Mrlameniarisches aus Kesse».
Die Redaktion der „Wormser Ztg." (H. v. Trützschler) behauptet in einer uns heute zugehenden, nmständlicherweise sich auf das Preßgesetz berufenden „Berichtigung" folgendes:
Die in Nr. 135 des „Gieß. Anz." vom 11. Juni d. Js. ver- öffentlichte Erklärung der Landtagsabg. Haas, Reinhart, Schönberger und Stöpler ist in folgenden Punkten richtig zu stellen:
1. Die Mitteilung in Nr. 257 und 258 der „Wormser Zeitung" vom 6. Juni lf. Js. über die den Wahlgesetzentwurf betreffenden Verhandlungen des Landesausschusses der nationalliberalen Partei in Hessen entspricht ihrem vollen Inhalt nach der Wahrheit.
2. Zur Veröffentlichung der Resolution ist der Unterzeichnete von dem Vorsitzenden der Versammlung, Herrn Grafen Oriola, ausdrücklich ermächtigt worden.
Ausland.
London, 17 Juni. Wie das Reuter-Bureau erfährt, verlautet in politischen Kreisen, daß unter den Mitgliedern 'des Kabinetts Mernungsverscbiedenbeiten über die Heeresreform herrschen. Gewisse Mitglieder des Kabinetts seien gegen die Vorschläge, die die Kommission für die Heeresreform kürzlich in ihrem Berichte machte, während der Staatssekretär für das Kriegswesen, für die Annahme aller Vorschläge eiutreie. Arnold Forster hätte am Donnerstag eine endgiltige Erklärung über die Militär- Vorlage der Regierung abgeben sollen. Tie Abgabe der Erklärung sei aber wegen Meinungsverschiedenheiten unter den Ministern vertagt worden.
Paris, 17. Juni. Die Kommission zur Untersuchung der Karthäuserangelegenheit vernahm heute Ehabert, welcher erklärte, daß er im Laufe der Unterhaltung beiläufig einmal zu Lagrave gesagt habe, die .Karthäuser würden daran klug tun, der Regierung zwei Millionen anzubieten, um die Genehmigung zu erhalten; er fügt hinzu, daß er mit mehreren Freunden 100000 Fr. dem Komitee Masturand, welches für die Politik Waldeck-Rousseaus eintrat, überwiesen habe; er lehnt cs jedoch ach, die Namen seiner Freunde, die bei der Spende beteiligt waren, anzugeben, und er lehnt ferner ab, iiber "den Ursprung seiner Beziehungen zu Millerand und über die Angelegenheiten, welche dieser ihm anvertraut, Angaben zu machen. Masturand erklärte, daß die Summe, die er erhalten habe, nicht der Regierung, sondern den Komitees übermittelt worden seien. Masturand verwahrte sich gegen die Beschuldigung, daß er mit den Orden handle; darauf wurde Edgar Eombes vernommen, welcher bestritt, von Lagrave einen Brief über die Bekanntgcbung des Namens Ehaberts und über die Rolle erhalten zu haben, die man ihm in der Karthäuserangelegenheit zuschrcibe. Der Justizminister ordnete heute die Einleitung des Unter- suchungsversahrens gegen Ehabert an. ?lbends wurde bei Ehaberr Haussuchung vorgenommen.
Rom, 17. Juni. (Se nat.) Anläßlich der Beratung eines wenig erheblichen Gesetzentwurfes betreffend das Kricgsministerium bemerkte General Pelleux, die Regierung werde unter den gegenwärtigen Verhältnissen auf keinen Fall von dem Parlament irgend eine Vermehrung der Ausgaben für das Kriegsbudget fordern.
— Justizminister Valle verfügte die V e r h a f t u n g des ehemaligen Generaladministrators von franz. Äestafrika, Gerard. Derselbe soll angeblich Grausamkeiten an Eingeborenen begangen und seinen Dolmetscher, einen Neger, ermordet haben.
