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18.3.1904 Zweites Blatt
 
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1S4. Jahrgang

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Gießener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.V.

Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.

DieElehener ZamilienblStter^ werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hessische Landwirt^' erscheint monatlich einmal.

Freitag 18. März 1904

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

3>le heutigeStummer umfaßt 12 Seiten

tönernen

bewährteste

All Gespenster gia»ö ich nicht,

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gegeben (dies wurde auch bei der Oeffnung deS SargS später festgestellt), und so sei er ihr ins Grab nachgezogen worden. Der Vortragende knüpfte daran eine Erörterung

Nahrung für

Kirche unD schule.

Wien, 17. März. Der Olmützer Domdechant Klug erhielt eine Zuschrift des Staatssekretärs Merry del Val, welche besagt, der Papst habe die am 14. März von dem Erzbischof Kohn selbst und freiwillig.gegebene Resignation angenommen. Tas Metropolitankapitel wird beauftragt, zur Wahl emes Kapitularvikars zu schreiten. Ter Papst behält dem Erzbischof den Titel eines Patriarchen vor, der ihm verliehen wird, sobald eine der drei Stellen von Antiochia, Allessandrien oder Konstantinopel frei wird. Inzwischen wird er zum Erzbischof in partibus ernannt.

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Aus Stadl ulül Laut».

Gießen, 18. Mär; 1904.

Zwecken bei den Naturvölkern, den Juden, Griechen und Römern, im ganzen Mittelalter, und vielfach auch noch im heutigen Aberglauben findet. Indem man mit zauberischen Formeln und Zeremonien das Wachsbild schmelzen, das Tonbild ausdörren ließ, indem man der Puppe den Kopf abschlug, konnte man seinen Feind töten oder langsam hin­martern. Man durchstach oder fesselte die Teile deS Bildes, an denen der Mensch erkranken sollte. Bekannt sind auS dem Altertum die Pharmakeutricn des Theokrit und die Zauberin Kamdia bei Horaz. Aber auch die mittelalterliche Litteratur ist sehr reich an Belegen des Btlderzaubers. Besonders wirk­sam war er, wenn man das Bild durch einen Priester taufen (natürlich auf den Namen deS zu Tötenden) oder darüber eine Messe lesen ließ. Noch heute glaubt man z. B. in der Oberpfalz, ein Mädchen könne den Tod seines untreuen Lieb­habers bewirken, indem es eine Kerze um Mitternacht an­zündet und einige Nadeln hineinsticht mit den Worten:Ich stech das Licht, ich stech das Herz, das ich liebe." Ueberall liegt der Gedanke der Sympathie zu Grunde: Was mit dem Bild geschieht, besonders wenn noch irgend ein Teilchen deS Menschen damit verbunden ist, das geschieht auch mit diesem selbst. Auch im Liebeszauber wurden vielfach Wachsbilder benutzt. Daneben spielen die Liebestränke eine große Rolle vgl. die Sage von Tristan und Isolde). Der Liebeszauber bewirkt dieerstrebte Vereinigung zweier Menschen meistens 1 dadurch, daß der eine irgend etwas vom andern ißt, an sich trägt, mit sich im eigentlichsten Sinne verbindet." Derartige Mittel werden noch heute so häufig angewandt, daß wir hier auf ba§ Anführen von Beispielen verzichten könnend ' Der Vortrag erntete großen Beifall. Eine angeregte Di§- l kussion, an der sich Professor Strack, Professor Haupt, Pfarrer 1 Hofmann, Dr. Holzapfel, Dr. Hepding, Rentamtmann Schäfer, ' Professor Sticker, Professor Henneberg beteiligten, steuerte noch manche interessante Parallelen aus dem modernen Volks-

der Zauberformen, die in diesem Bericht erwähnt werden. Auf ein ungemein reiches Material gestützt, zeigte er, wie sich die Verwendung von bleiernen, wächsernen und Bildern, Strohpuppen u. s. w. zu zauberischen

gesunde u. magen* darmkranke 245

Von der Frs. Volkspartei ergriff heute Abg. Kopsch bis Wort, von der Frs. Vereinigung Abg. Ernst. Der Kst-Lre widmete sich mehr anderen Angelegenheiten des iuU usetats und mißbilligte nur die Förderung konfessio­neller Vereinigungen in den Schulen; der Letztere gab

Au sich! Ausdruck, die Erregung über Beseitigung des 12 würde sich bald legen. Der Pole Stychel hielt die Kirche Polenrede. Mit zahlreichen persönlichen Bemerk­tem zum Teil recht zugespitzter Art sclfloß die Atzung.

