Ludwig Alter Hof-Möbelfabrik DARMSTADT Darmstadt. MEDAILLE
1901. TURIN 1902.
Wrh
Drittes Blatt
154, Jahrgang
Samstag 16. April 1904
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
23
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Feuilleton.
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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schm UniversitätßdruckereL R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.7.
Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.; Anzeiger Gieß«.
ErWivit tvgNch mit Ausnahme des Sonntags.
Dicii ,5 Khener LamiUenblStter- werden dem e: viermal wöchentlich beigelegt. Der Landwirt" erscheint monatlich einmaL
re"9 fe8ten
Kchiffsnachrichten.
Norddeutsch er Lloyd.
In Gießen vertreten durch Carl LooS, Kirchenplatz.
Bremen, 13. April. (Per transatlantischen Telegraph^ Ter Doppelschrauben-Postdampser ^Brandenburg", Kapitän ($• Woliersdorff, vom ötorddeutjchen Lloyd in Bremen, ist heute 8 Uhr morgens wohlbehalten in Baltimore angekommen.
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Verunglückt sind 22 (26), durch Selb st mord endeten (14), durch Mord und tätliche Körperverletzung 4 Personen.
Gießen, nn April 1904.
Großh. Kreisgesundheitsamt Gießen.
Dr. Haberkorn.
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GROSSHERZOGLHESS HOFUEFERANT ” ” KAISERLICH RUSS HOFLIEFERANT Firivia von Weltruf.Tonangebend für moderne VORNEHME InNEN-DeKORATION. NUR SeLBST-FÄBRI- KATION NACH ORIGINALENTWÜRFEN DES EIGENEN Ateliers u. der hervorragendsten Künstler DES In-UND AUSLANDES.^^^^^^^^'42'43 Grösste permanente Ausstellung geschmackvoll arrangirter Wohnräume. Auf Wunsch Vorschläge und Vorlage von Skizzen ohne VERBINDLICHKEIT. SSSAZA
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Volitische Tagesschau.
Versicherung der Heimarbeiterinnen.
C St Audienz hat der Hauptvorstand des Gewerkvereins der Htzmarcheiterinnen Deutschlands kürzlich beim Dtaals- selret -Ärafen v. Posadowskv gehabt. Die hat die Aussii.u ^gründet, daß demnächst die Kranken- und 3nüa=’ liden!Lchfictyerun.gsPslicht der Hausindustriellen und Hetm- arlbei h: eingcsührt werden wird. Darüber, daß dies ein fictoa Mgcr Fortschritt auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge für J ±t uürtschaftlich Schwachen sein würde, kann selbst- verstcMlich bei feinem Einsichtigen ein Zweifel aufkommen. Bei sc.chLever Ansicht kann man nur darüber sein, wie der Bersi - ningszwang durchgesührt, insbesondere wie die Beitrags LLi'nung geregelt werden soll. Bet den Hausgewerbe- tceilx.^it der Tab a kf abri k a t i on und Textil- inb Liihtae, für welche die Jnvalidenversicherungspflicht bekarrrÄilh bereits besteht, legt man die Leistung der Beitrüge kir Versicherten selbst auf. Sehr groß wird die Zahl i oe j.nigen Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen, üch & die iöeitragsleistung regelmäßig und ordnungsmäßig bewimckl, micht sein.
sein Museum für bildende Kunst mit 52 000 Mk., sein Grafstz- Museum mit 10 000 Mk. Um die Uebersicht mit einem erfreulichen Bilde abzuschließen, so sei an letzte Stelle Hannover gesetzt: hier sind für Kunstzwecke 77 759 Mk. ausgeworfen, eine Summe, in der ein anonymer Posten für allgemeine Kunstpflege in Höhe von 15000 Mk. enthalten ist, und zu der regelmäßig noch außerordentliche Bewilligungen hinzutreten. Der Verfasser knüpft an das Beispiel Hannovers eine längere Betrachtung und führt die auffallend rege Betätigung der Stadt aus künstlerischem Gebiete daraus zurück, daß diese gewissermaßen die Traditionen der einstigen hannoverschen Herrschersamilie übernommen habe. Er stellt die Kunstpflege der Stadt Hannover als must«rgiltig und nachahmenswert den anderen deutschen Städten vor Augen und meint, wenn sie alle in demselben CNaße (etwa 100 000 Mk. bei einem Etat von 9 Millionesi) verständige Opfer für alte und moderne Kunst brächten, so könnten Kunst und Künstler zufrieden sein. Berlin, Hamburg, München, Bremen und Lübeck haben auf die Umfrage des Verfassers nicht geantwortet.
