Ausgabe 
16.5.1904 Erstes Blatt
 
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Um 6 Uhr morgens begann

chönen und heiteren Verlauf.

gehend, sich auf eine Schiffbarmachung der Lahn von der Mündung bis zur hessischen Grenze für Schiffe von 300 Tonnen Tragfähigkeit geeinigt, welches Projekt etwa 15 Mill. Mark erfordere, wenn man die schon vorhandenen Ein­richtungen benutze und diese entsprechend erweitere. Der Redner verwies darauf, daß die preußische Regierung früher bereit war, unter Aufwendung von 7 Millionen Mark den Wasserlauf der Lahn für die Schiffahrt zu verbessern, daß man aber im Landtage damals auf Widerstand gestoßen sei und daß dann die Negierung nicht mehr auf die Sache zu­rückgekommen sei. Der Lahn-Kanalverein sei nun in der Angelegenheit in Berlin vorgegangen, und er könne ver­sichern, daß im Landtage sowohl wie auch bei der Regierung augenblicklich große Geneigtheit vorhanden sei, das Projekt zu verwirklichen.

Oberbürgermeister Mecum wünschte zu wissen, welche Summe erforderlich sein würde, wenn der verbesserte Waffer- weg von der hessisch-preußischen Grenze bis nach Gießen weiter geführt würde. General-Direktor Kaiser erklärte, er wolle sich mit Zahlen nicht festlegen, da eine Berechnung nach dem neuen Projekt z. Zt. für diese Strecke nicht vorliege. Nach der Berechnung für 600 Tonnen-Schiffe war die hessische Strecke auf 3 Millionen Mark veranschlagt. Die Lahn­regulierung von der Grenze bis Gießen liege ja sehr einfach, die Hauptschwierigkeiten des Baues entständen bei Weilburg und an der Eisenbahnbrücke bei Wetzlar, welche Kosten in den vom preußischen Staat aufzubringenden 15 Millionen Mark enthalten seien.

Kommerzienrat Ko ch erklärte namens der Handelskammer in Gießen, daß diese im Interesse des Bergbaues an der Lahn sehr warm für die verbesserte Schiffbarmachung unserer Lahn eintrete, er ist aber auch der Ansicht, daß es wünschens­wert und wirtschaftlich vorteilhaft sein würde, die Verbesserung der Wasserstraße bis Gießen durchzuführen.

Der Direktor der Gießener Braunstein-Bergwerke vor­mals Fernie, Dr. Eich, bemerkt, daß, falls außer der Lahn auch Mosel und Saar kanalisiert würden, das von ihm ver­tretene Werk allein mit jährlich 100 000 Tonnen den Wasser­weg benutzen würde. Würde eine verbesserte Schiffahrt der drei Flüsse durchgeführt, so würde man von hier aus auch Produkte des Bergbaues absetzen können, welche heute wegen der billigen Waffersracht vom Auslande bezogen würden.

Nachdem man sich im Prinzip für eine eventuelle Fort­setzung der Lahnkanallsation bis Gießen seitens der Inter­essenten ausgesprochen hatte, wurde beschlossen, daß die Großh. Handelskammer durch Versendung von Fragebogen vermitteln resp. Unterlagen beschaffen solle, auf ein wie großes Quantum von Massengütern man bei dem Vorhanden­sein eines Wafferwegcs auf der Lahn von Gießen aus rechnen könne. Ein Vertreter des Holzhandels bemerkte, daß der hessische Staat als größter Waldbesitzer in Ober­hessen und auch als der bedeutendste Produzent von Gruben­holz finanziell an einer guten, brauchbaren Wasserstraße von Gießen aus nach dem Rhein ein Interesse habe, denn sei der Transport dieser Grubenhölzer billig, so würden dessen Preise im Walde steigen, wofür schon die Konkurrenz der Händler unter sich sorgen würde.

