Nr. l«0
Orieelnt tLgltch au bet Sonntags.
Dem (Siebener Anzeiger werben tm Wechsel mit dem KeMschen Landwirt die Gießener Familien» Glätter viermal m der Woche bergelegt.
Rotationsdruck u. Verlag bet Brühl 'schen Unwerft-Buch-u. Stein* bruderei. 8L Lange. Redaktion. 5p*Mtt6e imb Drucke rrt:
Schulstratze 7.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Wietze«.
FernsprechanschlußNr 51.
Erstes Blatt.
154. Jahrgang
Montag 11. JuN18v4
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Bezugspreis, monatlich 75 viertel» jäbrlich Mk. 2.20, durch ^vhole- tu Zweigstellen monallich 65 Pf.; durch dre Poft Dtk. 2.—Vierteljahrs ausfchl. Beftellg. Annahme von Anzeigen für Die TayeLnummer bis vormittags 10 U^. ZeilenvretS: lokal 12^ auSrvärtS 20 Pjg.
Verantwortlich Mr den votit, und allgem. TeU P. Wittko. für »Stadt und fianb" und „Gerrchtsfaal": August Goetz; für den Anzeigenteil: Hans Beck.
Aie hevtige Wummer umfaßt 8 Seiteu
Deutsches Reich-
Bergen, 10. Juli, ft'aifer Wilhelm wurde hier hon b<v Bevölkerung herzlich empfangen. In ber WO Booten verfainmeltcn sich die Einwohner von Bergen um hic fachen',oNeru" und brachten wiederholt tzochrirfe auf den Hiser anS. Auf den Höhen pranitten Frendenfener und im M™ wurde ein Feuerwerk abgebrannt. Der srnffcr Mied diS mich 12 ITTyr an Deck, iun das belebte " itb bf.-. H«feil'- in der hellen Somiternacht zu geniesirn. . Der amerikanisch/' MiMonÄr Vanderbilt, der mehrere Tage in Kopenhagen verweilte, reist von dort auf seiner Jacht ^Wairior" nach Norwegen, um auf eine (tüiUibiinfl hin mit Kaiser Wilhelm zusammcnzutreffen.
Ier Krieg zwischen Aapav vnd Kußlavd.
General Sacharow
meldet dem Generalstabe vom 8.- Juni: Gestern morgen zog sich unsere Kavallerie langsam von den Höhen bei B a o- sitschai zurück, indem sie den Vormarsch des Gegners aufhielt, der sechs Eskadrons die Küste entlang ausgesandte hatte, um unseren rechten Flügel zu umgehen. Um 2 Uhr nachmittags besetzten drei Eskadrons des Gegners Siatatsi. Um 5 Uhr besetzten drei Bataillone iapanischer Infanterie mit 12 Geschützen die Höhen bei Boasitschai in der Nähe der Eisenbahn. Feindliche Schützenketten zeigten sich auf den Höhen östlich von der Eisenbahnlinie bis Julinpu, während 15 Eskadrons Kavallerie gegen drei Dörfer sechs Werst südwestlich von Kaitschou vorrücktcn. Eine feindliche Batterie eröffnete um 2yB Uhr nachmittags von dem Passe im Süden Julinpus das Feuer auf die russische Abteilung, die sich in der Umgebung von Heiziatun, drei Werst östlich 'Julinpn befand. Die rrlssisckie Abteilung zog sich nach Edsiagou zurück, sechs Werst südlich von Kaitschou.^ Morgens 10 Uhr besetzten mehrere Kompagnien des Gegners Sunchudissa, 14 Werst südöstlich Kaitschou. Abends besetzte eine japanische Abteilung von drei Kompagnien die französische katholische Mission von Janbuankou, sieben Werst südöstlich von Kaitschou. Gleichzeitig besetzten fünf japanische Kompagnien das Dorf Lua- miaopfusa, 9 Werst östlich von Janbuankou. Große Biwaks des Gegners wurden am Nordabhange der Höhen auf dem linken Ufer des Kantahe (Kaitschou) gesehen. In der Nacht zum 8. Juni drangen zwei feindliche Kompagnien gegen die russischen Feldwachen auf dem linken User des Kantahe vor, wurden aber bemerkt und zurückgeworfen.