Zur Bülow-Rede im Abgeordnetenhause schreibt die Hermani a": Die Ausübung der Gerechtigkeit auch -r d-rchenpolitischer Beziehung darf nich«t von Stirnrn- mrn sondern nur von Grundsätzen beeinflußt werden, -m Grundsätzen des Recksts, der Toleranz und der Parttat. nut' Bülow hat in seiner Rede zwar auch diese Grundsätze irr.eliiit, aber praktisch daraus keine Konsequenzen ge- auch hat er seinen evangelischen Standpunkt int mehr, als in diesem Falle bei einem Ministerprästden- Ißn in einem paritätischien Staate angebracht war, rn den »bldergrund treten lassen. Die protestantischen Blätter firnen sich deshalb über die Rede des Reichskanzlers, ji"cit sie ein tirchenpolitisches Programm enthielt, nicht Zeigen; von k a t h o l i s cher Seite wird dieses Programm wo ch mit sehr gemischten Gefühlen ausgenommen wer- ffitr 4tur in einem Punkte können wir dem Reichskanzler M -suchten, in dem Wunsche nach konfessionellem Frieden, äejieit unser Vaterland in der Gegenwart mehr bedürf otii se zuvor.

Das EtatSnotgeseh.

Tas Etatsnotgesetz, das dem Lieichstag soeben zuge- ®trcien ist, ist dem gleichartigen Gesetze vom 30. März nacl^ebildet und lautet:

L i Bis zur gesetzlichen Feststellung des Rerchshau^- ch-lAtats für das Rechnungsjahr 1904 und vorbehaltlich ülenderungen, welche sich durch diese Feststellung er- qeoern, wird über den ReichDyaushaltsetat für die Monate <üi und Mai 1904 folgendes bestimmt: 1. Von den durch Öen ??ieül^l)aushaltsetat für das Rechnunasfahr 1908 fesd- ffliteaiten Summen und von den Nachbewilligungen können « bsei den fortdauernden Ausgaben innerhalb der Stirnen de. bei den einzelnen Kapiteln und Titeln be- chiazten Beträge, b) bei den e i n m al t g e n Au S g a b e n Dt- ordentlichen CtatS, insoweit letztere für Zwecke be- chimt sind, die in dem der Beratung des Reichstags unter- ..iijennben Entwürfe des HauShallsetats der ^^u tz- fitoBte t e für das Rechuungsiahr 1004 unter den etnmaU- W -ttusaa^n des ordentlichen lttats wreder erscheinen, »i üie '.utonate April und Mar 1904 je em Z w ö l f t e l Mlich derjenigen Mehrbeträge verausgabt werden, dre

