kvurs dem Gesetzgebungsausschuß. Damit ist die Regierungsvorlage begraben.
DaS Koalitionsrecht der Eisenbahnarbeiter.
Im preuß. Abgeordnetenbanse wurde am Donnerstag die zweite Besprechung des Eisenbahnetats bei den fortdauernden Ausgaben, Titel: Besoldungen, fortgesetzt. — Abg. Brust (Ztr.) fordert eine Gehaltsaufbesserung für die Bahnsteigschaffner und die Lokomotivheizer. Alsdann geht Redner auf das Koalitionsrecht der Eisenbahner ein. Das Koali- tionsrecht der Landarbeiter und das der Eisenbahn- arbeiter müsse anders geregelt werden wie das Koalitionsrecht der gewerblichen Arbeiter. Abg. Ze lisch lkons.) wendet sich gegen die Konsumvereine der Essen- bahnbeamten und gegen das Koalitionsrecht der Eisenbahnarbeiter. 90)0 Heckenroth lkons.) begrüßt die Stellung des Ministers zu den Arbeiterausschüssen und wünscht Besserstellung der Streckenarbeiter. — Abg. Dr. Schulz-Bochum (nl.) wünscht, daß die Eisenbahnverwaltung mit aller Energie dem Eindringen der Mächte des Umsturzes in die Kreise der Eisenbahner entgegen treten m äge. — Abg. v. Leipziger (kons.) tritt für eine Besserstellung der Bahnmeister ein. — Abg. Frbr. v. Zedlitz (frf.) meint, nichts könnte die Macht der Sozialdemokratie mehr stärken, als wenn es ihr gelänge, in den Kreisen der Eisenbahner Einfluß zu erlangen. Andererseits müsse man dafür sorgen, daß die Angestellten sich unter dem Danner der Hohenzollern wohl fühlen. — Abg. Tr. v. Dirks en (frk.) tritt für Gehaltsaufbesserungen der Schaffner ein. — Minister Budde konstatiert, daß durch Anschlag in allen Werkstätten die Arbeiter davon unterrichtet sind, daß eine Beteiligung an den Bestrebungen des sozialdemokratischen Verbandes nicht geduldet werden würde. Tie Beteiligung der Eisenbahnangestellten an Konsumvereinen könne er, wie schon betont, nicht verbieten. Früher habe der Kontraktbruch als Ausfluß der Untreue gegolten, heute bezeichne man die Streikbrecher als verächtliche Menschen. EH könne den Eisenbahnarbeitern nicht oft genug gesagt werden, daß ihre schlechtesten Vertreter die Sozial- oemokraten sind.
Beim Titel: Außerordentliche Remunerationen für Unterbeamte tritt Abg. L a t t m a n n (Antis.) für Beseitigung solcher Extravergünstigungen ein, welche nur Neid und Mißgunst erregten. Ter Titel wird bewilligt.
Beim Titel Wohlfahrtszwecke tritt Abg. von Savigny für freie Aerztewahl bei den Krankenkassen der Eisenbahner ein. Tas Ordinarium wird schließlich ohne wesentliche Tebatte bewilligt. Die Beratung wendet sich dem Cxtraordinarium zu, wobei wiederum zahlreiche Spezialwünsche vorgebracht werden. Tie Abgg. Tr. Friedberg (nl.) und von Gy nern (nl.) schließen sich den Vorrednern an.
Der Ausüand der Kererüs.
Nach einem Telegramm aus Swakopmund ist dort ein Transport von 100 Pferden, 280 Maultieren und 200 Ochsen aus Buenos Aires eingetroffen.