Provinzialdirektor Br eid ert erklärte, daß er zwar nicht wisse, welche Stellung das Großh. Ministerium und die Kammern zu der Lahnkanalisation einnehmen; wenn aber da­mit wirtschaftliche Vorteile für Stadt und Kreis Gießen, und, wie er annehme, auch für die ganze Provinz Oberhessen zu erhoffen seien, welche natürlich auch zahlenmäßig nachzuweisen wären, dürfe man wohl des Interesses der Staatsregierung für die Sache gewiß sein.

Oberbürgermeister Mecum verweist darauf, daß die wasserwirtschaftliche Vorlage in Preußen augenblicklich in der Schwebe sich befinde und man auch wohl annehmen könne, daß die Lahnkanalisation dabei mit in Erwägung gezogen werde. Er sei daher der Meinung, man solle nicht allzusehr säumen, und deshalb schlage er vor, sich an das Großh. Ministerium zu wenden mit der Bitte, daß dieses bei der preußischen Regierung die Kanalisation der Lahn befürworte und eventuell seine Geneigtheit ausspreche wegen der Fort­führung des Wafferweges von der preußisch-hessischen Grenze bis Gießen. Der Antrag wurde einstimmig von der Ver­sammlung zum Beschluß erhoben. Es wurde einstimmig von den Interessenten gewünscht, daß der Lahnkanalverein dem­nächst durch einen geeigneten Redner in Gießen einen Vor­trag über das geplante Projekt, über dessen wirtschaftliche Bedeutung halten lassen möge. Generaldirektor Kaiser er­klärte, daß am 12. Juni in Koblenz eine Versammlung der Interessenten für die Kanalisation von Mosel und Saar statt- finde und daß er bereit sei, den gewünschten Vortrag am 18. Juni in Gießen zu veranlassen. Der Versammlung wohnten als Vertreter der Landwirtschaft die Oekonomieräte Schlenke-Friedberg und Hofmann-Hof-Güll bei.

^aßnftanaüfation bis Gießen.

th. Gießen, 16. Mai.

Am Samstag nachmittag waren in Gießen eine große Anzahl Interessenten des Bergbaues, des Holzhandels sowie sonstige Industrielle versammelt, um zu dem Lahn-Kanal­projekt, wie es vom Lahnkanal-Verein in einer Eingabe an das preußische Staatsministerium zur Durchführung unter­breitet wurde, Stellung zu nehmen. Der Vorsitzende des Lahnkanal-Vereins, General-Direktor Kaiser-Wetzlar, leitete die Beratung ein, indem er darauf hinwies, daß das in Limburg s. Z. in Aussicht genommene Projekt der Lahn- Kanalisation für Schiffe bis zu 600 Tonnen fallen gelassen worden sei, weil es sich heraus gestellt habe, daß bei den * vielen Krümmungen des Flusses es zweifellos seine Schwierig­keiten haben werde, mit diesem Fahrzeuge die Lahn zu be­fahren. Jenes Projekt habe einen Kostenaufwand von etwa 30 000 OOO Mk. erfordert, für welchen Betrag es auch schwer gehalten hätte, eine Rentablität nachzuweisen. Man habe da­her, zu dem alten Projekt der preußffchen Regierung zurück-

