Nr. 243
Redaktton, Expedition u. Druckerei: Schulstr.?. Lei. Nr. 6L Leiegr^Lldr. i Un-erger Gletz«»
Erscheint tltglich mÜ Ausnahme bei Sonntag!»
Die „Gießener ZamUlendlStter" werden dem ,91nietqet ntermol wöchentlich beigelegt. Der ^hessische £anO®trr erscheint monatlich einmal.
Zweites Blatt. 154. Jahrgang Samstag 15. Oktober 1904
jK yA Xk. AA A aa a aJ jA aa Rotationsdruck und Verlag der vrühllchen
Gzegenel Ayze;ge- —............
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.
?rr .flufftanb in Z>cu<sch-9übweIiafriLa.
zVaft scheint c5. of3 ob die Verschlimmerung der Lage in Deutsch-Südwestafrika in Berlin vorauSgesehen worden sei. Gestern meldeten wir von Säulenanschlägen, die für die Schulitruvpen im Kriegslande werben, und beute haben wir eine Meldung zu verzeichnen, wonach die Zusammenfassung aller deutschen Streitkräfte in Südwestafrika für die nächste Zukunft allerdings sehr angebracht erscheint. Wir erhielten folgendes Telegramm:
Berlin, 14 Okt. AuS Windhuk wird unter dem irr. Oktober gemeldet: Rach einem Bericht ans KeetmannShoop nbcr Lndcrihbncht'Swokovmnnd, hat Hendrik Mitboy durch Samuel Jsac am 8. Oktober Burgsdorfs eine Kriegserklärung gesandt. Morenga leistet heftigen Widerstand; er erhält dauernd Zulauf gut Bewaffneter und Berittener. Zahlreiche Hottentottenansammlnngen am Groot« broet-Karros, 80 Kilometer südlich von Gibcou. Die Der- bindnng mit Gibeon ist abgeschnitten.
Ter „Köln. Zta." geht folgende Meldung zu:
Neuere Nachrichten lassen es ziemlich sicher erscheinen, daß Hendrick Witboi der aufständischen Bewegung nicht fern st eht, und daß alsdann der Aufruhr den größten Teil der Hottentottenstämme ergreifen wird. Ein besonderer Anlaß zu dem Aufstande der Hottentotten scheint, abgesehen von der bei ihnen immer vermuteten Neigung, im günstigen Augenblick noch einmal den Versuch zu machen, die deutsche Herrschaft abzuschütteln, nicht vorzuliegen. Wie man hört, wird die neue für Südwest- asrika bestiniNlte Truppen Verstärkung ein R e g i m e n t u n d zwei Batterien betragen.
Nach diesen Meldungen steht es fest, daß Hendrick Witboi sich seither den Deutschen gegenüber arglistig verhalten hat. Und in eigentümlichem Licht erscheinen die Witbois, die seither unsere Truppen unterstützt haben.
Ueber die Witbois, die von Hendrick Witboi zur Unterstützung unserer Truppen gegen die Hereros entsendet worden sind, äußert sich in einem Kriegsbriese aus Süd- westasrika der Leutnant Erich v. Salzmann nicht gerade besonders günstig. Die Witbois seien zwar ganz ausgezeichnete Fäbrtenleser und geradezu unentbehrlich beim Spuren auffinden und Verfolgen, allein fürs Gefecht kämen sie luenig in Frage. Sie zeigten nicht die geringste Lu st, sich am Kampfe »beteiligen, andern kniffen auS, sobald auch nur ein Schuß falle. Von hrer wielgerühmten Tapferkeit habe er bisher noch keiner- ei Proben gesehen! Dagegen könne er konstatieren, daß ie ausgezeichnete Schützen seien.
