yrr. 242
Zweites Blatt
154< Jahrgang
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den «reis Gießen
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
Die „C ’eßenet FamMenblStter- werden dem ,91nAetfler viermal wöchentlich betgelegt. Der ^hesfilche Laudvirf' erscheint monaUtch einmal.
Freitag 14. Oktober 1904
r Rotationsdruck und B erlag der Brüh lachen UnwersttLtSdruckerei. R. Lange» Gießen.
Redaktion Expedition ».Druckerei: Schulstr.K, Tel. Nr. 6L Telegr^Adr.r Anzeiger Gießen.
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ntffen Schm achtenden und verzeihen ihnen. Eins Ausnahme soll nur gegen die Rebellen gegen die Dynastie gemacht werden, gegen die, die ihre Hand wider die Eltern erhoben haben, wider ihre Gatten oder Arbeitgeber und diejenigen, die Feldfrevel getrieben haben, denn diese Verbrechen sind nicht zu verzeihen.
Der Wing.
Kriminal-Roman von O. Elster.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Ich foeifc nicht, wie mein Bruder zu feitet Photographie gekommen ist. Er hat mit mir niemals darüber gebrochen."
„Sehen Sie. Er machte mithin auS dem Besitz der Photographie ein Geheimnis'. Es gab da also etwas ml verbergen. Er stand vielleicht mit der jungen Tvme ebenfalls in geheimem Einverständnis und erhielt von ihr das Bild." . . .
„Unmöglich, Herr Neugebauer! Eine ganz haltlose Kombination !"
„Unmöglich ist nichts, verehrter Herr Groller", entgegnete der Detektiv mit schlauem Lächeln. „Man hat da schon ganz andere sonderbare Tinge erlebt. Ich habe jedoch nichts behaupten wollen, ehe ich Beweise gesammelt hatte." . . .
„Sie .haben Beweise?!"
,,Jch glaube. — Fräulein Bollmar hat das Grab Ihres Bruders bis vor kurzer Zeit stets mit frischen Blumen geschmückt. Sie hat oft am Grabe geweilt, überhaupt das Grab mit liebender Sorgsttlt gepflegt, wie man nur das Grab eines lieben Verstorbenenpflegt. Außerdem zeigte die jintge Dame seit einiger Zeit eine tiefe Niedergeschlagenheit. Ich hörte, daß sie früher ein munteres, lebhaftes Mädchen gewesen sein soll, jetzt ist sie traurig und niedergeschlagen. Ich suchte eine Unterredung mit ihr, traf sie auf dem Kirchhofe und begann mit ihr über den Toten zu sprechen. Hie errötete plötzlich: der Blick ihrer Augen war änglich und scheu, meinen Fragen wich sie geflissentlich aus. Ich eichihr nichts von ihr. Aber von dem Totengräber erfuhr ich, daß Fräulein Bollmar am Tage der Abreise der Wüllbrandt mit dieser am Grabe zusammengetrosfen sei, wobei es zwischen dm beiden Mädchen zu einer heftigen Szene gekommen zu sein schien. Tie WÜllbmudt habe Fräulein Bollmar gedroht, diese
sei auf die Knie gesunken und habe das Gesicht in die Hände verborgen. Als die Wüllbrandt den Friedhof verlassen, habe sich Fräulein Bollmar hastig erhoben und sich betend über das Grab geworfen. Tann habe sie noch lange in Nachdenken versunken neben dem Grabe gesessen. Ich denke, Herr ©rotier, das find Beweise genug, daß Fräulein Bollmar in Beziehungen zu Ihrem Bruder gestanden, der, wie ich hörte, auch viel in dem Pfarrhaus verkehrte."