Gouverneur ßeutro e in meldet vom 10. d. M., daß durch Hauptmann Puder die Kriegslage im Bezirke Otjimbingwe festgestellt ist. Der Gegner steht zum Teil in starker Stellung bei Oruware, Oberhäuptling Maharero steht östlich von Okahandja. Der Häuptling Tetio ist vor der Kolonne des Majors v. Glasenapp auf dem Rückzüge den Nosob aufwärts nach Onjati. Im Westen räumte der Gegner die Etjoberge und zieht sich vor der Kolonne des Majors o. Estorff ebenfalls nach Onjati zurück. Von den Herero im Nordosten liegt keine Nachricht vor.
Ausland.
Daris, 10. März. Tie heutigen Morgenblätter brach>- ten Andeutungen über eine im Marineministerium entdeckte Spionageaffäre. Es kommt nun folgende anscheinend authentische Darstellung: Ein Offizier des Marineministeriums, derKommandanrMartin, erhielt dieser Tage ein Paket Gratulationsbriefe, darunter befand sich aber auch ein Brief folgenden Inhalts: Mein Herr, Sie haben mir zweimal vertrauliche Dokumente über die Marine angeboten. Wenn Sie Ihren Vorschlag ausführen wollen, so kommen Sie . . . Hier folgt die Adresse des japanischen Marineattachees. Ter Offizier besah nach der Durchsicht dieses Briefes nochmals den Umschlag und erkannte, daß er durch Verwechslung in seine Hände gekommen war. Tie Adresse bezeichnete einen Unteroffizier Martin, der zu Bureaubiensten im Marineministerium kommandiert ist und zuletzt in der Generalstabsabteilung arbeitete, der die Vorbereitungen für einen Kriegsfall obliegen. Ter Unteroffizier wurde verhaftet und eine Untersuchung eröffnet. Ein Abendblatt meldet unter Vorbehalt, daß ein die Unterseeboote betr. geheimes Schriftstück verschwunden sei. Tie japanische Gesandtschaft dementiert die Behauptung, daß ihr Marineattachee irgendwie in die Angelegenheit verwickelt sei.
Budapest, 10. März. Im Ab g eordnetenh ause spielte sich heute ein denkwürdiger Vorgang ab. Abg. Thaly von der Kossuthpartei richtet einen dringenden Appell an die ob st ruktioni st ische Opposition, der Rekrutierungsvorlage nicht länger Widerstand entgegenzusetzen. Ministerpräsident Graf Tisza erklärt, daß er seinen Antrag betr. die Verschärfung der Hausordnung zurückziehe, falls die Rekrutenvorlage mit größter Beschleunigung angenommen werde. (Stürmischer Beifall auf allen Seiten des Hauses.) Thaly begibt sich, von den B'inken der Opposition zum Min'sterplatz und drückt hem Grafen Tisza Die Hand. Es ertönten Rufe: Eljen Thaly! Viele Mitglieder sind zu Tränen gerührt. Ter Präsident, von Rührung übermannt, unterbricht die Sitzung. Nachdem diese wieder eröffnet worden ist, erklärt Ugron im Namen der Obstruktionisten, daß sie der schleunigen Erledigung der Rekruten vor läge zustimmen. Tie öffentliche Meinung werde anerkennen, daß die Obstruktionisten den Kampf für die Geltendmachung der ungarischen Sprache in der Armee bis zum äußersten geführt haben, jedoch, da ihre Kräfte nunmehr versagen, von w e i t e r e m Ka m p f e ab st eh en müssen. Graf Tisza erklärt, er würde den feierlichen Augenblick beeinträchtigen, wenn er ihn mit Glossen begleiten würde; er beschränke sich aus die Bitte, die Zurückziehung der Rekrutenvorlage und die Einbringung de? Antrags betr. die Verschärfung der Hausordnung als nicht geschehen zu betrachten. (Minutenlanger, begeisterter Beifall und Händeklatschen.)