Nun ist es aufgeklärt, warum diese Witbois mit sehr wenig Lust und Liebe den Feldzug gegen die HercroS nitt- gemacht haben, trotzdem die Hereros als ihre verhaßtesten Feinde gelten. Der alte Witboi-Häuptling scheint die aufständische Bewegung unter den Hottentotten vorbereitet und seither die deutschen Behörden durch sein Verhalten in Sicherheit gewiegt zu haben. Daß der Häuptling ge- schlossen mit seinein Stamm in den Aufstand eintritt, bringt die Gefahr eines allgemeinen Aufstands im Süden des Schutzgebietes mit sich.
War seither schon die Sendung eines größeren Trup- penausgebols nach Südwestafrika angesichts der Streifereien des Herero-Bastards Morenga sehr wünschenswert, so ist nun vollends aller Anlaß vorhanden, unfern deutschen Truppen erhebliche Verstärkungen zuzuwenden, damit gleich zu Beginn des neuen Aufstands keine Mißerfolge entstehen, die für den Fortgang des Kampfes verhängnisvoll werden könnten.
Neber die hetzten Operationen unserer Truppen berichtet folgende Meldung:
General v. Trotha meldet unter dem 10. Okt. aus Sturmfeld: „Abteilung Volkmann (3. Komp. Feldregiment 1, zwei Maschinengewehre Wossidlo, Halbbatterie Madai, Besatzung von Grootsontein) abmarschiert über Otjosondjou-Osondema, besetzt dieses, Otjituo, Grootsontein, sowie mit stärkeren Postierunaen und den beiden Maschinengewehren Namutom. Abteilung Fiedler beläßt 8. Komp, und Halbbatterie v. Winterfeld in der Gegend von Okaundja, 6. Komp, und 2 Batterie in Waterberg und Otjosongombe, besetzt mit Kompagnie Brock- dorff Otawi und Naidaus, und säubert den ganzen Bezirk. Abteilung Mühlenfcls (Stab, Feldregimcnt 1, Ba- taillonSstab, 3., 9., 10. und 11. Komp., Feldregiment 1, Maschinengewehrabteilung Dürr, 6. Batterie) besetzt Wasserstellen von Okowindombe bis Okosonducu, sowie Ot- j o s o n d j o u. Abteilung E st o r s f (Stab, 1. und 4. Komp., Stab, 2., 5., und 7. Komp. Fcldregts. 1, vier Maschinengewehre Saurma-Jeltsch, 3. und 4. Batterie) sperrt die Wasserstellen in der Gegend von Onbualogo-Oninauanana- Otjinene-Epata, verfolgt den Feind östlich über Epata bis Mir Grenze. Detachement Decker (früher Winkler) ergänzt Estorfs. Abteilung Hehdebreck (6. Komp. Feldregimentes 2, zwei Maschinenkanonen, ein nicht fahrbares Maschinengewehr) bleibt in Ombakaha -Kl.-Okahandja, Aufklärung nördlich und östlich auf Ganas. — Deimling erreichte mit drei Kompagnon, einer Batterie am 3. früh Otjimanamgombe. Wasserstelle, tugs vorher fluchtartig in Richtung auf Rietfontein verlassen. Er überfiel am 4. und 5. bei Ombu Omambonde und Ombu Jamorom- bora mehrere Wersten, erbeutete Vieh, klärt unter Festhaltung von Ganas und Otjimanangombe nach Norden und Nordwesten aus, verfolgt, soweit irgend möglich, auf Rietfontein. Rest oer Abteilung hat Sturmfeld-Epukiro- Kalkjontein besetzt, Postierung in Cware-Okatjekuri-Okawa-- rumende, Verbindung mit 7. Komp. Feldregimenter 2 in Gobabes durch Pattouille gedeckt, 2. Komp. Feldregts. 1 begleitet mich zunächst, soll dann Onjatiberge gegen Groß- Barmen säubern, riickt später nach Omaruru."