Ferdinand schwindelte es. Er vermochte sich! den Beweisen deS erfahrenen und schlauen Detektivs nicht zu verschließen. In der verbitterten Gemütsstimmung, in welcher er sich befind, war er auch nur allzusehr geneigt, dem Mißtrauen seine Seele zu öffnen. Er sah sich von allen Seiten von Falschheit und Verrat umringt und vergebens kämpften die Liebe, das Vertrauen, die Großmut, kurz alles Gute in seiner Seele gegen den wuchernden Damen des Mißtrauens an, den die Worte Neugebauers in seine Seele gestreut.
Ein schneidender Schmerz zerriß sein Herz. Aufs Höchste erregt, ging er int Zimmer aus und ab und kämpfte mit sich, ob er diesem schlauen, kalten Kriminalisten einen Einblick in den Zustand seines Herzens gestatten sollte.
w TuS Bild Käthe's hatte bislang rein und fleckenlos vor seiner Seele gestanden. Ja, in den Stunden trüber Verzweiflung hatte ihn gerade der Gedanke an Käthe aufrecht erhalten. Bor ihrem reinen Bilde war er gleichsam betend niedergekniet, um Trost und Stärkung in ihrem Angedenken &u finden. Er hatte nicht gewagt, sein mit einem schlveren Verdacht beladenes Leben ihr zu weihen. Er wollte nur rein, und schuldlos, wie sie selbst, vor sie hintreten — und nun war auch ihr Bild beschmutzt, auch sie war mit in den Strudel gezogen, den dieses furchtbare Verbrechen erregt k
Er brach fast zusammen unter der Wucht dieses entsetzlichen Gedan kenö!
„Ich sehe, Herr Groller", fuhr der Tttektiv fort, „daß Sie durch meine Eröffnungen überrascht. — ja, crfcbrecft sind. Es ist allerdings ein trübes Bild, welches ich Ihnen entrollen
Z>ie St. WarkuskirÄe in AnHSach.
(t.) Butzbach, 13. Oktober.
Am 23 Okt I. I. begeht das oberhessische Städtchen Butzbach eine denkwürdige Feier in der Neueinweihunaf, seiner renovierten St. Markuskirche.
Tiefes ehrwürdige Wahrzeichen der Stadt, dessen End- stehung zurückreicht in das 14. Jahrhundert, hat int Laufe der Zeit schon manche Wandlungen durchgemacht. Aus einer ursprünglich romanischen Basilika waw eine gotische' Kirche, deren Ehorerweiterung den Kegel- ober Kugelherren- welche 1470 das Markusstift eröffneten, zu danken iftu Im Jahre 1606 warf ein Sturm den hohen spitzigen Turm um. Er wurde durch einen neuen, der mit einem Zwiebeldache gekrönt ist, ersetzt. Obgleich in den Jahrerv 1837—1839 das Bauwerk einer allgemeinen Reparatur unterworfen wurde, stellten sich im Laufe der Zeit, mihi veranlaßt durch das Fehlen der Strebepfeiler an der Nordseite, so große Schäden ein, daß man sich zu einer gründlichen Renovation, wollte man das herrliche Gebäude nicht verfallen lassen, entschließen mußte. — Und in allen Schichten der hiesigen Bevölkerung war mau von dem Wunsche beseelt, die St. Markuskirche möge wieder würdig ausgestaltet werden, und zur tzergabe bedeutender Opfer war man gern bereit. Und nicht nur die Bewohner der Stadt,! sondern auch solche Butzbacher, die längst in fremden Landen ein neues Heim gefunden, spendeten reichliche Mittel, um die Restauration der prächtigen Kirche zu ermöglichen.
So konnten die Arbeiten, welchen die Pläne des Kirchenbaumeisters Hofmann-Herborn zu Grunde lagen, int Januar 1903 begonnen werden. Die Nordseite der Kirche wurde mit schönen Strebepfeilern, alle Fenster mit hen> lichem, gottschen Maßwerk versehen. Die sehr defekt ge-> wordene Schieferbedachung wurde erneuert. Ein Heizraum wurde eingebaut und sein Zugang durch einen malerischen!^ Lettner in glücklichster Weise angegliedert. Der häßliche Verputz wurde beseittgt und eine hübsche Ausfugung dep! Steine vorgenommen.