Belgrad, 10. März. Tas Blatt „Politika" veröffentlicht einen an die Slaven auf der Balkanhalbinsel gerichteten Aufruf Riccioti Garibaldis, in dem dieser die Slaven aussordert, der Unersättlichkeit der Ger
manen entgegenzutreten, die infolge des rusfisch-japani- schen Krieges für ihre Expansionsgelüste freie Hand erhalten hätten. Ter Aufruf fordert die Slaven auf, an dem Kongreß in Venedig teilzunehmen, auf welchem über die Art und Weise der Abwehr der panqermanischen Gefahr beraten werden soll, und sich mit Garibaldi als Präsidenten der großen nationalen „Federation pro italia irredenta" in Verbindung zu setzen.
Aus Stadt uud Kaud.
Gießen, den 11. März 1904.
L. U. Ernennungen. Privatdozent Dr. Bruno Henneberg wurde zum außerordentlichen Profeffor bei der medizinischen Fakultät, die Privatdozenten Dr. Walter Kinkel, Dr. Karl Helm und Dr. August Messer zu außerordentlichen Profefforen bei der vhilosophischen Fakultät der Landesuniversttät ernannt.
e* Zur letzten Provinzial-Ausschuß-Sitzung. Wir werden um Aufnabme folgender Mitteilung ersucht. Der Bericht über die letzte Sitzung des Provinzial-Ausschuffes in Nr. 58, zweites Blatt, könnte das Mißverständnis herbei- führen, als ob die dort erwähnte Aussage des Kriminalschutzmannes sich in Widerspruch mit dem Polizeiamt befände. Es ist dies selbstverständlich nicht der Fall gewesen, der Kriminalschutzmann hat vielmehr im Einverständnis mit dem Polizeiamt gehandelt.
*• Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Be der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse fiel ein Gewinn von 40 000 Mk. auf Nr. 2821, ein Gewinn von 20 000 Mk auf Nr. 97804, zwei Gewinne von je 10 000 Mk. auf Nr. 25666 70744, zwei Gewinne von je 5000 Mk. auf Nr. 23077 34179, Gewinne .von je 3000 Mk. auf Nr. 1605 9649 13654 18202 19335 19433 21173 21857 31994 32284 32921 34418 34696 40018 40572 43841 52983 66667 75804 87612. (Ohne Gewähr.)
** Im Oberhessischen Geschichtsverein sprach gestern Prof. Di em ar-Marburg über die Eroberung der Burg Land st u hl und bot der zahlreichen Versammlung eine feffelnde Darstellung jener Katastrophe in der Geschichte des Rittertums. Durch eindringliche Kritik der Quellen über den Tod SickingenS — eS sind vor allem der „Wahrliche Bericht" des pfälzischen Herold Kaspar Sturm, die Ausführungen Georg SpalatinS in seiner Geschichte Friedrich des Weisen und die Flersheimer Chronik — sowie durch Benutzung der früher unbekannten Briefe, die Sickingen aus der belagerten Burg sandte, ist es dem Redner gelungen, in einer Reihe nicht unwichtiger Punkte neue Resultate zu gewinnen, insbesondere über die Beteiligung deS L a n d g r a f e n Philipp. Dieser ergriff bei SickingenS Vorstoß gegen Erzbischof Richard von Trier gern die Gelegenheit, früher erlittene Feindseligkeiten des Ritters zu rächen, schloß im Februar 1523 einen Vertrag mit dem Erzbischof und mit Palzgraf Ludwig, und zog im April mit diesem Fürsten gegen Sickingen. Das treffliche Geschütz des Landgrafen hat den Hauptanteil an dem schnellen Erfolg gehabt. Sickingen, der es für schimpflich gehalten, beim AuSrücken der Kriegsfürsten Landstuhl zu verlassen, mußte bald einsehen, daß seine neuen Mauern solch „unchristlichem Schießen" nicht standhalten konnten. Seine Hoffnung auf Ersatz blieb vergeblich. Aber erst die schwere Verwundung, die er am 6. Mai erhielt, brach seine Zuversicht. Er begann zu unterhandeln und stimmte schließlich der Forderung der Fürsten