Nr. 14
Drittes Blatt.
154. Jahrgang
Montag l 8. Ja-'^ar 1904
Erschein. ISgNch mit Ausnahme des Sonntag«.
Di Gießener §ami!ienb!ätter- werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Gießener Anzeiger
Verantwortlich tüt den afiemretee» Ml V. Witiko: tüt den lliyetflaitetli (X Be<
RotatwnSdruck und vertag der Brüht 'ichr» UnwersilätSdruckerei (Pietsch Erd«), Bietzen»
General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen.
KeKanntmachung.
In der Zeit vom 9. bis 16. Januar 1904 wurden in hiesiger Stadt
gefunden: 1 Ring mit rotem Stein, 1 Gummischlauch und 1 Bremsvorrichtung;
verloren: 1 Portemonnaie mit 33 Mark Inhalt, 1 silberne Damenuhr, 1 gold. Ning, 1 silb. Kettenarmband, 1 brauner Pelzkragen, 1 blauseidcnes Halstuch und 1 Pferdedecke.
Zugelaufen ist: 1 schwarzer Rattenpinscher.
Entlaufen ist: 1 Jagdhund und 1 hellgelber Pinscherhund.
Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen.
Gießen, den 16. Januar 1904.
GroßherzoglicyeS Polizeiamt Gießen. Hechler.
Politische Wochenschau.
Wenn die Welt nicht im fernen Osten durch das unsichere Hin- und Herpendeln der Kriegs,vage, in der neuen Welt durch das diplomatiscke.Hin- und Herzerren der Union mit Kolumbien, durch Revolutionen in Santo Domingo, Uruguay und Südweftafrttä in Atem gehalten würde — der Wechsel der Erergnisse in Deutschland selbst würde die Gemüter nrchl in ihrer Ruhe zu erschüttern vermögen. Ter Reichstag ist wieder zusammengetreten, aber die Daner- vder Agitationsreden zum Fenster hinaus beeinträchtigen das Interesse der Oefsentlichkeit an seinen Verhandlungen. Tie Genossen saugen aus allen Blumen Gift für die Agitation und langweilten iitii einer Verdrehung der Sachlage betreffs der Wurmkranthett die Reichsboten. Sie liebten es, dre Bergw-erkbesitzer als schwarze Barbaren zu schildern, tue mit der Gesundheit armer Arbeiter frivolen Spott trerben. Freilich .fehlte dieser Katzenmusik die Resonanz rm Reichstage. Man erkannte die Nachlässigkeiten der Unternehmer ebenso an, tote man die gefährliche Gleichgiltigkeit mancher Arbeiter gegen die sanitären Vorschriften auf- deüte. Und so blreb denn, wenn man die außerordentliche Energie hinzunahm, mit der der Staat den ungebetenen Gast unter großen Opfern auch für die Unternehmer bekämpft hat, von dem agitatorischen Schreckbild der Genossen nichts mehr iibrig. Etwas bedeutsamer als diese fruchtlose Debatte verlief die Reichstagserörterung über die von £>em neuen Offenbacher Abg Tr. Becker angeregte Einführung einer obligatorischen Altersmud Invalidenversicherung für selbständige "Handwerker. Der Zug der Zett geht in Deutschland auf übermäßige Ausdehnung des staatlichen Versicherungswerkes. Aber die Handwerker sind vorläufig selbst noch nicht durchweg über die Ziveckmäßigkeit dieser Versicherung einig. Und darum hat Graf Posadowsky recht. Wenn mit der Obligatorischen Handwerkerversicherung erst der Weg der staatlichen Versicherung selbständiger Gewerbetreibender betreten ist, so führt er immer tiefer in finanzielle Abgründe hinein, denen wir besonders in Anbetracht der gegenwärtigen Reichsfinanzlage jedenfalls auf absehbare Zeit ausweichen sollten Denn den selbständigen Handwerkern wird die mrgeheure Anzahl der selbständigen kleinen Kaufleute, werden die selbständigen Privatlehrer, Gelehrten, Schrrst- steller, Künstler und nock, viele andere nachfolgen. Hier heißt es also vorläufig: bescheiden warten, bis einmal der Tisch der Reichseinnahmen ganz anders gedeckt sein wird als heute. ....