Arzt und Kollege und vor allem als Lehrer vor Augen zu uhren. (Ausführlich erscheint eine Beschreibung des Lebens, ganges in einem von Dr. Honigmann-WieSbaden verfaßten Artikel in Nr. 20 der Münchener medizinischen Wochenschrift.) Im Namen und im Auftrag der früheren und jetzigen Schüler und Assistenten enthüllte er ein für das Auditorium bestimmtes von Porträtmaler Richard Scholz-München angefertigteg Oelgemälde des Jubilars. Im Anschluß hieran überreichte Privatdozent Dr. Volhard eine von seinen früheren und jetzigen Assistenten angefertigte Festschrift, die sich aus 35 Einzelarbeiten zusammensetzt. Nachdem noch cand. med. Baumann im Namen des Klinikervereins seine Glückwünsche ausgesprochen hatte, nahm Geheimrat Riegel, tiefergriffen durch die zahlreichen Ovationen, das Wort, um allen seinen herzlichen Dank zu sagen für die Ehrungen, die sie ihm hatten zu teil werden lassen. Insbesondere gab er feiner Freude Ausdruck über die Festschrift, die ihm ein Beweis liefere, daß er dazu beigetragen habe, feine Assistenten neben rein praktischer Ausbildung zu wissenschaftlichen Forschern zu erziehen. Im Anschluß an diese Feier folgten die Anwesenden einer Einladung von Frau Geheimrat Riegel, wo in zwang­losem Zusammensein Lehrer und Schüler alte Erinnerungen auffrischten und die Schüler wieder ein Mal Gelegenheit hatten, die gastliche Fürsorge des Hauses Riegel kennen zu lernen. In zahlreichen ernsten und heiteren Reden in Prosa und Versen wurde nochmals Geheimrat Riegel gefeiert, be- onders aber wiederholt seine Frau Gemahlin und seine Familie. Abends versammelten sich noch die befreundeten Familien des Hauses Riegel in deren Wohnung, wo alle noch fröhliche Stunden in dem gastfreien Hause verbrachten.

** Lotterie. In der heutigen Ziehung fiel, wie un§ aus Darmstadt gedrahtet wird, die Prämie von 75000 Mk. auf das Los 86404, das bereits mit 400 Mk. gezogen war. Der Gewinn kommt nach Jena. Ferner ielen 10 000 Mk. auf Nr. 9673, 1000 Mk. auf 23506 und 30805 und 400 Mk. auf 29590. (Ohne Gewähr.)

" Ein Gartenkonzert der Oberbayrischen Sänger- und Tänzertruppe findet, wie ein Inserat sagt, morgen, Dienstag abend, im (Safe Ebel statt.

** Da§ gestrige Konzert im Philosophenwakv war sehr gut besucht und fand umsomehr Anklang, als e§ im Freien stattfinden konnte und Frau Leib reinliche, frisch angestrichene Sitze und Tische dazu bereit gestellt hatte.

* Der Ausflug des Männerturnvereins Gießen am Himmelfahrttag nach Hof Bubenrod nahm einen

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 16. Mai 1904.

* 25jähriges Professorenjubiläum. Gestern fanden die Hauptfeierlichkeiten zu Ehren des Geheimrats Professor Dr. Riegel statt, der in diesem Monat auf eine 25jährige Tätigkeit als ordentlicher Professor der Landes­universität zurückblicken kann. Vormittags fanden sich zahl­reiche Gratulanten in der Wohnung ein, um persönlich ihre Glück­wünsche auszusprechen. Darunter waren die Spitzen der Be­hörden, u. a. der Rektor der Landesuniversität, der Dekan der medizinischen Fakultät, Provinzialdirektor Dr. Breidert, Oberbürgermeister Mecum, Oberstabsarzt Dr. Wende. Noch viel zahlreicher waren die schriftlichen und telegraphischen Gratulationen, die von Nah und Fern und speziell vom Aus­land eingelaufen waren. Besonders sei ein Telegramm vom Großherzoglichen Ministerium des Innern hervorgehoben, worin die Verleihung der Krone zum Komturkreuz des Ver­dienstordens Philipps des Großmütigen durch Se. Königliche Hoheit den Großherzog mitgeteilt wurde. Um 1215 Uhr mittags wurde Geheimrat Riegel von seinen derzeitigen Assistenten in seiner Wohnung abgeholt und durch das festlich geschmückte Treppenhaus der medizinischen Klinik in das Auditorium geführt, wo sich eine große Zahl seiner früheren Schüler und Assistenten inzwischen versammelt hatten. Pro­fessor Tuczek aus Warburg als ältester Assistent ergriff als erster das Wort, um in kurzen Zügen den Versammelten die Bedeutung des Jubilars als wissenschaftlicher Forscher, als