Im Innern der Kirche wurden die aus BasaltguadeNk ausgeführten Säulen, die mit sie entstellender Tünche überzogen waren, freigelegt. Der schöne gotische Chor, in! welchen die Orgelempore eingebaut war, wurde von diesnnj unschönen Inhalte befreit, so daß er nun in seinen reimens Formen dem Beschauer entgegen tritt Alle Tribünen mit Ausnahme derjenigen an der Westseite, welche die neue, aus der Werkstätte von Förster und Nikolaus-Lich hervorgegangene Orgel trägt, wurden entfernt Die Prunkgruft über der Ruhestätte des kunstsinnigen Landgrafen Phi-^ lipp IIL von Butzbach wurde wieder in alter Herrlichkeit' hergestellt Eine Anzahl Fenster wurde mit prächtigen Ge-^ mälden (gestiftet von Sr. Königs. Hoheit unferm Landest Herrn — eine namhafte Summe war von Ihrer Majestät der Kaiserin von Rußland in hochherziger Weise aespendetz worden — sowie hiesigen und auswärttgen Familien) ge* schmückt 1— Neue, schöne, stilgemäße Bänke wurden eingestellt. Eine neue Sakristei, deren Vorplatz im neuenJ südlichen Turmanbau liegt, wurde geschaffen. Das Gottes- hauS, äu dessen Innerem prächtige Eichentüren führet' ist mit NiederdrucLampfheizungsanlage und elektrischer Be^ leuchtung versehen. Ein elektrischer Motor setzt das Orgel-' gebläse in Tättgkeit
Aus diesen Zeilen dürfte die stilgerechte, zeitgemäße Renovatton der St Markuskirche erhellen. Näheres ist in einem, von bette ersten Geistlichen, Pfarrer Schrimpfs verfaßten, hübschen Festschriftchen, das eine Geschichte deÄ Stadtkirche, Bericht über die Bauausführung von Kirchens baumeister Hofmann, Gutachten des Denkmalpflegers fiel Oberhessen, Professor Walbe-Darmstadt, ein Kapitel übeti die an der Kirche von der Reformationszeit bis heute wirkenden Geistlichen und Dichtungen von A. Storch ent-' hält, nachzulesen. Das mit einigen Illustrationen ge» Umückte Schriftcken ist von A. Weickhardt, von Pfarrer! Schrimpf und Kirchendiener Maas-Butzbach für den ge-- ringen Preis von 50 Pfg. zu beziehen. A. Storchs
deS theokratischen der römischen Kirche eine völlige Aufsaugung VeS germanischen Rassenelements durch minderwertigere Rassen voraussetzen. Allein der germanische Geist wird auch 'Mittel und ^-ege finden, die dem gesunden Individualismus schädlichen Zeiten deS modernen Kapitalismus auszumerzen, mit anderen Lotten den Wettbewerb zu einem wahrhaft freien zu gestalten, in ( dem nicht die unlauteren, sondern die redlichen Mittel am weiteren fuhren. Nicht der Kapitalismus als solcher, d. h. die aus Ansammlung von Vermögenswetten überhaupt gettchtete indi- V.Eelle Energie, sondern der wucherische, ausbeuterische, zentra- lNttsch aufsaugende, parasitenhaste Kapitalismus ist es, den eine nationale Sozialpolitik zu bekämpfen hat. Wie brö absolute Frei- Handelssystem, so verkennt auch der mit diesem im Pttnzip identische manchesterliche Kapitalismus die in erster Linie für jede Volkswirtschaft maßgebende Frage der nationalen Selbstbehauptung." ♦
Wann fangt der Landwirt an, Sozialdemokrat zu sein?
