Ausgabe 
18.5.1904 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt.

154. Jahrgang

Mittwoch 18. Mai 1904

Gießener Anzeiger

Kr General-Anzeiger **

Amts- und Anzeigeblatt ftr den weis Gießen

Nr. 115

rfAtint ««glich außer Sonntag«.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Keisischen Landwirt die Gtetzener Kamillen- hlätter viermal in der Woche beigelegt.

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Der Krieg zwischen Japan nnd Ziußkand.

Nintschwang «. a. von den Russen geräumt.

Niutschwang, 16. Mai. Die Räumung Niut- schwangS war um 10 Uhr beendet, mit Ausnahme der Zerstörung des KanonenbootsSiwutsch", die früh morgens erwartet wird. Die Russen zogen sich in voller Ordnung ab. GeneralKondratowitsch ging mit dem letzten Regiment.

London, 17. Mai. Nach einer Tientstner Meldung deS Daily Expreß räumten d t e R u s s e n das G e b i e t ö st l i ch des Liang-Flusses, weil Prinz Tsching durch den russischen Gesandten in Peking andernfalls mit Gewalt drohen ließ.

London, 17. Mai. Eine Shanghaier Drabtung der Morning Post besagt: Nach Aussage von Eingeborenen wird PortArthur von den Japanern Tag und Nacht zu Land und See kräftig belagert. Die Japaner zerstörten die Eisenbahn 7 Meilen rings um Pulantien. Port Arthur und Dalny werden fortgesetzt beschaffen. Die russischen Truppen räumen Dalny. Die Besatzung von Port Arthur ist mißvergnügt und bereit, bei Der ersten Gelegenheit zu kapitulieren.

Der Vormarsch der Japaner.

London, 17. Mai. Dem Reuterschen Bureau wird aus Mukden gemeldet: Hier verlautet heute, die japanische Hauptarmee befinde sich auf dem Vormarsche nach Haitscheng und Kaiping, wahrend eine kleinere Heeres- abteilung in der Richtung auf Liaujang vorrücke. Dem Anschein nach ständen wichtige Ereignisie unmittelbar bevor.

Petersburg, 17. Mai. Ein Geschwader erschien bei H s i u n g j u t s cb e n g, 50 Kilometer südlich von Niutschwang und feuerte auf die Stadt und die in der Umgebung verteilten russischen Schiffe. Daö Feuer blieb erfolglos. Das Geschwader dampfte nach Südwesten ab.

Petersburg, 17. Mai. General Kuropatkin mel­dete dem Kaiser: Am 16. Mai gegen 12 Uhr mittags näherten sich 17 Dampfer Sseniutschen und eröff­neten das Feuer auf die Stadt, während 51 Dampfer am Ufer anzulegen begannen. Um 1 Uhr 20 Minuten zeigten sich am Kap bei dem Dorfe Guantsiatun drei große Dampfer. Um 3 Uhr 20 Minuten landete der Gegner bei dem Dorfe Guantsiatun und begann in der Richtung auf Kaitschou vorzurücken.

Ein Telegramm des Generals Ssacharow an den Generalstab vom 17. Mai besagt: Wie General Ssamssonow vom 16. Mai 111/2 Uhr abends meldet, beschränkten sich die Japaner darauf, nur eine demonstrative Landung in der Umgebung von Sseniutschen und Kaitschou auszuführen. Ihre Schiffe eröffneten das Feuer auf die Stadt Sseniutschen, auf die ruffischen Streifwachen und auf die Küste. Um 5XL Ufyr entfernte sich das japanische Geschwader, indem es Kurs nach Süden nahm. Vor An­bruch der Dunkelheit waren mehrere Schiffe desselben am Horizonte zu sehen.