Petersburg, 17. Juni. Die Alarmnachrichten ans der Mongolei verursachen in hiesigen Regierungskreisen große Besorgnis. Man will wifsen, daß die russenfeindliche Bewegung unter den Mongolen von englischen und chinesischen Emissären geschürt wird.
Konstantinopel, 17. Juni. Wie verlautet, wurde der Schwager des Sultans, Kehmal Pascha, degradiert und nach Kleinasien verbannt.
Konstantinopel, 16. Juni. Der Walt von Bitlis behauptet, daß etwa 200 Revolutionäre von den Truppen im Distrikt Sassun getötet wurden, und daß )ie friedlichen Armenier nicht zu Schaden gekommen sind.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 18. Juni 1904.
** Aus dem Militär-Wochenblatt. Kraemer, Leutnant der Res. des 2. Rast. Jnfant.-Regiments Nr. 88 (Friedberg), zum Oberleutnant, Schül (Erbach), Vizefeldw. des 4. Großh. Hess. Jnf.-Negts. (Prinz Karl) Nr. 118, zuin Leutnant der Reserve befördert. Reinhardt, Oberlt. des Landw.-Trains 2. Aufg. (Friedberg), Böhm, Lt. d. Landw.- Kavallerie 2. Aufg. (I Darmstadt), Michel, Oberlt. der Landw.-Fußart. 2. Aufg. (Mainz), der Abschied bewilligt. Müller, Garn.-Verw.-Jnsp. in Gießen, als Oberinspektor auf Probe nach Neu-Breisach, Rösing er, Garn.-Verw.- Kontrolleur in Breslau, als Verwaltungs-Inspektor nach Gießen versetzt.
* • Ernennung. Der Gerichtsaccesfist Schrader aus Gießen ist, wie man uns aus Darmstadt drahtet, zum Gerichts- asiesior ernannt worden.
* • Die nächste Sitzung der medizinischen Gesellschaft findet statt Dienstag, 21. Juni, abends 7 r/, Uhr, im Hörsal der Universitäts-Augenklinik. Tagesordnung: 1. Herr v. Tabora „Heber Darmdyspepsien und deren rationelle Behandlung. 2. Herr Kißkalt: Der Einfluß der schwefligen Säure auf die Entwicklung der Tuberkulose. Vor der Tagesordnung: Demonstationen von Herrn Vossius und Herrn Schäffer.
* * Kurse für Stotterer. Wie aus dem Inseratenteil hervorgeht, finden hier demnächst 2 verschiedene Kurse für Stotterer statt, der eine von E. Schmeling, Nordanlage 9, der andere von F. Baum aus Darmstadt, in der Ludwig- straße 52 hier veranstaltet.
** Gas- iwnb Wasserwerk Der mit Anfang nächster Woche in Hannover tagenden 44. Jahresversammlung des „Deutschen Vereins von Gas- und Wasserfachmännern" wird als Vertreter der Stadt Gießen Direktor Bergen beiwohnen.
** In der Gemälde-Aus st ellung am Brand wird^ kommende Woche wieder ein größerer Wechsel der Gemälde vorgenommen; die Ausstellung bleibt dadurch von Montag ab 4 Tage geschlossen.
** Das Promenaden-Konzert findet morgen um 1/212 Uhr in der Südanlage mit folgendem Programm statt: 1. Ouvertüre zur Oper „Der Wildschütz", von Lortzing. 2. Czardas von Michiels. 3. Introduktion aus der Oper
„Tra viata" von Verdi. 4. Der Möllendorfer A. M. Präsentier- Marsch der Kavallerie.
#* Die Direktion Steingoetter teilt uns kurz vor Schluß der Redaktion mit, daß die Operetten-Ga stspiele wegen mangelnder Beteiligung nicht abgehalten werden.