Den Vormarsch auf Kaitschou nahmen die Japaner am 5 Uhr morgens in einer Gesamtstärke von zwei Divisionen Infanterie und einer berittenen Brigade wieder auf. Um 8 Uhr morgens stellten sie den Vormarsch auf den Höhen am Südufer des Kantahe ein. Durch Rekognoszierungen ist sicher fest- gestellt, das; eine bis anderthalb Divisionen mit der Hauptmacht bei Hontsiapildsa, 12 Werst nordöstlich Chansa, sich befinden, sowie daß eine Vorhut in den U i d a l i n - und Tschapada- l i n p a ß vorgeschoben ist und auf dem aus Chansa nach Erldagou und Siandiao führendem Wege steht, ferner. daß auf der Linie Wandsiapudsa-D ali n p a ß über zwei japanische Divisionen sich befinden.
Gefechte am 8. und 9. Juli.
Wie Generalleutnant Ssacharow unter dem 9. d. M. meldet, stand am 8. Juli eine russische Abteilung bei der Statton Kaitschou. Ihre Feldwachen befanden sich auf dem rechten Ufer des Kaniohe. Der Feind hatte die Höhen auf dem linken Ufer des Flusses inne und befestigte seine Stellung daselbst. Eine russische Batterie eröffnete von der Eisenbahnbrücke aus das Feuer auf die sich im Tale des Kantahe zeigenden seind- lichen Streifwachen. Gegen 12 Uhr mittags sand ein Gefecht statt zwischen einer russischen Kompagnie, die die Furt westlich von der Eisenbalm bei Myndalomo beobachtete, und einer japanischen Abteilung. Der Feind zog sich zurück. Auf russischer Seite wurden sechs Mann verwundet. Am Mend des 8. Juli befanden sich gegenüber Kaitschou in "ber Front von der Küste bis zu der französischen katholischen Mission in Janbuaukow vier japanische Divisionen und eine berittene Brigade. Am 9. Juli fuhr der Gegner fort, bei Tagesanbruch gegen die russische Vorhalt vorzurücken, die sich um 6V2 Uhr morgens von Kaitschou zurückzog und eine Stellung vier Werst weiter nördlich in d m Schianlunsypasst einnalmi. Um 10 Uhr morgens ging die russische Vorhut unter dem Andrange des Gegners fünf D rst weiter nordwärts von diesem Paß zurück. .Hier hielt sie sich unter sehr starkem feindlichen Feuer bis 2 Uhr nachmittags und zog sich dann in voller Ordnung auf Befehl des Abteilungschefs langsam auf die dritte Stellung zurück. Aus dem rechten russischen Flügel beschoß eine berittene Batterie eine spanische Batterie, die bei Sang oi schi tu der Nahe iyr Eisenbahn stand. Feindl'che Kavallerie rückte inzwisckfen längs des Küstenweges langsam nach Inkan vor. Die Verluste sind nicht festgestellt Sie betragen, wie der Abterlungsckef erklärt, nicht mehr als 150 Tote und Verwundete: em Offizier ist gefallen.
Chinesische Berichterstatter.
Aus Port Arthur hier einaetroffene chinesische Dscbunken- ^ührer berichten, daß am 5. Juli die Leichen von über achthundert Russen, unter denen sich Wenigen zweier hoher Offiziere befanden, von Chinesen nach Port Arthur gebrackst, und daß ein Teil der japanischen Truppen bis auf eine Entfernung von 6 Meilen nach Port Arthur, nach Eroberung des »weitere Fort auf der östlichen Seite vorgerückt fei. Em Teil der Beamt.'n der russisch chinesischen Bank m Port Arthur.sei ge^rn in Tschifu angekommen. Sie sagen ans, daß die Verhalt- nifse in der Stadt unverändert feien. Die ganze letzte Woche fei sieb-n Meilen von der Stadt entfernt schwer gekämpft worden Die Mannschaft der gestern eingetroffenen Dschunken be- richtet, sie habe gestern morgen Geschützfeuer in der Höhe von Port Ärtlmr gehört.
Zur See.