Diese Frage wurde, nach der .Voss. Ztg.«, ernsthaft in einer agrarischen Versammlung in Gotha erörtert, die sich mit der Errichtung einer Landwirtschaftskammer für Koburg-Gotha beschäftigte. Ein Herr aus Wölfis führte aus, die Besitzer unter und mit einem halben Hektar Land sollte man für die zu errichtende Landwirtschaftskammer nicht beitragspflichtig machen, denn sie wären alle Sozialdemokraten, und dies „würde nur zu Unträglich- keiten führen". Ein anderer Redner beantragte, die Beiträge nur von solchen Landwirten zu fordern, deren Betrieb mindestens vier Hektar umfasse, denn die, die weniger Land besäßen/wären ausschließlich Sozialdemokraten, und dann würde die Kammer sozialdemokratische Mitglieder erhalten und die Streitereien wären da. Der frühere Schultheiß und ehemalige Landtagsabg. Richardt aus Wölfis behauptete, die Landwirte mit 10 Acker Land nach dem Walde zu seien meistens ihren Verhältnissen als Landwirte entwachsen. Sie gingen nach der Stadt auf Arbeit, die Landwirtschaft sei Nebenbetrieb, und infolgedessen seien derattige Besitzer alle Sozialdemokraten. Der Agrarführer Meyer trat dem ganz entschieden entgegen. Mit einem halben Hektar Land müsse die Beitragspflicht der Landwirte beginnen. Die Sozialdemokraten, die in die Kammer kämen, würde man bald von der Unhaltbarkeit ihrer Ideen überzeugen.
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Der siebzigste Geburtstag der Kaiserin-Tante in China.
Eine in London eingetroffene chinesische Zeitung berichtet, daß die gute Kaiserin-Tante am 17. November ihren 70. Geburtstag begehen wird. Seit 40 Jahren ist fte an der Regierung ober leitet die Regierung, seit 1889 als Ex-Regenttn. Ihr verstorbener Mann, der Kaiser ebenfalls, wie der jetzige Kaiser Kuangsu, tyr Neffe, vollständig ihrem Willen unterworfen. Zu ihrem Geburtstage sollen, ähnlich wie bei dem der verstorbenen Königin von England, große Festltchkeiten veranstaltet werden, wozu jetzt schon in allen Teilen des Landes Vorbereitungen getroffen werden. Anläßlich dieses Jubiläums hat der Kaiser von China zu Ehren feiner Tante und Adoptivmutter folgendes Dekret erlassen: Mle kaiserlichen Prinzessinnen und alle Töchter von Prinzen 7” es existieren nicht weniger als 6000 — werden Ge- f cye n t e erhalten. Alle Offiziere, ganz gleich, welchen Grad fte einnehmen, werden befördert werden. Alle Mandarinen des kaiserlichen Hofes und der Provinzen werden den Adel erhalten, der bis zu ihren Urgroßvätern weiter reichen fpll. (Die Urgroßväter werden sich sicherlich freuen!) Me über 60 Jahre alten Leute erhalten einen Bediensteten zu ihrer Bedien-- ung. Die Personen, welche über80Jahre alt sind, erhalten ein Paar Pantoffel aus Stoff, ein Paar aus Seide, einen Sack Reis und zehn Pfund Fleisch. Die Leute, die über 100 Jahre alt sind, erhalten Geldgeschenke, und außerdem wird für sie ein Triumphbogen in ihrem Wohnorte errichtet. Die Eunuchen sollen einen Monat Steuer- Nachlaß empfangen. An die alten Frarten und Witwen der gefallenen Krieger sollen Almosen verteilt werden. Die Gräber der verstorbenen Kaiser aller DynasÜen, der Ort Konfucius, 600 heilige Berge und vier Flüsse werden durch speziell ernannte Offiziere geweiht werden. Der Kaiser schließt sein Dekret mit folgenden Worten: Wir fügen die Freilassung aller in den Gefäng-
Nttlitilche Taacsschan.