— Wilhelm Bö lsche, der vortreffliche Schüler Ernst Häckels, hat im Verlage des Kosmos in Stuttgart ein Büchel- chen erscheinen lassen „T i e Abstammung des Men - s ch e n". Er gibt darin eine überaus reizvolle, mit zahlreichen Abbildungen versehene Uebersicht über das ganze Menschen-Abstammungs-Problem von der einfachen Urzelie an durch alle Tierklassen bis zur „Krone der Schöpfung". Bölsche setzt keine Vorkenntnisse voraus, seine bilderreiche geistvolle Behandlung der schwierigen Frage führt unmittelbar in das Verständnis hinein. Tie Arbeit liest sich wie ein spannender Roman, aber, und das ist wohl zu beachten, wir haben hier keine Phantasien eines Romanschriftstellers, sondern die geschickte Verarbeitung streng wissenschaftlicher Ergebnisse, sodaß der Fachmann erstaunt ist über die bis ins einzelne gehende völlige Ueberftchr und Mcherrschung des Stosses.
— Palästina und seine Ge sch ; ck te. Sechs volkstümliche Vorträge von Pros. Dr. H. von Soden. Mit
Gesundheitsstand und Sterblichkeit im Kreise Gießen während des Jahres 1903.
Aus der Statistik der Todesfälle und über das Vorkommen der wichtigsten Krankheitsfarmen während des verfloßenen Jahres im Kreise Gießen wird folgendes auszugsweise veröffentlicht:
Die Bevölkern ngs zahl des Kreises wird aus Grund der vorausgegangenen Volkszählungen um die Mitte des Jahres 1903 aus 84 200 geschätzt und den nachstehenden Berechnungen der Sterblichkeitsziffern zu Grunde gelegt.
Gestorben sind im Berichtsjahre 1597 Personen — gegen 1490 im Jahre 1902 — oder aus 1000 Emwohner 18,96. Wie wir in unserer veröffentlichten Uebersicht über die Bewegung der Bevölkerung in der Stadt Gießen bei Berechnung der SterblichkeUs- ziffer die in den Kliniken verstorbenen Ortsfremden ausgeschieden haben, so ziehen wir auch hier von der obigen Zahl der Todesfälle diejenigen Personen ab, welche im Kreise ihren Wohnsitz nicht gehabt haben. Es sind dies 51 Kinder, 125 im Mannesaltcr und o3 im Greisenalter verstorbene, zusammen 209 Personen; aus dem nunmehr verbleibenden Reste von 1388 Todessällen Kreisangehöriger berechnet sich die Sterblichkeitsziffer auf nur 16,5 7W. Im Jahre 1893 war die entsprechende Zahl noch 22,03, sie fiel 1894 aus 17,89 und bewegt sich seitdem zwischen 15 und 16 °/oo; die MMelzahl für das Großherzogtum aus den letzten fünf Jahren betrug 18,8%,.