Ueber neue verlustreiche Kämpfe mit Jakob Morenga im westlichen Kameningebiet meldet Oberst Leutwein unterm 13. d. MtS. Darin wurde Leutnant Eick und ein Reiter getötet, Oberleutnant Schultze und 7 Soldaten schwer, sowie Hauptmann Wehle und vier
Soldaten leicht verwundet. Auch ein Farmer erhielt einen Schuß ins Bein. Die Hottentotten von Goachas sollen aufständig sein.
Die Angelegenheit der Entschädigung der südwe st afrikanischen Farmer wird den Reichstag nochmals beschäftigen, da ihnen eine erneute Prüfung ihrer Wünsche non maßgebender Stelle zug-'sagt worden ist. Die Regierung wollte bekanntlich von Anfang an in der Entschädigung der Farmer liberaler verfahren, wenngleich auch sie einen Rechtsanspruch der Petenten nicht anerkannte. Es ist indeffen wenig Aussicht, daß der Reichstag neuen Zuwendungen an die Ansiedler seine Genehmigung erteilt. Nach Informationen bei Mitgliedern deS Zentrums hält die ausschlaggebende Partei an der s. Zt. vom Abg. Gröber oer- trennen Anschauung fest, daß eS bei der von der Vudget- kommission und dann auch vom Plenum beschloffenen Höhe und Form der Hilfeleistung aus Reichsmitteln sein Bewenden haben müße. Angesichts der dem Reiche durch den Feldzug in Südwestafrika erwachsenden und ständig steigenden Kosten kann diese Haltung des Zentrums nicht überraschen. Einer gewiffenbaften Prüfung der zu Gunsten der Farmer zu erwartenden Nachforderimg wird sich ober wohl auch die ausschlaggebende Partei nicht verschließen.
Politische Tagesschau.
Das Forum des Bundesrats.
Aus Anlaß des Falles Lippe konzentriert sich das öffentliche Interesse jetzt auf den Bundesrat, der demnächst in einer Plenarsitzung mit dieser Angelegenheit sich befassen wird. Die hohe Körperschaft führt dem Volke gegenüber im allgemeinen ein ziemlich traumhaftes Dasein. Ju weiten Kreisen weiß man kaum mehr, als daß die Bevollmächtigten zum Bundesrat Tagegelder beziehen, daß die in den sogenannten „Ausschüssen" tätigen Herren sehr arbeitsam sein müssen, weil ihnen fast das ganze Material überwiesen zu norden pflegt, und daß dieses hohe Kollegium einen umfangreichen „Papierkorb" — im übertragenen Sinne i—• zur Verfügung hat, bestimmt, alle vom Reichstag zum Beschluß erhobenen Anträge auszunehmen, denen Folge zu geben der DundeSrat nicht geneigt ist. Was sonst im MindeSrat vorgeht, entzieht sich der allgemeinen Kenntnis. Auch die Vermittlung deS Reichstags, an dessen Verhandlungen die Bevollmächtigten her Einzelstaaten teilnehmen, hat den DundeSrat dem Volke nicht nahe gebracht, weil eS verhältnismäßig selten vorkommt. daß vom Bundesrat aus in die Debatte einaearifsen wird. Namentlich die Vertreter kleinerer Staaten, wie Lippe, hüllen sich Jahre hindurch in würdevolles Schweifen. Diesmal freilich dürfte der lippesche Staatsminister Gcvekot wie im Bundesrat so im Reichstag daS Wort ergreifen, da der Thronfolgestreit zweifellos auch im Reichstag zur Sprache gebracht werden wird. Es sitzen dort Männer, z. B. Abg. Lenzmann (Frs. Volksp.), die die Frage der Thronfolge- fähigkeit in Lippe zum Gegenstand besonderen Studiums gemacht haben. Eine interessante parlamentarische Erörterung darüber steht also bevor. Noch interessanter dürste sich aber wohl die bereits für kommende Woche anberaumte Plenarsitzung des Bundesrat gestalten, auf deren Tagesordnung der Fall Lippe steht. Die Sitzung wird wahrscheinlich unter Vorsitz des Reichskanzlers stattsinden, und eine bewegte Debatte zeitigen, da wobl die Vertreter sämtlicher Bundestaaten sich zur Sache ärchern werden, im Hinblick namentlich aus die vom Grafen Bülow gegebene Interpretation des Kaisertelegramms, die ja erneut die Aufmerksamkeit aus sich lenkt, nachdem der Wortlaut des Telegramms des Grastegenten an den Kaiser bekannt geworden ist. Freilich werden von dieser wichttgen Sitzung des Bundesrats keine Mitteilungen über Einzelheiten an die Oefscnt- lichkeit gelangen; eS dürfte höchstens hier und da etwas „durchsickern", wie bei der Beschlußfassung über die Aushebung des Jesuitenparagrapl)en. a_._
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Unsittliche Literatur.