Neber den Berliner Schnlstreit
-eröffentlicht die „Worte. Alla. Zta." eine längere Darlegung, worin zunächst betont totrb, daß was der städtischen Schulverwaltung in Berlin recht ist, den städtischen Schulverwaltungen in der Provinz Posen billig wäre, der Kultusrninlster aber unmöglich ruhig zusehen könnte, ?ce«nr?or Volksschulräume zur Förderung des immer ge- ährncher anwachsenden polnischen Bereinswesens verwendet würden. Der Artikel legt sodann dar, die Bereit- tellung der Schulräume sei nicht für Erwachsene, sondern für Vorttage der freireligiösen Gemeinde für Ju- g en dliche untersagt worden, lediglich wegen der Ver- wirrung, die solche in den Köpfen und Herzen Jugendlicher Hervorrufen. Er führt weiter eine in gleichem Sinne srch äußernde ErNärung an, welche Stadtschulrat Bertram in der Stadtverordnetenversammlung vom 3. Januar 1889 namens der Schulverwaltung abgab, welche damals selbst die Schullokale der freireligiösen Gemeinde versagt hatte. Die „Norddeutsche" beruft sich schließlich für die formelle Berechtigung des Vorgehens der Schulaufsichtsbehörde auf Entscheidungen des Oberverwaltungsge^chtes vom 10. Apr. 1894 und 9. Januar 1900, wonach auch Volksschulen als besondere Anstalten des Staates zu betrachten seien, hinsichtlich deren die Gemeindeautonomie durch die Staatsaufsicht beschränkt sei. Der Artikel betont hierzu: ob' bte Schulaufsicht präventiv ober repressiv auszuüben sei, sei eine Zweckmäßigkeitsfrage. Das Prvvinzialschulkvlle- gium habe seiner Genehmigung nur die Überlassung der Schulräume an politische Vereine und nicht rechtsfähige Religionsgesellschaften Vorbehalten, worin keine unzulässige Beschränkung der Stadtverwaltung zu erblicken sei. Gerade in den angeführten Fällen sei eine vorherige Anrufung der Aufsichtsbehörde zweckmäßiger als deren nachttägliches Einschreiten, das meist zu spät lammen und größere Schwierigkeiten bereiten würde.
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Neber dir Notwendigkeit der Erhaltung der Landwirtschaft hat der Professor der Rechte an der Universität in Lausanne, Dr. Kuhlenbeck, früher Rechtsanwalt in Jena, in seinem jüngst erschienenen Werke über „bie natürliche Grundlage des Rechts und der Politik" in den Schlußkopiteln folgendes ausgeführt:
„Immer entschiedener spitzt sich der Stteit auf die Frage zu, ob Teutschland ein einseitiger Industrie- und HandelSstaat werden oder ob ihm die biShettge GrundlVe einer lebenskräftigen Land- wirtschaft erhalten werden soll. Von einem Standpunkte auS, der ausschließlich die Erhaltung und Steigerung der VolkSkraft und des Nassenwettes zum ausschlaggebenden GesichtSpimkt nimmt, können wir nicht umhin, auf die Seite emeS die agrarischen Interessen mit Energie vertretend-eu fteiheitlichen KonservatiS'muS fru treten. Wir haben die großen Städte bereits als AtttaktionS- ^entren der tüchtigsten Elemente der Bevölkerung gewürdigt und dabei die nicht unbedenkliche Tatsache festgestellt, daß diese Zentren zugleich absorbierend wirken, da unter den physiologisch ungünstigeren Tasewöbedingungen deS städtischen Lebens auch die tüchtigsten Familien in der Regel aussterben, jedenfalls in der Großstadt die Vermehrung der VoMahl mehr auf den Zustrom vom Lande, als auf die Fortpflanzung der städtffchen Bevölkerung zurückzuführen ist. Daß die Wehrkraft der Nation vorwiegend auf der ackerbauenden, nicht auf der industttellen