zu, die auf Uebergabe der Burg und Gefangenschaft der Ritter lautete. Die denkwürdige Unterredung der 3 Fürsten, besonders de8 Landgrafen mit dem Ritter an deffen Sterbelager bildete den Gegenstand besonders eingehender Ausführungen. Schon am nachmittag des 7. Mai starb Sickingen. Der Sieg des Geschützes über seine Burg war ein Sieg der neuen Zeit über das Mittelalter, in Franz von Sickingen wurde das niedergehende Rittertum von dem emporstrebenden Fürstentum überwunden«
** Die Ortsgruppe des Deutschjnat. Handlungsgehilfen Verbandes hielt gestern abend im Saale des Cafs Ebel einen Vortrag ab, in dem Herr Rich, von Pein aus Hamburg über das Thema „Was erwarten die Handlungsgehilfen vom Reichstag?" sprach Der Redner griff zuerst 50 Jahre zurück und schilderte die Verhältnisse von damals, die so gut wie nichts von Sozialpolitik kannten. Erst in den 70er Jahren fing allmählich ein anderer Wind zu blasen an, und falle auch in diese Zeit die Entstehung der Haftpflichtgesetze. Msdann kommt er auf den jetzigen Reichstag zu sprechen. Der Redner gab seiner Freude d arüber Ausdruck, daß gerade jetzt eine gute sozialpolitische Strömung herrsche, uud sprach dann von der Stellung, die der D. H.-V. heute einnchme. Er hob u. a. hervor, daß neulich in der Debatte betr. die Kaufm. Schiedsgerichte Graf Posadowsky den Standpunkt der Teutschnationalen, die Kaufmannsgerichte an die G.'werbe- gerichte anzugliedern, trotzdem die anderen Verb nde und Handelskammern für eine Angliederung an die Amtsgerichte waren, für den einzig richtigen hielt. Der Redner kritisierte einige Mißstände in dem genannten Gesetz; so sei es zurzeit absolut verwerflich, Handlungsgehilfinnen das Wahlrecht zuzusprechen. Auch ist er der Meinung, daß das Hinzuziehen von Rechtsanwälten nicht gutgeheißen werden dürfe, da dadurch nur eine unnötige Prozeßverlangerung herbeigeführt werden würde. Eine Umarbeitung d^s Sonntagsruhegesetzes sei unbedingt nötig Zum Schlüsse ließ der Vortragende die Versammlung u. a. noch Nüssen, daß der Deutschnat. Handlungsgebilfenverbaud fest bei der Arbeit sei, daraus hinzuwirken, daß auch in den Kentm'betrieben eine gesetzliche Regelung eintrete. Er meinte, daß man ebensogut wie die Läden um 9 Uhr die Kontore um 7 Uhr schließen könne. Die Versammlung war recht gut besticht. Nach Eröffnung der Versammlung hatte der Vv^s tzende der b'esigen Ortsgruppe des D. H.-V. einen Brief von dem Neichstagsabg^ordneten Kommernenrat Hey'igen-a'dt verlesen, in welchem dieser für seine Einladung dankt und bedauert, ihr nicht Folge leisten zu können. Er teilte noch mit, daß den Wünschen der Handlungsgehilfen im Reichstage Rechnung getragen würde.
** Besitzwechsel. Gerbermeister Plank verkaufte sein Anwesen Frankfurterstraße 31 zum Preise von 56 000 Mark an Pferdehändler August Frensdorf.
** Aus dem Bureau de? Gtadttheaters. ES sei nochmals in letzter Stunde auf das heutige Gastspiel der Nachtasyl-Tournee dinge,vielen, die schon bei ihrem ersten Auftreten so außerordentliches Interesse erregt hatte. Eine weitere Wiederholung des Gastspieles ist ausgeschloffen. Am Sonntag, den 13. März, geht als Benefiz für den
beliebten Komiker unserer Bühne, Otto Conradi, Kneifest übermütige Poffe „Papa g en o" in Szene. Das bekannt- Stück gibt Herrn Conradi Gelegenheit, alle Mittel seine: Komik in ausgiebigster Weise zu verwenden und sicherlick werden alle, die einmal herzlich lachen wollen, am Sonntac auf ihre Rechnung kommen.