** Außerordentlich schwere Gewitter entluden sich in der vergangenen Nacht über unsere Stadt. Von y22 Uhr ab bis in die Morgenstunden hielt das Unwetter an und war namentlich in den ersten beiden Stunden von prastelnden Regengüsien begleitet. Die unaufhörlich grell zuckenden Blitze waren von ständigen Donnerschlägen begleitet und dreimal waren die Schläge so stark, daß man befürchten mußte, die Stadt werde von einem Brandunglück heimgesucht werden. Heute früh liegen uns indes noch keinerlei Meldungen über Feuer oder andere vom Gewitter verursachte Schäden vor. — Dagegen kommen aus dem Nordharz Nachrichten von einem Unwetter mit lang andauerndem Gewitter und Wolkenbrüchen, das beträchtlichen Schaden anrichtete.
**Eine„Geseheskunde für den bessischenWirt", umfassend die Reichs-und Hess. Landesgesetzgebung nebst den nötigen Erläuterungen imb Sachregister, hat soeben der Großh. Gerichts» assessor Hans Becker in Darmstadt im Verlag I. Diemer in Mainz erscheinen lassen. Wie in so vielen Branchen, muß heute auch das Wirtsgewerbe eine Reihe von Gesetzen und VerÜigungen kennen, will man sich nicht Unannehmlichkeiten aller Art ansietzen. Diese zu vermeiden, ist der Zweck der vorlieaenden Broschüre, und ein Blick in das reichhaltige Sachregister läßt uns vermuten, daß der Verfasser dieser Ausgabe gerecht geworden ist. Das Büchlein ist als em Ratgeber für Wirte und die mit dem Wirtsgewerbe in Verbindung stehenden Berufe zu betrachten.
— Bad-Nauheim, 17. Juni. Bis zum 16. Jilni 1904 sind 9417 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 5933 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 16. Juni 99 269 abgegeben.
n Ulfa, 17. Juni. Das neue Kriegerdenkmal, das Gemeinde und Kriegervcrein unseren hiesigen Kämpfern von 1870/71 in dankbarer Erinnerung gewidmet haben, steht nunmehr formvollendet da. Die Vorderseite weist außer der Widmung die Namen derer auf, die im Kriege für ihr Vaterland gekämpft haben, von denen aber wunderbarerweise in den Schlachten keiner gefallen ist. Mit Recht prangt deshalb über der zwiefachen Namenreihe das Wort: Gott war mit uns. Ihm sei die Ehre! Auf Der einen Seite finden wir die Namen der. Nichtkombattanten, auf der anderen einen passenden Denkspruch und endlich auf der Rückseite die Jahreszahl der Errichtung. Das Denkmal hat seinen Piatz mitten im Ort neben der 1871 gesetzten Friedenslinde; cs fehlt ihm jetzt nur noch eine schöne Ein- frredigung. Zn der Einweihung am 3. Juli, mit der gleichzeitig auch das 30jährige Stiftungsfest des hiesigen Krieger- vereins, sowie das Bezirksfest des Hasfiaverbandes Schotten stattfindet, haben bereits 25 Vereine ihr Erscheinen zugesagt.
g. Büdingen, 17. Juni. Auf gräßliche Weise verunglückte heute mittag ein auf dem Hof des Oberamt- manns Flemming bediensteter Knecht Er war mit einer Mähmaschine auf den Wiesen beschäftigt und von dieser abgestiegeu, um etwas an der Maschine in Ordnung zu bringen. In diesem Moment zogen die Pferde an und der Bedauernswerte geriet unterdiescharsen Messer und wurde an beiden Beinen fürchterlich zugerichtet. Zwei sofort herbeigeholte Aerzte veranlaßten nach einem Notverband seine Verbringung in das hiesige Mathilden Hospital, wo er hoffnungslos damiederliegt.