Wie ein weiteres Telegramm des Generals Kuropatkin vom 16.Mai an den Kaiser berichtet, hatten Kosaken bei Kuandiansan ein Scharmützel mit einer japanischen Abteilung, die aus etwa einem Bataillon und zwei EskadronS, anscheinend Gardeeskadrons, bestand. Das Gefecht dauerte 1 Vi Stunden. Das Feuer der japanischen Infanterie und Reiterei zeichnete sich nicht durch Treffsicher­heit aus. Ein Kosak wurde verwundet, zwei Kosaken werden vermißt. In dem Gebiete nordöstlich von Föngwangtschöng besetzten japanische Vorpostenabteilungen am 15. Mai Chaigumyntsy im Tale des Badaohe, Dslangou, im Tale des Aiho und Kuandiansian. In der Stadt Siuan befanden sich am 15. Mai keine Japaner. Am 14. Mai besetzten Japaner die Station Pu­la ndian. Die Abteilung, die dort einrückte, bestand aus zwei Bataillonen und zwei Eskadrons. Streifwachen hielten sich am 14. und 15. Mai bei der Station Wafandian auf. Bewegungen bedeutenderer Abteilungen wurden im Norden von Pulandian am 15. Mai nicht beobachtet. Ueber die Landung bei Kaitschou sind keine neuen Meldungen eingegangen.

Die Chunchusen und Chinesen.

Petersburg, 17. Mai. Der Korrespondent der Ruff. Telegr.-Ag. in Charbin meldet vom 17. Mai: der ZeitungCharbinski Westnik" wurde am 12. Mai tele­graphiert, daß mehrere hundert Chunchusen sich der Station Juantai' näherten und es beschossen. Eine Kompagnie Schützen, die sich dort befand, empfing sie mit Gewehrfeuer und jagte sie in die Flucht. Grenzwachsoldaten, die zur Hilfe herbeigeeilt waren, verfolgten die fliehenden Chunchusen und töteten achtzig. Die Station Senjutschen wurde geschloffen, Haidjou steht vor der Schließung. Eine Division spanischer Garde marschiert auf Khaitschen. Bei Siuzsitschtin wurde eine Abteilung Aufklärungstruppen unter Oberst Jelschin von Japanern im Einverständ­nis mit Chinesen umzingelt. Ein chinesischer lieber» setzer wurde getötet, zwei Soldaten verwundet und zwei Pferde getötet. Die Haltung der hiesigen Chinesen gibt Grund zur Beunruh igung. Vizeadmiral Skry dlow ist hier eingetroffen und geht heute nacht weiter. In letzter Zeit irafen drei Sanitätszüge mit zahlreichen Verwundeten, die am Kampfe am Jalu teilgenommen haben, hier ein.

Der Zar.

Bjelgorod (Gouv. Kursk), 17. Mai. Heute früh 9 V2 ttf)c kamen Kaiser Nikolaus und der Großfürst- ichronfolger hier an. Auf dem Bahnhof wurden sie vom

Großfürst Sergius begrüßt. Nach Empfang von Deputa­tionen begab sich der Kaiser nach dem Troitskykloster, wo er vom Erzbischof und der Geistlichkeit erwartet wurde. Da­rauf fuhr der Kaiser nach dem Exerzierplatz und besichtigte die 31. Artilleriebrigade, die nach dem Kriegsschauplatz ab­gehen soll. Die Straßen waren geflaggt und belebt von einer freudig erregten Menge. Um 11 Uhr reiste der Kaiser unter begeisterten Kundgebungen des Volkes nach Charkow ab.

Petersburg, 17. Mai. Offiziell werden die Gerüchte von einer Erkrankung des Zaren dementiert. Derselbe sei bei bestem Wohlsein.

Der KronstLdter Anschlag.

Petersburg, 17. Mai. Der kürzlich entdeckte An­schlag gegen die Festungswerke von Kron­stadt läßt die öffentliche Meinung nicht zur Ruhe kommen. Die Untersuchung durch die örtlichen Behörden dauert noch fort. Der angebliche japanische Agent, der der Ur­heber des ganzen Attentates gewesen sein soll, ist bis zur Stunde unauffindbar. Vor dem Pyroxilin-Depot steht Tag und Nacht ein Posten mit dem strengsten Befehl, niemand hineinzulassen. Ms Chef des Depots wollte sich kürzlich ein Offizier Eingang verschaffen. Der Posten wollte dies nicht zuge'ben, eingedenk des ftrengen Befehls, wobei schließlich, als der Offizier den Posten bedrohte, letz­terer feuerte. Der Offizier blieb tot auf dem Platze. Dieser geheimnisvolle Vorgang drang nicht in die allge­meine Öffentlichkeit. Große Korruption wurde beim Roten Kreuz aufgedeckt.