Zu der uroralftchen Niederlage, die den Genossen dre Debatte über ine Aurmkrankheit im Reichstag brachte, gesellt srch aller Wahrscheinlichkeit auch noch dre Niederlage chrer Agitation in Krimmitschau. Wenigstens mehrten srch in letzter Woche die Anzeichen, daß der Aus- igang der beklagenswerten Machtprobe zwischen Unternehmer und Arbeiter der sein wird, den wir als wahrscheinlich be
zeichneten: die Geldmittel und die Festigkeit der Unternehmer werden sich der Position der Arbeiter, die fort- währerrd durch die wachsende Zahl von Arbeitswilligen und Ueberläufern geschwächt wird, schließlich überlegen zeigen. Das Odium des ganzen, für Krimmitschau verhängnisvollen Konflikts fällt dann auf die Agitatoren, die mit hohlen Siegesversprechungen eine blühende Industrie- ladt verödet, Tausende in Not und viele Arbeiterfamilien dauernd um ihr Brot gebracht haben. Tie „Vorwärts"- Jvurnalisten werden fr erlich schon dafür sorgen, daß die Arbeiter nichts aus dem Streit lernen und der festen Ueber- zeugung bleiben, daß nur die Perfidie des Staates, der die Arbeitswilligen vor den Mißhandlungen der armen Streikenden schätzte, und die Bosheit der Unternehmer daran schuld waren, daß sie unrecht bekommen haben. In einem mehrere Spalten umfassenden Artikel der „Nationalztg." beschäftigt sich der Kurator der Universität Bonn, Tr. von Rott en bürg, mit der Aussperrung in Krimmttschau. Es heißt darin, wer den streitenden Parteien unparteiisch gegenübersteht, wird notwendig xu dem Schluß gelangen, daß weder die eine noch die andere Beweise ihrer vollständigen Schuldlosigkeit erbracht haben, daß also die Arbeiter einen Vergleich an- st r e b e n müßten. Aus der Ablehnung der Arbeitgeber, in eine Vergleichsverhandlung einzutreten, ergab sich nunmehr 'für tnc Regierung das Recht und die Pflicht, eine Wiederherstellung des Friedens vermittels gesetzttcher Maßnahmen zu versuchen. Es ist zu erwarten, daß, wenn dre Orga ni^ion der Arbeitgeber die Arbeiter in eine üble Lage bringt, jede Aussicht auf eine tatsächliche Einführung des Zehnstundentages in der Textttinduftrre schwindet. Da möchte ich, so schreibt Tr. v. Rottenburg, mit einer sofortigen gesetzlichen Ausführung hervortreten. Man überläßt es vorerst der öffentlichen Meinung, den Widerstand gegen den Zehnsrundentag in der Textilindustrie zu bekämpfen. Zu diesem Zweck wäre es aber allerdings erforderlich, daß die Regierung eine Enquete eüileitetc. Es ist nicht zweifelhaft, daß dies zu Gunsten der Arbeitnehmer ausfallen und alten Unparteiischen die nötigen Argumente in die Hand geben wird, um auf die Arbeitgeber einen moralischen Druck auszuüben. Gibt die Regierung die nötige Erklärung ab, so wird sofort ein Entwurf eines Gesetzes wegen Einführung des Zehn- stundentages für Arbeiterinnen vorliegen, dessen Annahme im ReichStyg außer Zweifel steht. Und erklärte sie sich bereit, eine Enquete einzuleiten, so haben die Krrm- nrit'.chauer Arbeitnehmer Leuten Anlaß, den Aus st and sort- zusetzen, mrd nach neueren Nack)richten darf man annehmen, daß sie allerdings die Arbeit wieder aufnehmen werden. Trifft diese Amrahme nicht zu, so werden die Ar- better allerdings damit zu rechnen l)aben, daß die ösfertt- liche Meinung sich gegen sie wenden würde, denn eine durch sozialistische Agrtawren in Shene gesetzte Vergewaltigung der Arbeitgeber wird allerdings in allen rechtlich denkenden Kreisen auf die schärffte Opposition stoßen.