R. B. Darmstadt, 18. Juni. (Draht bericht.) I. I- K. K. H. H. der Großherzog und Prinzessin Heinrich kehrten gestern abend von dem Gordon Bennet- Rennen nach Schloß Wolfsgarten zurück und begaben sich heirte nach Schloß Friedrichshof bei Cronberg, wo sie mit dem Prinzen Heinrich bei dem Prinzenpaar Friedrich Karl von Hesten das Diner ernnahmen.
sd. Darmstadt, 17. Juni. Am 15. Juni begann ans der Mathildenhöhe in Darmstadt die zweite Ausstellung der Künstler-Kolonie. Sie besteht in erster Linie in einer Gruppe von drei Häusern, die der Großherzog als Bauherr nach Profeffor Olbrichs Plänen bauen ließ. Diese Häuser- ollen Beispiele einfacher, nicht übermäßig kostspieliger und künstlerisch gestalteter Eigenwohnungen bilden und werden in demselben Sinne nahezu vollständig eingerichtet sein. Das eine der Häuser ist als Dienstwohnung für den Hofprediger bestimmt, eins ist schon verkauft, das dritte ist noch frei. Die Wohnungseinrichtung ist nach Entwürfen Prof. Olbrichs und der Maler I. V. Cissarz und Paul Haustein von zumeist kleineren Darmstädter Firmen ausgeführt worden und halt ich auch mit wenigen Ausnahmen durchaus im Rahmen mäßiger Preise. — Neben dieser für sich abgeschlossenen Gruppe sind in verschiedenen Räumen des Erust-Ludwig- hauses Sonder-Ausstellungen der einzelnen Künstler, an benen auch die Bildhauer Professor Habich und Dr. Greiner in umfangreicher Weise beteiligt sind. Das Ausstellungs-Restaurant, das nach Prof. Olbrichs Plänen erbaut ist, liegt in der Nähe unter hohen Bäumen und ist schon seit einiger Zeit im Betrieb.
Majestät dem Kaiser das Kreuz zum allgemeinen Ehrenzeichen mit der Zahl 50 verliehen.
Vermischte».
* Berlin, 17. Juni. Von der ermordeten Lueie Berlin wurden heute vormittag die beiden Beine, die bisher fehlten,gefunden. Der Zuhäjter Berger scheint so schwer belastet, daß er heute nachmittgg der Staatsanwaltschaft zugeführt wurde.
Görlitz, 16. Juni. Der Sergeant Nitsche vom hiesigen Infanterieregiment erschoß sich mit seinem Dienst- gewehr aus Furcht vor einer Strafe.
* Paris, 17. Juni. Bei Alais fuhr ein Automobil mit drei Insassen gegen ein en E i s e n b a h n z u g, da infolge Unachtsamkeit des Bahnwärters die Schranken nicht geschlossen waren. .Das Automobil wurde zertrümmert, die Insassen tödlich verletzt.
* Wien, 17. Juni. Der ehemalige Intendant der Wiener Hofbühnen, Freiherr von Besconi, der auch Gouverneur der Bodenkreditanstalt war, ist heute morgen in einer Privatirrenanstalt gestorben. Dorthin war er erst vor 14 Tagen gebracht worden, nachdem er einige Tobsuchtsanfälle gehabt hatte.
Wien, 17. Juni. Eine peinliche Angelegenheit, von welcher der Bezirkshauptmann in Mürzzuschlag und der frühere Vorstand in der Ministerialkanzlei im Hnterrichts- ministerium v. Hermay betroffen wurde, erregt hier Aufsehen. Heroay lernte vor einem Jahr eine Dame kennen, die sich als Baronin v. Lützow und Hofdame einer russischen Großfürstin ausgab. Er heiratete sie, jüngst stellte sich heraus, daß alle ihre Dokumente gefälscht waren und daß Hervay eine Abenteuerin schlimmster Sorte zum Altar geführt hatte. Die angebliche Baronin Lützow entpuppte sich als die mehrfach verheirat gewesene, geboreneSinger aus Berlin. Gestern beging sie hier einen Selbstmordversuch.