Kronstadt, 17. Mai. Die verhafteten Per­sonen sind, wie die Russische Telearaphen^-Agentur be­richtigend meldet, alle vier an Boro des englischen DampfersCamoß" verhaftet worden. An Bord des deut­schen Dampfers fand keine Verhaftung statt.

Die rusfische Anleihe.

P e t e r § b u r g, 17. Mai. Da die russische Anleihe nunmehr vollständig in Paris plaziert ist, werden die Ver­handlungen mit einer deutschen Bankgruppe wegen Be­gebung von 6 0 0 Millionen Franks russischer Schah­bonds beginnen.

Ier Aufstand in Aeutsch-Südwestafrika.

Gefechtsberichte des Hauptmanns Fische! aus Südwestafrika veröffentlicht dasMilitär-Wochen­blatt. Aus diesen Berichten, die übrigens nicht amtlicher Natur sind, geht vor allem besonders anschaulich hervor, mit welcher Verschlagenheit die Herero in der Nacht an die deutschen Posten stich» heranmachen.Hier deutsche Sol­daten, nicht schießen!" so rufen sie in der Dunkelheit den Posten an, um die in Sicherheit Gewiegten alsbäld umzu­bringen., Erfahrungen solcher Art waren schon gemacht, als Major v. Glasenapp am 14. März jenen unglücklichen Vorstoß unternahm, der so schwere Opfer kosten sollte. Hauptmann Fischel berichtet hierüber u. a. das Nachstehende: Am 13. März zogen wir, einer breiten Spur folgend, nach Onjatu. Am nächsten Tage ritt der Major v. Glasenapp mit 30 Reitern, einem Maschinengewehr mit Bedienung und neun Offizieren, einem Medizinwagen dieser Spur nach auf Owikokorev. Vor dieser Wasserstelle sand man viel Vieh ohne Bedeckung, was den Schluß zuließ, daß die Herero in größerer Zahl in der Nähe sein müßten. Bald sielen die ersten Schüsse aus den Büschen, man saß ab und nahm das Feuergesecht auf, die Offiziere ebenso wie die gemeinen Reiter, denn der Gegner verstärkte sich und suchte nach seiner Gewohnheit die Flanken zu umfassen. Die Pferde standen dicht hinter den Schützen, das Maschinen­gewehr auf 50 bis 60 Schritt dem Gegner gegenüber. Nun hatten die Unseren erhebliche Verluste, fast jeder Schuß der Herero saß. Die Bedienungsmannschaft wurde am Ma­schinengewehr zweimal erschossen, ein Offizier nach dem andern verwundet. Dziobek erhielt einen Schuß durch die Beine, was ihn aber nicht abhielt, aufs nmtigste mit seinem Karabiner weiter zu feuern, indem er sich zu jedem Schuß zum Knieen erhob. Die Verluste wurden aber nun so groß, und der Gegner erschien in so großer Ueberlegenheit, daß v. Glasenapp Befehl gab, auf den Medizinwagen zurück- zugehen. Jetzt bekamen die Herero ersh recht Mut; sie Drängten sofort nach, und die Verluste steigerten sich noch mehr. Dziobek ging noch mit zurück, äußerte dann zu Schäfer, er könne nicht weiter, schrie dann plötzlich auf, stürzte Äur Erde und blieb liegen. An ein Fortschaffen der Verwundeten und Toten war nicht zu denken, v. Glasenapp sand glücklicherweise mit Schäfer und Herrmann den Medi­zinwagen, lud diese beiden wie noch einige andere Ver­wundete auf und fuhr unter dem lebhaften Feuer der Herero zurück, wie durch ein Wunder gerettet! Mn Ge­schoß hatte seinen Mund, eins' den Hinterkopf gestreift. . . Mnen solchen Verlust hat es hier überhaupt noch nicht gegeben. . . . Major v. Glasenapp tralf kurz vor 11 Uhr im Lager ein; wir bezogen ein befestigtes Lager. . . Sie werden sich denken können, daß wir uns in keiner gehobe­nen Stimmung befinden. Das Maschinengewehr mit Mu­nition, viele Gewehre, Pferde usw. sind in die Hände der Herero gefallen. Es bleibt uns nur zu hoffen, daß wir noch Gelegenheit finden, die Scharte wieder auszugleichen."