Bevölkerung ruht, ist seit geraumer Zeit durch die Statistik dec Aushebungen außer Zweifel gestellt. Eine der bedenklichsten Wirkungen aber des einseitig aus Expott gezüchteten Jndustttalis- mus ist die durch diesen begünstigte ,nicht nur den deutschen Ackerbau seiner Arbeitskräfte beraubende, sondern auch minder- wettige Nassenelemente von auswättS hereinziehende unbedingte Freizügigkeit. Wir haben e5 hier mit einer ftiedlichen und gewissermaßen heimlichen Völkerwanderung zu tun, deren schließliche Wirkungen für das deutsche Volkstum ebenso bedrohlich werden können, wie die kttegerische, offene Völkerwanderung seinerzeit für das römische Reich. Tie überraschende, zunehmende Tschechisierung großer, noch vor einem halben Jahrhundert vorwiegend deutsch-sprachiger Telle Oesterreichs ist nicht minder eine Folge deS Industrialismus, wie beispielsweise bte seit einigen Jahren beginnende Turchfetzung beS ehedem so rassenreinen westfälischen JndustttebezirV mit polnischen Elementen. Das soziale Ideal der germanischen Rasse, wie bet arischen überhaupt ergibt sich aus den Hauptzügen ihres Charakters. Sofern der Kapitalismus den Individualismus begünstigt, liegt er allerdings in der germanffchen Veranlagung. Auf den freien Wettbewerb der Kräfte wird der germanische Rassengeist niemals verzichten und die Verwirklichung des kommunistffchien Ideals der Sozialdemokratie würde daher In noch höherem Grade, alS die
mußte. Mer auf die Spur sind wir jetzt und ich mache mich W heischtg, letzt das Verbrechen völlig Lar zu firnen/« *
(Fortsetzung folgt.)
w 4? fVsLcUschaft und Bibel. Der von seines
Amte alÄ erbenti. Professor der Geologie an der Universität Kiel sus^ndierte Dr. Lehmann-Hobenberg hat ate Admiral Hollmann, der bekanntlich ixn Babel- und Bibelbrtef Kaiser Wilhelms der Oessentltchkeit zugäng-' lich gemacht hat folgendes Schreiben gerichtet: „DaS von Ew.' Exzellenz.der Oefsentlichkeit zugänglich gemachte Schreiben Sr. W des Kath ers, das man sein Glaubensbekenntnis ge^ nannt hat, ist bWer in der Presse wesentlich nur von D)cologett unb humanistisch vorgedilbeten Schriftstellern beurteilt worben,, Vom Stanbpunkte der Weltanschauung der Naturforschung' ist das meines Wissens bis jetzt nicht qEschehen oder wenigstens nicht mit einiger Vollständigkeit. Der Kaiser hat nun in jenenfc WeUfejt sehr entschieden das Gefühl höher gestellt al« die Wissenschaft. Taß Se. Majestät hier nicht n ü g e n d n n t e r r i ch t e t ist, habe ich m einem soeben er- schienenen Buche „Naturwissensch'aft und Bibel", daS „eine natur-t WNenschastliche Antwott aus das Glaubensbekenntnis Kaiser Wll^ hslws II." sein soll, nachzun>eisen gesucht. (Dieses Buch ging uns dieser ^,age aus dem Verlage von Herrn. Costenoble In Jemt ZU- Tie Red. b. Gieß. Anz.) $ene unhaltbare unb für jede weitere Verständigung unfruchtbare Vorstellung ntufe von der Nature Wissenschaft nachdrücklichst bekämpft werden. Das ist in meinem Buche unter Darlegung W aus der Wissenschaft der Geaenwart abgeleiteten WeltbiweS geschehen. Kaiser Wilhelm TL, der beft technischen Leistungen der Hochschulen so großes Interesse entgegen* bringt, wird hier tiefer eindringen müssen, wenn er der Bann ertrag er der neuen Zeit werden will! Ew. Exzellenz gestatte ich mir, zwei Exeinplarc meines Buches aanz ergebenft zv Übersenden : ich stelle anheim, es Sr. Majestät bem Kuper zn ühör reichen."