Von den verstorbenen Personen gehörten in die
L Vorjahr
Altersklasse von 0— 1 Jahr: 277 k= 20 Proz. (18,41)
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— - ttl-er die Kunstpflege der deutsch Gr o ßMd üe gibt ein Aufsatz von August H. Plinke in der: .(ernst für Alle" (VerlagsanstaÜ F. Brnckmann, Aktieng.M chast in München) einige Angaben von allgemeinem i presse. Die Pflege der bildenden Kunst durch Die s ib ll.M Gemeinwesen galt in der Blütezeit deutschen Bürgert im Mittelalter und der Renaissancezeit, als eine sei A. stündliche Suche. Der Zerfall der politischen Macht t lnSüädte, die zunehmende kleinliche Krämergesinn- ung brcrät:t:.t die Liebe zur Kunst mehr und mehr zurück. Erst in . : zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist eine erfreuli« H.'wbelebung der künstlerischen Interessen wahr- zunehm. die mit dem zunehmenden Wohlstand in natürlichem ,iZ^immeirhang steht. Ein stark förderndes Motiv ist asswiijftcks Repräsentationsbedürfnis, das hier einmal nn Sinr MkL ter Kultur sich äußert. Auffallend ist, daß, wo üb rhamO-rwße Mittel aus der Gemeindekasse flüssig gemacht ft ri/mteift dem Theater und der Musik der Löwenanteil 3 Mit Charakteristisch nach dieser Seite hin ist der Etat voi M -rs b ad en. Die nahezu reichste Stadt Preußens opfert f Ä bacs königliche Theater 250000 Mk., für Musik 153 000 *!ll lUNib sammelt nur langsam einen Fonds, der für Lieu: üi^schmückung des Rathauses mit Werken der bildende iß firmst bestimmt ist und jetzt 63 000 Mk. betragt. Aehnlicht feimmt Straßburg für sein Konservatorium 59 000 -J Ä j ür sein Orchester 81800 Mk., für fein Stadttheater öloOODO Mk., dagegen für sein Kunstmuseum nur 25 400 L Ä .nb für sein Gcwerbemuseum, für die Beschaffung alt« stiider als Ersatz für die verbrannte Galerie sind in den Jgicm 1895 bis 1903 80 000 Ml. aus der staatlichen Stiftung)mioandt. Magdeburg sieilt seinem Museum, dem aimtst.ch reiche Stiftungen dienen, im Jahre 4499o Mark z 4 ^lerfügung. Leipzi g, dem ebenfalls reiche StistungW Moße Fonds darbi^ten, subventionierte 1903
Neue Studeuteuunruheu itt Rußland.
2 W ar ko w wird betreffs der dort ausgebrochenen StudEciiii nruhen geschrieben:
PVuseftor Dr. Dasnopolski hielt eine Vorlesung über i.gap-an, in ivelchem es unter anderem hieß, Japan fe> tuilS dicht bevölkertes Land mit wachsender Industrie uij n Lk Absatzmärkte angewiesen. Dieses sei bei Rußland ut t üda Fall. Rußland hätte es daher nicht nötig gehabt, fi>u Quiiiba - mandschurische Abenteuer einzulafsen, noch Iraker aber war es notwendig, sich deswegen in men ii Äie;; mit Japan zu stürzen. Dieser Krieg werde 1 einer m dis Lektors Ansicht nach, in keinem Falle Rußland ton gereichen, es sei denn, daß fein Aus gang ein Signai|j|ui Ginleitung von wichtigen Reformen im ..nn :3tien iverden könnte. Die Vorlesung gefiel den Stu- bemei ui visterordentlich, und nur eine verschwindende Min- d er hei-st ivei che zur Partei der „Russischen Versammlung" geliurt>:4k, !»ar unzufrieden und soll gehörigen Ortes gegen Prch. nopolski eine Denunziation ein gereicht haben. > c 'n Hlo äst Jasnopolski kurz mich gehaltener Vorlesung se «niiLehr amt entfernt worden, was unter den tubitrwcii der Universität sowohl wie des Polytechnikums große i Unnr.iftung hervorgerufen hat. In einer Studenten- 1 ,11 an unimryg wurde beschlossen, nicht nur die Wiederein- tznngr;^ ientlassenen Professors, solidem auch den Aus- >U ß i.m enunzianten zu fordern. Der Beschluß richtete
nc larenAich gegen die beiden Söhne des Redakteurs 0 Wimper „Gouvemementsboten" Ostroumow, die '-Orii bei:::G!)if)miatott>, den Fürsten Golonistschew-Kutusow und SatowÄch — sämtlich Mitglieder der „Russischen Versa, ui uKj . Weitere Beschlüsse sind auf der Studenten- i>er nr:";.ivi nicht gefaßt worden. Dagegen nahm die Ver- sanimliMiz her Polytechniker einen so stürmischen Verlauf, jp dalSjsmjstitut geschlossen werden mußte. In dieser Ver inMilupig sind nicht nur die Beschlüsse der Studenten- oerjamrNluM angenommen worden, es wurden daselbst auch noch 3 re Einigen allgemeinen politischen Charakters auf» gestellt l.^am sagt, daß die Techniker ganz besonders durch dü HatÄmtz, des Direttors Schiller gereizt wurden, der gleicn rt :)er ersten Zusammenkunft die Polizei auf die Studie-die,.'em gehetzt hat. Zurzeit werden bei den ©tubie* rendeno hoiussuchungen abgehalten und zahlreiche Ver hiwm n gen vor genommen, wobei die Techniker von der PMch ganz besonders bevorzugt wurden. Eben im Begriff:« lesije Zeilen abzusenden, muß ich als Neuestes noch Ijinj ifü 4p, :)a6 in Charkow sämtliche höheren Lchranstalten gesch loschst tmrben.
