motive zu unterbreiten, die den Fürsten von Lich zu seiner Inter­vention bewogen haben. Cs ist menschlich sehr begreiflich!, daß die Gießener Fakultät das Bestreben hat, sich bei jeder Ergänzung durchs Gelehrte ihrer augenblicklichen Richtung zu verstärken; hält sie doch diese Richtung natur- ^mäß für diejenige, in welcher das Heil der theologischen Wissenschaft berühr. Tazu kommt die alte Erfahrung, daß es besonders großen Taktes und ganz eminenter Friedens­liebe bedarf, wenn Gelehrte gegensätzlicher Richtungen in einer Fakultät ohne Schaden vereint sein sollen. Aus diesen Gründen wäre es unbillig, der Fakultät zuzumuten, daß sie einen Gelehrten abweichender Richtung zur Ernennung

Gewissensnot. Seine Durchlaucht der Fürst von Lich hat diese Erwägungen mit Rücksicht auf etliche unter fernem Patronat befindliche Pfarreien, die auch der in dem Artikel genannte Gvoßoheim des Fürsten (Fürst Ludwig) aus den- wwen Gründen stets mit positiven Geistlichen besetzte, dem Landesherrn vorgetragen und nimmt aus seiner Eigen­schaft als Kirchenpatron auch ein Recht zu einer derartigen Vorstellung für sich in Anspruch. Eine vorherige Rücksprache mit der Gießener Fakultät wäre doch wohl unter aSen Umständen resultatlvs verlaufen."

In derDarmst. Ztg." lesen wir:

Der neu ernannte Professor der Theologie, Sic. Eck hier, AürUe feit langen Jahren der erste Gießener Professor sein, der aus den Kreisen der hessischen Geistlichkeit hervorgegangen ist. -seit 17 wahren gehört er derselben an. Wenn auch tm Ausland ge­boren, so stammte er doch aus deutscher Familie und aus hespsch- thüringijchem Land. Auch seine Jugend hat er m Deutschland, aus dem Gymnasium der Brüdergemeinde in Risch und aus deutschen Hochschulen zugebracht, wie er denn auch feme cheo> tomsche Fakultätsprüsung an unserer ^andesumversitat abgelegt hat. Richt ganz fünf Jahre hat er dann der evang. ückh. Krrche in Rußland gedient und dabei Gelegenheit gehabt, sowohl die -oer°! bältnisse der Großstadt (Petersburg), rote auch unter den deutschen Ansiedlern in Süd-Rußland kennen zu lernen. 188 < wurde er Pfarrer in Rumpenheim. Dort trat er Zuerst nut wlssenschatt- lrchen und literarischen Arbeiten hervor, ^efannt * st seine MW Sbeü an derChristlichen Welt". Seme Leitsätze die er 1890 zur Begrüßung desEvangelisch-sozialen Ingresses m die er Zeitschrift veröffemlicht, gehören zum Besten was über die soziale Frage vom evang. kirchlichen Standpunkt uber- b^uv geschrieben worden ist. Auch seine b<mn veross nt- S Arbeiten über Joh. Falk und den Grasen wissenschaftlich überall gewürdigt worden. Die Gießener ^akultat ha! ihm die Würde emes Lizenliaten der Rheologie honoris causa nerliebeiu In weiteren Kreisen ist er dann durch sem aus Vor-

Von jedem Bataillon der Marineinfanterie sind nun- mehr Tetachements zum Dienst über See ab kommandiert. Tie Stammmannschaft des dritten Batalllvns gehört be- kannllich zur ostasiatifchen Besaitzungsbrigade und wird als mllitäriiche Organisation wohl dauernd in China, verbleiben. Hinsichtlich der Verstärkung der Militärgewalt in Deutsch-Südwestafrika ist bereits eine Vorlage dem Reichstag zugegangen. Daß die dortige Schutztruppe für den gewaltigen Land komplex nicht ausreicht, ist an dieser Stelle wiederholt dargelegt worden, erst kürzlich noch in einer Stellungnahme gegen den Kolvnialbuud, der eine Verringerung der Schutztruppen aus Ersparnisgründen be­fürwortet hatte. Es läßt sich voraussehen, daß rm Zu- janrmenhange mit der Entsendung von 600 Mann Marine­infanterie nach Südwestasrika die Frage der Errichtung einer Kolonialarmee neuerdings erörtert werden wird, zumal der Kaiser mit dem Chef des Generalstabes der I Armee unverzüglich konferierte. Wir glauben rndessen nicht, daß die organisatorische Festlegung eines solchen Projekts bereits erfolgt ist oder überhaupt in Frage steht. Es durfte auch in Zukunft dabei bleiben, daß für Verwendung über See eben die Marineinfanterie in Betracht kommt, der ja nach Bedarf Freiwillige der verschiedenen Waffengatt­ungen des Landheeres angegliedert werden. Aber dieAus- gestaltungderSeebatailbonezuRegimentern dürfte schon jetzt in den Bereich der Erörterungen gezogen

1« euren welchen aeroeraenoa: ra^ninn ^en. (Sitte der nichtmilitS-W-n Wirkungen des Ans.>° Eraänzmmsetais wird natürlich" bald.