Wie unser Berliner Mitarbeiter von unterrichteter Stelle hört, sind seitens der Negierung Schritte der Gesetzgebung zur Bekärnpfung der unsittlichen Literattrr geplant. Der internationale Kongreß in Köln, der kürzlich sich eingehend mit bfr Frage beschäftigte, hat die entscheidende Anregung hierzu gegeben. Der zu erwartende Gesetzentwurf dürfte sich darauf beschränken, die bestehenden strasgesetzlichen Besttmrnungen nach dem Vorgänge anderer Länder — selbst Frankreich bedroht alle gegen die guten Sitten verstoßenden Schriften und Mlder mit Be- strafung — zu verschärfen und zu erweitern. Der Abg. Roeren, Mitglied des Zentrums, ein bekannter Jurist, forderte aus dem Kölner Kongreß, daß nicht nur „unzüchtige", sondern auch „die Lüsternheit erregende", sowie „anstößige^ Schriften und Mlder verboten und unter Strafe gestellt werden. Ob nun grade das Wort „anstößig" sich empfiehlt, mag mit Recht bezweifelt werden- einem überprüden Menschen wird alles Mögliche anstößig erscheinen, und yinge eS nach ihm, so würden ganz« Serben aus den Klassrkern herausgerlssen.
Per Ankauf dcs eßemafiflen KotUs Seipp vor der Straskammcr.
th. Gießen, 18. Oft.
Als gestern vormittag vor unserer Strafkammer der Schreiner Karl Friedrich Kempse, angetan mit der braunen ZucbtharkS- lleidnng, sich auf die Anklagebank setzte, da sahen die zahlreichen im Saale anwesenden Zuhörer den ea. 50jährigen Angeklagten an und wunderten sich, wie man einem so berrmtergekommen aussehenden Mensclfen daS Hotel Seipp her tauten konnte. Mer wie staunte man erst, als man die lange Vorsttasliste des Mannes kennen lernte, aus welcher hervorging, daß er wegen Urkunden- fälscbung, Betrugs und Unterschlagung mehrfach, darunter mit Zuchthaus, vorbestraft war, ohne die neuerdings ihm zuerkannte
Serie von Freiheitsstrafen, welche ihm die Landgerichte Hanau, Fuld-a, Darmstadt und Kassel zudiktiert haben, und welche die Strafkammer Frankfurt zu einer Gesamtstrafe von 6 Jahren Zuchthaus znsammengefaßt hat.