zwei Karten und einem Plan von Jerusalem und sechs Ansichten des heiligen Landes. („Aus Natur und Geisteswelt." Sammlung wisienschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 6. Bändchen.) 2. Auflage. Verlag von B. G Teubner in Leipzig. — Daß von diesem Büchlein trotz der hohen Auslage in so kurzer Zeit eine neue Auflage nötig geworden ist, beweist, wie sehr diese kurze Zusammenfassung der Geschichte des Volkes Israel, der Anfänge des Christentums und der Siege des Muhammedanismus im Zusammenhang mit der anschaulichen Schilderung des für die Kulturmenschheit geheiligten Bodens, auf dem sich dies abgespielt hat, einem Bedürfnis entsprach.
— Dem Grundsatz, für Kinder in der Sprache der Kinder, in der ihnen geläufigen und verständlichen, ihrem Alter angemessenen und auf sie tieferen Eindruck übenden Sprache zu schreiben, sino bisher nur wenige Bücher entsvrossen. Jetzt beschert uns Helene 011o „Die Ilias" und „D i e Nibelungensage" in der Sprache der Zehnjährigen. lNibelungensage: 1. Band: Sigfriedsage. 2. Band: Hilde- u.antfage. Jeder Band 2 Mk. Leipzig 1904, Verlag von K. G. Th. Scheffer.) Helene Otto hat das unterstützenswerte Bestreben, den Sagenstoff, der die Grundlage der klassischen Literatur bildet, der Jugend in einer ihr geläufigen Weise zu erschließen. Wenn wir heute klassische Kunstwerke erklären wollen, so müssen wir deren Lektüre immer wieder durch eine „Besprechung" unterbrechen, bei der mühsam zutage gezerrt oider gar eingepaukt wird, was Voraussetzung fein muß, wenn der Geist m genußfröhlicher Stimmung leben soll. An die Stelle dieser „Besprechungen" sollen diese Erzählungen Helene Ottos treten. Sie will der Jugend einen mühelosen fröhlichen Besitz bieten, aus dem sich dann, wenn sie her anwächst, das Verständnis derselben Sagen in höchster Kunstform erheben soll: also die Lektüre des Homer und der Wilhelm Jordan grandioser Dichtung nachcrz;5lten Nibelungen.
wir gegen diese Gefahr durch die Versorgung mit reinem Quell- waffer geschützt.
An Wochenbettfieber sind aus dem Kreise Gießen 5 Frauen gestorben (im Vorjahre 6). Fieberhaft im Wochenbett erkrankt waren von rund 2300 Entbundenen 27 = 1,2%, und es sind mithin bei 5 Todesfällen 0,22% der Entbundenen gestorben. Anderen, nicht fieberhaften Krankheiten des Wochenbettes sind ebenfalls 5 Wöchnerinnen erlegen.
An Tuberkulose der Lungen (Lungenschwindsucht) sind 193 Personen gestorben, oder von 10 000 Einwohnern 22,9; im Vorjahre zählten wir 168 Todesfälle Schwindsüchtiger oder 20/1 %oo.
An Tuberkulose anderer Organe (des GehirnS, des Darmes, der Drüsen, der Knochen u. s. w.) sind 63 (64) Personen zu Grund gegangen, mithin an Tuberkulose überhaupt 231 Menschen = 27,4%00 (im Jahre 1902. 27,7 7ooo>-
Tie entzündlichenErkrankungenderAtmungs- organe brachten 227 (1902: 226) Todesfälle, davon die croupöse Lungenentzündung 59 (59); an Gehirnfchlagfluß erlagen 36 (54), an Herzkrankheiten 65 (50).
Die Sterblichkeit an Magen-Darmkatarrhen war gegenüber dem Vorjahre eine erhöhte: es sind gestorben 62 (in 1902: 47), davon 60 (37) im frühesten Kindesalter; ferner an Abzehrung der Kinder, meist ebenfalls verursacht durch chronische Darmentzündung 21, und 59 Kinder an angeborener Lebensschwäche.