Tokio, 10. Juli. Freitag nacht näherte sich bei stür- mischem Wetter eine T 0 rp cdo b 0 0 t 5 fl »t t i l l e von dem G'schmader M Admirals T vgo Port Arthur. EiN Boot griff den Kreuzer „Askold" an. Das Ergebnis des Kampfes ist inbekannt Ans iapanischer Seite wurden zwei Unteroffiziere getötet Mehrere Offiziere wurden schwer verletz — Das russische Port-Arthur-Geschwader hat den Hasen ver- lassen und ist mit anögehängten Torpedonetzen und von Tor- pedaboott- Zerstörern umgeben, nach Hsi au p in tau m See ge- gangen. ________________
Hamburg, 9. Juli Die Beisetzun g bes verstorbenen präsidierenden Bürgermeisters von Hamburg, Dr. Hach mann, fand heute vormittag von der großen Michaelskirche aus statt. Als Vertreter des Kaisers waren erschienen der Kommandierende von Bock und Polach, als Vertreter des Königs Eduard der Generalkonsul Ward. Auch Prinz Heinrich hatte einen Vertreter entsandt. Dem Leichenzuge schritt eine Ehrenkompagnie der 76er voran. Die Beisetzung erfolgte auf dem Zentralfriedhofe in Ohlsdorf.
Keer und Alotte.
Berlin, 9. Juli. Generalleutnant a. D. Guidv von Streit, früher Kommandant von Spandau, ist in der vergangenen Nacht, 91 Fahre alt, in Berlin gestorben.
— Das deutsche Geschwader in Plymouth. Dem insolge der Kieler Mvnarchenbegegnung beschlossenen Eintreffen eiries großen deutschen Geschwaders in Plymouth wurde, wie a.us London berichtet wird, dort mit lebhafter Erwartimg entgegen gesehen. Noch niemals hat ein englischer Kriegshafen eine Flotte beherbergt wie diese, deren 8 Schlachtschiffe und 7 Kreuzer eine Bemannung von nahezu 10000 Köpfen tragen. Das Flaggschiff des deutschen Geschwaders ist am 10. d. M. kurz nack» 1 Uhr in Plymouth eingelaufen. Nachmittags folgten die übrigen Schiffe. Tausende von Zuschauern beobachteten das Einlaufen der Schiffe. Admiral v. Köster stattete dem Lldmiral Seymour und dem Generalleutnant William Buttler amtliche Besuche ab. — Daß bei solchen Gelegenheiten auch mihgunsttge Stimmen laut werden, sind wir ja gewohnt. Ein englischer Marineofsizier protestiert im ^Daily Expreß gegen die „allzu häufigen Besuche der deutschen Flotts in englischen Kriegshäfen. „Äe Deutschen kamen nicht der Gastfreundschaft wegeick', schreibt dieser Offizier, „sondern um zu sehen, was und wie wir es tun. Es sei daher nicht zu verwundern, daß das deutsche Marine- informattonsbureau besser unterrichtet sei, als selbst die englische Admiralität."
Ausland.
London, 9. Juli. Angeregt durch bic günstigen Resultate, welche mit den Torpedobooten im russisch-japanischen Kriege erzielt worden sind, hat die englische Regierung beschlossen, die Zahl derselben in der englischen Kriegsmarine bedeutend zu vermehren. Außerdem sollen Versuche mit einem neuen Torpedobovtsmodell angestellt werden, welches rauchlos operiert und dem es somit ein leichtes sein würde, an fremde Schiffe heranzukommen.
Lettin je, 10. Juli. Nack hier eingetroffeitert Nachrichten erhielt das eine von den beiden in Tonzi 6ei Podgorica liegenden Bataillonen Befehl, nach Mlet in Garnison zu gehen. Nachdem das Bataillon in Skutari angekommen war, weigerte es sich, im Einvernehmen mit den Offizieren, wegen Nichtbezahlung des Soldes weiter zu marschieren. Alle Offiziere wurden verhaftet. Der Gouverneur von Skutari, welcher einen Aufruhr der Garnison befürchtet, ist bemüht, das zur Zahlung des Soldes notwendige Geld aufzu- bringen.
Tunis, 10. Juli. Der Dey ist heute vormittag “ri Bord des Kreuzers „Desaix" nach Frankreich abgereist.
Saint Louis, 9. Juli. Die Demokratifche Konvention ernannte den Richter Parker zum Kandidaten für die Präsidentschaft.
Aus Hiadt und Land.
Gießen, den 11. Juli 1904.