T*er Angeklagte Kempfe war gestern geständig. Die Beweisaufnahme ergab, was über die Affäre im allgemeinen in Gießen seinerzeit bekannt war und was in den verschiedenen Wirtschaften der Stadt häufig schon das Lachen und den Humor der Gäste heransgefordert hat. In Klein-Linden hatte ein Schreiner Arbeit gefunden , hAr sich Otto Opvel nannte und der den unverfälschten Dhüringer Dialekt sprach. Oppel verkehtte viel in einer dortigen Wirtschaft: er gab sich für einen vermögenden Menschen ans, der eigentlich nur noch arbeitete ans Lust daran. Er erzählte, sein Vater sei Büraermeister in Jena gM7-sen, und einer seiner Brüder habe in Weimar eine große Buchdruckern. Schließlich bekam der Thürina-'r Lust, die Wirtschaft in Klein-Linden, in welcher ihm das Bier so <rnt schmeckte, zu kaufen, doch zerschlug sich der Handel ans tmaufgellärten $riinben. Ein Vierverleger, ein Land-smann des angeblichen Opvel, lernte diesen kennen und bandelte mit ihm an, umsomehr, als der Thüringer erllärte, er habe ein Vermögen von 34 000 Mk. bei der Landeskreditbank in Weimar, welches gekündigt fei; er wolle ein Geschäft kaufen, müsse aber eine Frau haben. Ter Viervcrleger wußte für beides Rat, er führte den Mann mit dem vielen Geld nach Gießen in das Hotel Seipp, und hier wurde die ca. 27 Jahre alte Köchin für die gute Heiratspartie, die sie machen konnte, bearbeitet, waZ nicht schwer fi-l, als die Maid ersilhr, daß, wenn sie einwillige, die Frau des Oppel zu werden, dieser das Hotel Seipv kaufen würde. Am glichen Abend wurde nun die Verlobungsfeier mit guten Weinen begannen und gleichzeitig der Verkauf des Hauses verabredet. Der Verkäufer, der von d'm Bierverleger über daS angebliche Vorhandensein von 34 000 Mk. in Weimar verständigt war, ließ den guten Käufer an jenem Abend nicht mehr zum Hause hinaus, auch die Braut sorgte dafür, daß der Bräutigam die Nacht über im Hotel blieb, und so zog man am andern Tage in der Frübe auf das Ortsgericht, wo der Hotelverkauf zwischen Seipv einerseits und Opvel und dessen neuer Brmck andererseits fetzgeseüt ttmrbe. Eine Anzahlung von 25 000 Mk. sollte etwa eine Woche später erfolgen.
Te^ vermeintliche Oppel verlebte nun mit der Braut im Hotel Seipp herrliche Tage. Er pumpte zuerst den Bruder des Verkäufers kräftig an, um die Verlobungsringe zu kaufen. Da man alS Bräutigam auch in Garderobe etwas stattlicher gehen !vill, mußte ein pumplustiger Schneidermeister herhalten. Ja, das Brautpaar machte sogar mittels einer Anleihe beim Kellner eine Vergnügungsreise nach Frankfurt. Tie Herrlichkeit dauerte genau sechs Lage. Im Februar wollte der Käufer des Hotels mit dem Verkäufer mittels des Berliner Nachtschnellzuges die Reise nach Weimar antreten, und gegen 3/112 Uhr hatte sich auch der sviritus rector der Affäre, der Bierverleger, im Hotel Seipp ungefunden, welcher wegen der großen Summe, die am 1. Marz bei der Bank abzuheben war, zum Schutze die Reise mittnachen wollte. Schon im Begriff deS Aufbruches zum Bahnhof, erllärte Oppel, er wolle sich nur schnell noch von seiner Braut in der Küche verabschiedm, dir Reisegefährten möchten nur einstweilen vorangehen: er käme hinterher. Tie beiden Reisenden erwarteten aber auf dem Perron am Berliner Schnellzuge vergebtich den dritten Mitreisenden zur Mitfahrt. Kleinlaut kehrte man wieder in das Hotel zurück und erfuhr dort, daß der reiche Thüringer betteltftet war, ohne sich von der Braut zu verabschieden: statt dessen aber hatte er vor seinem Verschwinden in deren Schlafkammer einen verschlossenen Schrank geöffnet und Uhr nebst Kette sowie zwei goldene Ringe und bare Münze, soweit ihm diese in die Hände siel, mitgehen heißen.