Eine Art Ehrenhandel haben wir Deutsche ferner gegenwärtig auf kolonialem Gebiete auszufechten. Tie Festig- kett der deutschen Herrschaft in S ü d w e st a f r i k a ist durch den A u f st a n d d e r - He re r o s ernstlich in Zweifel gestellt worden. Hunderten von Landsleuten droht Lebensgefahr, unsere Ehre in der Frage der Fähigkeit, Neger zu bel)errschen und damit iwerhaupt zum Mitbesitz des schwarzen Erdteils berechtigt zu sein, die uns John Bull gar so gern abstreitet, steht auf dem Spiele. Laut dtach/- richten aus Windhuk vom 14. ds. ist Okahandja schwer bedrängt. Die Ersatz versuche von Mndhuk aus waren gescheitert. Windhuk selbst war bedroht. Zahlreiche B e r l u ft e !!! Der L a n d st u r m ist ein - gezogen. Sofortige Hilfe wird erbeten. Tie Hereros sind durch Plünderungen gut beritten und bewaffnet. Aus Swakopmund wird telegraphiert, daß ein Angriff auf Otjim'bingwe noch nicht statlgefunden habe, daß aber ein Trupp Eingeborener von Okämbahe und von Johann Albrechts-Ööhe auf Karivib in Anmarsch seh und daß weitere 25 Mann Reserven zur Verstärkung der Bahnstation
von Karibib entsandt seien. Die Expedition Laubschat sei wohlbehalten in Karibik angekommen, die Expedition Bülow mit 120 Gewehren sei jedoch anscheinend ber Waldau gefährdet. In Swakopmund und in Karibib ist das Kriegsrecht erklärt worden. Ter „Tgl. Rundschau" ging von privater Seite die Nachricht zu, daß O k a h a n d j a g e f a l l e n sei. Aus Erkundigung hin wurde mitgeteilt, daß das Gerücht auch in anderen Kolonialkreisen aufgetaucht sei, aber noch keine amtliche Bestätigung er- ahren habe. Dagegen erscheint es als bestimmt, daß der Oberhäuptling der Herero, Samuel Maha- rero, auf dessen Loyalität sich das Gouvernement vollständig verlassen hat, aufständig geworden ist. Es ist elbstverstündlich, daß zurzeit keine dringendereNotwendigkeit vorliegt, als rasch und durchgreisend vorzugehen, denn je schneller der Brand erstickt wird, desto geringer ist die Gefahr und desto unwahrscheinlicher ihre Wiederholung. Es verlautet auch bereits, daß die angekündcgte Vorlage wegen Verstärkung der Schntztruppe in Deutsch-Südwest- afrika um 500 Mann so beschleunigt werden dürste, daß mit dem nächsten, am 30. ds. von Hamburg abgehenden Dampfer eine größere Truppen-Abteilung nach der Kolonie befördert werden kann. Zu diesem Zwecke wird dem Reichstage umgehend eine Vorlage zugehen. Die in Aussicht genommene Beorderung des Kanonenbootes „Habicht" unter beschleunigten Verhältnissen von Kapstadt nach Swakopmund, ist bereits zur Ausführung gekommen. ^Vgl. den besonderen Artikel „Der Aufstand in Deutschsüd-, westasrrka!)
Weniger eilig hatten es in vergangener Woche die beiden o st a s i a t i s ch e n Gegner. Das Tempo der Kriegstreiderei ist etwas verlangsamt worden. In Tokio wie in Petersburg giebt es eine Kriegs- und eine Frte- denspartei, und so schwirren die Kriegs- und die Friedens- gerüchte noch immer weiter bunt durcheinander. So viel aber verlautet jetzt sicher, daß Japan zum letztenmal friedlich! geantwortet hat, falls Rußland nicht noa) wettere Zugeständnisse macht, als es bereits in der lebten Note als das äußerste Maß des Aiöglichen bezeichnet hat. Da Rußland ftich diesen Fall ruhig überlegen kamt und Japan keine Zeitgrenze für die Antwort festgesetzt hat, so wird wohl eine wettere friedliche Pause von ein paar Tagen eintreten. Sie wird ebenso sicher von japanischer und russischer Sette zur Vollendung der Kriegsvorbereitttngen wie von französischer und holländischer zu Friedensvermitb- lungsversuchen benutzt werden. Mes deutet fteilich darauf hin, daß die Friedensfreunde, an deren Spitze der Zar selber steht, der wieder einmal, wie bei der Neujahrsparade in Port Arthur der russische Statthalter Alexejew den Truppen erklärte, seinen Willen dahin kundgegeben hat, daß der Friede bewahrt werde, die äußerste Kraft anstrengen müssen, wenn es ihnen gelingen soll, die Ruhe zu erzwingen.