Zrfülluna der au. einen längeren Zeitraum im Vor-

- Hessische Vereinigung für Volkskunde. Der fünfte Mitglicderabend der Ortsgruppe Gießen war wieder sehr gut besucht. Dr. Ebel legte seinem Vortrag über Allerlei TodeS * und LiebeSzaub er" einen Bericht aus alten Konsistorialakten zu Grunde, der im Jahr 1694 an die hiesige Superintendantur gerichtet worden und sowohl in kulturgeschichtlicher, wie in volkskundlicher Beziehung außer- ordentlich wertvoll ist. Es handelt sich darin um unerfreu­liche Vorgänge am kursächsischen Hof, um die Zaubereien, die den Tod deS Kurfürsten Johann Georg III. hervorgerufen und den Kurfürsten Johann Georg IV. für Tod und Leben an Margarete Sibylle, die schöne Tochter der Generalin von Neitschütz, gefesselt haben sollten. 1691 war diese bereits die Favoritin Georgs, und er blieb ihr auch treu, als er sich mit der Markgräfin von Ansbach vermählt hatte. Wenn sie auch nicht ihre Anerkennung als legitime Gattin erreicht hatte, so setzte sie doch durch, daß sie den Titel einer Reichsgräfin von Rochlitz erhielt. Ten kaiserlichen Hof zu Wien scheint sie sich durch das Versprechen gewonnen zu haben, den lieber- tritt des Kurfürsten zum Katholizismus herbeizuführen. Neue Nahrung erhielten die Gerüchte, daß der Kurfürst Johann Georg 1V. durch teuflische Mittel an die verhaßte Maitresse gebunden sei, dadurch, daß er nach ihrem Tod 1694 sichtlich hinsiechte und tatsächlich auch kurz darauf starb. Heber die Untersuchungen, die fein Nachfolger über diese Zaubereien anstellen ließ, gibt der Konsistortalbericht Kunde. Seine An­gaben werden bestätigt und ergänzt durch die ebenfalls er­haltenen Prozeßakten. Danach fei der Tod des Kurfürsten Johann Georg III. herbeigeführt worden, indem die Generalin Neitschütz und ihre Tochter ein Wachsbild, in das Haare von ihm eingeknetet waren, über einem Feuer hatten schmelzen lassen. Durch einen eigenartigenBcckenzauber" sei die über- natürlichr Liebe Johann Georgs IV. zu Margarete Sibylle und seine Abneigung gegen seine rechtmäßige Gattin bedingt worden. Außerdem werden in den Prozeßakten noch viele andere zauberische Mittel angeführt, durch welche die Nett- schützin den Kurfürsten an ihre Tochter gefesselt und die Kinderlosigkeit seiner «he mit der Markgräfin von AnSbach bewirkt hätte. Die Generalin habe in eine Pastete Blut von dem Kurfürsten und ihrer Tochter gemengt und diese den beiden zu essen gegeben, wodurch sie unauflöslich an einander vvc gebunden wurden. Unb nach dem Tod ihrer Tochter habe Vor-1 sie dieser Haare vom Kurfürsten und fein Bild mit ins Grab

sagt der Herr Herr Cbedörfter am Stammtisch, ober vor einem Gespenst habe ich doch heillosen Respekt: Vor der Influenza nämlich, zumal bei dieser Jahreszeit. Tie Influenza beschleicht einem heimtückisch, man denkt, man bat nur einen simpel» Katarrh, der alleine wieder ver­geht und dann bai3 plötzlich doch lest beim Kragen.

Tas ist'- eben, sagt der Apotheker der Katarrh! Den lassen bi* Meißen unbeachtet und dann lassen sich bte Folgen oft gar nicht abschcn. Aber ich weiß aus der Praxi«, daß die ßeut< jetzt mehr und mehr aus ein ganz prächtiges Mittel verfalle,i^um Katarrhe und die Influenza zum Kuckuck zu jagen: oayS ächte Lodener Mineral- pastillen werden jetzt massenhaft verlangt und wie oft ich auch nach dem Erfolge frage: Alle sind ste de? Lobes voll und ich kann gar nicht genug Schachteln anschafsen. Tie Pastillen empsehl« ich Ihnen autrichng, Cberiörfter, Sie werden nur für den guten Rat noch dankbar sein. 3n 85 Psg. per Schachtel in allen Apotheken, Drogen- und Minerallvafserhanblungen zu Haden. MO

politische Tagesschau.

in zweite Tag der Jefuitendebatte im preuh. Abgeordnetenhause.

Ein Berliner parlamentarischer Mitarb eifer schreibt unS:

Ter zweite Tag der Jesuitendebatte, oder, wie sie setzt schon großartiger heißt:Kulturkampf-De­batte" im preußischen Abgeordnetenhaus war kaum weni­ge t interessant, als der erste Tag. Zwar fehlte Gras Büstotv. Er überläßt die weitere Verteidigung des BundeS- reiesbeschlusses demberuhigt in die Zukunft blickenden" Kultusminister Studt. Aber die wieder sehr zahlreich an- ivei enden Tribüncngäste fanden ihre Erwartungen er­füllt durch ein äußerst lebhaftes Rededuell zwischen btn Abgg. v. Eynern (nl.) und Dr. Bachem (Ztr.). Tuse Auseinandersetzung, in der sehr scharfe, in der Tat an die Kulturkampsszeit erinnernde Worte fielen, bildete der Höhepunkt der Sitzung. Abg. v. Eynern ist vielleicht manchmal ein etwas zu eifriger Sprecher, er zieht zu Ä ins Gefecht und bringt sich dadurch selbst um dre ng guter, treffend gewählter Argumente. Aber man hörst ihn doch immer wieder gern in seiner frischen ur- svcunglichen Art, die auch, wo es nottut, diegoldene Rück­sichtslosigkeit" nicht scheut, und man erfreut sich immer toiefcer an seinem gesunden Humor. Heute freilich gab Herr v. Eynern nur wenig Proben dieser letzteren Eigen­sucht. Er wurde sehr energisch und stellenweise bitter in feir en Ausführungen über die Aufhebung des § 2 und die Mcucianischen Kongregationen. Graf Bülow und den Kul­tusminister machte der Redner in einem Ton verantwort­lich wie er seit langem nicht so streitbar aus den Reihen bet Nationalliberalen erklungen ist. In der Erwiderung des Ministers wurde denn auch Gewicht gelegt auf den Ion" des Angriffs, der eines näheren Eingehens über­hebe. Tas Zentrum geriet während der v. Eynern'schien iai legung in größte 'Erregung zumal an der Stelle, als Herr v. Eynern auf den Ausspruch Mndhorst's,d e r z-alpst regiert die Welt" die Bezeichnungfrech" aniT-cnbete. Gegen die Beleidigung eines verstorbenen Mit­gliedes des Hauses erhob Präsident v. Kr öcher Einspruch.

Anders als Herr v. Eynern verfuhr Dr. Bachem mit feiner fast zweistündigen Rede. Er rechnete zwar auch - i it feinem ausgeprägt rheinischen Dialekt unerbittlich mit den Gegnern der Jesuiten ab, indem er insbesondere henn v. Eynern aufs Korn nahm. Ebenso mußten bte- jeni-jen Bundesregierungen, diemit merkwürdiger Nle" ihrem ablehnenden Standpunkt vor der Öffentlichkeit fest- gefüllt hätten, Dr. Bachems Unmut entgelten. Doch ver­seht: e der Zentrumsmann nicket, geschickt der Taktik des Italien Bülow folgend, längere Perioden in Molltönen eiiizuslechten, zur Einigkeit, zumnationalen Zusammen- arbtiten" zu mahnen. Und dadurch erhielt diese Rede trotz mr chen Angriffs z. B. auf den Evangelischen Bund, im iu>anzen einen gemäßigten Charakter. Dr. Bachem suchte über die Wirkung der Aushebung deS 8 2 zu beruhigen, Mitens eine handvoll Jesuiten werde ins Land Kimmen. Bezüglich der Beseitigung auch des Rests des W itengesetzes meinte er, unter verständnisvoller Heiter- Idt des Zentrums, niemals dürfe man niemals sagen

glauben bei.

Butzbach, 17. März. Die seitherige P au Usch« Ho raite und Backerei in der Lau gg ässe, die kürzlich Dort Herrn Ame n d aus Gießen getauft wurde, wurde vovl diesem wieder an Herrn Mlh. Müller aus Bettenhausen zum Preise von 14 2u0 Mark »erkauft. kB. Ztg.)

Hanau, 17. März. In dem Zug 411, von Würzburg kommeitd, der 10,46 Uhr vormittags in Aschaffenburg ein­trifft, wurde ein Raubmord versucht. Man sand in dem Abort eines Wagens 3. Klasse einen gut gekleideten Mann geknebelt und beraubt. Ein Mitreisender verließ anscheinend in Heigenbrücken den Zug. Eine Summe von 3700 Mark fehle dem Beraubten.

Vevmijcyres.