** Die Antwort der Großh. Regierung übet die dringliche Anfrage der Abgg. Schmalbach und Genossen, betreffend die Schädigung deS Publikum? durch den Zwischenhandel mit Schweden und Schweinefleisch, lautet wörtlich wie folgt:
„Die Großh. Regierung verkennt nicht den nachteilige E i n s l u ß , den ein Mißverhältnis zwischen den Preisen bei Schlachtschweine und den Fleischoreisen auf die Produktion sowohl, als auch auf die E r n ä h r u n g S v e r h ck l t n i s f e insbesondere der minderbemittelten Schichten der Bevölkerung auszuüben vermag. Ein gesetzlich zulässiges Mittest um solche Mißverhältnisse zu beseitigen, stebt ihr indes nicht zur Verfügung. Ta es sich hierbei, wie die Erfahrung lehrt, in bet Regel nur um vorübergehende Erscheinungen handelt, so ist ein dauernder Nachteil, der Abhilfe durch Maß. nahmen der Gesetzgebung und Verwaltung erheischte, nicht z„ b e f ,'i rchte n. Ob es gelingen würde, einer Wiederholung solcher Verhällinsse dadurch v o r z u b e u g e n, daß die E i n k a uls° greife auf dem vlatien Lande und auf den großen städtischen Viehmärkten und Viehhöfen in Gegenüberstellung mit den am Orte zur gleichen Zeit geltenden Verkaufspreisen von Fleisch und Fleischprodukten in den großen Städten allwöchentlichöffeni. l i ch angeschlagen werden, ist sehr fraglich; beim bii Preise für Schlachtvieh kommen jetzt schon durch die Zeitungen regelmäßig und ebensogut zur Kenntnis der städtischen Bevölkerung als es durch den gedachten össentlichen Anschlag geschehen könnte' Tie Großh. Negierung ist daher nicht in der Lage, Maßnahme in der durch die Anfrage der Abgg. Schmalbach und Gen. angedeuteten Richtung zu ergreifen."
Mainz, 10. März. Durch Entschließung des Groß. Herzogs ist dem Großh. Beigeordneten Dr. Schmidt in Mainz der Titel „Bürgermeister" verliehen worden.— Seitdem der Raubmord in Frankfurt a. M. an dem Kauf, mann Lichtenstein begangen wurde, leben in Frankfurt und Umgegend alle Menschen in steter Angst. Auch giebt efi Leute, die einfach einen Raubmord erdichten, um noch mehr Beunruhigung unter dem Publikum zu verbreiten. Ein solcher Mensch, welcher vorgestern abend in Wiesbaden in einer Wirtschaft saß und eine Mordgeschichte verbreitete, mußte, wie wir im „9)L Tagebl." lesen, zu seinem eigenen Nachteil eine halbe Stunde später erfahren, daß mit solch ernsten Dingen nicht zu spaffen ist, er wurde verhaftet. Der Mann, ein Händler aus Kassel, welcher am Abend vorher von Mainz nach Wiesbaden kam, erzählte in der fraglichen Wirtschaft, daß vorgestern abend in Mainz ein Raubmord verübt worden fei; er sei über den Mord genau informiert und kenne auch die Täter. Einer der Gäste verließ still- schweigend die Wirtschaft und unterrichtete einen Schutzmann auf der Straße von dem Gehörten. Der Schutzmann faßte die Sache mit Recht ernst auf und nahm den Menschen sofort fest. Hierauf ließ sich der Beamte telephonisch mit der Mainzer Polizei verbinden nnd stellte Recherchen an. Die Mainzer Kriminalpolizei hatte nicht die geringste Ahnung von einem Mord. Auf