Krebs und andere Neubildungen sind bei 73 Kreisangehörigen und 28 Kreisfremden als Todesursache angegeben, zusammen bei 101 (102; der Verstorbenen. Von dieser Gesamtzahl 101 der Geschwulstbildungen hatte Krebs seinen Ausgang genommen bei 6 Erkrankten von der Speiseröhre, bei 34 vom Magen, 9 vom Darm, 7 von der Leber, bei 5 von der Brustdrüse; 18mal hatte sich die Neubildung von den inneren weiblichen Fortpflanzungsorganen aus entwickelt.
A11erss chw äche war 241mal als Todesursache genannt (1902: 199), unbekannt blieb dieselbe bei 37 Verstorbenen.
Summa: 1888 = 100 Proz.
Hieraus ergibt sich, daß die Verteilung der Todesfälle auf die verschiedenen Altersklaffen ziemlich dieselbe geblieben ist wie im Jahre 1902.
Die Sterblichkeit der Säuglinge (von 0—1 Jahr) mit 20 Proz. der Verstorbenen oder nahezu 33 auf 10 000 Einwohner ist im Vergleich mit den Zahlen anderer Kreise und der Mittelzahl des Großherzogtums (im Jahre 1900 06,6%^) eine niedere.
lieber die einzelnen Jahresabschnitte verteilen sich die Sterbefälle in der Weise, datz auf das erste Quartal die meisten, auf das dritte Quartal die geringste Zahl der Verstorbenen kommt; von den Atonalen brachte der Januar die größte (160), der September die kleinste Sterbezahl (84).
Den wichtigsten Rückschluß auf den Gesundheitsstand der Bevölkerung gestattet die Betrachtung der Todesursachen, derjenigen Krankheiten, welche tätlich geendet haben.
An den akuten, epidemisch austretenden Infektionskrankheiten sind zusammen 54 Personen verstorben (1902: 68 — 1901: 108), und zwar zunächst an Masern 9 Kinder. Die Masern waren verbreitet in der Gemeinde Gießen und den benachbarten Orten Lang-Göns, Heuchelheim, Leihaestern, Großen- Buseck und Rödgen, sowie in Eberstadt und Ober°HÖrgern.
An Scharlach sind von 347 uns bekannt gewordenen Erkrankungen 13 oder 3,7% gestorben.
Die Krankheit war m zahlreichen Gemeinden in mehr vereinzelten Fällen, dagegen in Gießen und wiederum seinen Nachbarorten Leiygestcrn, Lang-Göns und Garbenteich epidemisch in größerer Ausdehnung ausgetreten.
Die Sterblichkeit an Diphtherie ist gegenüber den Vorjahren wieder etwas zurückgegangen: wir zählten bei 254 an- gemeldeien Erkrankungen 13 — 5,1% Todessälle oder 1,5 (1,8) von 10 000 Einwohnern. Ausgedehntere Epidemien an Diphtherie sind in Reiskirchen, Obbornhofen und Leihgestern beobachtet worden.
An Keuchhusten sind 13 Kinder, an Rose (Exysipelas) 4 Personen gestorben.
Unter der Diagnose Unterleibstyphus sind im Berichtsjahre 6 Erkrankungsfälle zu unserer Kenntnis gekommen, und zwar in Gießen ein Arzt, welcher sich im Laboratorium an Typhusbakterien infiziert halte, und bei zwei weiteren Personen, bei denen die Quelle der Ansteckung unbekannt geblieben ist. Diese drei und ein in Lollar erkrankter Mann sind von der Krankheit genesen: zwei weitere Fälle (in Obbornhofen und Steinbach) sind so rasch mit Tod abgegangen, daß wahrscheinlich eine andere akute Darm- affektion, nicht Typhus, als Todesursache angenommen werden darf.
Die in größeren Städten früher häufig gemachte Beobachtung, daß bei ausgedehntem Aufgraben des Untergrundes die Trinkwaffer- brimnen verdorben wurden, und gehäufte Typhuserkrankungen auftraten, ist in Gießen trotz der ungeheueren Massen von Schlamm und Morast, die bet den Kanalisationsarbeiten im verflossenen Jahre umgewühlt worden sind, nicht eingetroffen; ohne Zweifel waren