VoMische Tagesschau.
Die Begründung des Gesetzentwurfs betreffend den Servistarif und bte Ä'laff en ei n teil uns der Orte macht für die unveränderte Beibehaltung der bisherigen Wohn- un gS g e ld zuschüss e folgende Erwägungen geltend: Ter Bewilligung von Wohnungsgeldzuschüssen habe nicht die Absicht zugrunde gelegen, bett Beamten einen bestimmten Teil der tatsächlich gezahlten Miete zu ersetzen, sondern es sollte bei einer ohnehin rrotwendigen Einkommenverbesserung ein beweglicher Bestandteil in das Besoldungssystem ein geführt werden, um die Preisunterschiede auszugleichen, welche in den einzelnen Orten, namen ttich bei den ^Wohnungen, hervorgetreten waren. Die Verbindung von Servis- und Wohnungsgeldzuschuß entspreche auch der Natur der Sache. Erhebungen, tvelche in den letzten Jahren über die von Beamten und Offizieren in den verschiedenen Orten tatsächlich gezahtten Mieten wiederholt angestellt seien, hätten auch ergeben, daß die Mieten fast durchweg die Neigung zeigten, den Servisklassen entsprechend zu steigen und zu fallen. Bei dem schnellen Wechsel, dem ine Wohn-
Feuilleton.
Hessische Landes- rrud Volkskunde.
Im N. G Elwert'schen Verlage in Marburg erschien unlängst: „Hessische Landes- nni) Volkskunde. Des ehemalige Kurhessen und das Hinterlatrd am Ausgang des 19. Jahrhunderts. In .Verbindung mit dem Verein für Erdkunde zu Kassel mrd zahlreichen Mitarbeitern heraus- vegeben von Karl Heßler. 2. Band: Hessische Volkskunde. Mit mehreren Karten und zahlreichien Abbildungen Eleg. geb. 10 Mark." Dieses schöne mrd reich ausgeftattete, mit vielen wertvollen Illustrationen, zum Tett nach hervorragenden moderrren Nüeiftern versehene Werk will ein Spiegelbild des kurhessischjen Volkslebens liefern. Und gerade dadurch ist H. dies in besonderem Maße gelungen, daß er das reiche Material nicht zu einem Einzigen Bericht verarbeitet, sondern jede größere abgeschlossene Landschaft Hessens für ftch. uiuer Beihilfe von verschiedenen sachkundigen -)Nir.arbe itern hat behcutdeln la Jen. §>a ist eine erstaunliche Fülle von Stofs zusammengetragen lvorden, und fast jede Sette des umfangreichien Buches bietet neue Anregung. An die einleitenden Arttkel: „Unsere Altvordern vor 2000 Jahren", „Kurzer Ueberblick über die weitere Entwicklung des deutschen Volkstums bis zur Gegenwart", „All-Hessenland, feine Grenzen und einzelnen Lette" schließen sich Schilderungen über Satten und Gebräuche an: 1. das französische Niederhessen, 2. das Volksleben der Stadt Kassel, 3. O b e r h e s j e n (soweit cs zu Preuiwn.gehört), 4. das Hinterland, 5. die Schwalm, b. Bucheeren, 7. das Kinzigtal, 8. die Stadt Hanau, 9. das thürmgrsche Niederhessen, 10. das Lchmalkalder Land, 11. bas )acht!che Niederhessen, 12. das Schaumburger Land, 13. (ein W interessantes Kapitel:) das VolMied in Heften. Uns rm aroßherzoglichdu Oberhesse-r interessiert ttamcntlrch das von Oberlehrer Flach! verfaßte Kapitel über das Hmterland, m
dem auch das Bibertal BerücksickMgung gefunden hat. Im Anschluß daran folgen noch die Abhandlungen: „Bedeutung der Sitten und Gebräuche", „Hervorragende Männer Hesserrs" und Wetter noch ein Notenanhang von 8 Seiten. Nach einem klaren Ueberblick über die Entwicklung des hessischen Volkslebens vom Auftteteu des deutschen Volkes in der Geschichte bis zur neueren Zeit, bringt also das übersichtlich und planvoll angelegte Werk umfassende, wenn auch manchmal etwas trockene und zudem sich wied^holende Schilderungen des Volkslebens ui den oben genannten kurhcssischerr Landschaften. Das vorliegende Werk ist weniger für den Gelehrten besttmmt, als für jedermann im Volte, ein Volksbuch soll es nach! dem Wunsche des Verfassers werden, damtt das Volk sein Tun und Treiben verstehen uwd Stadt- und Landbevölkerung sich! gegenseitig wieder achten und schätzen lerne. Wir empfehlen es zur Anschaffung für die Volks- und Lehrer- bibliotheten auch im großherzogttchen Oberhessen, und da die Lehrerschaft sich an dem Zustandekommen des Werkes rege beteiligte, so wird sie ihm nicht nur selbst das größte Interesse entgegen bringen und daraus auaj, geeignete Stoffe im Unterricht verwenden, sondertt )ich rm Hinblick aus den genannten Zweck wohl auch die Verbrettung des Werkes möglichst angelegen settt lassen.