— Zur hessischen Wahlrechtsvorlage teilt man uns nachträglich mit, daß auch der hiesige national* liberale Verein zur Wahlrechtsvorlage, bezw. der neuen Wahlkreiseinteilung Stellung genommen hatte. In der betreffenden Sitzung ciTlärte man sich für das direkte Wahlrecht, war aber, und zwar einstimmig, der Meinung: daß die von Köhler (Langsdorf) vorgeschlagene Zuteilung von Wieseck zmn Wahlkreis Gießen (Stadt) den Interesien unserer Stadt widerspreche, der auch ohne diese Zuteilung nach ihrer Bedeutung innerhalb der Provinz und nach ihrer Einwohner- zahl zwei Abgeordnete zukommen wurden, wie solche bereits in der ursprünglichen Wahlrechtsvorlage seitens der Regierung vorgesehen waren. — Unserem Landtagsabgeordneten soll noch vor den Verhandlungen Kenntnis von vorstehendem Beschluß gegeben worden sein.
Die Submissions-Resultate der Arbeiten für die Klärbecken, welche am Samstag nachmittag bekannt gegeben wurden, sind die folgenden: Jäger n. Rumpf, Hanau: 115 817.50 Mk., Birkenstock u. Schneider: 116 748.50 Mk., Wilhelm Busch, Berlin: 117 513.50 Mk., H. W. Rinn: 127 542 Mk., H. Winn: 136 539 Mk., Ph. Holzmann, Frankfurt a. M.: 141845 Mk., MeeS u. RecS, Karlsruhe: 159 825.87 Mk., A. u. G. Buschnng, Rieder-Selters: 161 450 Mk., Zementwarenfabrik Hildesheim: 179 507.50 Mk.
** Gerüchtweise verlautet, daß der Kaufmann B au§ der Neustadt spurlos verschnmnden sei und Sellfft- mord begangen habe. Man spricht von Nnregellnäßigketten, die vorn Mn sollen. Die Polizei nimmt Nachsorsch- mtflen vor , w 4 .
** Besitz wechsel. Das HanS Ecke frankfurter- und Kliniksttaste, dem Kausmaim Lenhard gehörig, mürbe für 85 000 Mk an den Kaufmann Etaninö aus Dillenburg verkansl Der Verkäufer hat das (Mundstück seinerzeit für 42 000 Mk. gekauft.
** Eine Schlägerei zwischen hiesigen Studenten und Burschen aus Dutenhofen hat sich in der vergangenen Nacht in dem ge
nannten Ort zu-gettagLn. Die Dutenhofer Burschen verfolgten die Studenten bis ans Mendörfer Wäldchen und schlugen einen der Studenten nieder, sodaß er blutüberströmt liegen dli^b. Die Studenten machten Anzeige bei der Ortspolizei in Klein-Linden und nahmen einen Wagen mit, um den Verletzten, der inzwischen das Bewußtsein wieder erlangte, nach Gießen zu verbringen. Das Nähere muß die Untersuchung noch ergeben.
” Die Veranstalter von Festlichkeiten wird interessieren, was die „Jugend" in ihrer neuesten Nr. schreibt: Fremder (an der Ehrenpforte eines festlich dekorietten Dörfchens zum Bauern): „Was ist denn da los?" Bekonnnt Ihr einen neuen Pfarrer ober fahrt der Regent durch?" — Bauer: „Ah na! Der Witt hat heut wieder an'zapft."
z. Reiskirchen, 10. Juli. Unser Kriegerverein hat beschlossen, vom Besuch der Kriegerfeste für dieses Jahr abzusehen und dafür einen Ausflug nach dem Niederwald und Nationaldenkmal zu unternehmen. Der Ausflug soll an einem der nächsten Somttage stattfinden.
g RuttersHausen, 9. Juli. Als gestern abend der Knecht des Kommerzienrates Georgi aus Gießen mit einer Ladung fertiger Zigarren von der hiesigen Zigarrenfabrck aus nach Wißmar fuhr, scheute am sog. Teufelsberg, wo die Straße nahe der Lahn herlauft, das Pferd und sprang mit dem Wagen in die Lahn. Pferd und Fuhrmann standen bis zum Hals im Wasser. Es gelang jedoch dem Knechte mit großer Mühe, das Pferd im Wafler loszuspannen und mit Hilfe zahlreicher herbeigeeilter Männer aus Ruttershausen das Pferd sowie die Teile des Wagens herauszuschaffen. Einige Tausend Zigarren schwammen allerdings die Lahn hinunter; die Mehrzahl wurde heranSgefischt, dürst« jedoch ziemlich wetttos geworden sein.