^Petersburg, 17. Juni. Die S t a d t M i n s k steht an drei Stellen in Flammen. Es ist Gefahr vorhanden, daß dre Stadt vollkommen vom Feuer vernichtet wird. Man vermutet, daß gegen die jüdische Bevölkerung gerichtete Brandstiftung vorliegt.
* Warschau, 17. Juni. Beim Ausbruch eines Brand'es von Apothekermaterialien am 13 Juni besetzte eine Anzahl Arbeiter den Hof eines Grundstückes, die auf die Aufforderung der Polizei, auseinander zu gehen, mit Steinen warfen. Der hinzugekommene Oberpolizeimeister wollte aus den Hof gehen, wurde jedoch von den Arbeitern nicht hineingelassen. Als Kosaken herbeieilten, wurden sie mit Steinwürfen und zwei Schüssen empfangen. Die Kosaken gaben darauf zwei Salven ab. Ein Arbeiter ist tot, drei schwer, einige leicht verwundet, Zehn Polizisten sind leicht durch Steinwürfe verwundet. 16 Arbeiter wurden verhaftet.
* Das Brand Unglück im Hafen von Newyork. Vor der Hntersuchungskommission erklärte Lucy Rosenagel, sie sei mit einem Rettungsgürtel ins Wasser gesprungen, jedoch sei dieser im Wasser gerissen und das Korkpulver sei ausgetreten. Sie habe dann einen Stuhl erfassen können, wodurch sie gerettet wurde. Sonntag werden Trauerfeiern in allen deutschen Kirchen abgehalten. Die Stadt läßt das Wrack des „General Slocum" heben, zur Feststellung, ob sich noch weitere Leichen darin befinden, und zwecks eines Kriminal- verfahrens. Die Leichen von 2 73 Kindern, 243Frauen und 2 3 Männern sind geborgen, ebenso zahlreiche Leichenteile.
* Der Klub der Selbstmörder. George Wagner, ein reicher Restaurateur in Bridgeport, Connecticut, hat sich Sonntag abend in einem Newyorker Hotel erschossen. Er war das letzte Mitglied des „Klubs der Dreizehn", der vor 15 Jahren in Bridgeport gebildet wurde. Alle Mitglieder dieses Klubs haben seither Selbstmord begangen, ohne ein anderes Motiv als die statutarische Verpflichtung hierzu. Wagner verließ sein Heim am Freitag, die Familie suchte ihn sofort und fand ihn tot in Newyork. Ter Selbstmordklub wurde im Scherz gebildet, die Mitglieder verpflichteten sich unter ungeheurer Heiterkeit bei großen Krügen Bier, ihrem Leben durch Selbstmord ein Ende zu machen. Das Hauptquartier war Wagners Restaurant. Als ein Mitglied um das andere durch Selbstmord endete, drang die Kunde ins Publikum, aber die Nachricht wurde öfter scharf dementiert, bis jetzt mit dem 13. Selbstmord der letzte Zweifel verschwunden ist. Man glaubt an eine psychopathische Ansteckung vormals normaler Menschen.
Hlniversstäts-Dachrichlen.
Ueber eine seltsame Berufung klagt die „Deutsche Tageszeitung": Einer der wichtigsten Lehrstühle an der Technischen Hochschule in Danzig, nämlich der der Nationalökonomie, wird einem Spezialvertreter der Mari n ew iss en s ch a ft und zwar dem Archivar der Hamburg- Amerika-Linie, Dr. K. Thieß in Hamburg, übertragen werden, dessen Ernennung zum Professor, wie der „Konfektionär" meldet, unmittelbar bevorsteht. Spöttisch bemerkt dazu die „Köln. Volkszeitung": Früher würde die „Deutsche Tagesztg." diese Berufung wohl nicht seltsam gesunden haben, denn damals war Tr. Thieß wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentralbureau des Bundes der Landwirte.