— Ueber das Lindemanusche Theater-En- ' e m b l e, das hier am Tonnerstag_ gastieren wird, liest man in einer fleinen Notiz der „Jrkf. Ztg." aus >uarm- >1 ad t' JEsm Woogsplatz Theaiec gasierte die Ibsen-Tourne mit brä „Ge spenste r n" und „K leinEyol f". Tie sehr ungleichert Kräfte des Ensembles wurden durch Dumonts große Knnstterschaft völlig in den Schatten gestellt." — Wir würden vor der Dichtung eines ganz jungen und unbekannten nordischen Autors, die uns von dieser Gesellschaft beschert werden soll, einer Aufführung vv-r^ lösens „Klein lcholf" erttschteden den Vorzug geben. Das pur
Gießen angetttttdigte vieraktige Schauspiel „Theodora" von Johan Bojer ist übrigens in der Teutschen Verlagsanstalt in Stuttgart als Bitch erschienest.
— Ein dramatischer Erisapfel. Beyerleins Zapfenstreich" ist offenbar eine Art Erisapfel, der das gegenseitige Bruder- uiw Vetterschaftsverhältnis der deutschen Fürsten auf eüte harte Probe stellt.. Was man sich über tue Zapfenstreichgegner und -Freunde am Berliner Hofe, insbesondere über die Folgen des Besuchs der Erftausführmtg tm Lesfingtheater durch den Kronprinzen erzählt, ist kein Geheimnis. In T a r m st a d t hat das Hoftheater bekanntlich das Stück gegeben, S. K. H. unser Groß Herzog hat sich die Vorstetlung angeiehen; den Offizierett der Darmstädter Garnison aber ist deutlich gemacht worden, daß man es lieber sehen würde, wenn sie den Besuch der Vorstellung des Stüaes im Hostheater unterließen. Viel bemerkt wird ferner in Berlin auch der Fall des Großherzogs von Mecklenburg- Schwerin. Ter junge Herr, der unlängst in unzerem iltachbarsrädtchen Lich zum Besuche des Fürsten von Solms-Hohensolms-Lich weilte, ist nicht zum Kapitel vom Schwarzen Adlevoroen nach Berttn gerommen. Sein Gesuitdheitszuftattd hat es ihm nicht erlaubt, wie die Aerzte tönftatiert haben. Jiitmerhm hat ihrt ;etn Befinden nicht gehindert, vor zwei Wochen beim Pas fieren Berlins einige Stunden Station zu machen, um das Beyerleinsche Stück zu sehen. Alletdings ist erst hinterdrein sestgestellt worden, daß der Großherzog sich Schonung auferlegen muß.
— Hermann Sudermann hat seine Asien- fahrt, von der im Herbst die Rede war, angetreten und befindet sich augenbltalich in Singapore, von wo aus er wettergeht. Seine Rückkehr in die Heimat ist nicht vor Ettde Piärz zu erwarten.
Berlin, 16. Jan. Fuldas Schauspiel „Noveltts d'Andrea" wurde, im Deutschen Theater beifällig ausgenommen-