Ter Angcllaate erllärte vor der. Straflannner, er habe ja das^ Hotel gar nicht kaufen wollen, aber man habe ihm keine Ruhe gelassen, und besonders^ das Frauenzimmer sei schuld an dem ganzen Handel: diese hätte es nicht anders getan, sie hätte Hotelbesitzerin werden wollen. Er gestand auch zu, in Halle Frau und Kinder wohnen zu haben.
Lebhafte Heiterkeit erregte eS, selbst bei den sonst so ernsten Richtern der Sttafkammer, die Schilderung de§ Zeugen Seipp, der mit beredten Motten auSeinandersetzte, wieso er bei dem Handel reingefallen fei. Arn drastischstrn aber war die Schilderung deö Zeugen, alS er erzählte, daß er für sein Hotel von Oppel 84 000 Mark habe erlösen toollen, und tote dieser gedrückt und gedrückt habe, um am Preise etwaS abzuzwacken. Nur auf Zureden des Viervettegers habe er, der Verkäufer, nach dreistündigem Feilschen von 84 000 Mk. 2000 Mk. abgelassen. Arn Schlüsse seiner Bekundung erllätte S., er könne eigentlich nicht begreifen, warum Oppel so um die 2000 Mk. gehandelt habe, da er ja doch keinen Pfennig bezahlen könne.
Außer den Straftaten in Gießen utteilte die Sttafkammer noch einen TiebstahlSfall, den der Angellagte in Ilbenstadt und zwei Betrugsfälle, die er in Tvrtelweil und Vilbel begangen hat, mit ab. Interessant ist bei der Affäre, wie die Staatsanwaltschaft Gießen, dem Erzgauner Kempfe, der in Klein-Linden und Gießen sich den Namen Oppel beilegte, so schnell hinter dis Schlicks kam., T>er Umstand, daß der Täter beS Schwindels im stalle Seipp in Weimar eine Bank als Hinterlegungsstelle seines Vermögens' bezeichnet hatte, in Verbindung mit der Tafiache, daß der Täter wegen t>eä Tialekts, in dem er die Unterhaltnnck geführt hat, unverkennbar auS Türingen stammen mußte, Netz vermuten, daß man in Weimar den Vogel, der in Gießen die bösen Streiche verübt, und dann davongeflogen war, ohne eine Tpur zu hinterlassen, an den Federn erkennen würde. Tie Staatsanwaltschaft sandte nach aktenmäßiger Feststellung der Sache die Akten an die Staatsanwaltschaft Weimar, mit dem Erfolg, daß man von dieser den Bescheid erhiett, daß Oppel niemand anders fein könne als Kempse ,ein Mann, der auch von anderen Staatsanwaltschaften vergeblich verlangt werde. Nun begann von hier auS eine lebhafte Suche nach dem Patron, die gar bald zu seiner Festnahme in Hanau fühtte.
Staatsanwalt Reuß, welcher gestern die Anllage verttat, bemerkte, daß man eS int vorliegenden Falle mit einem unvev- bMrlicben Menschen zu hm habe, der keine Milde verdiene: dieS bedürfe wohl keines Beweffes. Nicht nur die zahlreichen Vorstrafen, welche Kempfe verbüßt habe, sondern die zahlreichen Strafen, welche ihm zuertannt seien, nackteem er aus Gießen verschwunden war, und die er noch mit sechs Jahren Zuchthaus zu verbüßen hat, bildtten die Veranlassung, weshall» er den Antrag stelle, den Angellagten unter Gnbeziehuna der sechs' Jahrs mit höchsten zulässigen Strafe, nämlich 15 Jahre Zuchthaus, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Tauer von zehn Jahren und Stellung unter Polizeiaufficht zu verutteilen. DaS Urteil lautete auf eine Gesamtstrafe von 12 Jahren Zuchthaus, seck>ö:ahttgem Ehrverlust und Polizeiaufsicht.
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