Der Spezialberichterstatter des L. A. telegraphiert aus Windhuk: Die Ostabteilung des Majors v. Glasenapp hatte die Gräber ihrer im Biwak Onjatu verstorbenen Kameraden besonders freundlich h'ergerichtet, die sechs Hügel mit Steinen eingefaßt, Kreuze Mit Namen und In­schriften errichtet und dann die Gräber wie einen kleinen Kirchhof mit einer Dornenhecke eingefaßt. Die jetzt bei Onjatu biwakierende Abteilung des Majors v. Eflorff sand die Gräber durch die Herero geschändet

vor. Zwei waren ganz aufgegrab'en, die beiden Leichen heraus gerissen, die Totenhemden zurückgeschlagen und auf den Unterleib schwere Feldsteine gelegt. Die anderen Gräber waren sofort wieder in stand gesetzt. Das Massen- grab bei Okaharui fanden die Patrouillen Estorffs mv- berührt.

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Me verlautet, hatten Generaldirektor Ballin von der Hamburg-Amerika-Linie und der Direktor Amsinck von der Hambürtz - Südamerika!. - Dampffchiffahrts-Gesellschast dieser Tage Audienz beim Kaiser. Es handelte sich hierbei um Besprechungen über weitere größere Truppentransporte für Südwestafrika. Zmßer dem bereits geeparterten PaketfahrtdampferPalatia" und dem DampferMontevideo" der Südamerika-Linie sollen weitere Schisse für Truppen, Pferde, Schiffsmaterial und Proviant- Transport gechartert werden.Palatia" soll zunächst 450 Pferde und Begleitmannschaften undMontevideo" 360 Pferde nebst entsprechenden Begleitmannschaften befördern.

Die Kaiserin überreichte in Straßburg dem Generab- leutnant v. Trotha beim Abschied ihr Bild mit dem von ihr eigenhändig darunter geschriebenen Spruch: Gott rüste Dich mit Kraft und Stärke, Dein Weg wird der rechte sein!" Das Offizierkorps in Trier schenkte dem Gene­ralleutnant v. Trotha zum Abschied eine Selbstlade- Pistole.

Durch allerhöchste KabinettZordre ist der Rittmeister Hege le von dem in Forbach garnisonierenden Train- Bataillon Nr. 16 zur Schutztruppe nach Südwestafrika ein­berufen worden. Leutnant Freiherr v. Bodenhausen vom Regiment Garde du Corps in Potsdam geht am 19. bS. zum 2. südafrikanischen Feld-Regiment über.

Oberstleutnant Cha les de Beau Heu, AbteilungS- chef im Großen Generalstabe, ist, wie dieN. A. Z." ba- [tätigt, als CHef des Generalstabes der Schütztruppe für Südwestafrika angestellt.

Der DampferEmilie Moermann" mit dem Transport Barsewich, der von Hamburg am 16. April abgegangen ist, ist am 16. d. M. in Swakopmund eingetroffen.

Deutsches Keich.

Berlin, 17. Mai. Heute hörte der Kaiser die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts, des Chefs des Admiralstabes,£ Chefs des Marinekabinetts und empfing den schwedisch-norwegi­schen Gesandten Grafen Taube zur Ueberreichung des norwegtscAr Löwenordens.