Vorschläge. Trc thevlogtiche -zakultot tft ab«, «ich dre «)te flrobe8 der Hereros wird die Vervollstündignng der @qen- roetien9 unb bann roirb iid» Selcflen«

nnb enticheidende Lehrerin der «imstitz-n heffstchen P,arr«.llnö Telegradheiumlagen in Südwestaftika >ein W^^n ^rternnqen'über den Aufstanb der E^M. standes, und als !°lche mny ftc Ansordernngen, genügen, ttüfjen^ ^eNalionalztg^ hält für nicht nnwahrichemkä), ^tcn ^(Äw«rung ^^zsichElichen Hrtara. dre nicht nur mit Oer Listen, chast, sondern and), mit ben k f" M der für das Ausstandsgebret bestimmten borenen, eine Ursachen urw v , chi che Bundes,

fraltijchen Ausgaben des geistlichen Amtes zu tun haben. Tchrpelte, also auf 1000 Maun, erhdht d» lich anschlieüendm «°n^

Im Äroßherzogtunt gibt es zahlreiche Pfarreien, die stets OX Wirb Nach beTTw A»" und dem »Berl. Kebl." ^bie 91 d),Hüttotoung to

mit Geistlichen poftdwer Richtung besetzt warm; man tann m ganzen MO Munn mobil gemacht werden. » « et£e fiii Saf Posabows^

wohl id--, daß aus bem Lande diegnoße Mehrzahl berM OffizierssLlen bei der HLfstrnppe wird « 1 Ätata« ta ÄS ütt J

überhaupt kirchlich gesinnten auf ton Standpunkte des ft erster Wnie die Anwärter Mis den TumstlN den Schutz- °«re^ras rar oe«b g

- biblischen Glculbeus steht und für llberale Dheologie nstcht berücksichtigeu, die bereits vvrgemevkt sind. ! nicht recht vassen wollte yt

das Mindeste Verstäuduis hat. Für diZe BeEeruug be- des nach Südwestaftika gehender! iS

deutet der enrseitig liberale Standpunkt der Greßmer F<^v. Glusenapp, Liegen f^e

kultät die Gefahr, daß eines Tages der gefa-mte Nachwuchs vor. GLasenapp ist tnt Auslände mit großem W -^/maiwoll auftretende^Sch^Mrr von PobaiE

der hessischen Geistlichkeit rhrcm relrgwfen Knuden ftemd gewesen.' Drei Jahre war er Inspekteur in ^erfönst^sr

gegeuübersteht; die Folge i;r mcht etwa, wre ftch dre Herren ZOO begleitete er das Expeditionskorps ^er er^e^ ^ge m ^^^eutlich. wie

vielleicht schmeicheln, der Uebergang der Bevölkern^ m . 0 Höpfuer <As Chef des ^tabs nach China sich der Präsi­des liberal kirchliche Lager, sondern eine Spaltung m sich als hervorragender Stratege ans. WnSna Kßn -S

Hexer und Judifserente. Für alle Alt kirchlich geftnnten denn mit aller ZAlossenhÄt und Umsicht die ö^^ßHUng umhn^r

Leute draußen im Volke droht du Gestlhr einer Entsendung der Hilfstruvpe ins Werl 9^ toorb^juvb ^inHeltoier .^9(11^ 0 b

Seine Turcküaucbt der Fürst von Äch hat>M hof^. ^wims-hen, daß öU Verstärlllng wrUfcha.ft^stschwe$r ge nug gef undrgt w^ord^en ,

noch zur rechten Zeit erntrFft. Tre ber den Reg^muwmi L ,, ^ine Lebensfrage!" Mit diesen vom agra- vorgercommenen R^ftagen, ob sich Leu^M euur ^2- Da Lraftvoll urlterstrichenen Worten schloß!