-r- Garben heim, 10. Juli. Unter überaus großer Beteiligung fand hier heute der General-Krieger- Appell des Kreis-Verbandes Wetzlar statt. Dieser umfaßt zurzeit 65 Vereine mit weit über 3000 Mitgliedern. In dem stattlichen Festzuge waren 62 Vereine mit ihren Fahnen vettreten. Der Verbandsoorsitzende, Bürgermeister Hardt von Groß-Rechtenbach, begrüßte die Erschienenen und unter den Klängen der 166er Infanterie-Kapelle aus Hanau entwickelte sich bei der tausendköpsigen Menschenmenge bald ein buntes Treiben in dem großen schattigen Gatten von Henopp.
Bad-Nauheim, 10. Juli. Dienstag den 12. Juli, nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr im Saale Stranß-Konzett der Kurkapelle unter persönlicher Leitung von W. Bruch und humoristische Vorträge des zur Kur hier weilenden im Jnteresie des guten Zweckes mitwirkenden Singspieldirektors Papa Geis aus München. Der Gesamtettrag dieser Veranstaltung fließt zu gleichen Teilen in die Baufonds der hiesigen evangel. und kathol. Kirche.
g. Schwalheim, 8. Juli. Dem Dragoner St. hatte es am Sonntag auf der hiesigen Kirchweihe so gut gefallen, daß er beschloß, obwohl nur bis Montag abend beurlaubt, auch noch Montag und Dienstag hier zu bleiben. Als St. am Dienstag morgen nicht in seiner Garnison Darmstadt etntraf, wandten sich seine Vorgesetzten telegraphisch an die Gendarmerie. Diese begab sich sofort mit dem Polizeibiener nach betn Elternhaus bes St. Ms ber Säumige bie Ankommenben sah, ging er flüchtig. Nun ging eine wilbe Jagb über Stock und Stein los. Zweimal durchschwamm der Flüchtling die Wetter, um sich schließlich wieder in sein Elternhaus zu flüchten und im Heu m ber Scheune ein Versteck zu suchen. Hier fanden ihn die Verfolger mit Hilfe einer Heugabel. Er wurde verhaftet und nach Friedberg gebracht.
§ Düdelsheim b. Bübingen, 10. Juli. Unsere Gemeinde hat in letzter Zeit große Summen für § e l£- bereinigung und Wasserleitung auSgemorfcn. Nunmehr hat bie Gemeindeverwaltung auch die Notwendigkeit einer vierten Lehrerstelle erkannt, da sich die Schüler- zahl in den letzten Jahren bedeutend vermehrt hat. Als Schulsaal ist ber Rathaussaal vorgesehen. Bis zum Herbst glaubt man eine Lehrkraft an bieser Stelle zu haben.
Darmstadt, 9. Juli. Finanzminister Gnauth hat, wie die „Darmst. Zitg" meldet, einen dreiwöchigen Urlaub angetreten.
d Mainz, 11. Juni. Der Verein Convent unternahm, nm gestrigen Sonntag eine SchiffSpartte rbcinabrvärts, an dem auch der Schlossermeister Gg. Wilh. Platin er mit ^-amilic feilnahm. In der Nähe von Bingen lehnte nch das 14 jäl)rige Töchterchen PlattnerS zu weit über das Geländer, erhielt baS Uebergewicht und stürzte in den Rhein. Von bem unglücklichen Kinde wurde nichts mehr gesehen, es verschn'anb in den Wellen. Die Ekteni bcS Kindes sind untröstlich, sie kehrten per Bahn hierher zurück.
Gingen, 7. Full. DaS am 3. Juli begonnene Ver- banbSschießen des Bidrsckrcn LandeSsckMtzenvcretnö, bcS PMzischen imb Mittelrheiirisckieu SchützcnbunbeS erfreute sich bei herrlichstem Wetter eines IcbMtvn Zuspruch Mn Fweitag nadnnitfaa 1/4 5 Uhr tmf ber Groß Herzog Ernst Lubwi^i von Darmstadt kommrub p^w Automobil aus beut Rochusbergr gelegenen Festplatze ein. Er würbe vom ersten Schützeunreister Herrn C. Gräff begrüßt und ihm ein Ehren* trunf bar^reichl. Dw Grvßbcrzog bankte für bcm fr -nnd-
ung fuhr er um 6 Uhr wicbcr mich Darmstadt zurück.