die Tour über den Gleiberg, das Gleiberger Forsthaus und den Dünsberg, von wo der Abstieg mit so viel Eifer und Wanderlust sich vollzog, daß etliche Ausflügler, die unterwegs von ihren Ausrüstungsgegenständen verloren, sich noch einmal energisch hinauf auf die Suche machten. Im Hof Bubenrod wartete Erholung und Erquickung. Freilich geht die Mär, es habe dort ein Intermezzo ftattgefunben, welches bewiese, daß die Maid einem jungen, schönen Turner gegenüber unter Umständen eine frühlingskräftige Strafe zu erteilen versteht. Um 9 Uhr abends fuhren die Ausflügler mit der Biebertalbahn wieder nach Gießen zurück.

fc Lich, 15. Mai. Die Beisetzung der am 12. Mai verstorbenen verwitweten Fürstin Agnes zu Solms» Hohensolms-Lich, geb. Gräfin zu Stolberg-Wernigerode, findet am 16. Mai, nachmittags 3 Uhr hier statt. Heute Abend in bet die Ueberführung der Leiche hierher statt. Die Ver- torbenc war eine Frau von hervorragenden Eigenschaften. Mildtätigkeit und Güte waren die Grundzüge ihres Charakters. Für die sozialen Verhältnisse hatte sie Verständnis. In ihrer Familie verstand sie ein echt deutsches und christliches, dabei vornehmes Zusammenleben herbe^uführen. Ihrer 34jährigen Ehe mit dem am 16. September 1899 verstorbenen Fürsten Hermann zu Solms-Hohensolms-Lich sind 2 Söhne und 5 Töchter entsprossen. 3 Töchter sind noch unvermählt.

b. Bad Nauheim, 16. Mai. (Eigener Draht­bericht.) Hier ist in der Nacht von SamStag auf Sonntag ein Angestellter des Sattlermeisters Gürtler umgebracht worden. Anscheinend handelt es sich um einen Raubmord, denn man vermißte an der Leiche Uhr und andere Gegen­stände. Einige Verhaftungen sind bereits erfolgt.

Bad Nauheim, 16. Mai. Unterhaltungen vom 16. bis 21. Mai: Dienstag nachmittag von 46 Uhr und abends von 71/29 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kur­kapelle. Mittwoch desgleichen und abends 8 Uhr Theater­vorstellungKomtesse Guckerl". Donnerstag nachmittags von 46 Uhr und abends von 7* '29 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends russisches National­konzert und bei gutem Wetter Lampionsbeleuchtung auf der Terrasse anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers von Rußland. Freitag nachmittag von 46 Uhr und abends 7V29 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abend? 8 Uhr TheatervorstellungDie beiden ßeonoren*. Samstag nachmittag von 46 Uhr und abends von 7*/, bis 9 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr TheatervorstellungDie Geschwister", hieraufDer zerbrochene Krug". Sonntag den 22. Mai (1. Psingstfeiertag) Konzert der Kapelle des Thür. Ulanen-Regiments Nr. 6 auS Hanau. Montag (2. Psingstfeiertag) Konzert der Kurkapelle, bei gutem Wetter abends Feuerwerk vor der Terrasse.

rm Burg-Gräfenrode, 16. Mai. Auf bis jetzt noch nicht aufgeklärte Weise geriet am Samstag nachmittag ein Teil des hiesigen Gemeindewaldes in Brand. Da der Wind nicht sehr stark wehte, gelang es den Bemühungen des hiesigen Forstwartes und des Feldschützen, die von weitem den aufsteigcnden Rauch bemerkt hatten, in etwa 10 Minuten des Feuers Herr zu werden. Immerhin hatte das Feuer etwa 1 Hektar ergriffen. Besonders groß wird der Schaden nicht sein, da das Feuer an dem spärlichen. Dürrlaub nur wenig Nahrung fand. Bezüglich der Entstehungsursache liegt die Vermutung nahe, daß das Feuer durch im Walde spielende Kinder entstanden ist. Die Kinder kommen zur Zeit sehr viel in den Wald um Maikäfer zu sammeln. Die Maikäfer treten hier so zahlreich auf, daß die Forslbehörde das Sammeln offiziell anbefohlen hat. Bis jetzt sind hier etwa 700 Liter geliefert worden, pro Liter werden 5 Pfg. bezahlt. Das Sammeln erfolgt meist durch die Schuljugend.