Antrag der Mainzer Polizei wurde der Händler festgehalten und eine Stunde später waren zwei Kommissare und ein Kriminalschutzmann von Mainz in Wiesbaden. Der Verhaftete wurde nun einem scharfen Verhör unterzogen und hierbei stellte sich heraus, daß an der ganzen Mordgeschichte kein wahres Wort war. Der Verhaftete gab an, er habe die Geschickte nur vom Hörensagen, er selbst wisse gar nichts. Nachdem die Mordgeschichte klargestellt war, wurde der Mann auf freien Fuß gesetzt. Da aber wahrscheinlich infolge des von dem Menschen gemachten Ge- schwätzes ein Gerücht umlief, zwischen Amöneburg und WieS- haben sei ein Mann erstochen und seiner Barschaft beraubt aufgefunden worden, ließ die Polizei von Mainz, Kastel, Biebrich und Wiesbaden den ganzen Tag und die Nacht hindurch die Gegend absuchen, ohne jedoch etwas zu finden.
Vermischtes.
* Essen, 10. März. Heute legte der Arbeiter Schneidet aus Scherz einen Revolver auf seine Frau an. Der Revolver entlud sich und tötete die Frau.
* Salzwedel, 10. März. Ter Domänenpächter Rimpau auf Dambeck ist an den schwarzen 93tattern erkrankt; er wurde sofort isoliert.
* Brüssel, 10. Marz. Der Direktor des Genter Stadt- theaterS, Bödri, flüchtete nach Hinterlaffung von 150000 Francs Schulden; er hat sich vermutlich nach Deutschland begeben.
• Wien, 10. März. Der bekannte Gesangshumorist und Professor des hiesigen Konservatoriums, Karl Udel, er* bi in bete plötzlich während einer Kunsttournöe. Udel stand an der Spitze des bekannten Gesangsquartetts, das seit mehr als zwei Jahrzehnten in Oesterreich und Deutschland konzertierte und überall Triumphe einheimste.
• Eine kaum glaubliche Geschichte wird der „Neuen Bayer. LandeS--Ztg." aus Nürnberg geschrieben: In dem Vorort Glaisbammer unternahmen schulpflichtige Knäblein regelrechte Raub- und Streifzüge. Die Beute wurde von ihnen zumeist in Neubauten verzehrt imd, soweit sie in Zigaretten bestand, verdampft. Am letzten Mittwoch war wieder eine Näuber-Zusammenkunst. Em Mitglied, das besonders viel auf dem Kerbholz hatte und einer strengen Bestrafung entgegensah, erhielt von dem „Ehren-gericht" den Rat, sich aufzuhängen. Ein Strick war bald zur Stelle. Um die Sache feierlich zu machen, wurden Kerzen angebrannt, und das Lied wurde gesungen: Stieslein, mußt sterben, — Bist noch so jung, so jung! — Wenn das der Absatz müßt', — Daß Du schon sterben müßt', — Thät er sich grämen — Bis in den Tod. — Un bald darauf war der Gehängte eine Leiche.
• Millionäre a l S Feuerwehrmänner. Die Newyorker Millionäre sollen, wie ein belgisches Blatt wissen w'll, nach den letzten großen Feuersbrünsten eine Feuerwehr- Abteilung gegründet haben. Tie Brigade bestehe auSscklie • lich auS Millionären; der Feuerwehrchef sei ein befanm Milliardär, und die Offizierstellen würden „steuerstufenweisc vergeben, d. h. je nach der Zahl der Millionen, die die Bewerber besitzen. Die Millionäre sollen sich dem Dienst m großem Eifer widmen und bei keiner Hebung fehlen. Geschichte scheint ein verfrühter Aprilscherz zu sein!>