* Berlin, 17. März. Durch einen Schuß in die linke Schläfe hat sich der Oberleutnant vom Schleswig-Holsteini­schen Husarenregiment Nr. 15, Karl v. Rogister aus un­bekannten Gründen heute in seiner Wohnung erschossen. Er war seit dem 1. April v. I. zum Großen General^ ftabe kommandiert und erhielt in dieser Woche den Bescheid, daß er zu seinem in Saarburg stehenden Regi­ment zurückversetzt sei.

* Kattowitz, 17. März. Am Jdaweicher Bahngeleise, an einer Stelle, wv vor zwei Jahren em noch unauf­geklärter Lustmord an einer Stellenbesitzerstochter verübt wurde, wurde heute eine östreichische Frau mit zertrüm­mertem Schädel aufgefunden.

* Paris, 17. März. Zwischen einem Redakteur derPetit Rcpublique" und einem Offizier des 25. Tra^ goner-Regiments fand gestern wegen eines in dem genannten Blatte erschienenen, für den Offizier beleidigenden Artikels ein Duell statt, bei welchem der Redakteur Der letzt wurde.

* Toulon, 17. März. Während der gestrigen Schieße versuche mit Torpillen wurde der Torpedojäger Oarbacane" durch einen verirrten Torpedo so schwer unter der Wasserlinie beschädigt, daß er sofort die Werft aufsuchen mußte.

aus fälligen Verbindlichkeiten erforderlich sind. Die Aus­gabe nach dem Etat über den Reichsinvalidenfonds für das Rechnungsjahr 1903 an die Bundesstaaten und an Elsaß-Lothringen zur Gewährung von Beihilfen an hilfs­bedürftige Kriegsteilnehmer unter Kapitel 83 Titel 4 der fortdauernden Ausgaben ist für die Monate April und Mai 1904 von einer Summe von 11500 000 Mark zu berechnen. Für Hebungen der Mannschaften des Beur- aubtenstandes kann die Militärverwaltung den Ge­samtbetrag der in dem Jahresetat für 1903 in Ansatz gebrachten Summen verwenden. 2. Die Matrikular- b e i t r ä g e sind bis je zum zwölften Teil der durch den Reichshaushaltsetat für das Rechnungsjahr 1903 feftge- ftellten Summen von den Bundesstaaten einzuzahlen.

ß 2. Der Reichskanzler wird ermächtigt, zur vorüber­gehenden Verstärkung der ordentlichen Betriebsmittel der Michshauptkasse nach Bedarf, jedoch nicht über den Betrag von 225 Millionen Mark hinaus, Schatzanweisungen auszugeben.

Ein entsprechendes Notgeseft für den Etat des Schutz­gebiets ist dem Reichstage gleichfalls zugegangen.

Ein bayrisches Landtags-Idyll.

In der bayrischen Abgeordnetenkammer referierte Dr. Casselmann wohl eine Stunde lang über eine Anzahl von Petitionen von Arbeitern und Bediensteten der StaatSban- verwaltung. Unterdessen hatte sich das ohnehin spärlich be­setzte Haus noch mehr geleert. Ein älterer Deputatns hatte es sich auf feinem ledergepolsterten Sitz bequem gemacht und schlief den Schlaf des Gerechten. Die Sitzung wurde geschlossen und beschleunigten Schrittes verließen die Land­boten und Regierungsvertreter den dumpfen Saal, aber keiner dachte daran (vielleicht auch aus Bosheit), den schlummernden Collega* zu wecken. Eine kleine Viertelstunde verstrich, dann änderte sich plötzlich das Bild. Mit Schrubbern und Eimern bewaffnet, rückte eine Brigade Putzfrauen an, uni das tägliche Reinigungswerk zu verrichten. Die wackeren Frauen waren nicht wenig erschrocken, als sie den schnarchenden Deputatns erblickten. Ihre Versuche, sich durch geräuschvolle Tätigkeit bemerkbar zum machen, schlugen fehl. Da bestieg nach längerem Ueberlegen eine der Frauen das Podium, wo sonst Herr v. Orterer tront. Sie ergriff die Glocke und warf diese mit großem Geräusch um. Das wirkte. Der Ichlummernde Volkömann fuhr erschrocken in die Höhe, packte schleunigst seine Papiere und verließ dann rasch die Stätte so anstrengender Tätigkeit.--