rm Groß-Karben, 14. Mai. Leider hat der dies- jährige Himmelfahrtstag mit sehr bedauerlichen Folgen geendet.

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Hamburg, 15. Mai. Erzherzog FranzFerdi- tianb, der österreichische Thronfolger, der incognüo auf einem hiesigen Schiff eine Reise nach England antreten wollte, wurde von ein e m Kr i m in a lb e am- ten angehalten, der ihn für einen gesuchten Defrau­danten hielt. Der Thronfolger sagte:Ich bin der Thron­folger von Oesterreich." Der Beamte erwiderte:Das kann jeder sagen." Nach Aufklärung des Sachverhalts schüttelte her Thronfolger dem Beamten die Hand und entließ ihn freundlich.

Stuttgart, 15. Mai. Der Vertretertag der süddeutschen nationalsozialen Vereine nahm folgende Resolution an: Der Delegiertentag steht einem Zusammengehen mit anderen liberalen Gruppen freundlich gegenüber und stellt es seinen Vereinen anheim, unter entschiedener Wahrung unserer grundsätzlichen Anschauungen von Fall zu Fall eine Ver­ständigung zu suchen und dadurch den Boden für eine deutsche Linke zu ebnen.

München, 15. Mai. Der Referent der Kammer der Reichsräte, Professor Bechmann, beantragt die Ab­lehnung des Wahlgesetzentwurfs, da die ihm sympathische Ausscheidung der Wahlkreiseinteilung eine Zweidrittelmehrheit der Abgeordneten nicht finden würde.

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Ausland.

London, 14. Mai. Die hiesige Handelskammer wird in einer in den nächsten Tagen abzuhaltenden Sitzung den Vor­schlag der französischen Handelskammer betreffend den Bau eines Tunnels unter dem Aermelkanal nochmals in Er­wägung ziehen.

Paris, 15. Mai. Der Präsident der Budgetkommission Do um er hielt heute bei einem Bankett eine Rede, in welcher er hervorhob: wir wollen den Frieden, aber für die Bedingungen, ihn auferlegen zu können, wenn nicht andere Gegner darüber verfügen sollen, uns anzugreisen, wann es ihnen beliebt, müßte uns das große Drama im fernen Osten als Mahnung dienen. Ter Zar, welcher die Konferenz int Haag berief, wollte den Frieden bis zu einem solchen Punkte, daß man in seiner Umgebung fast vergaß, sich auf den Krieg vorzubereiten. Gerade diesen Zeitpunkt wählten die Feinde, um unversehens die russische Flotte anzugreifen. Redner protestierte energisch, gegen das Bestreben. einiger Fran­zosen, die sich gegen das Bündnis mit Rußland im Augenblicke der Gefahr aussvrachen. Wozu nützen denn, meinte er. Bünd­nisse, wenn nicht in kritischen Zeiten allein. Es handelt sich heute nicht um einen vorübergehenden Gedanken, sondern um einen Kampf zweier zivilisierter Nationen in zwei Welten, Europa und Asien. Es ist unmöglich, daß Frankreich, welches an der Spitze der Zivilisation der Länder Europas steht, sich auf Seiten der gelben Rasse stelle.

Sevilla, 15. Mai. Ter König ist heute früh nach Jaen abgereist. Einem Privattelegramm aus Jaen zufolge wurde ein vorgestern dort als A n a r ch i ft verhafteter Ausländer heute früh in seiner Zelle erhängt vorgefunden. Man glaubt, daß der Tote, welcher keine Papiere bei sich führte, ein Franzose ist.