Man meldet aus Rom: Die verwitwete Erbgroß» Herzogin Pauline von Sachsen-Weimar war heute (am 17.) mit ihrer Staatsdame Gräfin Bothmer und Begleitung von Sorrent hierher zurückgekehrt. Sie nahm hier das Frühstück ein und trat um 2p2 Uhr die Reise nach Venedig an. Als der Zug den Bahnhof Porte Naccio passierte, wurde die Erbgroh- Herzogin von einer Ohnmacht befallen. Sie verschied plötz­lich trotz der sorgfälttgsten Bemühungen der Gräfin Bothmer und ihrer Begleitung. Der Zug hielt im Bahnhofe von Orte, wo herbeigerufene Aerzte den Tod konstatieren konnten. Der .Eisen­bahnzug mit der Leiche der Erbgroßherzogin Pauline von Sachsen-Weimar ist in Florenz eingetroffen. (Die ver­storbene Erbgroßherzogin war die Mutter des regieren- denGroßherzogs Wilhelm Ernst. Sie war 1852 als Tochter des Prinzen Hermann von Sachsen-Weimar-Eisenach geboren mrd vermählte sich 1873 mit dem damaligen Erbgroßherzog Carl- August von Sachsen, der 1894 an der französischen Riviera ge­storben ist.)

Dem Staatssekretär Frhrn. v. Stengel ist der Kronew» orden 1. Klasse verliehen worden.

In einer heute abgehaltenen Versammlnn g gewerb­licher Verbände wurde einstimmig beschloffen, eine Freie Vereinigung von wirtschaftlichen beziehungs­weise Arbeitgeberverbänden tzu begründen. Die Freie Vereinigung" will die auf eine Gesamtorganisation der Arbeitgeber gerichteten Bestrebungen unterstützen, indem sie für, die Mitglieder einen gemeinsamen Kartellvertrag mit der Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände ab­zuschließen sucht. Die vorläufige Geschäftsführung ist demGe- samtverbande deutscher Metallindustrieller" übertragen worden. Man wird abwarten müssen, ob sich die $egenfdfoe zwischen der Freien Vereinigung" und der ,Hauptstell?' allmählich Über­brücken lassen.

Wilhelmshaven, 17. Mai. Das nrit dem Fischereischutz beauftragte Torpedoboot, traf heute früh bei der Insel Juist zwei Fischereidampfer beim unerlaubten Fischen. Es waren dies der englische DampferSeal" und der belgischeLeonie" ans Ostende. Die Kapitäne wurden in Wilhelmshaven verhaftet und die Fanggeräte und der Fang beschlagnahmt.

Der Ararikfurter ILauSmord vor dem Schwurgericht.

n.

Frankfurt, 17. Mai.

Heute vormittag um 9 Uhr nahmen die Verhandlungen ihren Fortgang. Wie vor Beginn der Verhandlung schon bekannt wird, hat der Verlauf der gestrigen Verhandlung dem Groß doch zugesetzt. Er soll die ganze Nacht sehr unruhig gewesen sein und vor der Verhandlung saß er völlig zusammengebrochen und weinend tu seiner Zelle. Doch Hämmert er sich zuweilen auch wieder an seinen schwachen Rettungsanker und sagte im Beisein der Ge­fängnisbeamten zu dem Stafforst:Gefteh's doch, daß Dn's allein gewesen bist!" Stafforst sah seinen Genossen an und schwieg. Noch nachdem er in die Anklagebank geführt war, brach Groß in Tränen aus und sagte zu seinem Genossen:Gesteh's doch ein, Stafforst!" Tiefer machte eine Bewegung, erwiderte aber nichts. Wie man hört, hofft der Gerichtshof, heute mittag mit den Zeugenvernehmungen und bis heute nacht mit dem ganzen Prozeß fertig zu werden. Um 9 Uhr 5 Minuten traten der Gerichtshof und die Geschworenen ein. Von den Zeugenvernehm­ungen des Vormittags fällt besonders die Aussage des Wirts Bill- meyer ins Gewicht. Zu dem hat der Groß einmal gesagt:Wenn ich wüßte, wo Geld ist, ob Jud oder Christ er wird gemacht!" Und auf die Antwort des Mannes:Bruno, das darfst Du aber nicht laut sagen", erwiderte jener: ,Za, dazu muß man alleene sein oder man muß einen haben, auf den man sich