^^eu t?eit feine Anklagerede. A^uße^höflich aber kalü

L Sütlle^Eguug to^^q^d^^uMi^ P°>°d°^Y auch die

ist nicht zu WeiM. Trn .WJ»; tarfte SSttW*, mit be? maTbie Stage streife, ine W- m der.Hauptsache au; Entstehuugsurl ch ,iiti<bJanb5 bceinträ^^tig,ett mürbe. Au eine Aufstandes beschraukeu ®~fJ^to Sertoäge vor dem Abschluß netter und gün-

«4 «««ff®Mritd^elTFba?toi KrSinbarttttgen -tft natürlich mcht zu benfem Die

e * und wenn die Agrarier dem Grafen Posadowsky zuriefen:

Aus dem Reichstage geht uns freundlichst eine schneller arbeiten!" so konnte dieser ihnen mit Recht ent- Anzahl von Schriftstücke, zu über den bereits in unserem gegenhallen, daß zum Wertragschließen zwer gehören. Nick herlle früh zur Ausgabe gelangten Parlamentsbbatte wieder- Einern Spott bemerkte der Staatssekretär, bie Kvnserva- I Iwtt erwähntem vom Bundesrat soeben angeuommenen Nach-1 hätten die Interpellation offenbar eingebracht, um

tcaWetat zum Haushaltsetat der Schutzgebiete. In den handelspolittschen Anschauungen darzulegen, nnt an- S^iftstücken befinden sich auch interessante Erläuterungen, I beren Morten: wenn die Jnterpellatron unterblleben wcwe, aus denen wir folgendes mitteilen wollen: I Hütte die Welt am Ende nichts verloren, der Rerchstag aber

Znm Zwecke der Niederwerfung des Herero- btt^ wertvollen Arbeitstag gewonnen. Denn dre Handel- Aufstandes ist eine sofortige Verstärkung der Anschauungen sind in den Zolltarifdebatten so

Schutz truppe unvermeidlich. Bor allem gebretet oieI ^ändlick) zunr Borttag gebracht worden, dast fsth, neues Sicherung der Verbindung zwischen dem .Hafenplatze I tn Sache beim besten Willen nicht sagen laßt. Die Swakopmund und der Hauptstadt Windhuk sowie der Schutz I Bchprechun^ der Interpellation vollzog sech denn auch unter der Eisenbahn Mischen beiden^Orten eure rafche und ^ttgehender Teilnahmlosigkett; Graf Posadowsky^ jo energische Unterdrückung des Ausstandes. Nach> dem Berrcht |m Saale weitte, hörte mtt gewohnter llrugkert die aus Windhuk sind zurzett in dem ganzen Norden desSchutz- ^ucruflagc der Zolltarifreden an.

aebiets nur 400 Mann verfügbar, denen ern an Zahl g a n 8 ------

bedeutend überlegener Gegner geg^uberittht. Die Novelle zum Servisgesetz

SröEwrÄ bringt eine C n t U u f d,un g baburct, da» sieden Tarif für

ÄÄ Öe Ä gebracht wirbt Novelle zum Servislarnf im 1902 ber Wag*

Truppenzohl ist nnnbesteus notwendig, um bte siwuchslos eine «efatution anS-'w^men dt^

dauernde linteimeriung und die Entroarpiung der Hereros Regterung erachte,gletchzetttg bem |ut U04 »oW-

BersMrkung wirb in zwei Transporten, jchriebetten Gesetzentwurf, detreftenb Masten

s zu ftcheru. J<umar und am 5. Februar von eintellung der -Jurte, einen besonderen ^fetzen^rs über

rh3irn besten könnem die Bewilligung von Wohnungsgeldzufch^ffen^orzulegem

tätigt Wie ujm com tut Rr(>t§l ° «vitrHi die^ ^^erstäriung der Truppe ergibt sich für das Tie Erhöhung des Wohnungsgeldzufchustes war ch I

fManüii aroßen Gestchtspuuktea aus, rote sie ihm ebeutn nu u) t _ - 29 840 Mk., Transportkosten gelegenen Vororte um eine Klaffe, die entfern ter ge legen en

Wr wi senfchaftlichen h3lSi2tmf m! 000 Mk.',' Bewaffnung und Munition 62OOO Mk., An- uch mehrere Klass r i ' , - ;^m,mptTrtPhi'nr(''iptt ünh.

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£nb2bt-t furten Zeit seines hiesigen Wirkens, die sein Scheiden daster ä ~ UÜH sechs Maschinengewehren und (mben. Abgesehen von Ortschaften, welche in unmitieloarer

SMSm X sind sicher,daß er auch aus die t eowgstchen reicht ^ CnNendung viM fech Truppe mit Le aroß?r Städte liegen, rst eine Aenderung der Klassen-

Studenten m Gi'eßen ebenso anregend als religiös sörd^ndwirken sechs Revvcherk^omn ch ^prd tch, Schutzgebietes einlcilung" der Orte in solchen Orten vorgenommen worden.

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General-Anzeiger, Ami;- und Anzeigeblatt für den Krds Gießen.