Rom, 14. Mai. Das BlattAvanti" bringt mehre re Anklagen gegen die Regierung. So sollen im Budget des Kriegsminifteriums 2i/j Millionen Lire mehr eingestellt wor­den für Einberufung von 60 000 Mann Reserven, tatsächlich seien aber nur 26 000 Mann einberufen worden. Das Blatt wirft die Frage auf, was aus den übrigen IV2 Millionen geworden sei. Unter dem früheren Ministerium Vollen im Budget un­nötig erhöhte Poften entdeckt worden fein, hierüber sei jedoch Stillschweigen beobachtet worden, um den Kredit Italiens im Auslande nicht zu schwächen.

Wien, 14. Mai. Die großen Anforderungen der Kriegsverwaltung haben in den Delegiertenkreisen Ueber- raschung und Verstimmung hervorgerufen. Der neue Bedarf, sowie die im vorigen Jahre bewilligte Anschaffung von Hau­bitzen entspricht einem Gesamtbedarfe von 390 bis 400 Millionen Kronen. Um diesen Betrag aufzubringen, wird man zur Auf­nahme einer Anleihe schreiten müssen. Gemäß den Verein­barungen der beiden Regierungen wird mit den Anleihelasten keine Erhöhung des Aufwandes der Kriegsverwaltung herbeige­führt, weil durch das Jnvestitutionsprogramm im normalen Heeres- und Marinebudget 27 Millionen Kronen disponibel sind, welche an beide Reichshälften refunbiert werden. Dieser Betrag wird dem Bedarse entsprechen, der auf die Verzinsung und die 20- bis 25 jährige Amortisation der Anleihe entfallen wird.

Budapest, 15. Mai. Bei dem feierlichen Empfange der Delegationen in der Wiener Hofburg hielt der Kaiser auf die Huldigungsansprachen der beiden Präsidenten eine Rede: Unsere Beziehungen zu allen Mächten sind fortdauernd die besten. Das festgefügte Verhältnis zu unseren Ver­bündeten, ergänzt durch das enge Einvernehmen, welches die Monarchie mit Rußland in den Balkanfragen pflegt, erfüllt uns mit Zuversicht in eine friedliche Ent­wicklung der Zustände auf unserem Kontinente. Die in einigen Wilajets der europäischen Türkei auf Grund des. Mürzsteger Programms unternommene Reformarbeit nimmt einen erfreu­lichen Fortgang. Tief betrübend ist der Kampf, der in O st - a f i e n entbrannt ist und der bereits so zahlreiche Opfer an Menschenleben verschlungen hat. Möge es der göttlichen Vor­sehung gefallen, diesem mörderischen Waffengange zeitlich und räumlich möglichst enge Grenzen zu ziehen und der Welt bald wieder die unermeßliche Wohltat des Friedens zuteil werden zu lassen.

Meine Kriegs Verwaltung bittet sich zu beschleunigterer Beschaffung von Waffen und Kriegsmaterial besondere Mittel. Meine Kriegsmarine benötigt größere Budaetmittel zum Zwecke rascherer Ausführung der begonnenen Schiffsbauten und der Armierung von Schiffen. Diesen Mehrforderungen gegenüber werden in den folgenden Jahren beträchtliche Ersparungen in den Extraordinarien des Heeres und in dem der Marine erzielt wer­den. Die geplanten schnelleren Beschaffungen und Herstellungen fördern die Schlagfertigkeit der bewaffneten Macht und sichern zugleich den wirtschaftlichen Vorteil.

Gyangtse (Tibets 13. Mai. (Reuter.) Die Beschieß­ung des englischen Lagers durch die Tibetaner wird fortgesetzt. Das Land vor dem Lager ist im Zustande der Gärung. Die Lamas durcheilen das Land und predigen den heiligen Krieg. Das Land hinter dem Lager ist vollkommen offen. Die Eng­ender treffen alle Vorsichtsmaßregeln.