Hanau, 17. Juni. Eine von der Freisinnigen Volkspartei einberufene Versammlung nahm nach einem Referat des LandtagSabgeordneten Fnnck-Frankfurt eine scharfe Protestresolution gegen den konservativnationalliberalen Schulantrag an und fordert darin ein entschiedenes Eintreten unseres Abgeordneten Junghenn ür die Simultanschule.
)( Marvurg, 14. Juni. Heute abend feuerte der 'ruhere Photographengehilfe S., ein Vater von 6 Kindern, zwei Schüsse aus sich ab und verletzte sich schwer. Man erzählt, daß der Mann in schlechten pekuniären Verhältnissen gelebt habe.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Wieder aus der Hast entlassen wurde der unter dem Verdacht des Mordes an dem Darmstädter Privatier Döring von der Wiesbadener Polizei verhaftete Gürtler Folge. Die Ermittelungen haben ergeben, daß der Verdacht unbegründet war. — Das Rosenfest in Worms hat 6700 Mk. eingebracht, wovon 4000 Mk. dem Rosengartenfonds zugehen. Herr v. Heyl hat für den anzulegenden Rosengarten ein Denkmal gestiftet: Hagen, den Nibelungen- chatz im Rhein versenkend. Bildhauer Joh. Hirth-Karlsruhe ist mit der Ausführung beauftragt worden. — Dem Vernehmen nach wird die in Marburg durch Pensionirung des Kreiskommunalkassenrendanten Röhr frei werdende Stelle dem Zahlmeisteraspiranten Volland aus Butzbach übertragen. — Dem Gerichtsdiener Riegel in Wetzlar wurde von Sr.
Kerichtslaat.
Mainz, 17. Juni. Ein rohes Weib stand gestern vor der hiesigen Strafkammer. Wegen fortgesetzter bn rb art lerer Mißhandlung ihres sechsjährigen Töchterchens hatte sich die in Worms wohnende 46 Jahre alte Frau Kunigunde Holla, geb. Schlagmann aus Oberzell zu verantworten. Tau arme Kind war, wie Zeuginnen bekundeten, schrecklich zu- gerichtet, der Körper voll blauer Flecken und die Ohrläppchen wund gerissen. Oft sah man das schrecklich abgemagerte Kind, wie es, vom Hunger getrieben, Essen auf Mi st hausen und anAbflußröstren suchte. Vor seiner rohen Mutter hatte es natürlich groye Angst- Endlich konnten die Hausbewohner die Sache nicht mehr mit ansehen und zeigten das bestialische Weib an. Gestern spielte m sich als die gekränkte Unschuld auf und behauptete, die Zeuginnen wollten sie reinlegen. Sie hätte ihr Kind sehr gut bebauocu. obwohl es sehr unartig war. Es wurde jedoch festgestellt., aai» sie im Jahre 1901 in ihrer früheren Wohnung ihren Sohn in derselben gemeinen Wesse behandelt hatte und dasur zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Auch damals warf sie den Zeugen, die mit den gestrigen übrigens in keiner Verbindung stehen, Lüge und Meineid vor. Aus dem arzttiaen Gutachten ging hervor, daß das Kind dem Siechtum ^^smlen müsse, wenn keine bessere Behandlung ein trete, woraus pas Jtuw seiner Mutter von der Behörde abgenommen wurde. Der Staatsanwalt, Dr. Friedrich, beantragte 1 Jahr Gefängnis. Tas Gericht erkannte auf 6 Monate Gefängnis. . ->
* Berlin, 17. Juni. In der heutigen 30 Sitzung d.s Pommernbankvrozesses wurde die Beweisausnahnug ' schlossen. Die Plaidoyers beginnen am Dienstag, ^te ^erhano- lung brachte insosern ein überraschendes Moment, als die lieben Bücherrevisoren nach Prüfung zweier Anträge der Angellag


